Artikel im April 2017

Am Ende rettet Zwayer die Gelben

Im zweiten Derby der Saison trennen sich Schalke 04 und der BVB erneut 1:1 unentschieden. Ein Spiel, dem es lange an der gewünschten Derbytemperatur fehlte, das dennoch nie langweilig war, das letztlich ein gerechtes Ergebnis aufwies und das doch einiges an Gesprächsstoff lieferte. Aber der Reihe nach.
 

Der BVB

… war lange das bessere Team, da beißt die Maus keinen Faden ab. Ousmane Dembelé und Pierre-Emerick Aubameyang sind Spieler eines Qualitäts-Levels, an das kein Schalker heranreicht. Wann auch immer Schalke im Mittelfeld einen Meter zu viel Platz ließ, agierte Borussia mit schnellen Vertikalpässen auf diese beiden Spieler und schaffte gefährliche Szenen. Dortmund hatte in den ersten 75 Minuten mehrfach die Gelegenheit, das Spiel zu entscheiden. Mal verhinderte dies Ralf Fährmann, einmal Benni Höwedes, mal hatten sie Pech. Trotzdem brauchten sie am Ende die Gnade des Schiedsrichters, um diese Partie nicht zu verlieren, aber dazu weiter unten. So ist Fußball manchmal.
 

Die Blauen

… wurden zur Halbzeit von vielen meiner Knappenkumpel harsch kritisiert. Zu harsch, für mein empfinden. Ja, Borussia war das bessere Team, aber das hatte ich erwartet. Schalke spielte nach vorne, kam auch seinerseits zu Gelegenheiten und man konnte dem Team den nötigen Einsatz keinesfalls absprechen.

Schalkes Spiel über die Flügel konnte sich schon alleine auf Grund der personellen Neuordnung nicht etabliert darstellen. Links agierte Thilo Kehrer mit großem Einsatz, aber ungestüm und mit defensiven Problemen. Vor ihm zauberte Eric-Maxim Choupo-Moting wie man ihn kennt, stets nur zweimal, um es ein drittes Mal zu versuchen und zu scheitern. Und doch war die linke die gute Seite der Blauen, denn die rechte funktionierte überhaupt nicht.
Coke wurde nach monatelanger Verletzungspause von Beginn an aufgestellt und hatte mit Dembelé seine liebe Not. Die Offensive konnte er kaum unterstützen und ohne ihn brachte Daniel Caligiuri auch nichts zustande. Überhaupt wurde Schalkes Spiel auch nur über links aufgebaut. Weinzierls Doppelwechsel in der 70. Minute war so mutig wie richtig. Mutig, weil er eben keine wirkliche Alternative für die Rechtsverteidigerposition hatte, aber richtig, weil man sich von Alessandro Schöpf auf Außen und Meyer im Zentrum eben doch noch mal einen Boost für die Offensive versprechen konnte.

Und den gab es dann ja auch noch. Vor allem von Leon Goretzka mit langen Schritten angetrieben verdiente sich Schalke den Ausgleich und drückte auf den Sieg. Plötzlich war sie da, die Derbytemperatur. Und dann war es egal, wer wie lange besser war, dann war das Momentum auf Schalker Seite. Und auch wenn ich letztlich das 1:1 als okay erachte, hätte Schalke dieses Spiel doch gewinnen sollen. Nur Schiedsrichter Felix Zwayer wollte das nicht so.
 

Das Handspiel

… konnte kaum deutlicher sein. Marc Bartra hatte beide Arme in der Luft und erinnerte dabei an einen Handballtorhüter. Die Hand ging zum Ball, man weiß wirklich nicht, wie klar eine Szene noch sei soll, als dass sie vom Schiedsrichter geahndet werden würde. Wurde sie aber nicht. Schon wieder nicht. Dem zweifelhaften Handelfer zugunsten der Blauen in Gladbach stehen leider bereits eine ganze Reihe Benachteiligungen gegenüber, welche Schalkes Saison nachhaltig negativ beeinflusst haben.
 

Die Stimmung

… eines Derbys kam erst auf, als Schalke zur Aufholjagd blies. Zuvor bemühte sich die Nordkurve um Unterstützung, aber es kam eben nichts zurück. Keine Gegnerschaft, welche die Duelle gegen Dortmund sonst so besonders macht. Nach den Ausschreitungen des Derbys am 26. Oktober 2013 hatte Schalke rund 500 Haus- und Geländeverbote ausgesprochen. Die großen Ultra-Gruppierungen des BVB waren am Samstag nicht zugegen.

So richtig der Ausschluss von Tullus veranstaltenden Spacken ist, so sehr merkte man bei diesem Derby, wie wenig Stimmung ohne die Ultras stattfindet. Die Unterstützung der übrigen Borussenfans für ihr Team war erbärmlich. Nach einer halben Stunde hat man sie überhaupt zum ersten Mal gehört.
 

Die Maske

Die Aufregung ist groß. Pierre-Emerick Aubameyang zog sich eben nicht nur eine Maske über den Kopf, weil er kindlich veranlagt ist und seinem Gegner keinen Respekt zollt, sondern weil er Nike-Starlet ist und dafür einen Haufen Geld kassiert. Das brachte sogar Aki Watzke auf die Palme. Nicht, weil er will, dass sich sei Stürmer weniger kindlich verhält und dem Gegner mehr Respekt zollt, sondern weil er findet, dass sein Stümer gefälligst dem Club-Sponsor Respekt zollen solle.

Aber Aki hat schlechte Karten. Am Ende sitzt der Spieler am längeren Hebel. Aubameyang ist Dortmunds wertvollster und wichtigster Spieler. Da greifen keine Disziplinarmaßnahmen, und die Geldstrafen für diesen Häckmäck zahlt eh Nike. Der Skandal ist nüchtern kalkuliert. Die aktuelle Aufregung ist Teil des Ganzen.
 

Des Erwins Rote Karte

Und dann war da noch die Szene, in dem das Maskottchen dem Schiri die Rote Karte zeigte.

Ich finde, neben Schalkes Fußballfeld sollte kein Plüschonkel rumlaufen. Solcherlei sollte ein Instrument von eventorientierten Neuclubs bleiben. Schalke 04 ist altehrwürdig, ist Tradition, ist Fußball pur – bzw. sollte das meiner Meinung nach sein. Schalkes Erwin soll auf Pfarrfesten oder am Eingang des Kinderblocks rumturnen, winken, für Fotos bereitstehen; im Innenraum hat er meines Erachtens nichts zu suchen. Aber S04 ist Teil der Liga, und wenn man sich umschaut gelangt man schnell zu der Erkenntnis, dass die Liga solchen Zirkus haben will. Dass es nun wirklich Leute gibt, welche die Aktionen einer solchen Figur als irgendwie bestrafungswürdig erachten, lässt mich letztlich vollends an der Veranstaltung Bundesliga zweifeln. Entweder es werden Faxen am Spielfeldrand gemacht, oder man konzentriert sich auf den Sport. Ein bisschen Faxen zu wollen ist albern.
 

Und nu‘?

Nun kann ich ganz gut mit dem Remis leben. Schalke hat damit wieder einen Punkt auf Platz 6 gutgemacht. Nun sind es nur noch 3 Punkte und drei Clubs, die es auf- bzw. einzuholen gilt.



Überschrift via Detlef alias Doktor_D