Und sonst? Überhöhte Selbsteinschätzung

Christian Heidel hatte der SportBild ein Interview gegeben, dass am gestrigen Mittwoch veröffentlicht wurde. Darin kritisiert er die Mentalität und die Selbsteinschätzung einiger Spieler des FC Schalke 04. Es gäbe Spieler die sich stärker einschätzen als sie sind, sagte Schalkes Manager. Zwar seien es alle „gute Jungs“, aber Schalke müsse die Mentalität verändern.

Offene Worte, an denen das Aussprechen spannender ist als der Inhalt. Dass es so ist weiß wirklich jeder, der einigermaßen regelmäßig die Spiele des FC Schalke 04 verfolgt. Aber als die Meldung zur Aussage Heidels gestern Früh über die Ticker ging raunte es durch die social networks „Endlich sagt’s mal einer“.

Und in einer Vorabmeldung zur heutigen kicker-Veröffentlichung eines Franco Di Santo-Interviews wurde einem noch gestern Abend ein Beispiel präsentiert.

Eine Rückkehr in die Argentinische Nationalmannschaft sei Franco Di Santos größter Traum. Einen solchen darf er natürlich haben, und er schränkt auch ein, dass er zunächst „bei einem Club wie Schalke gut Leistungen abliefern“ müsse. Betrachtet man rückblickend aber die Leistungen, die Franco Di Santo bislang im Trikot des FC Schalke 04 abgeliefert hat, fasst man sich unwillkürlich an den Kopf.



11 Kommentare zu “Und sonst? Überhöhte Selbsteinschätzung”

  1. AlphaRho sagt:

    irgendwie scheint schalke haeufig die spieler abzubekommen, die einmal `ne gute saison spielen, und dann – sobald sie nach schalke gewechselt sind – wieder auf ihr urspruengliches niveau zurueckfallen…

  2. AlphaRho sagt:

    … und darueber hinaus noch denken, was fuer tolle hechte sie jetzt doch seien und es nicht mehr noetig zu haben, hart an sich zu arbeiten, um sich zu verbessern.

  3. Ney sagt:

    Ist das eigentlich ein hochansteckender Virus? Embolo hat bereits ein paar kritische Worte von Weinzierl abbekommen im jüngsten waz-Interview – „hat nicht so engagiert und gut trainiert wie di Santo“; „hat keine überragende (= eine mäßige?) Vorbereitung gespielt“; „muss sich für die Mannschaft zerreissen“ (= macht bisher nicht den Eindruck).

  4. Phipser sagt:

    Für mich klang Di Santos Aussage eigentlich eher ambitioniert als selbstüberschätzend. Ich weiß nicht, ob er wirklich diese falsche Mentalität an den Tag legt.
    Immerhin untermauerte er seine Ambitionen insofern, als er sich im Training vor dem ersten Spieltag einen Vorteil gegenüber Rekordtransfer Embolo erarbeiten konnte.

    Ob er diese Saison wirklich den Durchbruch bei uns schaffen kann, bzw ob er überhaupt genügend Chancen erhalten wird, sich zu beweisen, bleibt abzuwarten.
    Auf seiner angestammten Position müsste er an Altmeister Huntelaar, zumindest noch für diese Saison, vorbeikommen. Und mit Embolo und Avdijaj, sobald er wieder fit ist, warten auch bereits zwei Megatalente in den Startlöchern.
    Auf der rechten Außenbahn sieht es sogar noch schlechter aus, nicht nur weil Di Santos Stärken eher in der Zentrale liegen, sondern auch weil hier die Konkurenz noch vielzähliger ist.

    Wenn er sich trotzdem mit den dafür benötigten guten Leistungen durchsetzen kann, dann kann ich mir auch eine Berufung in die Nationalmannschaft gut vorstellen.

  5. Voice sagt:

    Diese falsche Einschätzung des Leistungsvermögens haben aber anscheinend nicht nur einige Spieler selbst, sondern auch die für die Vertragsgestaltung verantwortlichen Leute. Wie sonst erklärt sich die Diskrepanz zwischen Bezahlung und Leistung (= Spieleretat und Platzierung) der letzten Jahre. Man könnte sogar noch darüber nachdenken, ob das eine (Gehalt) nicht das andere (Selbsteinschätzung) forciert.
    Diese Fehleinschätzungen zu korrigieren ist nun Heidels Aufgabe, ich hoffe, er bekommt das besser hin als sein Vorgänger.

  6. matz sagt:

    Ich frage mich doch eher, wie er überhaupt in die argentinische Nationalmannschaft berufen wurde. Seine Karriere in England (Wigan Athletic) war doch recht dürftig. Eigentlich hatte er nur die eine gute Saison in Bremen. Eher so ein Szalai II. Dazu noch falsch eingekauft, da er eigentlich 1 zu 1 die Position von Huntelaar abdeckt

  7. derwahrebaresi sagt:

    di santo wird morgen das entscheidene tor gegen die Bauern erzielen, dann ist alles gut … ;-)

  8. Günnie sagt:

    Da spricht mir CH aus der Seele. Mein Thema seit gut drei Jahren. Das unsägliche Gequatsche von der vorhandenen Qualität nach z. T. erbärmlichen Grottenkicks hat schon wehgetan. Weiß gar nicht, was schlimmer war – der Kick oder die Realitätsverweigerung. Schön, dass das jetzt auch mal von offizieller Seite ausgesprochen wurde. Wir sind auf dem richtigen Weg. Glück auf.

  9. Philipp sagt:

    Er und Aogo sind so ungefähr unsere schwächsten Spieler, die regelmäßig gespielt haben.

    Beide hatten ungefähr ein gutes Spiel (Aogo in der CL unter Di Matteo gegen Sporting, Di Santo in der EL mit dem 3er-Pack).

  10. Der Hans sagt:

    Kann die immer wiederkehrende Behauptung, Schalkes Spieleretat würde im Vergleich mit den anderen Vereinen deutlich dem sportlichen Erfolg hinterherhinken, auf Grundlage der letzten 2-3 Jahre eigentlich noch aufrechterhalten werden? Bayern wird ganz vorne sein, was Spielergehälter angeht, Dortmund zahlt mittlerweile regelmäßig dreistellige Millionenbeträge ans kickende Personal aus und Wolfsburg, Leverkusen sowie Gladbach werden auch nicht nur trocken Brot und Wasser bieten. Hat jemand einen Überblick über deren Ausgaben für die Profimannschaften?

  11. leoluca sagt:

    Ich finde interessant, dass Heidel seine Kritik an bestimmten Spielern nicht auf die mangelnde Spielkunst richtet, sondern auf die „Mentalität“ dieser Spieler.

    Natürlich ist auch Di Santo ein guter Fußballer, aber mit dem Kicker-Interview zeigt er exemplarisch, was sein und das Problem einiger und damit auch der Mannschaft ist: keineswegs die fehlende Klasse und das fehlende Selbstbewusstsein, sondern die Überheblichkeit und der Leichtsinn, die zum Schlendrian und am Ende zu Kopf- und Disziplinlosigkeit führen.

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