Artikel im Februar 2015

Ma‘fühlen: Derby

Gestern gabs hier viel Inhalt, vor allem in den Kommentaren. Danke dafür!

Aber jetzt ist Derby, und Derby ist vor allem Gefühl.

Nach dem Spiel wird wieder diskutiert werden, aber vor und während einem Derby ist man sich einig wie sonst nie. Bedingungslos, da weiß man wo man steht, da zählt nur der Erfolg. Das macht es aus.

Manch einer mag meinen, so sollte es immer sein. Aber das geht eben nicht. Fußball ist immer, ein Dauerlauf, der kann nicht im ständigen Spurt durchgezogen werden. Die Derbys sind die Spurts im Fanleben, kurz und intensiv. Und eben nicht wie immer, sondern immer wieder besonders.

Mögen die Blauen siegen und uns eine nächste nette Erinnerung an diese Saison bescheren.

Glückauf!

Schalke braucht mehr „Wie“ statt „so nicht“

Die Gegner des FC Schalke 04 im Kampf um die Champions League-Plätze verändern sich. Es ist absehbar, dass die Blauen ins Hintertreffen geraten. Will man das abwenden, wird sich auch Schalke verändern müssen. Die Frage ist nur: Wie?

Schalke ist ein großartiger Club, der viel Geld durch Sponsoring, Ticket-, Wurst- und Bier-Verkäufe oder durch erfolgsabhängige Anteile aus der TV-Vermarktung einnimmt. Diese Einnahmen haben andere erfolgreiche Bundesligaclubs auch. Andere Bundesligaclubs haben darüber hinaus zusätzliche Einnahmequellen.

In Wolfsburg hat sich der VW-Konzern entschieden, seinen Club in der Champions League zu etablieren, und pumpt Geld in den Kader, gefühlt grenzenlos. Demnächst wird Red Bull seine Leipziger Fußballfiliale in die Spitze der Liga finanzieren. Leverkusen hat mit dem Bayer-Konzern ebenfalls größtes finanzielles Potenzial. Die Clubs aus München und Dortmund haben sich bereits teilweise verkauft, nahmen damit zig Millionen ein und werden über diese Schiene auch noch weitere zig Millionen einnehmen. Der Wettbewerbsnachteil des FC Schalke 04 in seinem derzeitigen Sein ist offensichtlich und wird in nicht allzu ferner Zukunft greifen.

Leider weiß das Gros der Schalker stets flott was nicht geht, warum welche Veränderung undenkbar und welche Idee absurd ist, was bleiben muss wie es immer war. Wie was gehen könnte, so, dass Schalke konkurrenzfähig und weiter auch Schalke bleibt, darüber liest man kaum etwas. Auch von mir nicht, auch ich muss da leider passen. Dazu fehlte mir bislang die Phantasie und das wirtschaftliche Verständnis.

Aber entscheidet sich Schalke nicht bewusst für den Rückschritt ins Mittelmaß – was nicht nur nicht wünschenswert ist, sondern auch auf Grund des Drucks durch Verbindlichkeiten kaum denkbar erscheint – dann muss ein Plan her, eine Diskussion darüber, ein Denken über ein „Wie“. Es ist richtig, damit zu beginnen.

„Schalke wird weiter ein fremdfinanzierter Verein sein“

Der FC Schalke 04 wird weiter ein fremdfinanzierter Verein sein. Das ist in der heutigen Zeit eine überaus kluge Entscheidung. Der FC Schalke 04 hat profitiert von den Veränderungen in den Kapitalmärkten, davon, dass die Zinsen nicht nur kurzfristig sondern nachhaltig so niedrig sind.

Das sagte Schalkes Finanzvorstand Peter Peters Mitte Januar bei einer Fanveranstaltung (hier nachzuschauen, drittes Filmchen, gleich ab Minute 2:50). Ich begriff seine Sätze als zusammengehörend und als Ansage, dass Schalke sich auch in Zukunft weiter Geld leihen wird. Neues von Clemens Tönnies legt nun aber die Vermutung nah, dass man Peter Peters oben dargestellte Aussage hinter „kluge Entscheidung“ trennen muss.

Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender regt an, nicht mehr auf Fremdfinanzierung durch Banken und somit durch Geld leihen zu setzen, sondern auf Fremdfinanzierung durch Fans und Geld schenken. Diese Idee veröffentlichte er nun via SportBild. In seinem „Gedankenspiel“ geben alle 132.000 Mitglieder des FC Schalke 04 einmalig 1.000 Euro. Damit würde er die Finanzverbindlichkeiten weitgehend tilgen und in der Folge innerhalb von 10 Jahren 250 Millionen Euro an Zins und Tilgung sparen. Man müsste die Kräfte bündeln, so Tönnies.

Man müsste vieles bündeln, auf Schalke.

Schalke spielt „defensiv“, und das ist auch gut so!

Deutschland, glückliches Land! Nichts bleibt schwammig, alles hat seine Regeln oder zumindest seine Definitionen. Über mein jüngstes Problem mit einem Fußballgefühl half mir der ehrwürdige Duden hinweg:

defensiv
Wortart: Adjektiv
Worttrennung: de|fen|siv

Bedeutungen:
a. der Verteidigung dienend
b. auf Sicherung oder Sicherheit bedacht
c. (Sport) im Spiel die Abwehr, Verteidigung bevorzugend; aus einer verstärkten Abwehr heraus operierend

Ich muss zugeben, zuletzt empfand ich das Schalker Spiel in der Öffentlichkeit häufig als falsch dargestellt. Erst am Samstag gegen Bremen sah ich eine Schalker Mannschaft, die bei Ballbesitz stets den Weg zum gegnerischen Tor suchte. Da wurde nicht lange abgewartet sondern der schnelle Abschluss gesucht. Sie waren dabei meines Erachtens nicht gut, aber bis zur Führung war die Richtung gen gegnerischen Tor klar vorgegeben. Als ich auch nach diesem Spiel las, Schalke spiele ach so defensiv, sogar von Seiten Bremer Fans, deren Mannschaft in diesem Spiel eigentlich deutlich abwartender und hauptsächlich auf Kontersituationen ausgerichtet agierte, verstand ich meine Umwelt nicht mehr. Schauten die denn alle nicht auf den Platz?

Erst heute bemerkte ich meinen Fauxpas. Ich hätte mich früher hinterfragen sollen, nun schäme ich mich ein wenig für meine unberechtigte Selbstsicherheit. Erst der Blick ins richtende Werk der deutschen Sprache öffnete mir die Augen! Der Begriff „defensiv“ bedingt keineswegs irgendwelche Beschränkungen. Er beschreibt lediglich eine Bevorzugung.

So ist das auf Schalke, und so ist das bei den meisten Bundesligaclubs. Auch Teams, die ihre Gegner mit Pressing tief in deren Hälfte nötigen, tun dies, um den Ball vom eigenen Tor fern zu halten. Auch Teams, die nach längstmöglichem Ballbesitz trachten, tun dies, weil ein Gegner ohne Ball perfekt ungefährlich bleibt. Der Schutz des eigenen Tores ist jedem Club wichtig, damit fängt stets alles an.

Ja, nach der Zeit unter Jens Keller, mit ständiger Gefahr fürs eigenen Tor nach Ballverlusten im Mittelfeld, spielt Schalke endlich auch wieder „defensiv“!

Weshalb die Werder-Mannschaft vom Samstag, oder das Spiel von Borussia Mönchengladbach, regelmäßig mit anderen Adjektiven bedacht wird, verstehe ich immer noch nicht. Aber das liegt eben im Auge der anderen Betrachter und soll nicht meine Sorge sein.

Quillo ist der schwächere Uchi

Schalke kommt gegen Werder Bremen nicht über ein 1:1 hinaus. Ein Remis, das durch den Ausgleich in der letzten Minute ärgerlich ist, das aber den ausgeglichen schwachen Leistungen der beiden Mannschaften entsprach.

Vor dem Spiel wurden beide geehrt: Schalkes Japaner Atsuto Uchida bestritt mittlerweile 100 Bundesligaspiele, Schalkes Schweizer Tranquillo Barnetta kommt gar schon auf 250. Im Spiel gab dann der andere den einen. Der Japaner war nach dem Spiel gegen Real Madrid angeschlagen, konnte nicht eingesetzt werden. Und weil Schalke seit Jahren keinen regulären zweiten Rechtsverteidiger im Kader hat, musste sich diesmal der Schweizer dort versuchen.

Tranquillo Barnetta zeigte vollen Einsatz und doch blieb er am Ende die tragische Figur. In der Position des Verteidigers ließ er sich mehrmals leicht überspielen, da fehlt ihm die Routine. Im Offensivspiel fehlte es ihm an Präzision. Abgesehen von einer Hereingabe in der Anfangsphase, die Felix Platte knapp verfehlte, konnte er kaum gefährliche Situationen herbeiführen. Und in der Nachspielzeit war er es, der vollkommen unnötig ungestüm das Foul an Santiago Garcia an der Außenbahn beging. Das Foul, das den Junuzovic-Freistoß, den Prödl-Kopfball, den Wellenreuther-Fehler und damit den Verlust von zwei Punkten einleitete.

Das es dazu kommen konnte lag freilich am gesamten Spiel der Blauen und sollte nicht einzelnen angelastet werden. Nach einer guten ersten Viertelstunde mit viel Druck tat sich Schalke schwer. Dass die Blauen auf jedes Pressing verzichteten überraschte. So gewann man die meisten Bälle erst tief in der eigenen Hälfte und mühte sich im langen Spielaufbau. Kam man dann nach vorne, konnte man sich kaum durchsetzen. Bremen beherrschte mit seinen starken Innenverteidigern Lukimya und Vestergaard das Zentrum. Schalke suchte nach Abschlüssen, diese kamen aber zumeist aus der Distanz. Wirklich hochkarätige Chancen waren Mangelware.

Das beide Treffer aus Torwartfehlern resultierten passte zu dieser Begegnung. Auf beiden Seiten gab es kaum klare Spielzüge. Stets passte irgendwas nicht, stand irgendein Bein dazwischen, wurde der letzte Zweikampf verloren oder der letzte Pass verdaddelt. Eine Begegnung, die letztlich nur von der Spannung lebte. Dass der Ausgleich in der Nachspielzeit fiel ist bitter. Tatsächlich hatte sich Schalke den Sieg zuvor aber auch nicht verdient.



Foto: Tomek Bo

Wohl-Auf Blau-Weiß

Ja, es ist auch nur Werbung. Werbung für Sky, und ein bisschen für Hisense. Aber in diesem Fall ist es gleichzeitig – und ich behaupte mal noch viel mehr – Werbung für Schalke 04. Sympathischer und emotionaler kann man die Verbundenheit der Leute von hier zu ihrem und unserem Club nicht darstellen. Jeder von uns kennt so „olle Lütt“ mit ihrer netten Direktheit, wie sie uns in diesem Film vorgestellt werden. Und jeder von uns liebt seinen Verein. Deshalb ist das alles so nachfühlbar und zeigt auf, was „Fansein“ ausmacht: Sich an Schönes aus der Vergangenheit erinnern zu können und das Heute zu genießen.
 

 

 

Ein Spiel zum schönsaufen

Schalke verliert 0:2 gegen Real Madrid und ist damit quasi aus dem aktuellen Champions League-Wettbewerb ausgeschieden. Ein Spiel, in dem der Gegner stets Herr der Lage war, das aber ein gewisses Potenzial hatte, von Schalke-Fans anders gefühlt zu werden. Als nächster Schritt mag das reichen.

Aus Schalker Sicht mag man von der Defensive reden, aber Reals Defensive war dominanter. Man mag sagen, dass Real nur wenige Torchancen hatte, aber sie erzielten zwei Treffer. Die Art des Spiels war die Wahl Schalkes. Schalke bestimmte, dass es ein Spiel mit wenigen Chancen werden würde. So war die Spielanlage. Bezogen darauf gewann Real Madrid vergleichsweise locker.

Zweifellos war diese Leistung eine Steigerung zu dem letzten Auftritt gegen Madrid. Vor weniger als einem Jahr trat Schalke unter Jens Keller in Bestbesetzung an, rannte wild und gab schnell auf. Diesmal stimmte die defensive Disziplin und man kam zu einer guten Torchance. Bekommt Roberto Di Matteo Zeit, so mein Gefühl, wird sich Gutes entwickeln können.

Im Hier und Jetzt war es aber eben immer noch eine Liga Unterschied zwischen Real Madrid und Schalke 04. Bitter daran ist, dass es aufzeigt, wie weit weg Schalke von „richtig gut“ ist. Schließlich ist es nicht nur die gottgegebene Einteilung zwischen reich und arm, welche die Ligen trennt. Als Borussia Dortmund „richtig gut“ war konnte man sich gleich zweimal gegen Real Madrid durchsetzen. Da mutet es schon befremdlich an, wenn unsereins so tut, als sei eine knappe Niederlage gegen Real Madrid schon etwas, worauf man stolz sein könnte.

Dass Fans solche Spiele besser darstellen als sie waren tut dem Club letztendlich nicht gut.