Das Spiel der erfüllten Erwartungen

Auch im sechsten Jahr in Folge kann Schalke sein Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg gewinnen, diesmal mit 3:0. Es war ein angenehmer Nachmittag auf dem Berger Feld und ein verdienter Sieg für Schalke.

Schalke spiele stets gleich, hätte Probleme nach einer Führung mal eine Begegnung „runterzuspielen“. Ich weiß nicht mehr, wo ich das las oder hörte, lange her ist es aber noch nicht. Daran erinnerte ich mich, als ich im Stadion saß und mir das Geschehen in der zweiten Hälfte anschaute. Schalke versuchte genau das. Man überließ dem Gegner ein Plus an Ballbesitz, wollte defensiv sicher stehen und kontern. Das Defensive klappte ganz gut, das Kontern weniger. Der Treffer Alessandro Schöpfs, nach nur 7 Minuten in seinem neuen Heimstadion, war ein schöner Abschluss dieses Spiels; ansonsten plätscherte die zweite Hälfte über weite Strecken so dahin. Spaß machte vor allem die erste Hälfte, in der sich Schalke den Sieg verdiente.

Wolfsburg war von Beginn an um eine hohe Pressinglinie bemüht. Das mochte Schalke nerven, allzu viel Mühe machte es den Blauen aber nicht. Zwar kam auch Wolfsburg zu zwei guten Chancen, aber im Spiel aus dem Mittelfeld in den Angriff war Schalke deutlich zielstrebiger und vielseitiger. Dabei war einmal mehr Leon Goretzka der Tempogeber in der Zentrale.

Zur Halbzeit war ich bester Laune, und den Schalkern um mich herum ging es auch so. Das Wetter passte, die Stimmung war gut. Selbst den Tullus gegen Draxler fand ich okay, laut, aber nicht zu hässlich. Außerdem gab es da diese beiden Endlich-Momente, als erst Klaas-Jan Huntelaar, und dann Johannes Geis per Freistoß trafen.

Johannes Geis ist ein toller Freistoßschütze, das sagt jeder. Kein Sender, dessen Kommentatoren dies nicht schon erwähnt hätten. Keine Zeitung, in der ein Text über Geis ohne diese Behauptung ausgekommen wäre. Entsprechend die Reden von Fans zu diesem Einkauf der Schalker. Aber obwohl er, wann immer er auf dem Platz war, nahezu jeden Freistoß ausführte, und obwohl sich ob des Rufs stets ganz Schalke zu freuen schien wenn einer der Blauen in Strafraumnähe gefoult wurde, war dieses Tor gegen Wolfsburg doch Geis‘ erster Freistoßtreffer in der Bundesliga in dieser Saison. Endlich.

Das noch größere Endlich erzeugte zuvor Klaas-Jan Huntelaar. Während Joannes Geis zentral schaltet und waltet und für Schalkes Spiel entsprechend wichtig ist, ist Klaas-Jan Huntelaars Anteil am Spiel der Blauen marginal, wenn er nicht trifft. Und er trifft eben nicht mehr so häufig. In den ersten vier Spielzeiten für Schalke 04 kam im Durchschnitt in 10 Pflichtspielen auf 7 Treffer. Seit Beginn der letzten Saison 2014/2015 kommt er in der gleichen Rechnung nur noch auf 4 Tore.

An seinem Fleiß liegt es nicht. Klaas-Jan Huntelaar gehört stets zu den Schalkern, die auf dem Platz die meisten Kilometer abspulen – auch in Darmstadt, als das Spiel vollkommen an ihm vorbei lief und er die wenigsten Ballbesitzphasen aller Akteure aufwies, lief kein Spieler mehr als er. Doch während seine Läufe jahrelang dazu dienten, am richtigen Fleck zu sein wenn man ihm den Ball im Strafraum auflegte, ist das Spiel nun anders ausgerichtet. Mehr vertikal, deutlich weniger Flanken aus dem Spiel, die Diagonalläufe eines Leroy Sané sind nun der letzte Schrei. Klaas-Jan Huntelaars Kilometer kommen heute tiefer im Feld zustande, beim Versuch anspielbar zu sein um dem Team auf dem Weg ins Angriffsdrittel zu helfen. Doch wenn dies flott gelingt fehlt er häufig in der ersten Reihe. Klaas-Jan Huntelaars Stärken passen nicht mehr recht zum aktuellen Spiel der Blauen.

Ein Stürmer lebt von Treffern. Nachdem gegen Bremen der Heber Huntelaars nach tollem Tun nur an der Latte endete, war es ein großer Spaß, diesen eigentlich unspektakulären Schuss gegen Wolfsburg im Netz zappeln zu sehen. Klaas-Jan Huntelaar bleibt bis auf weiteres des Trainers erste Wahl als Mittelstürmer. Deshalb bleibt Schalkes Erfolg von des Niederländers Schussglück abhängig und deshalb wäre es problematisch, wenn der nächste Treffer wieder einen Endlich-Effekt beinhalten würde.



Fotos: Tomek Bo



22 Kommentare zu “Das Spiel der erfüllten Erwartungen”

  1. schalker16 sagt:

    Gute Zusammenfassung aber huntelaar ist eben auch nicht mehr der jüngste und man sollte sich im Sommer nach einem neuen top-stürmer umsehen für den man auch etwas mehr bezahlen sollte. Dann hätte man huntelaar immer noch als backup und einen anderen stürmer der besser in das spiel der blauen integriert ist.

  2. Miku sagt:

    Schwer zu beurteilen, wie wichtig er für die jüngeren Spieler ist. Ich habe den Eindruck, dass er er immer 100% will und gibt. Keine leichte Aufgabe, wenn er dann nicht so richtig ins Spiel kommt. Sehe es aber komplett anders als viele von wegen über den Zenit etc…
    In Summe eine gute Leistung. Drei Punkte in Mainz und wir hätten ein bisschen Ruhe… Wird gelingen!

    Glück auf aus dem Süden.

  3. Carsten sagt:

    Endlich… Genau mein Gedanke

    Weiter so… Glück auf

  4. schalkoholiker sagt:

    @Torsten: Zumindest heute hätte ich einen verspäteten Blogeintrag erwartet, nachdem ich letzte Nacht den Sieg der Broncos gesehen und Deine Twitterkommentare gelesen habe. Respekt mein Guter! Und wo ich gerade beim Off-the-Topic bin: Was war Dein Moment des SB50? Der Face Mask Grap von Talib hat sich bei mir eingebrannt. Crazy.

  5. Eddi04 sagt:

    Wir hätten mit Di Santo einen Stürmer, der alles mitbringt, was ein moderner Stürmer haben sollte (guten Schuss, guten Kopfball, Schnelligkeit, mannschaftsdienlich, …)

    Es erschließt sich mir leider nicht, warum er bis dato nicht funktioniert

  6. crisscross04 sagt:

    Sehr schön zusammengefasst, Torsten. Das Einzige, was mich am Samstag ein wenig gestört hat, dass man wieder einmal nach dem 2:0 die Konter nicht besser zu Ende gespielt hat – denn dann hätte man das Spiel auch schon vor der Pause entscheiden können.
    OK, ich gebe zu, Jammern auf hohem Niveau.

    Zum Thema Hunter: Ich sehe ihn gar nicht so schlecht. Torsten hat das schon gut beschrieben. Das Spielsystem ist halt seit dem Abgang unserer Flügelspieler Fuchs, Draxler und Farfan nicht mehr so auf den Hunter zugeschnitten. Obwohl bei den Ecken war er früher sicherlich treffsicherer. Jedoch stellt er sich regelmäßig mit großem Einsatz im Dienst der Mannschaft. So lange er ab und zu noch ein paar Buden macht und in der Torvorbereitung auch noch tätig ist, passt das für mich. Außerdem ist bei den meisten Stürmern immer wieder ein Ladehemmung auf Zeit festzustellen. Also kann sich das Blatt auch ganz schnell mal wieder wenden.

    Übrigens zum Thema Fuchs: Der scheint gerade bei Leicester die Saison seines Lebens zu spielen. Hmmm… ;-)

  7. johajoha sagt:

    @schalkoholiker Nachrichtenseiten, Facebook, Twitter, Sportseiten, etc. alles gemieden. Nur den Königsblog konnte ich mir auf dem Nachhauseweg nicht verkneifen. Aufgrund der bekannten Footballbegeisterung des Blogherrn sicherlich etwas blauäugig von mir. Aber ausgerechnet hier in den Kommentaren schleicht sich ein Spoiler zum SB50 ein ;)

    Lohnt es sich, das Spiel in der Wiederholung zu schauen, auch wenn ich das Ergebnis jetzt scheinbar kenne?

  8. BlueNote sagt:

    Begeistert hat mich die erste Halbzeit. Die zweite dann im gleichen Maße geärgert. Die Taktik, sich hinten reinzustellen, gelang nur, weil die Wölfe an diesem Tag kein erst zu nehmender Gegner waren. Schalke wollte nicht mehr die entscheidenden Meter machen, der Gegner konnte nicht mehr. Es war ein schlimmer Grottenkick hinten raus, Langeweile ohne Ende.

    Kann man auf der ersten Halbzeit aufbauen? Ich weiß es wirklich nicht. Gegen solch schlappe Gegner gelingen uns immer wieder gute 45 Minuten mit sehenswertem Fußball. 90 richtig geile Minuten habe ich lange nicht mehr gesehen und gegen strukturierte, laufstarke Teams sahen wir bislang immer alt aus.

    Also freue ich mich einfach über den 4. Platz und gute Ansätze. Der Umbruch geht weiter und es wird noch einige Male weh tun. Darf es aber auch.

  9. schalkoholiker sagt:

    @johajoha: antwort auf deine frage ist definitiv JA

  10. Carsten sagt:

    @crisscross04

    der Fuchser spielt zur Zeit eine blitzsaubere Saison… das trifft aber auf ganz Leicester zu… vorher waren die eher ne Luftnummer und nun knallen die ManCity 1:3 weg….

    Leicester ist laut Fuchs ja größer als Schalke^^

  11. johajoha sagt:

    @schalkoholiker
    Super, danke für deine schnelle Antwort!

  12. leoluca sagt:

    Routiniertes Auspfeifen, wie Christoph Biermann aus der 11-Freunde-Redaktion anmerkte, das war’s wohl. Harmlos also für Julian Draxler, den ich immer noch vermisse, umso mehr, je langsamer und einfallsloser sich Choupo an der Außenlinie nach vorn bewegt.

    Ordentliches Tempo nach vorn war in der ersten Hälfte trotzdem da, dank Leon Goretzka, der für mich mehr und mehr zum Spielmacher wird. Das entlastet vor allem auch Johannes Geis, den ich viel lockerer erlebte als in den vergangenen Wochen und Monaten.

    Torstens Einschätzung des Huntelaar-Spiels ist vielleicht nicht ganz neu, aber ziemlich interessant, sie nach diesem Spiel zu wiederholen. Denn trotz seines Tores und seines anhaltenden Fleißes bekam er auch diesmal ganz vorne zu wenig Möglichkeiten, seine Klasse zu zeigen. So hat Schalke einfach viel zu wenige Strafraumchancen. Vielleicht müsste Breitenreiter doch schneller über außen spielen lassen.

  13. Gorden sagt:

    Mein Sitznachbar im Block fragte gerade kritisch nach, warum denn wieder der Hunter spielt. Und auch Riether sei als rechter Verteidiger doch viel solider. In diesem Moment passte Caicara auf Huntelaar und der Ball landete im Tor. Endlich! Diskussion beendet.

    Caicara bereitete im Übrigen auch das dritte Tor vor. Der Trainer scheint jetzt seine erste Elf gefunden zu haben.

  14. Zagallo04 sagt:

    Gute Analyse, auch dazu, warum der Hunter nicht mehr so oft trifft. Seine Wichtigkeit für das Schalker Spiel, bleibt für mich allerdings unbestritten. Seine Anwesenheit mag nicht nur den Jungen helfen, insbesondere schafft er Freiräume für die nachstossenden Offensivkräfte. Die gegnerische Abwehr hat den Hunter immer im Fokus. Wer sich auf ihn konzentriert, hat kein Auge mehr für den Rest des Schalker Angriffs. Zugegeben, der Nimbus lässt langsam nach und damit auch die Fokusierung des Gegners. Aber wie gesagt, sie lässt eben nur langsam nach…

  15. Grieche sagt:

    Die Qualität dieses Blogs und der Kommentare zeigt sich (meiner Privat-Meinung nach) daran, dass die Rückkehr von Draxler, die in wirklich fast jedem Zeitungs- und Internetartikel sogar in der Überschrift erwähnt werden, hier keine Rolle spielen. Sehr schön!

  16. Speed Glas sagt:

    Ich finde, dass Kolasinac auch ein sehr gutes Spiel gemacht hat. Offensiv als auch defensiv. Seit seinem Tor in Augsburg hat einen Schritt nach vorne gemacht wie man so schön sagt. Momentan sehe ich ihn mindestens auf Augenhöhe mit Aogo.

    @leoluca: Bzgl. Leon Goretzga schließ ich mir dir an. Er wird immer mehr zum Spielmacher. Er spielt sehr kluge Pässe und ist selbst immer anspielbar. Zusammen mit Geis kann aus den beiden ein klasse ZM werden, das wirklich das Potential hat um Pokale zu spielen.

    Choupo-Moting nervt mich hingegen nur noch! Er verliert so viele Bälle durch seine Alleingänge und auch seine Anspiel lassen sehr zu wünschen übrig. Eigentlich hätte ich erwartet, dass er nach der tollen Leistung in Leverkusen wieder zurück zu alter Form findet. Schöpf scheint da eine Alternative zu sein. Ich hoffe er bekommt gegen Mainz eine ganze Halbzeit in der er sich zeigen kann.
    Caiçara hat gegen WOB sein bisher bestes Spiel gemacht. Ich denke das Trainingslager in den USA hat geholfen, dass er sich weiter eingliedert, denn gegen Darmstadt hat er auch gar nicht schlecht gespielt.

    Das Thema Draxler ist nach dem Sieg auf Schalke wohl abgehakt. Ich meine im Kicker steht auch sehr passend, dass die jungen Talente auf Schalke wesentlich weiter sind als er in WOB. Schlimmer wird es sein, wenn am Ende der Woche verkündet wird, dass Matip im Sommer nach Liverpool wechselt und das ohne eine satte Ablöse.
    Aber vielleicht schaffen wir es ja den Defense Coach der Broncos zu bekommen.

  17. detlef sagt:

    Wetter gut. Stimmung gut. Spiel von Schalke in HZ 1 gut. So sehe auch ich das. Schade das man der Fussballabteilung des VW Werks nicht mehr als 3 Stück einschenkte. Das hätte mich überaus erfreut. Möglichkeiten waren da, aber es fehlte etwas, ich nenne es mal, Gierigkeit. Aber ein 3:0 gegen einen direkten Konkurenten um einen internationalen Platz ist ja auch ganz gut.

    Nicht gut war das was im nicht vollen Gästeblock abging. Warum muss man seine Bierbecher in die Nachbarblöcke werfen? Ich sag mal Scheiss Verlierer.

    Draxler: Nicht erwähnenswert. In der Form müssen sich Schalker ihn sicher nicht zurück wünschen.

    Hunter: Lauter Jubel bei mir und den um mich herumsitzenden Holländern aus Twente. Ich gönne ihm jdedes Tor, denn wie Torsten ganz richtig schreibt, er rennt und macht in jedem Spiel.

  18. michael sagt:

    ………nicht zu vergessen, dass der Hunter am 3:0 eine satten Anteil hat. Wäre der da nicht (in leicht verdächtiger Abseitsstellung) nicht vor dem Tor gekreuzt, hätte der WOB Torhüter wohl den Ball halten können. Trotzdem finde ich, dass mehr Spielsituationen kreiert werden müssten, die die stärken des Hunters (und di Santo) vor dem Tor besser zur Geltung kommen.

  19. #Link11: Jeder Jeck is’ anners | Fokus Fussball sagt:

    […] Zone Erwartungen erfüllt: Schalke fertigt den VfL ab (Königsblog) + + + WTF: Hannover-Jugendspieler planten Raubüberfall (Spiegel)  + + + Ödegaard & Co.: […]

  20. rjonathan sagt:

    Was ich beachtenswert fand:

    – Wie stark ECM nach hinten gearbeitet hat. Ich vermute, das war eine der taktischen Pläne, im Hinspiel hat uns Wolfsburg über die rechte Seite lang gemacht. Diesmal hatte Vierinha keinen Stich. Da kann ich seine wirkungslose Offensive absolut verschmerzen.

    – Wie stark Caicara am Ball war. Er hat zum ersten Mal 100% eingebunden ins Spiel gewirkt und war viel, viel selbstbewusster mit dem Ball am Fuß als in der Vergangenheit. Die zwei Vorbereitungen sind kein Zufall, er war über weite Strecken als „Spielmacher“ aktiv. Möglicherweise auch eine taktische Vorgabe, um die Wolfsburger auszutricksen?

    – Wie sehr Sané nach hinten gearbeitet hat. In Halbzeit zwei ist er endlich mal so nach hinten gesprintet, wie er bei Kontern nach vorne sprintet und hat sich richtig dazwischengeworfen. Mit so viel Energie und Willen habe ich das bei ihm auch noch nicht gesehen.

  21. Happy Weekend (4. Ausgabe) sagt:

    […] Als Schiedsrichter der Partie wurde Tobias Welz aus Wiesbaden angesetzt. Welz gab 2010 sein Bundesligadebüt, ist seit 2013 FIFA-Schiedsrichter, und hat doch erst 5 Spiele des FC Schalke 04 geleitet. Das letzte ist allerdings noch gut in Erinnerung, das war erst vor einem Monat, bei 3:0 Heimsieg gegen den VfL Wolfsburg. […]

  22. Happy Weekend (5) sagt:

    […] der Partie wird Tobias Welz aus Wiesbaden sein; schon wieder. Im Februar leitete er Schalkes Spiel gegen Wolfsburg. Im März leitete er Schalkes Spiel in Berlin. Dies ist nun also sein […]

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