Artikel im Juni 2017

Messias Tedesco? Erst mal nur „der Nächste“

Eine lange Saison steckt in den Schuhen. Der Endspurt. Gewonnen, verloren, unentschieden. Gewonnen, verloren, gewonnen. Noch ein Spiel gegen einen gleichwertigen Gegner. Ein Punkt reicht, um das Saisonziel doch noch zu erreichen! Auf Sieg spielen, an sich glauben! Um dann doch zu verlieren.

Klingt nach Schalke. Ähnlich widerfuhr es den Blauen immer dann, wenn man doch noch auf einen Europa League-Platz hätte kommen können. Die oben beschriebene Abfolge ereilte aber Erzgebirge Aue. Am letzten Spieltag verlor Aue in Düsseldorf mit 0:1.

Dass Aue auf „Sieg spielen“ würde, wie von Tedesco angekündigt, davon war kaum etwas zu sehen. Zwar kombinierten die Veilchen teilweise ansehnlich, aber kaum bis ins letzte Drittel.

… schrieb der kicker später. Dass Aue dennoch feiern durfte und nicht in die Relegation musste lag daran, dass Bielefeld und 1860 München ihre letzten Spiele ebenfalls nicht gewannen. Als Retter Aues durfte sich Domenico Tedesco selbstverständlich dennoch feiern lassen. Von 11 Spielen unter seiner Leitung verlor Aue nur drei, gewann sechs. Aber als ein Proficlub wie Schalke 04 …

verpflichtet man ja nun wirklich keinen Trainer, der für ein paar Wochen bei Aue wohl gute Arbeitet leistete, sondern in erster Linie den von vielen als überragend empfundenen Jugendtrainer, der auch in Aue überraschend großen Erfolg hatte.

… wie Kommentator sternburg gestern so treffend schrieb.

Bevor Domenico Tedesco im März Aue übernahm war er U19-Trainer in Hoffenheim. Dieses Amt hatte er erst zu Saisonbeginn übernommen. In der Saison zuvor gewann Hoffenheim die Staffel Süd/Südwest. In den 20 Partien unter Domenico Tedesco kam Hoffenheim auf 10 Siege, 2 Unentschieden und 8 Niederlagen. Bei seinem Abschied belegte die TSG Platz 4 und hatte bei einem Torverhältnis von 38:35 die zweitmeisten Gegentreffer kassiert.

Bevor er nach Hoffenheim kam war Domenico Tedesco Cheftrainer der U17 des VfB Stuttgart. In der Saison 2013/2014 führte er das Team auf Platz 2. In der Saison 2014/2015 gewann sein Team die Staffel. In den zwei Spielzeiten vor Domenico Tedesco belegte die U17 des VfB Stuttgart ebenfalls Platz 2 und 1. In den zwei Spielzeiten nach Domenico Tedesco belegte die U17 des VfB Stuttgart Platz 1 und 2.
 
 
Stopp!

Der Wieland, der ewige Mopperkopp! Will der den neuen Trainer schon vor dem ersten Testspiel schlechtmachen? Was will er uns damit sagen? Dass sich Heidel vertan hat?

Nein. Ich möchte nur darstellen, dass Schalkes neuer Trainer kein Messias ist, und dass seine Erfolge mit Jugendteams keineswegs so spektakulär waren, wie man glauben könnte, wenn man nun die vielen Jubeltexte liest, die gerade über ihn verfasst werden. Experten nennen Domenico Tedesco eines der größten Trainertalente. Aber das wurde zuvor eben auch schon über viele gesagt. Gerade zwischen den Spielzeiten wird viel gelobt. Wer wissen will, was ich meine, suche mal nach Texte über Markus Weinzierl, als dieser zum Trainer des Jahres ernannt wurde.

Ich freue mich auf Domenico Tedesco. Er wirkt sympathisch und enthusiastisch. Man sagt, er wisse was er tue. Er hat noch nirgendwo enttäuscht. Sein junges Alter empfinde ich nicht als problematisch. Ich sehe keinen Grund zur Sorge, ich wüsste nicht, warum ich diesem Trainerwechsel nicht optimistisch begegnen sollte. Noch sehe ich aber auch keinen Grund, heute optimistischer zu sein, als ich es bei den Trainerwechseln zu Roberto Di Matteo, André Breitenreiter oder Markus Weinzierl war.

Ma’kucken.



Foto: Tomek Bo

Offiziell: Weinzierl raus, Tedesco neuer S04-Trainer

Jetzt ist es offiziell: Schalke 04 hat Markus Weinzierl freigestellt. Domenico Tedesco wird neuer Trainer der Blauen.

Der neue ist so neu wie kaum ein Schalker Cheftrainer je war. Er ist 31-Jahre jung. Er stand lediglich für 11 Pflichtspiele als Cheftrainer im Herrenbereich am Spielfeldrand. Zuvor arbeitete er in den Jugendabteilungen des VfB Stuttgart und der TSG Hoffenheim. Nun hofft man darauf, dass er Schalke 04 rettet. Das ist schon krass.

Es gibt im Netz schöne Texte über Domenico Tedesco zu finden. Ein Taktikfuchs sei er. Ein guter Kommunikator. Modern. Bei der Zeit wurde sein Erfolg bei Erzgebirge Aue beleuchtet. Ein Text bei Talentkritiker ist umfassender, er erzählt auch, dass der einstige Kreisligaspieler Tedesco eigentlich Wirtschaftsingenieur werden wollte und nur nebenbei im Jugendbereich des VfB Stuttgart mitzumachen begann.

In der ganzen Liga werden die Trainer immer jünger. Julian Nagelsmann ist der aktuelle Überflieger. Mit ihm hat Domenico Tedesco zeitgleich in Hoffenheim gearbeitet, mit ihm zusammen hat er seinen Schein zum Fußballlehrer gemacht. Das werden wir in der nächsten Zeit noch häufig zu lesen bekommen. Egal wie neu, wie unbekannt er ist, Domenico Tedesco steckt jetzt schon in der Laptop-Trainer-Schublade. Die Medien sind gut darin, schöne Dinge zu schreiben, so lange sie noch keine Fehler entdeckt haben, über die dann genauso gerne referiert wird. Wir werden herausfinden, was Domenico Tedesco vielleicht nicht so gut kann. Wann er knöttert.

Ich bin gespannt. Schalke hatte alte und junge, erfahrene und unerfahrene Trainer, welche die schon Titel gewannen und eher unbeschriebene Blätter. Aus deren Engagements auf Schalke war keine Regel abzuleiten.

Ein Trainer sollte nicht wegen schlechter Ergebnisse in den letzten Spielen gefeuert werden, sondern dann, wenn für die Zukunft kein Erfolg zu erwarten ist. Dies zu beurteilen ist Christian Heidels Job.

schrieb ich gleich nach der Saison. Eben dieser Meinung war er wohl, Schalkes Manager. Er war sich nicht sicher, dass die nächste Saison besser laufen wird. Dann war es richtig, zu handeln. Dann ist es jetzt genau der richtige Zeitpunkt. Noch hat Schalke 04 keine Transfers finalisiert. Das wird nun in Absprache mit dem neuen Trainer passieren. Ihm obliegt die Vorbereitung der Mannschaft auf die neue Saison. Eine Saison ohne Europacupspiele. Das macht es einfacher.

Ma’kucken.

Sportbild meldet Weinzierl-Aus

Gestern berichtete Bild von „Gerüchten“, nach denen Schalke 04 an Domenico Tedesco, Trainer von Erzgebirge Aue interessiert sei. Heute lässt Sportbild bezüglich Markus Weinzierl alle Konjunktive weg, was mich letztlich dazu brachte das hier zu thematisieren: Laut Sportbild wird sich Schalke 04 von Markus Weinzierl trennen, Nachfolger soll der erst 31-Jährige Domenico Tedesco werden.

Die Meldung gibt’s hier.
 
 
Update 9:44 Uhr

Die WAZ meldet „Der FC Schalke 04 entlässt Trainer Markus Weinzierl“. Demnach habe Christian Heidel dem Trainer seine Freistellung bereits mitgeteilt. Bezüglich Domenico Tedesco wird etwas vorsichtiger formuliert. Der 31-Jährige würde die Nachfolge „wahrscheinlich“ übernehmen.
 
 
Update 10:19 Uhr

Bayer Leverkusen galt in den Medien gestern noch als (Mit-)Bewerber um die Dienste von Domenico Tedesco. Nun hat der Club für heute eine Pressekonferenz angekündigt. Laut BILD wird dort Heiko Herrlich als neuer Trainer der Werkself vorgestellt.
 
 
Update, 11:22 Uhr

Der für Aue „zuständige“ MDR meldet, Erzgebirge Aue habe seinen Trainer Domenico Tedesco verloren. Schalke 04 und Erzgebirge Aue sollen sich bereits am Mittwoch über diesen Trainer-Transfer geeinigt haben. Aue habe wohlmöglich schon einen Nachfolger gefunden. Ismail Atalan, bislang bei den Sportfreunden Lotte, soll Aue übernehmen.

U17 im Halbfinale, Stephan Schmidt nach Würzburg

Schalke 04, das ist nicht nur der Bundesliga-Kader. Die Knappenschmiede, das ist nicht nur die Mannschaft Norbert Elgerts. Schalkes U17 wurde in dieser Saison mit neun Punkten Vorsprung Westdeutscher Meister. Heute vor einer Woche gewannen sie den Westfalenpokal. Nun stehen sie im Halbfinale der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft. Spätestens nach dem Finale wird die Mannschaft allerdings ihren Trainer verlieren.

Das Halbfinale wird in Hin- und Rückspiel ausgetragen. Heute um 18 Uhr spielen die Blauen in Kirchheim bei München gegen die U17 des FC Bayern. Das Rückspiel ist dann die Empfehlung zum Wochenende: Wer Lust auf guten Fußball hat, bei dem nicht an jeder Ecke Werbung rappelt, wer Bier und Bratwurst auch mal in bar bezahlen und sich dafür nicht ewig anstellen will, der kann an solchen Jugendspielen seinen Spaß haben! Anstoß ist am Sonntag um 11 Uhr, auf der Platzanlage der Gesamtschule Ückendorf, Bochumer Str. 190.

Stephan Schmidt, der Cheftrainer dieser Schalker Mannschaft, wird den Club nach der Saison verlassen und den Trainerposten bei Zweitligaabsteiger Würzburger Kickers übernehmen. Schmidt wurde als Trainer der U19 des VfL Wolfsburg bereits einmal Deutscher Meister im Jugendbereich, bevor er die Profimannschaft des SC Paderborn übernahm und dort Vorgänger von André Breitenreiter war. Er wurde einem breiten Publikum durch seine Darstellung in dem Dokumentarfilm „Trainer!“ bekannt. Dort wirkte er wenig sympathisch. Ihm oblag die Rolle des Schnösels, der über die Maßen von sich eingenommen war und dennoch in Paderborn scheiterte.

Nach einem weiteren Engagement bei Energie Cottbus unterschrieb Stephan Schmidt im Sommer 2015 in Schalkes Knappenschmiede einen Vertrag bis zum 30. Juni 2017. Vor einer weile entschied sich Schalke 04, die Jugendtrainer im B-Jugendbereich ihre Jahrgäng begleiten zu lassen. Stephan Schmidt übernahm Schalkes U16, mit der er zur U17 „wuchs“ und nun die Chance hat, einen weiteren Meistertitel im Nachwuchsbereich zu gewinnen. Eben bevor er einen zweiten Anlauf bei den „Herren“ nimmt, in Würzburg, in der dritten Liga. Stephan Schmidt ist erst 40 Jahre alt.

Der Tullus um Meyer & Konoplyanka

Der DFB-Pokal und die europäischen Wettbewerbe hatten ihre Endspiele. Zu Schalke gab es keine nennenswerten Nachrichten. Das ist nun endlich vorbei. Seit gestern gibt’s auf Schalke endlich wieder Tullus! Nachrichten um Max Meyer und Evgen Konoplyanka konnten dafür sorgen.

Eigentlich ist der Tullus gerade gar nicht auf Schalke, sondern eher medial um Schalke herum, denn beide Spieler sind derzeit mit Auswahlmannschaften unterwegs. Aber so kleinlich will nun wirklich niemand sein, wenn es endlich mal was zu schreiben gibt. Über Max Meyer heißt es, er habe ein Angebot zur Vertragsverlängerung abgelehnt. Evgen Konoplyanka gab derweil ein Interview in dem er bestätigte, dass Markus Weinzierl nicht mehr mit ihm plane, in dem er den Trainer beschimpfte und prophezeite, dass Schalke mit Weinzierl absteige.

Nach dem schlechten Abschneiden in der letzten Saison steht Markus Weinzierl natürlich im Fokus. Da fallen solche Aussagen eines Spielers wie Miraculix‘ Zaubereicheln auf den Boden und lassen einen Wald aus Gewissheit entstehen, dass dieser Trainer nicht richtig mit seinen Spielern umgeht, dass es so nichts werden kann. Kritik an Markus Weinzierl zu entkräften ist schwierig, wenn es um Dinge geht die nicht auf dem Platz passieren. Man weiß einfach nicht, was konkret vorgefallen ist, man weiß nicht, was gegenüber wem in welchem Ton gesagt wurde. Wir wissen nun lediglich, wie bei Evgen Konoplyanka ankam, dass man ihm sagte, dass Schalke nicht mehr mit ihm plane. Nach seinen Leistungen und nach diesem medialen Coup zu urteilen wird er dem Club in der kommenden Saison nicht fehlen.

Spannender ist die Personalie Max Meyer. Einmal mehr kommuniziert der von der Agentur ROGON vertretene Spieler über die BILD und gibt dort zur Veröffentlichung bekannt, dass Schalke ihm ein Angebot zur Vertragsverlängerung gemacht hätte, dass er mit seinem Management die Ablehnung entschieden hätte, dass er sich in der kommenden Saison zeigen müsse, und dass es eben „die Frage sei“, ob er Schalke nun in diesem oder im nächsten Jahr verlasse.

Wir können davon ausgehen, dass diese Aussagen absichtlich in jede Richtung zu interpretieren sind. Max Meyer wird als „zu haben“ in die Medien gebracht, kurz bevor er sich mit der U21 bei der EM in Polen zeigen kann. Dies könnte seinen Marktwert noch mal auffrischen, zumindest aus der Sicht potenzieller neuer Clubs.
Dass gerade Schalke 04 nicht das Megaangebot auf den Tisch gelegt hat, das sich Max Meyer und sein Management nach den Jahren des Supertalent-Status‘ als Folgevertrag vorgestellt haben, ist durchaus denkbar. Denkbar wäre auch, dass Christian Heidel einem Wechsel Max Meyers in dieser Saison und bei entsprechender Ablöse nicht abgeneigt wäre, dass das Angebot entsprechend war. Man weiß es eben nicht. Ma’kucken.



Fotos: Tomek Bo