Die endlose Reihe der Überzeugten

André Breitenreiter ist davon überzeugt, auf Schalke erfolgreich sein zu können. Eben wie alle anderen Schalke-Trainer vor ihm auch. Als Zuschauer ist man durchaus erstaunt, dass die Reihe derjenigen, die es versuchen wollen, offensichtlich nie endet.

Mirko Slomka, Fred Rutten, Felix Magath, Ralf Rangnick in seinem zweiten Versuch, Huub Stevens in seinem zweiten Versuch, Jens Keller erst als Interims- und dann als Dauerlösung, Roberto Di Matteo und nun eben André Breitenreiter: In den achteinhalb Jahren, in denen ich diesen Club bloggend begleite, versuchten sich auf Schalke acht Cheftrainer. Die Charaktere hätten unterschiedlicher nicht sein können. Jeder hatte seine Qualitäten, sie hatten unterschiedliche Führungsstile, unterschiedliche Spielideen, unterschiedliche Arten, mit Fans und Medien zu kommunizieren. Immer gab der Club vor nach Kontinuität zu streben, immer stand ein „jetzt aber“ und ein „mit dem aber“ dabei im Raum.

Dass alle diese sehr verschiedenen Vorgänger André Breitenreiters aus unterschiedlichsten Gründen gescheitert sind lässt erahnen, dass es wohl eher am System Schalke liegt, dass die gewollte Kontinuität nie erreicht wurde. Man hätte vermuten können, dass die Fußballlehrer Land auf Land ab dies auch gesehen haben, dass es schwierig sei noch jemanden zu finden, der sich dafür hergibt. Aber es ist anders, da kommt immer ein Nächster.

Es muss daran liegen, dass man im Profifußball dazu erzogen wird an sich zu glauben und Zweifel abzuschalten. Ohne die absolute Überzeugung bezüglich der eigenen Qualitäten steigt niemand in den Profibereich auf. Jeder neue Trainer auf Schalke formuliert, dass es ihm mehr oder wenige egal ist was vorher war. Jeder glaubt, dass es mit ihm anders werden wird, jeder entwickelt seinen eigenen Ehrgeiz, seine Gier, Schalke zu schaffen. Und dieses Ziel erscheint wunderbar.

Auf Schalke gibt es sicher gutes Geld zu verdienen, aber das alleine taugt nicht als Erklärung. Es ist die Größe der Bühne. Es ist die Sucht nach dem Jubel, der von hier aus überall im Land gesehen wird. Dieser Club gibt einem die Möglichkeit gegen Real Madrid und Inter Mailand anzutreten, sogar zu gewinnen. Wer erahnen will worum es geht möge sich an die Ehrenrunde Felix Magaths erinnern, nach dessen erster Saison auf Schalke, der zuvor schon so viel gewann und der doch völlig aufging in diesem Jubel, in diesem Moment. Schalker, das sind viele, das ist eine große Masse, die Anziehungskraft ist entsprechend – fast als hätte Isaac Newton Schalke schon erklärt.



31 Kommentare zu “Die endlose Reihe der Überzeugten”

  1. wilbor sagt:

    Gut beschrieben. Genau das meint Tönnies wohl mit „Schalke ist ein geiler Club, da wollen viele hin.“ Isso.

  2. hoffedocS04 sagt:

    Ich glaube aber, es gibt tatsächlich in den letzten Jahren eine Trainergeneration, die mit einer anderen Einstellung als die ältere an „die Sache“ heran geht.

    Als die TSG nach Rangnicks Weggang „getrudelt“ ist, war der erste, der Solidität wieder rein brachte, Gisdol. Der hat als einziges Ziel formuliert, wieder guten Fußball zu spielen. (n i c h t, den Abstieg zu verhindern, der damals drohte)

    Breitenreiter erinnert mich daran. Einziges Ziel: erstmal wieder eine „Einheit“ im Verein darstellen, vernünftig arbeiten.

    Und diese Trainer, Gisdol, Breitenreiter, Weinzierl etc. verkörpern das glaubwürdig. Sie sind pragmatischer als frühere Trainer, und d a s kann gerade Schalke auf keinen Fall schaden.

  3. dreiköpfiger Affe sagt:

    Ich denke, dass ein „untrainierbarer Haufen ohne Einheit“ für einen Trainer auch eine Aufgabe ist, die dazugehört. Das ist Teil des Jobs und kann im Arbeitnehmerdeutsch durchaus als „interessante, neue Aufgabe“ gesehen werden.
    Es gibt ja auch Leute, die bei einem stark abstiegsgefährdeten Club 8 Spieltage vor Schluss anfangen, wenn der Baum schon lichterloh brennt.

    Wo bitte werden Jobs frei nach dem Motto „erfolgreiche Mannschaft mit bestem Betriebsklima und anspruchslosem Saisonziel sucht Trainer für nette, gemeinsame Stunden auf dem Sportplatz“.

    So gesehen benötigt Schalke halt andere Anforderungen als andere Clubs. Aber schwerer oder leichter sind die nicht…

  4. Oliver Mertens sagt:

    Dann hoffen wir mal das Beste. Ich bin geneigt, zumindest diesen Trainer noch abzuwarten, bevor ich den geilsten Club der Welt als untrainierbar abstemple.

    Irgendwas an der Gemengelage Aufsichtsrat, Sportvorstand, Mannschaft, Fans und Medien stimmt seit vielen Jahren grundsätzlich nicht. Es gibt ein strukturelles Problem. Deshalb halte ich es für zu kurz gegriffen, jedes Mal den Trainer auszuwechseln und dann mit einem fröhlichen „jetzt aber“ auf den Lippen (danke, Torsten) genauso weiterzumachen wie bisher.

    Der große Sachverständige für alle Lebensfragen, Albert Einstein, sagte dazu: „Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“

  5. Schalker sagt:

    Sorry, aber es liegt nicht an dem System Schalke, sondern an den aktuell handelnden Personen auf Schalke, dass Trainer bei uns nicht langfristig arbeiten können. Unter Assauer war ein Huub Stevens jedenfalls länger Cheftrainer und man hat gemeinsam auch sportlich schlechtere Zeiten zusammen durchgestanden. So etwas ist unter dem Trainerkiller Horst Heldt völlig undenkbar.

    Denn sobald Horst Heldt selbst in die Schusslinie gerät wirft er die Trainer den Medien und Fans zum Fraß vor (übrigens auch schon Rangnick mit den bekannten Folgen!). Heldt handelt schon seit Jahren nur noch im Eigeninteresse, verwendet seine ganze Energie offenkundig nur noch dafür. Das erkennt man gerade übrigens auch daran, wie er immer wieder seine Truppen in den Medien (z.B. seine persönlichen Hofberichterstatter von der Bild) für sich (nicht für Schalke!) sammelt oder etwa einen Wilmots meidet, weil dieser ihn auf Schalke wahrscheinlich überleben würde.

    Man kann so sehr Anti-Schalker sein und so viel Geld für Spieler und Trainer verbrennen wie man will, es reicht offenkundig auf Schalke, wenn man wie Heldt die Bildzeitung hinter sich hat, um nie entlassen zu werden. Die Bild-Schlagzeile, dass der „nächste Trainer sitzen muss“, wiederholt sich in Bezug auf Heldt jetzt schon zum dritten Mal wortwörtlich! Ein Schelm, der jetzt denkt, dass die immer wieder über die Bild zuerst veröffentlichten Internas nicht als Gegenleistung von Horst Heldt kamen!?

    Huub Stevens, der beide erlebt hat, hat kürzlich in einem Interview auf bundesliga.de ganz deutlich gemacht hat, was der Unterschied zwischen Heldt und Assauer war: „Assauer hat mir Rücken gestärkt und mich immer geschützt vor den Medien.“

    Ich kann übrigens alle Trainer, die uns abgesagt haben (von Elgert bis Weinzierl), voll und ganz verstehen, dass sie nicht unter dem Manager (und damit Chef) und Trainerkiller Horst Heldt arbeiten wollen!

  6. Manfred sagt:

    Ganz ohne die Brille mit den königsblauen Gläsern seh ich das schlicht so: es ist sein nächster (und imo logischer) Karriereschritt. Hätte zB Dortmund gefragt, dann wäre er dort gelandet und hätte ebenfalls gut hingepaßt.
    Und n paar Floskeln sind halt unvermeidlich.

  7. Oliver Mertens sagt:

    Tut mir leid, Schalker, aber es liegt sehr wohl am System. Unser Trainerroulette drehte sich schon lange vor Heldt im höchsten Tempo. Sportliche Kontinuität ist bei uns die absolute Ausnahme.

    Für alle, die es nicht glauben, habe ich hier mal die Trainer und ihre Schaffenszeit auf Schalke aufgeführt. Die Übersicht seit Mitte 1986 hat mich selber sehr erschreckt:

    Roberto Di Matteo 6 Monate
    Jens Keller 22 Monate
    Huub Stevens 14 Monate
    Ralf Rangnick 6 Monate
    Felix Magath 20 Monate
    Mike Büskens 3 Monate
    Fred Rutten 8 Monate
    Mike Büskens 2,5 Monate
    Mirko Slomka 27 Monate
    Ralf Rangnick 15 Monate
    Jupp Heynckes 14,5 Monate
    Marc Wilmots 3 Monate
    Frank Neubarth 9 Monate

    Vor Berger (3 Jahre) und Stevens (5 Jahre und 8 Monate) sah es auch nicht anders aus:

    Helmut Schulte 9 Monate
    Udo Lattek 5,5 Monate
    Aleksandar Ristic 16 Monate
    Peter Neururer 19 Monate
    Diethelm Ferner 6,5 Monate
    Horst Franz 9,5 Monate
    Rolf Schafstall 17 Monate

  8. bernd sagt:

    Mirko Slomka, Felix Magath, Ralf Rangnick, Huub Stevens und Jens Keller muss man nicht zwangsläufig als gescheiterte Trainer betrachten. Sie hatten mit Schalke kurzfristigen Erfolg. Das ist vielleicht nicht das was wir uns für unseren Verein wünschen (Kontinuität, Spielphilosophie etc.), aber Erfolg war da. Fred Rutten und Roberto Di Matteo sind aber mächtig gescheitert.
    Mein Gefühl sagt mir, dass „jetzt aber“ und „mit dem aber“ auch ein langfristiger Erfolg eintritt.
    Schöner Text, Torsten.

  9. McP sagt:

    Die Faszination „Schalke“ macht sicher viel aus. Und selbst wenn eine Saison unrund lief, war man immerhin noch international dabei. Aber ich denke, das Geld macht im Profigeschäft mindestens genauso viel aus. Außerdem ist man bei Schalke auch als Trainer derart im Fokus, dass man selbst bei einem Scheitern, auf der Kandidatenlisten anderer Vereine bleibt. Wenn ich mal von oben die Trainerliste nehme und dann die Nachfolgevereine ergänze:

    Roberto Di Matteo -> ?
    Jens Keller -> ?
    Huub Stevens -> Saloniki, VfB Stuttgart
    Ralf Rangnick -> RB Leipzig
    Felix Magath -> Vfl Wolfsburg
    Mike Büskens -> Greuther Fürth
    Fred Rutten -> PSV Eindhoven
    Mirko Slomka -> Hannover
    Ralf Rangnick -> TSG Hoffenheim
    Jupp Heynckes -> Borussia M’Gladbach

    Als Trainer würde ich mir da schon denken: Geld stimmt, große Fußballbühne, großer Verein, wenn’s klappt ein Fußballhimmel, wenn nicht keinesfalls eine Karrieresackgasse. Also mich wundert es überhaupt nicht, dass S04 immer auch für gute Trainer interessant bleibt. So viele bessere Adressen gibt es nicht.

  10. schalkoholiker sagt:

    Der entscheidende Punkt im Profifußball ist – da sprichst Du mir aus der Seele Torsten – das konsequente Ausblenden von Misserfolgen und die Fokusierung auf die nächste Aufgabe. Bestes Beispiel sind Kicker, die trotz eines verschossenen Elfers beim nächsten mal wieder antreten. Weil sie von sich überzeugt sind. Meines Erachtens ist das auch das entscheidende Kriterium, das bei sehr guten Spielern entscheidet, ob jemand den Sprung zu den Profis schafft – oder eben nicht. Leute, die das nicht können, beginnen sich zu hinterfragen und im schlimmsten Fall an sich zu zweifeln. Und das lässt sich 1:1 auf die Trainer übertragen, denn auch da sind nur diejenigen gut unterwegs, die von sich überzeugt sind.

    Die Frage, ob ein Spieler/ Trainer nun wegen oder trotz der aktuellen Situation bei uns einsteigt, ist dann eher eine philospohische. Fakt ist aber (und da passt das Magath-Beispiel sehr gut), dass man bei uns im Gegensatz zu so manch anderem Verein im Erfolgsfall zur Legende werden kann. Und ich glaube, dass das durchaus eine Triebfeder für den ein oder anderen ist. In Bezug auf die Bezahlung bin ich davon überzeugt (da kenne ich aber keine Interna), dass andere Vereine ohne diese Aura (Wolfsburg, Hoffenheim…) zur Kompensation durchaus ein paar Euro als Schmerzensgeld und zusätzlichem Anreis drauflegen müssen.

  11. leoluca sagt:

    André Breitenreiter macht einen geradlinigen Eindruck, er sollte nur nicht annehmen, dass er damit eine stabile Lage auf Schalke herstellen könnte.

    Auf Schalke herrscht eine Unübersichtlichkeit, die in einer Zeitungsreportage mal als Mischung aus Oligarchie und Anarchie bezeichnet wurde.

    Das hat schon viele Trainer an den Rand des Wahnsinns gebracht, da sie irgendwann nicht mehr wussten, wer gerade was zu sagen hatte.

    Ich hoffe, Breitenreiter hat den Humor und die Robustheit dazu, trotzdem sein Ding zu machen.

  12. michael sagt:

    @ Oliver Mertens

    Klarer Beweis, dass das Trainerroulette fast schon Methode hat. Kann es sein, dass früher eben die Manager noch viel mehr Macht hatten und selbst die Hauptdarsteller sein wollten. Siehe Assauer oder Hoeneß. Meiner Meinung nach hat sich das teilweise verändert, vor allem bei Vereinen, die kontinuierlich was aufgebaut haben und die Spielphilosophie und der Teamgedanke mehr im Focus isr. So gesehen kann man nur hoffen, dass das Team Breitenreiter-Heldt wirklich funktioniert (wie auf der PK schon mal betont wurde).
    Würde gerne aber mal abwarten, was der nächste O-ton unseres „großen Vorsitzenden“ ausfällt. Ich denke der kann das „Zünglein an der Waage“ sein.

    Ehrlich gesagt wünsche ich mir sehnlichst Kontinuität. Weil nur dann sich langfristiger Erfolg einstellen kann und wir dann nicht mehr der Verein sind, zu dem die Spieler kommen, um mal ne schnelle Mark (EUR) zu machen.

    Deshalb müssen auch wir daran arbeiten und mithelfen, dass das gelingen kann – Geduld und Demut.

  13. blues sagt:

    @Torsten
    „Wer erahnen will worum es geht möge sich an die Ehrenrunde Felix Magaths erinnern, nach dessen erster Saison auf Schalke,..“

    Kleiner Tippfehler, es muss Ralf Rangnick heißen.

  14. Ney sagt:

    Nein, war schon richtig. Rangnick hat seine Ehrenrunde in seiner 2. Saison gedreht, am Ende der Hinrunde, als Provokation für Assauer, der seinen Vertrag nicht verlängern wollte. Die Magathsche Ehrenrunde war die nach dem abschließenden 0:2 gegen Bremen in der Vizemeistersaison. https://youtu.be/cX-uEUHqHps?t=3m32s

  15. leoluca sagt:

    Grandios. Magath war sofort nach Spielende in der Kabine verschwunden, aber die Halle kochte immer mehr hoch, so dass Felix zurück kam und die Ehrenrunde drehte. Schalke ging durch die Decke.

  16. blues sagt:

    @Ney
    die Magathsche Runde war völlig an mir vorbei gegangen. Ich hatte Anfang des folgenden Jahres beruflich auf dem Berger Feld zu tun. Quälix lies dort in der kleinen Turnhalle die Mannschaft „turnen“. Mir wurde erzählt, wie Magath die Mannschaft spaltete, wir er die die Jungen gegen die Alten ausspielte. Für mich war das unfassbar. Ich baute nach und nach Abstand auf und wartete nur noch auf seine Ablösung, dabei ging bei mir dann vermutlich einiges verloren…

  17. rjonathan sagt:

    Sorry, dass ich hier so schlecht gelaunt dazwischenfunken muss. Mir persönlich missfällt das ganze Gerede um „Konstanz“. Was ist das denn überhaupt? Wenn man einen Trainer über mehr als zwei oder drei Jahre nicht wechselt? Die meisten Rauswürfe haben die hier beteiligten doch mitgetragen. Nur wegen „Konstanz“ an einem disfunktionalen Trainer festzuhalten ist doch Quatsch. Wenn man „Konstanz“ schreibt, sollte man vielleicht besser „erfolgreich“ schreiben. Einen Coach der mit Hurra-Fußball die Meisterschaft und die Champions League gewinnt, wird so schnell keiner aus dem Amt jagen.

    Natürlich kann man fragen, wieso all die Trainer nicht funktionieren. Und die Schuld mal bei Heldt suchen. Aber da geht es dann ja immer noch nicht um „Konstanz“. Sondern um die Arbeitsbedingungen, die dein Chef dir ermöglicht.

    Und @Oliver Mertens
    Das muss man schon in Relation betrachten. Hier die Liste wie viele Trainer-Amtszeiten es bei welchem Verein seit 1.1.2000 bis heute gab:

    Stuttgart 13 0 13 (Cheftrainer Interimstrainer Summe)
    Hamburg 13 7 20
    Schalke 12 7 19
    Wolfsburg 12 1 13
    Leverkusen 11 5 16
    Gladbach 10 4 14
    Dortmund 8 1 9
    München 7 2 9
    Frankfurt 7 5 12
    Bremen 3 1 4

    Schalke ist mit 19 Trainern in Summe zusammen mit HSV einsame Spitze. Das liegt aber vor allem an 7 Interims-Trainerphasen. Ansonsten bewegt man sich in einem Rahmen wie Wolfsburg und Leverkusen auch. Besonders interessant finde ich den Fall Stuttgart. Ich hätte nicht gedacht, dass sie soo viele Trainerwechsel hatten. Dass sie keinen Interimstrainer hatten spricht meiner Meinung nach dafür, dass sie die Wechsel immer sehr geräuschlos hinbekommen. HSV und S04 gelten dagegen als Tollhaus. Was man an sieben Interimslösungen erkennen kann.

    PS: Klassifizierungen als Interimstrainer bei anderen Vereinen habe ich aus gefährlichem Halbwissen heraus gemacht, wenn ein Trainer kurz beschäftigt war. Das im Einzelnen zu recherchieren, hätte zu viel Zeit geraubt.

  18. crisscross04 sagt:

    @rjonathan:
    Danke für die Statistik, aber Du sagst es selbst: Die Wahrheit ist eher eine gefühlte.
    Und zwar denken (fast) alle Fußballfans, dass auf Schalke und beim HSV die Trainer besonders schnell entlassen werden. Die Wahrheit ist, dass es bei den anderen Vereinen auch nicht viel anders aussieht – vor allem, wenn man die Interimstrainer abzieht. Aber gefühlt ist es halt bei Leverkusen, Wolfsburg & Gladbach immer etwas ruhiger. Liegt sicherlich auch an der aktuellen Situation der genannten Vereine und dass bei den anderen der Himmel immer etwas blauer ist.

    Wenn ich mir Stuttgart anschaue, was da allein in diesem Jahr abgegangen ist. Aber der „biedere“ VfB lockt halt keine Maus hinterm Ofen hervor. Daher wird darüber auch nicht so viel berichtet.
    Bei den Bayern, unseren Nachbarn, dem HSV und natürlich auch bei uns sieht das schon ganz anders aus. Da hat jeder etwas „mitzuschwätzen“ und auch immer eine Meinung parat.

    Sind wir doch froh, dass es so ist. Denn wer will schon ne schwäbische graue Maus sein. Auch wenn es manchmal sehr schwer zu ertragen ist! Aber auch deshalb sind wir Fans dieses Vereins. ;-)

  19. Werner04 sagt:

    @rjonathan: Danke für die Aufstellung. Gerade im Vergleich zu anderen Vereinen, die zum Teil auch gerne als äußerst seriös dargestellt werden, kann man doch einiges lernen. Es gab auf Schalke seit 2000 einige Trainer, die von Anfang an nur als Interimslösung gedacht waren, z.B. Eddy Achterberg, die aber trotzdem in jeder Übersicht z.B. der Rheinischen Post auftauchen. Ich persönlich finde das unseriös und als Stimmungsmache.

    Das Thema Konstanz treibt mich eigtl. schon länger um. Rückblickend betrachtet, wäre etwas mehr Konstanz bei Jens Keller besser gewesen als es jetzt war. Konstanz ist keine Tugend, die für sich allein gestellt immer gut ist. (So kann man ja auch konstant blöd sein.) Wichtig ist aber eine „konstante Linie“ zu haben und daher auch „berechenbar“ zu sein.

    Was ich beobachte ist, dass der Wunsch der meisten Schalker dahin geht, die Konstanz nicht mehr am tabellarischen Erfolg festzumachen, sondern an der Vereinskultur. Insofern hat die Ära Magath diesen Paradigmenwechsel heraufbeschworen, da damals alle Anstrengungen auf den Gewinn der DM innerhalb von 4 Jahren ausgerichtet war, inkl. des monströsen Spielerkarussells. Der Wechsel zu einer neuen „Unternehmenskultur“ hin hat uns die letzten Jahre begleitet und m.E. auch zu der in dieser Saison voll ausgebrochenen Entfremdung beigetragen. Ich denke, viele Fans waren da schon weiter, als die sportliche Leitung (es von ihnen gedacht hat).

    Konstanz benötigt aber auch Geduld und die Bereitschaft aller Beteiligten einschl. der Fans, sich selber nicht ganz so wichtig zu nehmen. Und vor allem, die persönliche Meinung nicht als das Non-Plus-Ultra anzusehen und die eigen Ideen als alleinig heilsbringend.

  20. eakus1904 sagt:

    rjonathan sagt:

    18. Juni 2015, 09:04 Uhr #

    Wenn man “Konstanz” schreibt, sollte man vielleicht besser “erfolgreich” schreiben. Einen Coach der mit Hurra-Fußball die Meisterschaft und die Champions League gewinnt, wird so schnell keiner aus dem Amt jagen.

    Nun ja, selbst Bayern München hatte in der Zeitspanne seit 2000 sieben hauptamtliche und zwei Interimstrainer. Und das trotz was weiß ich wie vielen Titeln. In Relation gesehen stehen wir damit sogar noch relativ gut da. Wobei mir natürlich klar ist, dass im Süden eine andere Erwartungshaltung herrscht als bei uns.

  21. SpeedGlas sagt:

    Eine Dikussion um den Trainer auf Schlake wird es immer geben. Er steht doch genauso im Mittelpunkt wie viele Spieler, unabhängig davon ob es gerade eine erfolgreiche Zeit ist oder nicht.
    Aber bei all den Trainern, die Schalke in den letzten Jahren so hatte kam es mir immer so vor, als würde der Gradmesser an Erfolg die Meisterschaft sein.
    Seit 2001 schwebt diese doch über den Köpfen der Trainer wie das sprichwörtlich bekannte Damoklesschwert.
    Die Schale scheint der goldene Gral für Schalke zu sein. Ich habe das Gefühl, dass Schalke auch einen Trainer haben könnte, der es schafft die Champions League mit S04 zu gewinnen, aber den Henkelpott lieber gegen die Schale tauschen würde.

    Man wird sehen, was Breitenreiter in der Lage sein wird zu leisten. Ich denke aber, dass es falsch ist immer in die Vergangenheit zu schauen und zu aufzuzählen, wie lange ein Trainer im Amt war. Das Fußballgeschäft wird immer schnelllebiger und kommerzieller. Wenn man hört, dass Ablösesummen von 100.000.000 € gezahlt werden, wenn man sieht, bei wie vielen Vereinen Spieler durchschnittlich Spielen.
    Dann finde ich muss man auch einsehen, dass nicht viel Konstanz im Fußball gibt, außer, dass die Meisterschaft in der Regel an die Bayern geht, weil dieses konstant neue Spieler kaufen und die wohl größte Konstante – der BxB ist schei..e.

    Blau Weiße Grüße von der ACHEMA.

  22. Oli4 sagt:

    Isaac Newton ist vor allem bekannt geworden durch die berühmte Schalker T-Formel (das „T“ steht für „Coach“): „Entweder ich schaffe Schalke – oder Schalke schafft mich“..

  23. McP sagt:

    Schalke ging regelmäßig mit dem zweithöchsten Spieleretat in die Saison. Welche Erwartungshaltung soll man da denn sonst entwickeln? Da muss ich sogar Heldt beipflichten, der mal sinngemäß sagte: Wenn Bayern stolpert, müssen wir zur Stelle sein. Für die kommende Saison wurde das natürlich einkassiert. Ist ja auch gut so, nach dieser Saison.

    Gäbe Schalke 40 Mio weniger pro Jahr für ihre Spieler aus und proklamiert jung & attraktiv & Schuldenabbau, wäre auch die Erwartung eine andere. Aber Heldt und Tönnies mochten eben teuer & altbacken irgendwie lieber bzw. war das dann der Kompromissbrei der gemeinsamen Entscheidungen.

  24. michael sagt:

    Wir sprechen ja auch von Kontinuität und nicht von Konstanz. feiner Unterschied: Kontinuität beschreibt einen stetigen Fortgang mit hoffentlich wachsendem Erfolg, da ist was im Fluss. Konstanz ist statisch und langweilt. das will niemand.
    Trotzdem muss die Frage erlaubt sein, nach Aufwand und Erfolg und das ist bei Schalke vor allem in den letzten beiden Jahren nicht mehr in der richtigen Relation – und das liegt im System begründet und ist sicher nicht allein den Trainern geschuldet.

  25. ignorant00 sagt:

    Toller Kommentar. Gute Ideen, gute Beobachtungen und gut geschrieben :-)

    War zuletzt beim Trainerwechsel zu diMatteo auf dieser Seite und wollte einfach mal schauen, wie aktuell die Stimmung ist…. und yep, ich finde sie realistischer, als damals.

    Aber solange Tönnies und Heldt bei euch das sagen haben, hat es halt auch ein Trainer schwer :-( Die Posse um Boateng und Sam ist für mich eher eine Posse Tönnies und Heldt, die beide leider an Selbstdarstellung (mit Auftritt im Doppelpass! und Döneken erzählen von der Entscheidungskette) kaum zu überbieten waren.

    Das hat Newton leider auch schon alles erklärt: die Sonne ist Tönnies um den sich dann Gestirne wie Heldt drehen…. da ist der Trainer dann nur noch ein Mond, dessen Bedeutung nicht kleiner sein könnte …. dessen Funktion ist dann nur noch an der Ebbe schuld zu sein ;-)

    Wo Schalke da vorkommt? Gar nicht…geht doch Allen in erster Linie um sich selbst, und die eigene Bedeutung!

    Das ist ja auch der Kern deines Beitrags! Schalke ist Mittel zum Zweck der eigenen Überhöhung…. die man nirgendwo so gut bekommen kann, wie auf Schalke?!

  26. ignorant00 sagt:

    @ Rjobnthan:

    Spannende Statistik, aber leider komplett wertlos…

    Wichtig wäre es doch gewesen rauszufinden, welche „konstanten“ Zeiten welche Fortschritte gebracht haben?!

    Ich kann z.B. die beiden Borussias nennen – auf Platz 6 und 7 deiner Statistik: die waren richtig gut, nachdem sie 3-4 Jahre auf einen Trainer vertraut bzw. gebaut haben.

    Die Top 3 deiner Liste ist – gemessen an Ihren Möglichkeiten – ein komplettes Desaster!

    Ich finde das deine Statistik eher bestätigt, das Konstanz ein probates Mittel wäre ….

  27. Rjonathan sagt:

    @ignorant00
    Wie ich es schon geschrieben habe: ich denke auch du verwechselt Ursache und Wirkung. Was war denn zuerst da, die Konstanz oder der Erfolg? Im Falle von Favre und Klopp wohl der Erfolg. Bin mal gespannt, wir konstant Dortmund handelt, wenn Tuchel unter den Erwartungen bleibt.

  28. ignorant00 sagt:

    @ Rjonathan

    Nope, beide Verreine haben Durststrecken mit Ihren Trainer druchlebt und haben Konstanz auch ohne aktuellen Erfolg gewagt:

    Favre hatte ein schwächeres Jahr und eine Serie siegloser Spiele, in denen der Ruf nach einem Wechsel laut wurde… stattdessen hat Gladbach genau in dem Moment mit dem Trainer verlängert.

    Dormtund hat unter Klopp ja auch nicht sofort Erfolg gehabt, sondern hat in seinem ersten Jahr das internationale Geschäft verpasst, ist in der ersten Runde Uefa Cup rausgeflogen und ist im Achtelfinale DFB Pokal ausgeschieden…damit wäre man auf Schalke wohl schon weg vom Fenster gewesen.

    Zu Dortmund und Tuchel bin ich auch mal sehr gespannt: Ich denke ihm wird nicht soviel Zeit eingeräumt und die Nachfolge von Klopp ist (trotz der schwachen letzten Saison) eine ganz schwere.

  29. Werner04 sagt:

    @ignorant00

    Beide Borussias waren aber auch so richtig am Boden als die genannten Trainer kamen.
    Insofern war es im Vergleich zu Vorher immer ein Erfolg. Da Schalke in den letzten Jahren nie so schlecht war, gab es mit jedem Trainer auch immer mehr zu verlieren (in Form von Tabellenplatz) als zu gewinnen.

  30. Carlito sagt:

    Isaac Newton. Schwerkraft. Ach deswegen stolpern und fallen wir immer wieder. ;)

    Das Phänomen Schalke physikalisch erklärt. Klasse! :)

  31. rjonathan sagt:

    @ignorant00

    BVB-Platzierungen in der BL (chronologisch):
    vor Klopp: 7 / 7 / 9 / 13
    mit Klopp: 6 / 5 / 1 / 1 / 2 / 2 / 7 (Rücktritt)

    Das gleiche für Favre:
    vor: 10 / 18 / 1 (2.Liga) / 15 / 12
    mit: 16 / 4 / 8 / 6 / 3
    (Den sechzehnten Platz in der ersten Saison holte Favre nachdem er die Mannschaft als 18. mit sieben Punkten Rückstand am 24. Spieltag übernommen hatte)

    Ich sehe da keine Belege für deine These, dass die beiden nicht auf Anhieb Erfolg hatten. Beim BVB zeigte ist der Klopp-Effekt zwar mit Verzögerung eingetreten, aber im Vergleich zu den beiden Saisons davor war es ein Fortschritt. Zumal man endlich mal wieder vor Schalke landete… ;-)

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