Schwache Schalker starten fehl

Nach dem Aus im DFB-Pokal misslingt auch der Ligaauftakt: Schalke verliert in Hannover 1:2. Danach war ein Sündenbock flott gefunden. Ihn alleine anzuprangern, greift aber zu kurz.

Benedikt Höwedes ist Kapitän und neuerdings eben auch Weltmeister. Sein Wort hat nun noch mehr Gewicht, und auch an Klarheit ließ es nach dem Spiel nicht zu wünschen übrig: Prince war schuld. In der Szene vor dem Ausgleich der Hannoveraner hätte er Leonardo Bittencourt gleich an der Mittellinie foulen müssen. Jens Keller sagte dasselbe. Horst Heldt prangerte Klaas-Jan Huntelaar an, der zuvor den Ball verlor. Individuelle Fehler jedenfalls, die dazu führten, dass Hannover das Spiel drehte, das Schalke zu dem Zeitpunkt ja so gut im Griff hatte.

Tatsächlich war Schalke nach der Pause am Drücker, zeigte sich engagiert und spielte den Konter, der zum 1:0 wurde, toll aus. Von der 45. bis zur 67. Minute wirkte Schalke ehrgeizig und zielstrebig. Sicher war es auch des Princen Bock, der zum Ausgleich führte. Trotzdem kann man auch der Meinung sein, dass es die Chancen auf einen Erfolg erhöht hätte, wenn Schalke in der ersten Halbzeit und nach dem Ausgleich ordentlich Fußball gespielt hätte. Die besagten Schlüsselszenen wurden nur deshalb zu eben solchen, weil in 71 von 93 Spielminuten bei den Blauen nichts zusammen lief.

Nur auf grafischen Darstellungen läuft Schalke weiterhin in der bekannten 4-2-3-1-Formation auf. Tatsächlich agierte Sidney Sam in Hannover, wie schon in Dresden, auf einer Mittelfeld Halbposition, wie man ihn aus dem Leverkusener „Tannenbaum-System“ (4-3-2-1) der letzten Saison kannte. Auf dem Flügel ward er nie gesehen. Eric Maxim Choupo-Moting wich zwar ab und an auf den Flügel aus, agierte aber ebenso häufig im Zentrum oder als Stürmer neben Klaas-Jan Huntelaar. Julian Draxler war als „10er“ aufgeboten, spurtete aber häufig auch durch das linke Mittelfeld, eben wenn Choupo-Moting wieder anderswo umher lief. Was möglicherweise irgendwann mit der nötigen Abstimmung und Präzision als tolles Rochieren gefeiert werden könnte, wirkte in Hannover wie pures Chaos.

Mal stand man sich im Weg, mal waren riesige Räume gänzlich verweist. Fast immer wurden selbst einfache Pässe schlampig gespielt, die Rückwärtsbewegung der Offensivkräfte nach Ballverlust war ein ständiges Problem: Schalkes drei kreative Spieler hinter Klaas-Jan Huntelaar waren in der Summe schwach, egal wieviel Talent sie einzeln auch auf den Platz brachten. Abgesehen von der einen Kontersituation, die zum 1:0 führte, sind sie an ihrer Aufgabe, Klaas-Jan Huntelaar mit verwertbaren Bällen zu füttern, kläglich gescheitert.

Es ist an Jens Keller, den drei sich fremden Spielern hinter Klaas-Jan Huntelaar aufzuzeigen, wie sie den Ball gemeinsam zu Schalkes Torjäger bringen können. Fehler passieren immer. Schlecht ist, wenn man so wenig zu erzwingen in der Lage ist, dass man zu 100% von Fehlerfreiheit abhängig ist.



57 Kommentare zu “Schwache Schalker starten fehl”

  1. Detlef ( Doktor_D ) sagt:

    Es passt vieles noch nicht im Spiel von Schalke 04, du hast eigentlich alles angesprochen. Ich möchte nur kurz erwähnen, dass 3 von 4 Gegentoren in den beiden ersten Pflichtspielen aus Kontern entstanden. Wie sagt man so schön, das Umschaltspiel passt nicht.
    Wenn dann wie beim 1:1 in Hannover KPB, oder bei 2:0 in Dresden Marco Höger den Sprint des Gegners nicht unterbinden und sei es mit einem Foul, dann klingelt eben hinten schon mal.

    Die Auftritte der Mannschaft erinnern mich im Übrigen an die vor 12 Monaten. Ich hoffe, nein ich glaube, dass es diesmal schneller geht die Fehler abzustellen.

  2. hellwach sagt:

    In der Startelf:
    9 aus der besten Rückrunde
    9 Nationalspieler
    7 WM Teilnehmer 2014
    6 aus der A-Jugend Entwachsene
    2 Neue -nur- (2 Nationalspieler UND WM-Teilnehmer 2014)

  3. blues sagt:

    Hoffnungslosigkeit. Versucht man Argumente zu finden fällt auf,

    dass Max Meyer und Julian Draxler weit von ihrer Bestform entfernt sind und die „Zehn“ verwaist ist.

    Der schlaflose Prince. Er wirkt irgendwie müde, freundlich gesagt. Ich vermute, er scheint seiner Vaterrolle gerecht werden zu wollen und kümmert sich nachts intensiv um sein Kind. Tagsüber will er nicht auf die Sechs. Keller sagte vor einem Jahr, der Boateng sei sein Mann. Irgendwie blöd.

    Und immer wieder Huntelaar. Ist ja nicht schön, das festzustellen, aber wie schon gegen Dresden war es nicht Keller sondern Huntelaar, der den Ball der zum Gegentor führte, weit außerhalb des Strafraums, in der Weite der gegnerischen Hälfte, verdaddelte.

    Schalke spielt aktuell ohne jene vertikale Achse, die uns in der letzten Rückrunde mit Fährmann-Prince-Meyer-Huntelaar so stark machte. Alle Achsenspieler, bis auf Fährmann sind nicht in der Form der letzten Rückrunde. Drei Achsenspieler waren WM-Teilnehmer. Das scheint sich bemerkbar zu machen.

    Dazu Außenverteidiger, die keins der beiden Gegentore zu verhindern wussten.

    Wie dem auch sei, es liegt am Trainer aus den Einzelspielern des Kader schnell ein kooperierendes Team zumachen.

  4. francois04 sagt:

    Das Geschehen um den Verein erinnert mich ein wenig an: „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

    Bevor ich meine und vieler anderer Meinung hier „wiederkäue“, kommentiere ich diesen Spieltag besser nicht!

    Ich denke mit Furcht an den nächsten Samstag, wenn wir die Münchner in der Arena empfangen und aller Wahrscheinlichkeit nach, die Hütte voll bekommen werden.

    Sollte mich meine Befürchtung Lügen strafen, dann werde ich Samstagnacht an dieser Stelle noch Abbitte leisten.

  5. der klopper sagt:

    Schlüsselspieler im heutigen Fußball ist die 6 u die 8 und das ist unsere krux ,Neustädter Spiel das in einem
    Tempo.Das erste halbe Jahr stark,Länderspiel in Amsterdam ,seitdem aus die Maus.
    Bei Boateng dauerte die gut Phase nicht so lange , will er da nicht ,kann er da nicht ,
    wenn so ein Kerl nach einer 1/4 Stunde trieft wie ein altes Wasserfaß und nach 85 min.
    Krämpfe bekommt zeugt das davon der Mann ist in der Ausdauer fit.
    Über HR.Heldt u HR Keller lasse ich mich nicht aus.

  6. Mike sagt:

    Es ist einfach.. ENTTÄUSCHEND. Ich mag auch die ganzen Erklärungsversuche und Hinweise auf DAMALS (‚ICH habe tolles geleistet in der letzten Rückrunde…‘) oder die Verletzten echt nicht mehr hören. Sam, Choupu und Max usw. waren in der Vorbereitung lange zusammen und haben was genau einstudiert?
    Mir persönlich ist es egal wer welchen Fehler macht – das gehört dazu. Und wenn man dann verliert – schade, aber ok. Was mich übelst erregt, ist, dass ich immer noch kein SCHALKE-PLAY sehe. Die LEVerkusener haben das Schmidt-System scheinbar in der Vorbereitung gelernt und einen grandiosen Fight geliefert. Fussek hat sich verändert. Pressing, Einsatz, Geschwindigkeit, … Weiterentwicklung aller Orten. Aller Orten? Nein! Die kleine sympathische Stadt im Pott mit ihrem tollen blauen Club wehrt sich hartnäckig…
    Die Spieler sind da, Stadion ist da, ich wär auch bereit für rosigblaue Zeiten, also.. LOS GETZ!

  7. Hanseknappe sagt:

    Gerne bedient der Fußballfan in solchen Situationen ja der Floskel, dass der Trainer die Mannschaft nicht erreichen würde. Das trifft auf Jens Keller definitiv nicht zu. Fast alle Spieler (auch die Einwechselspieler) sind ein Ebenbild des Trainers. Konzeptlos, motivationslos und mit einer desolaten Körpersprache. Dies scheint er wirklich gut zu transportieren!
    Von meinem Platz Höhe der Mittelinie habe ich häufig eine Zusammenrottung mehrerer Blauer am Mittelkreis wahrgenommen. Da das Spiel schon im Gange war und es erwachsene Männer waren die sich dort tummelten schieden ein F-Jugend Kick und fünf gegen zwei aus. Über die gesamte Spielzeit hat es sich mir auch nicht erschlossen, welches Konzept (ich vermeide hier bewusst das Wort „System“) dahinter stecken sollte. Wie Thorsten auch schon anschnitt ist die Offensivabteilung nicht in der Lage, JKH mit verwertbaren Bällen zu versorgen. Unverständlich, wenn man doch sieht wer dort Spielt. Anscheinend sieht es der Trainerstab aber vor, mit allen Mann, geballt durch die Mitte zu kommen. H96 hat am Samstag einen schlechten Tag erwischt. Trotzdem waren wir nicht in der Lage das Spiel zu gewinnen. Das ist das Eigentliche was mir Angst macht! Das unsere Sechser wiederholt eine katastrophale Partie ablieferten will ich gar nicht aufzählen, da sich der Rest ja auch nicht mit Ruhm bekleckert hat. Auch die Einwechslungen, wie oben bereits erwähnt, setzen keine Impulse. Hotte sagte ja im Kabinengespräch die Kritiker wären zu weit weg. Ich finde, die Ergebnisse sind es derzeit auch!
    Erschreckt hat mich danach auch noch das Interview mit unserem Trainer. Hier rühmt sich Herr Keller das er großes geleistet und wie viele schwierige Situationen er in den letzten 20 Monaten gemeistert hätte. Brüstet er sich hier nicht mit Lösung von Problemen für dessen Ursachen er selbst verantwortlich ist?
    Ich bin mehr denn je der Meinung das Jens Keller nicht der Richtige für diese Mannschaft ist! Und das hat nichts mit den ersten beiden Niederlagen zu tun, sondern ist ein Resultat der letzten 20 Monate!

  8. Lutt sagt:

    Hanseknappe, größtenteils stimme ich dir zu. Trotzdem – neue Saison, neu Karten, neue Chance. Und da müssen wir jetzt erstmal mindestens 4-5 Spieltage lang durch. Entweder, wir kriegen die Kurve unter Keller noch (was für uns vermutlich weiterhin ein pomadiges Spiel bedeutet, aber eben erfolgreicher), oder halt nicht – andere Trainer stehen schon auf der Rampe.

    Was mich total annervt, sind diese Keller-Beschwörungen á la „Was ich hier letztes Halbjahr geleistet habe…“ usw. Aber Trainer kommen im Angesicht des Misserfolges wohl nie so richtig überzeugend rüber.

    Mal gucken, was es wird, aber nach den bisherigen Erfahrungen mit dem Trainer gibt es eine Krise, ein paar Siege, eine Krise, ein paar Siege usw. – immer genau so, dass eine Entlassung des Trainers gerade eben nicht mehr tragbar ist.

  9. Mike sagt:

    Hanseknappe, sehr gut. Vor allem der erste Absatz. Teams sind ein Abbild ihrer Trainer. Muss ja auch so sein. Mir ein Rätsel wieso dass so wenige akzeptieren können.

  10. Jose sagt:

    Hanseknappe:
    ich teile Deine Einschätzung. Nichts wäre für den Club besser als eine mehrjährige Arbeit des gleichen Trainers. Leider wünsche ich mir auch einen anderen als JK. Ich habe Ihn und sein Wirken auf die Mannschaft im Training intensiv beobachtet. Für mich agiert er als „netter Onkel“ der Jugend, in vielen Situation viel zu brav, dabei besitzt er keine Varianten in der Ansprache bzw. dem Zugang auf Stars und Jugendspieler. Im Spiel gegen Hannover oder DD hätte ich eine Explosion erwartet, genau dies kennen einiger unserer talente (Meyer etc.) gar nicht. Wo ist die Autorität die den vielen Unzulänglichkeiten endlich klare Grenzen aufzeigt ? Darf man als ambitionierter Club nicht mehr Führung erwarten ? Alle Spieler im Kader haben sich unter Keller nicht weiterentwickelt. Einzig Höwedes…..das war aber Jogi in Brasilien. ne ich bin ehrlich frustriert

  11. MarcB sagt:

    Da gibt es Trainer, die ihre Spieler ausquetschen. Simeone von Atletico ist so einer. Bei anderen sieht man auf den ersten Blick, was sie wollen. Ganz vorne z.Bsp. Mourinho.
    Als er gerade zum zweiten mal zu Chelsea kam, konnten die nach gerade mal zwei Wochen schon wieder Beton in der Abwehr.
    Aber auch in der Bundesliga kann man Spielsysteme und Entwicklungen sehen. Ganz bewusst ohne Leverkusen: In Augsburg und Freiburg. Bei den Bauern und bei den Ringelsöckchen. Wobei Klopp, das HB Männchen, wenigstens den Charakter hat sich nach einem verlorenen Spiel hinzustellen und zuzugeben: Das geht auf meine Kappe.
    Mainz mit Tuchel hätte auch in die Liste gehört. Dafür neu in den Top 10 die Eintracht.

    Das ist nur meine eigene bescheidene Meinung. Aber in dieser Liste wird Keller niemals auftauchen. Auch in drei Jahren nicht.

  12. Königsblau MS sagt:

    Da lob ich mir den Roger Schmidt. Der war vor sieben Jahren noch fest angesteller Ingenieur für einen Automobil-Zulieferer ehe er nach seinen Trainer Stationen Preußen Münster, SC Paderborn und R.B. Salzburg von Völler bei Bayer zum Chefcoach gemacht wurde. Die neue Trainer Generation Klo tu sch :). Keller gehört wohl eher nicht dazu …

  13. blues sagt:

    @Königsblau MS
    Der alte Preusse Roger Schmidt in Ehren. Aber so häufig wie hier Vorbilder aus der Tasche gezogen werden (letztes Jahr Favre, immer Tuchel und Klopp) kann Horst Heldt die Trainer gar nicht wechseln.

  14. Benjamin sagt:

    @Hanseknappe: „Brüstet er sich hier nicht mit Lösung von Problemen für dessen Ursachen er selbst verantwortlich ist?“ Nein, das tut er meines Erachtens nicht. Die entscheidende Komponente für die Bewertung von Kellers Arbeit, das sagst du ja selbst, sind die Ergebnisse und genau das ist die permanent schwierige Situation, in der wir stecken. Bei uns hat ein Trainer eben keine Zeit, viel zu experimentieren und langfristig etwas zu entwickeln, weil uns gesamtes Finanzierungsmodell darauf ausgelegt ist, in die Champions League zu kommen. Der letzte Finanzbericht hat doch gezeigt, dass wir da überhaupt keinen Spielraum haben. Die Behauptungen, wir würden ohne die Einnahmen aus der CL planen, sind ja leider einfach Unsinn. Deshalb sind Trainer bei uns grundsätzlich nur an den kurzfristigen Ergebnisse zu messen, und das ist ein Problem, das nicht der Trainer zu verantworten hat. Deshalb halte ich den Ergebnisfußball, den wir in der Rückrunde gespielt haben, unter den (vorm Vorstand) gegebenen Rahmenbedingungen für die beste Lösung. Attraktivität ist meines Erachtens kein Kriterium, an dem die man Keller messen sollte. Wenn man das will, dann muss man eben auch bereit sein, damit zu leben, falls es schief geht und man nur in die Europa League kommt und das will unsere Vereinsführung offenkundig nicht.

    @Jose „Alle Spieler im Kader haben sich unter Keller nicht weiterentwickelt.“ Das halte ich, mit Verlaub, für Unsinn. Matip, Kolasinac, Ayhan, Uchida, Fährmann und Meyer haben in der letzten Rückrunde deutlich bessere Leistungen gezeigt als jemals zuvor in Ihrer Karriere, auch Huntelaar fand ich spielerisch viel besser.

  15. Torsten sagt:

    Warum gehen eigentlich so viele von Euch davon aus, dass …

    „Ergebnisfußball“ = unansehnlich = schnell zu erreichen

    .. ist? Oder im Umkehrschluss, dass man mit mehr Zeit zu „schönerem“ Fußball kommt, und dass bis dahin schlechte Ergebnisse geduldet werden müssen? Oder dass der dann „schöne“ Fußball nach einer Zeit x endgültig erfolgreich wird?

    Ich erkenne da den Zusammenhang nicht so recht.

    Ich denke, der Spielstil ist eine Vorgabe des Trainers, und die Vorgabe dessen geht von heute auf morgen. Ob das dann erfolgreich ist liegt an der Präzision und dem Vermeiden von Fehlern. An dieser Stelle sind wir aber mit dem letzten Spiel auch, siehe Text oben. Das hat meines Erachtens nichts mit dem Spielstil zu tun.

  16. HanseKnappe sagt:

    @Benjamin
    Ich finde das 20 Monate und vier Vorbereitungen schon genug Zeit sind um in einem gewissen Rahmen ein System erkennen zu lassen. Auch wenn der Druck groß ist! Beide CL Qualifikationen sind ja mehr oder weniger „vom Himmel gefallen“. So richtig überzeugt hat die Mannschaft in der ganzen Zeit nicht. Wenn ich in meiner Abteilung ein Projekt wegen mangelnder Ressourcen nicht sofort umsetzten kann versuche ich bei wichtigen Dingen die Taktik der kleinen Schritte. Es kann natürlich sein das unsere sportliche Leitung ein Spielsystem nicht als wichtig empfindet. Aber wie der Horst sagt, da bin ich zuweit weg!

  17. Exildynamo sagt:

    @Benjamin:

    Bei uns hat ein Trainer eben keine Zeit, viel zu experimentieren und langfristig etwas zu entwickeln

    20 Monate sind eigentlich schon lange, oder?

    Das Zeitproblem hat jede Spitzenmannschaft (und als solche sehen wir uns ja nach wie vor), die den Anspruch hat, oben mitzuspielen…

  18. schalkoholiker sagt:

    Anderes Thema:
    Die vielen Verletzten in unserem Team kann ich seit einiger Zeit nicht mehr als „Pech“ abtun. Bestes Beispiel ist der Kreuzbandriss von Sead am Samstag: Das sah nach nichts aus und auch in der Wiederholung konnte ich nicht wirklich etwas Schlimmes (z.B. ekelhafte Verdrehung des Knies) erkennen. Warum um alles in der Welt sind unsere Jungs da kollektiv so anfällig? Kann man da nicht vorbeugend etwas tun (Physio oder spezielles Training)? Ich bin überhaupt nicht vom Medizin-Fach, aber das scheint mir echt suspekt…

  19. Lutt sagt:

    hm, das mit den Verletzungen ist wirklich so ein Thema. Ich würde sowas nicht auch noch dem Trainer ankreiden, aber die Verletzungen auf Schalke – saisonübergreifend – sind wohl beispiellos. Und es ist augenscheinlich, dass zumindest die zeitliche Linie mit Keller und dem Verletzungspech ungfähr übereinstimmt.

    Aber so Themen wie Ernährung, Fitness usw. wirken sich ja eher über längere Zeiträume aus, während fast jeder, der auf Schalke antritt, sich erstmal am Anfang verletzt (Kirchhoff, Aogo, Giefer, Clemens…)

    Suspekt ist das auf jeden Fall. Vielleicht machen irgendwelche Abgase in der Nähe des Trainingsgeländes von Schalke Knochen und Sehnen porös ;-/

  20. Benjamin sagt:

    @Thorsten Ich denke der Zusammenhang ist eher folgender:

    Attraktiver Fuball = mehr Offensive = mehr Risiko

    Offensives, risikoreiches Spiel ist einfach schlechter zu kontrollieren, Hoffenheim in der letzten Saison ist da für mich das Paradebeispiel. Schön anzuschauen, weil vorne viele Tore fallen, aber die Ergebnisse sind alles in allem trotzdem gemessen an dem Leistungsvermögen des Vereins maximal durchschnittlich. Ich glaube deshalb nicht, dass wir mit dem jetztigen Konzept des gesamten Vereins in irgendeiner absehbaren Zeitspanne zu attraktivem Fußball kommen werden. Das hat in der jüngeren Vergangenheit auch kein einziger Trainer bei uns geschafft.

    Ergebnisfußball (ich denke, so kann mal die Spielweise unter Keller am ehesten charakterisieren) ist eben langsamer, geduldiger und defensivorientierter. Ich denke, das ist wahrhaftig leichter zu vermitteln und schneller zu erreichen, denn gutes Verteidigen ist weniger von den Fähigkeiten einzelner Spieler abhängig als vielmehr von einem taktischen Gesamtkorsett.

    @ Hanseknappe :20 Monate sind lang, ja. Aber in den ersten 6 Monaten wusste der Trainer nie, ob er nächste Saison noch da ist. Wieso sollte man da langfristig arbeiten? Letzte Sainson wurde dann in der Sommervorbereitung viel umgestellt (zwei Stürmer, Matip und Höwedes tauschen in der Innenverteidigung die Positionen). Beides ging schief und wurde früh in der Saison korrigiert, in der Folge hat man in der Hinrunde auf Bewährtes zurückgegriffen und sich so durchgemogelt. Experiment gescheitert, das passiert aber auch einfach allen Trainern. Schon sind 12 Monate rum.

    Die Rückrundenvorbereitung muss wohl ganz positiv gewesen sein und das taktische Konzept war offenkundig gut genug, um uns hinten sehr stabil werden zu lassen. Insofern sehe ich das durchaus als positive langfristige Entwicklung und erkenne ein „System“. Auch taktisch haben mir viele Spiele in der Rückrunde gut gefallen.

    @Exildynamo: Das Zeitproblem hat eben nicht jede Spitzenmannschaft, zumindest nicht in der gleichen Form. Die verpassten Saisonziele von Leverkusen (2013) oder Wolfsburg (praktisch durchgängig 2011 bis 2013) sind für beide Vereine eben nicht finanzielle Großrisiken, sondern nur Betriebsunfälle. Bei uns sähe das definitiv anders aus, deshalb gibt es eben noch deutlich größeren Druck und auch noch viel weniger Zeit. Die laufende Diskussion ist doch gerade das beste Beispiel.

  21. Donauschalker sagt:

    Oje, mir schwant böses! Es ist schon komisch, das ein Trainer einer Mannschaft eine Handschrift verleiht und andere Trainer über zwei Vorbereitungen kein Konzept erkennen lässt! Das schnelles umschaltspiel einstudiert werden soll, aber keiner nach vorne rennt, höchstens mal trabt. Die Flügel frei sind und man zielstrebig durch die Mitte spielt! Einen guten Stürmer hat der sich die Bälle an der Mittellinie holen muss, weil keiner sonst wohl ein assist haben will! Mir wird schlecht! Nicht wegen dem Ergebnisse, sondern wegen dem hilflosen und unmotivierten Auftritt! Ja wir hatten eine tolle Rückrunde, aber eigentlich doch keine Ahnung wie es zustande kam! Und nun sollen wir und daran erinnern wie toll es doch nicht wahr! Aber wir haben ja noch ne Menge zeit uns zu verbessern!! Ich hoffe es!!

  22. Exildynamo sagt:

    @Benjamin:

    Das Zeitproblem hat eben nicht jede Spitzenmannschaft, zumindest nicht in der gleichen Form. Die verpassten Saisonziele von Leverkusen (2013)…

    Wenn das so wäre, hätte man ja Herrn Hyppiä noch Zeit geben können, um in Ruhe seine Mannschaft weiterzuentwickeln!
    Ich lese zwar nicht die einschlägigen LEV-Foren und -Blogs, könnte mir aber gut vorstellen, dass es da ähnlich heiss herging wie hier bei uns.
    Zuviel Zeit ohne Erfolg ist nun mal nicht gut fürs Image.
    Bei Mannschaften wie Braunschweig oder auch jetzt bei Paderborn war/ist das z.B. nicht so – und diese Mannschaften haben auch nicht den Anspruch, oben mitzumischen.
    Die haben die Zeit, aber keine Mittel…

  23. Benjamin sagt:

    @Exildynamo:

    Hyppiä wurde nach dem 29. Spieltag entlassen, nachdem er aus Pokal und CL ausgeschieden war und 11 Punkte aus 12 Spielen in der Rückrunde geholt hat. Ich nehme an, bei uns wäre es für einen Trainer mit einer solchen Bilanz schon viel früher eng geworden, (z.B. am 23. leverkusener Spieltag mit 6 Punkten aus 6 Spielen) aber das ist zum Teil natürlich Spekulation.

    Natürlich hat ein Verein mit Ambitionen nicht unbegrenzt Zeit und auch Erfolgsdruck, aber bei uns geht die Diskussion ja schon nach dem ersten Spieltag los, das ist vollkommen ungesund. Wie will man denn in einer Situationen, in der der etablierte Trainer trotz zweifachem Erreichen der Saisonziele und bisher nicht gekannter Erfolgswelle des gesamten Vereins (3xCL am Stück!) keinerlei Kredit bekommt, jedwedem anderen Trainerkandidaten vermitteln, er hätte irgendeine langfristige Perspektive bei uns?

  24. klopenner sagt:

    @ Benjamin:

    natürlich ist es richtig, dass eine Trainerdiskussion nach dem ersten Spieltag ungesund ist. Man sollte dennoch die Hintergründe betrachten. Keller ist jetzt 20 Monate im Amt, hat 4 Vorbereitungen komplett durchgeführt. Es geht in der Diskussion meistens nicht um die Niederlage als solche, sondern um die Art und Weise des Auftretens der Schalker Mannschaft. Unserer Mannschaft. Und auch nicht nur um das Auftreten in diesen beiden Spielen. Sondern in so gut wie allen Spielen seitdem Jens Keller der Cheftrainer unserer Profimannschaft ist. Man kann die guten Spiele, die wirklich guten Spiele in diesen 20 Monaten an einer Hand, evtl. auch an ein paar Fingern einer zweiten Hand abzählen. Von 52 Ligaspielen, 5 Pokalspielen und 10 Championsleague Spielen, also von ziemlich genau 67 Pflichtspielen (Ich hoffe ich hab nix vergessen).

    Wir verpennen in schöner Regelmäßigkeit die komplette erste Halbzeit, wachen zu Beginn der zweiten Halbzeit auf und spielen 15, 20, manchmal auch 30 Minuten akzeptablen Fußball, aber wehe wir fangen uns ein Gegentor. Oder wie oft spielen wir erfolgreich auf ein zweites Tor, in Spielen die wir eigentlich im Griff haben? Meistens läuft es nach einer Führung für uns kurze Zeit richtig richtig gut, aber die Ausbeute (in Toren gemessen) ist doch eher nur unterdurchschnittlich in diesen Spielen.

    Im Spiel gegen Hannover gab es eine Szene, die war für mich ein absolutes Unding, jedenfalls aus der Ferne und mit Interpretationsspielraum betrachtet.
    Es war kurz nach der 60. Minute. Draxler hatte sich gerade etwas aufgerieben und man sah im TV deutlich, dass er platt war, weil er auch dem verlorenen Ball kaum hinterher ging. Ein paar Sekunden später war Jens Keller im Bild und machte eine Geste, die ich und ein Freund von mir gleich deuteten. Für uns sah das so aus, als wollte Jens Keller die Mannschaft nicht antreiben, sondern eher animieren das Tempo herauszunehmen, die Mannschaft zu beruhigen, die meiner Meinung nach in der Phase am stärksten war und nicht wirklich chaotisch wirkte. Dieses „Piano, Piano“ sah für uns so aus, als wäre Keller mit der mageren 1:0 Führung zufrieden. Kurz drauf nahm die Mannschaft tatsächlich das Tempo raus und noch ein wenig später kam dann die Szene die zum Ausgleich führte. Auch da wirkte Boateng zu ruhig, frei nach der Anweisung des Trainers.

    Sicher, das ist nur eine Deutung meinerseits, aber im weiteren Spielverlauf wirkte sie nur noch schlimmer. Und erst recht nach den Interviews nach dem Spiel, in denen Keller die Schuld bei der Mannschaft suchte, kam mir immer wieder diese Geste ins Gedächtnis. Sie wirkte auf mich einfach „falsch“ im Zusammenhang mit dem was er da später sagte.

    Um zurück zum Kern der Diskussion zu kommen: Keller ist nicht unter Beschuss, weil wir JETZT zweimal verloren haben, sondern weil viele Schalker keine, oder sogar eine negative Entwicklung in den vergangenen 20 Monaten sehen.
    Es wird oft davon gesprochen, dass auf Schalke zu oft die Panik reagiert und ein Trainer kaum Zeit bekommt. 4 Vorbereitungen, 20 Monate und knappe 70 Pflichtspiele sind definitiv ausreichend um zu erkennen, das Jens Keller nicht der richtige Trainer für Schalke ist. Wer das ist, weiß ich nicht. Ein Fan von Tuchel bin ich auch nicht. Aber das kann man nur herausfinden, in dem man andere Trainer für uns arbeiten lässt. Jens Keller hatte mehr Zeit als jeder andere Trainer (Stevens und Slomka mal ausgenommen) um sich zu behaupten.

    Wie ich auch schon in der letzten Saison als These aufgestellt habe, glaube ich, dass Jens Keller indirekt für eine große Anzahl an Muskelverletzungen verantwortlich ist, da diese häufig durch falsches Aufwärmen oder allgemeine Trainingsabläufe entstehen können.

    Da ich allerdings auch ein schnelles Panikhandeln ablehne, will ich hoffen, dass Horst Heldt bereits einen Plan für die Zeit nach Jens Keller hat. Der oftmals genannte Thomas Tuchel mag eine Option sein, da er gerade „frei“ ist. Die Ablösesumme dürfte mit laufender Spielzeit auch geringer werden. Es darf nur unter keinen Umständen eine Entlassung von Jens Keller zu einem Zeitpunkt geben, an dem erst mit der Suche begonnen wird. Sollte Tuchel zur neuen Saison bereit stehen und/oder sogar eingeplant sein, dann sollte im Falle einer Entlassung eine sinnvolle Übergangslösung gefunden werden, nicht wieder so eine Aktion wie damals mit Rangnick und Stevens

  25. Torsten sagt:

    @Benjamin:

    Zunächst mal danke für Deine ausführlichen und sehr angenehmen Kommentare.

    Ich halte das Beispiel TSG für zu extrem. Natürlich: Wenn man zwischen den Extremen „alles gen Tor“ oder „ersma nix Zulassen“ wählen muss, mag die defensive Variante einfacher einzuüben sein. Aber „schön“ ist ja auch relativ, ich denke, dass vieles von dem, was gerade auf Schalke geschätzt wird, mit Tempo und Aggressivität – eher mit „Art und Weise“ denn mit der Formation oder der Höhe der Verteidigung zu tun hat.

    gutes Verteidigen ist weniger von den Fähigkeiten einzelner Spieler abhängig als vielmehr von einem taktischen Gesamtkorsett.

    Da stimme ich Dir absolut zu. Aber das ist eben nur die Hälfte des Spiels.

    Natürlich hat ein Verein mit Ambitionen nicht unbegrenzt Zeit und auch Erfolgsdruck, aber bei uns geht die Diskussion ja schon nach dem ersten Spieltag los, das ist vollkommen ungesund.

    Zunächst mal möchte ich darauf hinweisen, dass die besagten Clubs Leverkusen und Wolfsburg nur deshalb gefühlt weniger Druck haben, da sie a.G. ihrer Zugehörigkeit zu Weltkonzernen keine Existenzängste haben müssen. Tatsächlich haben sie allerdings immer noch „genug Druck“, dass sie in der jüngeren Vergangenheit ähnlich häufig die Trainer gewechselt haben wie S04, wie man den entsprechenden Listen entnehmen kann: Wolfsburg, Leverkusen

    Außerdem ist es natürlich nicht so, dass „schon nach dem 2. Spieltag“ oder „schon nach 2 Niederlagen“ Unmut aufkommt, sondern dass es diesen Unmut seit Jens Kellers Amtsbeginn gibt. Aus vielen Gründe, für einige ist Jens Keller verantwortlich, für andere nicht. Die Aussage, dass es per se jeder Trainer auf Schalke schwer habe, dass sowieso niemand auf Schalke Zeit habe und dass man auf Schalke eh stets unzufrieden sei, halte ich dabei für ebenso falsch und (gelinde gesagt) plump wie die Aussage, Jens Keller habe „kein Spielsystem“.

  26. Lutt sagt:

    @Torsten:
    ich finde schon, dass auf Schalke die Ungeduld besonders hoch ist. Das hängt sicher damit zusammen, dass dieser Verein besonders leidenschaftliche Fans hat – und das macht es ja so besonders. Gefühlt schlägt – auch bei unseren ungeliebten Nachbarn – das Herz mal ein bisschen intensiver für den Verein als anderswo.
    Und aus diesem Grunde weiß auch jeder, der sich auf Schalke auf den Trainerstuhl setzt, was ihn erwartet. Dafür gibt es gutes Geld, viel Anerkennung und nicht zuletzt einen Eintrag im CV, der es Herrn Slomka, Büskens oder auch Keller nach Schalke-Dienstende ermöglicht, bei anderen Bundesliga-Vereinen anzuheuern.

    Wenn ein Trainer gefeuert wird, ist das ja nichts Schlimmes. Ich habe immer den Eindruck, dass in solchen Situationen der Verein als ungeduldig, unfair und der Trainer als „Opfer“ dargestellt wird. Da fällt keiner besonders tief, daher halte ich einen Trainerwechsel immer für ein probates Mittel – ohne bitteren Beigeschmack.

    Jetzt gibt es noch das Argument, dass ein Trainer „Zeit braucht, um etwas zu entwickeln“. Du hast es gerade „Spielsystem“ genannt.
    Ich durfte meinem Sohn am Wochenende bei seinem ersten A-Jugend-Spiel zusehen und dabei feststellen, dass der Trainer mit den einfachen Parolen „nicht bolzen“, „wenig Kontakte“, „Dreiecke bilden“ einen immensen Einfluss auf die Spielkultur der Mannschaft ausgeübt hat.
    Ganz einfach, ziemlich schnell. Es hat nicht alles funktioniert, klar – aber man konnte nach nur einer Vorbereitung eine „Handschrift erkennen“.

    Das wird bei einem Bundesligateam wesentlich feiner und komplizierter sein, aber diese „Handschrift“, die wir auf Schalke momentan sehen, gefällt mir einfach nicht. Wenn die häufigste Passkombination „Matip – Fährmann“ ist, das Pressing und Gegenpressing nicht koordiniert scheint, die „toller-Kader-PS“ nicht aufs Feld gebracht werden und in der Spitze die etablierten Spieler entscheidende Fehler begehen, dann stimmt was generell nicht mit der Führung der Mannschaft.

    Zu allem Überfluss habe ich nach dem Schalke Spiel noch BxB – LEV gesehen und das war wie an Weihnachten Leverkusenern beim Geschenke auspacken zuzugucken. Ein Spiel nur, klar. Aber die Leverkusener hatten eine koordinierte Spielanlage mit Pressingphasen und Pausen, bei denen sie abgestimmt entweder draufgegangen oder sich vor der eigenen Mittellinie formiert haben. Das habe ich bei uns in dieser Form unter Keller noch nicht einmal gesehen.

    Und da lande ich wieder am Anfang: ich finde, die Hemmschwelle, einen Trainer zu wechseln sollte wesentlich geringer sein, sobald man keine positive Handschrift erkennen kann. Und ich rede nicht von zwei bis drei verlorenen Spielen!
    Das ist eine absolute Schlüsselposition im Verein und ich verstehe einfach nicht, dass immer erst die halbe Saison im Eimer sein muss, bevor man dort tätig wird.

  27. blues sagt:

    „…gutes Verteidigen ist weniger von den Fähigkeiten einzelner Spieler abhängig als vielmehr von einem taktischen Gesamtkorsett.“

    Tatsächlich? Ruhig bleiben unter Druck, Antizipation des Spielgeschehens, Kopfball- und Zweikampstärke sowie eine herausragende Passtechnik für die gekonnte Spieleröffnung, sind Fertigkeiten die einen einzelnen Innenverteidiger auszeichnen. Das alles sind individuelle Qualitäten die egal mit welcher Taktik den Unterschied ausmachen, letztendlich auch beim Preis: Hummels, Martinez, Luiz,Benatia kosten zwischen 30 und 60 Mill. Euro Ablöse. Warum glaubst du dass Bayern, PSG und andere diese Beträge auf den Tisch legen?
    Den Unterschied in der individuellen Klasse kannst du bis runter in die E-Jugend sehen. Er ist nicht auf die Profispieler beschränkt.

  28. MarcB sagt:

    Wenn unsere vierer Abwehrreihe 90 Minuten am eigenen 16er steht und auch nach dem Rückstand bis Spielende genau da bleibt, dann gibt es für mich zwei Möglichkeiten:
    Die vier gehören raus geschmissen oder derjenige, der ihnen das gesagt hat.

  29. Simon sagt:

    Das ist eine absolute Schlüsselposition im Verein und ich verstehe einfach nicht, dass immer erst die halbe Saison im Eimer sein muss, bevor man dort tätig wird.

    Das sehe ich grundsätzlich auch so – und ich sehe es auch in Hinsicht auf Jens Keller und Schalke so. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht mal vorstellen, dass Horst Heldt selbst wirklich an die Vision glaubt, mit Keller als Trainer irgendwann die von ihm auf der JHV ausgegebenen mittelfristigen Ziele zu erreichen.

    @ blues:
    Du hast natürlich zweifellos recht. Die individuelle Qualität gibt den Ausschlag – gerade dann wenn Spielsysteme sich ähneln bzw. alle theoretisch wissen, was zu tun ist.

    Mich beschleicht immer mehr der Verdacht, dass eine Reihe von Spielern Keller irgendwie nicht wirklich ernst nimmt. Andere haben sich halt mit ihm arrangiert und erfreuen sich ihres betonierten Stammplatzes, aber bestenfalls plätschert das doch irgendwie so vor sich hin. Hin und wieder kommt mal eine mutige Entscheidung, aber in der Regel wartet man darauf vergebens.

    Mich erinnert das alles nicht erst seit dieser Woche in gewisser Weise und trotz aller Unterschiede im Detail an die Zeit unter Fred Rutten.

    Damals hatten wir auch einen vergleichsweise hochkaratäig besetzten Kader, der aber irgendwie nur alle paar Wochen mal wirklich das zeigte, was in ihm steckt. Auch damals hatten wir einen Trainer, der im Prinzip sicher Einiges auf dem Kasten hat, aber dennoch plätscherten die meisten Partien so vor sich hin und auch damals war es eine absolute Rarität, dass mal eine Partie noch gedreht wurde, wenn wir in Rückstand geraten waren (in der letzten Saison wettbewerbsübergreifend genau 3x – 2 x gegen Augsburg und in Braunschweig).

    Ich finde es trotz alledem richtig, wie HH momentan in der Öffentlichkeit agiert, denn es wäre sicher niemandem damit geholfen, ausgerechnet das Spiel gegen Bayern zum Endspiel auszurufen. Tatsächlich denke ich, dass Keller mindestens bis in die Rückrunde hinein bleiben wird. Für eine Vertragsverlängerung müsste aber im Grunde schon ein wirklich spektakulär erfolgreicher Saisonverlauf her. Sonst tut man sich damit keinen Gefallen.

  30. Benjamin sagt:

    @ Torsten:

    Danke für die Links, sowas habe ich schon länger mal so übersichtlich gesucht.

    Ich zumindest behaupte nicht, dass man auf Schalke stets unzufrieden sei. Aber man schaut erstaunlicherweise mehr auf das Wie als auf die Ergebnisse und das passt eben nicht zu dem Kurs, den die Vereinsführung durch ihre Finanzplanung vorgibt. Ich denke deshalb, dass es letztlich immer nur um die Ergebnisse geht und die stimmen bei Keller eben.

    Und dass man auf Schalke weniger Zeit hat als irgendwo sonst erscheint mir offenkundig. Da ist auch der Verweis auf die Trainerentlassungen der Mitkonkurrenten Wolfsburg und Leverkusen nicht wirklich einschlägig, denn insbesondere Wolfsburg ist ja im Vergleich zu uns in den letzten 3 Saisons auch deutlich weniger erfolgsreich gewesen. Da ist doch klar, dass der Trainer irgendwann abgesägt wird.

    Ich kann mich nicht daran erinnern, wann das letzte Mal ein so erfolgreicher Trainer, der dauerhaft die Vereinsziele erreicht, so in der Diskussion stand, weil er zu unattraktiven Fußball spielt.

    @ blues:

    Ich zumindest behaupte nicht, dass man gar keine individuellen Fähigkeiten für gutes Verteidigen braucht. Natürlich gibt es bessere und schlechtere Verteidiger.

    „Das alles sind individuelle Qualitäten die egal mit welcher Taktik den Unterschied ausmachen…“

    Aber man kann das Fehlen dieser Qualitäten im Kollektiv defensiv viel besser kompensieren als offensiv, darum geht es doch. Warum sollten sich sonst qualitativ schlechtere Mannschaften wohl bevorzugt hinten reinstellen?

  31. leoluca sagt:

    Die Trainerdiskussion auf Schalke, die sich – mal mehr, mal weniger – über eineinhalb Jahre hinzieht, ist ja, wenn ich es richtig sehe, keine über Jens Kellers Qualifikation, die unbestritten seriös ist.

    Sie ist eine über höhere Ansprüche an unseren Kader, der zu den besten der letzten Jahrzehnte zählt. Nur deshalb taucht m. E. der Name Thomas Tuchel immer wieder auf, weil mit ihm höhere Erwartungen verbunden werden. Erwartungen, dass er mit unserer Mannschaft einen Fußball spielt, der offensiver, schneller und leidenschaftlicher ist als das, was wir erleben.

    Wer viel Zeit hat und sich mit Thomas Tuchels Persönlichkeit und Denken über Fußball beschäftigen möchte, hier ein Empfehlung:

  32. Simon sagt:

    @ leoluca:
    Ich denke, das trifft es auf den Punkt. Das macht es für Jens Keller ja auch so schwer, sich gegen diese Diskussion zu verteidigen. Wie ich oben schon schrieb, würde wohl nur eine wirklich spektakulär erfolgreiche Saison hieran etwas ändern.

  33. Torsten sagt:

    Ich kann mich nicht daran erinnern, wann das letzte Mal ein so erfolgreicher Trainer, der dauerhaft die Vereinsziele erreicht, so in der Diskussion stand, weil er zu unattraktiven Fußball spielt.

    Wie leoluca schon schrieb: Es geht nicht nur um Attraktivität. Es geht auch um die Hoffnung auf einen nächsten Schritt. Näher an die Bayern zu kommen, so „bereit“ zu sein, wie Horst Heldt(!) es auf der JHV forderte. Jens Kellers Rückrunde mag die erfolgreichste aller Zeiten gewesen sein, aber er war auch für alles andere verantwortlich. Insgesamt war die letzte Saison mit 64 Punkten eine Saison, wie es sie in den letzten 10 Jahren 5 Mal gab. Nix besonderes, eigentlich. Ich schätze Jens Keller als Pragmatiker. Aber dass er in der Lage ist, einen Fußball zu entwickeln für den er mit seinem Namen steht, der dann mehr ist als das Abwarten auf Gelegenheit bei gleichzeitig größtmöglicher Fehlerfreiheit in der Defensive, daran glaube ich nicht. Und sehr viele andere auch nicht, wie mir scheint.

    @leoluca:
    Sadist.

  34. McP sagt:

    Keller ist der fleischgewordene Interimstrainer. So wurde er vor zig Monaten eingesetzt und so war er damit einverstanden. In Stuttgart durch Illoyalität auffällig geworden, erfolglos geblieben und mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt worden. Wurde von seinem Buddy nach Schalke geholt, als Jugendtrainer, als Neuanfang, als zweite Chance. Bevor jemand außer Heldt einschätzen konnte, ob er ein Guter ist, wurde er Interimstrainer.

    Ganz Schalke wurde dann darauf geimpft, nach Keller kommt einer, einer für die Zukunft, einer der den Ansprüchen und Empfindlichkeiten auf Schalke gerecht wird. Und dieser eine, der monatelang gecastet und gescoutet und gesucht und beurteilt und für bestens befunden wurde, ist: Keller. Der Jugendtrainer, der Gescheiterte, der Illoyale, der Interim, der den sonst kein anderer haben wollte – lässt langweilig spielen und wenn er erklärt warum das geil ist, pennt man ein.

    Dieser Mensch hat mit seiner Art auf Schalke keine Chance, keine. Ich möchte ihn nicht völlig disqualifizieren. Womöglich gibt es Aufgaben, für welche er eine gute Besetzung ist. Aber seit 20 Monaten Keller ja oder nein. Es reicht. Selbst aus der Mannschaft mehren sich doch die Stimmen, dass es an Professionalität fehlt. Das ist nicht alles Kellers Schuld. Heldt holt die ja und achtet vielleicht nicht immer auf das Gesamtpaket. Aber alles lechzt nach einem ehrlichen Neuanfang. Es ist enervierend, darauf zu warten.

  35. Mario sagt:

    Ich lasse die Debatte um den Trainer bewusst außen vor, und greife noch mal den Punkt der Qualitäten der Spieler auf.
    Ich frage mich ja schon länger,
    warum die Mannschaft nicht motiviert wirkt,
    warum (selbsternannte) Führungsspieler oder Leistungsträger nicht fit oder außer Form zu sein scheinen,
    warum die Mannschaft nicht alleine in der Lage ist, taktisches Fehlverhalten fetszustellen und zu korrigieren,
    warum die nicht nach einer 1-0 Führung zumindest mit so viel Dampf und Mumm weiter spielen, dass der Gegner die Partie nicht an sich ziehen kann,
    ob sie wirklich jemanden brauchen, der ihnen erklärt, dass gewinnen schöner ist, als verlieren

    ergo: ob alle oder viele oder manche keinen Bock haben, sich im Training oder im Spiel zu quälen, ein Spiel zu gewinnen, erfolgreich zu sein, Titel zu gewinnen, „Helden“ zu werden, ein Stadion zum Kochen zu bringen?

    Ganz ehrlich: für all das braucht man als Fußballprofi, der seinen Sport liebt und der versteht, welches privillegierte Leben man leben kann, auch wenn man außer zu Fußball zu sonst nicht viel im Leben in der Lage sein sollte, keinen Trainer. Das ist in mir drin. Oder eben nicht (mehr).

    Charakterschwäche? Dummheit? Arroganz? Geistige Fettleibigkeit? Unfähigkeit? Angst? Unlust?

    Nix davon kann ein Profiteam brauchen, und vieles davon scheint man davon bei uns finden zu können.

    Samstag ist die Gelegenheit, meine Befürchtungen zu widerlegen, allein, es wird nicht glücken, fürchte ich.

    Dunkelblaue Grüße,

    Mario

  36. Սաշա sagt:

    Dieser Mensch hat mit seiner Art auf Schalke keine Chance, keine.

    Da sind wir also wieder bei dem Schauspieler, der hier offensichtlich gesucht wird, wie ich es vor wenigen Monaten an dieser Stelle schon festgestellt hatte. Einer für Entertainment und Folklore, der als Trainer nicht mehr zu leisten braucht, als Phrasen zu dreschen und nebenbei den herrschenden Trend des Konterfußball einstudieren zu lassen.

    Und wenn wir uns dann fünf Minuten angesehen haben wie wir mehr oder weniger erfolgreich den gewünschten Fußball gespielt haben, lechzen wir wieder alle nach einem Neuanfang. Klar, bei Tuchel würde das länger dauern als jetzt bei Keller, denn der käme schließlich mit vollkommen irrational verteilten Vorschusslorbeeren. Aber auch der wird irgendwann langweilig. Vor allem wenn es dann „schon wieder nichts“ mit dem Titel wird. Trotz bestestestestestem Kader allerster Zeitensten! Tuchel – oder ein anderer Trainer – wird nämlich aller Voraussicht nach auch nicht in der Lage sein, den fehlenden Spielmacher auf der Doppelsechs wegzucoachen oder die Eindimensionalität eines Einstürmersystems mit Huntelaar in einen bunten Strauß zu verwandeln.

    Die Sache mit dem besten Kader sollte man einfach mal etwas differenzierter betrachten – nach Positionen beispielsweise. Wenn man behaupten würde, dass es aktuell möglicherweise das beste OM aller Zeiten ist, könnte ich mich damit eventuell noch anfreunden. Allerdings fehlt uns auf Schlüsselposition zum Teil Qualität und zum Teil Vielseitigkeit. Die offensiven Außen sind samt und sonders keine besonders guten Arbeiter im Umschaltspiel nach hinten – was ich nicht für eine Traineranweisung halte – und auf der Position des rechten Verteidigers haben wir als erste Lösung ein Maskottchen für den Trikotverkauf auf dem japanischen Markt und dahinter eine Menge improvisierter Lösungen, von denen Ayhan ob seines Potentials noch die vielversprechendste (für die Zukunft) ist.

    Ich weiß deshalb nicht, ob angesichts dieser Vorbereitung und des vielleicht-doch-nicht-besten-Kaders-aller-Zeiten ein anderer Trainer schon schubi-dubi-duper Fußball zu diesem Zeitpunkt der Saison hätte spielen lassen können.
    Dabei hat Schalke auch über 90 Minuten insgesamt gar nicht schlecht verteidigt. Nur Gladbach hat am 1. Spieltag weniger Schüsse zugelassen. Allerdings hat Schalke situativ schlecht verteidigt und Hannover hat es genutzt.

    Das Problem ist der Spielaufbau und das Umschaltspiel nach hinten. Zu oft wird der Ball in den unpassendsten Situationen verloren und der Konter dann nicht gut verteidigt. Ich stelle mich diesbezüglich allerdings nicht auf die Position, dass das am Trainer liegt, sondern an der fehlenden Qualität auf einigen Positionen. Man kann sich natürlich einen Neustädter leisten, der defensiv zweifellos hervorragende Qualitäten hat, auch wenn er Offensiv vorwiegend nur quer schiebt. Das kann man aber auch nur dann, wenn der Mann neben ihm dazu in der Lage ist ein Spiel aufzubauen und zu lesen. Boateng ist aber keiner für einen sauberen Spielaufbau. Der ist weiter vorne gefährlich und unberechenbar, wo er im Moment jedoch nicht spielen darf. Boateng in der Doppelsechs ist einfach improvisiert und offensiv wie defensiv alles andere als optimal. Jedenfalls keine Lösung, die einen auf einen sauberen Spielaufbau hoffen lassen darf. Warum stellt ihn der blöde, langweilige Keller dann überhaupt dort auf? Weil er im besten Kader aller Zeiten überhaupt keine Alternative auf dieser immens wichtigen Schlüsselposition hat.

    Die Verteidigung abseits von Kontern funktioniert dagegen sehr gut. Ich sehe die fehlende Aggressivität auch nicht als Beweis für Kellers Versagen, sondern tatsächlich als sogar einigermaßen gut umgesetzte Vorgabe Kellers. Es gibt nämlich noch andere Arten des Verteidigens als das aggressive Pressing. So kann man auch durch geschicktes Verschieben den Gegner in Situationen pressen, in denen er den Ball verliert. Angesichts der Qualitäten unseres Kaders halte ich das auch für die passendere Ausrichtung.

    Aber ich bin natürlich auch nicht Thomas Tuchel, der abhängig von den Wünschen des Publikums mit jedem Kader jedes System spielen lassen kann. Sogar hohe Bälle in die Mitte, wenn der Stürmer 1,69m groß ist. Kein Problem. Der Zuschauer will Kopfballtore, Thomas Tuchel liefert Kopfballtore. Da dürfen physische Unzulänglichkeiten nicht als Ausrede gelten!

  37. Torsten sagt:

    Ah, der Kader ist zu schwach. Boateng bildete zwar Anfang der letzten Rückrunde mit Neustädter ein überragend dominantes defMF, aber eigentlich kann er das nicht. So ein Pech. Da kann man nix machen.

    Zu kurz?

    Nur ebenso kurz wie …

    Da sind wir also wieder bei dem Schauspieler, der hier offensichtlich gesucht wird, wie ich es vor wenigen Monaten an dieser Stelle schon festgestellt hatte. Einer für Entertainment und Folklore

    @Mario:

    Wenn es so wäre, dass man das alles voraussetzen kann, wozu braucht man einen Trainer?
    Welche Gruppe man auch nimmt, einen Fußballkader oder die Mitarbeiter in einem Großraumbüro, immer braucht es Führung. Vorgaben, Aufsicht, Kritik, Lob, Förderung von Talenten … alles das. Gibt es keine Führung von außen, bilden sich innerhalb der Gruppe diejenigen heraus, die die Führung übernehmen.
    Im Fußball braucht es immer einen Trainer, auch zum Motivieren.

  38. Սաշա sagt:

    Ja, der Kader ist zu schwach. Man darf dabei nur nicht vergessen, die Aussage in die richtige Relation zu setzen. Der Kader ist zu schwach um damit einen Schritt näher an Bayern heranzurücken. Wir haben Giefer, Sam und Choupo-Moting verpflichtet, die Bayern haben im gleichen Transferzeitraum Reina, Rode und Lewandowski verpflichtet. Ich würde das als ein deutliches 3:0 für die Bayern werten, deren Kader schon vorher besser war. Außerdem ist Guardiola ein besserer Trainer als Keller und Tuchel zusammen. Wo man an dieser Stelle das Potential zum Verkleinern irgendwelcher Lücken sehen möchte, weiß ich nicht.

    Vielleicht hat man ein minimales Stück der Lücke zu Dortmund geschlossen. Die haben mit Lewandowski jedenfalls einiges an Qualität an die Bayern verloren. Aber auch die Dortmunder haben zum Auftakt gegen Leverkusen gepatzt. Irgendwie hat auch der begeisternde, entertainende, supercoole, jugendliche und angriffslustige Kloppo es nicht geschafft, Verletzungen, WM und Neuzugänge unter einen Hut zu bringen und Leverkusen zu besiegen. Und das obwohl Dortmund – ähnlich wie Schalke gegenüber Hannover – die personell besser besetzte Mannschaft ist.

    Auch ist unser Kader bei weitem nicht so stark wie er hier gemacht wurde. Das fällt sofort auf, wenn man sich einzelne Positionen ansieht, auf denen eben nicht einmal die erste Besetzung überragend ist. Wirklich stark ist die IV und das OM. Auf anderen Positionen haben andere, insgesamt schlechter besetzte Klubs bessere Lösungen zu bieten und auch wir hatten in der Vergangenheit auf diesen (oder den damals entsprechenden) Positionen bessere Lösungen. Mit der Überhöhung des Kaders fördert man natürlich auch gewisse unrealistische Erwartungshaltungen und die daraus entstehenden Reaktionen. Ich mache mir beispielsweise viel eher darüber Gedanken, ob wir nicht gegenüber Gladbach und Wolfsburg an Boden verlieren, als auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, wie nahe wir den Bayern sind. Die Lücken im Rückspiegel werden nämlich tatsächlich kleiner, während wir von Bayern und auch von Dortmund auf absehbare Zeit definitiv nur die Rücklichter sehen werden.

    Eine Halbserie wie sie die Rückrunde in der letzten Saison war, braucht man mit diesem Kader in einer Hinrunde nach einer WM mit entsprechend lückenhafter Vorbereitung und Verletzungen – natürlich Kellers Schuld – nicht zu erwarten (ein Problem, welches das in diesen Tagen vielzitierte Leverkusen in dieser Form überhaupt nicht kennt – man braucht nicht einmal die Finger einer ganzen Hand um Leverkusens WM-Fahrer abzuzählen und die übrigen Finger der Hand reichen dann sogar noch, um die verletzten Spieler bei Leverkusen abzuzählen), denn dafür ist der Kader zumindest aktuell zu schwach. In der Rückrunde der letzten Saison hatte sich das Team im Kollektiv deutlich besser eingespielt. Der aktuell vom stärksten Kader aller Zeiten nicht zu ersetzende Farfan wurde vom Kollektiv ersetzt. Im Moment wird er von Neuzugängen ersetzt, die noch nicht optimal ins Spiel integriert sind. Natürlich alles kein Problem für andere Trainer wie Tuchel, Schmidt oder Klopp! Halt. Also für Klopp anscheinend doch, aber nicht für die anderen beiden, die alle Systeme zu jeder Zeit und unter egal welchen Umständen umsetzen können. In nur zehn Minuten Vorbereitung! Und dabei sind sie auch noch total gute Entertainer. Ist Schmidt eigentlich ein guter Entertainer? Weiß ich gar nicht. Mir persönlich ist das aber wichtig. Jungen Spielern beim nächsten großen Schritt in den Profifußball zu helfen kann ja jeder. Und wie ich hier vereinzelt gelesen habe, war das auch mehr Norbert Elgerts Verdienst, während Keller selbst dafür gar nichts konnte. Die jungen Talente funktionieren nämlich in der Regel von selbst und ganz ohne akkurate Anweisungen.

    In der Rückrunde haben beispielsweise auch alle im Kollektiv besser verteidigt. Die 14 Gegentore in 17 Spielen zeugen davon eindrucksvoll. Da kann man sich einen Boateng auf der Doppelsechs auch leisten. Wenn das Zusammenspiel im Kollektiv allerdings aufgrund äußerer Umstände nicht so gut funktioniert, ist Boateng sicher keiner, an dem sich die Nebenleute aufrichten können und seine Spielanlage ist aus sich heraus auch immer noch nicht geeignet aus einer so tiefen Position heraus das Spiel strukturiert aufzuziehen. Das sollte mit zunehmendem Saisonverlauf besser werden, aber der Start wird holprig und das überrascht mich nicht einmal ansatzweise. Der Start wäre auch mit der Einführung des so sehr herbeigesehnten Hurra-Fußballs samt Trainer-Messias holprig geworden. Natürlich hätten dann wenigstens alle Hurra-Fußball und coole Pressekonferenzen gesehen. Daran hätte man sich aufrichten können, denn das sind nunmal die Dinge, um die es im Fußball geht.

  39. der grafschafter sagt:

    @umzu
    ja, da stimme ich dir erstmals zu.
    ich selber hatte den aktuellen kader tatsächlich sehr stark eingeschätzt.
    warum eigentlich? wahrscheinlich wollte ich es einfach. die mannschaft
    muß doch stark sein, dachte ich mir. 2 weltmeister, dazu goretzka,
    aogo, kirchhof, sam…weitere spieler aus der knappenschmiede.
    alles schon wieder vorbei?
    was die wm-belastung (ist es wirklich eine belastung?) angeht, robben hatte sie ja ähnlich, scheinbar ist bei ihm nichts zu spüren. ist er
    die berühmte ausnahme von der regel oder kommt´s bei ihm später?
    fragen über fragen. antworten habe ich nicht.

  40. Սաշա sagt:

    Robben ist ein absoluter Ausnahmeprofi. Das ist einfach nur beeindruckend und ich glaube es ist keine Floskel oder psychologisches Starkreden, wenn Guardiola meint, dass er noch nie einen so „überragenden Profi“ wie Robben gesehen hat. Ich glaube das meint er wirklich ernst. Vielleicht kommt bei ihm in dieser Saison trotzdem mal irgendwann eine Phase der Erschöpfung. Aber dann spielt eben Shaqiri oder irgendein anderer aus diesem Wahnsinnskader auf seiner Position gegen Paderborn, Freiburg oder Köln.

    Die Messlatte Robben darf man nicht anlegen. Dieser Spieler scheint mir eine Ausnahme zu sein. Eine absolut herausragende Ausnahme. Allerdings gilt das natürlich nur, solange er sich nicht verletzt – denn in dieser Hinsicht ist er ja leider recht anfällig.

  41. Exildynamo sagt:

    @Սաշա

    Außerdem ist Guardiola ein besserer Trainer als Keller und Tuchel zusammen.

    Glaub ich nicht.
    Wenn man sich eigentlich nur entscheiden muss, wie und wo man einen Messi oder Xavi hinstellt oder ob Müller und Robben gemeinsam funktionieren, halte ich das nicht für allzu schwierig.
    Und wenn es doch mal „brenzlig“ wird, und ein sog. Schlüsselspieler langfristig ausfällt, kauft man halt einen fertigen Spieler für 30 Mio dazu und vielleicht auch noch einen Xabi Alonso für alle Fälle.
    Man weiss ja nie…

  42. Սաշա sagt:

    Wenn man sich eigentlich nur entscheiden muss, wie und wo man einen Messi oder Xavi hinstellt oder ob Müller und Robben gemeinsam funktionieren, halte ich das nicht für allzu schwierig.

    Um das beurteilen zu können, hätte man sich offensichtlich ein paar mehr Spiele von Barca ansehen müssen und sich auch insgesamt etwas mehr dem Verein beschäftigen müssen. Wie erwähnt hat er beispielsweise auch immer wieder Nachwuchsspieler eingebaut. Darüberhinaus sollen die hier (im Kontext Keller) lange und breit diskutierten Motivationskünste bei Guardiola herausragend sein, wenn es nach seinen damaligen Spielern geht.

    Schon interessant. Wenn Keller hier kritisiert wird, heißt es dass er unter anderem kein guter Motivator wäre, obwohl das doch – zweifellos – zu den Kernkompetenzen eines Trainers gehört. Und nun kommt einer von Kellers Kritikern daher, einer der sonst das alte Lied von fehlender Handschrift und schlechter Motivation leiert und will mir erzählen, dass sich so ein Haufen Stars bei Barca doch von selbst aufstellt und man da als Trainer gar nichts weiter zu tun braucht.

  43. Exildynamo sagt:

    @Սաշա:

    und will mir erzählen, dass sich so ein Haufen Stars bei Barca doch von selbst aufstellt und man da als Trainer gar nichts weiter zu tun braucht.

    Nö.
    Handschrift und Motivation muss er schon tun…

  44. Սաշա sagt:

    Richtig, und das gilt eben selbst bei Barca. Dass er den Leistungsträgern dort technisch nicht mehr viel beibringen musste, ist klar. Aber die Nachwuchsspieler, die er zum Teil als Trainer von Barcelona B, zum Teil als Cheftrainer der ersten Mannschaft weiterentwickelt hat, können sich auch sehen lassen.
    Beeindruckend ist das, was er bei Barca geleistet hat, allemal – vor allem weil er bei Amtsantritt erst 37 war.

  45. der grafschafter sagt:

    nebenbei, macht das noch spaß? naja, diese saison vielleicht noch.
    die tiroler holen nun auch alonso von REAL.
    wie sollen wir gegen die
    Bayern AG
    Dortmund Gmbh&Co KG aA
    Leverkusen AG
    Wolfsburg AG
    Hoppenheim AG
    HSV AG
    als Schalke 04 e.V. überhaupt bestehen?
    und nächstes jahr kommt noch die brausefirma aus leipzig…
    ganz interessant, bei 11 freunde tv, der ehemalige vorsitzende der hsv-
    supporters und freunde haben einen neuen verein gegründet, HC falke
    hamburg , kreisklasse. ist das die lösung?
    Glück Auf

  46. RJonathan sagt:

    Hallo,

    schaffe es erst jetzt meinen Senf dazu zu geben.

    Zum Spiel:
    Nach dem Aus im Pokal fand ich die erste Halbzeit – vorsichtig und mit viel Sicherheit – völlig in Ordnung. Es war natürlich schrecklich anzuschauen, aber was will man in der Situation sonst erwarten.

    Interessant ist es ja, wenn man Tortsen Post liest und danach den Kommentar von hellwach. Torsten sagt im offensiven Mittelfeld lief nix zusammen, hellwach sagt, es kann doch nicht sein, da waren auch nur 2 neue in der Startformation. Nun waren die beiden neuen aber tatsächlih 2/3 des offensiven Mittelfelds. Und dass die sich mit dem WM-Fahrer Draxler noch nicht ganz eingespielt haben, finde ich nun wirklich keine Schande. Also muss man die Offensiven Erwartungen an die Mannschaft in dem Moment vielleicht einfach zurückschrauben.

    Wirklich nervig ist der defensive Schlendrian nachdem man ein Spiel in der Hand hat und das erste Tor macht. Der erinnert natürlich an den Start letzte Saison. Und der ist tatsächlich nicht zu entschuldigen und wirft auch Fragen nach der Ansprache durch den Trainer auf. Aber das hat er in der letzten Winterpause in den Griff bekommen (oder die Psychologin) und das wird hoffentlich auch noch während der Hinrunde gelingen.

    Zur Diskussion:
    1. Ich finde es einfach nur arm und frustrierend, wie immer wieder Sündenböcke (Keller, KPB, früher gerne auch immer Matip) gesucht werden. Das ist enfach der billigste reflex, auf Misserfolg zu reagieren. Da muss es ja wohl einen Schuldigen geben! Das bedeutet nicht, dass manchmal die Kritik an einzelnen (Keller, KPB) nicht auch berechtigt wäre. Aber ich wünsche mir, dass man es sich einfach vorher 2-3 mal durch den Kopf gehen lässt, bevor man seinen Hass in den Kommentaren ausschüttet.

    2. Torstens „Hoffnung auf den Schritt“
    Das sehe ich genu so. Ich hoffe auch auf diesen nächsten Schritt. Aber ich erwarte nicht, dass der nächste Schritt am ersten Spieltag zu sehen ist. Wieso geben wir der Mannschaft nicht einfach ein wenig Zeit. Das hat letzte Saison auch geholfen.

    3. Torstens Kommentar „Rückrunde / gesamte Saison“
    Ich finde das echt ein wenig unverschämt, wie du diese Saison relativierst. Denn die gute Saison mit der Verletztenliste ist weiß Gott keine kleine Leistung. Wirft man Keller jetzt vor, dass er „nur“ die beste Rückrunde gespielt hat, und nicht die beste Saison?

  47. blues sagt:

    @RJonathan

    Wir, die Schalker Fußballromatiker werden die nächsten vier bis fünf Jahre weiter die Trainer für die jeweilige Misere entlassen.
    Danach überrollen uns die effektiveren Finanzierungmöglichkeiten der Liga-Konkurrenz und öffnen uns die blauäugigen Vereinsaugen. Der Zinsdienst für 200 Millionen Euro Schulden kostet uns jedes Jahr 15 Millionen Euro. Dafür könnten wir uns jedes Jahr einen Spieler leisten.

    Für die letzten drei Jahre heisst das: vorletztes Jahr fehlten die 15 Mill. für einen Rechtsverteideger, letztes Jahr fehlten die 15 Mill für Boateng (der dann über mehr Schulden finanziert wurde) und dieses Jahr fehlen die 15 Mill.für einen zusätzlichen zentralen Stürmer der im kompletten Angriffsdrittel agieren kann.Undsoweiter. Da diese Spieler nicht bezahlt werden können, setzt man hohe Erwartungen in die Trainer, die aber wegen der gestärkten Konkurrenten, ob dieser Herkulesaufgabe weiter regelmäßig scheitern werden.

  48. Սաշա sagt:

    wie sollen wir gegen die
    Bayern AG
    Dortmund Gmbh&Co KG aA
    Leverkusen AG
    Wolfsburg AG
    Hoppenheim AG
    HSV AG
    als Schalke 04 e.V. überhaupt bestehen?
    und nächstes jahr kommt noch die brausefirma aus leipzig…

    Sehr richtige und wichtige Frage, die uns in den nächsten Jahren zwangsläufig noch beschäftigen wird. Man wird sich wohl irgendwann entscheiden müssen, ob man e.V ODER erfolgreich bleiben will. Beides erachte ich unter diesen Umständen als unmöglich.

  49. blues sagt:

    @Սաշա
    Schön ist, das wir diese Fragen jetzt stellen können, ohne gleich fürchterlich angeblafft zu werden. Vor einem Jahr war das Thema aus Fansicht mehr oder weniger tabu.
    Schrecklich finde ich, wie schnell Dynamik in dieses Thema gekommen ist.

    Mir sind erst vor kurzem die Augen aufgegangen und das gleich zweimal.

    Einmal als ich den Rettig sagen hörte,dass das Financial Fair Play in der Bundesliga für die Verantwortlichen der DFL bisher kein Thema sei.

    Und eine zweites Mal, als ich mich mit der BvB-Kapitalerhöhung beschäftigte und mir plötzlich klar wurde, dass wenn all die Fußball-AGs die Erlöse aus dem Verkauf ihrer 100% – Anteile auf den Kopf gehauen haben, sie einfach eine weitere Kapitalerhöhung durchführen, bei der sie die bisherigen Anteilswerte inflationieren oder wie es im Börsenjargon heißt, „verwässern“ und so mal eben wie Lüdenscheid, 140 Mill. Euro neues Kapital in die Kassen spülen.

    Gegen diese Finanzstrategie mit ihrem zinsfreien Kapital ist der klassische e.V. mMn ohne Chance.

    Der Lösungen gegen die fortschreitende Kommerzialsierung mit ihren absurd hohen Ablösen und Löhnen sind viele: Kreisliga, die Spiele meines Kindes haben bei Terminüberschneidungen mit Schalke (fast) immer Vorrang, selber spielen, Mannchaften trainieren,etc…

  50. Ney sagt:

    Aktionäre wollen aber auch irgendwann mal eine Dividende sehen, oder nicht?
    Irgendwas wollen Anteilseigner doch für ihr Geld? Watzke verspricht „brave“ Partner, die seine Aktien kaufen, aber kann er das garantieren, wenigstens mittelfristig? Profitiert der HSV oder geht das in die Binsen?

    Bevor wir die verbalen Schlachten, die vielleicht auf uns zukommen, schon jetzt anfangen zu schlagen und vorbeugend die eine Seite blauäugig nennen, sollten wir die Sache doch erstmal gründlich durchdenken.

  51. Torsten sagt:

    Sehr interessantes Thema. Würde ich gerne als Beitrag hier im Blog bringen, aber ich fühle mich dazu nicht gut genug informiert. Da gibt’s zu viel, was ich ganz grundsätzlich nicht verstehe.

    In erster Linie interessiert mich der Nutzen für die Investoren. Was hat Audi davon, Anteile vom FC Bayern zu besitzen? Der Werbeeffekt alleine rechtfertigt den Preis sicher nicht, den hätte man als „normaler“ Werbepartner für weniger Geld erzielen können.

    Auch wenn ich blues‘ Befürchtungen gut nachvollziehen kann, bin ich doch auch bei Ney mit der grundsätzlichen Aussage, dass diese Investoren sich eine solche Verwässerung ihrer Anteile sicher nicht grenzenlos gefallen lassen werden.

    Bei mir selbst hat in letzter Zeit auch ein Umdenken eingesetzt. Mittlerweile zweifle ich daran, dass die 50+1 Regel dem Bundesliga-Fußball gut tut. Gegen Hoffenheim und Red Bull hat es nicht funktioniert, Wolfsburg und Leverkusen haben eh einen Vorteil gegenüber „normalen“ Clubs. Ich befürchte, dass nach einem Erfolg Red Bulls noch mehr Unternehmen einen ähnlichen Weg einschlagen werden, weil sich in der Bundesliga eben prima Geld verdienen und werben lässt. Wenn Investoren aber eh investieren, ist es m.E. eigentlich kontraproduktiv, dass man/wir uns gegen Investitionen in die „tollen (Traditions-)Clubs“ wehren. In England käme niemand auf die Idee, Liverpool oder ManUtd die Tradition abzusprechen, nur weil sie mittlerweile Konzernen oder Millonären gehören. Unser System fördert aber, dass Traditionsclubs Traditionsclubs bleiben und die Millionäre in zunächst mal unattraktive Retortenclubs investieren.

    Wie gesagt, ich fühle mich selbst nicht gut genug informiert, ich habe das alles sicherlich noch nicht endgültig durchdacht. Aber da ihr gerade bei dem Thema angekommen seid, dachte ich mir, hier unten kann ich es ja mal leise hinschreiben ;-)

  52. Torsten sagt:

    Und jetzt möchte ich noch auf einige Kommentare oben eingehen.

    @Jonathan:
    Dass die Offensive nicht perfekt aufeinander abgestimmt ist, darf zu diesem Zeitpunkt sicherlich so sein. Trotzdem finde ich bemerkenswert, wie anders diese Dreierkette hinter Huntelaar agierte, wenn man das mit der bisherigen S04-Art vergleicht. Eben das Sam positionell quasi genau so spielt, wie er es in Leverkusen tat, gleichzeitig aber Draxler auch nicht konsequent die Zentrale besetzte und Choupo-Moting überall war. Das war schon sehr „durcheinander“.
    Gleichzeitig war die Defensive abgesehen von Ayhan so besetzt, wie sie schon häufiger gemeinsam gespielt und hundert Mal gemeinsam trainiert hat. Dass es da zu solchen Löchern kommt, ist schon bemerkenswert.

    Ich finde es einfach nur arm und frustrierend, wie immer wieder Sündenböcke (Keller, KPB, früher gerne auch immer Matip) gesucht werden. Das ist enfach der billigste reflex, auf Misserfolg zu reagieren

    Ich auch. Ich schrieb schon unter dem Text zum Dresden-Spiel, dass es mich nervt, dass wirklich nach jeder(!) Niederlage einen Diskussion ums große Ganze ausbricht, obwohl es doch reicht, sich über das schlechte Spiel zu ärgern. Bemerkenswert ist aber, dass sich auch gerade Jens Keller dieses Reflex‘ bedient. Augenscheinlich war der Prince nicht fit, aufgestellt wurde er trotzdem. Bei dem Ausgleich ist auch sehr fraglich, wo Christian Fuchs rumturnt, weshalb überhaupt Prince in dieses Laufduell gelangte. Außerdem spielte S04 zuvor lange schlecht, wie ich oben schon aufführte. Es gab also genug zu kritisieren. Und doch hoben sowohl Trainer als auch Kapitän überraschend deutlich auf des Princen Fehler ab, kein Foul begangen zu haben. Der billigste Reflex, auf Misserfolg zu reagieren.

    Ich finde das echt ein wenig unverschämt, wie du diese Saison relativierst. Denn die gute Saison mit der Verletztenliste ist weiß Gott keine kleine Leistung. Wirft man Keller jetzt vor, dass er “nur” die beste Rückrunde gespielt hat, und nicht die beste Saison?

    Natürlich war die Saison gut. Was ich relativiere ist der Rekordjubel. Der geht mir – gelinde gesagt – auf den Sack. Ich glaube, seit dem Spiel gegen Dresden habe ich das ein Dutzend Mal gelesen oder gehört, nicht zuletzt von Jens Keller selbst: Wie super die Arbeit war, beste Rückrunde, bester Schnitt, bester wattweißich. Das erinnerte mich etwas an blues‘ „Prince-Statistik“ aus der Hinrunde, in dem er einfach mal die ersten Niederlange wegließ und uns erklärte, dass Schalke eigentlich auf Meisterkurs ist – überspitzt gesagt, sorry blues.
    Ich halte diese Teilerfolgfeierei für Quatsch. Slomka hat 68 Punkte geholt, Magath 65 Punkte. Selbst in dem Jahr, als Slomka entlassen wurde und zum Schluss Büskens, Mulder und Reck übernahmen kam man auf 64 Punkte, ebenso wie Huub in 2012, nach der Übernahme von Rangnick. Probleme hatten diese Trainer auch alle. Wie despektierlich gegenüber diesen Trainern ist es denn bitteschön, die 64 Punkte aus der letzten Saison als so überragend abzufeiern?
    Fünfmal in den letzten zehn Jahren! So relativ normal war das nun mal.

    Auch ist unser Kader bei weitem nicht so stark wie er hier gemacht wurde. […] Mit der Überhöhung des Kaders fördert man natürlich auch gewisse unrealistische Erwartungshaltungen und die daraus entstehenden Reaktionen.

    Ich denke, dass aus meinem Text „Schalkes bester Kader“ recht deutlich hervor geht, dass ich dabei vor allem die Breite des Kaders beurteile. Bezüglich der Spitzenkräfte des Kaders ging ich nicht über die Feststellung hinaus, dass S04 konkurrenzfähig sei und man sich gegenüber Leverkusen und Wolfsburg nicht zu verstecken braucht. Was den Kader als Ganzes angeht stelle ich aber keinen Vergleich mit anderen Clubs an, sondern ich beziehe mich auf die Schalke Kader seit der Zeit, da Fußball und Schalke so groß sind, dass es eben mehr als nur eine gute Mannschaft braucht.
    blues fragte mich in einem Kommentar, ob das Lob an den Kader das Stöckchen sei, über das ich den „ungeliebten Trainer“ im Laufe der Saison hüpfen lassen wolle, wenn es nicht läuft. Nun wird mir nach zwei schlechten Spielen von selbsternannten Keller-Verteidigern vorgeworfen, ich hätte mit meinem Text zu hohe Erwartungen geschürt. Da lach‘ ich mir doch den Arsch ab, Freunde der Sonne.

    Nein. Auf die Idee, meinen Text über den Kader als Ganzes nach zwei Spiele, in welcher Form auch immer, anzuführen, wo doch einige der wichtigsten Teile der Tiefe dieses Kaders, wie Goretzka oder Kirchhoff, noch für keine Minute zur Verfügung standen, wäre ich nicht gekommen.
    Vielleicht wurde aber auch einfach der besagte Text nicht richtig gelesen.

  53. blues sagt:

    @Ney, @Torsten
    Ich versuch mal einen ersten Aufschlag zu dem Thema Fußball AG, Dividende,dem Nutzen der Investoren…

    Wie der Link weiter unten zur Dividende des BvB zeigt, ist diese nicht besonders wichtig für die Generierung neuen Kapitals. Und Dividende wird in der Regel auch nur dann bezahlt, wenn Gewinne im abgeschlossenen Geschäftsjahr erwirtschaftet wurden. Zinsen müssen unabhängig davon ob ein Gewinn erzielt wurde, bezahlt werden. Sonst ist man eher pleite und kann im besten Fall umschulden.

    Im Börsenspiel werden zukünftige positive Erwartungen und Gewinnhoffnungen vorweggenommen, gekauft und bezahlt.
    Auch Fußballvereine können von den Strategien und Tricks im Finanzkapitalismus profitieren. Der BvB Ausgabekurs lag bei seinerzeit bei 11 Euro später dann bei 80 Cent.Der BvB hat sehr viel Geld eingenommen.

    Nicht nur im Fußball, sondern wie um die Jahrtausendwende am Neuen Markt oder wie jetzt im Socialmediabereich sind Bewertungen für Firmen häufig jenseits von Gut und Böse. Hedgefonds und Finanzierungsgesellschaften steigen sehr früh als Risikokapitalgeber in diese Firmen ein und veräußern später einen Teil ihrer Aktien sehr teuer an weitere Investoren und am Ende geht’s an die Börse wo die Anteile möglichst nochmals teurer an die“ breite Masse“ verkauft werden.

    Das Beispiel Amazon zeigt, dass sich Investoren auch über die Ausweitung der Geschäftsfelder und für eine sich erst sehr langfristig auszahlende monopolartige Stellung gewinnen lassen. Also nicht über die Dividende sondern in der Hoffnung der Steigerung des Börsenwertes werden Erwartungen geschürt und können Investoren gewonnen werden.

    Um mal Bayern M. als Beispiel zu nehmen. Im Fall von Bayern München würde ich eine Strategie unterstellen, dass das Management versucht, in einigen Jahren sogar mit dem Verein an die Börse gehen. Die Altaktionäre Audi, Allianz und Adidas und zwei oder drei weitere zusätzliche 100 Mill-Euro-Teilhaber geben dann einen Teil ihrer Aktien ab.

    Auf Grund der guten Entwicklung des Vereins in den letzten Jahren, der global weiter gestärkten MARKE „Bayern München“ und des darauf hin testierten erhöhten Marktwertes und der zukünftigen poitiven Erwartungen, geschieht das dann zum doppelten oder sogar mehrfachen ihres damaligen eigenen Kaufpreises.

    Immer vorausgesetzt, dass die Bayern bis dahin weiter sehr erfolgreich sind, sonst klappt das natürlich nicht mit den teureren Preisen für die zukünftigen Erwartungen.

    Für Audi @ Co. steht die Beteiligung an den Bauern als AnlageVERMÖGEN in der Bilanz. Geht das Investment schief, weil Bayern plötzlich nur noch verliert, wird der Wert abgeschrieben und gegen Gewinne aus dem laufenden Geschäftsbetrieb, auf die ansonsten Steuern anfallen würden, verrechnet.

    Also im nschlechtesten Fall ist das für Audi langfristig ein Nullsummenspiel und im positiven Fall entsteht langfristig aus der Beteiligung ein Buchgewinn (stille Reserve) oder eine tatsächliche Einnahme,oder beides, wenn neue Aktionäre hinzukommen. Und bis dahin haben Audi&Co einen tollen Werbe-und Imageträger.

    Die Dividende der Borussia aus Lüdenscheid für die Jahre 2003-2014

    http://www.finanzen.net/divide.....a_Dortmund

    Ein fast aktueller Artikel vom Juli 2014 aus der „Wirtschaftswoche“ zu Fußballaktien weltweit. In diesem Artikel wird zu weiteren Artikeln zu börsennotierten Verein verlinkt. In diesen Artikeln geht es um Sportfinanzierung, Börsenwertentwicklung,etc..

    http://www.wiwo.de/finanzen/bo.....0-all.html

    Sportfinanzierung:

    http://www.wiwo.de/finanzen/bo.....96622.html

    Investorensuche:

    http://www.wiwo.de/finanzen/bo.....alse#image

  54. der grafschafter sagt:

    @Torsten,
    ja da mach mal mehr hier draus , wenn du willst.
    jetzt nur kurz,zu england:
    viele sagen mir , das dort der fussball ein ganz anderer geworden ist,was
    zuschauer und fan kultur angeht. einige kommen extra deswegen von der insel
    hierher, um klasse fussballatmosphäre mitzunehmen.
    willst du,dass schalke einem scheich gehört?
    wie gesagt, darüber sollte man mal ausführlich diskutieren.
    glück auf

  55. Ney sagt:

    50+1 fällt nach und nach. Rüdiger Kind hat durchgesetzt: „Das DFB-Gericht schrieb in seinem Urteil eine verbindliche Regelung für alle Vereine fest: Wenn sich Gesellschaften oder Investoren nachhaltig über 20 Jahre bei einem Verein engagieren, können sie die 50plus1-Regel außer Kraft setzen und die Mehrheit der Anteile an einem Bundesligisten übernehmen.“ Und wer sagt, dass 20 Jahre in Stein gemeisselt sind? Das bröckelt überall und geht bald weg.

    grafschafters Hinweis auf England stimmt nicht unbedenklich. Nur-Sitzplätze, Schnauze halten auf den Rängen, Eintrittspreise für die obere Mittelklasse…für eingefleischte Stadiongänger iss dat nix…

  56. Torsten sagt:

    grafschafters Hinweis auf England stimmt nicht unbedenklich. Nur-Sitzplätze, Schnauze halten auf den Rängen, Eintrittspreise für die obere Mittelklasse…für eingefleischte Stadiongänger iss dat nix…

    Dass in Deutschland die Preise noch weitestgehend bezahlbar sind, dass es Stehplätze gibt und die meisten Clubs gut genug mit Fans kooperieren, dass es noch ordentliche Stimmung im Stadion gibt, geschieht aber sicher nicht aus sozialen Aspekten. In Deutschland verdienen die Clubs sehr viel mit Werbung. Dieses „Stadionerlebnis“, die ständig an 100% kratzende Auslastung in fast allen Stadien ist da das Top-Argument. Da wird ein Boom auch dann noch beschrieben (und verkauft!), wenn die Stimmung mal nicht so gut ist und im Rund doch recht viele leere Plätze zu sehen sind.

    Soll heißen: Der Weg in Deutschland ist anders, ist letztlich aber auch recht erfolgreich. Dass ein Club wem auch immer gehört bedeutet ja nicht automatisch, dass man eine gut laufende Geldmaschine unbedingt ummodelt.

  57. Ney sagt:

    Die Stadionauslastung ist in der Premier League aber vergleichbar mit der in Deutschland, bei etwas kleineren Stadien. Die Top-Vereine sind ständig ausverkauft.

    Was sagt sich denn ein strategisch denkender, gewinnorientierter Besitzer von Bayern München, Dortmund, Schalke (HSV, Frankfurt, Köln…)? – „Wie tausche ich nach und nach das Publikum aus, um höhere Eintrittspreise ohne Einbruch der Nachfrage zu erzielen?“ In England ging das maßgeblich über die Abschaffung der Stehplätze. Wenn es gelänge, die 16.000 Stehplätze Nord (ca. 15 Euro) dauerhaft in 8000 Sitzer (41 Euro) zu verwandeln, wäre aus Sicht eines Investors schonmal ein Anfang gemacht. Und dann wird der Dauerkartenbesitzer langsam gekocht wie der Frosch im Wasserkessel, siehe die kürzlich hier diskutierte Preisentwicklung bei Schalke, die an der Auslastung doch Null komma Nüschte geändert hat. Wer nicht mithalten kann, für den stehen anscheinend genug Leute auf der Warteliste. Und Leipzig zeigt, dass es einen ausreichend großen Markt gibt für das familienfreundliche („amerkanisierte“?) Fussball-Event.

    Der Geldbringer TV (und das daran hängende Sponsoring) braucht auch nicht unbedingt eine überschwappende Stadionstimmung, die können Fussball inszenieren wie sie’s brauchen.

    Vielleicht führt irgendwann kein Weg an der Umwandlung auch bei Schalke vorbei, wollen wir konkurrenzfähig bleiben. Dass sich dann ansonsten nicht viel ändern wird, wage ich kaum zu glauben.

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