Zeit zum Üben

Schalke trainiert nun also und hinterfragt sich derweil selbst, wenn man Roberto Di Matteos Worten Glauben schenken darf. Ob es mit diesem System weitergehe, müsse man sehen. Mit welchem System es weiter geht, werden wir sehen. Zum Glück hat Schalke eine Woche Zeit zum Üben.

Diese Trainingsphase ist das Vermächtnis aus der Früher-war-alles-besser-Zeit, als die Blauen mit einem Offensivfeuerwerk sondergleichen und einer quasi söldnerfreien Aufstellung an wilden Knappen einen schwarz-gelben Drittligisten an die Wand spielten, und nur aus unerfindlichen Gründen nicht in die nächste Runde einzogen.

Überhaupt scheint es für jeden Coach auf Schalke letztlich das größte erreichbare Ziel zu sein, ein Früher-war-alles-besser-Trainer zu werden. Seit ich 2007 mit dem Schreiben im eigenen Blog begann hat das nur Fred Rutten nicht geschafft, der sich übrigens gerade mit seinem derzeitigen Club Feyenoord auf eine Trennung zum Saisonende geeinigt hat. Roberto Di Matteo muss für diesen Mindeststatus auch noch einige verbessern. Aber er hat ja nun Zeit. Königsblaues Trainer-Teamwork über Entlassungen hinweg. Dat is Schalke!



17 Kommentare zu “Zeit zum Üben”

  1. blues sagt:

    Nein, im Spätsommer 2014 war nicht alles besser. Im Gegenteil, Jens Keller war an seine Grenzen gestoßen, der Mannschaft bis zum und in den gegnerischen Strafraum reichende Offensivaktionen zu vermitteln. Er konnte nicht mehr punkten. Er musste gehen. Di Matteo sollte das Problem lösen.

    Da Roberto Di Matteo nun tatsächlich nach 140 Tagen endlich daran geht das Offensivproblem zu lösen, wünsche ich ihm viel Erfolg.

  2. eakus1904 sagt:

    Nun ja, das solche Stimmen gerade nach so einer derben Klatsche kommen, ist ja nichts neues. Die gleichen Stimmen diskutieren nach vier Siegen in Folge schon mal die Maße des Balkons für das Hans-Sachs Haus. Das war früher nicht besser oder schlechter,sondern genau so. Kennen wir doch, und hast du ja hier auch schon mehrfach selbst angemerkt.

    Hilft ja alles nix, Samstag war mies, ganz mies. Aber jetzt bin ich einfach mal Offensivhoffer für Samstag.:-)

  3. Lutt sagt:

    Menschliche Eigenarten, die bei Schalkern offensichtlich besonders ausgeprägt sind: Glorifizierung alter Zeiten, Murphys Law (schlechtes Spiel = Generell alles Scheisse), aber auch das Gegenteil. Dazu passt ein Lied aus Goethes Egmont (Achtung, Kultur!):

    Freudvoll und leidvoll, gedankenvoll sein;
    Langen und bangen in schwebender Pein;
    Himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt;
    Glücklich allein ist die Seele, die liebt.[27]

    Das ist für Schalker geschrieben, glaube ich ;-)

    Ich habe die Derbyniederlage seelisch verwunden und antworte jedem BxB Fan, der mir blöd kommt nur noch mit „Trotzdem bleiben wir vor Euch Affen!“ – das hilft ;-)

  4. #Link11: Früher war alles…lassen wir das | Fokus Fussball sagt:

    […] nicht hanebüchenen Berechnung des Etats des durchschnittlichen Schalker Fans für seinen Verein. Torsten Wieland fragt sich, wann genau dieses früher™ war, als auf Schalke alles besser […]

  5. eakus1904 sagt:

    Lutt sagt:

    Ich habe die Derbyniederlage seelisch verwunden und antworte jedem BxB Fan, der mir blöd kommt nur noch mit “Trotzdem bleiben wir vor Euch Affen!” – das hilft ;-)

    Du glücklicher! Ich bin immer noch bei „Deine Mudda,du Opfa!“ :-)

  6. Speed Glas sagt:

    Also ich würde auch nicht behaupten, dass früher alles besser war. Als JK noch Trainer war, hatte ich die Hoffnng, dass er viele junge Spieler aus der eigenen Jungend in der ersten Mannschaft etabliert. Das hat er geschafft.
    Der Fußball der unter JK gespielt wurde war allerdings nicht das, was ich mir erhofft habe. Es wurde immer an einem 4-5-1 System festgehalten, obwohl die Spieler es selten so umgesetzt haben, dass es auch erfolgreich war. Ich glaube zu dieser Zeit hat kein anderer Verein mehr Rück- und Querpässe gespielt. In der Offensive lief auch wenig zusammen und ich habe mich oft gefragt, was die eigentlich unter der Woche trainiern.

    Di Matteo (DM) hat es am Anfang wenigsten geschafft, die Defensive zu stabilisiern, das hat mir gefallen. Aber dafür wurde die Offensive immer mehr vernachlässigt.

    Mittlerweil ist der Fußball unter Di Matteo einfach nur grausam. Durch diese totale Defensive hat man unnötig Punkte gegen Köln, gegen Frankfurt, Bremen und Hamburg liegen gelassen. Vielleicht wäre auch in München mehr drin gewesen. Das Foul von Huntelaar gg H96 war doch purer Frust wegen diesem Mauerfußballs, weil er vorne verhungert und nicht, wie es wohl in allen anderen Mannschaften wäre, ordentlich angespielt wird.

    In vielen Spielen kann ich die Personalpolitik von DM nicht verstehen. Neustädter, Fuchs und Boateng haben in der Startaufstellung nicht zu suchen – auch nichts auf der Bank. Gleiches gilt für Kirchoff, der darf auf keinen Fall verpflichtet werden.

    Meine Hoffnung bleibt, dass wir es irgendwie in die CL schaffen und, dass dann im Sommer richtig ausgemistete wird. Soll DM seine Wunschspieler bekommen – dann werden wir wohl in der Lage sein ordentliche Leistungen zu zeigen.

  7. Սաշա sagt:

    In vielen Spielen kann ich die Personalpolitik von DM nicht verstehen. Neustädter, Fuchs und Boateng haben in der Startaufstellung nicht zu suchen – auch nichts auf der Bank. Gleiches gilt für Kirchoff, der darf auf keinen Fall verpflichtet werden.

    Die wichtige Frage ist in dieser Hinsicht allerdings, wer stattdessen auf dem Platz steht und auf der Bank sitzt. Gerade im zentralen bzw. zentral-defensiven Mittelfeld fehlen unserem Kader die Antworten auf diese Frage. Sobald ein Gegner ein aggressives und funktionierendes Pressing aufbaut, spielen wir entweder hintenrum (Keller), hoch und lang nach vorne, wo man auf die kopfballstarken Turmstürmer und die zweiten Bälle hofft (Di Matteo) oder man verliert in dieser empfindlichen Position gleich den Ball (trainerübergreifend). Solange unser Kader nicht mindestens einen passsicheren Taktgeber im Mittelfeld zu bieten hat, kann trainieren wer will. Das wird so einfach nichts. Man kann diverses ausprobieren, kann Ansätze von Ballbesitzfußball spielen, wie es unter Keller möglicherweise eine Zeit lang der Plan war. Man kann auch die italienisch-englische Mixtur aus stabiler Defensive und langen Bällen spielen. Man hat aber weder für das eine noch für das andere die nötigen Spieler auf den Schlüsselpositionen. Und wenn man ständig den Ball bereits früh im Aufbau verliert, kann man so sehr auf eine stabile Defensive fokussiert sein, wie man will, es wird nicht gutgehen. Denn im Umschalten können immer Fehler passieren. Vor allem bei uns, denn obwohl Di Matteo in dieser Hinsicht einiges verbessert hat, sind wir da immer noch anfällig. Deshalb spielen wir ja auch gegen Real, Dortmund oder Bayern immer noch so defensiv. Grundsätzlich sind die Umschaltphasen – das gilt für alle Mannschaften – immer empfindliche Momente, die man nicht unbedingt unnötig vermehren sollte.

  8. Guybrush Threepwood sagt:

    Kann mich Սաշա Auffassung nur anschließen.
    Ich würde gerne mal Matip als Sechser sehen. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass Joel uns dort gut tun würde (ich hatte aber auch das Gefühl, dass wir das Derby 2:0 gewinnen).

  9. Torsten sagt:

    Von wegen Qualität: Die kostet natürlich Geld. Horst Heldt hat angekündigt, im Sommer „investieren“ zu wollen. Gleichzeitig will Bild wissen, dass des Prince‘ Berater für ihn in Italien nach einem neuen Club Ausschau halte.

    Und ja, Joel Matip. Aber braucht man eben auch in der IV. In der Kette war in Dortmund m.E. gerade Roman Neustädter im Zentrum das größte Loch. Da fehlte der Schlacks einfach.

  10. Michael sagt:

    sag ich schon immer: Joel Matip wäre der zweite Patrick Vieira!!

  11. McP sagt:

    Falls Boateng tatsächlich die gerüchtelten 8 Mio (wtf?) im Jahr bekommt, dürfte es schwer werden, ihn zu entsorgen. Wer soll diesen Irrsinn (selbst wenn es nur 6-7 Mio sind) für Boatengs Qualitäten und wacklige Gesundheit bezahlen und am besten noch Ablöse drauf packen? Da müsste der Spieler schon arg mithelfen und vermutlich kostet das auch noch eine Abfindung seitens S04. Manchmal hat man das Gefühl, Schalke ist schon ein Scheich-Klub und zahlt einfach immer doppelte Gehälter, weil sonst keiner freiwillig in die Wüste kommt.

  12. Alex.GlueckAuf.04 sagt:

    Gerade im Mittelfeld fehlt es deutlich an Qualität. Defensiv hat die defensive 5er Kette ja in Vergangenheit funktioniert (außer die letzten 3 Spiele), aber offensiv ging darüber Noch nicht viel. Da kann man nur hoffen das Heldt im Sommer einen Spielmacher kauft, Khedira werden wir zwar wohl kaum kriegen, aber vielleicht einen der zu schalke passt und sich gut einfügt.
    Außerdem muss mehr über die Außen kommen. Draxler wird zurückkommen, farfan vermutlich nicht, Aber ich verstehe überhaupt nicht warum DM Meyer nicht mehr Spielzeit gibt.
    Eins ist klar bis Samstag muss sich h deutlich was ändern. Da kann DM mit der Formation schon gleich anfangen.
    Ich bin gegen 1899 vorsichtig optimistisch.
    Glück Auf!

  13. Markus sagt:

    Ich sehe das ähnlich wie viele Vorredner auch.
    Uns fehlt die Qualität im Mittelfeld, insbesondere auf der 6er Position.
    Ich habe da einige Hoffnung, wenn Goretzka zurückkommt.
    In meinen ‚Träumen‘ sehe ich eine IV mit Höwedes und Nastasic, ein def MF mit Matip (den ich auch für völlig unterbewertet halte) und Goretzka
    (Back-up Höger). Das scheint mir im Moment auch die fussballerisch beste Lösung. Falls dann Draxler, Meyer, und vielleicht sogar Farfan zurück sind, habe ich die Hoffnung das auch S04 wieder ansehnlichen Fußball spielt.

  14. rolf sagt:

    history repeats, man muss nur mal lesen, was hier vor einem Jahr stand:horizont Hoffenheim, gespenstig, oder aber Stagnation..

  15. Simon sagt:

    History repeats? Das wäre mit Blick auf Samstag doch ganz schön. Gegen Hoffenheim haben wir letztes Jahr nach den Klatschen gegen Real und Bayern immerhin mit 4-0 gewonnen – mit drei Toren vom Hunter. Ich hätte nichts gegen eine Wiederholung einzuwenden.

    Zu den grundsätzlicheren Problemen haben hier viele schon viel Richtiges gesagt. Ich finde unsere 6er ebenfalls recht schwach besetzt, auch wenn ich finde, dass Marco Höger im Rahmen seiner Möglichkeiten das Beste rausholt (von letztem Samstag mal abgesehen). Den sollten wir halten. Bei Neustädter weiß ich es nicht so richtig. Aogo ist für mich auf dieser Position nur Mittelmaß. Bei Boateng, den wir dort auch oft sehen, glaube ich nicht, dass er einfach keinen Bock hat. Seine Technik ist ja auch immer noch sehr gut, nur denke ich, dass er einfach nicht mehr die Fitness hat. Ich hoffe sehr, dass Goretzka bald ins Team zurückkehrt.

    Wenn ich die Aussagen von Heldt und di Matteo richtig deute, dann wird sich unser Kader im Sommer doch deutlich verändern. Es ist wohl in Hinsicht auf manche Spieler nicht die schlechteste Idee.

    Nachdem ich den Schock vom Wochenende verdaut habe, bin ich inzwischen wieder gespannt auf Samstag und – unverbesserlicherweise – auch gedämpft optimistisch. Auf so eine Klatsche muss einfach eine Reaktion kommen.

  16. Carlito sagt:

    „Diese Trainingsphase ist das Vermächtnis aus der Früher-war-alles-besser-Zeit, als die Blauen mit einem Offensivfeuerwerk sondergleichen und einer quasi söldnerfreien Aufstellung an wilden Knappen einen schwarz-gelben Drittligisten an die Wand spielten, und nur aus unerfindlichen Gründen nicht in die nächste Runde einzogen.

    Überhaupt scheint es für jeden Coach auf Schalke letztlich das größte erreichbare Ziel zu sein, ein Früher-war-alles-besser-Trainer zu werden.“

    Grandios. Made my day, Torsten! :)

  17. Rjonathan sagt:

    Zu Boateng: ich vermute bei ihm ja, dass die Formschwäche familiäre Gründe hat. Seit der Geburt seines Kindes hat er keine Topleistung mehr gebracht.

    Höger ist auf jeden Fall ein großartiger Fighter. Leider nach oben hin limitiert aber mehr als alle anderen konstant auf seinem besten Niveau unterwegs. Ähnlich schätze ich auch Uchida ein. Möglicherweise gilt das auch für ECM. Aber der ist noch nicht lang genug da.

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