Eine Frage des Geldes

Schalke 04 droht eine europapokallose Saison. Mir droht eine unvermutete Geldschwemme. Gut, für den Tönnies-1000er wird’s nicht reichen, aber die Hälfe kann es schon werden. Zumindest im Vergleich mit guten Zeiten.

2010/2011 war eine furchtbare und tolle Saison zugleich. Es gab Tullus mit Magath und am Ende zog Manuel Neuer von dannen. Man strandete in der Liga auf Platz 14 und machte sich zwischendurch tatsächlich Sorgen, aber Rangnick kam zurück und schuf Hoffnung. Man kam in der Champions League bis ins Halbfinale und man gewann den DFB-Pokal!

Abzüglich des Champions League-Endspiels bedeutete diese Saison für die Blauen die maximale Anzahl möglicher Pflichtspiele; und für die Fans entsprechend die maximalen Ausgaben für das Erlebnis „FC Schalke 04“.

Als fröhlicher Inhaber einer „Schalke Total“-Dauerkarte lasse ich mir die Eintrittspreise der diversen Europapokalauftritte gleich automatisch abbuchen. In meinem Block liegt der Tageskartenpreis knapp über 40 Euro. Bezüglich des Getränkekonsums sind wir Schalker traditionell stark. Aber ich liege da selbstverständlich an der unteren Grenze, schließlich liest meine Frau mit, rechnen wir also mit 10 Euro Kioskkosten pro Spiel. Der Familie wegen verzichte ich grundsätzlich auf Auswärtsfahrten. Sämtliche Auswärtsbegegnungen der Blauen verfolge ich stattdessen in der Schalke-Kneipe meines Vertrauens, was mich jedes Mal rund 15 Euro kostet.

Büßt Schalke bis Saisonende noch 3 Punkte ein, rutscht Schalke damit auf einen Nicht-Europapokal-Platz, und scheidet Schalke auch nächste Saison wieder gegen einen angsteinflößenden Drittlistigen in der ersten Pokalrunde aus, beschert dies dem Club zwar Mindereinnahmen, aber auch eine entspannte Saison, mit lediglich 35 Pflichtspielen. Unsereinem würde dieses Szenario – verglichen mit der Saison 2011 – eine Ersparnis von rund 500 Euro bescheren.

Was ich damit mache, weiß ich noch nicht, vielleicht was mit der Frau.
Andererseits wären es aber auch 128 Veltins auf Schalke …



18 Kommentare zu “Eine Frage des Geldes”

  1. Alex.GlueckAuf.04 sagt:

    Vielleicht wäre schalke nächste Saison mal erfolgreicher in der BL, wenn sie nicht international spielen…
    Man wäre nicht so strapaziert und wenn dann mal alle fit wären hätte man vielleicht wie Bayern eine ebenso gute b Elf
    Naja wir müssten bei nicht CL Beteiligung zwar nich so viel zahlen aber schalke würde auch einen enormen finanziellen Verlust machen was natürlich auch nich Grade hilfreich für den Abbau der Schulden wäre…

  2. blues sagt:

    Di Matteo seine Punkteausbeute nun auch mit einer „Veltins“ Donald-Duck Sparfuchs-Variante angezählt! Kann da nicht einer mal das Handtuch werfen? (für @StanLibuda: siehste, geht auch mal ganz kurz)

  3. rjonathan sagt:

    Hallo, sorry für das Besserwisssen, es hat mich einfach irritiert: http://www.duden.de/rechtschreibung/Schwemme

  4. Oberwaeller sagt:

    Torsten, ich mag Deine/diese Zahlenspielerei.

    Interessant wäre jetzt noch zu erfahren, wieviel der Kader in der von Dir beschriebenen Saison 10/11 p r o S p i e l gekostet hat und wieviel z.B. in dieser Saison 14/15.

    Vielleicht macht sich ja mal jemand diese Mühe ….

  5. Սաշա sagt:

    128 Veltins in nur 17 Heimspielen sind ein ambitioniertes Vorhaben! Vielleicht kann man den Blog ja in der nächsten Saison um einen Veltins-Count erweitern. Oder man macht doch was mit der Frau, zum Beispiel gemeinsam jeder 64 Veltins trinken. Ich weiß – klingt furchtbar kitschig, aber ich bin nunmal ein hoffnungsloser Romantiker!

  6. derwahrebaresi sagt:

    @Սաշա

    deine rechnung geht nicht auf.

    die auswärtsspiele von schalke kann
    man ebensowenig „trocken“ ertragen. :-)

  7. BlueNote sagt:

    Ich würde die Diskussion garnicht nur auf denn schnöden Mammon reduzieren wollen, wenngleich Torstens sarakastische monetäre Betrachtung aus Fansicht schon Laune macht. Die Frage ist doch: Kann eine Saison ohne Europa Spaß machen oder nicht? (Also für mich als Fan, ganz losgelöst von betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten aus Vereinssicht).

    Wir haben uns in den letzten Jahren sehr daran gewöhnt, in schöner Regelmäßigkeit international zu spielen, im Fokus der Medien zu stehen, die Millionen mitzunehmen. Und einmal pro CL-Saison gab’s dann auch ein fußballerisches Highlight. Ok, in den Raul-Jahren auch mal zwei oder drei. Aber das war’s dann auch. Der Rest waren doch Spiele, an die sich kaum eine Sau mehr erinnern kann oder gar will. Eine künstlich aufgeblähte Gruppenphase mit maximal einem attraktiven Gegner, also einem vermeintlich lohnenswerten Heimspiel und eine oder zwei Runden später, mit schöner Regelmäßigkeit, das Ausscheiden gegen Madrid oder andere Unerreichbare. Oft genug dann auch noch auswärts, weil’s in der Gruppe nur zu Platz 2 gereicht hatte, was keine Schande ist aber eben saublöd.

    Meine ganze blau-weiße Europa-Erinnerung kann ich simplifizierend auf drei Erlebnisse zusammendampfen: Mailand 97, die K.O-Runde bis zum Halbfinale 2011 (insbesondere das 2:5 in Mailand) und jüngst das tolle Spiel in Madrid, wohl wissend, dass da ein defensiv dilletierender Gegner auf dem Platz stand mit einem sedierten Torwart)

    Ansonsten sind wir nur Beiwerk, damit die großen Clubs Gegner haben und der Rubel rollt.

    Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Fans Jahr für Jahr ins Unermessliche. Der letzte Titel liegt erst vier Jahre zurück, gefühlt aber eben über 50. Ein Blick in die aktuelle UEFA-5-Jahres-Club-Wertung zeigt, dass wir dort der erfogreichste deutsche Club sind hinter den Bauern und einige Plätze vor den Lüdenscheidern. Das ist schön aber was habe ich wirklich davon? Denn im Alltag bringt mir mein Herzensclub seit 2012 eher Frust als Lust. Wirklich begeisternde Spiele, die dir eine Woche lang das Grinsen ins Gesicht treiben, sind Mangelware geworden. Also geilt man sich an einem Derbysieg auf und bleibt danach wieder wochenlang unbefriedigt.

    Wie in der Wirtschaft kann es nicht immer nur Wachstum geben. Jede Blase platzt irgendwann mal. Der Hamster überdreht im Rad, aus Lust wird Krampf und am Ende Siechtum.

    Daher wünsche ich mir nun ein Jahr ohne Europa. Konzentration aufs Wesentliche, Kraft sammeln, dem Trainer Zeit geben etwas Nachhaltiges aufzubauen, den Nachwuchs noch intensiver einbauen, alte Zöpfe abschneiden, und dann wieder neu angreifen in der Liga. Damit die Mannschaft das Feuer wieder auf die Tribüne bringen kann. Gesundschrumpfen quasi. Der Zeitpunkt wäre günstig. Fünf vor Zwölf in meinen Augen.

    Was mache ich mit dem Mehr an Zeit? Vielleicht mal wieder ins Kino gehen Mittwochs. Oder mit Freunden was Kochen. Ein Buch lesen. Oder mich einfach nur auf Samstagnachmittag freuen. Diese Sehnsucht ist viel größer als die nach Titeln.

  8. Սաշա sagt:

    @derwahrebaresi:

    Das ist in der Sache völlig richtig. Rein nach Zahlen gemalt sind Auswärtsspiele sogar noch schlimmer. Aber wie in Torstens Text nehme ich auf die „128 Veltins auf Schalke“ Bezug. Wieviele Veltins Torsten sich dann noch während der Auswärtsspiele in der Schalke-Kneipe reintut, muss deshalb in der Rechnung außen vor bleiben ;)

  9. Benjamin sagt:

    @Bluenote

    Danke, dein Kommentar war mindestens so lesenswert wie Torstens Artikel! In meinen Augen hast du vollkommen recht, ein Gesundschrumpfen, vielleicht gar in Kombination mit echtem Schuldenabbau und befreitem, weil finanziell risikolosem Aufspielen unserer Knappen, ja, das hätte schon was. Endlich einmal ohne vermeintlich alternativlosen Ergebnisdruck etwas aufbauen zu können und sich am schönen Spiel der Königsblauen erfreuen, was wäre das gut. Allein, es wird wohl nicht passieren. Seufz…

  10. Carsten Siegfried sagt:

    weiß nicht ob ich lachen oder weinen soll^^

  11. leoluca sagt:

    Wenn die Gesellschaft für deutsche Sprache mal nicht den Begriff „Gesundschrumpfen“ zum Unwort des Jahres erklären wird.

  12. BlueNote sagt:

    @Benjamin: Danke schön! Und ich befürchte genau wie Du, dass es wohl eher nicht passieren wird und wir nächste Saison donnerstags und sonntags gucken müssen.

    @leoluca: Dazu müsste das Wort in einem weitaus zynischerem Zusammenhang von prominenterer Stelle aus häufiger verwandt werden. Hast Du es in solch einem Kontext kürzlich wahrgenommen? Mir kam es beim Schreiben vorhin einfach in den Sinn, kann aber nicht konkret sagen, wo es ich aufgeschnappt habe.

  13. MarkusWiesbaden sagt:

    Schön geschrieben, @BlueNote. Eigentlich möchte ich Dir aus ganzem Herzen beipflichten. Nur leider geht das in meinen Augen nicht mehr, dazu ist das Fussballgeschäft viel zu schnelllebig geworden.

    Um u.a. erfolgreich Fussball spielen zu können, braucht es in erster Linie Geld. Das gibt es in der CL, wie wir alle wissen reichlich aber auch in der EL kann noch der eine oder andere Euro generiert werden.

    Ebenso benötigen gerade unsere jungen Spieler Erfahrung. Vor allem auch international. Da können sogar Spiele in Weißrussland oder was weiß ich wo zu beitragen.

    Gesundschrumpfen und Schuldenabbau (letzteres in anderen Beiträgen gelesen) in Verbindung mit deutlich geringeren Einnahmen erschließt sich mir nicht. Natürlich können wir alle Spieler die einen gewissen Marktwert haben verkaufen und so den Personaletat auf 60 Millionen runterfahren. Und dann? Diese Vorstellungen sind genau so verrückt wie manche Meinungen, dass sich der VfB Stuttgart und der HSV in der 2. Liga wieder neu finden könnten.

    Vor diesem Hintergrund kann ich evt. EL-Spielen sogar etwas Positives abgewinnen. Was bringt es den jungen Spielern schon, regelmäßig von Chelsea oder Madrid (letztes Spiel mal ausgenommen) niedergeprügelt zu werden?

    Die Vorstellung eine „ruhige“ Saison zu spielen, Konzentration aufs Wesentliche, dem Trainer Zeit zu geben etwas Nachhaltiges aufzubauen, alles prima Dinge. In meinen Augen nur leider ein wenig an der Realität vorbei. Das kann sich der FC Schalke 04 nicht mehr leisten. Leider…

    Schönes Wochenende zusammen!

  14. leoluca sagt:

    Meine Zustimmung, Markus, die Realität klopft fast täglich an die Tür.

    So legt der letzte Konzernbericht, wenn ich ihn richtig erinnere, natürlich auch nahe, dass Schalke für die wirtschaftliche Konsolidierung auch Transfererlöse braucht.

    Das wiederum würde heißen, dass Schalke über einen Höwedes-Verkauf und über das aktuelle Angebot von Tottenham nachdenken muss. Bennie hat oft genug seine Wechselabsichten ins Ausland bekundet und bei seinem Marktwert wäre es vlt. drin, mit dem Erlös zentral wichtige Spieler wie Meyer, Draxler und Matip erst einmal zu halten.

    Auch ließe sich vielleicht bei Papa, der kürzlich sehr offensichtlich seine Distanz zu Schalke demonstriert hat, eine ordentliche Ablöse erwirtschaften.

  15. dergucker sagt:

    Die 128 Veltins reichen eh nicht um sich das ganze schön zusaufen!.

  16. hellwach sagt:

    Die 128 Veltins reichen eh nicht um sich das ganze schön zusaufen!.

    …dachte ich und bestellte entgegen meiner gewohnten Gepflogenheiten in der Pause einen Kaffee…

  17. Moritz // Schalke-News.de sagt:

    Schöner Artikel – die „etwas andere Bilanz“. ;-)

  18. Carlito sagt:

    Klasse Beitrag! Aufgrund der noch „drohenden“ EL habe ich mein „Schalke Total“ die Tage erst einmal gekündigt. Für die EL kriegt man bei Bedarf eh immer Karten. Außerdem kann ich eine gewisse subjektive Sättigung meinerseits nicht von der Hand weisen, welche insbesondere bei den in der EL beknackten Anstoßzeiten zu tragen kommt.

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