Artikel im Februar 2016

0 Offensivspiel beim 0:0 in Frankfurt

Eintracht Frankfurt und Schalke 04 bieten den Zuschauern ein 0:0, dass viel nulliger nicht hätte sein können. Trainer André Breitenreiter hat dabei eine „Reaktion“ seiner Mannschaft gesehen und gab sich nicht unzufrieden. Unsereins sieht auf die Tabelle und kann gar nicht fassen, dass Schalke weiterhin so gut dasteht. Tatsächlich aber ist Schalke Ligamittelmaß.

Welch ein furchtbares Fußballspiel dies war. Man hätte es zwischen möglichst vielen anderen Spielen verstecken sollen. Stattdessen war es ein Einzelspiel, eins, das dem übertragenden Sender Exklusivrechte bescherte. Man kann nur hoffen dass da, wohin dieses Spiel übertragen wurde, möglichst wenige Fußballfans eingeschaltet haben. Wer sich für die Bundesliga interessiert und solch ein Spiel präsentiert bekommt, dem vergeht der Spaß ganz flott.

Ein albernes Gestochere und Gezerre, ein Geschubse und Gezetere. Ein Spiel, in dem Schalke entgegen der Aussage des Trainers überhaupt keine „Reaktion“ zeigte. Nein, man stand nicht sicher. Bei Flanken war man so unaufmerksam wie eh und je. Frankfurt hatte zwar nicht viele, aber doch sehr gute Chancen, und es war letztlich Massel, dass keine davon zu einem Tor wurde.

Und das, obwohl André Breitenreiter das komplette verfügbare Defensivpersonal auf den Platz schickte. Selbst in der Angriffsreihe, wo Sead Kolasinac häufiger mit dem Ball am Fuß im Strafraum auftauchte als der nominelle Stürmer. Klaas Jan Huntelaars Anwesenheit machte einmal mehr keinen Unterschied, er ist nicht eingebunden in das Schalker Spiel. Er steht nur so häufig bei Anpfiff auf dem Platz, weil Top-Transfer Franco Di Santo noch viel weniger eingebunden ist und noch viel ungefährlicher agiert. Schalke hatte in diesem Spiel keine einzige echte Torchance. Man kam über 90 Minuten lediglich auf zwei Schüsse aufs Tor, beide waren vollkommen ungefährlich. Und – ohne despektierlich wirken zu wollen – das war nur Frankfurt.

Es ist erst 11 Tage her, dass Schalke bei einem 0:0 ein gutes Spiel bot. Seitdem hat man sich dreimal schlecht präsentiert. Das ist tragisch, denn Schalkes Spielplan sieht vor, dass man jetzt punktet, dass später die schweren Gegner folgen.
So wie in der Hinrunde, als Schalke nach neun Spieltagen 19 Punkte gesammelt hatte, und in den weiteren acht Spielen bis zur Winterpausen nur noch 8 Punkte dazukamen. In den nunmehr sechs Spielen der Rückrunde holte Schalke 8 Zähler. Gegen die gleichen Gegner sammelte man in der Hinrunde noch 13 Punkte.

Mit 35 Punkten steht Schalke nun auf Tabellenplatz 7 und bleibt damit in Reichweite des Champions League-Qualifikationsplatzes. Um zu hohen Erwartungshaltungen vorzubeugen möchte in an dieser Stelle aber darauf hinweisen, dass der Punkteabstand zu Platz 2 größer ist als der Punkteabstand zum Tabellenletzten. Und wer sich gestern das Duell mit dem Tabellenfünfzehnten Eintracht Frankfurt angesehen hat ahnt, dass der Fußball in der unteren Tabellenregion eher dem derzeitigen Spielvermögen der Blauen entspricht als das, was man gemeinhin mit Champions League-Fußball verbindet.

Desolate Leistung im KO-Spiel: Schicht im Schachtar

Schalke unterliegt Schachtar Donezk 0:3 und scheidet aus der Europa League aus. Ausgerechnet in diesem KO-Spiel, gegen einen schlagbaren Gegner, die schlechteste Saisonleistung auf den Platz zu bringen, ist ein echtes Ärgernis. Dass man verliert, dass man ausscheidet, das kann passieren. Sich allerdings über 90 Minuten derart desolat zu präsentieren ist für alle Fans ein Schlag ins Gesicht.

Sicherlich wäre der Abend anders verlaufen, wenn Johannes Geis‘ Freistoß in der 3. Minute ins Netz statt zurück in den Strafraum gesprungen wäre. Das hätte Sicherheit gegeben und Donesz unter Zugzwang gesetzt. So aber wurde Schalke von Minute zu Minute unsicherer. In der Rückwärtsbewegung unterliefen den Spielern Fehler um Fehler. Nach vorne agierten sie in einer Trab-Geschwindigkeit, die an die unausgegorenen Ballbesitzfußball-Versuche unter Jens Keller erinnerte. Unsicherheit und Unglaube liefen als Schatten mit jedem blauen Spieler über den Platz. Schalkes Spieler waren nicht etwa heiß darauf, ein KO-Spiel zu gewinnen; nein, sie hatten die Buxe gestrichen voll!

Zur zweiten Halbzeit und mit 0:1 in Rückstand liegend brachte André Breitenreiter alles auf den Platz, was ein bisschen Offensive versprach. Dass dabei der früher offiziell und zuletzt praktisch aussortierte Sidney Sam die letzte Patrone des Trainers war zeigt auf, wie schlecht es gerade um den Kader bestellt ist. 15 Minuten durfte man noch hoffen, dass vielleicht irgendein Schuss den Weg ins Tor finden könnte, dass dadurch nochmal ein Feuer entfacht werden könnte – bis Schachtar nach einem haarsträubenden Matip-Fehler die Hoffnung ausblies.

Vor dem Spiel „liebte“ Klaas-Jan Huntelaar „diese Spiele“ und André Breitenreiter wollte ins Europa League-Finale. Nach dem Spiel bemängelte André Breitenreiter, dass bei den Fans eine zu hohe Erwartungshaltung geschürt worden sei. Er meinte, dass man eben nicht weiterkommen könne wenn man kein Tor erziele, und dass die Mannschaft nach 10 Minuten einen Gang zurückgeschaltet hätte – fast so als hätte er mit alldem nichts zu tun.

Dabei ist es genau jetzt an ihm, die Kurve zu kriegen. Niemand will hören, dass Spieler aus dem Kader gestrichen werden weil sie nicht gut trainiert haben. Es ist an ihm, die Spieler zum guten Trainieren zu bringen. Es reicht nicht, sich über eine schlechte Chancenverwertung zu beklagen. Es ist an ihm, die Stürmer wieder treffsicherer zu machen.

Nachdem die elendig langweilige Gruppenphase der Europa League überstanden war, hoffte man auf Europa Cup-Gefühle in der KO-Phase. Durch diese unsägliche Leistung ist die Aussicht auf Spaß in diesem Wettbewerb nun schon vorbei. Was bleibt ist die Bundesliga, in der man auch gerade zwei nichtgute Spiele ablieferte. Ernüchterung greift um sich.

Jetzt muss der Trainer ankommen und diesen Club zu seinem machen. Jetzt muss er den Spielstil justieren und fortan von „wir“ statt von „hier“ reden. Die nächsten Spiele müssen die Fans in puncto Intensität überzeugen. Jetzt muss André Breitenreiter aufhören, auf andere zu zeigen, und stattdessen die Verantwortung annehmen.



Foto: pixabay

Der Don aus Mainz

Christian Heidel wird auf Schalke Vorstand für Sport und Kommunikation und damit wichtigster Mann für den Teil des Profigeschäfts, der einen Typen wie mich am meisten interessiert. Da gilt es für mich, sich auch für diesen neuen Typen zu interessieren. Im Netz ist ein Interview mit ihm zu seinem Werdegang zu finden. Darin erklärt Christian Heidel unter anderem wie es dazu kam, dass ihn Fans des FSV den „Don“ nennen, und dass er nie Autoverkäufer war.

In dem Buch „111 Gründe, Mainz 05 zu lieben“ ist Christian Heidel ein Kapitel gewidmet. Anders formuliert ist er einer der Gründe. Grund 44 um genau zu sein. Ich weiß nicht, nach welchen Kriterien die Reihenfolge festgelegt wurde. Aber der Text ist schön und hilft weiter, sich ein Bild von dem Mann zu machen, der als Fan zu diesem Club kam und einer der besten Manager der Liga wurde. Mit freundlicher Genehmigung der Autoren Mara Braun und Christian Karn darf ich ihn hier wiedergeben.
 
 
Grund 44: Weil Christian Heidel der einzig wahre Don* ist

Anfang 1990 meldet sich ein Amateurkicker und Autohaus-Geschäftsführer beim damaligen Oberligisten Mainz 05 und will alle Eintrittskarten für ein Fußballspiel erwerben. Der 27-jährige Christian Heidel zahlt dafür 15.000 Mark, er macht die Partie gegen den FSV Saarwellingen zu einem Volksfest, verlost unter den 4.430 Zuschauern einen Neuwagen gehobener Klasse – und bleibt irgendwie bei dem Verein hängen, dessen Fan er ohnehin seit Kindertagen ist. Das Autohaus gibt es längst nicht mehr, die Beziehung zwischen Christan Heidel und Mainz 05 aber, die wird ewig halten.

So genau kann Heidel es selbst nicht nachvollziehen, wie er sukzessive Manager eines Profiklubs geworden ist. Irgendwann hat er eben Verantwortung bei Mainz 05 bekommen, dann eine feste Rolle. Plötzlich riefen die Zeitungen ihn an, wenn sie etwas wissen wollten. Im Herbst 1991 wurde Heidel auf einmal zur Managertagung der Liga eingeladen. Erst seit wenigen Jahren aber lässt er sich für seine Arbeit bezahlen: Groß gemacht hat Christian Heidel uns als ehrenamtlicher Manager.

Und weil ehrenamtlich gleich unprofessionell ist – zumindest glauben das genügend Leute – wird Heidel außerhalb der Sichtweite des Doms gern mal nicht besonders ernst genommen. Es gibt dümmere Ideen, als den Mann nicht ernst zu nehmen. Mit Schwimmflügeln ins Säurebecken springen oder über dem Pazifik aus dem Flieger aussteigen sind zwei, die uns spontan einfallen. Viele, die Christian Heidel über den Tisch ziehen wollten, sind selbst darunter gelandet.

Der Eindruck aus dem Fernsehen, wenn Heidel in der Halbzeit der Ligaübertragung ein bisschen hemdsärmelig, leicht schnodderig, fernab hochdeutscher Schriftsprache ins Mikrofon plaudert und dem wunderbaren Wort „annersder“ den soundsovielten Frühling beschert, der täuscht: Heidel kennt jede Spielordnung, jede Satzung, jeden Paragraphen. Statuten auswendig zu lernen, das macht dem Mann Spaß!

Seine Transferverträge sind ein für Unbedarfte undurchdringliches Dickicht aus Zusatzvereinbarungen zu Partizipation bei Weiterverkauf und Boni bei sportlichem Erfolg, seine Deals sind in ihrer Komplexität allerhöchstens gleichzusetzen mit den Trainingsübungen von Zeljko Buvac mit sieben Stationen, drei Toren und fünf Bällen auf einmal. So kommt es, dass auch Jahre nach einem Spielerverkauf immer wieder das eine oder andere Extramilliönchen auf unser Konto tröpfelt, dass Mainz 05 auch noch den schlimmsten Fehleinkauf (Hanno Balitsch oder Edu, da streiten sich die Gelehrten) mit Gewinn wieder los wird und dass unser Verein in den letzten 20 Jahren immer gesünder, stabiler und reicher geworden ist.

Im Sommer 1995 war in einer Zeitung zu lesen, wir könnten uns nicht mal einen Amateur aus der Regionalliga leisten. Im Transfersommer 2013 leisten wir uns eine siebenstellige Ablöse nach der anderen – und müssen dafür noch immer keinen Investor oder Vermarkter anpumpen. Wir wissen, wem wir das zu verdanken haben. Und wir werden weiterhin jeden auslachen, der damit anfängt, dass der Heidel ja schon sein Autohaus in die Pleite… blablabla.



* „Don Heiteli“:
Die Anrede in einem Fax aus Ecuador, anlässlich des möglichen Transfers von Walter Ayoví – der „Don“ ist hängengeblieben

„Unser Trainer wechselt immer zu spät!“

… ist ein häufig zu hörender Spruch auf Schalke, seit André Breitenreiter Trainer der Blauen ist. Vielleicht stimmt das sogar. Vielleicht gibt es diesen Spruch auch in allen Stadien zu hören. Vielleicht haben alle Fans mit ihren Vorwürfen Recht – vielleicht aber auch nicht, ich weiß es nicht. Seit ich gestern die Auswechslungen der einzelnen Bundesligatrainer zusammengefasst und verglichen habe kann ich aber sagen, dass André Breitenreiter zu den spätesten der spät wechselnden Trainern gehört, dass die Unterschiede zwischen den Trainern allerdings recht gering sind, dass letztlich alle ähnlich häufig spät wechseln.

In dieser Tabelle ist die Anzahl der Auswechslungen der einzelnen Trainer im jeweiligen 5 Minuten Zeitraum der Spielzeit dargestellt. Dirk Schuster hat beispielsweile in der bisherigen Saison von der 61. bis zur 65. Spielminute sechs Wechsel vorgenommen, bei Bruno Labbadia waren es zwölf Wechsel von der 81. bis zur 85. Spielminute. Die Werte unter „MW“ sind der Mittelwert der Spielminuten aller Wechsel des Trainers. Der Wert unter „SP“ gibt an, in wie vielen Spielen der Trainer in dieser Saison bislang tätig war.

In den 22 Spieltagen der laufenden Saison wurden in der Bundesliga 1.135 Auswechslungen vorgenommen. 532 (46,9%) davon in den letzten 10 Minuten. Jürgen Kramny, Martin Schmidt, Andre Schubert, Dirk Schuster, André Breitenreiter und Armin Veh nahmen mehr als die Hälfte ihrer Wechsel in den letzten 10 Minuten vor. Außerdem haben Dieter Hecking und André Breitenreiter jeweils sechs mögliche Auswechslungen nicht genutzt, Peter Stöger ließ acht, Armin Veh sogar neun Wechselmöglichkeiten verfallen – der Ligaspitzenwert.

Wieviele der „verfallenen Wechselmöglichkeiten“ allerdings bei einer Führung verfielen, welche also vielleicht dazu beitrugen, ein gut laufendes Spiel ohne zu stören zuende laufen zu lassen, danach habe ich nicht geschaut. Auch die Qualität der Wechsel, zu welchem Zeitpunkt auch immer, lässt sich nicht so leicht in ein Raster zwängen. Somit bleibt es natürlich jedermann unbenommen, weiter zu diskutiert, ob ein später Wechsel zu spät oder gerade richtig stattfand. In den allermeisten Fällen gilt aber: Wurde gewonnen, war‘s okay.



Alle Wechsel der bisherigen 22 Spieltage (csv-Datei)

Christian Heidel folgt auf Horst Heldt

Christian Heidel übernimmt ab Sommer Horst Heldts Job und wird auf Schalke Vorstand für die Bereiche Sport und Kommunikation. Dies wurde offiziell, nachdem sich Christian Heidel selbst dem Schalker Aufsichtsrat vorstellte und sich das zehnköpfige Gremium, mit 8 Stimmen bei 2 Enthaltungen, für eine Zusammenarbeit mit dem bisherigen Manager des FSV Mainz 05 aussprach. In den letzten Wochen war in Zeitungen zu lesen, Heidel solle dem Schalker Vorstand als Chef vorstehen. Davon ist nun keine Rede mehr. Neben Christian Heidel wird auch Teammanager Axel Schuster aus Mainz aufs Berger Feld wechseln.

Ich begrüße diesen Wechsel. Wer hier regelmäßig mitliest weiß, dass ich Horst Heldt in einigen Punkten kritisch gegenüberstehe. Nicht generell und erst recht nicht persönlich. In den Social Networks ist man flott als „Hater“ verschrien, wenn man eine klare Meinung vertritt.

Horst Heldt hat sich in den Jahren auf Schalke vollkommen mit seiner Aufgabe identifiziert. Er hatte maßgeblichen Anteil daran, dass die „Knappenschmiede“ zur Marke wurde und dass heute die Verzahnung von Jugend- und Profiabteilung auf Schalke so gut funktioniert wie bei keinem anderen Bundesligaclub. Außerdem hat es Respekt verdient, wie souverän Horst Heldt jetzt mit dieser für ihn persönlich schwierigen Lage umgeht, seit Bekanntwerden des Schalker Interesses an Christian Heidel.

Aber Horst Heldt hat keine Linie. Er sagt dies und tut jenes. Oder er sagt dies und übermorgen das Gegenteil. Er lässt sich immer wieder von Umständen treiben. Man kann seinen Worten keinen Glauben schenken. Einem Basta folgt ein Nachgeben. Er gibt vor wie es gehen soll, scheitert dann aber daran es umzusetzen. Dies zieht sich durch seine ganze Zeit auf Schalke, ob im Umgang mit Trainern, im Umgang mit Spielern oder bei Aussagen gegenüber der Presse.

Gerade bezüglich der Glaubwürdigkeit hoffe ich auf Besserung mit Christian Heidel. Dieser zeigte sich als Manager des FSV Mainz schon so manches Mal „störrisch“, etwa im Fall des wechselwilligen Thomas Tuchel. Als Heidel sagte, Tuchel werde bis zum Ablauf seines Vertrags bei Mainz 05 keinen anderen Job annehmen, war das „Basta“ bereits impliziert, und man hatte gleich das Gefühl, dass es daran nichts zu rütteln gäbe.

Christian Heidel ist in Mainz geboren und hat nun 24 Jahre für den gleichen Club gearbeitet. Manch einer führt das als Kritik an. Es bliebe abzuwarten, ob er sich umstellen, ob er auch auf Schalke erfolgreich sein könne. Selbstverständlich. Aber welche Kriterien führt man an, wenn man einen neuen Manager sucht?
Christian Heidel war in Mainz überaus erfolgreich. Als er beim FSV anfing, spielte der Club gerade in der zweiten Liga vor 4.000 Zuschauern. Aktuell konkurriert er mit Schalke, man hat ein neues Stadion gebaut und die vielleicht beiden besten deutschen Trainer auf die Fußballbühne gehoben. Sein Denkmal hat sich Heidel mit dem Status Quo in Mainz längst verdient. Dass er nun wechselt, dass er diese Herausforderung annimmt, diesen nicht ganz einfach zu führenden blau-weißen Fußballclub führen zu wollen, ist auch ein Statement.

Ich bin gespannt.

Den Text zu dem nach der Aufsichtratssitzung erfolgten Bundesligaspiel gibt’s übrigens hier:
Glücklicher Punktgewinn gegen Stuttgart.



Foto: Fuguito

Glücklicher Punktgewinn gegen Stuttgart

Erneut lässt Schalke in einem Heimspiel punkte liegen, nachdem zuvor die Konkurrenz um die internationalen Plätze strauchelte. 1:1 endete Schalkes Heimspiel gegen den VfB Stuttgart. Am Ende musste man damit gar zufrieden sein, die Gäste hatten mehr investiert und waren näher am Sieg als die Blauen.

Nur die Anfangsphase war so, wie man es sich als Fan des FC Schalke vorstellt. Da bestimmte man das Tempo des Spiels, da hatte man den Ball, spielte gen Tor und kontrollierte den Gegner. Younes Belhanda agierte wie ein echter 10er, spielte ein paar schöne, öffnende Pässe und erzielte dieses hübsche Kopfballtor aus 15 Metern. Nicht lange nach der Führung war es mit Schalkes Dominanz allerdings vorbei. Der Rest der ersten Halbzeit war so, wie sich neutrale Zuschauer ein Spiel vorstellen. Zwei Mannschaften die nach vorne spielen, zwei Defensivreihen mit Problemen. Und die zweite Halbzeit war dann so, wie sich Fans des VfB Stuttgart ein Spiel vorstellen dürften.

Ja, auch Schalke hatte in dieser zweiten Hälfte noch gute Chancen. Aber die bessere Mannschaft war nun der VfB. Am Ende standen 13:4 Ecken für die Gäste zu Buche, und da Schalke beim Verteidigen von Flanken immer wieder Probleme hat, war es folgerichtig eine dieser Ecken, die den Ausgleich brachte.
Es war durchaus beeindruckend, mit welchem Selbstbewusstsein Stuttgart agierte. Ob dessen fehlte mir plötzlich der Blick für Schalkes Unzulänglichkeiten, eher bibberte ich mit der Abwehr um die Verteidigung des Vorsprungs. Letztlich vergeblich.

Dieses Spiel derart aus der Hand zu geben ist besonders schade wenn man bedenkt, dass die Ergebnisse des Spieltags für Schalke eigentlich recht gut ausfielen. Mit einem Sieg wäre man auf Rang 4 vorgerückt, punktgleich mit Hertha BSC auf Platz 3. So bleibt es bei 7 Punkten aus 5 Spielen der Rückrunde. Eher ernüchternd, wenn man bedenkt, dass der Spielplan zu Beginn die eher leichteren Gegner vorsieht, dass die formell wirklich starken Gegner erst an den Spieltagen 26 bis 30 anstehen. Bei allem Respekt: Will man bis zum Ende der Saison um einen der Champions League-Plätze mitspielen, sollte man aus Heimspielen gegen Bremen und Stuttgart tunlichst mehr als einen Punkt holen.

Aber das Spiel gegen Stuttgart war ja erst das zweite Schalke-Ereignis am gestrigen Sonntag. Zuvor beschloss der Aufsichtsrat, das Christian Heidel ab Sommer den Vorstandsposten für Sport und Kommunikation übernehmen wird. Dieses Thema wird hier in einem gesonderten Beitrag besprochen.



Foto: Tomek Bo

Remis in Lwiw: Nur die Tore fehlten

Beim Europa League Spiel in Lwiw gegen Schachtar Donezk kommt Schalke zu einem 0:0. Nur zu einem 0:0 muss man sagen, denn am Ende hätte man einen Sieg verdient gehabt.

Die erste Hälfte war noch ausgeglichen. Schachtar hatte eine Druckphase, in der sich das Team vor allem über Außen immer wieder durchsetzen konnte und für Gefahr sorgte. Andererseits gelang es auch Schalke wiederholt, gefährliche Situationen zu kreieren. Ein munteres hin und her mit Chancen auf beiden Seiten.

In der zweiten Hälfte war Schalke dann aber die deutlich bessere Mannschaft. Nun bestimmte man das Tempo, hatte mehr Ballbesitz und erzeugte Druck. Mir gefiel die neue Formation, in der Younes Belhanda zentral und Max Meyer wieder außen agierte, so wie er es in den ersten Spielen nach Julian Draxlers plötzlichem Wechsel schon tat. Mir gefiel dass das nicht statisch war, dass die Außen Meyer und Sané Zug zum Tor hatten, dass man mit Meyer, Belhanda, Choupo-Moting und Sané vier agile und technisch gute Spieler in der Offensive aufbot. Eric Maxim Choupo-Moting passte in diese Reihe, weil er spielerisch mithalten kann, auch wenn er nicht zum Abschluss kam.

Schalke erspielte sich mehr Torchancen als zuletzt in zwei Spielen und erzielte den Treffer doch nicht. Auf der anderen Seite hatte Schachtar zwar weniger, aber doch auch gute Torchancen, in denen Ralf Fährmann retten musste.

Letztlich war es vor allem ein tolles Fußballspiel. Nie langweilig, mit ordentlichem Tempo und mit ein paar aufregenden „Eigentlich-Szenen“. Denn eigentlich hätte Schalke einen Strafstoß zugesprochen bekommen müssen, als sich ein Schachtar-Spieler im Getümmel um den indirekten Freistoß im Strafraum mit Armen auf Kopfhöhe in den Schalker Torschuss drehte. Aber eigentlich hätte es dazu gar nicht erst kommen dürfen, denn schließlich war die Entscheidung des Schiedsrichters, einen unglücklichen „Eigentor-Schuss“ als Rückpass zu werten, ziemlich albern. Noch ein bisschen alberner war allerdings die folgende Szene, als sich fünf Schalker eine kleine Ewigkeit über dem bereitliegenden Ball besprachen, als man sich fragte, welchen gewitzten Plan sie nun aushecken würden um den Gegner zu übertölpeln, als dieses Bohei aber doch nur zu einem plump ins Dickicht gepöhlten Schuss führte; eben an die Arme des besagten Schachtar-Spielers.

Da war mehr drin, in dieser Szene wie im ganzen Spiel. So bleibt alles offen. Die Hälfte ist gespielt. Die andere Hälfte folgt kommenden Donnerstag auf dem Berger Feld. Schalke spielt zwischendurch noch gegen Stuttgart, Schachtar macht so lange Pause. Ma’kucken.



Foto: Tomek Bo