Rote Bananen, gelbe Äppel, blaue Birnen und der Manni

Bayern München hat sein Stadion abbezahlt, habe nun noch mehr Geld für den laufenden Betrieb übrig, hieß es vor einigen Tagen. Borussia Dortmund ist schuldenfrei, es gäbe nichts mehr zu tilgen, man zahle keine Zinsen mehr, heißt es nun. Die einen sind die Nummer 1 in allem, die anderen waren zuletzt lange auch sportlich-, sind nun zumindest wirtschaftlich die Nummer 2. Und weil die Bundesliga ein Wettbewerb ist, rufen solche Meldungen Vergleiche auf den Plan.

Die Schuldenfreiheit des BVB sei für die königsblauen Nachbarn „ein schmerzlicher Nadelstich“, schrieb Manni Breuckmann in RevierSport. Zwar sei auf Schalke Vernunft eingekehrt, man müsse nachts nicht mehr schweißgebadet aufwachen, behauptete er dabei. Die Zwang zum sportlichen Erfolg, um die Verbindlichkeiten zu bedienen, sei aber belastend. Dortmund könne sich Misserfolg leisten, Schalke nicht, so Breuckmann.

Dabei thematisierte er nicht, dass weder Bayern München sein Stadion, noch Borussia Dortmund seine Schulden aus den direkten Erträgen sportlicher Erfolge abbezahlt haben. Beide haben aus ihren Fußballclubs Firmen gemacht, um Anteile dieser Firmen zu verkaufen. Sie haben dadurch große Einnahmen erzielt und diese in das Abzahlen des Stadions bzw. der Verbindlichkeiten investiert. Das ist nicht schlecht, schon gar nicht böse, daran ist nichts anrüchig. Es ist nur eben anders. Anders als es auf Schalke gegenwärtig durchzusetzen ist.
Ob sich das Handeln der Firmen aus München und Dortmund in irgendeiner wie weit auch immer entfernten Zukunft als Fehler erweise wird, bleibt abzuwarten. Möglicherweise verpasst auch Schalke 04 eine entscheidende Entwicklung im Wettbewerb Profifußball, ich weiß es nicht. Wer aber mit der Schuldenfreiheit des BVB auf Schalke zeigt und meint, die Blauen hätten Nachholbedarf, sollte ehrlich genug sein, auch den unpopulären Teil der Lösung zu erwähnen. Oder sich einfach weiter lieber mit den romantischen Themen beschäftigen.



26 Kommentare zu “Rote Bananen, gelbe Äppel, blaue Birnen und der Manni”

  1. Watson04 sagt:

    Genau richtig! Und jetzt stelle man sich vor, Schalke hatte in der Vergangenheit nicht dermaßen Schindluder getrieben und solide gewirtschaftet. Was wäre dann heute?!

  2. Werda sagt:

    Mal eine Verständnisfrage: Dass der BVB damals mit dem Börsengeld jede Menge Unsinn gemacht hat, dürfte jedem klar sein. Aber aktuell – in den letzten Jahren – kam da doch im Zuge einer Kapitalerhöhung nix mehr rein, oder? Sprich, die Schulden wurden tatsächlich durch sportliche Einnahmen (inkl. Sponsoring etc.) getilgt, oder irre ich da?

    Bayern macht mir übrigens Angst. Aber das ist ein anderes Thema.

  3. Torsten sagt:

    Ja, da irrst Du. Kapitalerhöhung, eben doch:
    Kapitalerhöhung macht BVB um 114 Millionen reicher

  4. Mike sagt:

    irgendwann wird auch schalke diesen schritt machen. machen müssen. das ist nur eine frage der zeit.

  5. Carlito sagt:

    Jetzt verwirr den armen Manni hier doch nicht mit Fakten, Torsten! ;)

  6. leoluca sagt:

    Torstens Kommentar zu dem, was Manni Breuckmann in seinem Schalke-Text mal eben vergessen hat, ist absolut zutreffend. Egal, ob Schalke seinen anderen Weg auf Dauer durchhalten kann oder nicht.

  7. ReinerEdelmann sagt:

    @Mike,

    man _muss_ nur wenig im Leben – und Schalke _muss_ diesen Schritt gewiss nicht gehen.

    Ich fürchte es jedoch.

  8. Malte sagt:

    Der Manni hat ja grundsätzlich meine Sympathien und eine vergleichsweise geringe Bullshit-Quote. Aber hier haben wir wieder mal einen Beleg für fachliche Inkompetenz von Sportjournalisten. Wäre es nur ein Ausrutscher, geschenkt. Leider ist es nur ein Beispiel von vielen, bei dem ein Amateur (nicht despektierlich gemeint) dem Profi zeigt wie man es macht.

  9. Mike sagt:

    @ReinerEdelmann
    wenn man in zukunft mit platz 10 bis 12 zufrieden ist, dann muss man das natürlich nicht, da hast du sicher recht.

  10. ReinerEdelmann sagt:

    @Mike,

    mit Verlaub, das ist Unfug.

    Aber: Tatsächlich wäre mit Platz 10 als e.V. lieber als Platz 1 als AG oder Kommanditgesellschaft auf Aktienbasis etc. etc.

  11. Mike sagt:

    @ReinerEdelmann
    wieso ist das unfug? wer wird denn jedes jahr meister? in deutschland, in england, in spanien? welche mannschaften spielen jedes jahr die CL unter sich aus? geld schiesst eben doch tore. ich weiß nicht, ob das alles so schlecht ist, ich kann das nicht beurteilen. aber die zeiten ändern sich nun mal, auch im fußball. und ich möchte schon, das meine mannschaft erfolgreich ist, jedes jahr CL spielt und vielleicht auch irgendwann auch mal deutscher meister wird.

  12. ReinerEdelmann sagt:

    @Mike,

    sicher schießt Geld Tore – war das die Frage?

    Du gehst von der Annahme aus, dass man alles tun muss, um Meister zu werden oder in die CL zukommen. Dem ordnest Du alles unter – das ist legitim, aber nicht mein Ding – und ich denke, ein Teil der Fanszene wird Dir hier (hoffentlich) nicht folgen.

    Schalke ist mein Verein; er ist mir wichtig – natürlich bin auch ich heiß auf Titel, auf Erfolg – aber zu welchem Preis?
    Wegen Clemens und Gazprom grummelt es in meinem Magen schon genügend; ich möchte aber auf gar keinen Fall, dass Unternehmen Teile des Vereins, meines Vereins, erwerben. Dann ist für mich, Dauerkarte seit 1979, Mitglied seit Anfang 1987, Schluss.

    Mein Schalke-Dasein und -Erleben fußt doch nicht auf Erfolgen – mein erste gute Saison war die von 1996/1997 (inkl. elendigster Zweitligaspielzeiten)!

    Übrigens, wer so hohe Einnahmen hat wie Schalke, muss nicht 10. werden…

    Schließlich taugen die Vergleiche mit England und Spanien wegen grundlegend anderer Voraussetzungen („noch“ 50+1, Verteilung der Fernsehgelder) nur bedingt.

  13. Werda sagt:

    @Torsten – danke für die Info!

  14. RJonathan sagt:

    @Mike
    Real und Barca sind Vereine. btw.

  15. RWDJojo sagt:

    @Mike
    Da solltest du mal etwas besser recherchieren, denn sonst ist das was du schreibst tatsächlich Unfug.
    In England ist es einem Verein nicht möglich, Meister zu werden, da es die Rechtsform dort nicht gibt bzw. alle Mannschaften in der PL Kapitalgesellschaften sind und irgendeinem Investor gehören.
    Die beiden Dauermeister (Barca und Real) in Spanien sind eben KEINE Kapitalgesellschaften, sondern sind genau wie Schalke zu 100% im Besitz der Mitglieder (Quelle: Wikipedia).
    In Deutschland sind lediglich 6 von 18 Bundesligisten noch echte Vereine. Dies sind Schalke, Mainz, Freiburg, Stuttgart und Paderborn (Quelle: http://www.wiwo.de/unternehmen.....4-all.html) Deiner Aussage folgend, dürfte Schalke dann ja nur maximal 13. werden.

    Ich möchte nicht, dass Schalke den Status des e.V. hergibt. Denn eine Ausgliederung dient lediglich einer einmaligen (wenn auch mehrmals durchführbaren) Geldbeschaffung. Ist das Geld einmal weg, gibt es da auch nichts Neues mehr. Außer man verkauft noch mehr Anteile bis man die Grenze erreicht hat (max. 50% – 1) oder man generiert frisches Kapital über eine Kapitalerhöhung. Aber auch der zweite Schritt ist nur theoretisch unendlich durchführbar, da bei einer Kapitalerhöhung die Anteile der Altaktionäre sinken. Diese werden irgendwann einer Minderung ihrer Anteile nicht mehr zustimmen.

    Eine Änderung der Rechtsform kann also frisches Geld generieren, ist aber nicht unendlich wiederholbar. Spätestens wenn alle Anteile verkauft sind oder die Aktionäre einer Kapitalerhöhung nicht mehr zustimmen, ist diese Art der Geldbeschaffung am Ende. Dann kann man nur noch hoffen, dass man einen neuen Investor findet, der den alten ablöst und durch neue Investitionen zur Erhöhung des Marktwertes wieder frisches Geld besorgt. Spätestens dann haben wir eine Situation wie in England. Schau dir doch mal die jüngere Geschichte von Leeds United oder Porthmouth FC an. Da wird mir ehrlich gesagt schlecht. Da ruinieren einige wenige Geschäftleute deinen Lieblingsverein und du kannst rein gar nichts tun.

    Auf Schalke hat es in der Vergangenheit doch auch schon zu manchen dubiosen Präsidenten gegeben, der uns das Blaue vom Himmel versprochen hat und am Ende verbrannte Erde hinterließ. Immerhin waren wir da immer noch in der Lage diese Personen am Ende vom Hof zu jagen und mussten eingestehen, dass wir diese Leute auch selber ins Boot geholt haben. Verlieren wir Mitglieder unseren Einfluss, können wir einer solchen Entwicklung nicht mal aktiv entgegentreten.

    Ich persönlich glaube, dass Schalke eine solch große Strahlkraft hat, dass man nicht auf neue Geldgeber angewiesen ist. Trotz unserer (aktuell) nachteilig erscheinenden Rechtsform haben wir immer noch den dritt- oder viertgrößten Hauptsponsor (ob dieser so toll ist, ist ein anderes Thema). Wir haben die zweitmeisten Mitglieder in Deutschland, wir haben das viertgrößte Stadion der Liga, das zu 95% ausgelastet ist (und das bei teilweise enormen Ticketpreisen). Wir haben eine, wenn nicht sogar die, der besten Nachwuchsabteilungen Deutschlands und bringen so immer wieder sehr gute Spieler fast zum Nulltarif ins Profigeschäft. Wir spielen seit 15 Jahren fast jedes Jahr international (davon meist sogar in der CL). Ich glaube, dass dies alles Dinge sind, die dafür sorgen, dass die Einahmenseite weiterhin gut ist. Das Schalker Problem sind die zu hohen Ausgaben. Diese bekommt man aber nicht in den Griff, indem man zu einmaligen Einnahmeerhöhungen greift.

    Im Übrigen sollte man mal diskutieren, ob es nicht wirtschaftlich sinnvoller ist, bei Bedarf mal einen Kredit aufzunehmen und dafür Zinsen zu zahlen. Unser Nachbar klopft sich ja auf die Schulter, dass man keine Zinsen mehr zahlen müsse. Dafür sind jedoch irgendwann mal Dividendenzahlungen an die Anteilseigner fällig und man hat fehlende Zinsen durch den Verlust von Mitspracherechten erkauft. Auf einen Kredit zahlt man vorher definierte Zinsen über einen festgelegten Zeitraum. Dividendenzahlungen sind in ihrer Höhe variabel und jedes Jahr zu zahlen. Um Dividenden nicht zahlen zu müssen, muss man mit den Eigentümern Übereinstimmung erzielen. Dies dürfte hin und wieder gelingen, ist aber langfristig keine Option.

    Solange Schalke vernünftig wirtschaftet (was leider nicht der Fall ist), hat Schalke meiner Meinung nach es nicht nötig den Status des e.V. aufzugeben. Und auch bei Misswirtschaft sollte dies keine Option sein, da es typisch Schalke wäre, das Geld zu verpulvern und nach 2-3 fetten Jahren vor einem Scherbenhaufen zu stehen.

    FC Gelsenkirchen-Schalke 04 eingetragener Verein (für immer)

  16. Mike sagt:

    @ReinerEdelmann
    @RWDJojo
    ihr habt sicher recht, mit dem was ihr schreibt. ich bin kein finanz- oder wirtschaftsexperte. ich wollt nur zum ausdruck bringen, daß die schere immer größer wird, daß b. münchen jedes jahr schon zu weihnachten als meister fest steht, und daß in der CL jedes jahr die gleichen 5 oder 6 mannschaften den titel unter sich ausmachen. warum sollte man nicht darüber nachdenken, diesen schritt zu machen? ich bin sicher, die verantwortlichen bei schalke denken darüber nach. und es wird so kommen. für mich wird schalke immer schalke bleiben egal ob als e.V. oder als AG.

  17. blues sagt:

    Der BvB setzt weiter aufs Geld – in Form von Aktien – drucken: Auf der gestrigen Aktionärsversammlung des BvB winkten die Aktionäre auf „Vorrat“ die nächste, 100 Mill. Euro große, Kapitalerhöhung durch. In den kommenden fünf Jahren kann der Verein so weitere 23 Millionen Aktien ausgeben. Der Kurs liegt derzeit um die vierfufzich.

  18. Ney sagt:

    @Mike
    Du meintest, wir werden als e.V. nur noch 10. oder 12. Wir stehen auch als e.V. seit Jahren fast immer unter den ersten 2-6. Die Schere geht auf? Die Bayern haben auch bei kleinerer Schere in den letzten Jahrzehnten ein Meisterschaftsabo gehabt. An Bayern München kämen wir geldmäßig auch als Kapitalgesellschaft nie im Leben auch nur annnähernd heran. An VW auch nicht, wenn sie Lust darauf haben, ernst zu machen. Und soll ich jetzt schnell Schiß kriegen von Köln, HSV oder demnächst Stuttgart, weil die Kapitalgesellschaften sind? Dann prasselt da die Kohe nur so auf sie ein? Es geht doch um das gescheite wirtschaften insgesamt (siehe Gladbach), nicht nur um die Kapitalbeschaffung. Also, keine Panik.

  19. Mike sagt:

    @ney
    nein, panik habe ich nicht. ja, die gefahr sehe ich, sollte man mal 2 jahre hintereinander die CL verpassen, daß schalke dann in die mittelmäßigkeit abdriftet. und um das gescheite wirtschaften geht es sowieso immer, das setze ich voraus, egal ob der etat 10 mill. oder 100 mill. beträgt.

  20. Maddin sagt:

    RWDjojo hat es auf den Punkt gebracht. Wer weiß was das Alleinstellungsmerkmal „eV “ in ein paar Jahren wert ist? Vielleicht rennen uns dann die Sponsoren die Bude ein. Man muss nicht jeden Scheiss mit machen nur weil man eine theoretische Apokalypse an die Wand malt. Ob wir im 5 Jahren als eV da oben noch mithalten können? Werden wir in 5 Jahren sehen. Und im Gegensatz zu den ganzen apokalyptischen Reitern will ich die Gummibärchen Bande aus Leipzig erstmal in Liga 1 sehen bevor ich die auch nur ansatzweise als Konkurrenz sehe. Hoppenheim müsste diesen Theorien nach ja bereits 3 Jahre statt unser CL spielen. …

  21. Stollengewitter sagt:

    Klasse Eintrag Torsten!!! So ist das

  22. Voice sagt:

    Die Schere zu Bayern geht natürlich weiter auf, das ist Fakt. Das liegt zum einen an den verkauften Anteilen, die viel Geld in die Kassen spülten. Aber in erster Linie an der guten Arbeit, die dort seit 40 Jahren leider geleistet wird. Ich kann die meisten Entscheidungsträger dort nicht leiden, manchen gilt meine tiefste Antipathie, aber leider wurde gut gearbeitet. Die Geldmaschine CL tut ihr Übriges, die Diskrepanz immer weiter zu vergrößern. Die dort regelmäßig vertretenen Vereine enteilen den anderen. Ich sehe unser Problem auch in den Ausgaben, nicht in den Einnahmen, denn da stehen wir sehr gut da. Aktien oder Anteile zu verkaufen ist kein Allheilmittel, Dortmund hat es fast in den Bankrott getrieben trotz Börsengang und zwar weil dort schlecht gewirtschaftet wurde.
    Ich hoffe, unsere Verantwortlichen schaffen es, uns eine solche Situation zu ersparen, denn das wäre eine mögliche Konstellation, die doch dazu führen könnte den Status als e.V. aufzugeben.

  23. matz sagt:

    Dass sich Dortmund Misserfolg leisten könne, möchte ich sehen….

  24. RJonathan sagt:

    @RWDjojo
    Eine Anmerkung: Dortmund ist keine AG sondern eine KG auf Aktien. Der Unterschied ist nicht unentscheidend: Bei dem Konstrukt des BVBs kannst du theoretisch 100% der Anteile verkaufen, denn mit den Anteilen ist kein Stimmrecht in der KG verbunden. Sie geben lediglich Kapital, die Macht behält der Eigentümer. Deswegen ist dieses Modell auch so beliebt in der Bundesliga (Köln, Berlin, Fürth, Hannover). Der Verein kann als Eigentümer eine KGaA gründen und verscherbeln wie er lustig ist. Der Nachteil: Seriöse Investoren schrecken vor so einem Konstrukt eher zurück. Deswegen sind die Hauptkäufer eher Kleinaktionäre (=Fans). Und wenn man sich dieses Konstrukt zu Gemüte führt, dann kann man unsere vergleichsweise hyperfaire Fan-Anleihe auch in einem anderen Licht sehen.

  25. RJonathan sagt:

    Hier übrigens ein Lesetipp zu dem Thema:
    http://www.wiwo.de/unternehmen.....4-all.html

  26. BVB-Finanzen - Seite 36 - Fanlager sagt:

    […] […]

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