Häufig gestellte Frage. Klare Antwort.

Ich denke, dass sich viele Schalker gerne von einem starken Mann führen lassen. Schalke ist ein Traditionsverein. Jahrzehnte war es immer so, dass es einen „Boss“ hatte.

Man könnte die Ursprünge dessen gar in der Gründerzeit des Ruhrgebiets suchen. Bei Friedrich Grillo zum Beispiel, dem Gründer der Zeche Consolidation, zu dem seine Arbeiter aufschauten, von dem seine Arbeiter abhängig waren, der die Lebenswirklichkeit schuf, aus der später der Fußballclub Schalke 1904 hervorgegangen ist.

Ein Verein ist Leben im Kleinen. Auch hier wird gezetert und gesungen, geliebt und gehasst, gesoffen und debattiert. Auch hier wollte man „oben“ einen haben, der regelte was es zu regeln gab, der das schon machte, was getan werden musste. Hier war man weniger abhängig. Hier konnte man den einen auch vom Hof jagen, wenn die Lage zu schief war. Dann sah man zu dass es einen anderen gab, einen entschlosseneren, einen besseren, einen der mehr in die Waagschale – und die Kassen – zu werfen vermochte.

Pro forma ist Schalke 04 noch ein Verein, aber tatsächlich ist Schalke 04 heute ein Unternehmen mit einem Umsatz von 264,5 Millionen Euro. Das niederländische Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG beziffert den durchschnittlichen Unternehmenswert des Clubs auf 624 Millionen Euro. Grundlage dafür war, dass sich Schalke im Aufbau des Vereins über eine neue Satzung Strukturen in Anlehnung an große Wirtschaftsunternehmen gab. Eine Satzung, die das Handeln einem Vorstand zuschrieb, die diesen Vorstand von einem Aufsichtsrat kontrollieren ließ. Damit nicht alles an einem hängt, damit die Verantwortungen geteilt wurden. Ein schlaues System, eine gute Satzung.

Und doch verhält sich Clemens Tönnies, der Vorsitzende des nur zur Kontrolle eingesetzten Aufsichtsrats, gerne wie ein Boss früherer Tage. Und weil Schalker viele sind, und weil viele diesen Club so leben wie sie ihn Jahrzehnte lebten, fühlen sich viele Schalker wohl damit. Sie vertrauen darauf, dass er regelt was es zu regeln gilt, dass er schon machen wird, was getan werden muss. Diejenigen halten die Diskussionen um Clemens Tönnies für absurd. Für sie liegt die oben dargestellte Frage auf der Hand, und sie wird vielfach formuliert, dieser Tage: „Wer sonst als Clemens Tönnies soll unseren Verein führen?“

Es sind diejenigen, die an die Richtigkeit der Satzung und an die Notwendigkeit einer Aufteilung der Macht im Club glauben, die darauf mit „Der Vorstand“ antworten. Diejenigen, die nicht formulieren sich „zu sorgen“, denen nicht „Angst und Bange“ wird, wenn sie daran denken, dass dem Club mal kein Boss alter Schule mehr vorsteht.

Da treffen verschiedene Lebensbilder aufeinander. Deshalb ist die Debatte so hitzig. Und deshalb wird sie wohl hitzig bleiben, über die Jahreshauptversammlung hinaus, egal welche Entscheidungen fallen werden.

Man versteht einander einfach nicht.



51 Kommentare zu “Häufig gestellte Frage. Klare Antwort.”

  1. Gauß sagt:

    Die Antwort auf die Frage ist so selbstverständlich, dass man sich kaum traut, das zu kommentieren.

    Außer vielleicht, dass der Verein diese Verhaltensweise von CT zu lange geduldet hat.
    Vielleicht auch, weil es nach Assauer keinen anderen starken Mann auf Schalke mehr gegeben hat.

    Jedes Unternehmen braucht ein Gesicht. Ein Fußballverein sogar noch mehr. Und das ist unabhängig davon, welche Funktion dieses Gesicht im Verein tatsächlich hat.
    Assauer war so ein Gesicht.
    Müller nun bestimmt nicht.
    Magath hätte eines sein können.
    Heldt (auch wenn ich mit ihm irgendwie leben konnte) hat nun auch kein Charisma.

    Die Öffentlichkeit (und leider auch die Vereinsmitglieder) brauchen eine Orientierung.
    Und dafür bot sich irgendwie und fälschlicherweise in den Jahren nach RA eben CT an.

    Hoffen wir mal, dass Heidel diese Rolle übernimmt und ihr gerecht wird.

  2. andres sagt:

    oder um es mit Pepo zu sagen: Wir sind der Boss!

  3. Carsten sagt:

    noch nie war ich so gespannt auf ein JHV wie dieses mal! unglaublich viele Reizpunkte, unglaublich viele THEMEN….

    ich glaube ich komme jetzt schon dörnander^^

  4. Roman sagt:

    Ich habe auch große Hoffnung, dass Christian Heidel diese Rolle übernehmen kann, das mal vorweg. Seine Vorstellung auf der PK war makellos und beeindruckend. So geht das hoffentlich weiter.

    Dass die Schalker Fan-Gemeinde in der Frage der Führung gespalten ist, hat Torsten sehr schön herausgearbeitet. Es geht eigentlich um den Punkt, ob ein Aufsichtsrat in das operative Geschäft eingreifen darf/sollte/muss. Es besteht sogar – so höre ich das in vielen Diskussionen – weitestgehend Einigkeit darin, dass ein Aufsichtsrat das nicht machen darf.

    Der Grund dafür ist einfach: Ein Aufsichtsrat soll den Vorstand beaufsichtigen. Wenn in diesem Fall der Aufsichtsratsvorsitzende geschäftsführerisch tätig wird (und ins operative Geschäft des Vorstands eingreift), dann wird sein Tun nicht mehr beaufsichtigt. Der restliche Aufsichtsrat kann nicht seinen Vorsitzenden kontrollieren, das geht nicht. Der gerät damit wortwörtlich „außer Kontrolle“.

    Genau das ist mehrfach in all den Jahren passiert. Da macht es die Situation auch nicht besser, wenn als Entschuldigung dafür herangezogen wird, dass Horst Heldt doch so ein schwacher Vorstand war. Wenn der Aufsichtsrat (per Mehrheitsbeschluss, und nicht im Alleingang) der Auffassung gewesen wäre, dass ein Vorstand schwach ist, dann ist dieser auszutauschen.

    Was allerdings gar nicht geht, ist, dass der Aufsichtsrat hier große Teile der Vorstandsarbeit übernimmt. Das ging ja immer wieder mal von Wasserstandsmeldungen zu Transferentscheidungen, über Interviews mit unausgegorenen Ideen in der Sport-Bild (Khedira-Transfer, 1000 Euro Mitgliedsbeitrag) bis hin zu Vorschlägen zu Trainerentscheidungen (Breitenreiter, Di Matteo) und Spielersuspendierungen (SMS zur Suspendierung von Boateng). Es gibt auch Hinweise, dass selbst der Transfer von Kevin Prince Boateng bereits verhandelt war als Horst Heldt damals nach Mailand anreiste. Den zweiköpfigen Eilausschuss (Tönnies/Lange) gibt es immer noch, trotz aller satzungungsseitigen Bedenken. Dies hätte man m.E. schon längst anders und besser regeln können.

    Echt irre wird man, wenn dann auch noch der Ehrenrat als „Verteidigungslinie“ dieses ganzen Tuns aufgestellt wird. Dann denkt man, man wäre im absurden Theater. Genauso wie seine Behauptung, in den letzten Jahren seien alle Interviews von ihm mit der Pressestelle abgestimmt gewesen. Wenn man sich mal mit Leuten auf der Geschäftsstelle unterhält, dann ergibt sich da aber ein ganz anderes Bild, die schlagen auch manches Mal die Hände über den Kopf zusammen.

    Und nun ist es eine Frage, des Glaubens/Vertrauens. Clemens Tönnies hat auf der PK bei der Vorstellung von Christian Heidel gesagt, dass er sich „noch mehr zurücknehmen“ möchte. Zur Zeit ist das in der Öffentlichkeit so, es naht aber auch die Mitgliederversammlung. Und was danach passiert, wenn er wiedergewählt wird und es mal sportlich nicht so laufen sollte, das können wir uns alle nur ausmalen.

    Ich kann die Zukunft nicht vorhersehen. Ich bin aber Versicherungsmathematiker und weiß, dass wenn man schon mal einen Schaden hatte, die Prognose für einen weiteren Schaden deutlich erhöht ist. Und ich weiß auch, dass diese Beteuerungen nicht das erste Mal aus seinem Munde kommen und ich fürchte, dass er ganz einfach aus seinem Selbstverständnis als „Boss“ auch wieder rückfällig werden wird.

  5. Carlito sagt:

    Schöner Beitrag von Torsten, der das Dilemma zwischen den Mitgliedern schön auf den Punkt bringt.

    Darüber hinaus sehr guter Kommentar von Roman.

    Alles in allem werde ich von Tag zu Tag gespannter auf die Mitgliederversammlung. Und hoffe, dass es nicht zu sehr eskaliert und dadurch Gräben im Verein enstehen, welche im Nachgang schwer oder gar nicht gekittet werden können.

  6. derwahrebaresi sagt:

    Et hätt noch emmer joot jejange.

  7. Ney sagt:

    Obwohl die Mutter des Konzerns Schalke 04 als eingetragener Verein organisiert ist, ist das Management professionell.

    http://www.finanzen.net/nachri.....iv-4917817

    Mit Heidel, Jobst und Peters hat man eine ordentliche Führung.

    Der Aufsichtsrat sollte die dann eben beaufsichtigen.

  8. Gerdi 04 sagt:

    Es sollte allen klar sein: was Schalke braucht ist Ruhe, Ruhe und nochmals Ruhe, um vernünftig arbeiten zu können. Was Schalke nicht braucht sind sinnlose Grabenkämpfe. Vielleicht geht das ja mal in die blau-weißen Köpfe hinein! Wir haben endlich Qualität in allen Bereichen: Heidel und Weinzierl im Sportlichen, Jobst und Peters im Marketing und Finanziellen und Tönnies im Bereich der wirtschaftlichen Verbindungen und in der absoluten Identifikation. Endlich unsere große Chance, was zu bewegen. Nutzen wir alle, denen Blau-Weiß am Herzen liegt, diese Chance!
    Glück Auf

  9. DevonMiles sagt:

    @Roman @Ney „operativ Beaufsichtigen“:

    Ohne die „300.000€/2 Jahre“-Regelung hätte CT/Eilausschuss/irgendeinanderer ARV gar nicht so einen großen Hebel um selbständig eingreifen zu können. Dies „befeuert“ dann eben auch Alleingänge CTs wie wahrscheinlich Boateng oder Breitenreiter. Liege ich falsch?

  10. Roman sagt:

    @DevonMiles: Diese „300.000€/2 Jahre“-Regelung wird immer als Argument angeführt, dass der Aufsichtsrat doch quasi gezwungen wäre, operativ tätig zu werden.

    Ich halte das für nicht korrekt, aber es ist wohl eine Frage der Interpretation. Ein Aufsichtsrat in meinem Sinne würde diese Regelung jedenfalls nicht zum Anlass nehmen, operativ tätig zu werden.

    Es macht übrigens großen Sinn, zu budgetieren (im gesamten Aufsichtsrat und nicht nur im Eilausschuss) und die Genehmigungen (und nur um die geht es) der vom Vorstand vorgeschlagenen (!) Geschäfte durch den Aufsichtsrat auf ein formelles Maß zu reduzieren. Das lässt auch unsere Satzung m.E. zu und wäre durch die Geschäftsordnung zu regeln. Einen Eilausschuss bräuchte es dann – wenn überhaupt – lediglich für die formelle Abwicklung.

    Damit wäre gewährleistet, dass sich der Aufsichtsrat nur noch mit den Budgetierungen beschäftigt (auch haftungsseitig die bessere Lösung) und nicht damit, ob jetzt ein Linksverteidiger x oder ein Stürmer y verpflichtet werden sollte. Denn das kann denke ich ein Vorstand Sport mit seinem Team immer besser als ein Unternehmer, Jurist oder Steuerprüfer.

  11. Henning sagt:

    Sehe das ähnlich wie DevonMiles: Durch die „300.000€/2 Jahre“-Regelung“ bedarf es für die meisten wichtigen (Personal-)Entscheidungen einer Mitwirkung des AR im sog. operativen Geschäft. Da ist die Funktionstrennung Vorstand (Geschäftsführung)/AR (Kontrolle) dann nicht mehr so sauber durchzuhalten. Aber Roman hat natürlich Recht, dass operative Alleingänge eines AR von der Satzung nicht gerechtfertigt sind.

    Desweiteren sehe ich auch als einziges wirkliches Problem, wenn der Eilausschuss Entscheidungen fällt, ohne dass dies zwingend erforderlich gewesen wäre. Dass dies geschehen ist, ist meines Wissens nach aber auch nicht belegt.

    Schließlich möchte ich noch einen ganz anderer Aspekt zur Diskussion stellen, der bisher noch gar nicht angesprochen wurde: Schalke hat bald 150.000 Mitglieder. Davon sind ca. 8.000-10.000 auf der JHV, davon widerum vll. 6.000-7.500 wahlberechtigt, d.h. ca. 5 % der Mitglieder. Mehrheitsbeschlüsse erfordern danach nur ca. 2,51 % der Mitgliederstimmen, Satzungsänderungen etc. ebenfalls nur ca. 3,4 %. Vor diesem Hintergrund kann man m.E. schon bald nicht mehr von einer hinreichenden Legitimation der Wahlentscheideungen sprechen. Mit so einer Anwesenheitsquote müsste eigentlich Beschlussunfähigkeit vorliegen, die die Satzung aber freilich nicht vorsieht. Ich denke, wenn man wirkliche Legitimation will, dann müsste es eine Briefwahl/abstimmung aller Mitglieder geben. Wobei ich gespannt wäre, wie die sog. „Opposition“ – entschuldige den Begriff Roman – zu solche einem Vorhaben stünde, die ja im Endeffekt mehr Macht der Mitglieder wünscht. Denn dann würde es für jegliche „kleine Gruppen“ von engagierten doch deutlich schwieriger, ihre Positionen/Kandidaten durchzubringen, als das bisher der Fall ist.

  12. DevonMiles sagt:

    @ Roman: Danke für die erhoffte klare Stellungnahme. Dem kann ich mir eigentlich nur anschließen. Bei einem ARV mit einer anderen Persönlichkeitsstruktur hätte diese Regelung vielleicht einen anderen Outcome.

    @Henning: das was Du sagst +1. (Gruß aus Bremen.)

  13. Roman sagt:

    @Henning: Zum Thema Briefwahl oder anderer Abstimmungsmodus: Ich glaube, dass ein solches Instrument erst dann wirklich eingeführt werden kann, wenn wir in unserem Verein einen „Pluralismus“ erlauben und leben. Dies ist etwa bei Bundestags- oder Landtagswahlen der Fall. Dort haben die jeweiligen Kandidaten eine Vorlaufzeit, in der sie sich den Wählern mit ihrem Programm vorstellen können (z.B. auch in Polit-Talkshows diverser Sender und Kanäle).

    Diese Form des Pluralismus erfordert aber auch, dass sich der Verein und seine Gremien dazu neutral verhalten. Wie die Neutralität gerade im Verein „gelebt“ wird, das hat Torsten ja hier in den letzten Tagen auch geschildert. Da sind wir noch meilenweit von weg. Vor zwei Jahren wurden auch Wahlausschuss-Kandidaten vom Verein respektive vom SFCV gepusht, eine solche Form der „Neutralität“ (Ironie-Smiley) darf es dann natürlich nicht mehr geben.

    Sollten wir aber da mal einen solchen Status erreichen, dann stünden m.E. vielleicht noch ein paar technische Hürden (wie z.B. Ident-Verfahren) im Weg, die sich aber – mit einigem Aufwand – auch ausräumen lassen. Es sollen sich ja unter den 140.000 Mitgliedern tatsächlich auch einige Hunde befinden. Diese dürften nicht mitabstimmen, dafür müsste man sie aber erst einmal identifizieren.

  14. Roger sagt:

    Ach Roman,
    Ich bin ein Kellner, der von Versicherungsmathematik nichts versteht, deshalb wirst du mir den Zusammenhang von mathematischer Schadensprognostik und der Lernfähigkeit von Menschen mal in Ruhe erklären müssen. Deine widerständige Fixierung auf den patriarchalen Clemens Tönnies lässt vermuten, dass du dich noch an ihm abarbeitest, wenn CT schon lange nicht mehr da ist.
    Zur Sinnhaftigkeit des Eilausschusses empfehle ich dir ein erläuterndes Gespräch mit Christian Heidel.
    KbG

  15. Torsten sagt:

    Sollten wir aber da mal einen solchen Status erreichen, dann stünden m.E. vielleicht noch ein paar technische Hürden (wie z.B. Ident-Verfahren) im Weg, die sich aber – mit einigem Aufwand – auch ausräumen lassen. Es sollen sich ja unter den 140.000 Mitgliedern tatsächlich auch einige Hunde befinden. Diese dürften nicht mitabstimmen, dafür müsste man sie aber erst einmal identifizieren.

    Oh. Schön, dass ich an dieser Stelle auch mal meine Firma in die Waagschale werden kann. Das mit der Identifizierung lässt sich leicht einkaufen: „POSTIDENT“

  16. leoluca sagt:

    Dank an Torsten, ein wirklich berechtigter Text.

    Man muss nicht gleich für den Sturz von Clemens Tönnies aus seinem Amt sein, um den dringenden Wunsch nach einer Veränderung der Schalker Machtverhältnisse zu haben.

    Mein Grundgefühl ist der Überdruss.

    Das erste, das unendlich nervt, und auf das auf Schalke immer Verlass ist: alle Nachrichten werden durchgestochen. In anderen Clubs unterscheidet man zwischen interner (in Vereinsgremien) und externer Kommunikation (mit Fans, Sponsoren und Medien). So etwas gibt es auf Schalke seit vielen Jahren nicht. Was intern besprochen wird, steht am nächsten Morgen in der Zeitung – um es zugespitzt auszudrücken.

    Ein Zeit-Redakteur hat das mal treffend so beschrieben: „Das Leck ist nicht einmal dann abgedichtet, wenn der Chef des Aufsichtsrates nur mit sich selbst tagt.“

    Damit ist natürlich auch derjenige benannt, der von diesem Chaos am ehesten profitiert. Ohne eine klare Begrenzung seiner Kommunikationsmacht wird Schalke sich nicht ändern können.

    Eine Folge dieser besonderen Kommunikation ist die große Unruhe im Club, die man uns von außen als Schalker Wesenskern einreden will. Die Zeiten, in denen sich Wortführer des Vereins auf Versammlungen Schläge androhten, sind zwar lange vorbei. Aber die gefühlige Konstante lautet immer wieder: Empörung, Verzweiflung, Hysterie.

    Diese nervige Melange entsteht immer neu durch den nervösen Populismus des Patriarchen, der sich an das angeblich einheitliche Schalker Volk wendet, deren ungekrönter Fürst er sei. Doch sowenig es ein Volk als Einheit gibt, so wenig gibt es „das“ Schalke. Auf Schalke gibt es eine Vielfalt an Gefühlen, Meinungen und Interessen, keine Einfalt. Und daher muss sich diese Vielfalt auch in der Machtteilung an der Spitze des Clubs widerspiegeln.

    Was allerdings bei aller kritischen Debatte auch nicht unter den Tisch fallen sollte. Nach meiner (politischen) Erfahrung bringt jede führungskritische und neue Basisbewegung auch neue Strippenzieher, Kassenwarte und Pöstchenjäger hervor. Auch das kann man derzeit auf Schalke durchaus erleben, finde ich.

  17. Raul 04 sagt:

    Die Frage ist doch „Warum soll CT den Verein nicht führen, bzw. als AR den Vorstand überwachen?“

    Kann mir jemand einen Trainer, Spieler, Betreuer, Manager oder … nennen, der sich jemals negativ über CT derart geäußert hat, dass er in deren Machtbereich unerwünscht einwirkt? Zuletzt haben sich Breitenreiter und Heldt noch positiv über CT geäußert. Was will man denn CT von Schalker Seite negatives unterstellen? Etwa, dass er sich als Schalker „Funktionsträger“ in der „Öffentlichkeit sonnt“. Ich möchte gar nicht darüber nachdenken, was es da vielleicht bei bestimmten Gruppierungen und Seilschaften für Absichten gibt. Wirtschaftlich ist Schalke für CT von keinem oder sehr geringen Interesse.

  18. Authentisch sagt:

    Wenn der Boss oder der starke Mann im Vorstand wäre, hätten wir nicht das jetzige Problem. Dann bräuchten wir nur noch einen starken Aufsichtsrat, der ihm auf die Finger guckt.

    Wenn Clemens Tönnies also der Boss sein will, dann kann er ja im Vorstand mitarbeiten. Dann bräuchten wir uns nur noch darüber unterhalten, ob er seine Sache gut macht oder nicht.

    Ich hoffe, dass Dein letzter Satz, Torsten, nicht als Resignation gemeint ist. Ich sehe große Chancen, dass mit der Verpflichtung von Heidel als starker Persönlichkeit dieser als neuer Boss anerkannt wird, und die Schalker in dieser Frage einen kann. Denn bei seiner Vorstellung hat Heidel sehr deutlich gemacht, dass er sich nicht in seinen Bereich hineinreden lassen will.

    Die beiden weitergehenden Kommentare von Roman dazu kann ich nur zu 100 % unterstreichen.

  19. StanLibuda sagt:

    Mahlzeit!

    Ich glaube, es wurde noch etwas vergessen:
    Die Deals mit Gazprom. Gehört das nicht auch in die Hände des Vorstandes?!
    Wer betreibt denn sonst Sponsorensuche?

    Ich gehe davon aus, daß wir Gazprom nur an der Backe haben, weil Tönnies
    in Rußland sein Fleisch verkaufen wollte und will.
    Verkauft wurde der Deal dann natürlich anders.
    Das nehme ich ihm am meisten übel

    In diesem Sinne
    Glückauf

  20. mika sagt:

    @ Torsten: 1904%-ige Zustimmung – der Vorstand ist die aktive Handlungsebene!
    Der „Grüßaugust“ darf ja da bleiben, aber er soll sich auf seinen Job – „Aufsicht der Handelnden“ – beschränken!

  21. BlueStar sagt:

    Ein Verein der ca. 150 000 passive Mitglieder hat läuft immer Gefahr von einer aktiven Minderheit der passiven Mitglieder vor einer JHV dominiert zu werden.

    Die aktuell vermehrten Aktivitäten dieser Gruppe haben sicherlich die momentan in verantwortlicher Position stehenden Personen beim S04 mit bekommen.

    Aktion ruft Reaktion hervor.

    Von daher ist es m.e. unsinnig sich über die Aktivitäten der zur Disposition stehenden Personen zu beschweren.

    Sollen sie sich ohne Gegenwehr ggf. abservieren lassen ?
    Das kann doch ernsthaft Keiner erwarten.
    Von daher finde ich Beschwerden diesbezüglich völlig fehl am Platz.

    Wer sich in die Schwergewichtsklasse traut muss damit rechen auch mal ein paar Schläge in die Fresse zu bekommen (selbstverständlich ist das bildlich gemeint).

    Wer außerdem nur ein kleines Portemonnaie hat muss wissen das „die Gegner“ im Zweifel dank ihrer finanziellen Möglichkeiten auch zur JHV mobilisieren können.

    Ein Umsturz muss geplant werden – und ein lauter, öffentlich vorbereiteter Umsturz ist bei solch einer Konstellation meist zum scheitern verurteilt.

    Weiter oben wurde schon eine vielleicht fehlende Legitimation der Wahlentscheidungen/Abstimmungen angesprochen, weil nur ein kleiner Bruchteil der Mitglieder auf einer JHV anwesend sind.

    Selbstverständlich wäre es schön deutlich mehr stimmberechtigte Mitglieder auf einer JHV zu sehen – aber daran gibt es eigentlich nichts zu bemängeln – so lange Jeder die Möglichkeit daran teil zu nehmen liegt es an den Mitgliedern selbst wie sie sich einbringen. Wer nicht kommt unterstützt indirekt seine Widersacher – was eigentlich nichts anderes heißt als aktiv zu werden, sprich zu erscheinen.

  22. SpeedGlas sagt:

    Ich sehe das sehr ähnlich wie Raul04. Ich kann diese ganzen Anti-Tönnies Diskussion nur schwer nachvollziehen. Ich sehe bisher keine Fehler die er gemacht hat, oder ihm nachgewiesen wurden. Auf der letzten JHV wurde gefordert, dass er sich aus den Medien zurückhält. Das hat er getan. Er wird im Hintergrund dafür gesorgt haben, dass der Vertrag mit Gazprom verlängert wurde, was ich sehr gut finde. Denn kein anderer Sponsor würde dermaßen viel Geld an Schalke zahlen. Ich kann nicht verstehen warum sich Leute daran so stören. Andere Konzerne, auch viele deutsche, sind mindestens genauso verbrecherischen wie Gazprom und da sind viele von uns Kunden oder Mitarbeiter.
     
     
    [TW: Kommentar editiert]

  23. Gauß sagt:

    @StanLibuda

    Klar könnte und (vielleicht sogar) sollte der Vorstand für die Gewinnung eines Hauptsponsors zuständig sein.
    Und die würden das auch schaffen. So, wie wir beide auch.

    Nur, ob wir dann pro Jahr 25 bis 30 Millionen einnehmen würden, ist doch die Frage. Ich glaube von den freien Sponsoren haben wir nach Bayern die zweithöchsten Einnahmen. Und weil deren Sponsoren auch im AR sitzen, weiß ich nicht, ob man die überhaupt „freie“ Sponsoren nennen darf.

    Nun kann man natürlich sagen „Lieber nur 10 Millionen pro Saison, aber bloß nicht Gazprom.“. Okay – aber wer will das wirklich? Zumal sich Gazprom aus unserer Vereinspolitik ja nun – trotz AR – augenscheinlich heraushält – ganz im Gegensatz zu anderen Sponsoren in der Buli.

  24. blues sagt:

    @StanLibuda
    Der Vollständigkeit halber ein kurzes Update zum zwischenzeitlich erweiterten Engagement von Tönnies in Rußland. Er mästet nun direkt in Rußland Schweine.

    „Tönnies mästete, nach Aussagen von Geschäftsführer Clemens Tönnies, im April 2015 bereits 600.000 Schweine in Russland, 1,5 Millionen Tiere sollen es 2017 sein.“

    http://www.topagrar.com/news/H.....43383.html

  25. Gauß sagt:

    @blues

    Sei doch so freundlich und erkläre mir mal, was daran in irgendeiner Weise verwerflich sein soll.
    Geht es darum, dass du in Russland kein Geld verdienst? Oder worum geht es eigentlich?

    Oder habe ich dich einfach nur falsch verstanden?

  26. Authentisch sagt:

    @SpeedGlas:

    Du hast in einer Sache recht, dass wahrscheinlich keiner der in Frage kommenden Sponsoren richtig sauber ist. Ich sehe dennoch einen riesen Unterschied zu anderen Sponsoren in der BL. Vergleiche doch mal mit unseren beiden Sponsoren davor (Victoria u. Veltins).

    @gauß:

    Die Zahlen, die nach Verkünden des neuen Deals kursierten, waren 20-22 Mio. €. Damit liegen wir in der BL auf Platz 4 (hinter den Bayern, Wolfsburg und den Nachbarn).
    Und ich würde es auf jeden Fall begrüßen, wenn wir einen anderen Sponsor hätten, der aber vielleicht nur noch 15 Mio. € pro Jahr in die Kassen spült.

    Warum sollte unser Vorstand nicht in der Lage sein, einen guten Sponsor an Land zu ziehen? Schaffen unsere Nachbarn doch auch, und da waren schon mal ganz andere Hasardeure am Werk.
    Wenn unser Vorstand dazu nicht in der Lage wäre, wäre es Aufgabe des AR, Leute zu verpflichten, die es können.

    zum Problem Gazprom:
    Ich möchte keine politische Diskussion starten, aber Gazprom ist ein politisches Instrument eines nationalistisch handelnden Staates. Um die Ukraine unter Druck zu setzen, wurde der Gaspreis kurzerhand mal um das 2-3fache erhöht. Und wer liefert das Gas dahin? – Gazprom.
    Diejenigen, die Gazprom für in Ordnung halten, habt ihr euch mal die Frage gestellt, ob die nicht plötzlich auch mit uns so herumspringen könnten?
    Was passiert, wenn der Ukraine-Konflikt wieder aufflammt? Was passiert, wenn die EU in der Folge die Sanktionen verschärft? Will Gazprom dann nicht mehr zahlen oder dürfen sie es dann vielleicht sogar nicht mehr?

    Habt ihr euch mal diese Frage gestellt? Wahrscheinlich nicht, aber das muss man als einfacher Fan/ einfaches Mitglied auch nicht. Denn dafür haben wir den Aufsichtsrat, der sich über alle möglichen Risiken Gedanken machen muss, um Schaden vom FC Schalke 04 abzuwenden.
    Aber wie kann das der AR noch, wenn der ARV den Deal selber mit ausgehandelt hat?

  27. Roman sagt:

    Davon abgesehen ist Gazprom tatsächlich auch ein Risiko für den Verein, wie sich gezeigt hat, als die EU Sanktionen gegen Russland erlassen hat. Dies hätte ja auch noch weiter eskalieren können und S04 hätte im Ernstfall auch ganz ohne Sponsoreinnahmen dastehen können. Da machste als Verein nämlich gar nix.

    Aber der Drops ist jetzt wohl erst einmal bis 2022 gelutscht. Verträge sollen ja kurzfristig unterzeichnet werden und man wird sich im Aufsichtsrat ja hoffentlich auch dieses Risikos bewusst sein.

  28. SpeedGlas sagt:

    Wenn man dann schon Probleme mit Gazprom hat, warum beschwert sich dann niemand über die China-Reise, die in der kommenden Vorbereitung gemacht werden soll? Da werden die Menschenrechte ebenfalls mit Füßen getreten und sogar mit Nordkorea sysmpatisiert.
    Und da ich schon beruflich mit Gazprom, als auch mit chinesischen Unternehmen, die alle in irgendeiner Form zum chinesischen Staat gehören, zu tun hatten, ist mir Gazprom doch um einiges lieber.
    Ich denke es wird sich kein Sponsor finden lassen, der ähnliche Mittel zur Verfügung stellt wie Gazprom und dabei keinen Dreck am Stecken hat. Wenn man nun sieht, auf was für einer Shoping-Tour unser Nachbar gerade unterwegs ist, werden wir in Zukunft wirklich viel Geld brauchen, um da wenigstens schrittzuhalten und den Anschluss nicht ganz zu verlieren.

  29. leoluca sagt:

    Alternativlos. Das Lieblingswort derer, die nichts ändern wollen.

  30. Roger sagt:

    Das hohe moralische Ross ist der Lieblingsplatz derer, die andern gerne vorwerfen nichts ändern zu wollen.
    Das ändert zwar auch nichts, aber man fühlt sich dann besser.
    Mir wäre am liebsten wir hätten Amesty International als Trikotsponsor für lau und unsere Arena hieße „Wir zeigen allen Despoten den Mittelfinger Arena“
    Ich werde mal über einen Antrag zur Mitgliederversammlung im kommenden Jahr nachdenken.

  31. leoluca sagt:

    Du hast das richtig verstanden: Ohne solide Moral kann es keine gute Ökonomie geben.

    In unserem Leitbild heißt es: „Von uns Schalkern geht keine Diskriminierung oder Gewalt aus. Wir zeigen Rassismus die Rote Karte und setzen uns aktiv für Toleranz und Fairness ein.“

    Ich halte es für absolut wichtig und möglich, diese ethischen Grundlagen mit dem wirtschaftlichen bzw. kommerziellen Engagement des Clubs zu verbinden. Geschäfte sind nicht an sich schmutzig, nur weil es um Geld und Konkurrenz geht. Das Geld von Gazprom ist aus ganz anderen Gründen schmutzig.

    PS: Amnesty International ist kein Wirtschaftsunternehmen, das Sponsoring betreibt, sondern eine Nichtregierungsorganisation (NGO), die sich für Menschenrechte und vor allem für die Betreuung und Befreiung von politischen Gefangenen einsetzt.
     
     
    [TW: Kommentar editiert]

  32. Roger sagt:

    Als AI Mitglied bedanke ich mich für die Belehrung.

  33. anakin sagt:

    @roger mittlerweile gibt es auch viel Kritik an Amnesty International.

  34. Lothar04 sagt:

    Alles hat zwei Seiten. Egal wie man es betrachtet. Die Diskussion darüber ist eine Endlosschleife.
    Manche wollen etwas ändern, manche nicht..(ihr seht… die Schleife beginnt ;-)

  35. blues sagt:

    @Gauß
    Es ging mir nur um eine Komplettierung des Geschäftsumfangs von Tönnies Business mit Rußland.

    Dass Herr Tönnies private und orginär wirtschaftliche Interessen in Deutschland und Rußland mit dem Verein Schalke 04 verbindet, finde ich in sofern sehr kritisch, da er Schalke 04 als öffentliches Gesicht für seine Privatinteressen benutzt. Ohne Schalke, so nehme ich an, würde den Tönnies doch kein Schwein kennen.

    http://img.morgenpost.de/img/f.....ennies.jpg

    Solche Auftritte haben genaugenommen auch gar nichts mit seiner Aufgabe, nämlich der Kontrolle des Vorstandes, zu tun.

  36. leoluca sagt:

    anakin schreibt: „@roger mittlerweile gibt es auch viel Kritik an Amnesty International.“

    Ja, vor allem von Wladimir Putin. Seit letztem Jahr ist in Russland ein Gesetz in Kraft, das Amnesty die Verbreitung von Informationen im Internet und die Umsetzung von Projekten in Russland verbietet , einschließlich der Organisation von Symposien und Kongressen. Auch dürfen russische Banken für Amnesty keine Geldgeschäfte mehr abwickeln. Bei Zuwiderhandlungen drohen hohe Geldstrafen, Wiederholungstätern sogar Haft.

  37. Nordlicht sagt:

    Kann es sein das nicht ein einziger Artikel von Torsten auch beim Thema bleibt??

    In jedem seiner Artikel landet man hier entweder bei CT und Russland oder anderweitig politischen Themen.

    Ich habe schon x-mal das Gefühl das wäre der ARD-Blog von „Anne Will“

    Moral spielt, leider, in keinem einzigen Bereich unseres heutigem Leben noch irgendeine Rolle. Wir sind doch alle irgendwie Weltverbesserer und gleichzeitig der Doppelmoral erlegen.

    Sollte Schalke den moralischen Vorreiter mimen wird es nur noch Mittelmass bis zweite Liga sein. Schalke könnte ja damit anfangen sein Fanklamotten statt in Bangladesch in Deutschland produzieren zu lassen. Wäre interessant zu sehen wer dann noch Artikel kaufen wird. Also holt man mit persönlichen Kontakten das maximum raus. Traurig, bitter, nur ist es in der heutigen Zeit nun einmal so.

    Hätten wir diese Diskussionen auch wenn wir öfter schöne Spiele gesehen hätten?? Ich weiss es nicht.

    Ich finde ein Verein brauch ein Gesicht und nicht nur als Grüssonkel. Denn trotz Wirtschaftsunternehmen sind wir doch immer noch ein Fussballverein und da sollten emotionale Auftritte ( auch wenn ich dann mit dem Kopf schüttel ) erlaubt sein. Mir reichen schon die durchgestylten Interviews der heutigen Spielergeneration.

  38. Chris sagt:

    On Topic

    Nach Informationen dieser Zeitung ermittelt der Ehrenrat aktuell gegen die Aufsichtsratsmitglieder Dr. Andreas Horn und Thomas Wiese – allerdings wohl in zwei unterschiedlichen Sachverhalten.

    http://www.reviersport.de/3324.....raete.html

  39. Ney sagt:

    @Nordlicht

    Moral spielt, leider, in keinem einzigen Bereich unseres heutigem Leben noch irgendeine Rolle.

    Wie kommst Du denn auf das schmale Brett?

    Ich finde ein Verein brauch ein Gesicht und nicht nur als Grüssonkel.

    Das sind in anderen Vereinen die verantwortlichen Vorstände im Management. Ein Aufsichtsratsvorsitzender ist doch sonst nirgends Gesicht eines Vereins oder eines Unternehmens, wieso auch.

  40. McSkull sagt:

    Es wurde weiter Oben angesprochen, das unsere Satzung und der ganze Aufbau unserer Abstimmungs- und Wahlsituation, bei so vielen Mitgliedern und der momentanen Hitzigkeit Probleme bereitet.

    Die Situation liegt doch ungefäht so, oder?

    Tönnies will im AR bleiben. Das weiß man. Daran gibt es Kritik. Er wird angeriffen, also macht er Werbung für sich. Klingt soweit normal. Vielleicht bittet er Leute im Verein für ihn zu sprechen (Elgert, Jobst, Heidel, usw.), vielleicht nicht. Vieleicht war es auch die Presse die solche Fragen stellt. Aber gezwungen wird er sie wohl nicht haben. Nur sieht das unfair aus, da er keine Konkurenz hat.
    Tönnies sieht sich Angriffen ausgesetzt und wehrt sich.
    Seine möglichen Konkurenten stehen noch nicht fest. Folglich gibt es keinen Wahlkampf aus der Gegenrichtung. Aber eben auch keine Kritik an diesen Konkurenten.
    Aber eigentlich könnten sich doch auch die Mitglieder, welche sich um den AR-Posten beworben haben über Plattformen in der Öffentlichkeit positionieren. Macht nur leider keiner. Wäre aber auch schwierig gehör zu finden.
    Irgendwie passt das alles nicht.
    Ich habe das Gefühl wir müssten mal wieder unsere Satzung reformieren und dafür sorgen, das die Wahlen besser organisiert sind. Mit mehr Stimmberechtigten durch neue Wahlmethoden. Durch bessere Vorauswahl und Vorstellung der Kandidaten ohne Druck auf den WA und ohne einseitigen Wahlkampf (den ich auch ein Stück für aufgezwungen halte). Vielleicht ist sogar eine Begrenzung der Kandidaten nicht mehr Zeitgemäß. Die Regelung sollte helfen Vorstellungsorgien an Wahlabenden zu minimieren. Vielleicht wäre auch hier eine Vorstellung aller Kandidaten viel weiter vorab auf der Vereinsseite/im Kreisel eine Hilfe. Wer will kann sich informieren, wer nicht will, hätte am Wahlabend wohl auch nicht so genau hingehört. Auf die Vorstellung auf der JHV könnte man dann ganz verzichten. Aber zieht man die Vorstellung vor geht wohl auch das ganze andere Theater einfach früher los.
    Ach ich weiß auch nicht wie es gehen soll. Schlimm finde ich das so viele Leute im und um den Verein so unter Druck gesetzt, angegriffen, bedroht und sonst noch was werden. Auf beiden Seiten.

    Ich wünsche mir das alles gut wird.

    BWG McSkull

  41. Torsten sagt:

    Ich habe schon x-mal das Gefühl das wäre der ARD-Blog von „Anne Will“

    Hömma .. irgendwann ist die Grenze der Provokation aber auch erreicht ..

    Ich finde ein Verein brauch ein Gesicht und nicht nur als Grüssonkel.

    Das sind in anderen Vereinen die verantwortlichen Vorstände im Management. Ein Aufsichtsratsvorsitzender ist doch sonst nirgends Gesicht eines Vereins oder eines Unternehmens, wieso auch.

    Als ich am vergangenen Montag die Liste der Aufsichtsratsvorsitzende der Bundesliga dargestellt hatte, war das eigentlich die Intention: Darzustellen, dass man andere Aufsichtsratsvorsitzende eigentlich überhaupt nicht kennt. Die Idee stammt aus Diskussionen um Clemens Tönnies. Dabei kam mir „als Denkansatz“ mehrmals die eher rhetorische Frage unter: „Wie heißt eigentlich der Aufsichtsratsvorsitzende von Eintracht Frankfurt?“ .. oder Köln .. oder Borussia Dortmund. Die kennt eigentlich nie irgendjemand.

    Der Punkt ist, dass der Job eines Aufsichtsratsvorsitzenden im Hintergrund abläuft. Das ist auch auf Schalke so vorgesehen. Die Entscheidungen und die Darstellung des Vereins obliegt dem Vorstand, nicht dem Aufsichtsratsvorsitzenden.

    Ganz klar, man kann da sehr verschiedene Maßstäbe ansetzen. Entsprechend konnte man die Liste sehr unterschiedlich interpretieren. Man konnte auch abseits der „BILD-Treffer“ einiges „rein- oder rauslesen“. Beispielsweise hätte man beachten können, bei wie vielen Clubs die Sponsoren das Sagen haben, und darauf hinweisen, dass selbst bei einem so „lauten und doch einigermaßen fanorienterten Club“ wie dem 1. FC Köln ein Manager des Hauptsponsors der „Boss“ ist – ohne dass das offensichtlich irgendwen kratzt .. man stelle sich das Hallo zum Thema auf Schalke vor ..

    Wie gesagt, man kann viel darin sehen, oder wenig. Ganz wie man mag. Deshalb hatte ich mich auf die schlichten Fakten beschränkt und nicht schon von mir aus irgendwas interpretiert. Das sollte dem Leser überlassen werden. Und ich war letztlich doch ein bisschen enttäuscht, dass niemand die Liste abseits der BILD-Treffer beachtet hat.

    @McSkull:

    Da läuft gerade einiges unglücklich. Ich denke, dass da mittlerweile jeder zustimmt, egal auf welcher „Seite“ er steht. Aber man muss klar sehen: Die aktuelle Satzung ist Ergebnis des demokratischen Streits. Auch Vereinspolitik ist nun mal Politik, und da wird Lobbyarbeit betrieben. Diejenigen, die nun über die Macht des Wahlausschusses meckern, haben zuvor Satzungsänderungsanträge zum Wahlausschuss abgelehnt, da zu dem Zeitpunkt der Wahlausschuss ebenso mächtig aber eben sehr opportun agierte.

    Deshalb steht zu befürchten, dass auch nach dem 26. weiterhin ebenso agiert wird. Dass jeder Entscheider so entscheidet, wie es ihm aktuell gut in den Kram passt, und nicht so wie es vielleicht auf Sicht für den Club eine gute Entscheidung wäre.

  42. anakin sagt:

    @leoluca dann beschäftige Dich mit der Frage warum das so ist.

  43. Zeitspieler sagt:

    Ich denke, dass man einen Fußballverein nicht automatisch mit anderen Konzernen vergleichen kann. Obwohl es in Schalke einen stetigen Aufwärtstrend in der kaufmännischen Kompetenz der Vorstände gibt. Von Assauer über Müller über Magath, Held und Heidel gibt es jeweils eine Steigerung der kaufmännischen Kompetenz. Keinem traue ich es wirklich zu, einen Konzern mit 250 Millionen Jahresumsatz zu führen, wenn der Verein es täte, warum gibt es dann die 300.000 Euro Klausel? Es fehlt doch bei allen diesen Leuten, auch in anderen Vereinen, eine solide Berufsausbildung. In normalen Konzernen wird doch niemand ohne eine Berufsausbildung und jahrelange Berufserfahrung in den Vorstand gewählt.

  44. Gauß sagt:

    @Zeitspieler

    Ich denke, dass du in einem Punkt vollkommen recht hast: Keinem von unseren vergangenen operativ Verantwortlichen traue ich es zu, ein Unternehmen mit 250 Mio. Jahresumsatz wirtschaftlich zu führen.
    Da reicht es eben nicht ganz, wenn man irgendwann mal halbwegs anständig gegen einen Ball treten konnte.

    Wie das bei Heidel ist, weiß ich nicht. Vielleicht sind die theoretischen Aussichten diesbezüglich auch besser.

    Und dieses Dilemma ist natürlich auch eine Folge des e.V.
    Bei uns werden eben entscheidende Funktionsträger gewählt (direkt oder indirekt) und kaum nach wirtschaftlicher Qualifikation ausgesucht. Oder die, die andere leitende Mitarbeiter einstellen, sind dazu wiederum nicht unbedingt qualifiziert.
    Dass dann irgendwann ein (egal ob sympathisch oder mir recht oder was) erfolgreicher Unternehmer den Boss mimt, könnte vielleicht auch eine Folge des Vakuums sein, das wir auf dieser Position hatten.

    Ein Vergleich mit Industrieunternehmen verbietet sich insofern, weil mir kein erfolgreiches Unternehmen bekannt ist, in dem die Arbeiter und Angestellten den Vorstand oder Aufsichtsrat wählen. Das wäre vermutlich das Ende von diesen Unternehmen.

  45. Werda sagt:

    Themenwechsel: Kennt einer gute EM- Blogs?

  46. Torsten sagt:

    @Zeitspieler

    Interessanter Kommentar. Wenn Du schreibst, dass das bei den anderen Clubs auch so ist: Gehst Du davon aus, dass “die Firma” in deren Fällen (auch) von den Unternehmern im Aufsichtsrat geführt wird? Warum schaffen die das dann so leise, ohne das sie über Zeitungen und TV-Shows Unruhe verbreiten?

    Und: Wenn Du es als gesetzt siehst, dass der Club ein Wirtschaftsunternehmen ist und der Vorstand nicht ausreichende Kompetenz besitzt dieses zu leiten; Dann wäre es doch am Aufsichtsrat, die richtige Kompetenz in den Vorstand – also in geschäftsführende Funktion – zu bringen, oder nicht? Der jetzige Vorstand besteht aus drei gleichrangingen Vorständen für bestimmte Sachbereiche. Sollte denen dann nicht ein “Unternehmer” vorstehen? Vielleicht einer wie Clemens Tönnies, vielleicht Clemens Tönnies selbst? Einer, der dann führt, aber nunmal von Aufsichtsräten mit Kompetenz “nur” kontrolliert wird?!

    Stattdessen wird ziemlich sicher bei der JHV in zwei Wochen die Satzung dahingehend verändert, dass der bislang vorgesehene “1. Vorsitzende” (ehemals “Präsident”) abgeschafft wird. Das sieht ein Antrag von Dr. Buchta vor. Es heißt, damit würde die Satzung der Praxis angepasst. Wenn ich Dich (Zeitspieler) richtig verstehe, ist das kein guter Schritt.

    @Gauß

    Und dieses Dilemma ist natürlich auch eine Folge des e.V.
    Bei uns werden eben entscheidende Funktionsträger gewählt (direkt oder indirekt) und kaum nach wirtschaftlicher Qualifikation ausgesucht. Oder die, die andere leitende Mitarbeiter einstellen, sind dazu wiederum nicht unbedingt qualifiziert.
    […]
    Ein Vergleich mit Industrieunternehmen verbietet sich insofern, weil mir kein erfolgreiches Unternehmen bekannt ist, in dem die Arbeiter und Angestellten den Vorstand oder Aufsichtsrat wählen. Das wäre vermutlich das Ende von diesen Unternehmen.

    Ich finde, das ist zu negativ dargestellt. Auch Clemens Tönnies wurde in den Aufsichtsrat gewählt. Der Aufsichtsrat kooptiert zusätzlich Mitglieder, die Kompetenzen mitbringen. Und der Vorstand wird eben nicht gewählt, sondern vom Aufsichtsrat eingesetzt.

    Außerdem wählen hier nicht die Arbeiter und Angestellten den Aufsichtsrat, sondern die Mitglieder. Diese sind in diesem Fall „der Besitzer“ des Clubs. Das entspricht in etwa den Aktionären einer AG, bei der die Hauptversammlung den Aufsichtsrat wählt, der wiederum den Vorstand bestellt. Der Unterschied ist lediglich, dass man der Mehrheit von Aktionären reines Profitstreben unterstellen kann, während Mitgliedern eines Vereins daneben häufig auch andere Dinge wichtig sind.

  47. leoluca sagt:

    Habe ich das richtig verstanden, dass einige der Meinung sind, die Schalker Vorstandsmitglieder hätten zuwenig fachliche Kompetenz, um den Verein auch wirtschaftlich bzw. unternehmerisch zu führen.

    Kann ich nicht sehen. Wem der drei gleichrangigen Vorstände sollte denn welche Ausbildung, welches Fachwissen und welche Kompetenz zu seinem Job fehlen? Alle drei blicken nicht nur auf eine solide Berufskarriere zurück, sondern haben auch großes Erfahrungswissen für den Club.

    Den Verzicht auf einen Vorstandsvorsitzenden sehe ich weniger als Kompetenz-, sondern eher als strukturelle Frage. Man entscheidet sich halt für eine kollektive Führung statt für den einen starken Mann an der Spitze. Daran ist doch erstmal nichts Schlechtes, oder?

  48. Gauß sagt:

    Naja – wenn alles in Ordnung ist und die Führungskräfte der vergangenen Jahre so kompetent – dann hat sich die Diskussion ja erledigt, oder? Warum wir dann mehr Schulden als Griechenland, mehr Trainer als ein Dackel Haare und ein Konzept rsp. eine Strategie wie „Flasche leer“ in den vergangenen Jahren hatten, bleibt ein Geheimnis.
    Dazu kommt, dass diese Leute vom AR und somit – wie einige behaupten – von dem alleinigen Entscheider und Gutsherren CT berufen wurden.
    Somit frage ich mich allen Ernstes, also wenn da nur fähige Vorstandsmitglieder oder Funktionsträger sind, warum es überhaupt Leute gibt, die CT kritisieren.
    Vermutlich mein Denkfehler, oder?

  49. Ney sagt:

    Es sind diejenigen, die an die Richtigkeit der Satzung und an die Notwendigkeit einer Aufteilung der Macht im Club glauben, die darauf mit „Der Vorstand“ antworten. Diejenigen, die nicht formulieren sich „zu sorgen“, denen nicht „Angst und Bange“ wird, wenn sie daran denken, dass dem Club mal kein Boss alter Schule mehr vorsteht. (…)

    Man versteht einander einfach nicht.

  50. rjonathan sagt:

    Eigentlich ist die Diskussion hier ja durch. Aber zwei Sachen zum „heiligen Gral“ Einmischung des Aufsichtsrat.

    1. Es gibt da ein Verständnis im deutschen AG-Gesetz, dass er sehr strikt vom Vorstand zu trennen ist. In den USA, UK, Frankreich gibt es diese Trennung nicht. Es ist also nicht zwangsläufig der Weisheit letzter Schluss und der Untergang des Abendlandes, wenn es diese Trennung nicht gibt. Mal unabhängig davon, dass sie in unserer Satzung natürlich festgeschrieben ist.

    2. Der Aufsichtsrat sollte in meinen Augen nicht nur beaufsichtigen sondern ggf. auch beraten. Und was nun Beratung ist, da sind die Grenzen fließend und auch davon abhängig, welche Beratungsleistung ein Vorstand meint zu benötigen. Ich bin auch der Meinung, das Tönnies sich zu viel eingemischt hat, ich bin aber vor allem der Meinung, dass Heldt zu wenig geführt hat. Unter Magath hat man von Tönnies nix gehört.

  51. Zeitspieler sagt:

    @ Torsten,

    danke für Deine Antwort auf meinen Post vom 12. Juni und sorry wegen der verspäteten Antwort.

    Ich lese viel mit und schreibe eigentlich nur, wenn ich das Gefühl habe, das ein Argument völlig fehlt.
    Mein eigentliches Argument ist, dass ich es für möglich halte, dass es keinen geeigneten Vorstandsvorsitzenden geben kann, in einem Profi Fußballverein. Die einen haben ein halbes Leben Fußball gespielt und konnten sich vielleicht nie genügend Kompetenz im kaufmännischen Bereich aneignen, die anderen haben eine sehr gute Ausbildung und Führungskompetenz, denen fehlt aber die Vernetzung und die Kompetenz im Fußball. Warum hat Schalke denn sonst diese wahnsinnig niedrige Sperrklausel für Verträge über 300.000 Euro, wo der Aufsichtsrat mitbestimmen muss.
    Unabhängig davon bist Du viel näher an Schalke dran, als ich. Emotional und geographisch. Ich wohne im Westerwald und kriege da nur selten etwas mit, wenn Tönnies sich irgendwo eingemischt haben sollte.
    Der Mainzer Präsident steht bei uns viel öfters in den Zeitungen als Tönnies. Die paar unklugen Äußerungen von Tönnies sind mittlerweile ein Jahr her, danach kam in meiner Wahrnehmung kaum noch was.
    Dankbar bin ich aber für jeden, der sich dafür einsetzt, dass Schalke ein e. V. bleibt.
    Dankbar bin ich aber auch Tönnies, der durch seine guten wirtschaftlichen Kontakte, durch eigenen finanziellen Einsatz und durch Kompetenz in wirtschaftlichen Fragen, Schalke in schweren Zeiten helfen konnte, wie übrigens auch die Stadt Gelsenkirchen. Daher bin ich sehr erleichtert, dass er zur Wahl zugelassen wurde.
    Fußball kann man auch nicht so einfach mit normalen Unternehmen vergleichen, bei Unternehmen geht es oft um Umsatz- und Gewinnmaximierung, bei Schalke wird der Erfolg am Tabellenplatz gemessen. Auch deshalb darf die Unternehmensstruktur anders sein, als bei normalen Wirtschaftsunternehmen.

    Danke für Deine Arbeit in diesem Blog, macht mir immer Spaß hier reinzuschauen.

    Gruß Klaus

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