Happy Weekend (4)

Nach dem Sieg gegen den 1. FC Köln war es in dieser Woche recht ruhig auf Schalke. Als Schalker ist man das nicht gewohnt, fast fehlt einem da was, also suchte ich nach Tullus in anderen Clubs, las und hörte quer, und fand überraschend viel Schalkewunsch bei Krisenclubs.

In Frankfurt zum Beispiel, wo man vergangenen Sonntag Armin Veh entließ und recht zügig mit Nico Kovac einen Nachfolger präsentierte. Nicht zügig genug, als dass nicht zuvor ordentlich diskutiert worden wäre. Dabei galt Ex-Schalke-Trainer Jens Keller zunächst als Top-Kandidat. Keller war Spieler in Frankfurt und es hieß, er könne mit dem derzeitigen Eintracht-U19 Trainer Alexander Schur als Assistenten eine Lösung für die Zukunft sein. Dienstagfrüh bemerkte aber die FAZ, dass eine Lösung mit Jens Keller eine gewisse Tücke beinhalte: Die Eintracht wolle schließlich zum 1. Juli den Posten des Sportvorstands neu besetzten. Nachdem Christian Nerlinger und Christoph Metzelder abgesagt haben, schiene es so, als sei Horst Heldt „der einzige (Bundesliga-)Kandidat von Rang und Namen, den die Aufgabe am Main reizt“. Und der habe Keller schließlich gerade erst entlassen.

Ein anderer Krisenclub, wenngleich zugegebenermaßen auf höherem Niveau, ist Bayer Leverkusen. Dort wird Trainer Roger Schmidt angezählt, von immer mehr Leuten, immer lauter. Mit 36 Punkten steht Leverkusen auf Rang 8, fünf Punkte hinter Schalke. Zuletzt war eine 1:4 Niederlage gegen Werder Bremen hinzunehmen, es folgte nur ein Punkt in Augsburg, gestern eine Niederlage in der Europa League: Wenn man am Sonntag auch gegen den HSV verliert, könnte es das für Roger Schmidt gewesen sein, meint Kevin Scheuren im Interview bei „Mein Sportradio“.
Die Situation mit Roger Schmidt sei verquer, und ein Grund, warum es mit Trainern in Leverkusen immer wieder nicht klappe, sei Rudi Völler. Völler installiere und deinstalliere die Trainer. Vielleicht müsse man da Grundsätzliches ändern, auf Schalke würde das ja auch gemacht, so Scheuren. Er sieht Leverkusen und Schalke auf Augenhöhe, er glaubt, dass Christian Heidel auf Schalke funktionieren wird und er befürchtet, dass Leverkusen dann gegenüber Schalke ins Hintertreffen gerät. Nebenbei würde sich Scheuren als einen möglichen zukünftigen Leverkusen-Trainer den Ex-Schalker Mirko Slomka wünschen. Auch hier also ganz schön viel Königsblau.

Die heutigen und wahren Königsblauen spielen aber in Berlin. Kommen wir zum Spiel.
 
 
In Berlin, auf’m Platz

Schalke spielt in Berlin auf neuem Rasen. Erst gestern wurden die Arbeiten daran abgeschlossen, erst heute wird er mit Linien versehen. Vergangenen Sonntag hatte Hertha in Hamburg verloren. Danach sprach man davon, dass die Mannschaft den Dreitagerhythmus einer „englischen Woche“ nicht gewohnt sei. Tatsächlich verlor Hertha BSC auch die Bundesligapartie, nachdem man zuletzt unter der Woche im Pokal antreten musste. Ohne „englische Woche“ verlor Hertha letztmalig am 28. November 2015. Auswärts, bei Bayern München. Auf das heutige Spiel gegen Schalke konnten sich die Berliner fünf Tage vorbereiten.

Schalke hatte einen Tag mehr zur Regeneration. Der Kader stellt sich unverändert dar, Eric Maxim Choupo-Moting wird weiterhin nicht zur Verfügung stehen, Leon Goretzka sowieso nicht.
Es gibt also eigentlich nichts Neues zu Schalke zu erzählen, die Pressekonferenz der Blauen zum Spiel gegen Hertha BSC möchte ich dennoch empfehlen. Trainer André Breitenreiter war gut aufgelegt und hat meines Erachtens einige Dinge so gesagt, wie man sie sich als Fan nur wünschen kann. Dabei stellte er dar, was er als den „nächsten Schritt“ in der Entwicklung seiner Mannschaft erachtet. Dass ihm die „Art und Weise“ des Fußballs seiner Mannschaft wichtig sei. Dass er will, dass die Mannschaft nun nachlegt. Dass „Nachlegen“ dabei nicht ergebnisbezogen gemeint sei, klar will man das, aber er fordere, dass die Mannschaft aktiv und präsent sei, dass man presse, dass man mutig spielt, dass man keinen Schritt weniger mache. Eine Hoffnung spendende Rede. Sehenswert.
 
 
Daten und Drumherum

Schalke macht das Olympiastadion in Berlin nicht mehr voll. Es werden über 50.000 Zuschauer erwartet. Das ist nicht schlecht, bei den Heimspielen gegen Wolfsburg oder Mainz waren es jeweils gerade 40.000 Zuschauer, trotz attraktiverer 15:30 Uhr Anstoßzeiten. Aber es passen eben über 74.000 Zuschauer rein. Das füllen nur noch Borussia Dortmund und Bayern München.

Von den letzten 14 Begegnungen mit Hertha BSC hat Schalke 12 gewonnen, zweimal ging’s unentschieden aus.

Dies wird für Schalke 04 das dritte Freitagabend-Auswärtsspiel der Saison sein. Die beiden vorherigen gingen verloren, in Mainz (1:2) und in Wolfsburg (0:3).

Bei Wettanbietern wird die Partie ausgeglichen gesehen. Einer Quote von 2,6 für einen Heimsieg steht eine 2,8 für einen Sieg Schalkes gegenüber, für ein Remis steht die Quote bei 3,2.

Zum Anpfiff soll es in Berlin laut Google 4° C haben. Es wird ziemlich sicher trocken dabei sein (Niederschlagswahrscheinlichkeit: 5%)

Beim letzten Spiel in Köln sah kein Schalker die Gelbe Karte. Entsprechend ändert sich an den von einer Sperre zum nächsten Spiel gefährdeten Spielern nichts: Dennis Aogo, Junior Caicara und Johannes Geis sind mit je 4 Gelben Karten vorbelastet.
Bei Hertha BSC haben Marvin Plattenhardt und Genki Haraguchi bereits 4 Gelbe Karten auf dem Konto.

Als Schiedsrichter der Partie wurde Tobias Welz aus Wiesbaden angesetzt. Welz gab 2010 sein Bundesligadebüt, ist seit 2013 FIFA-Schiedsrichter, und hat doch erst 5 Spiele des FC Schalke 04 geleitet. Das letzte ist allerdings noch gut in Erinnerung, das war erst vor einem Monat, bei 3:0 Heimsieg gegen den VfL Wolfsburg.

Sechs Schalker haben an diesem Wochenende Geburtstag. Heute vor 103 Jahren wurde Otto Faist geboren. Der überzeugte Nazi war Trainer der Schalker Meistermannschaften von 1939, 1940 und 1942. Er kam 1946 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft ums Leben. Am morgigen Samstag haben Erwin Kolbe, Harald Klose, Dieter Eckstein und Timo Kunert ihren Ehrentag. Am Sonntag wäre Helmut „Jaggel“ Jagielski 82 Jahre alt geworden. Von 1952 bis 1962 spielte er 156 Mal für Schalke 04, ausgerechnet zur Endrunde um die Meisterschaft 1958 fiel er allerdings verletzt aus. 1961 wechselte er zu Werder Bremen und gewann mit seinem neuen Club die Deutscher Meisterschaft und den DFB-Pokal. Jagielski blieb Werder nach der Karriere treu und führte einige Jahre die Vereinsgastätte Werders. Er verstarb 2002, im Alter von nur 68 Jahren.
 
 
Mehr Schalke

Schalkes Regionalliga-Team spielt ebenfalls heute Abend, um 19:30 Uhr, bei der Zweitvertretung des 1. FC Köln. Zuletzt wurden drei Spiele in Folge abgesagt. Nach bislang nur 21 Spielen – Tabellenführer Gladbach spielte bereits 26 Mal – sieht die Tabelle erst mal nicht so gut aus.

Schalkes A- und B-Jugend spielen beide am Sonntag um 11 Uhr. Norbert Elgerts A-Jugend in Ückendorf gegen Bayer Leverkusen, die B-Jugend auswärts, auf der Bezirkssportanlage Oststadt in Essen, gegen RWE. In beiden Staffeln führt Borussia Dortmund die Tabellen an. In der A-Jugend ist Schalke auf Platz 2, nur einen Punkt zurück, in der B-Jugend liegen die Blauen 7 Punkte zurück, haben aber noch ein Spiel nachzuholen.
 
 
Und sonst?

Und sonst ist da ja noch diese einseitige Feindschaft, die Hertha-Fans pflegen und von denen auf Schalke die Meisten nichts wissen. Mittlerweile wird allerdings so häufig erwähnt, dass Schalke-Fans davon nichts wissen, dass eigentlich kaum noch einer nicht weiß, dass man davon eigentlich nichts weiß. Seit Jahren verlinke ich zu jeder Begegnung mit Hertha BSC, deren Fans sich übrigens regelmäßig herrlich echauffieren wenn irgendjemand „Hertha BSC Berlin“ sagt, weil das ja falsch ist, und weil das ja irgendwie total wichtig ist, dass man das nicht falsch sagt, weil man ja auch nicht Arsenal London sagen darf, und eigentlich auch nicht Sporting Lissabon, was aber deutlich weniger wissen und deshalb da viel weniger rumechauffieren – aber ich schweife ab … jedenfalls verlinke ich seit Jahren einen Tagesspiegel-Artikel von 2009, der den Sachverhalt erklärt. Heute letztmalig, irgendwann wird’s ja auch zu blöd:
„Warum Herthas Fans die Schalker nicht mögen – und denen das egal ist“

Erstmalig verlinke ich nun hingegen das Interview Roman Neustädters mit Doc Karsten alias Karstenzio, dem Blogger- und Podcast-Kumpel. In den social networks ging das schon rund und auch hier in den Kommentaren wurde es schon verlinkt, Karstens Server soff zwischenzeitlich sogar ab. Weil es aber wirklich toll ist und weil ich finde, dass das jeder Schalker lesen sollte, weil vielleicht mancher nicht so oft bei Twitter oder Facebook unterwegs ist, sich aber stets auf die neuste Ausgabe Happy Weekend freut, hier die unbedingte Leseempfehlung:
„Mit Roman Neustädter an der Taktiktafel – Von Positionen und Räumen“
 
 
So, mehr hab‘ ich nicht. Schönet Wochenende, bis Montach.



13 Kommentare zu “Happy Weekend (4)”

  1. Karsten sagt:

    Vielen Dank für die netten Worte. Die Server halten jetzt auch. Versprochen. :)

  2. Mario sagt:

    Moin

    Ich lese das „Happy Weekend“, also Deines hier, sehr gerne.
    Eine Anmerkung hätte ich: sein Stadion macht doch eigentlich zu 80+x % der Heimverein voll.
    In vernünftigen Vereinen ist es egal, wer zu Besuch ist, da ist die Hütte voll…

    So, Daumen drücken für heute Abend, Speck anfressen für die harten Wochen mit den sauren Gurken!

    Glück auf,

    Mario

  3. BlueNote sagt:

    An diese Wochenend-Lektüre könnte ich mich glatt gewöhnen, Torsten. Feiner Stoff! Das macht richtig Appetit auf heute Abend. Möge die niederlagenfreie Serie anhalten!

  4. Klopenner sagt:

    Kann mich nur anschließen. Jetzt gibt es zwei feste Tage an denen ich das koenigsblog regelrecht zelebriere. Montags nach dem Spieltag und freitags zum Happy Weekend. Natürlich zwischendurch immer für die zahlreichen konstruktiven und diskussionsanregenden Kommentare.
    Super Arbeit, Torsten. Wirklich immer lesenswert. Besonders deine Blicke über den Tellerrand sind immer wieder guter Stoff.
    Weiter so!

  5. Detlef sagt:

    Sehr schöne Vorschau, möge es noch recht viele geben hier im Blog.

    „Feindschaft“: Ich kenne Berliner Fans die selbst nur noch müde drüber lächeln. Den anderen sei gesagt, mir egal wenn ihr Schalke nicht mögt.

    Ruhe auf Schalke ist ungewöhnlich, aber wenn Erfolg da ist kann ja auch von aussen ( die bösen Medien ) keiner war reintragen ;-)

    Zum Spiel und drumherum: Das es „nur“ 50.000 werden könnte auch mit der Ansetzung zu tun haben. Ich selbst wollte eigentlich nach Berlin, aber als das Spiel auf Freitag angesetzt wurde, da war das Thema durch. Ich denke an einem Samstag Nachmittag kämen bestimmt 10.000 mehr. Und warum Schalke 2 x hintereinander am Freitag spielt, zumal gegen namhafte Gegner, kann ich nicht nachvollziehen. Scheiss DFL.

    Sportlich kann Schalke mit beiter Brust nach Berlin fahren. Der Trend bei Königsblau zeigt nach oben, die Hertha hingegen hat eine eher mittelmässige Entwicklung hinter sich. Trotzdem kann sich das alles schnell ändern. Tipp 2:3

    Wer es noch nicht getan hat sollte das Interview mit Roman Neustädter lesen.

  6. rjonathan sagt:

    Ich bin übrigens auch Fan von dem neuen Format.
    Dass das Stadion diesmal deutlich leerer ist als zuletzt, darf man auch auf den Freitag-Termin schieben. Ich gehe ja zu jedem Schalke-Spiel hier in Berlin. Noch nie war es so einfach an Karten zu kommen wie dieses Jahr. Und an der Tabellensituation der beiden Vereine liegt’s ja wohl nicht. Gerade für die Hertha ist das ja die beste Saison seit langem.

    Wenn du einen neuen Link zu dem Thema brauchst, 11Freunde haben was geschrieben. Kannst du dann ja nächste Saison posten. ;-)
    http://www.11freunde.de/artike.....nd-schalke

  7. Klopenner sagt:

    @rjonathan: Auch ne schöne Geschichte über den Hass. Gefällt mir noch besser als die vom Tagesspiegel.

    Besonders süß ist:

    „Der Wirt, gut verwittertes Nikotingesicht, tritt jetzt an den Tisch: »Wollt ihr noch was?« Manne sagt: »Noch ein Bier.« Das Nikotingesicht fragt: »0,4?« Manne sagt: »0,4? Niemals 0,4! Nullvier ist dieser Drecksverein.«“

  8. leoluca sagt:

    Danke für die beiden Links zur einseitigen Feindschaft der Hertha-Fans, die von uns keinen juckt. Schöne Texte.

    Der Höhenflug der Hertha hat nach meiner Beobachtung vor allem auch was mit einem großen Talent aus der guten alten Fußballschule Tschechiens zu tun, mit Vladimir Darida, dem Laufwunder im zentralen Mittelfeld der Westberliner, der quasi von hinten raus den Spielmacher gibt mit seiner Spielübersicht und seinen sehr präzisen Pässen. Oft spielt er den wichtigen vorletzten Pass und ihn wird man vermutlich durch Manndeckung allein nicht bändigen können.

    Schalke war an ihm, so gehen die Gerüchte, letzten Sommer auch mal dran als er noch in Freiburg spielte.

  9. rjonathan sagt:

    @leoluca
    In der Rückrunde ist Daridas Form ein wenig ins Stocken geraten. Hoffen wir, dass das so anhält. Schwieriger wird es sein Tore zu erzielen. Zu Hause hat die Hertha erst 8 kassiert. Bester Wert in der Liga (Bayern zähle ich bei solchen Fragen nicht mehr mit).

  10. Werner04 sagt:

    Es gibt genau 2Tage im Jahr, an denen ich mich für Hertha interessiere: Hin- und Rückspiel.
    Glück auf Schalke. Auf ein 2:0 in Hälfte 2.

  11. Tom Selleck sagt:

    Haha hahohe

  12. Henning sagt:

    Laut der Westen will Elgert Schalke in 1-2 Jahren verlassen und in ähnlicher Funktion woanders tätig werden. Eine Katastrophe, wenn es stimmt!

  13. Carlito sagt:

    Auch wenn ich es erst lese und das Spiel leider nicht in unserem Sinne verlaufen ist, mal wieder sehr lesenswert, die neue Rubrik, Torsten! Kann mich den Vorrednern nur anschließen, da gewöhnt man sich gerne dran! :-)

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