Remis in Lwiw: Nur die Tore fehlten

Beim Europa League Spiel in Lwiw gegen Schachtar Donezk kommt Schalke zu einem 0:0. Nur zu einem 0:0 muss man sagen, denn am Ende hätte man einen Sieg verdient gehabt.

Die erste Hälfte war noch ausgeglichen. Schachtar hatte eine Druckphase, in der sich das Team vor allem über Außen immer wieder durchsetzen konnte und für Gefahr sorgte. Andererseits gelang es auch Schalke wiederholt, gefährliche Situationen zu kreieren. Ein munteres hin und her mit Chancen auf beiden Seiten.

In der zweiten Hälfte war Schalke dann aber die deutlich bessere Mannschaft. Nun bestimmte man das Tempo, hatte mehr Ballbesitz und erzeugte Druck. Mir gefiel die neue Formation, in der Younes Belhanda zentral und Max Meyer wieder außen agierte, so wie er es in den ersten Spielen nach Julian Draxlers plötzlichem Wechsel schon tat. Mir gefiel dass das nicht statisch war, dass die Außen Meyer und Sané Zug zum Tor hatten, dass man mit Meyer, Belhanda, Choupo-Moting und Sané vier agile und technisch gute Spieler in der Offensive aufbot. Eric Maxim Choupo-Moting passte in diese Reihe, weil er spielerisch mithalten kann, auch wenn er nicht zum Abschluss kam.

Schalke erspielte sich mehr Torchancen als zuletzt in zwei Spielen und erzielte den Treffer doch nicht. Auf der anderen Seite hatte Schachtar zwar weniger, aber doch auch gute Torchancen, in denen Ralf Fährmann retten musste.

Letztlich war es vor allem ein tolles Fußballspiel. Nie langweilig, mit ordentlichem Tempo und mit ein paar aufregenden „Eigentlich-Szenen“. Denn eigentlich hätte Schalke einen Strafstoß zugesprochen bekommen müssen, als sich ein Schachtar-Spieler im Getümmel um den indirekten Freistoß im Strafraum mit Armen auf Kopfhöhe in den Schalker Torschuss drehte. Aber eigentlich hätte es dazu gar nicht erst kommen dürfen, denn schließlich war die Entscheidung des Schiedsrichters, einen unglücklichen „Eigentor-Schuss“ als Rückpass zu werten, ziemlich albern. Noch ein bisschen alberner war allerdings die folgende Szene, als sich fünf Schalker eine kleine Ewigkeit über dem bereitliegenden Ball besprachen, als man sich fragte, welchen gewitzten Plan sie nun aushecken würden um den Gegner zu übertölpeln, als dieses Bohei aber doch nur zu einem plump ins Dickicht gepöhlten Schuss führte; eben an die Arme des besagten Schachtar-Spielers.

Da war mehr drin, in dieser Szene wie im ganzen Spiel. So bleibt alles offen. Die Hälfte ist gespielt. Die andere Hälfte folgt kommenden Donnerstag auf dem Berger Feld. Schalke spielt zwischendurch noch gegen Stuttgart, Schachtar macht so lange Pause. Ma’kucken.



Foto: Tomek Bo



19 Kommentare zu “Remis in Lwiw: Nur die Tore fehlten”

  1. Klopenner sagt:

    Ein wirklich munterer Kick den man da gestern Abend (vorhin) sehen konnte. Schöne Spielzüge auf beiden Seiten. Der Schiri war, bis auf den „Rückpass“ auch auf der Höhe.

    Dieses Spiel hätte durchaus aber auch 3:3 enden können, was mir aufgrund der Auswärtstore dann doch noch besser geschmeckt hätte. Da Schalke aber gerne mal schalkig ist und nen Schlendrian hat, ist ein 0:0 sogar irgendwie besser. So müssen wir nämlich gewinnen. Ein Unentschieden reicht nicht, höchstens zur Verlängerung. Weiß jeder, ich weiß :-D

    Schön, dass Belhanda andeuten konnte, was er drauf hat. Auch wenn er nach den ersten 15 Minuten gute 60 Minuten fast nicht zu sehen war. Jedenfalls nicht wirklich auffällig.
    Schön, dass auch Huntelaar mal nur eingewechselt wurde. Das stachelt ihn hoffentlich an.

    Was mir aber wieder mal gar nicht gefallen hat: diese späten Wechsel. 10,4 und 2 Minuten vor offiziellem Ende. Es ist zwar nicht so, dass sich irgendein Spieler heute negativ für eine Auswechslung beworben hat, aber man kann doch auch mal in der 55./60. Minute einen frischen Spieler bringen um die „Stammkräfte“ mal zu entlasten. Werde ich nie verstehen. Gerade wenn positionsgetreu gewechselt wird, ändert das doch nicht viel an der Taktik. Aber immer nur in den Schlussminuten zu wechseln um evtl mal einen Lucky Punch zu erzielen ist mir für das „taktische“ Mittel eines Wechsels viel zu wenig.

  2. Bootz sagt:

    Offtopic: Gibt es eigentlich irgend einen Trainer, der zu früh wechselt? Nein, weil man ja dann nicht weis, was passiert wäre. Fakt ist, dass spätes wechseln sehr viele Tariner machen und es immer kritisiert wird (von mir auch!).

  3. Speed Glas sagt:

    Schalke hat ein sehr ansehnliche Partie gespielt. Das einzige, was sich bemängeln lässt, ist die schlechte Chancenauswertung. Leider, denn ein Auswärtstor wäre sehr wichtig gewesen. Wobei ich nicht verstehen kann, warum das Tor von Matip nicht zählte. Ich habe da kein Foulspiel erkennen können. Neustädter hätte ich das Kopfballtor zuvor gegönnt.

    In Teilen schließe ich mich Torstens Meinung an. Die genannten Offensivspieler haben in dem von Breitenreiter gewählten System sehr ordentlich gespielt. Allerdings finde ich, dass Meyer auf zentraler Position besser aufgehoben ist. Belhanda taucht da zu lange Zeit ab. Gut gespielt hat auch Fährmann. Ich fand das schon sensationell, was er da für Reflexe gezeigt hat. Mittlerweile ist es nur noch lächerlich, dass er nicht zur Nationalmannschaft gehört. Was für Leistungen muss er denn noch zeigen, damit er dort eine Chance erhält?
    Bleibt zu hoffen, dass wir gegen den VfB aus Stuttgart mindestens genauso so gut Spielen und endlich diesen Chancenversiebungsfluch besiegen können. Ich bin auch bereit ein Opfer dafür zu bringen. Ich schmeiße ein paar BxB-Klamotten ins Feuer und trinke Ambrosia, oder Bier.

  4. andres sagt:

    Da ich nur den Ticker verfolgt habe, bin ich froh hier eine positive Bewertung des Spiels zu lesen.
    Gestern blieb zunächst nur Ärger über die späten Wechsel.
    Kann man ja machen, aber wenn man die letzten 10 Minuten in Überzahl spielt, verschwende ich doch keine 2 davon für effektlose Wechsel!
    Hat Sam sich da wenigstens ordentlich präsentiert?

  5. Speed Glas sagt:

    @andres:
    Sam hatte nicht viele Szenen. Gefühlt war das Spiel zum Zeitpunkt seiner Einwechselung aber auch schon gelaufen. Ich glaube aber, dass kaum jemand die säten Einwechselungen nachvollziehen kann. Sicherlich hätte ein Wechsel um die 60 min herum dem Schalkerspiel gut getan.

  6. eakus1904 sagt:

    andres sagt:

    19. Februar 2016, 07:56 Uhr #
    Hat Sam sich da wenigstens ordentlich präsentiert?

    Frag das die Taube, die er kurz vor Schluss vom Stadiondach geschossen hat….

    Kann mich der Spielwertung von Torsten nur anschließen. Einzig der Hinweis auf den aberkannten Treffer von Matip fehlt mir. Für mich ganz klar kein Foul bzw. hätte man dieses harmlose Gedränge niemals abpfeifen dürfen. Diese Linie konsequent auf beiden Seiten durchgezogen, gibt es im Spiel 25 Elfmeter.

  7. Carsten sagt:

    moin

    toller Kick, toller Ralle, hat mir eigentlich alles gefallen nur die Chancenverwertung!? wtf

  8. Eddi04 sagt:

    Ich habe auch eine reife Leistung unseres Team gesehen, wenngleich ein Tor natürlich wichtig gewesen wäre.

    Positiv möchte ich ausdrücklich die Entwicklung von Caicara heraus heben.

    Max Meyer gehört für mich nicht auf den Flügel, sondern ins Zentrum. Er ist defensiv zu schwach und seine Stärken auf engem Raum kann er am Flügel offensiv nicht so entfalten.

  9. schalkoholiker sagt:

    Die Rückpassauslegung des Schiris war in der Tat sehr gewagt. Aber das gab es zu Beginn des Jahrtausends schon einmal – nur damals leider gegen uns. Und mit einer anderen Verwertung des resultierenden Freistoßes. Im Moment des Freistoßpfiffs lief bei mir spontan und ungesteuert das ganze Kopfkino an. Und auch wenn es hier nicht um die Meisterschaft oder ähnlich großes ging: Wenn das damals ein Rückpass war, dann war das gestern erst recht einer :-)

  10. Spete04 sagt:

    Ich bin auch kein Freund der späten Wechsel, aber um in diesem konkreten Spiel mal dagegen zu argumenteiern: manchmal zerstören Wechsel auch den vorhandenen Spielfluß und bringen keinen neuen Schwung. Und wenn man die Zeitpunkte der Chancen in der zweiten Hälfte Revue passieren lässt (49. Sané, 61. Belhanda, 64. Meyer, 67. das Tor von Matip, 74. Belhanda, 75. indirekter Freistoß von Meyer), dann gab’s meiner Meinung nach bis dahin keinen Anlaß etwas zu ändern.

    Die Reflexe von Fährmann waren klasse. Ich glaube was Löw von einer Nominierung zur Nationalmannschaft abhält, ist im Vergleich zu anderen Torhütern sein „fußballerisches Können“. Lange Abschläge oder Bälle nach vorne finden da leider nicht immer ihr Ziel. Wenn ich mich richtig erinnere, landete gestern auch ein langer Ball weit entfernt vom Ziel im Seitenaus. Das soll gar keine Kritik sein. Ich bin froh, dass wir ihn im Tor haben! Es ist evtl. nur der kleine Unterschied zu den vielen anderen guten Torhütern in Deutschland.

    Ansonsten war das ein tolles Spiel gestern!

  11. wilbor sagt:

    Was Fährmann betrifft: Auf der Linie und im „eins gegen eins“ Weltklasse, gut in der Strafraumbeherrschung aber nicht mehr als ausreichend im Spielaufbau und bei Abschlägen. Das weiß er und das weiß auch auch der BTT.

  12. leoluca sagt:

    Ein wirklich gutes Schalker Spiel, da man den Ball immer wieder schnell nach vorne trug und zu vielen Torchancen kam. Das lag offensichtlich an der neuen Kombi mit Belhanda, der stärker (und im Wechsel mit Meyer) zentral spielte, und Choupo, der in der Spitze seine feine Balltechnik viel besser ausspielen kann als auf außen, wo er zu langsam ist.

    Meyer und Sane habe ich weniger stark gesehen. Im Zweifel zieht Meyer immer noch das Dribbling stets dem schnellen Passspiel vor und läuft sich zu oft fest.

    Schließlich habe ich den Hunter dann doch vermisst: bei den Torchancen. Solche Hundertprozentigen, die Sane und Belhanda vergaben, erfordern den Knipser im gegnerischen Strafraum.

    Schalke hatte zwar mehr Torchancen, aber Donezk war in der zweiten Hälfte mit seinen gefährlichen Angriffen ziemlich nah dran an der Führung. Das defensive Mittelfeld schien mir diesmal nicht so präsent und stabil zu sein wie man es vor allem von Goretzka inzwischen kennt, so dass sich vor der Abwehrkette häufig große Räume für Donezk boten.

  13. #Link11: Ochmonek Reality | Fokus Fussball sagt:

    […] auch nicht ungefährliches Ergebnis. Die Königsblauen hatten Donezk weitestgehend im Griff, der Königsblog bemängelt aber die mangelhafte Chancenverwertung. Und auch trotz ausgebliebenem Torjubel hat Spiegel Online ereignisreiche 90 […]

  14. BlueNote sagt:

    Ich bin d’accord mit Torstens Analyse. Ein gutes Spiel, allerdings mit sehr schlechter Chancenverwertung.

    Erwähnen sollte man noch die unfassbare Kopfballschwäche vorm gegnerischen Tor bei den drei Großchancen von Sane (2x) und Neustädter. Insbesondere Neustädter hatte schon beim letzten Spiel einen Aussetzter beim Kopfball (defensiv) und nun köpft er relativ unbedrängt einen Ball direkt in die Arme des Torwarts anstatt in die freie Ecke. Puh. Ich hielt ihn bislang für einen ganz passablen Kopfballspieler. Naja…

    Sanes frei Kopfbälle sahen aber noch viel übler aus. Völlig blank so zu versemmeln, das muss man auch erstmal hinbekommen. Er war ja selbst völlig fassungslos ob dieser Böcke. Sicherlich ein To do für die ein oder andere Trainingseinheit. Ansonsten machte er ein ganz ordentliches Spiel.

  15. Torsten sagt:

    Stimmt, über das abgepfiffene Matip-Tor hätte ich schreiben sollen, das habe ich tatsächlich einfach vergessen. War spät ;-)

    Ja, das war kein Foul im Regelsinn. Aber der Verteidiger hat es eben gemacht, wie „sowas gemacht wird“. Eine dieser Szenen, die außerhalb des Strafraums nie, innerhalb des Strafraums bei Foul an dem Verteidiger sehr, sehr häufig gepfiffen wird. Und sind wir ehrlich: Auch unsere IV lassen sich in ähnlichen Szenen gerne „runterdrücken“ und bekommen dann auch den Pfiff zu ihren Gunsten.

    Ich fand das eher sehr üblich denn skandalös.

  16. detlef sagt:

    Gute Bewertung des Spiels, Torsten. Auch wenn du das ( nicht gegebene ) Tor vergessen hast ;-)
    Deiner Bewertung dazu im Kommentar will ich mich einfach nicht anschliessen, auch wenn du schlüssig argumentierst.

    Bei der Aufstellung habe ich die Augenbrauen hochgezogen. Ein gesunder Hunter sitzt nur auf der Bank. Endlich muss ich gestehen. Endlich versucht AB mal offensiv anders, sprich mit mehr Tempo und Positionswechseln zu operieren. Meiner Meinung mit Erfolg. Das der Hunter die ein oder andere Chance reingemacht hätte stellt sich aus meiner Sicht nicht, da sie mit ihm so gar nicht entstanden wären.

    Und jetzt könnt ihr mich verbal verhauen. Klaas-Jan Huntelaar ist in der derzeitigen Form keine Verstärkung für den FC Schalke 04. Er ist zu langsam, kann wenig Bälle festhalten und im Kombinationsspiel nicht gut genug. Er definiert sich nur über Tore und davon macht er derzeit zu wenige.

  17. rjonathan sagt:

    @detlef
    Nichts da verhauen. Gebe ich dir recht. Ist leider so.

    @Matip-Tor
    Es war schon sehr wenig Gedrücke im Vergleich zu ähnlichen Situationen. Aber gut, Torsten hat schon recht, das war. Mich wundert diese Linie immer ein wenig.

    @Einzelspieler
    Ich glaube Chuopo wurde gesagt, dass er schneller spielen soll. Er hat viel öfter als in der Vergangenheit mit ein, zwei Ballberührungen das Spiel schnell gehalten. Sonst war er ja so ein typischer „Kellerscher Tempokiller“ aus unseren Anti-Konter-Zeiten.

    @Rückpass
    Ich finde den Pfiff in Ordnung. Man kann, finde ich, wirklich gar nicht erkennen, was die Absicht dieses Passes war. Man denk, Absicht kann es ja nicht sein. Aber was war denn dann der eigentliche Versuch? Das war so unklar und da finde ich die Entscheidung nachvollziehbar bis richtig.

  18. titi sagt:

    Geb dir recht bis auf die Sache mit Max Meyer, der Junge hat sich so langsam mal ein Spiel auf der Bank verdient. Ich finde er bremst das sonst ganz gute Offensivspiel oft weil er den Ball zu lang hält und den Kopf nicht oben hat. Zum indirekten Freistoß: Wenn der Ball schon links am 5 Meterraum liegt und die Mauer komplett in der linken Ecke steht, sollte man nicht auch noch weiter nach links spielen um den Winkel noch mal zu verkleinern. Des weiteren ist es unheimlich überraschend auf den Etatmäßigen Freistoßschützen zu passen. Denke aus der Distanz hätte auch ein Zeugwart treffen können.

  19. 0 Offensivspiel beim 0:0 in Frankfurt sagt:

    […] ist erst 11 Tage her, dass Schalke bei einem 0:0 ein gutes Spiel bot. Seitdem hat man sich dreimal schlecht präsentiert. Das ist tragisch, denn Schalkes […]

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