Artikel im Oktober 2015

Selbst schuld

Schalke verliert das Pokalspiel gegen Borussia Mönchengladbach mit 2:0 und verpasst den Einzug ins Achtelfinale. Dabei war man zwar die bessere Mannschaft, hat sich aber mit Unzulänglichkeiten um den Lohn gebracht.

Schalkes Torhüter Michael GspurningDiesmal war kein Schiedsrichter schuld, der Gegner war nicht böse und man braucht sich auch in keine anderen Verschwörungstheorien flüchten.

Egal wie viele Chancen man sich auch herausspielt: Wenn man nicht in der Lage ist, diese auch zu nutzen, ist man selbst schuld.

Wenn die ganze Mannschaft ständig ausrutscht, hat man selbst das falsche Schuhwerk gewählt. Wenn das gleiche nach der Halbzeitpause weiterhin geschieht kann man das auch als unprofessionell erachten.

Wenn sich der Torwart in den Lauf des Angreifers wirft, obwohl der mit Ball in Richtung Torauslinie unterwegs ist, wenn er damit eine Situation schafft, in der nach dem Falles des Angreifers in der Bundesliga stets auf Strafstoß entschieden wird, dann darf man sich nicht wundern, wenn es einmal mehr genauso kommt.

Wenn man nach einem 0:2 Rückstand schwere Beine hat, weil die Mannschaft durch Ausfälle geschwächt und der Kader zu klein ist, dann hat auch das nichts mit Schicksal zu tun.

Schalke ist raus – selbstverschuldet – und erfüllt damit die im letzten Konzernlagebericht dargestellte Prognose vollends:

Im DFB-Pokal wird vorsichtshalber ein Ausscheiden in der zweiten Runde angenommen.

Immerhin.



Foto: Tomek Bo

Glückauf Pils – Der Schalke Podcast: Folge 5

Am Sonntag letzter Woche hatte Horst Heldt seinen großen Live-Auftritt im TV. Nach den Zeitungsgeschichten um Schalkes Managerposten sei er selbst ans Denken gekommen und hätte für sich eine Entscheidung getroffen. Er kündigte an, innerhalb der folgenden Woche mit dem Aufsichtsrat zu sprechen und das Weitere zu kommunizieren.

Einmal mehr konnte man sich auf Horst Heldts Wort nicht verlassen, und Schalke erfährt weiterhin den öffentlichen Druck zur „skurrilen Managersituation“, die der Manger mit seinem Vorpreschen schuf. Auch der neue kleine Podcast zum großen FC Schalke litt unter der ausgebliebenen Entscheidung, hatte er doch seinen nächsten Aufnahmetermin extra ans Ende der besagten Wochen gelegt. Letztlich blieb nur, den Status Quo zu besprechen; und das Spiel gegen Gladbach; und Bier zu trinken. Das nun nachzuhören: Folge 5

Zum Abonnieren ist „Glückauf Pils“ mittlerweile in den Katalogen der verschiedenen Podcatcher zu finden. Die Webseite mit den entsprechenden Feeds gibt’s da: glückauf-pils.de. Dort könnt ihr auch ein Feedback hinterlassen; oder hier, oder bei Twitter unter dem Hashtag #glckfpls, wie’s beliebt.

Stevens wieder da, Geis erstmal weg, Museum fies finanziert

Wenn die TSG Hoffenheim den Trainer austauscht ist mir das grundsätzlich ziemlich egal. Diesmal engagiert die TSG aber Schalkes zweifachen Ex- und Jahrhunderttrainer, der zudem Schalkes und auch seinen eigenen ehemaligen Co-Trainer beerbt. Das macht es schon besonders. Besonders auch deshalb, weil der Freistellung Stevens‘ auf Schalke im Dezember 2012 nachhallte, dass es zwischen ihm und Markus Gisdol arge Probleme gegeben haben soll, dass die Mannschaft zwischen diesen beiden Trainern gespalten gewesen sei, und dass eben deshalb auch Gisdol nicht als Nachfolger infrage kam, dass es deshalb einen ganz neuen Mann brauchte. Jens Keller eben.

Huub Stevens wird die TSG retten, natürlich. Ein spannenderer Club wird die TSG durch ihn aber nicht werden. Und Stevens‘ Beraterfunktion auf Schalke, der JHV-Coup des Clemens Tönnies, liegt damit auch ab sofort auf Eis. Aber das hatte Huub Stevens ja bereits zeitig angekündigt.
 

Johannes Geis wurde nach seinem Foul an André Hahn vom DFB für 5 Spiele gesperrt, wettbewerbsübergreifend. Da ich am Abend zuvor von den Erben Collinas erfuhr, dass eine wettbewerbsübergreifende Sperre nur in extrem schwerwiegenden Fällen ausgesprochen würde, und da ich das Foul weiterhin für sehr übel aber unabsichtlich erachte, fühlte sich das Strafmaß für mich zunächst ungerecht an. Nach einem ersten sacken lassen halte ich es für weise.
Ich zweifle nicht daran, dass André Breitenreiter die Wahrheit sagte als er beschrieb, dass Johannes Geis nach dem Spiel selbst „völlig fertig“ in der Kabine gesessen habe. Sowas beschäftigt einen Spieler. Es wäre nicht gut gewesen, wenn Geis nur 3 Tage später gegen den gleichen Club aufgelaufen wäre, und ich hätte André Breitenreiter auch zugetraut von sich aus auf Geis zu verzichten, um den Spieler zu schützen.

Ich halte 5 Spiele Sperre für ein dem Foul angemessenes Strafmaß. Ich finde gut, dass die Sperre sofort beginnt und dass sie Johannes Geis die nötige Auszeit aufdrückt. Dass durch den wettbewerbsübergreifenden Status die Partie gegen Gladbach gleich ein Spiel vom Konto nimmt, ist so gesehen ein eher positiver Umstand.
 

Am vergangenen Freitag wurde in Dortmund das „Deutsche Fußballmuseum“ eröffnet. Obwohl darin die Sponsoren des DFB omnipräsent sind, muss der Besucher 17 Euro berappen. Obwohl der DFB als reichster Einzelsportverband der Welt erachtet wird, belastete der Bau des Museums die Steuerzahler erheblich. Für das ZDF Magazin WISO beleuchteten Thomas Münten diese Umstände. Sehr sehenswerte 9 Minuten, die für 7 Tage in der ZDF Mediathek nachzuschauen sind.
 

Verpfiffen in Gladbach

Schalke verliert 3:1 bei Borussia Mönchengladbach. Eine insgesamt verdiente Niederlage, die trotzdem mies daher kommt, weil zwei von drei Gladbacher Toren von Schiedsrichter Wolfgang Stark ermöglicht wurden. Und dann war da natürlich noch Johannes Geis‘ Foul an André Hahn, welches das Spiel in der Nachbetrachtung überschattete.

Gladbach war in der gesamten ersten Hälfte und wieder ab der 70. Minute das bessere Team. Gerade im ersten Durchgang fand Schalke keinen Zugriff und stand den Angriffen Gladbachs zu offen gegenüber. Das Unentschieden zur Halbzeit war mehr als glücklich. Doch gleich nach der Pause hatte Schalke eine starke Phase. Von der 50. bis zur 70. Minute waren die Blauen das bessere Team und Gladbach konnte sich bei seinem Torhüter bedanken, dass es nicht in Rückstand geriet.

Diese starke Phase des FC Schalke 04 wurde von Gladbachs zweitem Führungstreffer jäh beendet. Ein Tor nach einem Freistoß, für den sich Ibrahima Traoré vor Joel Matips Füße warf – und Wolfgang Stark fiel drauf rein. Es war das zweite Tor, welches vom Schiedsrichter vorbereitete wurde.
Als Julian Korb in der 31. Minute in den Strafraum lief, den Ball abspielte, dann den Kontakt zu Dennis Aogo suchte und sich fallen ließ, hielt das Stadion für etwas länger als eine Sekunde inne: In Gladbachs Kurve gab es Schreie, wie es eben üblich ist, aber insgesamt war es relativ ruhig. Als Wolfgang Stark pfiff und auf den Elfmeterpunkt zeigte brandete Gelächter auf, das in Jubel überging. Gladbachs Publikum konnte sein Glück kaum fassen.

Schalke verlor das Spiel und für die nächsten Spiele auch Johannes Geis, weil dieser mit einem üblen Foul dafür sorgte, dass André Hahn nun mit Schienbeinbruch und Meniskusriss im Krankenhaus liegt.
Eine klarere Rote Karte kann es kaum geben. Ich bin trotzdem geneigt, Johannes Geis vom Vorwurf der Absicht freizusprechen. Die Szene war eigentlich überhaupt kein Zweikampf. Der Ball kam von oben und es sah aus als würde er hoch abspringen. Ich denke beide Spieler versuchten, den springenden Ball zu antizipieren. Geis hat sich dabei auf fatale Weise verschätzt. Eine furchtbare Szene, wie sie ihm auch nur annähernd das erste Mal passiert ist. In seinen bisherigen 84 Erstligaeinsätzen sah Johannes Geis noch nie Rot und kassierte lediglich 13 Gelbe Karten.

Ich hoffe wir sehen am kommenden Mittwoch im Pokalspiel gegen den gleichen Gegner eine aktivere und präsentere Schalker Mannschaft. Es gibt viel zu verbessern, keine Frage. Trotzdem: Ohne die beiden Schiedsrichterfehler wäre ein Punktgewinn möglich gewesen und Schalke hätte dennoch über sein Spiel nachdenken können. Sehr ärgerlich.

Versöhnliches Ende nach mauer Leistung

Leroy Sané: Torschütze zum 2:2 Ausgleich2:2 endet das Europa League Heimspiel des FC Schalke 04 gegen Sparta Prag. Eine eher schwache Partie der Blauen, die ihren Gegner zum Mitmachen einluden, nach Fehlern zurücklagen aber eben trotzdem zurückkamen. Ein Ergebnis mit dem man leben kann.

Vieles lief nicht gut in diesem Spiel. Nach gutem Start und früher Führung verlor Schalke seine Linie. Das neu zusammengestellte Mittelfeld mit Kaan Ayhan und Pierre-Emile Höjbjerg hatte arge Abstimmungsprobleme und ließ in der Rückwärtsbewegung häufig viel Raum vor Schalkes Abwehrkette ungedeckt. Raum, den Prag ab der Hälfte der ersten Halbzeit zu nutzen begann und Schalke fortan unter Druck setzte.

Nach der Pause kam auch noch ein Offensivpressing Spartas dazu. Nun war Prag die eindeutig bessere Mannschaft. Zwar hatte Sparta zwei Querschläger in der Schalker Abwehr nötig, um Tore zu erzielen und das Spiel zu drehen. Trotzdem dachte ich nach dem zweiten Treffer, dass das Ding gelaufen sei – Schalke hatte einfach keinen guten Tag.

Aber die Blauen kamen eben doch wieder zurück. Durch die Klasse eines einzelnen – Leroy Sané, einmal mehr – aber auch weil man eben bis zum Schluss alles versuchte. Und das ist es, was mich letztlich mit dem Spiel versöhnte. Solange ich das Gefühl habe, dass die Mannschaft nicht kapituliert, dass sie gewinnen will, kann ich auch ganz gut damit leben, wenn die Dinge mal nicht allesamt wie gewünscht zusammenlaufen.



Foto: Tomek Bo

Gerader Weg mit Hindernissen

Ein kurzfristiger Weggang Heidels komme nicht in Frage, sei für Mainz nicht zu stemmen. Man müsse sehen, wie sich die nächsten Monate entwickeln. So lautete die Aussage von Mainz-Präsident Harald Strutz nach, einer Vorstandssitzung gestern Abend. Aussagen, die lediglich das wiederholen, was man auch zuvor schon aus Mainz hörte. Kein „Heidel darf nicht wechseln“ sondern ein „Heidel kann jetzt noch nicht wechseln“. Heidel selbst sagte stets, er würde seinen Club nur verlassen, wenn die Nachfolge geregelt sei. Das steht eben noch aus.

Eigentlich sollte der Fahrplan nun klar sein: Schalke 04 macht reinen Tisch mit Horst Heldt, spricht sich intern klar für Christian Heidel aus und einigt sich mit ihm auf einen unterschriftsreifen Vertrag. Christian Heidel und der Vorstand des FSV Mainz 05 suchen und finden eine Lösung für die Nachfolge des Managers und Christian Heidel bereitet die Übergabe vor. Mainz 05 und Schalke 04 einigen sich auf eine Ablösesumme für den Manager, dessen Vertag eigentlich noch bis 2017 Gültigkeit besitzt.

Ein Ablauf wie auf Schienen, wäre da nicht der Druck der Öffentlichkeit, die dieses Thema bis zum Abschluss regelmäßig wiederkäuen wird – bei jedem Interview mit einem Spieler dessen Vertag noch verlängert werden soll, bei jeder Frage zu Verstärkungen im Winter, bei jedem Punktverlust eines der beiden Clubs sowieso. Und wäre da nicht stets Hickhack im Club Schalke 04 selbst, der gewohnt dilettantisch eben nicht intern, sondern über die Medien ausgetragen wird.

Wäre es nicht so peinlich, man müsste fast lachen, wenn Mitglieder des Aufsichtsrates bemängeln, sie würden von Vorgängen nur aus den Medien erfahren, diese Beschwerde aber nicht im Aufsichtsrat, sondern bei Journalist Manfred Hendriock zum Ausdruck bringen. Ein Verhalten zum Schaden des Vereins, der einen einmal mehr zweifeln lässt, ob da die richtigen Leute in Schalkes Aufsichtsrat gewählt worden sind.

Der Weg Christian Heidels zu Schalke ist unwegsam.

Schalke liefert wieder

Auf dem Platz schlägt Schalke die Hertha aus Berlin mit 2:1 und macht dabei seine Fans glücklich. Abseits des Platzes sorgten Indiskretionen mal wieder dafür, dass eine wichtige Personalentscheidung von der Öffentlichkeit durchgekaut wird.

Die Schalker lassen sich abfeiern als wären sie Weltmeister geworden, obwohl sie 75 Minuten in Überzahl spielen und am Ende nur durch einen Konter im eigenen Stadion glücklich gewinnen.

… sagte Alexander Baumjohann nach dem Spiel. Enttäuscht, direkt nach Abpfiff, nichts was man ihm übel nehmen sollte. Tatsächlich weist er damit aber den Unterschied der aktuellen Schalker Phase zu vielen früheren hin, eben auch zu denen mit Alex Baumjohann in Blau: Das Stadion donnert wieder, man „feiert ab“, es macht wieder Spaß.

Diese Schalker Mannschaft stellt sich nach einer Führung nicht hinten rein und hofft auf Platz zum Kontern. Sie spielt nach vorne. Mal besser, mal schlechter, aber stetig. Natürlich hatte Schalke Glück, in diesem Spiel. Aber wieviel Glück hätte es für Hertha bedeutet, bei diesem Mehr an Torchancen für Schalke auch noch Punkte nach Berlin mitzunehmen?

Diese Schalker Mannschaft des André Breitenreiter liefert. Sie lieferte nun schon 9 Siege in 12 Pflichtspielen. Sie liefert aber vor allem das Gefühl, dass sie immer alles gibt, selbst wenn sie zwischendurch auch mal verdient verliert.

Außerdem liefert Schalke Gesprächsstoff und damit viel Tullus um Entscheidungsträger des FC Schalke 04 und des FSV Mainz 05. Vor 5 Tagen war zu lesen, dass Schalke den Vertrag mit Horst Heldt wohl nicht verlängern wolle und an Christian Heidel als Nachfolger interessiert sei. 5 Tage in der eine relativ kurze Meldung in Kombination mit ausbleibenden Dementi dazu auswuchs, dass Horst Heldt nun geneigt ist sein Gesicht zu retten, indem er einem offiziellen „nicht mehr gewollt sein“ mit einem „nicht mehr zur Verfügung stehen“ zuvorkommt.

5 Tage die auch Christian Heidel und Mainz 05 unter Druck setzten. Heidel ist seit 23 Jahren in Mainz. Er wird keinen Wechsel „durchdrücken“, das hat er klar gesagt, man kann Heidel getrost glauben. Der öffentliche Druck erschwert einen geordneten Abgang.

Schalke wird auch nach Horst Heldt einen Verantwortlichen fürs Sportliche haben, keine Frage. Die laute Öffentlichkeit macht den Club auch attraktiv. Doch gerade bei solchen Personalentscheidungen würde ich mir ein smarteres Vorgehen meines Clubs wüschen. Aber Smart ist nunmal das Gegenteil von Schalke.