Artikel im November 2015

Glas halbvoll/halbleer-Spiel in Leverkusen

Schalke holt einen Punkt in Leverkusen, spielt 1:1. Reicht das? Ist das zu wenig? War das verdient? War es glücklich? Eins dieser Spiele, die sich jeder zurechtbiegen kann, nach denen es kein richtig und kein falsch gibt. Meines Erachtens geht das Ergebnis in Ordnung; ärgerlich war’s trotzdem.

Sascha Riether sorgte mit seinem Eigentor für Leverkusens glücklichen AusgleichKeine Frage: Leverkusen hatte eine Handvoll bester Chancen. Mehrmals flog der Ball die Schalker Torlinie entlang oder schlitterte knapp am Pfosten vorbei. Aber was soll’s: Fakt ist, dass Leverkusen nicht in der Lage war, den Knicker über Schalkes Torlinie zu bugsieren! Ärgerlich, dass Sascha Riether für Leverkusen günstig im Weg stand.

Nach den Begegnungen gegen Dortmund und München war Schalke diesmal kein Außenseiter. Dies war eine Partie auf Augenhöhe. Gerade im ersten Teil der ersten Halbzeit und gleich nach der Pause agierte Schalke sehr erwachsen, mit guter Raumaufteilung und nach Ballgewinn stets nach vorne spielend. Aber Leverkusen spielt schon seit letzter Saison unter diesem Trainer, hat sein druckvolles Spiel eingeübt und wusste es durchzusetzen, jeweils in den zweiten Hälften beider Halbzeiten.

Schalke ist daran gescheitert, die Führung über die Zeit zu bringen. Andererseits war es ein ordentlicher Auftritt und man hat einen Punkt aus dem Stadion eines Konkurrenten um die internationalen Plätze entführt. Dass es keine drei Punkte wurden war durch das Eigentor derart unglücklich, dass ich nicht zu harsch urteilen mag.

Nach der guten Punkteausbeute zu Beginn der Saison und der schlechten gegen die starken Clubs im November muss Schalke nun in die Spur finden. Schalke liegt gerade zwei Punkte hinter Platz 4, bis Weihnachten sind noch drei Ligaspiele zu spielen. Diese drei Spiele gegen Hannover, Augsburg und Hoffenheim werden dazu herhalten müssen, das Ergebnis aus Leverkusen einzuordnen. Ma’kucken.



Foto: Tomek Bo

Gruselige 2. Hälfte – aber Ralf reißt’s raus

Schalke gewinnt sein Heimspiel gegen APOEL Nikosia mit 1:0 und sichert sich damit das Weiterkommen in der Europa League. Ein Spiel das von ganz viel Pech bis ganz viel Glück reichte, und dass einen mit einem lächelnden Kopfschütteln zurückließ. Lächelnd vor allem, weil Schalke 04 in Ralf Fährmann einen großartigen Torhüter hat.

Keine Frage: Zur Halbzeit hätte Schalke 4:0 führen müssen. Das Spiel der Blauen war druckvoll und man erarbeitete sich Abschluss um Abschluss. Tatsächlich mehr „erarbeitet“ als „erspielt“ – viele Kopfbälle nach Flanken, kaum mal Raum nach Kombinationsspiel. Aber auch wenn Schalke als Favorit in die Partie ging, dies war ein Europapokal- und kein Kirmesspiel. Nikosia hielt mit seinen Mitteln das Zentrum beisammen und Schalke kam trotzdem zu ausreichend vielen und ausreichend guten Chancen. Alleine es fiel kein Tor. Mal blieb Nikosia-Torhüter Waterman Sieger, mal war‘s schlicht Pech.

Ralf Fährmann: Hielt die Null und ermöglichte so den letzlich glücklichen SiegGanz viel Glück hatte Schalke dafür in der zweiten Hälfte. Das Glück, dass doch noch ein Ball ins Tor fand, und das Glück, einen Ralf Fährmann im Tor zu haben, der zwei 100%ige Chancen Nikosias entschärfte als sei es ein Leichtes. Diese zweite Halbzeit war die schlechteste Hälfte, die es unter André Breitenreiter bislang zu sehen gab.
APOEL stand nun defensiv stabiler und Schalke fiel nichts ein. Von Minute zu Minute wurden die Blauen unsicherer, ging ihnen jede Leichtigkeit verloren. Mal ein versprungener Ball, mal ein Wegrutschen auf schlechtem Rasen, mal ein Fehlpass: Die Unzulänglichkeiten häuften sich. Und die Unzulänglichkeiten führte eben auch zu besten Chancen für den Gegner.

Bislang war die Schalke Nation zufrieden, trotz der schlechten Ergebnisse in den letzten Spielen. Man wusste zu differenzieren. Die Gegner waren stark, gegen Gladbach hatte man Pech, gegen Dortmund und München brachte Schalkes junges Team trotz der Niederlagen ordentliche Leistungen. Dieses Spiel gegen APOEL Nikosia sollte die Wende einläuten. Man wollte sich mit einer guten Leistung und einem überzeugenden Sieg Mut für den Rest der Hinrunde machen.
Das ging in die Hose. Statt nach oben zeigt die Formkurve nach diesem Spiel nach unten. Eine zweite Halbzeit die zeigt, dass es auch richtig schlecht laufen kann. Ein „bad flow“, wie man ihn von Schalker Mannschaften in der Vergangenheit immer wieder gesehen hatte, von dieser Mannschaft nun zum ersten Mal.

Aber es ist nichts passiert. Durch den Sieg blieb das Stadion letztlich ruhig, werden die Zeitungen ruhig bleiben. Schalke hat die Chance, den miesen letzten Eindruck gegen Leverkusen zu korrigieren. Ein schwieriges Spiel. Mit Spannung erwartet.



Foto: Tomek Bo

Hörma': Herr Pepo und „Schweinchen Schlau“

In der Podcastshow „Schlusskonferenz“ des Fußballpodcasts Rasenfunk sprechen wechselnde Gäste jeweils montags über den vergangenen Bundesligaspieltag. In dieser Wochen war Herr Pepo, der Babo unseres Schalke-Podcasts Glückauf Pils, einer der Gäste.

Absolut tiefenentspannt stellt er dabei die aktuelle Situation der Blauen vom Berger Feld dar, trotz der derzeit ausbleibenden Punkte. Sein Part steht gleich am Anfang der zweidreiviertel Stunden dauernden Sendung. Da mit Kai Pahl alias dogfood von allesaussersport und Klaas Reese – Macher von Fokus Fußball, Collinas Erben und Reeses Sportkultur – auch die anderen Gäste Hochkaräter sind, lohnt sich das Hören auch über den Schalke-Part hinaus.

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(2:43 Std)
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Anfang der Woche kam der FC St. Pauli mit einem bemerkenswerten Antrag zur DFL-Mitgliederversammlung am 2. Dezember um die Ecke. Clubs, welche von Ausnahmen zur 50+1 Regel profitieren, sollten in Zukunft ohne Einnahmen aus der Liga-Gesamtvermarktung auskommen müssen. Seitdem wird gekeift, gegen St. Pauli und gegen deren Geschäftsführer Andreas Rettig. Von Bild bis FAZ schreibt man gegen Rettig an und Nureinrudi Völler, von oben herab wie eh und je, nannte Rettig „Schweinchen Schlau“, was er wohl nie mehr loswerden wird.

In der Sendung „Sport Aktuell“ des Deutschlandfunks bespricht Daniel Theweleit den Antrag unaufgeregt (ab 01:52). Auch der Rest der zehnminütigen Sendung ist hörenswert. Christian Fuchs kommt auch drin vor.

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(10:04 Min)
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Besagter Andreas Rettig war just vor gut 2 Wochen in die WDR 5-Sendung „Neugier genügt – Redezeit“ zu Gast. In dem knapp 25 minütigen Interview wird sein Werdegang und sein jetziges Tun dargestellt. Beim Hören kann man durchaus warm werden mit diesem Mann, der einem zwar schon eine kleine Ewigkeit ein Begriff ist, der aber nie zu den ganz lauten gehörte und zu dem man -, zudem ich mir nie so recht eine Meinung gebildet hatte.

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(24:51 Min)
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Schalkewichteln 2015: Jetzt noch flott anmelden

Geschenke bekommen ist schön. Schalkegeschenke bekommen ist noch schöner. Und als Schalker einem anderen Schalker ein Schalkegeschenk zu schenken, ist auch eine befriedigende Angelegenheit.

Am Sonntag endet die Anmeldephase, danach werden die Wichtel zugelost. Wie das alles genau funktioniert ist im Beitrag Schalkewichteln 2015 nachzulesen.

Das Anmelden geht ganz flott per Mail: Hier.

Standard-Bayern-Bundesligasieg

Schalke verliert sein Heimspiel gegen den FC Bayern mit 1:3. Eine ordentliche Leistung der Blauen, aber eine ordentliche Leistung reicht gegen Bayern eben nicht. Schalke klopft sich auf die Schulter, München putzt sich den Mund ab.

Schalkes Ausrichtung war schnell zu erkennen. Eine 5er-Kette sollte den Bayern in der gefährlichen Zone den Raum zum Spielen nehmen und gleichzeitig die gefährlichen Flügel der Münchener in Schach halten. Nach Ballgewinnen sollte schnell umgeschaltet und über Meyer, Goretzka und Sané gekontert werden.

Das Verengen der Räume klappte gut. Allerdings formierte sich der Schalker Riegel in der ersten Hälfte häufig zu tief. Immer wieder entstanden Situationen, wo man auf den letzten Fuß hoffen musste, den ein Schalker irgendwie dazwischen brachte. Und immer wieder landeten die aus der Gefahrenzone herausgekickten Bälle umgehend beim Gegner. Auf furchtbarem Rasen mutierte das Spiel über weite Phasen zu einem „intensiven Gestochere“ ohne klare Aktion, hüben wie drüben.

Die zweite Hälfte sah strukturierter aus. Schalke verteidigte höher, München legte mehr Wert auf Ballbesitz. Bestehen blieb trotzdem, dass München kaum Raum beim Spiel in die Tiefe fand und Schalke nahezu alle Kontersituationen durch eigene Fehler zunichtemachte.

Schalkes Torschütze: Max MeyerJa, mit Glück hätte auch Joel Matips Ball in der 88. Minute reingehen können. Letztlich war aber Max Meyers Treffer Schalkes einziger vernünftig aufs Tor gebrachter Schuss. Zwar wetzten Sané & Co. immer wieder los, aber mit Ball kamen sie eben nie vor Neuer an. Auch die beste aller Schalker Kontersituationen blieb in der Vorstufe zur Torchance hängen. Als Goretzka in der 35. Minute 35 Meter vor dem Tor den Ball am Fuß hatte, als Sané als designierte Anspielstation zunächst gedeckt war und dann gen Abseits stürmte, als Goretzka den Ball schließlich in des Gegners Füße spielte. Bei allem Herz, bis zur Gefährlichkeit kam Schalke nicht. Und bei allen Ehren, für diese Art Konterfußballspiel war Klaas-Jan Huntelaar nicht geeignet.

Auch München konnte sich keine Großchancen erspielen. Sie hielten den Druck aber stets aufrecht und suchten aus allen Richtungen den Abschluss. Bitter für Schalke, dass das entscheidende Tor erneut so selbstgemacht daherkam, wie schon in Dortmund. Diesmal fehlte Benni Höwedes der entscheidende Meter Raum zur Kopfballverteidigung.

Keine Frage: Schalke hat als Mannschaft funktioniert. Man hatte einen Plan und der Einsatz stimmte bis zuletzt. Das ist gut so, aber das sollte man eigentlich auch erwarten dürfen. Schalke hat einiges geleistet, geschafft hat man nichts. Für den FC Bayern war dieser Sieg einer wie zig andere.



Foto: Tomek Bo

Darum pfeife ich nicht gegen Manuel Neuer

Samstag geht’s für die Blauen gegen Bayern München – und damit auch gegen Manuel Neuer. Bei seinem ersten Auftritt im Trikot der Münchener auf Schalke schlug ihm blanker Hass entgegen. Mittlerweile schlagen die Wogen nicht mehr ganz so hoch. Die Pfiffe der immer noch Enttäuschten werden ihn trotzdem erwarten.

Manuel Neuers Wechsel war für viele Schalker besonders schlimm, weil er ein besonderer Spieler war. Besonders jung, als er auf Schalke zu spielen anfing. Besonders gut, wenn er fast im Alleingang für Schalke Spiele entschied. Vor allem aber, weil er sich öffentlich als der Fan seines Vereins präsentierte, der er von klein auf war. Der aus der Kurve, der nun auf dem Platz stand. Eben gleichzeitig nicht nur einer der Profis, sondern auch „einer von uns“.

Damit, wie sich Manuel Neuer als Schalker präsentierte, schuf er selbst die Anspruchshaltung der Fans an seine Treue. Als er letztlich doch nach München wechselte war es allerdings nicht nur der Wechsel an sich, der die Fans rasend machte, sondern auch die Art und Weise, wie dieser Wechsel präsentiert wurde. Man fühlte sich für dumm verkauft, als sich Manuel Neuer tränenreich erklärte, als es hieß er sei kürzlich über das Interesse des FC Bayern informiert worden, wo doch die Gerüchte seit Monaten übers Berger Feld schwirrten. All das wirkte wie ganz schlechtes Theater, wirkte unehrlich, und führte deshalb letztlich nachvollziehbar zu den heftigen Reaktionen der Schalker Fans gegen Manuel Neuer, bei dessen ersten Auftritten als Spieler des FC Bayern auf Schalke.

Für mich persönlich bedeutete der Neuer-Wechsel eine Zäsur. Er hat mich ernüchtert. Ich schaffe es nicht mehr, darauf zu hoffen, dass mit Max Meyer, Leon Goretzka und Leroy Sané das Gerüst einer großen Schalker Mannschaft wächst. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es mich persönlich berühren wird, wenn sie eines Tages den Club verlassen. Eher im Gegenteil: Mittlerweile erachte ich die gute Arbeit der „Knappenschmiede“ als die einzige realistische Art und Weise für Schalke 04, von seinen nach wie vor hohen Verbindlichkeiten herunterzukommen. Dazu gehört nun mal das Verkaufen von selbstproduzierten Spielerwerten.
Dieser Realismus fühlt sich nicht immer gut an. Als Fan will man gewinnen, will man was erreichen, will man Hoffnung auf Verbesserung haben dürfen. Aber dieser Realismus passt besser zum Bundesligageschehen, in dem Spieler nun mal wechseln wollen, und in dem Schalke 04 zwar ein großer, aber eben kein so großer Club ist, dass es für die Talente nicht noch andere Herausforderungen geben würde.

Auf dieser sachlichen Ebene habe ich auch mit Neuers Wechsel längst meinen Frieden gemacht. Er hat sich zu einer Marke entwickelt, gilt als bester Torwart der Welt. Das hätte er auf der dafür zu kleinen Bühne Schalke 04 nicht erreichen können. Den Blauen brachte er im Gegenzug so viel Geld ein, wie in dieser Liga noch nie ein Torhüter einbrachte.
Manuel Neuer hat in der öffentlichen Darstellung bei seinem Wechsel viel falsch gemacht. Julian Draxler machte alles anders, gab sich stets betont nüchtern, äußerte sich öffentlich bis zuletzt überhaupt nicht zu Wechselgerüchten und wurde dafür auch hart kritisiert. Vielleicht geht es gar nicht „korrekt“, vielleicht ist den großen Talenten des eigenen Clubs ein Wechsel innerhalb der Liga nicht möglich, ohne den Zorn der Fans abzubekommen.

Auch Samstag wird Manuel Neuer ausgepfiffen werden. Er wird sich dran gewöhnt haben. Ich mich auch. Mitpfeifen werde ich nicht.



Foto: Tomek Bo

Meine Texte bei westline.de

Ab sofort gibt es Texte von mir auch bei westline.de zu lesen. Ich bin dort einer von mehreren Autoren, die abseits des Nachrichtenteils meinungsstarke Kommentare zu dem Geschehen rund um den FC Schalke 04 liefern sollen. Für dieses Blog ändert sich nichts.

In den Jahren meiner Bloggerei fragten mehrmals Portale an, ob ich für sie schreiben möchte. Texte von mir erschienen bei 11freunde.de, bei spox.com oder in der Printausgabe der WAZ Gelsenkirchen. Dabei habe ich gelernt, dass mein Zeit und meine Kreativität nicht ausreicht, um regelmäßig Inhalte zu produzieren, die über die in diesem Blog publizierte Menge hinausgehen.

Mir ist dieses Blog sehr wichtig, als Basis aller Schreiberei, Podcasterei, aller Interviews und sonstigen Häckmäcks, den ich rund um den FC Schalke 04 so veranstalte. Würde ich exklusive Texte liefern, käme dieses Blog irgendwann zu kurz. Deshalb werden die bei westline.de publizierten Texte weiterhin auch im Königsblog zu lesen und zu diskutieren sein. Die Veröffentlichung dort bekommt lediglich einen zeitlichen Vorsprung. So ist der in diesem Blog nun folgende Text „Darum pfeife ich nicht gegen Manuel Neuer“ dort bereits gestern erschienen. Meine Meinung zu den Dingen auf und um Schalke ist ehedem form- und portalunabhängig überall die gleiche ;-)