Artikel im März 2016

Die Pause vor der Schlussetappe

Osterferien, auch in der Bundesliga. Eine letzte Pause. Danach geht es in einem durch, die letzten 7 Spieltage an 7 aufeinanderfolgenden Wochenenden. Das Derby an einem Sonntag, ansonsten spielt Schalke samstags.

Die Tabelle ist dreigeteilt. München und Dortmund sind in allen Belangen enteilt. Die sechs Clubs von Hertha BSC auf Rang 3 bis Wolfsburg auf Platz 8 spielen um die Qualifikationen für die Europapokalwettbewerbe. Ab Köln (9.) geht es darum, nicht abzusteigen: Köln und Frankfurt (17.) trennen nur sechs Punkte.

Das Web 04 hat das Restprogramm der Bewerber um die internationalen Plätze veranschaulicht. Dabei muss Schalke als einziges noch gegen München und Dortmund spielen. Nimmt man aber die aktuelle Tabellenplatzierung der jeweiligen Gegner als Maßstab, hat Schalke nach Mainz das leichteste Restprogramm dieser sechs Clubs. In deutlich: Will Schalke in die Champions League, muss man nun liefern und Ingolstadt (10.), Hannover (18.), Augsburg (15.) und Hoffenheim (16.) eben schlagen. Damit käme Schalke auf 56 Punkte und könnte, gemessen am derzeit niedrigen Punkteniveau in diesen Rängen, auf Platz 4 hoffen.

Ist das realistisch? Eher nicht. Ist es denkbar? Ja. Schalke ist dermaßen unkonstant, die Spieleverläufe, die Ergebnisse, selbst die dargestellten Spielstile erscheinen derart zufällig, dass immer alles denkbar ist; im Guten wie im Schlechten.

Ehrlich gesagt, auf eine weitere Saison in der Europa League habe ich auch keine Lust. Spiele gegen Tripolis oder Nikosia interessieren mich weniger als ein Testspiel gegen Arminia Bielefeld, und die vielen Bundesligaspiele an Sonntagen in Europapokalwochen sind mir ein Greul. Aber Schalke braucht eben das Geld. Schalke droht im Ligamittelmaß zu versinken und jeder fehlende Euro macht dieses Szenario ein bisschen wahrscheinlicher.

Es ist Karwoche, da darf man auch mal mit Trübsal einen Text beenden. Aber es folgt Ostern, Licht nach dem Dunkel, neue Hoffnung, Erlösung. Abgesehen von Meisterschaft und Abstieg ist für Schalke 04 in dieser Bundesligasaison noch alles möglich. Ma’kucken.

Hier geht’s am Montag nach dem Spiel gegen die Schanzer aus Ingolstadt weiter.
Schöne Ferien, angenehme Feiertage, bis dahin. Glückauf.

In Fährmanns Fäustchen gelacht

Schalke gewinnt sein Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach 2:1. Ein glücklicher Sieg einer teilweise desolat agierenden Schalker Mannschaft. Aber Schalke hat einen großartigen Torhüter zwischen den Pfosten und manchmal sind die „dreckigen Siege“ die schönsten. Als nach dem Spiel Gladbachs Mannschaft und Trainer überhaupt nicht mehr aufhörten, sich ob ihres angeblich so tollen Spiels selbst auf die Schultern zu klopfen, konnte man sie als Fan schön lächelnd reden lassen.

In der ersten Halbzeit bot Schalke den missratensten Fußball, seit André Breitenreiter Trainer der Blauen ist. Dieser stellte nicht nur viel neues Personal auf, er präsentierte auch eine neue Formation. Eine 3er-Kette, beflankt von Sead Kolasinac und Leon Goretzka, mit einem 6er davor. Bis man das als Zuschauer erkannte, verging allerdings eine Weile. Man begann zu erahnen, wie es hätte aussehen sollen, es sah aber nie so aus, weil die Umsetzung nicht funktionierte. Wenn Gladbach längst wieder den Ball hatte, rannten Kolasinac und Goretzka im Irgendwo herum. Pierre-Emile Höjbjerg war im defensiven Mittelfeld vollkommen überfordert und Matip, Neustädter und Riether sahen sich den Angriffsversuchen Gladbachs mal um mal bloßgestellt gegenüber. Hauptsächlich vor den drei Alleingelassenen, zu oft auch auf den Flanken, bekam Schalke große Räume nicht geschlossen.

André Breitenreiter versuchte alles. Aber egal ob Leroy Sané rechts oder links spielte, das Offensivspiel wurde dadurch nicht beeinflusst. Egal ob Leon Goretzka rechts oder vor der Innenverteidigung agierte, Gladbach blieb in allen Varianten ungestört. Letztlich wurden die Gladbacher Abschlüsse erst weniger, als sich Schalke weit zurückzog, das Maximum an Beinen vor das eigene Tor stellte und auf Mitspielen weitestgehend verzichtete.

Ja, Schalke spielte furchtbar. Aber Ralf Fährmann hielt eben fantastisch. Leroy Sané agierte in dieser einen Szene vor dem 1:0 unnachahmlich, klaute den Ball, spurtete und behauptete sich. Und Gladbach war an diesem Tag eben eher nach Eigentoren.
Schon in der 23. Minute fälschte man eine Riether Flanke zur besten Schalker Chance der ersten Hälfte ab. Der Treffer nach Sanés Vorbereitung hatte das Zeug, ein Eigentor-Klassiker zu werden. Auch Goretzkas Siegtreffer wurde erst durch Xhakas Körper so richtig unhaltbar.

Wen Gladbach anderes als sich selbst für diese Niederlage verantwortlich machen möchte, ist mir ein Rätsel. Wofür sie sich nach diesem Spiel alle selbst lobten auch. Gegen einen derart schwachen Gegner werden sie sobald nicht wieder spielen, gegen diese Schalker wäre an diesem Tag jede Mannschaft zu einem Haufen Chancen gekommen. Gegen die andere Borussia in drei Wochen würde eine solche Leistung der Blauen zu einem Debakel führen. Gegen Gladbach waren’s drei Punkte.

Fäustchen machen, reinlachen.



Foto: Tomek Bo

Schalkes Konzernbericht: Meine Fragezeichen

Schalke 04 hat gestern den Konzerngeschäftsbericht 2015 veröffentlicht. Gerne würde ich hier darüber schreiben, ihn bewerten, meine Meinung kundtun, wie ich es sonst zu fast allen Themen rund um die Blauen tue. Leider fehlt mir das Know How dazu. Ich kenne mich mit den Begriffen solcher Berichte zu wenig aus, als dass ich mich dazu auslassen möchte. Ich habe mehr Fragen als Antworten.

Schon beim Titel stellt sich mir die erste. Bis 2009 veröffentlichte Schalke „Geschäftsberichte“. 2010 veröffentlichte man zusätzlich zum „Geschäftsbericht“ einen „Konzernbericht“. In der Folge gab es von 2011 bis 2014 nur noch „Konzernberichte“. Der neue Bericht für 2015 nennt sich „Konzerngeschäftsbericht“.

Warum?

Oder die Seite 3. Da wird die „Entwicklung Liquide Mittel von 2011 bis 2015“ dargestellt. Die in einem Säulendia- gramm dargestellte Steigerung sieht prima aus. Für 2015 steht da was von 18 Millionen Euro. Für 2011 zeigt die Säule nach unten, steht bei -6 oder -7 Millionen Euro. Sind Liquide Mittel das, was in der Bilanz unter „Kassenbestand und Guthaben bei Kreditinstituten“ ausgewiesen wird? Der dort aufgeführte Wert von 18.083.994,30 Euro für 2015 würde passen. Nicht passen würde allerdings der unter diesem Punkt aufgeführte Wert im Konzernbericht 2011 – dort sind immerhin noch 811.418,22 Euro aufgeführt. Hätte der Konzern mit minus 6 Millionen Euro „Liquider Mittel“ nicht pleite sein müssen?

Ebenfalls nicht klar ist mir der Unterschied zwischen „Finanzverbindlichkeiten“ und dem Posten „Verbindlichkeiten“ in der Bilanz. In einer Grafik auf Seite 10 wird der Rückgang der „Finanzverbindlichkeiten“ dargestellt. Auch in der Pressemitteilung zur Veröffentlichung der Zahlen verweist Finanzvorstand Peter Peters darauf, dass die „Finanzverbindlichkeiten“ seit einem Höchststand von ca. 250 Millionen Euro im April 2010 um rund 100 Millionen Euro verringert werden konnten.
Der Punkt „Verbindlichkeiten“ in der Bilanz weist einen Betrag von 194.505.597,37 Euro zum 31.12.2015 aus. Am 31.12.2009 waren es 248.611.108,53 Euro. Hier hat es also keine 100 Millionen Euro Verringerung, sondern nur etwas mehr als die Hälfte. Sind das nicht eigentlich die Zahlen, die man im Auge haben sollte?

Der „Konzernjahresüberschuss“ beträgt 22,5 Millionen Euro. Im ersten Moment ist mir danach, dass negativ zu empfinden. Dass dieser Überschuss (auch) durch Transfererlöse erzielt wurde, wird im Bericht erwähnt. Schalke hat Julian Draxler und Jefferson Farfan verkauft, Schalke hatte nicht für adäquaten Ersatz gesorgt. Schalke hatte beispielsweise auch den Vertrag mit Joel Matip nicht verlängert, was sicherlich einen „Signing Bonus“ gekostet hätte. Mir scheint, dieser Überschuss wurde zu Lasten der sportlichen Konkurrenzfähigkeit erzielt. Sehe ich das richtig so oder übersehe ich da was?

Fast alles, was dort schriftlich dargestellt wird, liest sich positiv. Dass die Sponsoringerlöse steigen, dass der fixe Anteil daran gegenüber dem erfolgsbasierten Anteil steigt, dass auf Grund von mehr fussballfremden Veranstaltungen in der Arena der Umsatz im Catering deutlich gesteigert wurde. Doch bei all dem habe ich stets das gleiche Problem, dass mir das Wissen um einen Maßstab fehlt. Dass ich nicht einschätzen kann, wie viel Plus gut ist, oder ob nicht zum Beispiel vielleicht der Catering-Umsatz pro Veranstaltung zurückgegangen ist, wie die Entwicklung in der Buchung der Arena für fußballfremde Veranstaltungen ausschaut.

Denn dass Schalke sich in diesem Schriftstück positiv darstellen will, sollte jedem klar sein. Tatsächlich wird auf Seite 6 sogar der „Beste Saisonstart seit 44 Jahren“ erwähnt – Königsblog-Leser wissen seit einer Woche, dass sich dieses dolle Ding auf genau einen Spieltag, den Siebten, bezog. Wenn der Rest des Textes genauso „wahrhaftig“ ist …

… aber ich weiß es eben nicht. Vielleicht weiß das hier jemand besser einzuschätzen. Ich bin für jeden Kommentar dankbar.



Alle Geschäfts-/Konzern- und Konzerngeschäftsberichte seit 2009 lassen sich hier finden:
schalke04.de/Finanzinformationen

Schneckenrennen

Seit der Winterpause spielte die Konkurrenz wiederholt „für Schalke“. Wiederholt wussten die Blauen das nicht zu nutzen, ließen Punkte liegen, die sie gegen die gleichen Gegner in der Hinrunde noch gewannen. Dennoch liegt Schalke weiterhin nur einen Punkt hinter Platz 4. Ein „Schneckenrennen“ sei das, ist immer wieder zu hören und zu lesen. Ein Ausdruck, der darauf schließen lässt, dass viele Clubs hinter ihren Erwartungen zurückbleiben.

Nun lassen sich Erwartungen schlecht vergleichen, Punktestände aber schon. Also habe ich mal die Punktestände der Tabellenplätze 3 bis 8 nach dem 26. Spieltag mit denen der letzten sechs Jahre verglichen:

Demnach sind Schalkes 41 Punkte nach 26 Spieltagen ein sehr normaler Wert für den auf Platz 5 geführten Club. Auch die 40 Punkte des FSV Mainz 05 liegen exakt auf dem Durchschnitt aller Sechstplazierten, die Punktekonten Leverkusens und Wolfsburgs sind ebenfalls ziemlich „normal“.

Die Punktestände der Clubs auf Platz 3 und 4 liegen allerdings tatsächlich unter dem Durchschnitt. Letztlich ist es das, was das Gefühl des Schneckenrennens auslöst: Nicht etwa, dass alle „herumschnecken“ würden, aber vorne setzt sich im Kampf um Platz 3 und 4 niemand so recht ab. Bezogen auf den Kampf um Platz 4 gab es so wenig „Favoritentum“ zuletzt 2013. Damals reichte Schalke unter Jens Keller am Ende 55 Punkte zur Qualifikation zur CL-Qualifikationsrunde, ein Wert der geringer nie war, seit sich im Jahr 2000 der TSV 1860 München mit nur 53 für die „Königsklasse“ empfahl.

Zum Vergleich, hier noch die Punktestände der Tabellenplätze 3 bis 8 der letzten sechs Jahr nach Saisonschluss:

S04 gegen Berlin: Das verlorene Spiel um Platz 3

Schalke verliert bei der Hertha in Berlin 2:0. Eine verdiente Niederlage, die am Ende durchaus höher hätte ausfallen können. Nach ordentlichem Beginn fehlten Schalke die Mittel, um gegen eine sich steigernde Hertha bestehen zu können.

Nach dem Spiel war man sauer auf Dennis Aogo. Schalkes Rechtsverteidiger hatte die größte Torchance kläglich vergeben. Als er in der 55. Minute eher zufällig frei vor Hertha-Torhüter Rune Jarstein zum Schuss kam, hätte das der Ausgleich sein können. Dass man darauf angewiesen war, dass man auf ihn schimpfte, und nicht auf das insgesamt überaus unproduktive Offensivspiel der Mannschaft, war bezeichnend für das Spiel und die Schalker Mode, bei öffentlichen Statements mit Umständen zu hadern und alles irgendwie bemüht positiv zu sehen.

Neben Dennis Aogo vergab Klaas-Jan Huntelaar eine große Torchance. In der 21. Minuten kam er frei zum Kopfball, nachdem Junior Caicara den Ball von der Gundlinie in den Strafraum flankte. Eine Situation, wie für ihn gemacht, die gleichsam als Gegenstück zu dem stand, wie Schalke seinen alleinigen Stürmer ansonsten einzusetzen versuchte. Vor allem in der ersten Halbzeit agierte Schalke lange nicht schlecht, das Pressing funktionierte, man versuchte schnell auf Offensive umzuschalten. Aber alle Angriffsversuche stockten immer wieder, weil Klaas-Jan Huntelaar daran scheiterte, Steilpässe vernünftig anzunehmen und zu verwerten, oder weil die Pässe zuvor bereits schlampig gespielt wurden.

Während Schalke sich immer wieder an sich selbst versuchte, konnte sich Hertha BSC im Spielverlauf steigern. Ab Mitte der ersten Halbzeit waren die Gastgeber die bessere Mannschaft. Bis zur Halbzeit konnte man den Spielverlauf aus Schalker Sicht als unglücklich erachten. Auch Berlin hatte bis dahin nicht viele Chancen, Schalke machte eben den einen Fehler, der Hertha zur Führung reichte. Aber Schalke spielte nach der Pause gleichförmig weiter, als stünde es noch 0:0. Hertha hingegen wurde immer souveräner. Die Chance Dennis Aogos war ein „Fehler im System“, ansonsten hatte die Hertha das Spiel im Griff. Defensiv ließ man nichts anbrennen, offensiv suchte und fand man immer wieder Lücken im Schalker Mittelfeld. Hertha vergab einige beste Chancen und ließ den immer wieder in höchster Not rettenden Roman Neustädter zu Schalkes bestem Spieler werden.

Auf Schalke spricht man häufig von „konstanten Leistungen“ und meint doch eigentlich nur konstante Ergebnisse. Gewinnt man zweimal in Folge wird dies als was erachtet worauf „aufzubauen“ sei, unabhängig davon, wie sich die Spiele und die präsentierten Spielweisen darstellten. Pal Dardai hat hingegen tatsächlich aus seiner Mannschaft ein konstant spielendes Team geschaffen. Eine gut funktionierende Defensive ist die Grundlage für ein Spiel, das sich keinesfalls auf diese Defensive beschränkt, sondern das in der Offensive den Fähigkeiten seiner Protagonisten entspricht und deshalb erfolgreicher ist, als es die ganze Liga erwartet hat. Die Hertha ist vollkommen klar in ihrem Tun, hat eine für sich passenden Spielstil entwickelt, auf den sich tatsächlich aufbauen lässt.

Dem hinkt Schalke 04 hinterher. Schalke liefert jede Woche unterschiedliche Leistungen ab, häufig genug auch unterschiedliche Herangehensweisen. Auf Schalke passt die Spielausrichtung keineswegs immer zu den Stärken der Protagonisten, und letztlich hat man auch keine so guten Stürmer wie Salomon Kalou und Vedad Ibisevic. Wenn dieses Spiel der Kampf um Platz 3 war, wie die Begegnung vor dem Anpfiff medial verkauft wurde, bleibt zu konstatieren: Den hat Schalke verloren.



Foto: Tomek Bo

Happy Weekend (4)

Nach dem Sieg gegen den 1. FC Köln war es in dieser Woche recht ruhig auf Schalke. Als Schalker ist man das nicht gewohnt, fast fehlt einem da was, also suchte ich nach Tullus in anderen Clubs, las und hörte quer, und fand überraschend viel Schalkewunsch bei Krisenclubs.

In Frankfurt zum Beispiel, wo man vergangenen Sonntag Armin Veh entließ und recht zügig mit Nico Kovac einen Nachfolger präsentierte. Nicht zügig genug, als dass nicht zuvor ordentlich diskutiert worden wäre. Dabei galt Ex-Schalke-Trainer Jens Keller zunächst als Top-Kandidat. Keller war Spieler in Frankfurt und es hieß, er könne mit dem derzeitigen Eintracht-U19 Trainer Alexander Schur als Assistenten eine Lösung für die Zukunft sein. Dienstagfrüh bemerkte aber die FAZ, dass eine Lösung mit Jens Keller eine gewisse Tücke beinhalte: Die Eintracht wolle schließlich zum 1. Juli den Posten des Sportvorstands neu besetzten. Nachdem Christian Nerlinger und Christoph Metzelder abgesagt haben, schiene es so, als sei Horst Heldt „der einzige (Bundesliga-)Kandidat von Rang und Namen, den die Aufgabe am Main reizt“. Und der habe Keller schließlich gerade erst entlassen.

Ein anderer Krisenclub, wenngleich zugegebenermaßen auf höherem Niveau, ist Bayer Leverkusen. Dort wird Trainer Roger Schmidt angezählt, von immer mehr Leuten, immer lauter. Mit 36 Punkten steht Leverkusen auf Rang 8, fünf Punkte hinter Schalke. Zuletzt war eine 1:4 Niederlage gegen Werder Bremen hinzunehmen, es folgte nur ein Punkt in Augsburg, gestern eine Niederlage in der Europa League: Wenn man am Sonntag auch gegen den HSV verliert, könnte es das für Roger Schmidt gewesen sein, meint Kevin Scheuren im Interview bei „Mein Sportradio“.
Die Situation mit Roger Schmidt sei verquer, und ein Grund, warum es mit Trainern in Leverkusen immer wieder nicht klappe, sei Rudi Völler. Völler installiere und deinstalliere die Trainer. Vielleicht müsse man da Grundsätzliches ändern, auf Schalke würde das ja auch gemacht, so Scheuren. Er sieht Leverkusen und Schalke auf Augenhöhe, er glaubt, dass Christian Heidel auf Schalke funktionieren wird und er befürchtet, dass Leverkusen dann gegenüber Schalke ins Hintertreffen gerät. Nebenbei würde sich Scheuren als einen möglichen zukünftigen Leverkusen-Trainer den Ex-Schalker Mirko Slomka wünschen. Auch hier also ganz schön viel Königsblau.

Die heutigen und wahren Königsblauen spielen aber in Berlin. Kommen wir zum Spiel.
 
 
In Berlin, auf’m Platz

Schalke spielt in Berlin auf neuem Rasen. Erst gestern wurden die Arbeiten daran abgeschlossen, erst heute wird er mit Linien versehen. Vergangenen Sonntag hatte Hertha in Hamburg verloren. Danach sprach man davon, dass die Mannschaft den Dreitagerhythmus einer „englischen Woche“ nicht gewohnt sei. Tatsächlich verlor Hertha BSC auch die Bundesligapartie, nachdem man zuletzt unter der Woche im Pokal antreten musste. Ohne „englische Woche“ verlor Hertha letztmalig am 28. November 2015. Auswärts, bei Bayern München. Auf das heutige Spiel gegen Schalke konnten sich die Berliner fünf Tage vorbereiten.

Schalke hatte einen Tag mehr zur Regeneration. Der Kader stellt sich unverändert dar, Eric Maxim Choupo-Moting wird weiterhin nicht zur Verfügung stehen, Leon Goretzka sowieso nicht.
Es gibt also eigentlich nichts Neues zu Schalke zu erzählen, die Pressekonferenz der Blauen zum Spiel gegen Hertha BSC möchte ich dennoch empfehlen. Trainer André Breitenreiter war gut aufgelegt und hat meines Erachtens einige Dinge so gesagt, wie man sie sich als Fan nur wünschen kann. Dabei stellte er dar, was er als den „nächsten Schritt“ in der Entwicklung seiner Mannschaft erachtet. Dass ihm die „Art und Weise“ des Fußballs seiner Mannschaft wichtig sei. Dass er will, dass die Mannschaft nun nachlegt. Dass „Nachlegen“ dabei nicht ergebnisbezogen gemeint sei, klar will man das, aber er fordere, dass die Mannschaft aktiv und präsent sei, dass man presse, dass man mutig spielt, dass man keinen Schritt weniger mache. Eine Hoffnung spendende Rede. Sehenswert.
 
 
Daten und Drumherum

Schalke macht das Olympiastadion in Berlin nicht mehr voll. Es werden über 50.000 Zuschauer erwartet. Das ist nicht schlecht, bei den Heimspielen gegen Wolfsburg oder Mainz waren es jeweils gerade 40.000 Zuschauer, trotz attraktiverer 15:30 Uhr Anstoßzeiten. Aber es passen eben über 74.000 Zuschauer rein. Das füllen nur noch Borussia Dortmund und Bayern München.

Von den letzten 14 Begegnungen mit Hertha BSC hat Schalke 12 gewonnen, zweimal ging’s unentschieden aus.

Dies wird für Schalke 04 das dritte Freitagabend-Auswärtsspiel der Saison sein. Die beiden vorherigen gingen verloren, in Mainz (1:2) und in Wolfsburg (0:3).

Bei Wettanbietern wird die Partie ausgeglichen gesehen. Einer Quote von 2,6 für einen Heimsieg steht eine 2,8 für einen Sieg Schalkes gegenüber, für ein Remis steht die Quote bei 3,2.

Zum Anpfiff soll es in Berlin laut Google 4° C haben. Es wird ziemlich sicher trocken dabei sein (Niederschlagswahrscheinlichkeit: 5%)

Beim letzten Spiel in Köln sah kein Schalker die Gelbe Karte. Entsprechend ändert sich an den von einer Sperre zum nächsten Spiel gefährdeten Spielern nichts: Dennis Aogo, Junior Caicara und Johannes Geis sind mit je 4 Gelben Karten vorbelastet.
Bei Hertha BSC haben Marvin Plattenhardt und Genki Haraguchi bereits 4 Gelbe Karten auf dem Konto.

Als Schiedsrichter der Partie wurde Tobias Welz aus Wiesbaden angesetzt. Welz gab 2010 sein Bundesligadebüt, ist seit 2013 FIFA-Schiedsrichter, und hat doch erst 5 Spiele des FC Schalke 04 geleitet. Das letzte ist allerdings noch gut in Erinnerung, das war erst vor einem Monat, bei 3:0 Heimsieg gegen den VfL Wolfsburg.

Sechs Schalker haben an diesem Wochenende Geburtstag. Heute vor 103 Jahren wurde Otto Faist geboren. Der überzeugte Nazi war Trainer der Schalker Meistermannschaften von 1939, 1940 und 1942. Er kam 1946 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft ums Leben. Am morgigen Samstag haben Erwin Kolbe, Harald Klose, Dieter Eckstein und Timo Kunert ihren Ehrentag. Am Sonntag wäre Helmut „Jaggel“ Jagielski 82 Jahre alt geworden. Von 1952 bis 1962 spielte er 156 Mal für Schalke 04, ausgerechnet zur Endrunde um die Meisterschaft 1958 fiel er allerdings verletzt aus. 1961 wechselte er zu Werder Bremen und gewann mit seinem neuen Club die Deutscher Meisterschaft und den DFB-Pokal. Jagielski blieb Werder nach der Karriere treu und führte einige Jahre die Vereinsgastätte Werders. Er verstarb 2002, im Alter von nur 68 Jahren.
 
 
Mehr Schalke

Schalkes Regionalliga-Team spielt ebenfalls heute Abend, um 19:30 Uhr, bei der Zweitvertretung des 1. FC Köln. Zuletzt wurden drei Spiele in Folge abgesagt. Nach bislang nur 21 Spielen – Tabellenführer Gladbach spielte bereits 26 Mal – sieht die Tabelle erst mal nicht so gut aus.

Schalkes A- und B-Jugend spielen beide am Sonntag um 11 Uhr. Norbert Elgerts A-Jugend in Ückendorf gegen Bayer Leverkusen, die B-Jugend auswärts, auf der Bezirkssportanlage Oststadt in Essen, gegen RWE. In beiden Staffeln führt Borussia Dortmund die Tabellen an. In der A-Jugend ist Schalke auf Platz 2, nur einen Punkt zurück, in der B-Jugend liegen die Blauen 7 Punkte zurück, haben aber noch ein Spiel nachzuholen.
 
 
Und sonst?

Und sonst ist da ja noch diese einseitige Feindschaft, die Hertha-Fans pflegen und von denen auf Schalke die Meisten nichts wissen. Mittlerweile wird allerdings so häufig erwähnt, dass Schalke-Fans davon nichts wissen, dass eigentlich kaum noch einer nicht weiß, dass man davon eigentlich nichts weiß. Seit Jahren verlinke ich zu jeder Begegnung mit Hertha BSC, deren Fans sich übrigens regelmäßig herrlich echauffieren wenn irgendjemand „Hertha BSC Berlin“ sagt, weil das ja falsch ist, und weil das ja irgendwie total wichtig ist, dass man das nicht falsch sagt, weil man ja auch nicht Arsenal London sagen darf, und eigentlich auch nicht Sporting Lissabon, was aber deutlich weniger wissen und deshalb da viel weniger rumechauffieren – aber ich schweife ab … jedenfalls verlinke ich seit Jahren einen Tagesspiegel-Artikel von 2009, der den Sachverhalt erklärt. Heute letztmalig, irgendwann wird’s ja auch zu blöd:
„Warum Herthas Fans die Schalker nicht mögen – und denen das egal ist“

Erstmalig verlinke ich nun hingegen das Interview Roman Neustädters mit Doc Karsten alias Karstenzio, dem Blogger- und Podcast-Kumpel. In den social networks ging das schon rund und auch hier in den Kommentaren wurde es schon verlinkt, Karstens Server soff zwischenzeitlich sogar ab. Weil es aber wirklich toll ist und weil ich finde, dass das jeder Schalker lesen sollte, weil vielleicht mancher nicht so oft bei Twitter oder Facebook unterwegs ist, sich aber stets auf die neuste Ausgabe Happy Weekend freut, hier die unbedingte Leseempfehlung:
„Mit Roman Neustädter an der Taktiktafel – Von Positionen und Räumen“
 
 
So, mehr hab‘ ich nicht. Schönet Wochenende, bis Montach.

Der Intersaisonale Vergleich

Ich fand Gefallen daran, den Punktestand eines Spieltages über Jahre hinweg zu vergleichen. Nicht, weil man daraus eine Gesetzmäßigkeit ableiten kann, sondern weil es hilft durchzuschnaufen, runterzukommen und die Lage im historischen Kontext gelassener zu bewerten.

… formulierte es Matthias in der Weide. Er hatte den „Intersaisonalen Saisonvergleich“ in seinem Blog mehrfach präsentiert.

Um durchzuschnaufen ist Donnerstag ein geeigneter Tag der Fußballwoche; jedenfalls wenn man mit den Ding namens Europa League nichts mehr zu tun hat. Die Tabelle zeigt die Punktestände des FC Schalke 04 nach den einzelnen Spieltagen. Nach allen Spieltagen, seit Einführung der 3-Punkte-Wertung. Im Kopf, unter der Angabe der Saison, ist die letztendliche Platzierung dargestellt. Die jeweiligen Bestwerte pro Spieltag sind in rot gehalten. Johannes, als „Grieche“ langjähriger Kommentator in diesem Blog, hat die Tabelle über die letzten Jahre fortgeführt und mir zur Verfügung gestellt. Danke dafür!

Diese Darstellung hat was religiöses. Mit dem nötigen Willen kann man seine Laune in Grund und Boden oder in schönste Höhen denken. Man schaut auf einen Punktestand und vergleicht, wie sich in den verschiedenen Jahren die Spielzeit von dort aus weiterentwickelt hat. Man kann sich überlegen wie’s wohl nun wird, warum es wie war, oder auch „nur“ wie es überhaupt damals war. Dazu beinhaltet diese zunächst nüchtern anmutende Tabelle viele Anregungen.

Schalkern wird der Hang nach einem verklärten Blick zurück nachgesagt. Ich behaupte, das ist kein alleiniges Schalker Phänomen. Manchmal macht das einfach Spaß. Es hilft, durchzuschnaufen, runterzukommen. Wie Matthias eben schon schrieb.