Der perfide „Was ist wenn …“-Gedanke

Nähe schafft Mitgefühl.
Mitgefühl schärft die Vorstellungskraft.
Vorstellungskraft ist die Grundlage, Angst zu entwickeln.

Nach den Anschlägen von Paris wurde das für gestern geplante Länderspiel in Hannover auf Grund einer „akuten Gefährdungslage“ kurzfristig abgesagt.

Am kommenden Wochenende soll der 13. Bundesligaspieltag der Saison 2015/2016 stattfinden. Samstag sollen auf Schalke über 60.000 Menschen das Spiel der Blauen gegen Bayern München miterleben. Jeder dieser über 60.000 Menschen wird bis dahin mindestens einmal den „Was ist wenn …“-Gedanken gedacht haben.

Es gibt vernünftige Gründe, nicht in Panik zu verfallen. Anschläge gab es in der Vergangenheit auch in Europa immer wieder. Seitdem haben wir viele Spiele auf Schalke gesehen und uns dabei sicher gefühlt. Am 6. Februar diesen Jahres gab es auf Schalke eine Bombendrohung. Das Stadion war voll, das Spiel gegen Gladbach begann um 10 Minuten verspätet. Zunächst bekam man als Zuschauer davon nichts mit. Via Twitter wurde man der Nachricht gewahr. Kurze Zeit war einem ein wenig mulmig zumute. Wirkliche Angst fühlte ich nicht.

Bei der gleichen Meldung am kommenden Samstag würde es sich anders anfühlen. Und man kann sich nicht dagegen wehren.



8 Kommentare zu “Der perfide „Was ist wenn …“-Gedanke”

  1. andres sagt:

    Das Ding mit der Nähe ist zwar wahr, irritiert mich aber trotzdem immer wieder.
    Während Europa sich mit ‚Was wäre wenn‘ Gedanken plagt, müssen Millionen Menschen auf der Welt mit der Angst leben, jederzeit das Haus über’m Kopf weggebombt zu bekommen oder von Despoten oder Fanatikern verschleppt oder massakriert zu werden. Und wenn sie dann nach Europa flüchten, werden sie und ihre Unterkünfte von besorgten Bürgern drangsaliert.

    Ich hoffe, dass die Furcht vor einer theoretischen Gefahr (jede Autofahrt ist übrigens gefährlicher), uns nicht die Empathie für die realen Gefahren im Rest der Welt raubt. Die geht ja leider meist eh nur so weit, wie es uns nichts kostet…

  2. Detlef sagt:

    Was war ich froh, als ich doch noch die Möglichkeit für eine Karte für Samstag bekam. Aber ich gebe zu, dass auch mir etwas mulmig ist wegen Samsatg ist.

    Gestern lag vor dem Briegkasten an der Post in Bielefeld ein Karton vor den Briefkästen. Nichts aussergewöhnliches eigentlich. Mein Gedanke war, wenn das Ding hochgeht können Sie mich von der Wand abkratzen.

    Ich denke solche Gedanken werde´ich noch häufiger haben in den nächsten Tagen. Deshalb spüre ich trotzdem Vorfreude auf das Spiel gegen die Bayern. Und die überwiegt sogar.

  3. Markus sagt:

    Danke, Torsten, mir gehen ähnliche Gedanken durch den Kopf. Ich muss zwar am Wochenende arbeiten und bin deshalb gegen Bayern nicht in der Arena, aber das nächste Spiel kommt bestimmt. Und unsere Donnerhalle ist ja immer voll…

  4. leoluca sagt:

    Man kriegt die Angst nicht aus dem Kopf. Wie schrecklich, die Porträtfotos der Opfer von Paris anzuschauen. Normale Leute wie wir. Hingerichtet von einer Monstermiliz.

    Nach Hannover kann es trotzdem nur eine Antwort geben: Wir gehen trotzdem hin.

    Oder nach Helge Schneider in Hannover: Ich komme wieder.

    https://www.facebook.com/BR24/posts/10153660172440336

  5. Voice sagt:

    Momentan habe ich keinerlei Bedenken ins Stadion zu gehen. Vielleicht wird es am Samstag kurzzeitig etwas komisch sein, aber sonst? Abseits der nun bis zum Erbrechen gehörten „Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen“-Parolen denke ich, dass es natürlich alles so weiter gehen wird wie bisher. Wie denn auch sonst? Es gibt auch ohne Fußballspiele genügend potenzielle Ziele für solche Bestien. Bahnhöfe, Kinos, Märkte, Volksfeste, Demonstrationen, Theater, Sportveranstaltungen, Sylvesterfeiern, Konzerte, Einkaufszentren usw. usf. Wenn man nun Veranstaltungen wie Fußballspiele meidet muss man auch alle anderen Menschenansammlungen meiden. Nach einer Zeit des Innehaltens wird es wieder seinen normalen Gang gehen, vermutlich unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen.
    Man kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen die richtigen Entscheidungen treffen, um dieses Übel zumindest langfristig aus der Welt zu schaffen. Außerdem hoffe ich, das rechte Lager in Deutschland wird aus dieser Tragödie kein weiteres Kapital schlagen können. Die Umfragewerte für die AfD lassen leider etwas anderes vermuten.

  6. Oberwäller sagt:

    Da ich mir ohnehin keine FCB-Spiele mehr anschaue – auch nicht gegen S04 – habe ich am Wochenende fast wieder „fußballfrei“ :-)

    @ Voice:
    Warum ist ‚links‘ gut ‚rechts‘ aber schlecht? – ich meine da bei Beiden n i c h t die Extreme!
    Gehört zu einer funktionierden (!) Demokratie nicht Beides?
    … ähnlich wie es bei einer Fußballmannschaft nicht nur Stürmer oder nur Abwehrspielen gibt…

  7. hellwach sagt:

    Okay, Fußballstadion, auch unsere Arena. Ja, ich war am 06. Feb. auch da. Hab nach Hause geSMSt, dass Alles gut ist.
    Okay, Weihnachtsmärkte, wird seit drei Tagen durch alle Kanäle geblasen.
    Wie weit wollen wir denn denken? Gesamtschule? Jeden Tag über 1.000 Menschen versammelt? Schulbus? 100? 50?
    Vorratsdatenspeicherung, NSA, BND, gegenseitige Bespitzelung auf höchster Ebene – und sie können NIX!
    Nichst verhindern, scheinbar auch drei Tage lang nicht einmal verorten, wo sich die Strippenzieher aufhalten. NIX!
    Wie man damit umgeht? Mal in Tel Aviv fragen? Da ist es Routine beim Warten auf Bus oder Tram in die Luft geschleudert zu werden. Trotz Mossad. Der kann scheinbar auch NIX!
    Mir ist einfach zum Kotzen. Mit Bader/Meinhof herangewachsen, mit den Jungs aus den Barracks an der Theke gestanden, bevor sie drei Monate nach Belfast mussten, erlebe ich jetzt eine neue Form von Verbrechen, eine Verschärfung der Bedrohungslage vor unserer Haustür und das 14 Jahre nach dem „09/11″, die mich rat- und fassungslos macht.

    Warum?

    Ich geh am Samstag auf Schalke. Ich werd´auch die Mohammed-Strophe singen und weiß schon jetzt, dass sich mein Skrotum krümpeln wird…

    Glückauf

  8. Voice sagt:

    @Oberwäller:
    Ich möchte keine politische Diskussion vom Zaun brechen, dafür ist das hier sicher nicht die richtige Plattform. Aber ich habe überhaupt nichts davon geschrieben, dass links toll sei und rechts schlecht. Mir ging es um die rechte Außenseite, soll heißen Pegida, AfD und Konsorten. Die schüren aus meiner Sicht nämlich die Angst der Menschen und somit Ablehnung, bis hin zu Haß, gegenüber Flüchtlingen. Leider trötet auch die CSU in Teilen in dasselbe Horn. In dieser Hinsicht halte ich politisch rechts tatsächlich für abstoßend, ekelhaft und gefährlich.

Schreibe einen Kommentar