Artikel im Oktober 2016

Rückschlag in Augsburg

Beim Auswärtsspiel in Augsburg kommt Schalke zu einem 1:1 Unentschieden. Das Ergebnis kann man akzeptieren. Die Leistung Schalkes nicht. Die Mannschaft lieferte nichts, was irgendwie hätte Spaß machen können.

Ich war nach Abpfiff des Spiels richtig sauer. An zu hohen Erwartungen lag es sicher nicht. Ich wusste das 4:0 gegen Gladbach einzuschätzen und habe es keineswegs als großen Befreiungsschlag gewertet. Mir war klar, dass Augsburg defensiv agieren und Schalke Probleme bereiten würde. Ich bin keineswegs davon ausgegangen, dass Schalke dieses Spiel unbedingt gewinnen würde. Ich kann mit einem Punkt aus Augsburg leben.

Womit ich nicht leben kann ist, dass Schalke über 90 Minuten keinen einzigen vernünftigen Angriff auf den Platz gebracht hat. Ein Sonntagsschuss brachte die Blauen in Führung, und ein katastrophaler Fehler Gojko Kacars in Kombination mit einer missglückten Faustabwehr Marwin Hitz‘ beschied ihnen die „100%ige Chance“ zum 2:0. Dazu ein Hackenschuss Embolos aus Abseitspositon und ein Abschluss Eric-Maxim Choupo-Motings aus zu spitzem Winkel, schon hat man alle Schalker Highlights in zwei Sätzen abgearbeitet. Ansonsten war da nichts. Gar nichts. Kein Spiel in die Tiefe. Keine gelungenen Dribblings. Kein Anspiel eines Stürmers im Strafraum. Keine gelungene Flanke. Fürchterliche Eckbälle.

Gegen den Ball habe Schalke aber gut gearbeitet, hieß es später. Mir fällt schwer, ob dessen zu jubeln. Für das Arbeiten gegen den Ball geht kein Fan ins Stadion. Das ist grundsätzlich zu leisten, das ist der Takt, der immer dazugehört. Zur Musik aber wird es erst, wenn auf Basis des Taktes etwas darüber hinaus geht. Und in ihrer Ganzheit lässt sich die Defensive kaum loben, wenn man erneut eine Führung nicht über die Zeit bringen konnte, wenn eine Verschärfung des Tempos auf Augsburger Seite nach dem Rückstand schon dazu führte, dass der FCA vermehrt zu Abschlüssen kam.

Schalkes Pressing konnte kaum Bälle in aussichtsreichen Positionen gewinnen. Bei Ballgewinnen konnte nicht ausreichend schnell umgeschaltet werden, um zu Chancen zu kommen. Aus dem Spielaufbau heraus mangelte es Schalke an Tempo und Kreativität, um Augsburg wirklich Probleme zu bereiten. Dazu die furchtbare Verletzung Breel Embolos, ausgerechnet des Spielers, dessen Leistungen dazu taugten an sie Hoffnungen knüpfen zu können. Ein furchtbares Spiel für Schalke 04. Ein wirklicher Rückschlag.

Die Arroganz des S04 gegenüber seinen Fans

… findet zur Zeit der Besinnlichkeit ein weiteres Beispiel. Statt eine Aktion seiner Fans und Mitglieder zu unterstützen organisiert der FC Schalke 04 eine Konkurrenzveranstaltung. Einmal mehr wird einem gewahr, dass sich der Club als ein profitorientiertes Unternehmen der Unterhaltungsindustrie versteht, dem das Tun und die Interessen seiner Fans und Mitglieder nur solange wichtig sind, wie diese zu Werbezwecken taugen.

Seit 2014 findet am 04. Advent in der Kampfbahn Glückauf ein von Fans und Mitgliedern des FC Schalke 04 organisiertes Adventssingen statt. Dabei ist der Eintritt kostenlos. Für Glühwein, Kerzen oder Weihnachtmützen werden Spenden gesammelt, die später lokalen Projekten zugutekommen. Auch in diesem Jahr wird das so sein, am 18. Dezember.

Eine schöne Aktion, lobenswert und der Unterstützung würdig. Doch statt dies zu tun, statt die aktive Fanszene zu loben und diese Aktion zu unterstützen, hat sich der FC Schalke 04 dazu entschlossen, an eben diesem 18. Dezember in der Arena eine Show mit dem Namen „Weihnachtssingen auf Schalke“ zu veranstalten. Ein Event mit Musikern und Chören auf großer Bühne, zu einem Eintrittspreis von 14 Euro.

Schalke hat Millionen Fans. Tausende kommen gerne ins Stadion, kaufen Fanartikel und mögen das Image des Arbeitervereins, des Bergmannclubs. Deutlich kleiner und weniger zahlungskräftig ist die aktive Fanszene. Doch gerade diese Fans und Mitglieder prägen diesen Verein. Sie haben über die letzten 35 Jahre die Identität dieses Vereins geschaffen, die von den heutigen Verantwortlichen so erfolgreich verkauft wird. Diese Fans und Mitglieder sorgen für die Kultur um diesen Club.

Die Arroganz, mit der die Verantwortlichen des FC Schalke 04 eine Aktion dieser Fans und Mitglieder torpedieren, macht mich wütend. Dieses Beispiel macht einmal mehr deutlich, wie sehr Fans lediglich als diejenigen erachtete werden, die dafür zuständig sind, im Stadion für die geeignete Geräuschkulissen zu sorgen, und ab und an hübsch angeordnete Papptafeln hochzuhalten, um prima zu vermarktende Bilder zu produzieren.
 

Knappenschmieden-Überstücke

Schalke möchte den Kader seiner Regionalliga-Mannschaft ausdünnen. Wie RevierSport berichtete dürfen sich fünf Talente bei anderen Clubs vorstellen. Sollte sich Interesse ergeben, würde man ihnen keine Steine in den Weg legen. Einer dieser Spieler ist Felix Schröter (20), im Frühjahr 2015 noch Held der Schalker U19 in deren Meistersaison.

Die vier anderen Spieler sind Sven Köhler (19), Dominik Oehlers (21), Paul Stieber (19) und John Malanga (20). Auch Köhler, Stieber und Malanga gehörten zum Team Norbert Elgerts, das im Mai vergangenen Jahres im Endspiel gegen die TSG Hoffenheim die A-Junioren Meisterschaft gewinnen konnte. Damals stach aber vor allem Stürmer Felix Schröter heraus. In 38 Pflichtspielen der Meistersaison verzeichnete Felix Schröter 35 Treffer und 7 Vorlagen. Auch im Finale traf er zweimal.

Trotzdem entschied Schalke unter Cheftrainer André Breitenreiter, dass man den Platz für ein Stürmertalent im Profikader an Felix Platte vergab, statt an ihn. Um ihm Spielpraxis zu verschaffen wurde Felix Schröter im August 2015 an den Zweitligisten FC Heidenheim ausgeliehen. Die schickten ihn aber schon im Januar vorzeitig zurück. Man habe sich mehr von ihm erwartet, war aus Heidenheim zu hören. Er hätte seine Chance bekommen, aber nicht genutzt. Er würde es schwer haben, auf weitere Einsatzzeiten in der zweiten Liga zu kommen.

Nun hat Felix Schröter es sogar schwer, in der vierten Liga auf Einsatzzeiten zu kommen. In Schalkes als „U23“ bezeichneten zweiten Mannschaft stand er in den ersten drei Saisonspielen über die vollen 90 Minuten auf dem Platz, danach wars vorbei. Zu den letzten fünf Spielen berief in Trainer Jürgen Luginger nicht mal mehr in den Kader.

Gerade am Beispiel Felix Schröters lässt sich nachvollziehen, dass Erfolg im Juniorenbereich keine Aussagekraft bezüglich der Karriere im Profibereich hat. Es lässt weiterhin erahnen, wie besonders es ist, dass Schalke 04 in den letzten Jahren so viele Talente ins Profigeschäft bringen konnte. Und es weist einmal mehr darauf hin, dass Fußball ein Teamsport ist, dass auch „Ausbilder Elgert“ nie nur Individuen ausbildet, sondern talentierte Jungs immer wieder aufs Neue zu einem funktionierenden Team zusammensetzt.



Links:

kicker – Schröter schießt Schalke zur Schale (25.05.2015)
RevierSport – Heidenheim will Schröter wohl vorzeitig zurückgeben (13.01.2016)
RevierSport – Fünf Spieler dürfen S04 verlassen (30.09.2016)



Embolo erzielt „Das Tor“ – Schalke siegt 4:0

Schalke 04 schlägt Borussia Mönchengladbach 4:0 und fährt damit am 6. Spieltag endlich Punkte ein. Ein Sieg, der ab der 52. Spielminute aus dem nichts kam und der sich aufschwang, ganz Schalke mit einem Grinsen im Gesicht zurückzulassen.

Als Johannes Geis den langen Ball auf Choupo-Moting spielte, dieser in den Strafraum eindrang und gefoult wurde, hatte Schalke sechs fürchterliche Minuten hinter sich. Ab dem Wiederanpfiff nach der Pause machte Borussia Druck und Schalke stand plötzlich völlig verunsichert neben sich. Defensiv taten sich bei den Blauen plötzlich große Lücken auf, offensiv spielte man leichte Fehlpässe, das Publikum wurde unruhig. Früher als zur Halbzeit von mir erwartet schien sich eine Entscheidung anzubahnen; auf der falschen Seite.

Weitere sechs Minuten später, nach dem Foul, das man pfeifen konnte, und dem Strafstoß, den Yann Sommer zum Glück nur fast halten konnte, stand es 3:0 für Schalke und das Spiel war gewonnen.

Es waren drei tolle Tore, die dem Strafstoß folgten und die dafür sorgten, dass die Saison den Schalkern Spaß zu machen begann. Welch Lauf und welch Übersicht von Sead Kolasinac, der Breel Embolos ersten Bundesligatreffer vorbereitete. Der schnelle Gegenstoß, nach Ballgewinn in der Mitte der eigenen Hälfte, der maßgeblich von Breel Embolos Ballbehauptung und seinem gut getimeten Pass nach Außen, auf Eric Maxim Choupo-Moting geprägt war. Und vor allem der vierte Treffer, jetzt schon mein Lieblingstor der Saison. Das Tor, bei dem Jung-Breel erst den schon beim Gegner gelandeten Ball zurückholte, den Zweikampf gewann, den Torhüter überwand, gefoult wurde, wieder aufstand und den Ball über die Linie drückte. Eine Szene die alles enthielt, was man sich als Fußballfan nur wünschen kann: Die Galligkeit, den Ball vom Gegner zurückzuholen. Durchsetzungskraft im Zweikampf gegen Andreas Christensen. Das Können, den Ball am Torhüter vorbeizuspitzeln. Und den Charakter, nach dem Foul nicht liegenzubleiben und einen Strafstoß zu fordern, sondern die Chance auf das Tor im Blick zu haben, alles zu geben um das Ding reinzumachen. Welch grandioses Stückchen Fußballgefühl!

In der ersten Halbzeit gab es freilich nichts Grandioses zu bestaunen. Es gab zu respektieren, dass beide Teams ein gutes Pressing auf den Platz brachten, dass beide Mannschaften dem Gegner keine Räume boten. Meist hatte Gladbach den Ball in der eigenen Hälfte und fand keine Anspielstationen, weil Schalke recht stark immer dorthin verschob, wo Gladbach es gerade versuchte. Selten kam eins der Teams in eine aussichtsreiche Position, und dann konnten sie partout nichts damit anfangen, waren entweder zu langsam oder zu ungenau oder gleich beides.

Ein Spiel, das in der ersten Halbzeit eigentlich überhaupt keinen Spaß machte, das alle Schalker in der zweiten Hälfte aber mehr als entschädigte, und das in Breel Embolo einen sympatischen Helden hatte. Wenn er nicht gerade spurtet läuft er, als hätte er beide Füße voller Blasen. Aber er läuft eben so, und er läuft wirklich viel, um einerseits seinen Job im Pressing zu erfüllen und um andererseits für Pässe in die Spitze anspielbar zu sein. Das war er diesmal wahrlich. Und auch wenn bei ihm noch in der ersten Hälfte so wenig zusammenlief wie bei seinen Kollegen war er am Ende an drei der vier Tore entscheidend beteiligt.

Diesmal geht Schalke mit einem guten Gefühl in die Länderspielpause. Es war Schalkes erstes zu Null-Spiel in der Bundesliga seit dem wenig schmeichelhaftem 0:0 in Frankfurt, am 23. Spieltag der letzten Saison. Es war Schalkes höchster Ligasieg, seit die Blauen am Nikolaustag des Jahres 2014 in Stuttgart ebenfalls 4:0 gewannen. Es war eine zweite Halbzeit, die Ruhe bringen wird. Aber eben auch nur bis zum nächsten Spiel, am 15. Oktober in Augsburg.