Stevens wieder da, Geis erstmal weg, Museum fies finanziert

Wenn die TSG Hoffenheim den Trainer austauscht ist mir das grundsätzlich ziemlich egal. Diesmal engagiert die TSG aber Schalkes zweifachen Ex- und Jahrhunderttrainer, der zudem Schalkes und auch seinen eigenen ehemaligen Co-Trainer beerbt. Das macht es schon besonders. Besonders auch deshalb, weil der Freistellung Stevens‘ auf Schalke im Dezember 2012 nachhallte, dass es zwischen ihm und Markus Gisdol arge Probleme gegeben haben soll, dass die Mannschaft zwischen diesen beiden Trainern gespalten gewesen sei, und dass eben deshalb auch Gisdol nicht als Nachfolger infrage kam, dass es deshalb einen ganz neuen Mann brauchte. Jens Keller eben.

Huub Stevens wird die TSG retten, natürlich. Ein spannenderer Club wird die TSG durch ihn aber nicht werden. Und Stevens‘ Beraterfunktion auf Schalke, der JHV-Coup des Clemens Tönnies, liegt damit auch ab sofort auf Eis. Aber das hatte Huub Stevens ja bereits zeitig angekündigt.
 

Johannes Geis wurde nach seinem Foul an André Hahn vom DFB für 5 Spiele gesperrt, wettbewerbsübergreifend. Da ich am Abend zuvor von den Erben Collinas erfuhr, dass eine wettbewerbsübergreifende Sperre nur in extrem schwerwiegenden Fällen ausgesprochen würde, und da ich das Foul weiterhin für sehr übel aber unabsichtlich erachte, fühlte sich das Strafmaß für mich zunächst ungerecht an. Nach einem ersten sacken lassen halte ich es für weise.
Ich zweifle nicht daran, dass André Breitenreiter die Wahrheit sagte als er beschrieb, dass Johannes Geis nach dem Spiel selbst „völlig fertig“ in der Kabine gesessen habe. Sowas beschäftigt einen Spieler. Es wäre nicht gut gewesen, wenn Geis nur 3 Tage später gegen den gleichen Club aufgelaufen wäre, und ich hätte André Breitenreiter auch zugetraut von sich aus auf Geis zu verzichten, um den Spieler zu schützen.

Ich halte 5 Spiele Sperre für ein dem Foul angemessenes Strafmaß. Ich finde gut, dass die Sperre sofort beginnt und dass sie Johannes Geis die nötige Auszeit aufdrückt. Dass durch den wettbewerbsübergreifenden Status die Partie gegen Gladbach gleich ein Spiel vom Konto nimmt, ist so gesehen ein eher positiver Umstand.
 

Am vergangenen Freitag wurde in Dortmund das „Deutsche Fußballmuseum“ eröffnet. Obwohl darin die Sponsoren des DFB omnipräsent sind, muss der Besucher 17 Euro berappen. Obwohl der DFB als reichster Einzelsportverband der Welt erachtet wird, belastete der Bau des Museums die Steuerzahler erheblich. Für das ZDF Magazin WISO beleuchteten Thomas Münten diese Umstände. Sehr sehenswerte 9 Minuten, die für 7 Tage in der ZDF Mediathek nachzuschauen sind.
 



20 Kommentare zu “Stevens wieder da, Geis erstmal weg, Museum fies finanziert”

  1. Speed Glas sagt:

    Hoffenheim wird nicht wirklich sympathisch, auch wenn Stevens dort jetzt Trainer ist.

    Die Sperre für Geis ist legitim und für das Foul angemessen. Wobei ich sagen muss, dass es für mich nicht wie ein bewusstes Foul wirkte. Von den Rängen sah es so aus, als seien Hahn und Geis ineinander gerannt, weil sie nur auf den Ball gucken. Ich konnte erst hinterher im TV sehen, wie schlimm Hahn von Geis getroffen wurde. Jeder der selbst Fußball spielt, kennt solche Situationen und weiß wie schnell man sich selbst falsch einschätzt, oder die Bewegen vom Gegenspieler. Geis deswegen jetzt als Knochenbrecher zu bezeichnen und eine längere Sperren zu fordern ist dem Spieler gegenüber unfair und typische Anti-Schalke-Hetze.

    Nun fehlen mit Höger und Geis schon 2 MFs und Goretzga ist wohl auch noch nicht fit. Bleibt nicht mehr viel übrig fürs Mittelfeld. Vielleicht sind Ayhan und Kolasinac eine Lösung für das DM hinter Meyer und Sané. Hojeberg hat sich gegen MG selbst ein Armutszeugnis ausgestellt und ist bislang keine Alternative.
    In den kommenden Wochen werden Team und Trainer von schweren Aufgaben stehen. Es fehlt momentan einfach ein erfahrener Spieler im MF, der das Schalker Spiel lenkt und gestaltet.

  2. heinzkamke sagt:

    Weise. Genau das war auch mein Gedanke. Aber ich traute mich nicht, es bei Twitter zu schreiben, weil ich keine Lust auf massiven Widerspruch aus der Schalker Ecke und anschließenden Widerspruch hatte. Danke, dass Du mir Mut gegeben hast! ;)

  3. heinzkamke sagt:

    Grmpf.
    „… und anschließenden Widerspruch …“ sollte eigentlich
    „… und anschließende Diskussion … „heißen.

  4. Ney sagt:

    Kandidaten fürs defensive Mittelfeld ohne Geis: Neustädter, Højbjerg (war der wirklich so schlecht? über seine 2. Halbzeit habe ich auch anderes gelesen), Goretzka. Ayhan. Eventuell Matip? Geht noch.

    Was das Museum angeht, ist man schon erstaunt, wer da alles einerseits mitmischt (DFB, Sponsoren) und wer das alles in erster Linie bezahlt (Land NRW, Stadt Dortmund, Besucher). Hat Gelsenkrichen nicht seinerzeit das Ding knapp verpasst?

  5. Carsten sagt:

    zuerst war ich auch über die 5 Spiele erschrocken… gerade weil Geis sich da noch nie was zu schulden kommen lassen hat. Später dachte ich… ok, genug Zeit um alles zuverarbeiten – zuverkraften…. aufzuarbeiten! den Kopf wieder frei bekommen wenn das möglich ist!

    Neuausrichtung mit Neustädter und Goretzka…. Ayhan wäre auch möglich

  6. rjonathan sagt:

    Hach, Christoph Metzelder ist einfach ein Guter. Nicht nur, dass er überhaupt Stellung bezieht, auch wie er sich in den Kommentaren um Moderation und Erklärung bemüht, einfach toll. Kann der nicht vielleicht Vereins-Präsident? :-)

    https://www.facebook.com/christoph.metzelder.page/photos/a.338798946211324.77218.336998216391397/896083137149566/?type=3

  7. Johannes sagt:

    @rjonathan: Danke für den Link, wirklich lesenswert.

    Zur Museums-Geschichte fällt mir natürlich das hier ein:

    https://www.youtube.com/watch?v=UPYDh4jmHew

  8. andres sagt:

    a propos präsident: ist Christoph Metzelder denn Vereinsmitglied?

  9. andres sagt:

    weiss eigentlich jemand, was mit den 15.000 € Strafe passiert?
    die gehen doch hoffentlich nicht an den dfb

  10. Ollis sagt:

    Strafen fließen doch in der Regel in Jugendprojekte und -stiftungen, die der DFB unterstützt. 15.000€ sollten Geis aber auch nicht besonders hart treffen.

  11. Ney sagt:

    Das Geld gibt der DFB dem Moldawischen Uefa-Delegierten, zur Unterstützung von Kulturprogrammen, wenn über die Vergabe der EM 2024 entschieden wird.

  12. MarkusWiesbaden sagt:
  13. Ney sagt:

    Ja, interessanter Kommentar. Das allseitige Gebrüll, Gekeife und Gegeifere in den zugehörigen Leserkommentaren versaut aber wieder einiges.

    Es ist so deprimierend da draußen…

  14. BlueNote sagt:

    @Geis: Die Strafe passt. Zumindest Fahrlässigkeit kann konstatiert werden, an Absicht glaube ich auch nicht. Gemessen an den vielen Monaten, die Hahn fehlen wird, sind 5 Spiele Sperre mehr als Ok. Nun wird der heiße November leider ohne unseren Stamm-Sechser stattfinden. Ich hoffe, er steckt den Schock über sein Vergehen mental gut weg.

    @Stevens: Musste das sein? Ausgerechnet zu SAP zu wechseln? Och nöööööö….
    Aber vermutlich hatte er einfach nur den Schlachter satt ;-)

    @Museum: Ist mir Latte, wo das steht…Lüdenscheid hätte nicht sein müssen…wer fährt da schon gerne freiwillig hin…aber München oder Berlin wäre noch blöder gewesen für viele aus dem Westen…Zur Finanzierung: Gab’s keine schwarze Kasse aus der man Eintrittsgelder hätte subventionieren können?

  15. Detlef sagt:

    Geis Strafe: Ich war von 4 + x Spielen Strafe ausgegangen, wobei ich befürchtete das x > 1 sein würde.
    Warum gelten Strafen nicht immer wettbewerbsübergreifend, fänd ich eh besser.
    Es werden durch die Sperre noch schwerer Wochen für die Mannschaft des S04.

    Huub in Hoffendorf: Musste etwas grinsen, eben weil Gisdol sein Vorgänger ist, der Gisdol der auf Schalke der Nachfolger werden wollte.
    Alles Gute Huub.

    DFB Museum: Interessiert mich nicht und für 17 € erst recht nicht.

    @rjonathan
    Metzelder ist doch Präsident des TuS Haltern am See.

  16. leoluca sagt:

    Danke auch von mir für den 11-Freunde-Link. Metztelders vernünftiger Einwurf (s.o.) geht ja in die gleiche Richtung.

    Jermaine Jones übrigens bekam damals nach seinem Foul an Marko Reus sechs Spiele Sperre.

  17. matz sagt:

    Angenehm, dass bei Dir nicht die allgemeine Sucht vieler Schalker nach Weltverschwörungstheorien greift. Was man sonst so im Netz liest zur Höhe der Strafe, ist ja manchmal nicht feierlich. Beim Anblick der TV-Bilder habe ich sofort auf vier Spiele getippt. Das Pokalspiel ist in meinen Augen eh nicht relevant, da ich an Breitenreiters Stelle in ohnehin nicht gebracht hätte.

    Gisdol fand ich in Hoffenheim nie überzeugend. Ein Wunder, dass er so lange ausgehalten wurde.

  18. blues sagt:

    Neben der angesprochenen ungeheuren Schnelligkeit, ist Fußball mit seinen Fehlentscheidungen der Unparteiischen ein ungerechtes Kampfsportbusiness geworden und wird auch genauso inszeniert, nachgespielt und gelebt. Das führt zu heftigen emotionalen Reaktionen auf und neben dem Platz.
    Wer will schon körperlose Fußballer mit körperlosem Ballgeschiebe sehen. Auch weil die Regeln selbst solche Exzesse hergeben, sind die Praxen der Orthopäden Montags voll mit Amateurfußballern. Ändern oder abschaffen will das von den Verantwortlichen des Fußballs bisher aber niemand.

    Bös endende Kampfsituationen schaffen immer ganz viel Emotion und diese bindet die Aufmerksamkeit der Zuschauer. Emotionen und die eingefangene Aufmerksamkeit lassen sich bestens vermarkten. Denn „das Kerngeschäft (…) ist die Vermarktung von Werbung. Journalistische Inhalte sind das Vehikel, um die Aufmerksamkeit des Publikums für die werblichen Inhalte zu erreichen.“, lässt die Mutter der Bildzeitung in anderem Zusammenhang ausrichten.

    Situationen wie am Sonntag, die je einmal per Elfmeter und Freistoss zu den entscheidenden Toren für Gladbach führten, beruhten nicht auf Schalker Fouls, sondern auf guter schauspielerischer Leistung der Borussenspieler. Der Videobeweis hätte das geklärt. Aber in den Wiederholungen im TV-Fußballpranger zeigen die Vermarkter und der DFB lieber 50 mal solche Splatterfouls, wie das von Geis, statt Situationen im Spiel per Videobeweis zu klären und damit Druck aus dem Spiel zunehmen. Mit Videobeweis im laufenden Spiel, hätte es zweimal gelb für Borussenspieler wegen Schwalbe gegeben und das Spiel hätte emotional im Rahmen bleiben können und Geis hätte vermutlich eher die Nerven behalten.

  19. Speed Glas sagt:

    @blues: Sehr gute Argumentation, wobei ich das mit dem Amateurfußball doch für etwas übertrieben halte. Natürlich spielt Unvermögen eine Rolle, aber die Probleme dort ligen die woanders.

    Der Stand der Technik entwickelt sich immer weiter. Schiedsrichter haben heute Funkgeräte und Sprühdosen. Die zurückgelegte Distanz eines Spielers im Spiel und sein Aktionsraum werden aufgezeichnet. Es gibt von jeder Aktion zig Zeitlupen und Kameraeinstellungen, doch der Videobeweis wurde bis jetzt immer noch nicht eingeführt. Haben die Bälle nicht sogar einen Chip?

    Durch die Sozialen Netzwerken heutzutage polarisiert so ein Thema immer krasser. Dabei wird dann die Anonymität im Internet ausgenutzt und ordentlich vom Leder gelassen.

  20. BlueNote sagt:

    @blues & Speed Glas: Nach 13 Jahren aktiver Zeit in den Niederungen der Kreisliga (82 bis 95), kann ich das mit den vollen Praxen in etwa bestätigen.
    Ich selbst habe als junger Mensch im Eifer des Gefechts und voll mit Adrenalin und mit galaktischem Testosteron-Spiegel manchmal rot gesehen (im übertragenen Sinne) und Fouls begangen (auf Asche!), für die man eigentlich hätte weggesperrt werden müssen. Am Vortag war man natürlich noch friedensbewegt im selbstgetrickten Pullover und mit Birkenstocks voll motiviert auf der pazifistischen Abrüstungsdemo gewesen. Passt das zusammen? Ja. Tut es. Es ist das Wesen dieses Sports und z.T., da geben ich blues Recht, auch den Regeln bzw. deren Auslegung durch die Offiziellen geschuldet. Und wir hatten damals noch keinen zusätzlichen Druck durch Medien, höchsten durch die Bravo, den Playboy oder im Müll entdeckte Beate-Uhse-Kataloge zum Thema Ehehyhiene.

    Solange sich nach jedem Pfiff des Schiris ein ganzes Rudel von aufgebrachten Männern wild gestikulierend und rumbrüllend ungestraft vor ihm aufbauen darf, idealerweise unmittelbar vor der Tribüne der eigenen Fans, um ihn massiv unter Druck zu setzen, zu beschimpfen und zu drangsalieren und gleichzeitig ein schnelle Ausführung eines Freistoßes durch den gefoulten Gegner zu verhindern, wird das Verhalten vieler Spieler auf dem Platz auch nicht besser werden. Auch Schwalben und andere extrem unfaire Verhaltensweisen gehören zumindest nachträglich geächtet, solange der Videobeweis nicht eingeführt wird.

    All das würde solche Fouls nicht gänzlich verhindern können aber vielleicht dabei helfen, die Aufmerksamkeit aller Beteiligten im Stadion wieder mehr auf das Essentielle, nämlich den Sport, zu lenken.

    Aber was träume ich hier am helllichten Tag auch rum…

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