Artikel im Mai 2015

Wörtlich: Marc Wilmots

Ja, Schalke hat mich kontaktiert. Ich habe dem Verein mitgeteilt, dass ich mich auf unsere kommenden zwei Spiele konzentriere, vor dem 12. Juni will ich über nichts anderes diskutieren. Was danach passiert, werden wir sehen.

Belgiens Bondscoach Marc Wilmots bereitet seien „Roten Teufel“ gerade in einem Trainingslager auf ein Testspiel gegen Frankreich (7. Juni) und ein EM-Qualifikationsspiel gegen Wales (12. Juni) vor. Bei der Pressekonferenz nach dem ersten Trainingstag wurde er mit Fragen zu Schalke 04 konfrontiert.

Einen ausführlichen Text dazu gibt’s bei De Standaard (niederländisch). Für derwesten.de hat Francios Duchateau die Aussagen Wilmots‘ zusammengefasst.

Das S04 Mediengespräch: Nichts Neues in blau

Gestern bat Schalke 04 zum Mediengespräch. In rund 30 Minuten äußerte sich Horst Heldt zur Vertragsauflösung mit Roberto Di Matteo und zum weiteren Vorgehen auf Schalke. Dabei blieb er bemerkenswert unklar. Man ist geneigt zu urteilen: Es läuft weiter wie bisher.

Die Verpflichtung Roberto Di Matteos sei ein Missverständnis gewesen, das er zu verantworten habe. Fehler habe man gemacht, und viele Verletzte habe es gegeben: Das präsentierte Horst Heldt als Ergebnis der Analyse zur Saison.
Nun sei es das Ziel, anderen Fußball zu spielen, die Herzen der Fans zurückzugewinnen. Dafür würde man Maßnahmen ergreifen und Veränderungen herbeiführen: Das waren seine Aussagen zur Zukunft.

Von einem Umbruch ist längst keine Rede mehr. Selbst eine Wiedereingliederung der zuvor aussortierten Spieler schließt Horst Heldt nicht aus. Die einzig klar kommunizierte Veränderung ist, dass Horst Heldt einen neuen Trainer verpflichten wird. Wie nach Rangnick, Stevens und Keller eben auch.

Sätze, die jeder Sportliche Leiter eines FC Irgendwo in Krisenzeiten zum Besten geben könnte. Sätze, wie sie auch zu den vorherigen Trainerwechseln zu hören waren. Horst Heldt ist auch Vorstand des Bereichs „Kommunikation“. Dass er sich mit derart wenig Inhalt zu einem solchen Mediengespräch begibt, ist fast frech.

Meister Schalker Gefühlswelten

Norbert Elgerts U19 gewinnt 3:1 gegen die TSG Hoffenheim, wird Deutscher A-Jugend-Meister und beschert den Fans einen grandiosen Abend!

Hoffenheim war Favorit und konnte das auch auf dem Rasen in den ersten 30 Minuten deutlich machen. Mir grandiosem Pressing setzte man Schalkes nervös wirkende Hintermannschaft immer wieder unter Druck. Aber Schalke bäumte sich auf. Elgert wechselte und die Blauen merkten noch vor der Halbzeit, dass da was geht, dass Hoffenheim verwundbar ist, wenn man denn nur erst mit Ball ins Angriffsdrittel kam. Fortan wirkten sie wie losgelassen, mit der Unterstützung von 12.000 Schalkern im Wattenscheider Lohrheidestadion. Schalkes U19 überrollte Hoffenheim und gewann am Ende sehr verdient den Titel.

Ein Spiel wie ein Wundpflaster für königsblaue Seelen.

Eine Mannschaft, die wirklich alles daran setzte, ihr Ziel zu erreichen. Die eben sowohl gut, als auch sehr emotional agierte. Die sich antreiben ließ, von einem Publikum, dass diese Rolle liebte, das nach solchem Fußball dürstete und unbedingt ein Teil des Erfolges sein wollte. Fußball, wie er sein sollte. Wie Fans sich ihn wünschen. Und wie man ihn bei den Profis dieses Clubs leider immer und immer wieder vermisst.

Schalke trennt sich von Roberto Di Matteo

Schalke 04 und Roberto Di Matteo hätten sich „einvernehmlich“ getrennt, das meldete Sport Bild auf seiner Webseite am Sonntag gegen 17:30 Uhr.

Um 18:18 Uhr meldet meldet Sky via Twitter die Trennung als bestätigt:

Nun sei gerade der Berater von Roberto Di Matteo auf dem Weg nach Gelsenkirchen, um abschließend zu verhandeln. Morgen soll der Auflösungsvertrag unterschrieben werden.

Nach den erbärmlichen Auftritten der Mannschaft in den letzten Spielen, und nach dem Aufruhr auf und um Schalke herum, war eigentlich klar, dass Schalke nicht mit Roberto Di Matteo in die nächste Saison gehen kann.

Egal ob offenes oder geheimes Training, egal ob Kloster-Trainingslager, ob Jugendspieler oder Routiniers, ob 3er oder 4er-Kette, es funktionierte nichts mehr. Hatte ich unter Jens Keller, bei Spielen wie der Pokalniederlage in Dresden, das Gefühl, dass es schlimmer nicht mehr werden könnte, lag ich falsch. Die Spiele gegen Köln, Paderborn und Hamburg waren nochmal eine ganze Stufe furchtbarer.

Schalkes Mannschaft wirkt wie ein Sauhaufen in dem die einen nicht mit den anderen können, der keine gemeinsamen Ziele verfolgt. Hierfür ist auch der Trainer verantwortlich und der angekündigte „Umbruch“ wäre unglaubwürdig, hätte es bei dieser Personalie keinen Wechsel gegeben. Da allerdings sehr ähnliche Probleme unter so verschiedenen Trainern wie Huub Stevens, Jens Keller und Roberto Di Matteo immer und immer wieder aufkommen, liegt nah, dass sie nicht durch Trainerhand alleine zu beheben sind. Und weil Schalkes Trainerposten ein Schleudersitz ist – die letzten 7 Trainer blieben im Schnitt gerade 15 Monate im Amt – und weil es ein Verein ist, in dem der Aufsichtsratsvorsitzende in Krisensituationen in der Kabine rumbrüllt und damit den sportlich Verantwortlichen mit Leidenschaft jede Autorität raubt, wird Schalke 04 auch keinen wirklich geeigneten Trainer bekommen können.

Update 26.05., 10:35 Uhr

Jetzt ist es offiziell: Roberto Di Matteo habe sein Amt niedergelegt, weil der Club andere inhaltliche Schwerpunkte setzten möchte als er, und er unter diesen Bedingungen nicht garantieren könne, das man an die Erfolge anknüpfen könne, die der Club erwarte. So hat es der Club nun verkündet.

Der letzte Job

Da steht er nun. Die Mundharmonika spielt. Überall Staub.

Er hatte ein schlechtes Jahr. Probleme. Er wird mit ihnen nicht fertig, ist unorganisiert, lebt von der Hand in den Mund. Noch fühlt er seinen Stolz, ab man sieht ihn ihm nicht mehr an. Er wankt. Er versucht selbstsicher zu wirken, aber das nimmt ihm niemand mehr ab. Er ist froh, wenn er zur Ruhe kommen kann. Aber da ist noch ein letzter Job.

Da ist noch der Andere, den er zu erledigen hat.

Dem Anderen geht es noch schlechter. Vor 25 Jahren war der Andere noch eine große Nummer. Damals konnte er sich nicht mit ihm messen. Als er später selbst fast ganz oben war, hatte der Andere seinen Anteil daran, dass er doch wieder scheiterte. Doch danach ging es mit dem Anderen stetig bergab. Nun hat er ihn an der Kandare. Sie konnten sich noch nie leiden.

Der Andere darf ihm nicht entwischen. Das darf nicht auch noch passieren, jetzt, da sie eh schon alle auf ihn zeigen, über ihn reden. Er muss es schaffen, auch wenn er längst daran zweifelt, dass es ihm Genugtuung bringen wird. Letztlich sind sie sich doch arg ähnlich.

Überall Staub. Die Mundharmonika spielt. Da steht er nun. Und wankt.

Potenzierter Protest

Die Blauen gewinnen gegen Paderborn mit 1:0 und sichern sich damit die Europa League-Teilnahme für die kommende Saison. Das interessierte letztlich allerdings niemanden mehr. Schalke war so schlecht, dass man es schaffte, das ganze Stadion gegen sich aufzubringen.

Welch übler Fußball!

Schon gegen Stuttgart war die Leistung schwach. Gegen Köln war sie miserabel. Aber was da am Samstag, gegen des SC Paderborn, auf den Rasen gebracht wurde, spottete jeder Beschreibung. Wie muss es um die Psyche dieser Mannschaft bestellt sein, wenn man in einem solch wichtigen Spiel, nach dem x-ten Ankündigen großer Kampfbereitschaft, gegen diesen – mit Verlaub – nicht allzu angsteinflößenden Gegner, derart über den Rasen eiert?

Aus Protest gegen die Missstände im Club hatten Schalkes organisierte Fangruppen ein 45-minütiges Nichtunterstützen der Mannschaft angekündigt. Der gebotene „Fußballunfall“ von Roberto Di Matteos Mannschaft potenzierte diesen Protest. Ein Gefühlspingpong aus Gleichgültigkeit, Häme und Wut ging durch die Ränge. Deshalb war auch nach einer Halbzeit nicht Schluss. Deshalb protestierte letztlich nicht nur die Kurve, sondern das ganze Stadion. Man will solchen Mist einfach nicht mehr sehen. Ich auch nicht.

Als das Tor fiel, konnte ich mich nicht mehr freuen. Da war keine Spannung, die sich lösen konnte. Da hatte sich Frust festgesetzt. Um mich herum ging es vielen so. Ralf Fährmann tat mir leid, der nach dem Tor herumsprang, dem man die Erlösung anmerkte. Mein Sohn tat mir leid, der doch nur ein wichtiges Fußballspiel sehen wollte, der immer gewinnen und sich darüber auch freuen will. Ich will auch gewinnen, ich will mich auch freuen. Aber dazu wurde mir die Grundeinstellung nach und nach verleidet. Was die Protagonisten so entscheiden, was sie sagen, wie sie sich geben, welcher Fußball geboten wird: Das war vor allen in den letzten Wochen nicht mehr nachvollziehbar. Damit mag man sich nicht identifizieren, da fehlt es schon an Grundsympathie der Sache gegenüber.

Bitter.

Schalkes Stolz: Die Knappenschmiede

Schalkes U19 wurde zum vierten Mal in Folge westdeutscher Meister. Im Halbfinale der Endrunde zur deutschen A-Jugend-Meisterschaft trifft die Mannschaft von Norbert Elgert heute um 18:30 Uhr auf den Karlsruher SC. Schalkes Jugendarbeit liefert dem Profikader Top-Talente. Das war bisher schon nicht selbstverständlich, in Zukunft wird es noch schwieriger. Auch der Jugendbereich wird von Investorengeld überschwemmt.

Schalke geht steil, dieser Tage. Die Profis verlieren, der Boss schwadroniert, der Manager suspendiert. Horst Heldt steht in der Kritik. Auch ich schrieb, er sei mit seinem Latein am Ende. Wenn Schalkes Profis die Qualifikation zur Europa League verpassen, verliert Horst Heldt vermutlich seinen Job.

Wenn Schalke steil geht wird rundumgeschlagen. Heldts Transfers wären schlecht, heißt es, ohne die Spieler aus der Knappenschmiede bliebe nicht viel übrig von diesem Kader. Dabei wird geflissentlich übersehen, dass die Knappenschmiede in ihrer heutigen Form erst unter der Führung Horst Heldts geschaffen wurde.

Horst Heldt hat die Jugendabteilung neu strukturiert. Er hat professionelle Trainer und Scouts für diesen Bereich verpflichtet. Er hat mit Oliver Ruhnert einen neuen „Direktor Nachwuchs“ eingesetzt. Unter seiner Führung wurde die Marke „Knappenschmiede“ kreiert und damit die Aufmerksamkeit für diesen Teil des Clubs erhöht. Vor allem hat Horst Heldt dafür gesorgt, dass die Schalker Talente zu allererst dem eigenen Profikader zu Gute kommen. Schalkes Ziel ist, in jedem Jahr zwei Jungs der Knappenschmiede in den Profikader zu bringen. Bislang klappt das vorbildlich.

Wie lange das noch so gelingt bleibt abzuwarten. Auch im Jugendbereich rücken Investoren auf den Plan. In der Süddeutschen Zeitung beschreibt Philipp Selldorf, wie Red Bull mit viel Geld erst das Know How aus Stuttgart, und dann möglichst alle Talente des Landes nach Leipzig holt, in ein neues, 35 Millionen Euro teures Nachwuchszentrum.

Um auch nur den Status Quo zu halten wird sich Schalke verbessern und verändern müssen. Sowohl im Profi- als auch im Jugendbereich. Horst Heldt hatte bislang ein Auge drauf. Bei aller Kritik, diesen Teil seiner Arbeit darf man nicht unterschlagen.