Artikel im Dezember 2015

Friedliche Weihnachten

In England spielt man an Weihnachten Fußball. In Deutschland nicht. Auf den Feldern Flanderns spielten sie einst miteinander, an Weihnachten. Im Jahr 1914, während des ersten Weltkriegs.

Der Ball kam plötzlich irgendwo her. Alle stürzten sich darauf. Bei dieser Fußballerei hatten unsere Landser bald entdeckt, dass die Schotten unter ihrem Rock keine Unterhosen hatten.

Eine Beiläufigkeit aus einem Brief eines deutschen Soldaten, der über etwas sehr Besonderes berichtete: Das Einstellen der Kampfhandlungen zu Weihnachten, an der Front in Flandern.

Vor einem Jahr, 100 Jahre danach, veröffentlichte der WDR eine Folge der Serie „ZeitZeichen“ zu diesem Ereignis. Diese Sendung „erinnert“ nicht daran, sie lehrt einen Wissen und sie weckt Emotionen. Die Stimme des Erzählers im Wechsel mit den Aussagen des Historikers, die hinterlegten Geräusche, die Musik – ein Beleg dafür, wie großartig Radio sein kann, wie gut Radio den Hörer einfangen und unglaublich angenehm und kurzweilig Informationen, in diesem Fall Bildung verbreiten kann.

Schlau und sehr weihnachtlich, sich diese knapp 15 Minuten mal in Ruhe anzuhören.

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(14:23 Min)
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Wie stets wird dieses Blog auch diesmal zwischen den Jahren pausieren. In der ersten Januarwoche werde ich beim JuniorCup in Sindelfingen sein und das Tun der Mannschaft Norbert Elgerts verfolgen. Via Twitter und auf der Facebook-Seite dieses Blogs wird es dazu Kommentare zu lesen und Bilder zu sehen geben. Hier an dieser Stelle erscheint am 11. Januar der nächste Beitrag.

Bis dahin bleibt mir, allen Lesern und Mitmachern des Königsblogs eine gute Zeit zu wünschen und mich zu bedanken. Ich veröffentlichte in diesem Jahr 136 Beiträge, aber ihr bereichertet diese mit 4.788 Kommentaren. Das macht es aus, das lässt das Königsblog leben. Sicher auch im zehnten Jahr. Ich freue mich drauf.

Frohes Fest & Glückauf!



Foto: smilla4

Glückauf Pils – Der Schalke Podcast: Folge 7

Unser Podcast, das Ohrenbaby von Herrn Pepo und mir, geht in die 7. Runde. Es geht um das Spiel gegen Hoffenheim, und entsprechend des Zeitpunkts blicken wir auf die Rückrunde. Vor allem reden wir aber mit Gefühl über Schalke, denn wir hatten den passenden Gast dazu.

Jörg Seveneick schrieb für Revier Sport, als diese Zeitung noch jung war, und er arbeitete für Sat1 ran, als Peter Neururer Schalke 04 rettete. Bis heute arbeitet er als freier Journalist. Schalke-Fans ist er aber vor allem als Mr. S04-TV bekannt.

Bei diversen Veranstaltungen mit Schalker Legenden weiß er die Kämpen immer wieder schöne Geschichten erzählen zu lassen. Bei uns erzählte Jörg selbst die Geschichten. Über sein Schalke, über sich und seinen Job, von damals bis heute. Kurzweilige 90 Minuten, die auch abseits vom Aktuellen unseren Club erlebbar machen. Eine Folge, mit der wir uns bestens in die Feiertage zurücklehnen können.

Zum Abonnieren ist „Glückauf Pils“ mittlerweile in den Katalogen der verschiedenen Podcatcher zu finden. Die Webseite mit den entsprechenden Feeds gibt’s da: glückauf-pils.de. Dort könnt ihr auch ein Feedback hinterlassen; oder hier, oder bei Twitter unter dem Hashtag #glckfpls, wie wer auch immer mag.

Der Chor, der Naja-Sieg und die Hinrunde

Schalke gewinnt das letzte Spiel des Jahres mit 1:0 gegen Hoffenheim. Mangels gutem Fußball lieferte ein Männerchor den eigentlichen Höhepunkt des Abends. Mit 27 Punkten schließt Schalke die Hinrunde in angemessener Position ab.

Da war dieser eine Moment, der ein bisschen falsch lief. Als der Betriebsratsvorsitzende der am Freitag geschlossenen Marler Zeche Auguste Victoria das letzte Grubenlicht an den Vorstandsvorsitzenden des FC Schalke 04 überreichen wollte. Schalke hat keinen Vorstandsvorsitzenden, die drei Vorstände Heldt, Jobst und Peters arbeiten gleichberechtigt. Der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies bemühte sich, Alexander Jobst zur Annahme zu bewegen. Der zierte sich aber, wollte sich nicht hervortun. Letztlich nahm Clemens Tönnies das Licht entgegen.

Ansonsten lief nichts falsch bei und um diese Darstellung der Zugehörigkeit des FC Schalke 04 zu den Bergarbeitern und umgekehrt. Immer wieder mal gibt es Vorwürfe, in solchen Darstellungen betreibe der Club nur Marketing. Das stimmt nicht. Wahr ist, dass das Marketing des Clubs die Verbindung zum Bergbau aufgegriffen hat. Da diese Verbindung aber nun mal Ursprung und damit Identität dieses Clubs ist, ist daran alles richtig. Die Verabschiedung, der Chor, das Mitsingen der Zehntausenden; das erzeugte eine echte und passende Emotionalität.

Der Fußball danach hinkte deutlich hinterher. Das Spiel war schlicht schlecht. Ungenau. Frei von jeglichen Überraschungen. Vor allem behäbig. Schalke attackierte Hoffenheim früh, aber wenn der Ball dabei gewonnen wurde folgte oft sofort ein Fehlpass oder es dauerte schlicht zu lange, bis Schalkes Offensive den Vorwärtsgang eingelegt bekam. Viel Stückwerk, kaum Spielzüge.
Hoffenheims Sturmschwäche war erschreckend. Wie laissez faire Schalkes Defensive mit deren Angriffsbemühungen umging auch. Am Ende stand ein Spiel mit ähnlich viel Ballbesitz und ähnlich vielen Torschüssen auf beiden Seiten. Ein Spiel, das weit entfernt war von den Ansprüchen André Breitenreiters, der dafür steht die Zuschauer mit einer begeisternden Spielweise überzeugen zu wollen. Diesmal blieb es beim Verlassen des Stadions bei einem „Naja, Hauptsache gewonnen“-Gefühl.

27 Punkte-Hinrunde

Zur Winterpause liegt Schalke nun mit 27 Punkten zwei Zähler hinter Platz 4. Meines Erachtens fühlt sich das passend an. Man spielte noch nicht wie ein Team, das unbedingt in die Champions League gehört. Man bleibt aber in Schlagweite und hat weiterhin alle Möglichkeiten. Das hat man sich verdient.

Insgesamt hat mir Schalkes Hinrunde gut gefallen. Nicht nur im Vergleich mit der jüngeren Vergangenheit, auch generell. Ich mochte, dass es auch in den nicht gewonnenen Spielen zumeist irgendwas Positives zu sehen gab. Ich fand es erstaunlich, wie konstant die so jungen Kerle wie Max Meyer, Leon Goretzka und Leroy Sané sehr ordentliche bis sehr gute Leistungen aufs Feld bringen konnten. Eine notwendige Konstanz, da der zu dünne Kader keine erfahrenen Alternativen aufwies.

André Breitenreiter passt zu diesem Club und zu dieser Mannschaft. Er hat es schnell hinbekommen, der Mannschaft eine Spielweise vorzugeben, welche den Fans gefiel, selbst wenn die Ergebnisse mal nicht stimmten. In sehr kurzer Zeit konnte sich die Mannschaft wieder einen gewissen Kredit erarbeiten. In Sachen Öffentlichkeitsarbeit machte André Breitenreiter eine deutlich bessere Figur als Roberto Di Matteo oder Jens Keller.

Aber die Posse um den Begriff „Bonusspiele“ zeigte, wie plötzlich der Wind einem Trainer auf Schalke ins Gesicht wehen kann. In der Winterpause wird Schalke am Kader arbeiten. Ob damit die Ansprüche der Fans steigen werden, wie gut das Team dann zusammenpassen wird, wie sich der Kader in verschärfter Konkurrenzsituation verhalten wird: Das alles wird man beizeiten sehen und dann neu einschätzen müssen. Schalke ist und bleibt spannend, auch in 2016.



Foto: Tomek Bo

Die Knappen gegen die Bergarbeiter

In der Zwischenrunde aka dem Sechzehntelfinale der Europa League hat Schalke 04 gegen Schachtar Donezk anzutreten. Das Hinspiel ist am 18. Februar, das Rückspiel auf Schalke findet eine Woche drauf, am 25. Februar statt. Tickets dafür gibt es ab heute.

Schachtar kann seit über einem Jahr keine Spiele in seiner Heimatstadt austragen. In der Ostukraine herrscht nach wie vor Krieg, Die Stadt Donezk liegt gleich an der Front, der Verwaltungsbezirk Donezk wurde von pro-russischen Seperatisten zur Volksrepublik Donezk ernannt. Schachtar spielt deshalb in Lemberg (Lwiw), knapp 1.200 km von Donezk entfernt. Dass Schalke 04 dort mit der Werbung seines russischen und sehr politischen Hauptsponsors auf der Brust antreten wird ist furchtbar.

Jedenfalls bedeutet „Schachtar“ (Шахтар / Шахтёр) Bergarbeiter und der Club führt Schlägel und Eisen im Wappen. Schachtar Donezk ist exakt der Gegner, den ich mir vor der Auslosung am wenigsten gewünscht hatte. Ein Club, der so gar kein Europapokal-Jauchzen auslöst, der aber dennoch zu den stärksten der Runde gehört.

Aber nun gut. Mach’se nix dran. Et kommt wie et kommt. Ma’kucken.

Gebrauchter Tag für S04 in Augsburg

Johannes Geis, Schalke 04Schalke verliert 2:1 in Augsburg. Eine selbstgemachte Niederlage, ein Spiel, bei dem die Blauen nie in die Spur fanden. Dass das entscheidende Tor nach einem Handspiel fiel war noch der Tritt in den Haufen nach einem ehedem missratenen Tag.

Ein furchtbar anzuschauendes Spiel. Weder die einen, noch die anderen zeigten guten Fußball. Eine Reihung von Zweikämpfen und Fehlpässen. Schalkes beste Phase war die Zeit zwischen dem 0:1 und dem Halbzeitpfiff. Da keimte Hoffnung auf Besserung in Halbzeit 2 – die allerdings enttäuscht wurde.

Ja, Bobadilla hätte mit Rot vom Platz gemusst. Ja, es gab ein Handspiel vor dem Siegtreffer der Augsburger. Das ist ärgerlich. Und der Rückstand vor der Pause passt auch in die Reihe der vielen unglücklichen Gegentore der letzten Zeit: Matips Ausrutscher gegen Gladbach. Alabas abgefälschter Ball gegen München. Riethers Gesicht-Eigentor gegen Leverkusen. Nun erneut ein blöd abgefälschter Ball, der Ralf Fährmann keine Chance ließ. Ausreden bieten sich also viele an. Das alles entschuldigt aber nicht das schlechte Spiel der Blauen.

Schalke erspielte sich kaum Chancen, erspielte kaum überhaupt irgendwas, sondern wurde von Augsburg in ein Kampfspiel gezogen, das letztlich ausgeglichen vor sich hin bollerte. Max Meyer und Leroy Sané waren diesmal normale Jungspunde, die nicht weiter auffielen. „Quaterback“ Johannes Geiß lenkte nur arg eingeschränkt und brachte überraschend viele Pässe zum Gegner. Kein Blauer, der das eingefahrene Tun mit einer überzeugenden Einzelleistung hätte aufbrechen können. Klaas-Jan Huntelaar, dem einmal mehr die Bindung zum Spiel der Mannschaft fehlte. Und wenn eine Begegnung eben ausgeglichen auf eine Entscheidung wartet ist Fußball nun mal ein furchtbar zufälliges Spiel, das dann eben unglücklich enden kann.

Dieser Auftritt in Augsburg war einer der schlechtesten des FC Schalke 04 unter André Breitenreiter. Die erhofften sieben Punkte aus den letzten drei Spielen sind nun nicht mehr möglich. Dank der „im Schlechten mitmachenden“ Konkurrenz liegen die Blauen aber weiterhin nur zwei Punkte hinter Platz 4.

Insofern hat Schalke an diesem gebrauchten Tag sogar noch Glück gehabt.



Foto: Tomek Bo

Schongang-Sieg in Tripoli

Schalke siegt 4:0 in Griechenland, gegen Asteras Tripolis, und schließt damit die Gruppenphase als Tabellenführer der Gruppe K ab.

Zwei ganz große Chancen gewährte ein in diesen Situationen schwaches Schalker Defensivspiel den Gastgebern in der Anfangsphase. Zwei Chancen, blank vor Ralf Fährmann, welche Asteras kläglich vergab. Zehn Minuten später erzielte Schalke das 1:0 und das Spiel war gewonnen.

Letztlich ähnelte die Partie einem Trainingslager-Testspiel: In einem recht amateurhaft anmutenden Stadion waren nicht allzu viele Zuschauer, Schalke hatte den Ball, probierte es mal hier, mal dort herum, kreierte Situationen, kam zu Abschlüssen und erzielte am Ende 4 Treffer.

Eric Maxim Choupo-Moting war von Beginn an der auffälligste Schalker und erzielte selbst zwei Tore. Aber wirklich urteilen mag ich über die Leistungen einzelner Spieler nicht. Die Griechen waren einfach überfordert. Sowohl als Mannschaft, auch im Duell jeder einzelnen Position war Schalke klar überlegen. Ein Spiel, das flott abgehakt werden kann. Ein Job, der ordentlich erledigt wurde. Nicht mehr und nicht weniger.



Foto: Tomek Bo

Schalke 04 und der Halbserien-Prince

Schalke hat viel Geld in Kevin Prince Boateng investiert und nur eine gute Halbserie von ihm bekommen. Ein Desaster, das gestern mit der offiziellen Vertragsauflösung zu einem Abschluss gebracht wurde.

Im Mai 2013 pappte Schalke dem jungen Julian Draxler die Nummer 10 auf den Rücken und plante ihn auch für die entsprechende taktische Position ein. Er sollte das Gesicht des neuen Schalke werden, der Junge aus der Knappenschmiede, das große Talent. Drei Spiele agierte Draxler zentral. Gegen Hamburg kam man zu einem 3:3, gegen Wolfsburg kam man 0:4 unter die Räder, gegen Hannover verlor Schalke 1:2. Vor dem nächsten Spiel stellte Schalke 04 Kevin Prince Boateng als Neuzugang vor und setzte Julian Draxler fortan wieder auf der Außenposition ein.

Für Prince griff Schalke tief in die Tasche. Er sollte nun das Gesicht des neuen Schalke werden, der Neuzugang des AC Milan, der Leader. Er stand im Mittelpunkt, lief dreimal als Kapitän auf. Als auch er nicht mehr auf der „10“, sondern defensiver, im zentralen Mittelfeld agierte, hatte er seinen Anteil an „Schalkes bester Rückrunde aller Zeiten“.
So weit hinten wollte er aber nicht spielen. Sein Knie brauchte immer wieder Sonderbehandlungen, regelmäßig flog er zu Ärzten statt zu trainieren. Seine Art sorgte für Zoff, er geriet mit Trainer Roberto Di Matteo und Mannschaftskollegen aneinander. Schalke suspendierte ihn. Letztlich kam er nur auf 60 Einsätze für die Blauen. Bei 70 Pflichtspieleinsätzen hätte sich sein Vertrag automatisch bis 2017 verlängert.

Dass Prince durch die Suspendierung keine Chance auf die letzten 10 Pflichtspiele hatte soll ein Knackpunkt bei den Verhandlungen um die Auflösung seines Vertrages gewesen sein. Man mag nicht darüber nachdenken, was Prince den Club letztlich gekostet hat. Aus der Reihe der nicht gelungenen Einkäufe seit 2011 – Ciprian Marica, Chinedu Obasi, Teemu Pukki, Tranquillo Barnetta, Felipe Santana, Christian Clemens, Adam Szalai, Kevin Prince Boateng und Sidney Sam – wird er aber wohl der teuerste gewesen sein.



Foto: Tomek Bo