Artikel im Mai 2017

May the 4th be with Schalke 04!

Damals wollten sie nur kicken. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wollten sie plötzlich überall Fußball spielen. Auch einige Nachbarsjungen in Schalke. Seit 1904 trafen sie sich regelmäßig. Sie nannten sich Westfalia, und sie kleideten sich Rot-Gelb.

Aus dem Notizbuch Willy Gies’ kennen wir einige Namen, die heute als Vereinsgründer verehrt werden. Vielleicht gehörten noch andere dazu. Das festzuhalten war damals nicht wichtig. Ein registrierter Verein wurde Westfalia erst 1909.

Das Weitere ist Geschichte, und die wurde vielfach erzählt, auf dem Weg zum heutigen Fußballclub Gelsenkirchen‑Schalke 04 e.V.. Geschichten wurden und werden gerne ausgeschmückt. Irgendwann, wohl in den 60er Jahren, hat man festgelegt, dass es der 04. Mai 1904 gewesen sein soll, da der damals 14-Jährige Willy Gies mit seinen Freunden erstmals als Westfalia kickte. Dieses Datum gilt seitdem offiziell als der Geburtstag der heutigen Blauen, dieser Tage einer der größten Fußballvereine der Welt.

Bundesligafußball ist eine Unterhaltungsindustrie. Schalke 04 ist ein Teil davon. Einer der Clubs, die meinen sich in glattgezogenen TV-Produktionen sauber präsentieren zu müssen. Ein Club, deren Funktionäre das Mitspracherecht der Mitglieder einschränken möchten. Es gibt so vieles, was mich nervt, an diesem Club.

Und doch hänge ich ihm immer wieder nach. Den Menschen, der Geschichte und den Geschichtchen. Den Begegnungen, die ich erfuhr, nur durch die Gemeinsamkeit, sich irgendwann in diesen Fußballclub verliebt zu haben.

Dieser Club sind wir alle. Schalke 04 sind seine Menschen, seine Mitglieder. Die Geschichte dieses Clubs muss gefühlt werden, es geht nicht nur darum, Retro-T-Shirts zu verkaufen. Das ist mehr als ein Produkt. Das macht es besonders. Ich wünsche mir, dass das jeder versteht. Ich empfehle jedem, daran teilzuhaben.

Alles Gute zum Geburtstag, Schalke 04!

Möge „die Macht mit Dir sein“, und bleiben, auch nach der nächsten Jahreshauptversammlung.

Jefferson Farfán hat noch Feuer

Er kanalisiert es nur falsch.

Jefferson Farfán spielt seit Januar für Lokomotive Moskau. Mit seinem Team führte er im russischen Pokalfinale gegen Ural Jekaterinburg kurz vor Schluss 2:0, als es zu der Szene kam, nach der vier Spieler mit Roten Karten vom Feld geschickt wurden. Farfán war einer davon.
 

Schalke tanzt in den Mai

Schalke gewinnt in Leverkusen 4:1. Ein großer Spaß für alle Schalker, ein Albtraum für Leverkusen, das sich mit dieser Schlechtleistung selbst noch mal in Abstiegsgefahrt bringt. Die Blauen können solche Sorgen nun abhaken und dürfen durchaus noch mit einem Auge auf die Europa League-Qualifikation spinzen.

Fünf Minuten musste jedem Schalker angst und bange werden, als Leverkusen furios eröffnete und Ralf Fährmann in großartiger Manier den Rückstand verhindern musste. Nach 10 Minuten stand es 2:0 für die Blauen. Nach 16 Minuten war das Spiel entschieden.

Keine Frage: Leverkusen war vollkommen „off balance“. Die zweifellos tollen Offensivspieler agierten für sich. Dahinter tat sich ein Meer der guten Laune für Schalke auf. Leverkusens Defensivverbund verband nichts. Im Mittelfeld hatten die Blauen in dieser Saison wohl noch nie so viel Platz wie in diesem Spiel in der ersten Halbzeit. Meiner Freude tat dies keinen Abbruch.

Wie Schalke diese Räume nutzte war einfach schön anzuschauen. Der Pass Bentalebs vor dem ersten Treffer. Leon Goretzkas Übersicht gleich danach. Der Pass Guido Burgstallers vor dem dritten Treffer. Dazu noch zwei Tore nach Standards … Leverkusen mag viel falsch gemacht haben, aber Schalke machte auch viel richtig. Ich genoss die Entspannung sehr, die nach dem dritten Tor einsetzte. So häufig kann man sowas als Schalker ja nicht fühlen.

Bei drei verbleibenden Spielen ist Schalke dem Relegationsplatz nun 7 Punkte und 6 Ränge voraus. Selbst die ärgsten Schwarzseher sollten nun wieder auf ihren üblichen Ruhepuls entspannen können.
Gleichzeitig würde schon Platz 7 für die Teilnahme an der Europa League-Qualifikationsrunde reichen, wenn die bereits für den europäischen Wettbewerb qualifizierte Borussia aus Dortmund den DFB-Pokal im Finale gegen Eintracht Frankfurt gewinnen sollte. Von Platz 7 trennt Schalke gerade drei Punkte und drei Ränge. Dabei spielt man am Sonntag gegen den aktuell siebtplazierten SC Freiburg, und hat im Moment das beste Torverhältnis in dieser Konkurrenz.

In dieser Saison stand Schalke in der Tabelle noch nie besser als auf Platz 8 und – ehrlich gesagt – ich glaube auch nicht, dass sich das noch ändern wird. Schalke müsste nun liefern. Aber Schalke lieferte eben in dieser Saison noch nie, wenn es mal hätte liefern müssen.

Doch so lange es möglich ist gilt: Ma’kucken.