Di Matteo unterstützt, Huntelaar vollstreckt

Schalke 04 gewinnt 4:1 gegen Mainz 05. Ein Sieg, der durch die individuelle Klasse Klaas-Jan Huntelaars und Eric Maxim Choupo-Motings entschieden wurde, der aber durch die Taktik des Trainers die geeignete Unterstützung fand. Vielleicht sollte man das Chelsea-Debakel tatsächlich einfach abhaken.

Roberto Di Matteo stand im Trainingsanzug und mit Stadionparka an der Linie. Anzug und Mantel: So spielt seine Mannschaft einfach nicht. Des Coaches Übungseinheit-Outfit konnte als Symbol für die noch zu leistende Grundlagenarbeit erachtet werden. Die Realität ist zurück auf Schalke.

Gegen Wolfsburg gewann Schalkes 5er-Ketten-Formation auf ganzer Linie. Gegen Mainz war das anders. Diesmal brachte die Taktik keine Per Se-Überlegenheit. Aber sie kaschierte Schalkes Defensivschwäche auf den Außenbahnen und sie brachte der Blauen Offensivkräfte auf engen Raum zusammen. Erst so, nach der Halbzeit defensiver, im 4-4-1-1 auf Konter wartend, spielte die Mannschaft in den geeigneten Formationen, um den Sieg zu ermöglichen.

Der Erfolg wurde aber durch die Klasse des Klaas-Jan Huntelaar eingefahren und durch die Klasse des Eric Maxim Choupo-Moting assistiert. Auch Max Meyer war sehr aktiv. Überragend war aber Huntelaar.

Ihm reichte der kleinste Raum, der eine Schritt Vorsprung vor dem Gegner, um zum Abschluss zu kommen. Er behauptete die Bälle auch außerhalb des Strafraums und leitete sie an seine Mitspieler weiter. Er traf drei Mal und war auch noch derjenige, der den Ball zu Tranquillo Barnetta spielte, vor dessen Fernschußtreffer. Als Krönung gelang dem Niederländer auch noch ein Tor wie dieses 1:0, ein Heber über den Torhüter aus vollem Lauf. Das war richtig, richtig großes Kino, auf Schalke!

Wie schon gegen Wolfsburg zeigte Schalke „Zug zum Tor“, zumindest in der ersten Hälfte. Die defensivere zweite Hälfte hat aber auch funktioniert. Diesmal wurde es nicht nochmal knapp wie gegen Wolfsburg, diesmal funktionierte die Vorgabe. Ein letztlich „souveräner“ Sieg, in dem Schalke eine grundsätzlich defensive Formation offensiv interpretierte und damit Erfolg hatte. Vielleicht sollten wir die Niederlage gegen Chelsea einfach in die Schublade „Zu schnelle Gegentore gegen einen zu starken Gegner“ stecken und uns davon nicht weiter runterziehen lassen.



Foto: Tomek Bo



36 Kommentare zu “Di Matteo unterstützt, Huntelaar vollstreckt”

  1. Սաշա sagt:

    Kleine Korrektur zum gewohnt guten Text: Der wunderschöne Heber Huntelaars über Karius hinweg war das 1:0.

    Zum Spiel: Ich war wieder einmal beeindruckt von der taktischen Vielseitigkeit, die Roberto Di Matteo dem Kader schon in dieser kurzen Zeit beigebracht hat. Es scheint mir auch so, als hätte er sehr gut erkannt, welche Ausrichtungen und Formationen mit diesem Team Sinn machen – da muss man das Chelsea-Debakel wirklich mal außen vor lassen.
    Insgesamt kommt mir unser Fußball in den letzten Wochen etwas englischer vor. Oft wird als Mittel des Spielaufbaus der lange Ball auf einen der beiden großgewachsenen Stürmer gewählt, die dann ihrerseits auf die Nachrücker abtropfen lassen. Das mag nicht unbedingt der originellste Spielaufbau aller Zeiten sein, aber es ist genau der Spielaufbau, der unsere Schwäche kaschiert, spielerische (Kurzpass-)Lösungen in Drucksituationen zu finden. Fußball kann so einfach sein und Di Matteo versteht das – so denke ich mittlerweile – doch etwas besser als seine Vorgänger.
    Grundsätzlich positiv nehme ich im Übrigen die Abkehr von der Viererkette als einzig legitimer Abwehrformation des sogenannten „modernen Fußballs“ wahr (Nimm das!, Ralf Rangnick vom SSV Ulm in der Sportschau so ca. 1999). Was sich schon während der WM andeutete, setzt sich in der Bundesliga fort, u.a. eben beim FC Schalke, aber auch bei den Gästen aus Mainz. Dass den Sieg allerdings erst wieder die Rückkehr zur Viererkette manifestierte, will ich hierbei natürlich nicht verschweigen. Geholfen hat dabei allerdings auch individuelle Klasse, etwa das personifizierte Kontergaspedal und Dribbelmonster EMCM auf dem (zumindest in der Formation der zweiten Halbzeit) rechten Flügel, der gefühlvolle Schlenzer von Quillo und – trotz der Höhe des Sieges nicht zu vergessen – die herausragende Leistung von Ralf Fährmann. Und natürlich Klaas-Jan Huntelaar.

  2. hellwach sagt:

    Am dienstag noch ironisch, heute durchaus hoffnungsvoll:

    Keiner verletzt, der Ralle hält wieder, es geht aufwärts!

    Zur Lage:
    Fuchs macht zwei ordentliche Spiele nacheinander
    Der Hunter kriegt Unterstützung und Choupo-Motings Fähigkeiten werden nicht durch einen Kreidestrich kastriert
    Wenn der Weltmeister nicht einen gebrauchten Tag erwischt hätte, wäre Mainz ohne Chance und Tor geblieben

    Ob das mit dem Wirken von RDM zu tun hat, mag jeder für sich und auch differenziert bewerten. Was RDM allerdings ganz sicher verantwortet und ihn in meinem Ansehen nach ganz oben gehoben hat:
    Jan Kirchhoff hat gegen Chelsea DAS schlechteste Spiel seinen Lebens gespielt. Mit der Kroenung zum 0-3. Ihm von Beginn an die zentrale Rolle in der Kette anzuvertrauen, die Schlüsselposition fuer Abwehr und Aufbau -Hut ab-.

    Das macht einer, der ueber herausragende Fähigkeiten und ein entsprechendes Selbstbewusstsein verfuegt, oder ein Hasadeur. Auch dazu mag jeder sein persoenliches Fazit ziehen.

  3. Torsten sagt:

    Richtig, war das 1:0. Da habe ich mich gesternabend beim hin- und herklicken der Zusammenfassung selbst durcheinander gebracht. Danke, korrigiert.

  4. Carsten sagt:

    unglaublich….

    wird der Stadionparka nun zum Udo Lattek Gedächtnispullover?
    mir egal… Hauptsache der Zug kommt langsam aber sicher ins rollen

    Glück auf

  5. ReinerEdelmann sagt:

    Treffend formuliert – es war die individuelle Klasse von Choupo-Mouting und Huntelaar. Dafür greift man eben tief in die Portokasse.
    Choupo-Mouting hat Samstag gezeigt, dass er nicht nur als „Freigeist“ vorne funktioniert, sondern auch als Bahnspieler (2.Halbzeit).

    Hätten die Beiden bei Mainz gespielt und Allagui und Okazaki (beide gewiss nicht schlecht!) bei uns, hätten wir verloren.

    Unter di Matteo wächst in jedem Fall die taktische Flexibität, auch wenn, besonders in Halbzeit 1, die Abwehr bedenklich wackelte. Dies lag aber an der schwachen Form von Höwedes und mehreren Wacklern von Neustätter und auch Uchida. Zudem bedeutet das Zurückfallen auf Fünferlinie eine Unterbesetzung des Mittelfelds. Daher auch die langen Bälle.

  6. Ney sagt:

    Jedes der drei Heimspiele der letzten 8 Tage sehr interessant.
    Die beiden BuLi Spiele sollten Auftrieb geben. Schade, dass
    jetzt unser Auswärts-Angstgegner wartet.

    Die Klatsche gegen Chelsea würde ich nicht abhaken, sondern
    mir sehr gut merken in der Hinsicht, was bei uns geht und was
    nicht.

    @hellwach

    Keiner verletzt

    Kirchhoff?
    Und Höger fehlt nächste Woche wegen 5. Gelber.

  7. Carlito sagt:

    Torsten schreibt ähnlich euphorisch, wie ich mich am Samstag zum Teil fühlte. Schön! ;)

  8. woischwat sagt:

    Es ist vor allem spannend, was Di Matteo aus der Mannschaft holen kann, wenn er eine komplette Vorbereitung hat und dazu noch die Verletzen zurückkommen. Chelsea einfach abhaken ist vielleicht wirklich das Beste

  9. bernd sagt:

    Tatsächlich habe ich das Gefühl, di Matteo richtet sich beim System nach den vorhandenen Spielern und nach dem Gegner. Gleichzeitig ist er trotz des extremen Drucks nicht zu ängstlich etwas auszuprobieren. Gefällt.

    Aber: Nach dem Spiel ist vor den Spielen…
    Wichtig sind Spiele immer, aber ich finde die beiden folgenden extrem wichtig. Wichtig um die ewigen Schwankungen abzustellen, Selbstbewusstsein zu festigen, sich in der Tabelle oben festzusetzten und in der CL weiterzukommen. Ich freue mich auch weiterhin auf CL Spiele und hoffe jedes Mal auf Spiele wie gegen Porto, Mailand und Arsenal. Also bitte zwei Siege und falls der Nikolaus mitliest: Ich möchte so gerne nach Paderborn!

  10. Lutt sagt:

    Ein erfreuliches Fazit und ein Samstag, der wegen Schalke Spaß gemacht hat ;-)
    Aber dieses „Kaninchen-vor-der-Schlange“-Syndrom, wie in Spielen gegen Chelsea oder andere größere Gegner bereits mehrfach zu beobachten war, sollte eigentlich als Mahnmal im Schalker Kabinengang hängen. Nicht, um immer wieder „draufzuhauen“, sondern vielmehr um zu verdeutlichen, dass im Profifußball mit nur 80% Leistungsbereitschaft NIX zu holen ist.

    Dass taktische Variabilität wichtig ist, haben wir gegen Mainz ja mal wieder gesehen. Aber gewonnen hat Schalke, weil – gefühlt – eine ganz andere Mannschaft auf dem Platz stand. Gut so. Die will ich öfter sehen ;-)

  11. Mario sagt:

    Ich habe das Spiel nicht gesehen.
    Dennoch ein paar Gedanken dazu.

    Über Huntelaars Wert und Bedeutung für die Mannscahft wurde hier vor geraumer Zeit mal diskuitiert.
    Er ist immens wertvoll, wenn die Mannschaft mit ihm spielt. Dafür ist er nicht verantwortlich.
    Verantwortlich ist er für das, was er daraus macht, und das ist mindestens gut.
    Sollte er 7 Millionen pro Jahr bekommen, wäre das wirklich viel, aber die Gegenrechnung: x Millionen Ablöse zzgl. Gehalt für zwei Jahre = 14 Millionen ergibt glaube ich keinen besseren Stürmer als ihn.

    Bei Choupo Moting hatte ich gegen Chelsea schon den Eindruck, dass er einer von ganz wenigen war, die fußballerisch mithalten konnten und auch an sich geglaubt haben, so weit es dieses Spiel zugelassen hat.
    Das neue System mit zwei Stürmern scheint beiden Offensiven zu liegen.

    Gut, daß die Grippe manchmal auch die Richtigen trifft, und dem Trainer eine Entscheidung abgenommen hat.

    Zwei tatkische Systeme in einem Spiel, die auch noch funktionieren? Kerlo, sonst hatten wir zu Beginn der Partie nicht mal ein einziges.
    Hoffentlich sind das wirklich die ersten erkennbaren Schritte zu Fussball mit Plan!

    Chelsea: macht doch einfach einen Strich drunter oder dadurch. Die große CL ist nicht unsere Liga. An der kleinen würde ich gerne noch drei Spiele teilnehmen, vielleicht auch noch fünf.
    Roma und BATE haben den Verein auch nicht aufgelöst, und die haben noch mehr gefangen als wir, gerne auch mehrfach.

    Barnetta: wann kauft sich Burt Reynolds jr. denn jetzt den 6,6 Liter Trans Am mit Adler auf der Haube?

    VW-Betriebssportgruppe: die sind zweiter, haben gegen uns verloren und daheim gegen Everton, das ist noch nicht mal CL.
    Vielleicht ist die BL außer der Weltmeistersammelstelle aus dem Süden der Republik gar nicht so stark, wie wir es gerne hätten, und manche haben diese Tatsache noch nicht so richtig wahrgenommen und sind deshalb so erschüttert über das Leistungsvermögen der Milliardentruppen?

    Na, ich mache mir die Gedanken jedenfalls in guter Laune.

    Grüße,

    Mario

  12. RJonathan sagt:

    Erstaunlich (oder auch nicht): Die „Analyse-Qualität“ auf der Westen. Mit dem entscheidenden Unterschied den System-Wechsel zur Halbzeit einfach mal wegzulassen.
    http://www.derwesten.de/sport/.....94743.html

    Rückblick auf Chelsea: Ich frage mich, was eigentlich die Erwartungshaltung bei einem Spiel gegen Chelsea ist. Okay, 0:5 ist bitter. Aber Wenn eine Top-Mannschaft in Top-Form ist, und du selber nur nen mittelmäßigen tag hast, geht’s halt schnell. Ich finde das keine Katastrophe. Auch wenn es natürlich frustrierend ist, die eigenen Grenzen derart aufgezeigt zu bekommen.

  13. Detlef (Doktor_d) sagt:

    Euphorisch sei der Text schreibt Carlito. Ist das so. Ich sage, auf den Punkt gebracht, wie meist hat es Torsten.
    Euphorisch war ich selbst auf dem Weg Richtung Stadion/Arena. Kantersieg und ähnliches ging mir durch den Kopf. Warum? Keine Ahnung.
    Grund für die Annahme gab es ja nicht wirklich. Eher Grund sich nach der 0:5 Schlappe unter Woche Sorgen zu machen.
    Ob man diese angesichts des Sieges vom Wochenende allerdings wegwischen sollte weiß ich auch nicht.

    Mir gefiel besonders gut, dass Max Meyer endlich in dieser Saison ein gutes Spiel gemacht hat und damit Worten auch Taten folgen ließ.
    Ebenfalls bemerkenswert war die Leistung von Jan Kirchhoff. Ist er verletzt/angeschlagen, oder war der Wechsel taktisch bedingt?

    Insgesamt war die Mannschaft aggressiv in den Zweikämpfen, es wurde malocht auf dem Platz, das will man doch auf Schalke als aller Erstes sehen, oder?

    Jetzt noch zum Hunter. Das 1:0 machen so nicht viele in der Bundesliga. Da muss man schon sehr genau wissen wo das Tor und vor allem der Torwart steht.

    @Carsten
    Der Vorgänger von RDM hatte ebenfalls so eine „Glücksjacke“. Immer wenn Jens Keller seine Steppjacke trug gab es nicht viel zu holen für die Gegner. Aber zum Glück sind Fußballer und Trainer und schon gar nicht Fans abergläubisch. Ich trage seit dem Derby blau weiße Armbänder, die mir meine Töchter gebastelt haben, im Stadion.

    @Bernd
    Glaub mir, du willst nicht nach Paderborn. Niemand will das. ;-)

  14. Grieche sagt:

    Ein Teufelskerl dieser Huntelaar mit seinen sechs Fingern! Sollte Klavierspieler werden, wenns mit dem Toreschießen nicht mehr klappt.

  15. Սաշա sagt:

    Vielleicht ist die BL außer der Weltmeistersammelstelle aus dem Süden der Republik gar nicht so stark, wie wir es gerne hätten

    Als jemand, der die BL ohnehin überwiegend als langweilig empfindet, kann ich dazu nur sagen: Im Vergleich mit den übrigen beiden Topligen Spanien und England (die Serie A ist für mich aktuell leider keine mehr – sagt auch die Fünfjahreswertung, in der eher Portugal vorbeizieht als dass Italien zu D und ENG aufschließen würde) fällt auf, dass gerade die Disziplin, in der sich die BL immer sehr gerne selbstherrlich hervorgehoben hat, gerade keine mehr ist, in der sie besonders überzeugen kann: Die Ausgeglichenheit.
    „Bei uns kann jeder jeden schlagen! In Spanien gibt es doch eh nur zwei Vereine und der Rest der Liga hätten bei uns mit Sicherheit keine Chance!“
    Das stimmt so natürlich gleich auf mehreren Ebenen nicht. Denn zum einen hat alleine Real letzte Saison quasi die gesamte Bundesliga vor sich her geschossen (alleine Ronaldo schoss 7 Tore in den 6 Spielen gegen S04, BVB und FCB) und zum anderen hat die Bundesliga seit den beiden Meisterschaften des BVB nicht mal mehr zwei Mannschaften, die um den Titel mitspielen. Spanien hat im europäischen Vereinsfußball durch Real und Sevilla das Double geholt, hatte außerdem Atletico im CL-Finale. Das Hochgejazze um den deutschen „Clasico“ (aufgrund der zeitlich kurzen Spannen der Rivalität furchtbar lächerlich) und die beiden Dortmunder Meisterschaften, haben den FC Bayern lediglich dazu genötigt mal wieder klarzustellen, wem der Laden hier eigentlich gehört. Der Bundesliga-Fan, dem es vor allem um die Spannung ging und darum, dass mal jemand die Bayern langfristig ärgert, hat zwei Spielzeiten lang bekommen, was er sich in seiner Kursichtigkeit gewünscht hat und danach das, was er für seine Kurzsichtigkeit verdient hat. Götze und Lewandowski tragen jetzt rot und der FC Bayern kann sich auf absehbare Zeit nur noch selbst schlagen.
    Die anderen beiden Ligen sind in der Spitze genauso gut, wie der FC Bayern, nur ist diese Spitze eben breiter und deshalb spannender. Selbst in Spanien ist das so, wo Barca gestern in Valencia mit ach und krach in der Nachspielzeit einen 1:0-Sieg erringen konnte und wo die letzte Saison mit Atletico eben nicht in Barca oder Real ihren Meister gefunden hat. Dass Bayern in der BL überhaupt mal etwas „erringen“ musste, ist dagegen schon ein paar Tage her.
    Gerade in England ist die Spitze aber außergewöhnlich breit, wenn auch nicht mehr ganz so gut, wie noch vor fünf Jahren. Der englische Fußball wurde taktisch etwas abgehängt, hat in seinen Viererketten selbst bei den Topklubs kaum nennenswerte Weltklasse, kann das alles aber bisher noch mit (viel) Geld kaschieren. Ich wage sogar die Kühne Behauptung, dass auch Schalkes starke Offensive gegen Chelsea Tore schießen könnte, wenn sie denn in den Bereich kommen würde, wo man überhaupt sinnvoll auf das Tor schießen kann. Dass dies wiederum nicht passiert, liegt an dem hochklassigen Grundgerüst Mourinhos und allem, was bei Chelsea vor der Viererkette spielt. Die Viererkette selbst ist kopfballstark und natürlich physisch auf PL-üblichem Niveau, aber ansonsten halte ich sie nicht für unüberwindbar. Davor und dahinter ist Chelsea allerdings auf jeder Position mit doppelter Weltklasse gesegnet und Chelsea versteht es im Gegensatz zu anderen PL-Mannschaften zudem im Kollektiv zu verteidigen.
    Um die Frage nach der Qualität der BL auf den überspitzten Punkt zu bringen: Wir sind ein Top 4-Verein aus Deutschland, aber jede B-Elf der drei besten Vereine aus England ist besser besetzt als die beste Elf, die unser Beskaz aufbieten könnte. Wenn die Engländer jetzt noch lernen wie man Fußball spielt, könnte es echt gefährlich werden. Zu der Frage wieso und warum sie das aktuell nicht tun, versucht übrigens Spielverlagerung ein paar Antworten zu liefern. Etwas von oben herab, auch nicht hundertprozentig meine Meinung, aber lesen kann man das trotzdem mal.

  16. blues sagt:

    @Սաշա

    Die starken europäischen Fußballvereine sind Wirtschaftsunternehmen. Die Reichsten spielen wie in allen Gesellschaften und Kulturen in ihrer eigenen Liga. Und dann gibt es wie immer und überall ein paar Superreiche, die sich sogar solche Ballspielunternehmen als Spielzeuge leisten. Wie du siehst, reguliert sich das nicht mehr von alleine. Soll man da jetzt ernsthaft sportlich hinterher analysieren warum die jetzt stärker sind, ohne das da eine sportpolitische Regelung in Form einer Regulierung am Horizont auftaucht? Wie ich finde, nein.

    In der Bundesliga wäre es an der Zeit, dass alle anderen Mannschaften nur noch ihre 2. Mannschaften nach München zur Volksbespassung in den dortigen Zirkus schicken.

  17. leoluca sagt:

    So langsam gelingt der Mannschaft wieder das schnelle Konterspiel, das ihr unter Kellers Sicherheitsfußball fast vollständig abgewöhnt worden war. Max Meyer war stark im schnellen Umschaltspiel.

    Schön, dass der Trainer nach der Chelsea-Klatsche trotzdem an der taktischen Flexibilität als Prinzip festhielt.

    So fiel die Defensivschwäche auf den außen auch diesmal nicht so stark ins Gewicht. Die Kette hinten stand ziemlich stabil. Musste sie auch unbedingt.

    Denn der große Schwachpunkt ist weiterhin das defensive MF, das Mainz‘ Pressingspiel große Räume gerade in Halbzeit 1 ließ. Mainz hatte nicht zufällig deutlich mehr Torchancen als Schalke und Ralf Fährmann musste zeigen, dass er Chelsea aus den Kleidern geschüttelt hatte.

    Keine Mannschaft ist so effektiv vor dem Tor wie Schalke – wir haben einen klasse Angriff, der nur auch ins Rollen gebracht werden muss.

    Huntelaar hatte nach dem Spiel nur dies dazu zu sagen: „Wenn wir nach vorne wollen, dann kommen wir auch nach vorne.“-

    Um gleich nachzuschieben: „Wir haben immer genug Qualität, Tore zu schießen, aber dafür müssen wir auch nach vorne kommen.“

    Wäre es überintepretiert, diesen Satz so zu verstehen: Wir wollen nach vorne, aber man muss uns auch lassen.

  18. Սաշա sagt:

    @blues:
    Man kann sportlich hinterher analysieren, warum trotz Superduperriesenreichtums des jeweiligen Eigentümers und Megaumsätzen die englischen Mannschaften in den vergangenen Spielzeiten an Boden verloren zu haben scheinen. Und das gerade gegenüber Vereinen im ursprünglichen Sinne. Damit meine ich natürlich nicht die Triple A(Audi Allianz Adidas) Supergroup aus dem Süden, sondern die spanischen respektive katalanischen Vertreter aus Madrid und Barcelona. Finazieller Natur scheint die englische Misere nicht zu sein. Somit bleiben nur sportliche Ursache.
    Die deutschen Vereine aus dem (auf lange Sicht betrachtet) oberen Tabellendrittel, die hinter dem FC Bayern kommen, müssen sich eben überlegen, ob sie Risiken eingehen bzw. tiefgreifende Veränderungen wagen wollen, um auch auf der europäischen Bühne eine gewichtigere Rolle zu spielen und auch mal Chelsea Paroli zu bieten. Dabei ist so ein Risiko für Wolfsburg nicht einmal vorhanden, dort müsste nur VW (noch) mehr investieren. Für den Anfang hilft auch schon die regelmäßige CL-Teilnahme. Dortmund hat die Frage schon beantwortet (Kapitalerhöhung! Und noch eine!), bleiben noch Schalke und Gladbach. Und natürlich Leverkusen, das ähnlich angesiedelt ist, wie Wolfsburg, nur eben mit weniger Bereitschaft des Mutterkonzerns, finanziell so richtig den Hahn aufzudrehen.

  19. Carlito sagt:

    @Detlef (Doktor_d): Torsten ist ja sonst eher für seine sachliche Analyse, für die ich seinen u.a. Blog sehr schätze, bekannt. Von daher fand ich das schon nahezu euphorisch. Außerdem war das schon auch mit einem Augenzwinkern gemeint. ;)

    @Սաշա (http://koenigsblog.net/2014/12.....ment-55347): Sehr schön zusammengefasst und auf den Punkt gebracht! Mit der „Liga der Weltmeister“ ist es nicht mehr wirklich weit her. Wenn es das, bis auf Bayern und ein Jahr BxB, international so richtig überhaupt mal war…

    Habe heute noch mit Arbeitskollegen diskutiert (Stuttgart und BMG-Fan). Sind zu dem Schluss gekommen, wenn die Entwicklung so weiter geht, wird es wohl nicht mehr lange hin sein, bis ein Großteil der Leute das Interesse daran verlieren wird.

    @blues:

    In der Bundesliga wäre es an der Zeit, dass alle anderen Mannschaften nur noch ihre 2. Mannschaften nach München zur Volksbespassung in den dortigen Zirkus schicken.

    Ein Vorschlag, der ziemlich viel Charme hätte. Alleine es wird leider nie so kommen.

    Aber Sky & Co. werden schon sehen, was das hochjazzen der Bayern und deren Alleinherrschaft bringen werden. Irgendwann wird die Lizenz zum Gelddrucken abgelaufen sein. Wird vermutlich ein sehr böses erwachen werden für einige.

    Und wir gehen dann halt einfach zusammen Kreisliga gucken…

  20. blues sagt:

    @Սաշա
    Klar, kann man schon machen. Gute und gut lesbare Analyen wie deine, ändern aber nichts daran, dass Geld Tore schießt und noch mehr Geld eben auch noch viel mehr Tore. Dass da mal Entwicklungen verschlafen und Fehler geamcht werden, die dann in kurze Zeiten des Umbruchs führen,in denen Geld verbrannt wird, ändert leider nichts an dieser Grundtendenz. So lange es erlaubt ist ohne Ende Geld nachzuschießen, wird sich nicht ändern und die Leistungfähigkeit von Mannschaften wird weiter zu sehr vom zur Verfügung stehenden Geld definiert und nicht von anderen zufälligeren Faktoren.

    @Carlito
    Ja, ich guckte Samstag Kreisliga und sah die letzen 25 Minuten dann auch noch nur in Konferenz… ;-)

  21. Carlito sagt:

    @blues: Sehr löblich! Ggf. stoßen wir wie gesagt dann in ferner oder näherer Zukunft dazu. ;)

  22. Rjonathan sagt:

    Steile These:
    Vielleicht liegt es ja doch an der durchschnittlich guten Bundesliga und Primera, dass die Bayern, Real und Barca noch besser sind als England, Frankreich und Italien. Regelmäßiges Training gegen taktisch für Mannschaften hilft. So liest sich auch ein wenig die Analyse von Spielveragerung zur Klopp-Krise. In der CL sind die Mannschaften nicht schlau genug um Klopps System zu knacken.

  23. blues sagt:

    „Michel Platini was gifted a Picasso painting in return for support for the Russia 2018 World Cup bid.“ berichtet CNN.

    Zugegeben kein Beitrag zu dem obigem Thema, wie man Spiele gewinnt, aber doch ein Klärung der Frage wie Länder das Rennen um die Austragung der Fußball WM gewinnen. Money rules! Sorry @Սաշա.

    http://edition.cnn.com/2014/11.....index.html

  24. Blauhai sagt:

    Sorry, aber wenn ich das höre:

    Das Outfit des Trainers hat gepasst, reinster Populismus.
    Es wäre zum weg laufen wenn dies in der höchsten deutschen Spielklasse eine Rolle spielen würde.
    Ein Nadelstreifen und Krawatte muss es ja nicht gerade sein, MIR ist ein Trainer ohne
    Trainingsanzug lieber am Spielfeldrand, es sei denn, er kann sich noch selbst einwechseln.

  25. Սաշա sagt:

    @blues:
    Das sind aber nun zwei verschiedene Paar Schuhe. Oben ging es darum, dass Fußball ein Geschäft ist, Vereine Unternehmen sind und Geld Tore schießt. Das kann man finden wie man will, muss man aber wohl in der Form akzeptieren. Das Beispiel Platini zeigt dagegen, wie korrupt die Funktionäre sind und wie sie ihr Funktionärsamt missbräulich ausüben, indem sie sich Vermögensvorteile verschaffen. Das kann man weder finden, wie man will, noch darf das in dieser Form akzeptiert werden. Dabei wurde der Anspruch anderer Bewerber – die im Übrigen Aufwendungen für ihre Bewerbungen hatten – auf ein faires Auswahlverfahren nicht erfüllt und das wohl nur weil sie gar nicht, zu schlecht oder zu wenig bestochen haben. Wenn sich die Vorwürfe erhärten, muss man entweder eine Neuvergabe durchführen oder über Kompensation nachdenken.

  26. bernd sagt:

    Passend zum Kreisligaspiele gucken, wie ich finde eine gute Reportage zum Thema Fans, Kommerz, Wirtschaftsunternehmen etc.:
    https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/sportclub/Fans-HSV-Hannover-96,sportclub6306.html

  27. blues sagt:

    @Սաշա

    Ja, die böse Korruption ist anderswo ganz legal. Die Fifa hat ihren Sitz bekanntlich in der Schweiz. Dort schaut man aus einer anderen Perspektive auf dieses Korruptions-Ding:

    „… der Chef einer Plattenfirma, der mit Schmiergeldern dafür sorgt, dass seine Künstler im Privatradio gespielt werden; ein Manager, dessen Konzern mit Zahlungen unter der Hand zum Werbepartner eines Sportverbands wird: Sie alle blieben mit der Revision nicht nur straflos. Sie dürfen die Schmiergeldzahlungen auch weiterhin in der Steuererklärung ihres Unternehmens zum Abzug bringen – und das ganz legal.“

    http://www.tagesanzeiger.ch/sc.....y/15174610

  28. hellwach sagt:

    @ Ney
    Ich zähle nur noch Muskelbündel-, Bänderrisse und Brüche. Ich gestehe allerdings, dass ich ob der heute veröffentlichten Meldung, dass Kirchhoff Samstag zur Verfügung steht, durchgeatmet habe.

    Und die Karte? So what? Zu der besten Rückrunde aller Zeiten haben Spieler beigetragen, deren Nachfolger am letzten Samstag auf der Bank saßen.

    In dem Sinn: Nur Mut Röbi, das Gesicht der Krise trägt schließlich die Initialen JK…

  29. McP sagt:

    Laut Bild betrug der Personalaufwand im ersten Halbjahr 2014 54 Mio und damit 10 Mio mehr als im ersten Halbjahr 2013. Dabei müssten mMn etliche Verletzungen sogar noch entlastend bei Gehalt und Prämien gewirkt haben. Ich glaube bei Magath wurden solche Entwicklungen noch als komplett wahnsinnig, irre usw. bezeichnet. Heute ruft das kaum noch ein Schulterzucken hervor.

  30. klopenner sagt:

    Laut Bild betrug der Personalaufwand im ersten Halbjahr 2014 54 Mio und damit 10 Mio mehr als im ersten Halbjahr 2013

    Das liegt an den Champions League Prämien. Im ersten Halbjahr 2013 haben wir in der Liga nur den CL Quali Platz geholt und somit bis August (2. Halbjahr) nicht gewusst, ob wir tatsächlich CL spielen. 2014 haben wir den 3. Platz und damit die direkte Quali gesichert. Da fließen an die Spieler also direkt die Prämien. Und unter anderem war im ersten Halbjahr 2013 kein Boateng in der Mannschaft und Draxler hatte noch seinen ersten Profivertrag. Das macht sich dann in 10 Mio Differenz durchaus bemerkbar

  31. McP sagt:

    klopenner, hätte Schalke 100 Mio Aufwand, könnte man das auch erklären. Darum ging es mir nicht. Der Anspruch von Schalke ist, TOP 3 zu sein. D.h. die 54 Mio stellen vom Anspruch her den Normalzustand dar. Vorerst. Denn ich würde nicht Haus und Hof darauf verwetten, dass dieser Wert demnächst sinkt oder stabil bleibt. Ich wollte halt mal wieder meinem Gefühl Ausdruck verleihen, dass die Chose hier ganz schön auf Kante genäht ist.

  32. Սաշա sagt:

    Auf jeden Fall ist das extrem auf Kante genäht. Wie man dabei noch das gesetzte Ziel des Schuldenabbaus vorantreiben will, erschließt sich mir nicht. Und wenn die sportlichen Erwartungen dann doch mal verfehlt werden sollten, dürfte das ziemlich sicher zum Verkauf einiger Spieler führen, die man lieber behalten oder teurer abgegeben hätte. Was das angeht, bin ich jedenfalls auch ziemlich unzufrieden mit Horst Heldt.
    Das man dazu bereit ist, die Kaderkosten zu erhöhen, liegt sicherlich auch an der aktuell übertroffenen sportlichen Prognose. Anfang 2013 sagte Peter Peters man habe für die nächsten sieben Jahre mit zwei Teilnahmen in der CL und vier Teilnahmen an der EL kalkuliert. Die beiden CL-Teilnahmen hat man schon jetzt erreicht. Dennoch sollte einen das nicht dazu verleiten, die Personalkosten explodieren zu lassen.

  33. hellwach sagt:

    Ach ja Torsten,

    …zum gewohnt guten Text…

    gesellt sich das gewohnt gute Bild. Diesmal besonders, die Idee und die Umsetzung verdienen Erwähnung -und damit Anerkennung.

  34. Ney sagt:

    Anfang 2013 sagte Peter Peters man habe für die nächsten sieben Jahre mit zwei Teilnahmen in der CL und vier Teilnahmen an der EL kalkuliert.

    Dass tatsächlich so kakuliert wurde, ist eigentlich kaum zu glauben.

    Allerdings stand es wohl so ähnlich im Prospekt zur Ausgabe der Mittelstandsanleihe 2012.

  35. Rjonathan sagt:

    @klopenner @McP
    Naja… Wenn es Prämien waren, die die Kosten nach oben trugen, dann sind das ja ergfolgsabhängige Unkosten. Wenn wir mal nicht dritter werden, dann müssen wir auch keine Prämien für den dritten Platz zahlen. Die offene Frage – die der Bild-„Journalismus“ nicht beantwortet – wäre: wie hoch sind bei den ausgaben die Fixkosten und wie hoch die Prämienkosten.

  36. 100 Tage Roberto Di Matteo: Ein Rückblick sagt:

    […] 29.11.2014: Beim verdienten 4:1 Sieg in Mainz fand Roberto Di Matteo gleich mehrmals die geeignete Formation zur Spielsituation und hat mit Klaas-Jan Huntelaar und Eric Maxim Choupo-Moting auch noch einen neuen Schalker „Traumsturm“ erfunden. […]

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