Asas Abschied(sgeschenk)

Gerald Asamoah feierte seinen Abschied, Schalke feierte ihn und auch sich selbst. Es war ein schöner Abend. Was eigentlich hätte normal sein sollen war an dem Tag, der im Zeichen der Terroranschläge in Paris stand, nicht selbstverständlich.

Samstagfrüh war es an mir, zunächst meiner siebenjährigen Tochter die Vorkommnisse in Paris zu erklären. Mein mittlerweile elfjähriger Sohn, der mich zu „Asas letzter Schicht“ begleiten sollte, übernachtete bei einem Freund, kam erst mittags nach Hause.
Es steht zu befürchten, dass sich dieser Angriff auf Europa ins Gedächtnis einbrennt wie sich der 11. September 2001 in unser aller Gedächtnis einbrannte. Für mich wurde dadurch die Fahrt zum Stadion besonders. Vater/Sohn-Zeit, in der es nichts Besseres zu tun gibt als sich zu unterhalten, in der es keine falschen Fragen und kaum Ablenkung gibt. In der ganz oft die Hierarchie unwichtig wird, in der sich dann einfach zwei Schalker gegenübersitzen, ein junger und ein … naja, einer mit mehr Lebenserfahrung eben. Ein gutes Gespräch, aber fröhlich kommt man da nicht raus. Nach Vorfreude stand uns nicht der Sinn, als wir durch den Nieselregen in die Arena latschten.

Wir hatten letztlich trotzdem einen guten Abend. Clemens Tönnies‘ Worte zum Tag empfand ich als passend. Die Tricolore in der Hand eine hereinschwebenden Gerald Asamoah empfand ich als eine Spur zu viel, aber dem Sohn gefiel es. Es gelang uns, uns in dem Geschehen zu verlieren.

Dem Junior gefiel die Show. Ich hatte Spaß daran, Spieler wie Fabian Ernst, Lincoln, Marcelo Bordon oder Ebbe Sand wiederzusehen. Eine Wohlfühlveranstaltung mit Gerald Asamoah als Protagonisten. Er, der so sehr dafür steht, wie Schalker sich selbst am liebsten sehen: Geradeaus, immer kämpfend, treu.

Gerald Asamoah geht nicht weg, nicht in die Wüste, nicht in die USA. Er ist kein geliehener Star, er ist Schalker und wird es bleiben. Wer von Schalke mehr verfolgt als nur die Profimannschaft wird ihn weiterhin sehen können. Deshalb war es richtig und schön, diesen guten Typen derart zu feiern. Aber traurig machte mich der „Abschied“ nicht, weil ich ihn nicht als solchen empfand. Ich empfand diesen Abend eher als eine Danksagung an Gerald Asamoah. Ich bin froh, dass mein Sohn an diesem Abend den Wert spüren konnte, der daraus erwachsen ist, dass da ein Typ zu höchsten Ehren kam, weil er durch Tugenden wie Geradlinigkeit, Bodenständigkeit und Beharrlichkeit zu überzeugen wusste. Dass das mindestens so viel, wenn nicht mehr zählt, als der beste Kicker von allen zu sein. Und ich bin froh, dass uns damit ein guter Abend an einem scheiß Tag geschenkt wurde.

Danke, Asa.



10 Kommentare zu “Asas Abschied(sgeschenk)”

  1. Carlito sagt:

    Du fasst es wie immer sehr gut in Worte. Uns, also meiner Frau, unserem 6-jährigen Sohnemann und mir, stand der Sinn auch nicht nach feiern.

    Der Sohn, der den Tag zuvor bei den Großeltern verbrachte und die Nachrichten auch zum Teil mitbekommen hatte, äußerte kurzzeitig sogar Angst davor, ins Stadion zu gehen. Diese Angst konnten wir ihm zum Glück nehmen.

    Und am Ende haben wir uns alle drei von diesem Abend ablenken lassen. Ihn, soweit das möglich war, sogar genossen. Und Asa gebührend gewürdigt und verabschiedet.

    „Und ich bin froh, dass uns damit ein guter Abend an einem scheiß Tag geschenkt wurde.

    Danke, Asa.“

    Word!

  2. Raul 04 sagt:

    … und dann noch die Nachricht von Raul (war das schön mit ihm bei Schalke 04)

    „Spaniens ehemaliger Nationalspieler Raúl hat seine Karriere mit einem Titel ausklingen lassen. Der 38-Jährige gewann in Hempstead im US-Bundesstaat New York mit New York Cosmos das Endspiel der zweitklassigen North American Soccer League (NASL) 3:2 gegen den Ottawa Fury FC.“

  3. leoluca sagt:

    Ich bin sehr froh, dass Persönlichkeiten wie Gerald Asamoah Schalker sind und dass meine Söhne mit dem Charisma dieses im wirklichen Sinne guten Menschens aufgewachsen und groß geworden sind.

    Als Asa mit der Tricolore in der Hand in die Halle schwebte, war das an diesem schrecklichen Tag ein Trost für mich und uns. Wir weinen mit ihm und natürlich mit den Franzosen. Mir geht das alles sehr nah, nicht zuletzt, weil mein ältester Sohn in Paris lebt.

    Die Rede von Tönnies war absolut angemessen. Danke Schalke, danke Asa!!

  4. eakus1904 sagt:

    Danke Asa für die schöne Zeit und einen dann doch angenehmen Abend, den sich sicherlich alle anders vorgestellt hatten. Aber aus der Situation hat man noch das beste gemacht.

    Danke Torsten für die richtigen, treffenden Worte.

  5. Carsten sagt:

    Danke

  6. Detlef sagt:

    Passende Worte. Danke Torsten. Danke Gerald.

    Es war schön, den Einen oder Anderen mal wieder auf dem Feld zu sehen. Es lenkt ein wenig ab.

  7. #Link11: Ohnmacht und Storcks Riesen | Fokus Fussball sagt:

    […] man sich dagegen entschieden das Spiel abzusagen. Eine gute Entscheidung mein Torsten Wieland (Königsblog), der insbesondere den Umgang von Vereinschef Clemens Tönnies lobt. Es war ein Abend mit alten […]

  8. Pukki1904 sagt:

    Nachdem ich zunächst, beeindruckt und niedergeschlagen durch die Anschläge in Paris, den Samstag Abend am liebsten zu Hause verbracht hätte, bin ich total froh im Stadion gewesen zu sein. Es war ein absolut gelungener Abend. Danke Schalke und Danke Asa.Danke auch an alle Fans die im Stadion waren und für diese großartige Stimmung sorgten.

  9. BlueNote sagt:

    Ich wäre gleichfalls am Liebsten daheim geblieben. Nicht aus Angst, ähnliches könne auch auf Schalke passieren, sondern weil ich mehr oder minder verstört, aufgewühlt und unendlich traurig war. Und nun, im Angesicht unermesslicher Trauer im Nachbarland, meinem Lieblings-Urlaubsland, in der Stadt der Liebe, sollte ich feiern? Unvorstellbar. Aber als ich auf der Homepage am Nachmittag las, dass der Abend stattfinden soll, bin ich doch gefahren.

    Als Asa mit der Tricolore einschwebte, gingen die Taschentücher schnell zur Neige. Ja, es war pathetisch, aber es war seine ganz persönliche Idee, sein Zeichen der Solidarität. Es war verzweifelt und glaubwürdig zugleich und Marius‘ „Freiheit“ dazu war mehr als passend und angemessen. Vor allem trotzig. Am Ende fand ich es sehr tröstlich, dabei gewesen zu sein, anstatt alleine daheim vor der Glotze Frust und Trauer zu schieben.

    Ein Abend, der mir unvergessen bleiben wird, mich zutiefst beeindruckt hat in vielerlei Hinsicht. Danke Asa. Für Deine Tränen, Dein Lachen, Deine unerschütterliche Lebensfreude.

  10. Cello sagt:

    Bei aller Kritik. Die Rede von Clemens war ganz groß und für mich einer der Höhepunkte. Das hat dem Ganzen in dieser schweren Zeit die nötige Würde verliehen!

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