Auswärts beim langweiligsten Club der Liga

Bei der Leistung Schalkes gegen Real ging es weniger um Weiterkommen oder nicht Weiterkommen, als vielmehr darum, was die Leistung für die kommenden Wochen erhoffen lässt. So beschrieb es krambuli in einem Kommentar, und machte mich damit schmunzelnd. Er brachte die aufblühende Euphorie auf den Punkt. Gegen Hoffenheim hatte Schalke ordentlich gespielt, in Madrid folgte der Hurra-Stil, und schon wachsen die Bäume in den Himmel.

Vor zwei Wochen stand Schalke für Betonfußball und man sprach seinem Trainer jegliche Idee zur Spielgestaltung ab. Nun sieht man Schalke im Geiste nur noch Richtung Gegnertor fliegen. Schalke beherrsche keinen guten Spielaufbau hieß es zuletzt, im defensiven Mittelfeld hätte niemand die gebotene Qualität. Nun reckt man Kreuze gen Himmel, auf dass der Kelch einer Khedira-Verpflichtung an dem Club vorbeiziehen möge, solch einen brauche man doch nicht, dafür solle man kein Geld ausgeben.

Schalke überdreht gerne und flott, in alle Richtungen. Die Gemüter zu beruhigen, dazu bekommt man diesmal aber Unterstützung vom Spielplan. Kaum etwas könnte einen besser runterbringen als Gedanken an Hertha BSC, dem langweiligsten Club der Fußball-Bundesliga.

„Interessanter als Wolfsburg“ höre ich gleich den ersten Rufer! Aber Wolfsburg spielt immerhin erfolgreich. Hertha schwoll unter Lucien Favre kurz an und fiel dann gleich wieder in sich zusammen. Das ist nun aber auch schon wieder fünfeinhalb Jahre her; bzw. zwei Ab- und Aufstiege. Egal ob sportliche Erfolge, Spielstil, öffentlicher Auftritt von Trainer oder Spieler, egal ob Fans oder Vereinspolitik: Hertha steht für nichts mehr, als dass das Stadion einen blau eingefärbten Laufkringel um die Rasenfläche aufweist. Herthas Bild ist, dass es kein Bild abgibt. In Berlin selbst mag sich das vielleicht noch anders anfühlen – das wünsche ich dem Club zumindest. Außerhalb Berlins interessiert sich kein Mensch für diesen Club.

Und doch muss auch Schalke 04 dort antreten. Unsereins hofft auf den Erfolg der losgelassen und befreit Aufspielenden. Aber vielleicht hält Herr Di Matteo gegen Hertha auch (wieder) eine andere Herangehensweise für erfolgsversprechender. Oder vielleicht haben auch diejenigen Recht, die schon während des Wunderversuchs der Blauen in Madrid prophezeiten, dass der Aufwand im Estadio Santiago Bernabéu fürs folgende Wochenende nur schwere Beine übrig lassen würde.

Erahnen lässt sich eh nichts. Schalke ist stets alles zuzutrauen. Ma’kucken.



17 Kommentare zu “Auswärts beim langweiligsten Club der Liga”

  1. Speed Glas sagt:

    Glück Auf!
    Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass mein Onkel mir schon vor zig Jahren gesagt hat:“So ist ist bei Schalke immer, 3 Spiele lang sind die unschlagbar und danach kann man die wieder in die Tonne hauen.“ Da ist etwas wahres dran. Aus diesem Grund wurde ja auch Keller freigestellt, weil die Konstanz fehlte.
    Nach den letzten beiden Spielen sollte man einen souveränen Sieg in Berlin erwarten. Obwohl damit zu rechnen ist, dass vielen noch der Dienstag in den Knochen stecken wird.

    Ich hoffe, dass Di Matteo weiterhin mit der Taktik Angriff ist die beste Verteidung spielt. Das Team kommt scheinbar gut damit klar und Spieler, die schon längst abgeschrieben waren, wie Fuchs oder Barnetta, erleben noch einaml einen zweiten Frühling. Im System von Di Matteo können sie ihre Stärken voll einbringen.

    Ähnliches erhoffe ich mir bei den vielen jungen Spielern die wir haben. Vielleicht ist ja mal für den ein oder anderen, der nicht im Rampenlicht steht, eine ganze Halbzeit drin, in die er sich zeigen kann.

    Khedira ist ein Thema, dass deutlicher als andere zwei Seiten besitzt. Er ist ein sehr guter Fußballer, der viel Erfahrung und Routine hat. Aber auf der anderen Seite schon immer mit Verletzungen zu kämpfen hatte und auch gewisse Gehatsvorstellungen hat. Ein Spieler nach seinem Format kann Schalke auf jeden Fall sehr gut gebrauchen, daran besteht für mich kein Zweifel. Jetzt muss man sich natürlich genau überlegen, ob man die Chance nutzt, so einen Spieler zu holen, wenn er ablösefrei zu haben ist. In allen anderen Fällen wird man sich die Ablösesumme nicht leisten können.

    Insgesamt hoffe ich, dass Schalke die CL schafft und damit frisches Geld in die Kassen kommt, damit im Sommer Di Matteo vielleicht noch den ein oder anderen Wunschspieler verpflichten kann. Von Nastasic bin ich bis lang absolut überzeugt.

  2. eakus1904 sagt:

    Als ich den Beitrag las, kam mir komischerweise sofort eines in den Sinn. Saison 2004/2005, die Partien gegen Bayern und Mainz(Kurioserweise war das Spiel gegen die Bayern auf den Tag genau heute vor 10 Jahren). Wir gewannen durch einen Lincoln-Freistoß 1:0 und übernahmen die Tabellenführung. Ganz euphorisch ging es dann für ein paar Kumpels und mich am Sonntag darauf nach Mainz- und wir verloren 2:1. Irgendwas hatte Assauer vorher über Mainz gesagt und angeblich pinnte der Zeitungsartikel an der Mainzer Kabinentür, was dann für zusätzliche Motivation sorgen sollte. Typische Underdog-Motivationsgeschichte halt.

    Tja, was soll ich sagen: Gleich werde ich mich wieder in den Zug setzen, längst nicht mehr so euphorisch wie vor 10 Jahren, aber immerhin in guter Hoffnung, dass wir die Leistung aus dem Madrid-Spiel irgendwie mit ins Olympiastadion nehmen können.

    Und ich hoffe, dass kein Hertha Offizieller hier mitliest und deinen Artikel an die Kabinentür pappt…:-)

  3. Rjonathan sagt:

    Das muss ich als Wahl-Berliner natürlich kommentieren. Die Belanglosigkeit von Hertha ist auch innerhalb der Zugezogenen-Milieus in den Trend-Bezirken nicht zu überbieten. Hier gibt es Gladbacher, Münchner, Frankfurter, Schalker, Kölner… Dass jemand auch nur Sympathien für die Hertha äußert, kommt nie vor. Wenn man sich hier einem Berliner Verein zuwendet, dann Union, weil die einiges an Profil und Kult zu bieten haben.

    Das Publikum der Hertha besteht eigentlich nur aus alteingesessenen Westberlinern. Dieses urige Westberlin, das man in Stadtteilen wie Wilmersdorf oder Moabit besichtigen kann, ist eigentlich so graumäusig wie Hannover. In der Tat ist für mich bis vor Kurzem vielleicht H96 der größte Egal-Verein gewesen, aber inzwischen sehe ich diese Rolle tatsächlich klar bei der Hertha.

    Eigentlich eine verrückte Geschichte, dass ausgerechnet in einer so trendigen Stadt wie Berlin, ein so belangloser Verein residiert. Ich bin natürlich trotzdem immer zumindest gegen den Abstieg der Hertha und hege auch gewisse Sympathien für das urig-blau-weiße Eckkneipen-Milieu. Erinnert mich an meinen Geburtsstadt-Verein MSV, der Inbegriff der grauen Maus.

  4. Lutt sagt:

    Harter Tobak

    Hertha BSC, dem langweiligsten Club der Fußball-Bundesliga

    Ich teile zwar (subjektiv) deine Meinung, musste aber doch noch kurz ergoogeln, dass Hertha wohl einen Zuschauerschnitt von 48k Zuschauern hat (Platz 8 in der Bundesliga).
    Also gibt es wohl noch eine Menge Menschen, die das anders sehen – jedenfalls in Berlin.
    In der Auswärtszuschauertabelle ist die Hertha Letzter, das unterstreicht wohl dann deine Aussage – auch objektiv.

    Irgendwie bestätigt mich die Leistung der letzten beiden Spiele in der Ansicht, dass der Kader nicht so schlecht zusammengestellt ist, wie hier immer nach einer Niederlage kommentiert wird. Sie können’s doch, rufen es nur nicht konstant ab. Vieles liegt sicherlich auch daran, wie der Trainer die Mannschaft einstellt.

    Wir hatten diese Saison unter RdM schonmal eine kurze Phase mit drei Hurraspielen hintereinander (Wolfsburg, Mainz, Stuttgart, 12-14 ST), nach der aber irgendwie Tristesse (Maribor, dann Köln) eingetreten ist. Das Ziel muss die Konstanz sein, der Abruf von Topleistungen über einen längeren Zeitraum und die Verkürzung der schlechten Phasen. Das ist ja immer das Schlimme auf Schalke: du denkst, „Wow, jetzt ham wir die Kurve gekriegt“, dann verlierste gegen irgendeine Gurkentruppe. Hoffentlich ist es dieses Mal anders…

  5. Jan sagt:

    Am amüsantesten an der Belanglosigkeit der Hertha, ist ihr krampfhafter Versuch, da eine „Fanfeindschaft“ herbeizuwünschen. „Noch nicht mal ignorieren“ hätte mein Oppa dazu gesagt und ich glaube, das fuchst die tatsächlich am meisten. Hertha hat natürlich durch die „westdeutsche“ Vergangenheit ein Problem, nicht massentauglich zu sein. Hertha und Popularität, das ist wie „BER“ und fertigwerden…

  6. schalkoholiker sagt:

    @Torsten: Muss Dir vorsichtig widersprechen. Ich habe 15 Jahre in Berlin gelebt und bei mir hat sich die Meinung verfestigt, dass selbst die Berliner wenig Interesse an der Hertha haben. Da kann auch der aktuelle Zuschauerschnitt nicht drüber hinweg täuschen (wir reden immerhin über eine 3 Mio-Stadt). Von größerem Interesse scheint Basketball oder Eishockey zu sein. Wenn es um Fußball geht, dann ziehen eher die Eisernen die „richtigen“ Fans an.

    Hatte damals (halbernst) mal bei D. Hoeneß angefragt, was eine Dauerkarte für die Gästekurve kosten würde… Man glaubt es kaum: Mir wurde tatsächlich eine angeboten.

  7. Detlef sagt:

    Ob Hertha der langweiligste, oder zweitlangweiligste Klub ist, ist mir Latte, Wumpe, wie auch immer.

    Wichtig ist eine Leistung auf den Platz zu bringen, die es erlaubt die Mannschaft von Hertha BSC zu schlagen. Der Kader wird wohl der gleiche sein wie gegen Madrid plus Prince und vom Gefühl her sage ich, es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn da nicht was für Schalke rausspringt. Dumm nur, dass ich am Dienstag genau das gegenteilige Geühl hatte und zumindest was die Leistung betrifft ja falsch lag.

    Mal schaun was die Knappen auf Grün „zaubern“.

    @schalkoholiker
    Dauerkarte im Gästeblock :-D

  8. Ney sagt:

    Zumindest die Webseite des nächsten Gegners ist köstlich:
    „Auf der Pressekonferenz vor dem Gelsenkirchen-Spiel…“
    „Defensiv steht Hertha stabil. Nun fordert Pál Dárdai gegen Gelsenkirchen offensive Fortschritte.“ „Servicemaßnahmen zum Spiel gegen Gelsenkirchen…“
    „Alle Termine
    Fr. 13.03.2015 Training (nicht öffentlich)
    Sa. 14.03.2015 Hertha BSC – Gelsenkirchen“

    Wenigstens taucht der Name „Schalke“ noch in einem löblicherweise dort verlinkten Beitrag der Berliner Morgenpost auf: „Hertha und Schalke pflegen eine halbe Feindschaft – Hertha BSC und Schalke 04 verbindet eine alte Rivalität, von der aber nur die Berliner wissen. Sie begann vor mehr als 40 Jahren.“ http://www.morgenpost.de/sport.....chaft.html
    Wo dann steht:
    „Der Fußball lebt nun einmal von Erinnerungen – selbst wenn es schlechte sind. Und so spricht Michael Preetz lieber nicht von „Schalke 04″, sondern nennt den Revierklub, der am Sonnabend im Olympiastadion gastieren wird (15.30 Uhr), höchstens „Gelsenkirchen“. “ Achso. Boah.

  9. Torsten sagt:

    Die spanische Zeitung „Marca“ schreibt, Schalke und Khedira seien sich über einen Wechsel einig: http://www.marca.com/en/2015/0.....1426251501

  10. schoschi sagt:

    Ja, wenn man uns mit satirischem Unterton erwähnt, kann man das durchaus auch mit den Herthanern. Ist mir egal! Ich erwähne gerne noch einmal, daß diese sich letztens gegen Stuttgart einen abgebrochen haben. Und an der Stelle kann ich ruhig mal einen raushauen: Die sollten wir in Grund und Boden spielen!!! Boa, ich trau mich was! Na klar! Das hat nix mit irgend einem Schalke-Gen zu tun sondern damit, daß die Spieler, vor allem auch wegen dem Realspiel, gezeigt haben daß sie es können. Es wird bloß etwas ruppiger. Hoffentlich kommen alle gesund durch! Wir haben junges und talentiertes Blut im Team. Das wird schon!!! Ick freu mir(oder so ähnlich) Volldampf! GlückAuf

  11. Սաշա sagt:

    Schalke beherrsche keinen guten Spielaufbau hieß es zuletzt, im defensiven Mittelfeld hätte niemand die gebotene Qualität.

    … um gegen eine Mannschaft zu bestehen, die ordentliches, aggressives Pressing spielen. Ja, das stimmt auch weiterhin. Nun hat Real aber gerade das Gegenteil gezeigt, war sehr passiv und hat dem Schalker Mittelfeld dank weiter Abstände zwischen Angriffs- und Abwehrreihe gepaart mit einer ordentlichen Portion Lauffaulheit die nötigen Räume zum Spielen gelassen. Man darf befürchten, dass die wenigstens Bundesligisten so gegen Schalke auftreten werden. Dementsprechend muss man auch dieses außergewöhnliche Spiel im Bernabeu einordnen können.

  12. schoschi sagt:

    :) ok! freu mich trotzdem:)

  13. KarstenTS sagt:

    Ich glaube es wird gemeinhin unterschätzt wie stark sich Schalke unter RDM immer auf seine Gegner einstellt. Unabhängig von der dann gebotenen Leistung. Ich bin optimistisch, dass das auch gegen Berlin der Fall sein wird und hoffe, dass die Spieler das auch weiter tragen können.

  14. Rjonathan sagt:

    Ich nehme die Khedira-Meldung für voll. Liest sich genau so, wie seinerzeit die Raùl-Meldung in der Marca, als er noch im Urlaub weilte. Und dass war deutlich unglaublicher…

    Für das Team wäre er als Leader mit seiner internationalen Erfahrung eine super Verstärkung. Ich kann mich noch gut erinnern, welchen Schwung er bei der WM ins Mittelfeld gebracht hat durch seinen Kampfgeist und Durchsetzungswillen. Und es wäre ein Ausrufezeichen in Richtung Konkurrenz.

  15. Ney sagt:

    Hm…das wäre dann mal eine Auswahl im Defensivbereich…Khedira, Höger, Neustädter, Goretzka (eventuell Boateng, Matip, Aogo) zentral defensiv möglich; Höwedes, Nastasic, Matip, Ayhan, Papadopoulos als mögliche Innenverteidiger; Fuchs, Kolasinac, Aogo Linksverteidiger. Sowie Uchida, Uchida und Uchida (evtl. Uchida) rechts…

  16. Chris sagt:

    @Rjonathan: Von Wahlberliner zu Wahlberliner stimme ich dir doppelt zu. Sowohl zu dem, was du zur Hertha und zum Fußball in Berlin gesagt hast als auch zu Khedira.

  17. Eigenart sagt:

    @Ney, du bringst es ziemlich gut auf den Punkt. Allerdings hätten wir auf rechts neben Uchida, Uchida und evtl. Uchida vielleicht auch Barnetta oder Barnetta…

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