Artikel im August 2016

Option-Don nach Klausel-Hotte

Das Transferfenster steht nur noch auf Kipp, um 18 Uhr ist’s dann endgültig zu. Gestern wurde veröffentlicht, dass Schalke Evgen Konoplyanka vom FC Sevilla verpflichtet. Der 26-jährige ukrainische Nationalspieler wird zunächst für ein Jahr ausgeliehen, für danach hat Schalke 04 eine Kaufoption.

Konoplyanka ist die siebte Neuverpflichtung und dabei der dritte Spieler, der zunächst als ausgeliehen geführt wird. Auch Nabil Bentaleb und Baba wurden zunächst für ein Jahr geliehen. Medienberichten zufolge hat Schalke 04 auch für Nabil Bentaleb eine Kaufoption. Bei Baba sind sich die Medien bezüglich einer Option nicht einig, während die WAZ eine solche verneint schreiben die Ruhr Nachrichten eine solche Schalke 04 zu. In dieser Transferperiode kam mir das Wort „Option“ in etwa so häufig unter wie das Wort (Ausstiegs-)„Klausel“ zu Zeiten Horst Heldts.

Sowohl die Kaufoption, als auch die Ausstiegsklausel sind nicht per se gut oder schlecht. Wenn in einer Kaufoption der Kaufpreis bereits festgelegt ist, kann es später schwierig sein neu zu verhandeln, wenn der Spieler zwar noch interessant, aber auf Grund der Entwicklung der Preis nicht mehr angemessen erscheint. Eine Ausstiegsklausel kann ermöglichen, Spieler zu bekommen, die sich ansonsten nicht auf einen Vertrag mit längerer Laufzeit einlassen würden. Je nach Entwicklung kann sich eine Ausstiegsklausel aber nach ein oder zwei Jahren als zu niedrig erweisen. Eine Kaufoption fühlt sich zunächst mal gut an, weil der eigene Club damit „am Drücker“ sitzt. Gerade im Fall Nabil Bentalebs, der in den letzten beiden Spielzeiten mit schweren Verletzungen zu kämpfen hatte, erscheint ein „Testjahr“ vor einem endgültigen Kauf schlau.

Mit einer Ausleihe lässt sich das Zahlen eines hohen Betrags für eine teure Verpflichtung vor allem prima aufschieben. Ohne Details zu kennen vermute ich, dass sich Schalke ohne die Leihverfahren in dieser Saison keine sieben Neuzugänge hätte leisten können. So konnte der entsprechend große Umbruch sofort realisiert werden, für drei von sieben Spielern werden die Ablösesummen aber erst in der kommenden Saison fällig – oder eben auch nicht, falls die Saison total missrät und man sich gegen die Verpflichtungen entscheidet. Das klingt nach Risikominimierung. Wie es letztlich kommt … ma’kucken.

„Kommt Konoplyanka?“ – „Ma’abwarten“

Marco Hagemann stellte die Frage ganz zum Schluss, direkt vor der Abmoderation. „Kommt Konoplyanka?“ Christian Heidel lachte und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. „Ma’abwarten“ war die Antwort, die alles offen ließ.

Christian Heidel war bei kicker.tv zu Gast. Das Thema war nicht etwa Schalke 04, sondern eine „Transfer-Debatte“, welche sich vor allem mit der englischen Premier League beschäftigte und auf die hohen Summen abzielte, die dort gezahlt werden und eben auch nach Deutschland schwappen, die auch den hiesigen Markt beeinflussen. Schalkes Manager war einer von vier Gästen, neben Raphael Honigstein, Frank Lußem und Thomas Hitzelsperger. Die eine Stunde Unterbrechung in seinem Tun bis zum Ende des Transferfensters am Mittwoch bekomme er hin, sagte Christian Heidel, und gab sich dann gewohnt meinungsstark. Eine Folge die man sich gut anschauen kann, ein Format das durch Sachlichkeit überzeugt und in dem die Gäste ausreden dürfen.

Die Sendung kann online hier nachgeschaut werden:
kicker.tv Folge 13 – Die Transfer-Debatte
 

Ernüchternder Saisonstart in Frankfurt

Schalke 04 verliert das Saisonauftaktspiel in Frankfurt mit 0:1. In einem schwachen Fußballspiel war das Team der Eintracht kämpferisch stärker und gewann am Ende verdient.

Schalke bot eine enttäuschende Leistung. Die ersten 15 Minuten waren defensiv katastrophal, die weiteren 75 Minuten immer noch nicht gut. In der Anfangsphase störte Frankfurt den Schalker Spielaufbau schon an der Strafraumgrenze und nahm die Anspielstationen im Mittelfeld in Manndeckung. Ein aggressives Vorgehen dieser Art hatte man sich eigentlich von Schalke erhofft. Stattdessen wirkten die Blauen hilflos und unsicher, kein bisschen anders als in schwachen Spielen der vergangenen Spielzeit. Und gerade Naldo, der einzige Neuzugang in der Startformation, hatte einen fürchterlichen Tag erwischt.

Schalkes Offensivspiel war zu langsam und in den entscheidenden Szenen zu schlampig. Frankfurt wirkte wacher, schneller. Trotzdem kam es immer wieder zu Gelegenheiten, aus denen Schalke mit einem geeigneten Zuspiel Chancen hätte erarbeiten können. Sead Kolasinac und später Baba links, als auch Junior Caicara rechts kamen immer wieder in 1:1 Situationen auf den Außen. Aber wenn sie sich dabei gegen den Gegner durchsetzen konnten waren die Zuspiele so schlecht, dass daraus keine Abschlüsse werden konnten.

Das Spiel war insgesamt nicht gut. Auch Frankfurt konnte nach dem starken Beginn nicht nachlegen. Es waren kaum Spielzüge zu sehen, viel Stückwerk auf beiden Seiten, nur dass Frankfurt bei einer Führung damit einverstanden sein konnte.
Bis zur 80. Minute, als Klaas-Jan Huntelaar, durch einen Geis-Freistoß freigespielt, freistehend den Ball nicht an Frankfurts Keeper Lukas Hradecky vorbeibekam und damit die große Chance zum Ausgleich vergab, war Schalke nie gefährlich. Das so sehen zu müssen war ernüchternd nach der guten Stimmung und den Hoffnungen aus der Vorbereitung. Andererseits hätte klar sein können, dass auch Markus Weinzierl nicht zaubern kann. Nach Jahren mit einem vergleichsweise langsamen Spielaufbau und ohne Gegenpressing ist ein Team nicht in einer Vorbereitung umzuerziehen. Mut macht, dass sowohl Christian Heidel, als auch Markus Weinzierl die Probleme nach dem Spiel offen ansprachen, und dass alle drei eingewechselten Neuzugänge eine Verbesserung auf dem Platz bedeuteten. Insbesondere Nabil Bentaleb war ab seiner Einwechslung in der 74. Minuten sofort sehr präsent im Spielfeldzentrum und spielte einige tolle Pässe.

Aus der großen Trommel mit den passenden Sprüchen fischte ich für Euch „Eine Saison ist ein Marathon, kein Sprint.“ Gegen den ersten Gegner im heimischen Stadion wird es nicht unbedingt leichter. Aber nun ist ja erst noch Länderspielpause. Recht angenehm. Ohne Fußball ist es auf Schalke viel harmonischer.

Benjamin Stambouli & Nabil Bentaleb

Die Verpflichtung eines Mittelfeldspielers zog sich etwas hin. Jetzt haut Manager Heidel kräftig auf die Brause. Seit gestern Abend berichten Bild, Sky und die Funke Medien Gruppe übereinstimmend, dass Schalke 04 nicht etwa nur einen Mittelfeldspieler verpflichten wird, sondern gleich zwei. Benjamin Stambouli von Paris St. Germain und Nabil Bentaleb von den Tottenham Hotspurs.
 
 
Benjamin Stambouli

… ist Rechtsfuß und wurde vor 12 Tagen 26 Jahre alt. Er wechselte erst letzten Sommer zu Paris St. Germain und erhielt dort gleich einen 5-Jahres-Vertrag. Beim französischen Top-Club kam er in der vergangenen Saison immerhin auf 39 Pflichtspieleinsätze. Als Stammspieler konnte er sich dabei allerdings nicht etablieren. Nur 15 Mal stand er die vollen 90 Minuten auf dem Platz. In der Champions League wurde er ab dem Achtelfinale nicht mehr eingesetzt.

In der Saison zuvor spielte Benjamin Stambouli noch in der englischen Premier League für die Tottenham Hotspur. Auch dort war er kein Stammspieler und kam im Ligawettbewerb sogar nur auf zwei Spiele über die volle Spielzeit, obwohl er nie ernsthaft verletzt war. Dass Paris St. Germain ihn überhaupt verpflichtete erklären sich Fans mit einer Freundschaft des damaligen PSG-Trainers Laurent Blanc zu Stamboulis Vater Henri, selbst ein ehemaliger Profi.

Wenn stimmt, was die Medien schreiben, dass er auf Schalke auch gleich wieder einen 4-Jahres-Vertrag erhält, müssen Christian Heidel und Markus Weinzierl in ihm irgendwas sehen, was den Verantwortlichen in London und Paris verborgen blieb – oder Benjamin Stambouli hat den besten Spielervermittler von allen.

Für die Hotspurs spielte Benjamin Stambouli jedenfalls gemeinsam mit …
 
 
Nabil Bentaleb

Dieser ist Linksfuß, erst 21 Jahre jung und die spannendere der beiden Personalien. Der in Frankreich geborene Algerier kam als 17-Jähriger in die Jugendakademie der Tottenham Hotspurs, die in England ungefähr das ist was in Deutschland die Knappenschmiede darstellt. Mit 19 Jahren kam er in der Saison 2013/2014 schon auf 15 Premier League Einsätze, 10 davon über die volle Spielzeit. Fortan galt er als Top-Talent, hatte allerdings leider großes Verletzungspech. In der Saison 2014/2015 fiel er zwei Monate wegen einer Sprunggelenksverletzung aus. In der letzten Saison fehlte er zunächst dreieinhalb Monate wegen einer weiteren Sprunggelenksverletzung und musste sich im März dieses Jahres noch einer Knie-OP unterziehen. In der Zwischenzeit hat sich Tottenham-Coach Mauricio Pochettino sein Team ohne ihn zusammengestellt. Nabil Bentaleb wurde aussortiert, trainierte bei der U23 mit und stand zum Verkauf.

Wenn stimmt, was die Medien schreiben, dass Nabil Bentaleb zunächst für eine Saison ausgeliehen wird und eine Kaufoption besteht, ist das ein schlauer Zug, bei dem Schalke 04 wohlmöglich ganz viel gewinnen, aber sicher nur wenig verlieren kann.
 
 
Ich bin sehr auf die Vorstellung der beiden und auf die Aussagen Markus Weinzierls und Christian Heidels gespannt. Während Benjamin Stambouli ein „reiner 6er“ ist, bekleidete Nabil Bentaleb bei Tottenham häufig den etwas offensiveren Part, den eines Verbindungsspielers wie Leon Goretzka. Gemessen an der Aussage, man wolle alle Positionen doppelt gut besetzen, würde ich Bentaleb und Goretzka als Pärchen sehen. Doch schon bei der Frage, ob ich Stambouli und Johannes Geis als Pärchen sehen soll, bin ich mir nicht sicher. Ich hatte zuletzt den Eindruck, dass Geis offensiver agieren soll. Gehört Geis also als dritter Mann zu Bentaleb und Goretzka, und bilden Stambouli und Aogo ein Pärchen? Und wird in Schalkes Formation überhaupt irgendwo Platz für Max Meyer sein? Schließlich darf auch Schalke nur mit 11 Spielern antreten.

Ma’kucken.



Foto: Philippe Sahonet

Schalkes Heidel Honeymoon

Zig Trainerehen und einige Managerbeziehungen sind auf Schalke schon gescheitert. Aber jetzt wird alles gut. Schalke hat sich in die Vision der eigenen Zukunft verliebt. Saisonvorschauen sehen den Club vor der Neuerfindung. Die Kaderalternativen sind plötzlich deluxe. Im Trainingslager gab es bereits Heidel-Sprechchöre, bevor die erste Pflichtspielminute gespielt war. Alles eine Spur zu dick aufgetragen, alles etwas zu rosarot. Ein Schalker Flitterwochengefühl.

Christian Heidel und auch dem zurückhaltend auftretenden Markus Weinzierl ist dabei nichts vorzuwerfen. Heidel schienen die Sprechchöre selbst nicht recht gewesen zu sein, die hätte er noch nicht verdient, sagte er. Nüchtern betrachtet erscheint mir der aktuelle Kader noch nicht signifikant stärker als in der vergangenen Saison. Breel Embolo ist sicherlich ein großes Versprechen, aber ob er Schalke in dieser Saison so viel Leistung liefern kann wie Leroy Sané es in der letzten tat ist durchaus fraglich. Ich sehe Baba als Verstärkung und möchte Naldo ob seiner Erfahrung ein leichtes Plus gegenüber Joel Matip zugestehen. Aber mit Cokes Verletzung fällt der eigentliche Kracher-Transfer für nahezu die gesamte Hinrunde aus. Ich halte es für bezeichnend, dass sich gerade so viele Storys um Klaas-Jan Huntelaar drehen. Darum, wie drahtig er wieder ist, wie sehr er im Mittelpunkt steht. Storys wie zu einem Hoffnungsträger, dabei kam er in der letzten Saison nicht über 12 Bundesligatreffer hinaus. Zwei davon durch Elfmeter.

Ich glaube, dass Christian Heidel ein guter Manager ist. Ich glaube, dass Markus Weinzierl ein guter Trainer ist. Ich freue mich, dass die Bundesligasaison endlich losgeht und hoffe das Beste, wie so viele andere. Aber vor dem ersten Jubel sollte Baba eine Flanke flanken, Embolo einen Gegner ausspielen und Klaas-Jan Huntelaar einen Kopfball einnicken. Schalkes Zukunft mag in der Vision gut ausschauen, aber sie muss erst noch beginnen.

Der Pokal hat seine eigenen Gesetze

Der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Und das erste Gesetz lautet:

Erstrundenspiele gegen unterklassige Gegner sind immer kappes.

Immer? Nein.

Vor einem Jahr und 12 Tagen siegte Schalke 04 beim Zweitligisten MSV Duisburg mit 5:0 und sorgte für einen schönen Nachmittag. Ein Spiel als Ausnahme, das die Regel bestätigte. Julian Draxler gab eine Art Außenbahnspielmacher, Johannes Geis verwandelte einen Freistoß und Franco Di Santo traf auch. Das Spiel fühlte sich gut an, weil der MSV als eins der schwersten Lose der ersten Runde galt, weil man den Sieg deshalb nicht als selbstverständlich erachtete, und weil es außerdem ein Derby war, welches mit einer entsprechenden Stadionkulisse aufwarten konnte. Ein Spiel, das viele Hoffnungen schürte. Aber Julian Draxler flüchtete ins Exil, Johannes Geis verwandelte fortan keine Freistöße mehr, Franco Di Santo hatte eine Saison zum vergessen und der MSV Duisburg ist mittlerweile Drittligist.

Das diesjährige Erstrundenpokalspiel des FC Schalke 04, in Freiburg gegen den FC 08 Villingen, einem südbadener Verbandsligisten, war hingegen eines der regulären. Diese Spiele sind für die Fans der Erstligisten entweder langweilig oder furchtbar. Dabei ist „furchtbar“ dann keine rhetorische Übertreibung, wenn das Weiterkommen tatsächlich schwerfällt – man frage heute mal in Bremen, Bochum oder auch Berlin nach. Das samstägliche Spiel der Blauen mag der eine oder andere furchtbar genannt haben, tatsächlich war es das aber nicht, nur eben langweilig.

Langweilig sind die Siege der Erstligisten bei einem ungefährdeten Weiterkommen immer, denn mehr als den Erwartungen zu entsprechen ist für sie nicht zu erreichen. Schalke schaffte es nicht so recht, die Erwartungen zu erfüllen. Man sorgte für kein Chancenfeuerwerk, das Tempo war überschaubar und die Tore der ersten Halbzeit brauchten die Unterstützung schwerer Fehler Villinger Akteure. Gefährdet war das Weiterkommen aber nie. Zwar war es glanzlos, aber eben auch mühelos.

Letztlich fällt es leicht, Villingen für eine respektable Leistung zu gratulieren. Ihr Spiel wirkte weitestgehend professionell. Die Kritik an einzelnen Schalker Akteuren spare ich mir. Ich nehme die Begegnung wie ein Testspiel und hoffe auf mehr Dynamik zum Bundesligaauftakt in einer Woche.



Hat tip an Karsten Jahn, der mich an das MSV-Spiel erinnerte. Er selbst sah das Villingen-Spiel auch als Testspiel.

Wörtlich: Markus Weinzierl

Mir ist nicht so wichtig wie Phil Neumanns Vertragsstand ist. Ich sehe und beurteile die Leistung. Er ist täglich bei mir im Training. Er hat ein gutes Turnier mit der U19 Nationalmannschaft gespielt und hat da nun angeknüpft. Er ist Bestandteil unserer Mannschaft.

Seit letztem Winter hatten Herr Pepo und ich Phil Neumann für den Glückauf Pils Podcast als „unseren Spieler“ aus Norbert Elgerts U19 betrachtet. Tatsächlich hat Phil bislang keinen Profivertrag erhalten, wie beispielsweise Fabian Reese. Trotzdem trainierte er in der Saisonvorbereitung im Profiteam mit und scheint auf Markus Weinzierl einen guten Eindruck gemacht zu haben.

Die Aussage des Cheftrainers stammt von der Pressekonferenz zum Pokalspiel gegen Villingen. Endlich startet die Saison. Ich freue mich darauf, sie hier im Blog zu begleiten, auch wenn es hier in den letzten Tagen ruhig blieb. An einer Diskussion von Transfergerüchten mag ich mich nicht beteiligen, und handfestes passierte eben nicht.