May the 4th be with Schalke 04!

Damals wollten sie nur kicken. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wollten sie plötzlich überall Fußball spielen. Auch einige Nachbarsjungen in Schalke. Seit 1904 trafen sie sich regelmäßig. Sie nannten sich Westfalia, und sie kleideten sich Rot-Gelb.

Aus dem Notizbuch Willy Gies’ kennen wir einige Namen, die heute als Vereinsgründer verehrt werden. Vielleicht gehörten noch andere dazu. Das festzuhalten war damals nicht wichtig. Ein registrierter Verein wurde Westfalia erst 1909.

Das Weitere ist Geschichte, und die wurde vielfach erzählt, auf dem Weg zum heutigen Fußballclub Gelsenkirchen‑Schalke 04 e.V.. Geschichten wurden und werden gerne ausgeschmückt. Irgendwann, wohl in den 60er Jahren, hat man festgelegt, dass es der 04. Mai 1904 gewesen sein soll, da der damals 14-Jährige Willy Gies mit seinen Freunden erstmals als Westfalia kickte. Dieses Datum gilt seitdem offiziell als der Geburtstag der heutigen Blauen, dieser Tage einer der größten Fußballvereine der Welt.

Bundesligafußball ist eine Unterhaltungsindustrie. Schalke 04 ist ein Teil davon. Einer der Clubs, die meinen sich in glattgezogenen TV-Produktionen sauber präsentieren zu müssen. Ein Club, deren Funktionäre das Mitspracherecht der Mitglieder einschränken möchten. Es gibt so vieles, was mich nervt, an diesem Club.

Und doch hänge ich ihm immer wieder nach. Den Menschen, der Geschichte und den Geschichtchen. Den Begegnungen, die ich erfuhr, nur durch die Gemeinsamkeit, sich irgendwann in diesen Fußballclub verliebt zu haben.

Dieser Club sind wir alle. Schalke 04 sind seine Menschen, seine Mitglieder. Die Geschichte dieses Clubs muss gefühlt werden, es geht nicht nur darum, Retro-T-Shirts zu verkaufen. Das ist mehr als ein Produkt. Das macht es besonders. Ich wünsche mir, dass das jeder versteht. Ich empfehle jedem, daran teilzuhaben.

Alles Gute zum Geburtstag, Schalke 04!

Möge „die Macht mit Dir sein“, und bleiben, auch nach der nächsten Jahreshauptversammlung.



8 Kommentare zu “May the 4th be with Schalke 04!”

  1. Luca Brasi sagt:

    Möge die Macht mit dir sein….Die Wahlausschussmacht auch ;-)
    Registrierter Verein wurde Westfalia erst 1908+1 ;-)

  2. Detlef sagt:

    Das mit dem registrierten Verein erst ab 1908+1 wusste ich bis jetzt nicht. Wieder was gelernt.

    „Ein Club, deren Funktionäre das Mitspracherecht der Mitglieder einschränken möchte.“
    Da kann man ja was gegen tun. Abstimmen gehen.

  3. Torsten sagt:

    Übrigens gibt es einen netten Text von Stefan Willeke für die „ZEIT“, zum 100-jährigen Jubiläum des Clubs, immer noch online nachzulesen.

    „Mit Furz zum Sieg“

    Man erkennt flott, dass auch dieser „schön erzählbar gehalten wurde“. Macht aber trotzdem Spaß. Und er schließt mit dieser sympathischen Erkenntnis, in der ich mich durchaus wiederfinde …

    In Schalke lieben sie diese wundervollen Geschichten, von denen jeder ahnt, dass sie erfunden sind. Schalke ist ein Gedächtnis, das manchmal versagt. Und wenn man es genau nimmt, dann wurde der FC Schalke ja auch nicht vor 100 Jahren gegründet, sondern erst vor 80. Aber wer in Schalke etwas genau nimmt, der hat von Schalke nichts verstanden.

  4. leoluca sagt:

    Apropos Stefan Willeke, Zeit-Redakteur und Schalke-Fan, der vor drei Jahren dies hier über Schalke schrieb:

    „Weil die Gefühle stärker sind als die Strukturen, wissen Trainer irgendwann nicht mehr, wer ihr Vorgesetzter ist: der Verein, dessen Boss oder dessen Volk. Auf Schalke ist aus der Gefühlsdichte eine interessante Herrschaftsform hervorgegangen, eine durch und durch instabile Mischung aus Oligarchie, Anarchie und Räterepublik. Da kann man schon mal durcheinanderbringen, wer gerade was zu sagen hat. Deswegen ist ein Trainer gut beraten, die Komplikation nicht auflösen zu wollen, wie Magath es versuchte, sondern sie als unerwartete Bereicherung seines Lebens zu empfinden, als Geschenk. Die Schalker Fan-Vereinigungen sind so mächtig, dass sie einen Dachverband benötigen, der eigene Gebäude auf dem Gelände des Vereins hat und einen eigenen Vertreter in den Aufsichtsrat des Clubs entsendet. Da sitzt er dann, ein ehemaliger Hooligan, neben Kaufleuten und Rechtsanwälten. Sickert wieder etwas nach draußen durch, schiebt man es auf ihn. Die Vertreter der Fans sind schwere Männer, die sich auf Versammlungen von Holzbänken emporwuchten und mit großem Ernst Bedenken vortragen. Sie können ihre Truppen gegen einen Trainer einsetzen – oder ihn in den Himmel heben lassen. Eine Gruppierung von Fans stellt im Wahlausschuss des Vereins die Mehrheit. Wahlausschuss, das klingt nach nichts, bedeutet aber, die Kandidaten für den Aufsichtsrat benennen zu dürfen. Fans entscheiden mit, wer den Verein kontrolliert.“

  5. sandsturm sagt:

    Ein wunderbarer Text zum GEburtstag von unserem Herzensverein.
    Vielen Dank dafür.

  6. Voice sagt:

    Ja Torsten, das kann ich unterschreiben. Mit einer Einschränkung: Ich würde nicht sagen, ich hänge ihm immer wieder nach, sondern immer noch, soll heißen durchgehend. Allem Ärger und allem Unmut zum Trotz habe ich noch nie darüber nachgedacht, ihm den Rücken zu kehren. Das kann mit meiner Sozialisation als Schalker zusammenhängen, die Mitte bis Ende der 80er stattfand. Der Tiefpunkt war das Spiel gegen Darmstadt, zweite Liga, 19. gegen 20., Ergebnis 3-4, inklusive Platzsturm und Schiri-Arschtritt. Fassungslos stand ich in der Nordkurve, kurze Zeit später erfolgte die Wiederauferstehung in Meppen. Heute ist es ein anderer Verein, aber die Erlebnisse sind immer noch präsent. Und wenn dann wieder mal rumgeheult wird, man werde im Mittelmaß versinken, denke ich daran und kann darüber lachen. Was nicht heißen soll, dass mir die Entwicklungen, die der Profifußball und somit auch unser Klaub nimmt gefallen, ganz und gar nicht…

  7. Schalke 04 schafft das Stehplatz-Tagesticket ab sagt:

    […] Gemäß der offiziellen Festschreibung war dies der 113. Geburtstag des FC Schalke 04; ich schrieb drüber. Der 04. Mai 2017 war auch der Tag, an dem der FC Schalke 04 Stehplatz-Tageskarten abgeschafft hat. […]

  8. Carlito sagt:

    Mal wieder ein Text, der sehr gut unser Schalke beschreibt. Einfach schön!

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