„Team Marktwert“

… oder: Diskussionswürdige Idee, aber chancenlos

Mitte letzter Woche sorgte eine Meldung für Aufsehen: Sechs Bundesligaclubs haben sich zu einer Gruppe formiert, die sich über eine Veränderung in der Verteilung der Gelder aus dem zukünftigen TV-Vertrag beraten will. Dabei soll das Geld nicht mehr nur nach dem Leistungsprinzip verteilt werden. Auch Faktoren wie Beliebtheit und Bekanntheit sollen als Faktoren geltend gemacht werden.

Die Gruppe gab sich den Namen „Team Marktwert“, und da es sich bei den sechs Clubs (Hertha BSC, VfB Stuttgart, 1. FC Köln, Hamburger SV, Eintracht Frankfurt und Werder Bremen) mehrheitlich um Bundesligisten handelt, die aktuell gegen den Abstieg kämpfen, waren die Häme-Kübel der social networks flott gefüllt. Diese Clubs suchten nach Geld, weil sie sportlich nichts mehr auf die Reihe bekämen, hieß es. Man hätte sich stattdessen lieber „Team Misswirtschaft“ nennen sollen. Diskutiert, oder auch nur auf die Pressemittelung der Clubs eingegangen, wurde kaum. Selbst ein Text bei Spiegel Online kommt zu einer Bewertung dieser Clubs als sportlich zu schlecht, ohne sich die Mühe zu machen auf Argumente für eine neue Gelderverteilung einzugehen. Schade, denn ein Blick darauf lohnt, meines Erachtens.
 
 
Was will „Team Marktwert“?

Die Gruppe will den Kriterien zur Verteilung der TV-Gelder eine dritte Komponente zufügen. Bislang werden zwei Drittel des zur Verfügung stehenden Betrags gleichmäßig an die Clubs verteilt, ein Drittel wird auf Grund sportlicher Ergebnisse zugewiesen. Dem Namen entsprechend möchte „Team Marktwert“ zukünftig eine Wertung einbeziehen, in der dargestellt wird, welcher Club wieviel Anteil am Wert der Bundesliga hat. Wie genau diese Wertigkeit festgestellt werden soll, dazu wird man noch nicht konkret. Es wird aufgeführt, dass diese aus „objektiven Kennzahlen wie Fanbasis, Beliebtheit, Bekanntheit, TV-Reichweite und Interaktionsraten in Social Media“ errechnet werden könnte. Die Gruppe versteht sich als nun startendes Projekt. Ausdrücklich werden andere Clubs – auch Zweitligisten – eingeladen, sich an der Arbeit zu beteiligen. Weiterhin weist die Gruppe darauf hin, dass es in „allen großen internationalen Ligen (England, Spanien, Italien, Frankreich, Niederlande)“ ähnliche Verteilungsmodelle gäbe, bei denen 25 bis 30 Prozent der Medienerlöse nach Marktwert-Kriterien ausgeschüttet würden.
 
 
Was man dagegen haben kann

Wer bislang gegen das Vorhaben des „Team Markwert“ argumentierte führte vor allem an, dass sportlichen Ergebnisse bei der Gelderverteilung weniger gewichtet würden. Auch Schalkes zukünftiger Manager Christian Heidel, ein stets meinungsstarker Mann, brachte sich als Gegner des „Team Marktwert“ in Position. Er würde Leistung lieber höher bewerten. Bei den Ideen der Gruppe würde man sich auf Tradition berufen, die 50 Jahre zurückliege, aber nichts mit der Leistung der Clubs heute zu tun habe. In der Berliner Morgenpost sieht Journalist Uwe Bremer das Vorhaben des „Team Marktwert“ als einen Schritt zur Bundesliga als geschlossene Gesellschaft. Die Pläne zielten gegen das Verständnis von Sport und würden den „Kleinen“ das Aufsteigen erschweren.
 
 
Wieso ich den Ansatz des „Team Marktwert“ für bedenkenswert halte

Zunächst ist festzuhalten: Das Wort „Tradition“ kommt in der Mitteilung des „Team Marktwert“ nicht vor. Um die von der Gruppe genannten Kriterien einfließen zu lassen braucht es handfeste Kennzahlen. Diese zu verhandeln, festzulegen, und zu vermitteln ist die zukünftige Aufgabe der Gruppe. Es muss gewährleistet sein, dass Clubs ihre Kennzahlen verbessern können.

Grundsätzlich halte ich es keineswegs für irgendwie unfair, dass Clubs, die einen größeren Teil zur Attraktivität der Liga beitragen, davon auch monetär profitieren. TV-Gelder sind kein ausgelobtes Preisgeld einer neutralen Instanz. TV-Gelder werden bezahlt, weil sich die Rechte gut weiterverkaufen lassen, weil Zuschauer dafür bezahlen.

Meines Erachtens wird die Liga aber beständig unattraktiver. Clubs mit weniger Fananhang, die weniger Zuschauerinteresse generieren, deren Storys weniger Zeitungen verkaufen und weniger Klicks generieren, lösen Clubs ab, die für eine „bunte Liga“ sorgen. Das liegt keineswegs ausschließlich an guter Arbeit hier und schlechter Arbeit dort. Bei den „Werksclubs“ aus Leverkusen und Wolfsburg, sowie bei Clubs wie Hoffenheim und Leipzig versagte die Politik der Liga in Form der 50+1 Regelung, die sich, wenn es hart auf hart kommt, rechtlich nicht durchsetzen lässt.

Sind wir doch mal ehrlich: Würde die TSG Hoffenheim ausschließlich für ihren Anteil an der Attraktivität der Liga entlohnt, bekäme sie von den TV-Geldern wohl gar nichts ab. Aber die von „Team Marktwert“ vorgeschlagenen Kriterien sollen das Leistungsprinzip nicht ablösen. Sie sollen als zusätzliche Faktoren dazukommen. Wieso dies zu einer „geschlosseneren“ Bundesliga als heute führen sollte, kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen. Will man das Auf und Ab zwischen den beiden Profiligen fördern, muss man das Gefälle zwischen den beiden Ligen reduzieren und vielleicht die Relegation abschaffen. Das sind vollkommen andere Ansätze. Bislang ist nichts davon bekannt, dass das „Team Marktwert“ der zweiten Liga weniger Geld zukommen lassen will. Man will das Geld lediglich anders verteilen – auch im Liga-Unterhaus.

Meines Erachtens kann der Ansatz des „Team Marktwert“ für den deutschen Profifußball ein Instrument sein, auf rechtlich einwandfreiem Weg und transparent die für ein großes Publikum interessanten Clubs zu unterstützen und damit die Attraktivität der Liga bestmöglich zu bewahren.
 
 
Warum „Team Marktwert“ aber meines Erachtens keine Chance hat

Natürlich vertritt jeder Club seine eigenen Interessen. Solidarität gibt es in den Profiligen nur, solange dabei alle Geld verdienen. Es muss das Ziel von „Team Marktwert“ sein, auch die sportlich erfolgreichen Clubs wie Bayern München, Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach und Schalke 04 von ihren Ideen zu überzeugen. Es ist aktuell aber davon auszugehen, dass diese Clubs mehr Geld bekommen, wenn es bei der stärkeren Gewichtung von sportlichen Erfolgen bliebe. Insofern fällt es Christian Heidel auch mit Blick auf seinen zukünftigen Job leicht, die Ideen des „Team Marktwert“ zu kritisieren. Den für alle gleichen Sockelbetrag zu reduzieren würde erst recht viele kleinere Clubs zu Widerstand aufrufen. Mir erscheint es fast unmöglich, dass der am Ende stehende Vorschlag des „Team Marktwert“ so vielen Clubs Vorteile gegenüber der aktuellen Regelung beschert, dass er Mehrheitsfähig sein kann.

Bedenkenswert ist er aber allemal. Diskussionswürdig sowieso.



Dieser Text wurde erstmals gestern bei Westline veröffentlicht. Weitere lesenswerte Blogtexte zum Thema „Team Marktwert“ wurden von Axel Goldmann und Andreas Riedl verfasst:

Der vierte Offizielle: Team Marktwert
Rosenau Gazette: Warum Team Marktwert nicht zu Ende denkt




19 Kommentare zu “„Team Marktwert“”

  1. AlphaRho sagt:

    deinem letzten punkt kann ich nicht zustimmen. du behauptest, clubs wie bayern muenchen, borussia dortmund, borussia moenchengladbach und schalke 04 wuerden den vorschlaegen von team marktwert nicht zustimmen, weil sie nach dieser regelung weniger geld erhalten wuerden als nach heutigem stand.
    ich denke hingegen, dass die vier genannten vereine bei den genannten kennzahlen (tv-reichweite, social media interaktion, fanbasis, etc.) auch ganz vorn dabei sind und sie deswegen keine einbussen zu befuerchten haetten. ich sehe den vorschlag von team marktwert konkret gegen die sogenannten „plastikclubs“ gerichtet, die ihre wirtschaftliche basis keiner grossen anhaengerschaft, sondern einem starken hauptsponsor zu verdanken haben.

  2. Nick sagt:

    Die Vorschläge des Team Marktwert sind nicht fair, aus genau dem Grund, den der Morgenpost-Journalist anführt, und den du in einem Satz abhandelst. Es geht eben nicht nur um RB, Hoffenheim oder Wolfsburg, sondern auch um Vereine wie Freiburg, Augsburg oder Mainz. Die haben sich ihren Bundesliga-Status ehrlich und sportlich erarbeitet und würden durch die vorgeschlagene Reform dafür bestraft, dass sie klein sind oder nicht aus einer Metropolenregion kommen. Alle Berechnungen, die bisher mit den sogenannten weichen Kriterien angestellt wurden, deuten in diese Richtung.

    Im Mittelpunkt muss der sportliche Aspekt stehen, sonst macht Fußball als Sport endgültig keinen Sinn mehr.

  3. S04-Fan sagt:

    Ich denke auch, dass Schalke auch nach dem neuen Modell mindestens genauso profitieren würde, dann sogar viel unabhängiger vom sportlichen Erfolg, der ja nicht garantiert ist (wie man gerade aktuell ja befürchten muss!).

    Ich befürchte aber, dass es auf Schalke keinen gibt (auch Heidel nicht, der sich gerade für Mainz 05 positioniert hat, für das er ja noch arbeitet!), der sich in dem Zusammenhang für ureigenste Schalker Interessen und mithin für ein neues Modell einsetzen würde.

    Das hat man eindrucksvoll bereits beim Thema Financial Fairplay innerhalb der Bundesliga gesehen:
    Horst Heldt sah Financial Fairplay innerhalb der Bundesliga als gescheitert an, bevor er sich jemals im Schalker Interesse (kein Verein würde davon mehr profitieren als Schalke!) dafür eingesetzt hat und nachdem die ersten UEFA-Sanktionen (höchste Geldstrafen!) auf europäischer Ebene gegen Paris und ManCity jedenfalls erfolgreich ausgesprochen werden konnten von der UEFA.
    Von Heldt als Söldner auf Managerebene par excellence war leider nichts anderes zu erwarten: Der wird nach seiner Schalke-Station wahrscheinlich irgendwann selbst mal bei einem Werks- oder Retortenklub anheuern und sich schon deshalb zurückhalten.

    Dass aber auch Tönnies und Peters z.B. – anders als alle anderen Manager von Traditionsvereinen in der Bundesliga! – sich überhaupt noch nicht aktiv für Financial Fairplay innerhalb der Bundesliga eingesetzt haben (außer vielleicht bei Sonntagsreden vor Fans, wenn es gerade opportun war!), das ist der eigentliche Skandal.

    Peters scheint überhaupt nicht mehr die Interessen von Schalke 04 zu vertreten. Der scheint längst nur noch DFL-Funktionär zu sein und die Interessen der Verbände und ihrer Sponsoren und Investoren zu vertreten. Oder aber er ist bestechlich. Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, dass sich ein Schalke-Verantwortlicher nicht mehr für die Durchsetzung von Financial Fairplay innerhalb der Bundesliga einsetzt.

    Kurzum: GEnauso wie beim Financial Fairplay, befürchte ich, wird es sicher auch bei dem neuen Vorschlag der Traditionsklubs sein, und bei allen anderen zukünftigen Vorschlägen, von denen Schalke profitieren würde. Es gibt auf Schalke halt keinen, der ureigenste Schalker Interessen gegenüber Verbänden, Medien usw. vertritt.

  4. Klopenner sagt:

    stimme AlphaRho da zu. Welche Clubs in Deutschland haben denn die größte TV Reichweite, sind ständig in der Presse und füllen auch die sozialen Netzwerke aus? Das sind doch auf jeden Fall die Bauern, die Zecken und wir. Von daher könnte es sogar sein, dass wir sogar mehr davon profitieren, als es jetzt der Fall ist. Aber das hängt dann vom genauen Verteilungsschlüssel ab.

  5. Carlito sagt:

    Ich weiß nicht, ob das Modell Team Marktwert, bei welchem Schalke sicher besser weg käme als andere Clubs, eine Lösung für die Liga ist.

    Wohin ich allerdings fest überzeugt bin, dass sich überhaupt was ändern muss. Denn diese Liga mit einer Mannschaft vorne weg, einer knapp dahinter und dann kommt der ganze lumpige Rest, kann auf Dauer nicht gesund sein. Allein wenn ich die Pläne zur europäischen Superliga lese, fällt mir schwer daran zu glauben, dass da was positives passiert kann.

    Irgendwann wird dann die Fernsehgelderblase platzen, denn wer zahlt noch dicke für Skyabos o.ä., wenn die Liga nur noch beim Kampf um Platz 3-7 bzw. gegen den Abstieg spannend ist?!

  6. michael sagt:

    dieser Vorschlag kommt von den sog. großen Vereinen, die in den letzten Jahren einfach schlecht platziert und schlecht gewirtschaftet haben. das sagt alles! Heidel hat schon recht: der sportlicher Erfolg muss ausschlaggebend sein oder alternativ das gleiche Geld für alle, um mehr Chancengleichheit zu schaffen.

  7. Lutt sagt:

    Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust.

    Das erste sagt: „Wenn die Liga in sich spannend bleiben soll, müssen alle Vereine mit möglichst gleichen Voraussetzungen in die Saison starten“.
    Das ist wegen CL/EL sowieso nicht mehr möglich und die Lücke zu den Bayern, die seit Dekaden CL-Einnahmen generieren ist eh kaum noch zu schließen.
    Wenn die Top-Clubs jetzt ein paar Milliönchen mehr aus den TV-Geldern beziehen, wird diese Schere noch größer.

    Das zweite sagt: „TV Gelder werden aus Fernsehzuschauern generiert. Es ist schon seltsam, dass Einschaltquoten kein Kriterium für die Verteilung sind.“
    Einen fiktiven Index aus „Fanbasis, Beliebtheit, Bekanntheit, TV-Reichweite und Interaktionsraten in Social Media“ halte ich für lächerlich. Die Fanbasis und Interaktionsraten werfen ihre eigenen Gewinne ab, Beliebtheit und Bekanntheit äußern sich in Form von höheren Sponsorengeldern. Demnach finde ich den Vorschlag albern.
    Eine Verteilung über die Einschaltquoten würde zumindest noch die sportliche Attraktivität des Vereines zu dem jeweiligen Zeitpunkt spiegeln und ist für die Generierung hoher Fernsehgelder der entscheidende Faktor. Beeinflussbar und gerechtfertigt.

  8. Speed Glas sagt:

    Ich finde die Idee mit dem Team-Marktwert ziemlich absurd. Wie will man denn die Faktoren Beliebtheit und Bekanntheit messen ? Wenn Vereine Geld für Klicks auf ihren Homepages, Facebookseiten und Twitteraccounts bekommen müssen sie das mit ihren Sponsoren verhandeln.
    Wenn man allen Gerecht werden will sollten alle Vereine die gleiche Summe bekommen, denn sie alle Teile der Bundesliga, die vermarktet wird.
    Ich denke den Team-Marktwert kann man als einen Versuch werten, um sich gegen die immer größer werdende finanzielle Kluft zwischen den Verienen zu wehren. Fußball hat doch heute nichts mehr Sport und Wettkampf zu tun, sondern ist knallhartes Geschäft. Werte wie Tradition spielen da keine Rolle. Wenn die Bauern gegen die Zecken spielen wird es als das deutsche Classico im TV angepriesen, auf Schals kann man in großen Lettern die Namen des Hauptsponsors lesen und jede Aktion im Spiel, ob Auswechselung oder Eckstoß bekommt man von einem anderen Sponsor präsentiert. Ganz zu schweigen von dem weißen Telekom „T“, das man bei jeder Übertragung aus München sehen kann.
    Die Kommerzialisierung des Fußballs wird man nicht aufhalten können, weder in der Bundesliga, in Europa oder in der Welt…siehe FIFA. Egal wie sehr man es verurteil, aber wer sich dem Markt nicht anpasst wird untergehen.

  9. BlueNote sagt:

    Falls es helfen würde, Plastikclubs in der Liga zu verhindern, wäre es mir Recht. Aber das steht wohl bei dieser Aktion nicht im Vordergrund. Wie auch immer: Als weitere Parameter könnte man noch die Mitgliederzahl, Zuschauerschnitt im Stadion plus Einschaltquote beim TV und Anzahl der Spielminuten von selbst ausgebildeten Spielern heranziehen.
    Wie man dabei kleine „ehrbare“ Clubs wie Freiburg, Augsburg, Mainz etc. wirkungsvoll vor Benachteiligungen schützen könnte, weiß ich aber gerade auch nicht.

  10. schalker16 sagt:

    Passt zwar nicht dazu aber goretzka hat sich wieder an der Schulter verletzt und fällt für das derby aus.
    Einer weniger der oft kämpft und alles gibt…

  11. Dav sagt:

    Ich finde, dass die Austeilung die Gleiche bleiben soll. Die Attraktivität ist nur dadurch zu fördern, indem man die Bayern stoppt. Ich fänd

  12. rjonathan sagt:

    Ich denke das ist eher eine Idee, um ein bisschen die Diskussion anzuheizen. Ich fände gewisse Faktoren ergänzend zu der Tabellenplatzierung aber durchaus interessant. Zum einen um überhöhte Fremdfinanzierung ein bisschen abzustrafen, zum anderen könnte man gewisse Formen des Wirtschaftens oder der Nachwuchsarbeit fördern. Aber sicher nicht über Facebook-Likes.

  13. jsev sagt:

    Als Schalker bin ich naturgemäß dem Thema Tradition sehr zugetan. Aber besprechen wir das Ganze doch mal nur auf der Basis von Zahlen, was den Anti-Traditionalisten doch recht sein müsste.
    Die Bundesliga lebt von TV-Geldern und Sponsoren, die ihre Logos im Fernsehen einem möglichst großen Publikum präsentieren wollen.
    Wenn die Konzernabteilungen und das Milliardärsspielzeug auf Sky gegeneinander spielen, schaut erwiesenermaßen niemand zu (Sky meldet dann 0,0, keine messbare Quote). Das heißt, Wolfsburg, Leverkusen, Hoffenheim haben keine Fans, die Abos kaufen. Das wiederum bedeutet, je mehr wir von diesen Konstrukten (Ingolstadt gehört eigentlich auch dazu – hat auch keine Fans, wäre ohne Audi auch nicht in der Bundesliga, wobei die vier Ringe deutlich weniger reinstecken als VW und Co) in der Liga haben, desto schlechter wird das Produkt für den Großzahler Sky und im zweiten Schritt für die Sponsoren.
    Wo soll eigentlich noch mehr Geld für TV-Rechte her kommen, wenn es so bleibt und sich demnächst auch noch Leipzig eingekauft hat? Es werden unschöne Anstoßzeiten gesucht und erstmal Sonntagmittags und montags gefunden. Am Ende wird dann jedes Spiel zu einer eigenen Zeit stattfinden – womit das beste Produkt von Sky, um das uns alle Fußball-TV-Gucker der Welt beneiden, die Konferenz, noch zusätzlich im Eimer ist. Was wiederum Sky ne Menge Abonnenten kosten wird, was dann beim nächsten oder übernächsten TV-Deal zu weniger Geld führt statt zu mehr.
    Das heißt, die Plastikclubs nehmen nicht nur denen, die jeden Cent selbst verdienen müssen, anstatt tolle Trainingsgelände, neue Stadien und teure Spieler geschenkt zu bekommen, den Platz in der Bundesliga weg, sondern beschädigen am Ende das Gesamtprodukt. Was ihnen aber egal ist, weil ihre Geldgeber nicht auf die Einnahme/Ausgabe-Rechnung angewiesen sind.
    Und wir Fans müssen die Rechnung zahlen – gut, müssen wir immer, aber bei weniger Abos sind die Konsequenzen höhere Preise und mehrere Anbieter, was zu noch höheren Kosten führt.

  14. dreiköpfiger Affe sagt:

    Und am Ende würden alle meckern, weil Bayern noch mehr bekommt als jezt schon.
    Denn die führen quasi alle „neuen“ Kriterien ebenfalls an.

    Das wäre kontraproduktiv, ist den Vereinen der Initiative aber egal, denn die wollen dadurch einfach nur überleben anstatt Bayern zu stoppen.

  15. Karl Heinz sagt:

    Wir sind doch auf dem besten Wege dem HSV zu folgen, also ist das doch unser Zukunftsmodell.

    Als „Verein“ mit null transparenten und von Vetternwirtschaft geprägten Strukturen sind wir doch ohnehin komplett handlungsunfähig. Warum wir so überheblich über Leipzig und LEV reden ist mir schon lange nicht mehr klar.

  16. blues sagt:

    @Karl Heinz
    Was Transparenz betrifft sind wir einer Meinung. Auch was die Schalker Überheblichkeit gegenüber anderen Vereinen angeht, teile ich deinen Standpunkt. Der Glauben und vor allem die wie ein Bauchladen vor sich hergetragene Mission, dass am Schalker „Vereins-Wesen“, mit einem Typen wie Clemens Tönnies als höchstem Repräsentanten des Vereins, die Bundesliga oder gar das Vereinswesen „genesen“ solle oder könne, ist zwar eine absurde Lachnummer, gehört aber trotzdem zum pseudoreligösen Glaubenskern der blau-weißen Sekte. Die Selbstbeweihräucherung verdeckt hier die Wahrnehmungsstörung. Religiös getünchter Eifer, wird immer und überall zum Problem.

    Dass Torsten den wirtschaft- und sportpolitischen Angriff von Team Marktwert theamtisiert, finde ich aber sehr lobenswert. Welche Medien und Vereine, also welche Firmen, in Zukunft die „Leidenschaften“ der Fußballbegeisterten mit auslösen, also über und mit welche Themen und durch welche Vereine mit welchen Interessen die Gefühle der Fans beeinflusst werden, darüber sollte die Diskussion nicht aufhören.

  17. Claus sagt:

    Naja vielleicht sollte man sich die Sky Quoten anschauen (auf statista).

    Da sieht man, dass Hoffenheim (die ja gerne als Paradebeispiel fuer den uninteressanten Plastikclub genommen werden) immer noch mehr Zuschauer hat als Freiburg (im letzten Jahr).
    Dieses Jahr hat Ingolstadt klar weniger, interessanterweise haben die ach so tollen Traditionsklubs Darmstadt und Augsburg auch nur 10000 Zuschauer mehr (HOF 0,28 Mio, FCA SVD 0,29 Mio).
    Die meisten Zuschauer bringen (wenig überraschend) die grossen drei: FCB,BVB,S04.
    Im übrigen verstehe ich nicht warum Leute ,die zufälligerweise Fan eines „grösseren“ Klubs geworden sind sich für etwas besseres halten als jemand aus Wob oder Lev. Auch Fans von anderen Vereinen wo gerne mal Millionäre dem Verein etwas „zustecken“ sollten da lieber den Mund halten.
    Als St.Paulis Rettig dieses Traditionsthema aufbrachte habe ich mir auch gedacht, meine Güte der Mann weiss wohl auch nicht,dass in den 80er/90er Jahren Heinz Weisener den Verein mit etlichen Millionen häufiger vorm Lizenzentzug gerettet hat.
    Und Kühne beim HSV oder Toennies bei S04, naja wo ist da der grosse Unterschied zu Hopp…

  18. Ney sagt:

    Tönnies kriegt seine Kohle (mit Zinsen) zurück, Hopp nicht. Was letzteres man je nach Standpunkt als ausgesprochen nett oder als Wettbewerbsverzerrung bezeichnen könnte.

  19. Torsten sagt:

    Da sieht man, dass Hoffenheim (die ja gerne als Paradebeispiel fuer den uninteressanten Plastikclub genommen werden) immer noch mehr Zuschauer hat als Freiburg (im letzten Jahr).
    Dieses Jahr hat Ingolstadt klar weniger, interessanterweise haben die ach so tollen Traditionsklubs Darmstadt und Augsburg auch nur 10000 Zuschauer mehr (HOF 0,28 Mio, FCA SVD 0,29 Mio).

    Ein Grund mehr, klarzumachen, dass das Wort „Tradition“ in den bisherigen Ausführungen des „Team Marktwert“ nicht vorkommt, siehe auch mein Text oben.

    Es geht nicht um Tradition. Es geht darum, den Fußball zu verkaufen. Wenn ein Club wie Hoffenheim mehr Zuschauer lockt als Darmstadt, müssen sie dafür auch belohnt werden. Das gilt für alle Kennzahlen: Man muss dabei Ziele setzen und erreichen können. Das hat nie jemand in Abrede gestellt.

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