Die Stunde Null

Die Transferperiode ist beendet, Schalke 04 hat den Kader beisammen, mit dem man in die Saison 2016/2017 startet. Sieben Neuzugänge, ein neuer Trainer und ein neuer Manager bedeuten einen Umbruch der den Namen verdient. Damit ist noch lange nichts eingefahren, zumal andere Clubs in der Entwicklung viel weiter sind. Aber die Lore steht nun auf dem Gleis.

Als Horst Heldt im Frühjahr 2011, nach den Zeiten Felix Magaths, die Verantwortung über die sportlichen Belange beim FC Schalke 04 übernahm, nannte er es „den Umbruch vom Umbruch vom Umbruch“. Gemeinsam mit Ralf Rangnick wollte er für Stabilität sorgen, mit den Umbrüchen aufhören. Im September 2011 meldete sich Ralf Rangnick krank. In den knapp fünf Jahren, in denen Horst Heldt seitdem die Verantwortung trug, beschäftigte er weitere vier Trainer, die unterschiedlich kaum sein konnten. Den altehrwürdigen Huub Stevens, der bestmöglich verwaltete statt zu entwickeln. Jens Keller und André Breitenreiter, denen vorzuwerfen war dass ihr Spiel keine Handschrift trug, für nichts stand. Dazwischen Roberto Di Matteo, dessen Handschrift klar war, die letztlich so aber niemand wollte. Alle Trainer mit unterschiedlichen Vorstellungen, mit unterschiedlichen Anforderungen an Spieler.

An diesem Mangel an Kontinuität hatte jeder einzelne der Schalker Trainer zu leiden. In dieser Saison beginnt Markus Weinzierl seine Arbeit mit einem Kader, dem grundsätzliche Automatismen fehlen, der noch nie über einen längeren Zeitraum eine bestimmte Spielweise eingeübt hat. Doch dank des Verkaufs von Leroy Sané konnte ihm Christian Heidel sehr schnell bessere Voraussetzungen schaffen.
Man hätte ihn gerne noch auf Schalke behalten, hieß es vor den Verhandlungen um Sanés Wechsel. Letztlich war es so aber besser für den Club, denn der Verkauf des Talents bedeutete den finanziellen Spielraum, der die Verstärkung des Kaders mit gleich sieben Spielern ermöglichte, die der Spielidee des Trainers zupasskommen.

Nun ist es an Markus Weinzierl, diesem neuen Kader seine Spielweise einzuimpfen. Eine anspruchsvolle Aufgabe die Zeit braucht, und die von der breiten Öffentlichkeit keinesfalls geduldig begleitet werden wird, das haben die Reaktionen nach der Niederlage in Frankfurt schon gezeigt.

Ich denke, dass für die Blauen auch in dieser Saison nicht mehr als Platz 5 drin sein wird. Einfach weil Bayern München über allen steht und weil Dortmund, Leverkusen und Gladbach bei besseren bis vergleichbaren Kadern durch die besagte Stabilität in den letzten Jahren in ihren Entwicklungen viel weiter sind als Schalke 04. Thomas Tuchel in Dortmund und André Schubert in Gladbach mussten nicht bei Null beginnen, sondern konnten auf den von Klopp und Favre gelegten Fundamenten aufbauen. Roger Schmidt geht in Leverkusen in seine dritte Saison, hat bereits Tiefen überstanden und ließ seine Mannschaft gegen Ende der letzten Spielzeit schon einen beeindruckenden Fußball spielen.

Dort gilt es sich heranzuarbeiten. Bislang war Schalke unstet und in Krisen labil. Manager Heidels Vergangenheit nährt die Hoffnung dass er der Mann ist, der seinem Wunschtrainer den Rücken freihalten kann; dass er Markus Weinzierl auch dann ein Weiterarbeiten in Ruhe ermöglicht, wenn Spielergebnisse das Grummeln laut werden lassen. Dies ist die Voraussetzung für eine gute Arbeit des Trainers. Die Bewertung zu dieser steht im Mai 2017 an. Nicht nach dem ersten Bundesligaspiel in Frankfurt. Ma‘abwarten.



PS: Die Grafik oben ist keinesfalls als Prognose einer namentlichen oder taktischen Aufstellung gedacht. Mir ging es darum, den möglichen Einfluss der Transfers auf „das neue Team“ darzustellen.



17 Kommentare zu “Die Stunde Null”

  1. JS sagt:

    Ich glaube, dass wir am Freitag gegen die Bauern schon ein ganz anderes Auftreten der Mannschaft sehen werden. Aber grundsätzlich wird man Automatismen und dergleichen erst gegen Ende der Vorrunde sehen, so wir denn von großen Verletzungssorgen verschont bleiben werden.

  2. Nordlicht sagt:

    Ja das Projekt Ralf Ragnick wäre sicherlich sehr sehr interessant geworden. Auch schon bei seinem ersten Versuch konnte man einiges erkennen. Schade das es damals an Rudi und beim letzten Mal an seiner Krankheit scheiterte. Ich hatte mich beide Male über sein wirken bei uns gefreut.

    @ JS: Na das möchte ich doch schwer hoffen, dass gegen den Resozialisierungsverein München Süd ein anderes Auftreten zu sehen sein wird :-)

    Ich denke auch mal das die Mannschaft am Freitag andere Gesichter haben wird.

  3. Ney sagt:

    Es ist jetzt ordentlich Konkurrenz im Kader, wie’s scheint.

    Was die vergleichsweise Favoritenstellung von Leverkusen und Gladbach angeht, da stimme ich zu, aber muss man abwarten, wie glatt das bei denen tatsächlich läuft. Champions League kann Punkte in der Liga kosten. Und in der Rückrunde ist unsere Mannschaft hoffentlich einigermaßen eingespielt.

  4. Carlito sagt:

    Endlich ein Umbruch, der den Namen, zumindest auf dem Papier, jetzt schon verdient.

    Ohne die Transfers von Draxler letzte Saison und Sané in dieser wäre der Umbruch so sicherlich schwierig geworden. Von daher pflichte ich Dir bei, dass der Verkauf von Sané die richtige Entscheidung war um den erforderlichen finanziellen Spielraum zu schaffen.

    Hoffen wir nun, dass die vielen neuen Rädchen möglichst schnell ineinander greifen und Christian Heidel Markus Weinzierl bis dahin den Rücken freihalten wird können! Das wird leider schwierig genug werden…

  5. Andreas sagt:

    Gladbach sehe ich noch nicht sooo stabil wie hier befürchtet.
    Eine realistische Chance auf Platz 4 ist vorhanden.

  6. Netsmurf sagt:

    Tragen wir unseren Teil zum Umbruch bei, und geben allen Beteiligten ausreichend Zeit, um diesen Prozess auch abschliessen zu können. Nur ungerne höre ich nach der Niederlage in Frankfurt die Kommentare „das wird auf Schalke nicht ausreichend lange ruhig bleiben“. Wir dürfen erst gar nicht wieder in dieses Verhaltensmuster verfallen – das ist nicht „das neue Schalke“!
    Ignorieren wir einfach mal eine Saison die Presse, die uns immer wieder am Nasenring durch die Manege zu ziehen versucht.
    Pfeiffen wir mal eine Halbserie nicht im Stadion oder fordern irgendwelche Köpfe.

    Einen besseren Zeitpunkt für einen radikalen Umbruch bekommen wir nicht mehr. Wir haben von Vorstand bis zur Mannschaft an allen möglichen Schrauben drehen dürfen, zusätzlich sind nach der JHV auch ein paar laute CT Hater aus dem Verein ausgetreten.
    Wenn das alles nicht ausreicht um Zeit und Ruhe eingeräumt zu bekommen, dann sollten wir demnächst lieber alle 2 Wochen eine Kirmesveranstaltung auf dem Berger Feld abhalten.

    Auf welchen Platz wir landen werden, vermag ich nicht zu prognostizieren. Der Weinzierl hat mit Augsburg auch Plätze erreicht, die Ihm vor der Saison keiner zugetraut hat. Ich hoffe doch, das in der späten Hinrunde schon eine Tendenz erkennbar ist.
    Im Herbst, wenn sich der Nebel des Umbruchs vom Berger Feld zu lichten beginnt :-)

  7. Lehrbuda sagt:

    Sehr guter Kommentar, den man kaum besser schreiben kann …

    Bei Weinzierl bin ich ebenfalls guter Hoffnung, dass er mal etwas bewegt und der Mannschaft eine Philosophie gibt, was bei seinen Vorgängern leider nach den ersten Rückschlägen schnell verpufft ist.

    Weiterhin bleibt abzuwarten ob Spieler wie Aogo, Geis, Choupo, Di Santo, Caicara und Co den Konkurrenzkampf annehmen werden oder nach einem halben oder spätestens einem Jahr zu einem anderen Verein flüchten werden.
    Schade zudem dass sich Coke so früh verletzt hat, da die rechte AV Seite eine gravierende Schwachstelle darstellt, da weder Caicara (viele unnötige dumme Fehler) sowie Riether (zu langsam) diese auf hohem Niveau füllen können.

    Bleibt zu hoffen, dass Weinzierl wirklich die benötigte Zeit unter Heidel bekommt mal etwas aufzubauen. Hier hat Hotte definitiv zu oft rotiert und mit Fehlbesetzungen versagt.

    Gegen den FC Mafia erwarte ich allerdings noch keine Wunder. Hoffen wir mal, dass wir mit etwas Glück das Spiel vernünftig überstehen und einen Punkt ergattern können.
    Voraussetzung: Die Mannschaft wird mit einigen Neuen von Beginn an auflaufen und Totalausfälle wie Caicara oder Aogo sitzen entsprechend auf der Bank.
    Mein Vorschlag: Höwedes oder Kola als rechten AV aufstellen und defensives Mittelfeld startet mit Bentaleb und Stambouli !

    Glück auf !

  8. polarfuchs sagt:

    Moin zusammen.
    Die Kritik und eine sich abzeichnende Ungeduld nach dem Auftritt in Frankfurt ist wohl eher nicht gegen die sportlich Verantwortlichen gerichtet. Wer Augenzeuge war ist eher bestürtzt von dem was dort eine Mannschaft geboten hat die bis auf eine Ausnahme aus Spielern des letzjährigen Kaders bestand. Es war eine Ohrfeige für Vorstand und Trainerteam die alles erdenkliche dafür tun den Spielern ein perfektes Umfeld, bestmögliche Bedingungen zu bieten.
    Wenn dann nach Spielende von Spielern etwa zu hören ist : wir waren überrascht, damit haben wir nicht gerechnet. Was erwarten die Herrschaften denn? Das die Frankfurter in Erfurcht erstarren weil der großmächtige S04 zu Gast ist? Wäre ein Usain Bolt überrascht wenn beim Startschuß die anderen auch losrennen würde er kein einziges Rennen gewinnen.
    Unsere sportliche Führung hat offensichtlich sehr wohl erkannt das mit dem Großteil der schon vorhandenen Spieler ein im Sinne des Vereins und der Fans erfolgreiches Arbeiten nicht möglich ist, daher auch die relativ große Zahl von Neuverpflichtungen.

    Das der dringend erforderliche Umbruch schwierig und langwierig wird belastet uns Fans und wahre Liebhaber des Vereins wohl weniger. Es ist ja auch keine Kritik nach nur einem Spiel der neuen Saison. Es ist lediglich die Fortsetzung der unsäglichen Auftritte in der Vergangenheit.
    Mit Niederlagen können und müssen wir im täglichen leben alle klarkommen, es sit eben die Frage des Wie.
    An den Saisonverlauf stelle ich keine irgendwie gearteten Ansprüche. Das verbietet mir der Respekt vor der grösse der Aufgabe die vor dem Team Heidel/Weinzerl und ihren Mitarbeitern liegt.
    Sicher werden die Schreier aus ihren Löchern kommen. Da liegt es auch an uns ruhig nund mahnend entgegen zu wirken. BWG

  9. Voice sagt:

    Die Leistung in Frankfurt war schon unterirdisch, das ist keine Frage. Mich persönlich läßt das abseits des Ärgers über ein Scheißspiel ziemlich kalt. Das heißt überhaupt nichts. Ich denke da an die Saison 11/12, die mit einer 3-0-Klatsche in Stuttgart begann. Am Ende stand der dritte Platz und eine spektakuläre Saison mit 74 Toren und einigen wirklich tollen Spielen.
    Pessimistisch stimmen mich allerdings die Reaktionen in den Medien, wo schon wieder von Fehlstart und schlimmerem die Rede ist. Entscheidend wird diesbezgl. sein, ob und wie Heidel das managen kann. Heldt konnte es im letzten Jahr aus verschiedenen Gründen nicht. Heidel ist meiner Meinung nach ein guter bis sehr guter Manager, aber das ist ein Feld, auf dem er sich in Mainz nicht beweisen musste.

  10. Didi sagt:

    Was in den vergangenen Spielzeiten gefehlt hat, war auch oder in erster Linie die Kontinuität. Wir hatten auch letzte Saison, bei zugegebener Maßen Gegnern, die nicht der ersten Kategorie angehört haben, einen guten Start. Dann folgte rasch die Ernüchterung. Und das geschah mit einem Kader, der zumindest von den Namen her, nicht die Qualität, wie der aktuelle hatte. Ich wünsche mir, dass man in Reihen der Fans endlich anerkennt, dass man eine gewisse Zeit braucht, um das, was man auch als Laie als Automatismen bezeichnet, verinnerlichen kann. Mit der nun vorläufig beendeten Kaderpolitik haben Heidel und Weinzierl jedenfalls den Grundstein dafür gelegt, in den nächsten Saisons in der absoluten Spitze der Liga mit zu mischen.
    @ Voice: Ich teile Deine Meinung, dass die Niederlage in Frankfurt nicht Richtung weisend für den Saisonverlauf ist. Wir werden am Freitag gegen die Bauern eine andere Mannschaft sehen, nicht nur von der Aufstellung, sondern auch von der Einstellung her. Und darauf freue ich mich!

  11. blues sagt:

    Es gibt ein paar Dinge die Hoffnung machen, wie die moralinfreien Aussagen zum aktuellen Fußballgeschäft von Christian Heidel im kicker.tv. Torsten hat es weiter vorne verlinkt.

    Es gibt Dinge die man beobachten muss: Die hohen und teilweise noch versteckten Ausgaben für Spielerkäufe die Christian Heidel getätigt hat. Der Blog-Herr hier hat ihn ihm ja nicht von ungefähr als „Herr (der) Option“ mit seiner Anrede Respekt gezollt. Aber mit den Optinen ist das halt so eine Sache. Einer gewinnt und der andere zahlt drauf. Wer bezahlt, weiß man erst am Stichtag.

    Das neue Gelsenkirchener Kabinenbabylon, entstanden aus der Sprachenvielfalt der neu angekommenen Fußballmigranten, die jetzt in blau und weiß und mit Gazprom auf der Brust auflaufen, ist ein Punkt den man im Auge behalten muss.

    Wie kompliziert das was mit Sprache, Kultur und Selbstverständnis unter Umständen sein oder werden kann, war zu erahnen, als der Ukrainer Євге́н Оле́гович Конопля́нка, den C. Heidel als neuen Linksaußen eingekauft hatte, nur im blauen T-shirt bzw. mit mit einem Trikot, bei dem er die Rückennummer statt dem Gazprom Logo auf der Brust trug, dem interessierten Publikum medial präsentiert wurde.

  12. Ney sagt:

    @blues
    Hehe, echt jetzt von Конопля́нка? Wird wahrscheinlich nicht viel folgen dürfen an kleinen Nickligkeiten. Vereine müssen ihrem Sponsor die Stange halten und sie schrubbeln, sei sie noch so siffig und stinkig. Da können die Spieler nicht aus der Reihe tanzen (erst kommt das Fressen, dann die Moral, B. Brecht). Dennoch, klingt charmant, ganz charmant.

  13. rjonathan sagt:

    @blues
    Wenigstens ein Beweis, dass der Sponsor bei uns nicht groß reinredet. :-D

  14. Torsten sagt:

    Auf die Idee, das diese „Rückennummernpräsentation“ was mit einer Gazprom-Ablehnung zu tun haben könnte, war noch gar nicht gekommen. Wenn dem so ist: Smart gelöst, würde ich sagen :-)

    Der Blog-Herr hier hat ihn ihm ja nicht von ungefähr als „Herr (der) Option“ mit seiner Anrede Respekt gezollt. Aber mit den Optionen ist das halt so eine Sache. Einer gewinnt und der andere zahlt drauf. Wer bezahlt, weiß man erst am Stichtag.

    Das mit dem „Respekt dafür“ halte ich für etwas überinterpretiert. Schließlich schrieb ich selbst …

    Sowohl die Kaufoption, als auch die Ausstiegsklausel sind nicht per se gut oder schlecht.

    Mir ging es eher um die unterschiedliche Herangehensweise im Vergleich von „Option-Don“ und „Klausel-Hotte“.

  15. Grieche sagt:

    @ Heidel als Option-Don:
    In einem Interview (ich glaube bei 11Freunde), sagte Heidel, der nächste Transfersommer werde aufgrund der erhöhten Fernsehgelder für alle der verrückteste aller Zeiten. Zitat: „Deshalb war die Idee bei der Embolo-Verpflichtung, einen großen Transfer vorzuziehen.“ Es sieht so aus, dass er mit Konoplyanka, Baba und Bentaleb weitere Transfers vorgezogen hat, die er bezahlen kann, wenn nächstes Jahr mehr Geld da ist, die dann aber nicht mehr an die Mannschaft herangeführt werden müssen. Find ich sehr konsequent und eine gute Strategie.

  16. leoluca sagt:

    Christian Heidel zwei Tage vor dem Spiel gegen Bayern München im Gespräch mit Sport 1:

    „Es gibt sicher Spieler in unseren Reihen, die sich stärker einschätzen, als sie sind.“

  17. Philipp sagt:

    Ich bin guter Dinger. Mit Embolo und Bentaleb für Di Santo und Aogo war es doch gegen Frankfurt noch zu einem guten Spiel geworden. 30 Minuten reichen halt nicht. Über 90 Minuten mit einer guten Elf, sollte es aber für viele Teams reichen.

    Frage mich nur, wieso Weinzierl nicht mit der besten Elf gespielt hat…

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