Das wichtige Ding „Defensive“

Nachdem ich mir gestern nochmal meine Text zum Spiel in Wolfsburg durchlas, hatte ich plötzlich das Gefühl, dass da was fehlt, dass ich mit meiner Einschätzung der eigentlichen Leistung nicht gerecht geworden bin. Meine Beschreibung stellte fast ausschließlich die Entwicklung des Spiels mit Schalke in Ballbesitz dar. Nun kann man hochnäsig sagen, Wolfsburg hatte eh kaum den Ball, das würde also schon passen. Tatsächlich könnte – nein, sollte man bemerken, dass gerade das der Schlüssel zum Erfolg war. Schalke 04 hat nun acht seiner letzten zehn Pflichtspiele gewonnen, und die Basis dieser Serie ist die wiedererstarkte Defensive.

Der VfL Wolfsburg verzeichnete in diesem Spiel keinen Schuss, der wirklich aufs Tor Ralf Fährmanns ging. Diese Statistik erinnert mich an Schalkes 1:0 gegen Gladbach unter Roberto Di Matteo, als es den Blauen gelang nur einen einzigen Schuss aufs Tor zuzulassen. Allerdings war Schalkes Spiel damals tatsächlich defensiv ausgerichtet, während man aktuell nach vorne zu spielen versucht.
Fußball ist nie nur Ding, Fußball ist immer Ding, Dang, Dong, wie der italienische Erfolgstrainer und deutschsprachige Philosoph Giovanni Trapattoni einst treffend erklärte. Die Entwicklung des Schalkers Ding, Dang, Dong unter Markus Weinzierl hat Podcast-Kumpel Karsten in seinem Blog Halbfeldflanke anschaulich beschrieben. Beim Dong ist noch Luft nach oben, aber das Ding funktioniert prima, und das hält dem Rest des Orchesters den Rücken frei.

Die oben dargestellte Linie bezeichnet übrigens die Anzahl der Schalker Gegentreffer in den jeweils 10 letzten Pflichtspielen von Beginn der Saison 2006/2007 bis heute. Etwas abstrakt, das Ganze, zugegeben. Aber es lässt sich gut erkennen, dass die 5 Gegentreffer, die Schalke aktuell in seinen letzten 10 Pflichtspielen zugelassen hat, durchaus einen besonders niedrigen Wert darstellen.

In der letzten Saison erreichte Schalke in just den ersten 10 Pflichtspielen ebenfalls einen Wert von 5 – während des „besten Saisonstarts aller Zeiten“. Weniger als 5 Gegentreffer in 10 Spiele ließ Schalke zuletzt über die Winterpause der Saison 2009/2010 hinweg zu. Dabei spielte Schalke in acht Spielen zu Null und wurde später Vizemeister; das erste Jahr unter Felix Magath, eine tolle Saison. Die Bestmarke von nur zwei Gegentreffern in 10 Pflichtspielen zählt nicht recht, da sie über einen Saison- und Trainerwechsel erreicht wurde, als Mike Büskens 2008 Mirko Slomkas Saison übernahm und die Mannschaft dann an Fred Rutten abgab. Und auch die meisten Gegentore in 10 Pflichtspielen teilen sich zwei Trainer, Huub Stevens und Jens Keller, im Zeitraum 27.11.2012 bis 09.02.2013, als Jens Keller als geplanter Interims-Trainer einen schwierigen Start hatte und sich dann überraschend lang behauptete.

Ich mag solchen Zahlen-Häckmäck, es ist so angenehm emotionslos. So sachlich wie Johannes Geis‘ Spiel, der von so manchem Schalker nach Ende der letzten Saison schon als auszumustern angesehen wurde, und der seit dem 4:0 gegen Gladbach in jedem Ligaspiel für Trainer Weinzierl die erste Wahl darstellte, um Nabil Bentaleb und Leon Goretzka den Rücken freizuhalten.



14 Kommentare zu “Das wichtige Ding „Defensive“”

  1. Blinkfeuer sagt:

    Also, ich gucke ja nicht alles… aber… Johannes Geis dürfte seinem ersten Strafprozess, wie so ein Eishockey- Crack aus Kanada es kennt, entgegen fiebern. Oder warum tritt der Freak alle um, kaputt?
    Schiris können den Rüpel nicht bremsen.. also…. nur § und $ $ $!

  2. Der Hans sagt:

    Woher der Hass? Das tut nicht gut, erst recht nicht am frühen Morgen.

  3. Roman sagt:

    @Blinkfeuer: Trink doch erstmal einen Tee.

  4. Grieche sagt:

    Hoffen wir, dass Höwedes, Nastasic und Naldo gesund bleiben – für die drei gibt es keine Alternative.

  5. CarstenS04 sagt:

    Deswegen hoffe ich das sich Donnerstag Giefer, Kehrer, Tekpetey und Avdijaj beweisen dürfen….

  6. CarstenS04 sagt:

    Um Ralle und Co zu schönen würde ich folgende Jungs gegen Nizza ins Rennen schicken…

    Giefer
    Riether,Kehrer,Baba
    Caicara,Stambouli,Geis,Kono
    Tekpetey, Avdijaj

    Links und rechts Erfahrung
    Stabiles Mittelfeld
    Sturm ein Versuch

  7. Carlito sagt:

    Ding, Dang, Dong. Süßer die Glocken nie klangen. Vorweihnachtliche Stimmung in Herr Wielands Blog. ;)

    Dazu noch treffend beobachtet! :)

  8. Niklas sagt:

    Man erkennt gut, wie die Anzahl an Gegentoren hochschnellte als die Formation Neuer + Bordon, Westermann, Krstajic*, Rafinha und die Ersatzspieler Höwedes und Zambrano nicht mehr in dieser Form auf Schalke war. Mit dem 2. Jahr unter Felix Magath war es mit der defensiven Stabilität, die Schalke seit der Saison 05/06 auszeichnete vollkommen vorbei. Das passt auch dazu, dass anstelle von Bordon oder Westermann plötzlich 18/19-jährige wie Joel Matip und Papadopoulos spielten. Aber auch erfahrene Spieler wie Metze keine Stabilität brachten. Von so Überfliegern wie Plestan, Escudero oder Avelar fange ich mal erst gar nicht an. :-D

    *Mladen hat Schalke schon 2009 verlassen

  9. Thomas1904 sagt:

    @ Niklas
    Das war meine All-Time-Defense: Neuer, Rafinha, Bordon, Kristajic, Rodriguez (Pander). Ich kann mich da an kein einziges Gegentor nach einem Eckball erinnern Ich find aber auch wir sind mit unserer aktuellen 3/5 er Kette auf einem guten Weg.

  10. Torsten sagt:

    Hach, Pander.

    Es ist solch ein Jammer. Welch großartiges Talent er war.
    Ein eben so großer Seufzer wie bei Draxler. Nur dass Christian Pander dazu noch ein sympathischer Kerl ist.

  11. Niklas sagt:

    Thomas1904 sagt:
    24. November 2016, 08:11 Uhr #
    @ Niklas
    Das war meine All-Time-Defense: Neuer, Rafinha, Bordon, Kristajic, Rodriguez (Pander). Ich kann mich da an kein einziges Gegentor nach einem Eckball erinnern Ich find aber auch wir sind mit unserer aktuellen 3/5 er Kette auf einem guten Weg.

    Absolut. Gehören auch immer noch zu meinen Lieblingen.

  12. Niklas sagt:

    Das war schon eine Menge Qualität, die uns da zwischen 2009 und 2011 weggebrochen ist. Von daher musste es so oder so zum Umbruch kommen (auch finanziell), bloß in meinen Augen tat Magath dies sehr brachial. Trotzdem danke für Joel Matip und Kyriakos Papadopoulos.

  13. Nordlicht sagt:

    ja der Pander. Geniale Flanken, Ecken und Freistösse.
    Der Anfang vom Ende im Spiel gegen den VfB Stuttgart. Danach war Schicht im Schacht :-(

  14. Thomas1904 sagt:

    Irgendwie klingt da bei den meisten von uns noch eine gehörige Portion Nostalgie mit Klar Matip und Papa hatten oder haben eine ähnliche Qualität in der Defensive und bei Matip kommt dann auch noch eine intelligente Spieleröffnung dazu.

    Ich seh das übrigens auch so. Magath hat damals ohne akute Not eine starke Verteidigung abgegeben. Bei Mladen find ich hat man als er nicht mehr da war sehr gut gesehen wie wichtig er für uns war und auch Bordon hätte gerne seinen Vertrag bei uns erfüllen dürfen oder noch ein Jahr dranhängen. Ich glaub aber die beiden haben ihm im Spielaufbau nicht gefallen und ehrlicherweise war das auch damals unsere Schwäche, da lief das Spiel meist über unsere rechte Seite mit Rafinha.

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