Eine Frage der Liebe

16.09.2015: Eine Frage der Liebe - Nationalmannschaft

Als Fan fiebert man mit. Erfolge der Mannschaft sind auch die eigenen Erfolge. Man meckert schon mal … oder oft … oder ständig, aber auch das sind letztlich Emotionen. Das Geschehen ist einem eben nicht egal. Vor allem sind einem Niederlagen auch nicht egal! Ist Fansein sowas wie Liebe? Die Definition eines Gefühls ist schwierig. Aber beim Versuch des Nachfühlen des Gefühls komme ich immer wieder auf das, was sich mir wie ein Grundsatz darstellt: Wenn mich ein Verlust, eine Niederlage, ein nicht mehr dabei sein nicht berührt, dann war es auch nicht wichtig.

Ich bin ein großer Fan Christoph Härringers Spottschau-Zeichnungen. Die Mimik seiner Figuren hat eine Aussagekraft die an Albert Uderzos Römer erinnert. Außerdem bin ich ein Fan Trainer Baades. Im Blog des Trainers gibt es aktuell einen Buch Härringers zu gewinnen. In dem Buch geht es um die Nationalmannschaft. Sinnigerweise gilt es auch für den Gewinn, eine Aufgabe zur Nationalmannschaft zu erfüllen. Es gilt aufzuschreiben, welches Pflichtspiel der deutschen Nationalmannschaft das schlechteste war, das man je gesehen hätte. Und da beginnt mein Problem. Denn – frei nach Rudi Völler – ich denke ich habe die Nationalmannschaft nie geliebt.

Mir fällt es unglaublich schwer, mich an ärgerliche Schlechtleistungen der Nationalmannschaft zu erinnern. Ich habe sicherlich viele davon mitbekommen; ich bin Jahrgang ’72, seit Jupp Derwall war ich dabei. Bis Jürgen Klinsmann hat ganz Deutschland stets über die Nationalmannschaft gemeckert da sollte es doch … tut es aber nicht.

Bezüglich der Nationalmannschaft bin ich Eventfan. Ich mag die großen Turniere sehr. Ich weiß zweifellos auch dabei den Fußball zu schätzen, aber besonders wird der Nationalmannschaft-Turnierfußball durch die besonderen Umstände. Dass „alle“ das sehen wollen. Dass „alle“ für die gleichen sind. Dass man die Spiele „überall“ sehen kann. Also verketten sich in meinem Kopf tolle Fußballszenen mit Lebenserinnerungen, Matthäus‘ Tor gegen Jugoslawien und Lumumba auf Mallorca gehören für mich untrennbar zusammen. Aber langweiliges Schlechtes habe ich mir irgendwie nie gemerkt.

Während ich die für mich bittersten Kicks des FC Schalke, auch gerne nach Trainern und Wettbewerb getrennt, benennen könnte, wäre es geheuchelt, wenn ich bezüglich der Nationalmannschaft ein Spiel wie das WM-Aus gegen Bulgarien in den USA nennen würde. Ich erinnere mich an meine Enttäuschung ob des Ausscheidens, und daran dass ich Letchkov doof fand, an das Spiel als solches aber gar nicht mehr. Vollkommen fertig macht mich der Gedanke, Trainer Baade könnte sich von den Antwortenden als schlechtestes „Pflichtspiel“ kein Turnier- sondern ein Qualifikationsspiel wünschen. Davon habe ich mir eine Vielzahl gar nicht angesehen …

Und so bleibt mir nur die Nichtteilnahme am Gewinnspiel – und aber nochmal der Hinweis darauf. Denn wer von Euch weniger lieblos auch die schlechten Darbietungen der deutschen Nationalmannschaft verfolgt hat sollte unbedingt versuchen zu gewinnen. Hier.



Illustration: Christoph Härringer



6 Kommentare zu “Eine Frage der Liebe”

  1. Voice sagt:

    Oh, da fällt mir spontan das 0-3 gegen Portugals B-Elf bei der EM 2000 in Holland/Belgien ein. Was für ein Grottenkick. Auch das Aus bei der WM 98 gegen Kroatien war, wie die gesamte deutsche Darbietung bei diesem ansonsten großartigem Turnier, einfach grauenhaft.

    Ansonsten geht es mir da wie Dir, die Nationalmannschaft ist mir bedeutend weniger wichtig als Schalke. Das Mitfiebern findet auf enorm gebremsten Niveau statt. Toll finde ich die großen Turniere, da versuche ich so viele Spiele wie möglich zu sehen. Auch von allen anderen Mannschaften. „Unsere“ Nationalelf scheidet früh aus? Scheißegal, gucke ich mir den Rest an. Die Turniere 98 und 2000 waren phantastisch. Vielleicht auch, weil Deutschland früh schieterte? 2006 war natürlich auch toll, da habe ich drei Spiele live im Stadion gesehen (keins mit Deutschland), eine super Atmosphäre an und in den Stadien. Und das letztjährige Halbfinale wird auf ewig eine fußballerische Legende bleiben. Was ich nicht mag sind die ganzen „Alle-zwei-Jahre-Fußball-Fans“ und Public Viewing, furchtbar, die meisten Leuten da sind schlimmer als der Typ, der in der Arena immer hinter mir sitzt und mich mit seinen dämlichen und unqualifizierten Kommentaren nervt. Den kennt ihr sicherlich auch…

  2. Pedda sagt:

    …Wenn Du beim Preisausschreiben vielleicht doch gerne mitmachen möchtest, dann trag in das Preisausschreiben ein:

    WM 1982 in Spanien: Deutschland – Österreich in Gijon.

    Da krieg ich nach mehr als 30 Jahren noch Sodbrennen.

  3. jsev sagt:

    Jedes Testspiel von Schalke ist wichtiger als ein Länderspiel! Diese Ignoranz gönne ich mir ;-)!
    Das Aus gegen Bulgarien fiel auf den Tag unserer Hochzeitsfeier mit unseren Freunden – zehn Minuten nach dem Ende war die Stimmung bestens und die Tanzfläche voll – geht also nicht nur mir so in meinem Freundeskreis ;-)!

  4. Manfred sagt:

    @ Pedda: wenn du mitmachen und ne Gewinnchance haben willst dann lies vorher mal, welches Spiel der Trainer rein zufällig ausgeschlossen hat.

  5. Pedda sagt:

    @ Manfred:

    …hatte ich vorher nicht nachgeschaut. Hat wohl seinen Grund, daß er dieses Spiel nicht gelten läßt. Das gäbe wohl ne Wahlquote – da träumt der Ostblock von. :-)

  6. Manfred sagt:

    Sooo viele werden das gar nicht gesehen haben. Ich zB nicht, also konnte ich ea auch nicht auswählen.

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