Artikel im September 2017

Schalke schon wieder ein Gegner

Schalke verliert sein Auswärtsspiel in Hoffenheim mit 0:2. Trotzdem war es ein gutes Spiel der Blauen.

Englische Wochen sind kurz, und nach der Niederlage gegen den FC Bayern las ich eine Überschrift, die mir bis heute nicht aus dem Kopf gegangen ist: „Schalke ist kein Gegner mehr“ Im Text wurde die Überlegenheit der Münchener in diesem Spiel dargestellt. Mit keinem Wort wurde auf die Entwicklung der Clubs in den letzten Jahren eingegangen, es ging nur um dieses eine Spiel. Und doch war es dieses „mehr“ in der Überschrift, das mir im Kopf blieb.

Meine erste Reaktion war Unverständnis. Ich stellte mir die Frage, in welchem Land der Autor dieser Zeile die letzten Jahre wohl verbracht haben mag. Schließlich war es jedem ausdauernden Beobachter offensichtlich, dass Schalke 04 seine Spielstärke in den Jahren von 2012 bis heute kontinuierlich herunterwirtschaftete. Dass Schalke unter den Trainern Stevens, Keller, Di Matteo, Breitenreiter und Weinzierl zu einem sportlichen Stillstand kam, während sich die halbe Liga an den Blauen vorbei weiterentwickelte.

Doch gestern, am Sonntag, war ich mit meinen Kindern zu Stadiontour und Museumsbesuch auf Schalke. Wenn man sich als neuer Bürger der Stadt im Rathaus anmeldet, erhält man dazu einen Gutschein; wie zu noch manch anderen Einrichtungen und Attraktionen der Stadt, auf dass man sie, und damit die neue Heimat, kennenlernt. Dabei wird einem der Erfolg dieses Clubs bewusst. Seine Größe. Seine Bedeutung. Das ganze Drumherum, das 5-Sterne-Stadion, die Organisation, die Medienpräsenz, das Selbstverständnis deutet auf einen Champions League-Club hin. Und es wird einem klar, dass das in den Köpfen steckt. In den Köpfen vieler Fans. In den Köpfen der Co-Trainer, die dem TV ihre Taktik erklären und Formulierungen wie „gegen einen Gegner wie Schalke 04“ gebrauchen. In den Köpfen der Journalisten, die solche Überschriften wie oben beschrieben kreieren.

Tatsächlich ist Schalke aber nicht nur gegen Bayern München, sondern auch in einem Spiel gegen die TSG Hoffenheim klarer Außenseiter. Schalke ist zweifellos der geilere Club, hat mehr Fans, vielleicht das größere Budget, interessiert mehr und hat vielleicht auch noch den einen oder anderen spannenderen Namen im Kader. Dennoch ist Hoffenheim unter Julian Nagelsmann sportlich enteilt, erfuhr dieser Club eine fußballerische Modernisierung, die auf Schalke eben seit 2012 fehlt.

Ausgerechnet während der 0:2 Niederlage am Samstag konnte man als Schalker allerdings Hoffnung schöpfen, dass die Blauen unter Domenico Tedesco auf den richtigen Weg geraten sein könnten. Nach einem schwachen Start funktionierten die Justierungen. Noch in der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit war das Spiel ausgeglichen. Nach der Pause war Schalke das bessere Team.
Man hatte sich als Fan schon daran gewöhnt, dass Schalke, zurückliegend, vom Gegner mit Ball im Mittelfeld kaltgestellt wurde. Dass Schalke den Ball viel um des Gegners Abwehr herum laufen ließ, aber kaum zu Torschüssen kam. Gegen Hoffenheim sah man, dass dem Team eine Spielidee mitgegeben wurde. Man sah eine flexible Offensive, die den Druck aufrecht erhielt, die zu Abschlüssen fand. Am Ende hätte Schalke einen Punkt verdient gehabt. Mindestens.

Dafür könne man sich nichts kaufen, tönt da der Eine, brotlose Kunst, hört man vom Nächsten. Schalker sind eben viele. Mir persönlich war dieses Spiel aber eben doch viel wert. Schalke hat mir gezeigt, dass man gegen Hoffenheim bestehen kann. „Schalke schon wieder ein Gegner“ fiel mir als Überschrift dazu ein. Und so schnell hätte ich das gar nicht erwartet.

Schalker sein und bleiben, keine Stimme der AfD!

Der FC Schalke 04 war in seinen Anfangsjahren eng mit der Zeche Consolidation verbunden. Er wurde entscheidend durch die Einwanderer geprägt, die damals der Arbeit wegen aus Masuren ins Ruhrgebiet kamen, die Koslowskis, Tibulskys, Zurawskis.

Auch heute profitiert Schalke 04 von seinem Standort, der Mitten im Ruhrgebiet als Ballungszentrum seit je her für Einwanderer attraktiv war. In der Knappenschmiede werden Mercans, Yildiz‘, Kutucus oder Cans ausgebildet, die in Recklinghausen, Düsseldorf oder Gelsenkirchen geboren wurden, deren Familien sich einst bewusst für den Zuzug entschieden haben.

Der Verein Schalke 04 hat sein Bestreben, die Integration ausländischer Mitbürger zu fördern, in der Satzung verankert. Gleich in Paragraph 2 wird klargestellt, dass der Verein rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen sowie diskriminierenden oder menschenverachtenden Verhaltensweisen aktiv entgegen tritt.

Schalker sind viele. Wir sind schwul und hetero, vom Glauben geprägt und Atheisten, wir haben alle Hautfarben, wir sind behindert und topfit, sind arm und reich, klug und manch einer auch doof. Wir sind bunt. Wir dürfen es sein, wir sind okay wie wir sind, und wir vereinen uns unter der blau-weißen Fahne.

Wer für Ausgrenzung ist, wer meint, der Zuzug von Menschen, die hier leben und arbeiten möchten, führe zum Untergang des Landes, der hat Schalke 04 nicht verstanden. Wer umgekehrt Schalke verstanden hat, kann unmöglich damit einverstanden sein, dass es rechtsradikale Politiker im Bundestag geben soll.

Deshalb: Schalker sein und bleiben, keine Stimme der AfD!

Schalke 04 – FC Bayern München 0:3

Fortan wird es Texte von mir zu Spielen unter der Wochen nur noch in Ausnahmefällen geben können. Bei mir hat sich einiges verändert. Mein Job beginnt früher, meine Anfahrt zum Job ist länger, meine Nacht ist entsprechend deutlich kürzer. Ich schaue mir die Spiele der Blauen weiterhin allesamt an, aber mich danach noch hinzusetzen und einen ordentlichen Text zu verfassen, diesen Zeitaufwand kann ich mir in der Regel nicht mehr leisten.

Deshalb ist dies hier nun eine Art „Thread-Eröffnung“, wie in einem Forum. Damit die Diskussion im Kommentare-Bereich dieses Blogs auch ohne meinen Text aufblühen kann, damit die Diskussion einen richtigen Platz hat.

Dem Zufall seine Chance erpresst

Schalke fährt am vierten Spieltag den dritten Sieg ein, gewinnt im Bremen mit 2:1. Ein Spiel, das „hochklassig unattraktiv“ war, nach dem beide Teams mit ihren Leistungen zufrieden sein konnten, in dem am Ende der Zufall für Schalke entschied – wofür man sich aber nicht zu schämen braucht.

Wenn man nur kräftig presst, kommt am Ende auch was raus. Diese Erkenntnis hat mittlerweile alle Bundesligaclubs erreicht. Schalke war damit spät dran. So konsequent und so hoch wie jetzt presste Schalke unter den vorherigen Trainern nie. In Bremen wirkte Schalkes Defensivverhalten schon tief in des Gegners Hälfte aggressiv.

Wenn aber alle pressen wie bekloppt wird Fußball nur noch nach Fehlern schön.

Werder und Schalke pressten das Spiel platt. Spielzüge waren selten zu sehen. Nach Fehlern in der Defensive, wenn mal Platz war, wenn man mit Präzision Chancen hätte kreieren können, folgten meistens Ungenauigkeiten. Entsprechend gab es nur wenige Torchancen. Entsprechend gab es zwar verschiedene Ballbesitzphasen, aber keine qualitative Überlegenheit für ein Team. Also entschied am Ende der Zufall.

Fußball wird letztlich häufig vom Zufall entschieden, häufiger als alle anderen großen Sportarten. Natürlich war die Reaktion Leon Gorezkas, als er das Bein ausstreckte und zum Sieg einschob, eine tolle sportliche Leistung. Aber dass der Ball eben dorthin kam, war ja nicht geplant. Matija Nastasic traf ihn schlecht, der Ball rutschte durch und Leon Goretzka vor die Füße. So werden Fußballspiele schon mal entschieden.

Es war ein gutes Auswärtsspiel der Blauen. Es macht den Eindruck, als werde Schalke defensiv zunehmend konsequenter und als mache man weniger Fehler. Gemessen an so wenig gespielter Saison präsentiert sich Schalke schon überraschend deutlich anders, im Vergleich zur letzten Saison. Das ist die Basis, um dem Zufall die Chance zu geben.

Ma’kucken wie’s weiter geht.

Verdienter Sieg gegen den VfB Stuttgart

Zum königsblog-Comeback gewinnen die Blauen 3:1 gegen den VfB Stuttgart. Ein sehr verdienter Sieg, bei dem Schalke über 90 Minuten die bessere Mannschaft war, allerdings in der ersten Halbzeit mit passiver Spielweise die Ungeduld des Publikums reizte.

So richtig warm kann ich mit diesem Video-Schiri nicht werden. Da regt man sich auf, denkt, dass das doch sicher ein Foul war, dass es aber albern sei, sich wegen dieses Trittes so lange auf dem Boden zu wälzen. Dann aber war das Wälzen richtig, um der Situation die Zeit abzuverlangen, die der Videomann brauchte, um den Schiedsrichter auf die richtige Bahn zu schicken.

Dass sich Schalke nach der Führung zurückzog und Stuttgart den Ball überließ, empfand ich als naheliegend. Reagierend sah Schalke gegen Leipzig gut aus, agierend hatte Schalke gegen Hannover Probleme.
Dummerweise kam Stuttgart durch einen Glücksschuss zum Ausgleich. Eine wirklich gute Chance konnte sich der VfB in der ersten Halbzeit nicht erspielen. Stuttgart tat sich schwer, Schalke hatte den Gegner im Griff. Doch ob des Treffers in der 40. Minute, und ob des offensichtlichen Anspruchs, jeden Gegner an die Wand nageln zu wollen, wurde die keineswegs schlechte Leistung der Blauen in der ersten Hälfte von großen Teilen des Publikums niedergepfiffen und in den social networks kritisiert und verhöhnt.

Tatsächlich war Schalkes Leistung nach der 3:1 Führung schwächer als während der ersten Hälfte. Unkonzentrierter, weniger konsequent, ließ man einen Schlagabtausch zu. Den Fans war es zu diesem Zeitpunkt aber egal, sie sangen vom Mythos des Schalker Markts, hatten das Spiel abgehakt, nachdem die Blauen so flott nach der Pause das Spiel entschieden hatten.

Ein Sieg des Willens sei es gewesen, wurde nach Abpfiff gesagt. Dabei war Schalke die in allen Belangen reifere Mannschaft. Darauf muss man sich nicht viel einbilden, schließlich ist der VfB Stuttgart Aufsteiger. Aber der Erfolg war, im Gegensatz zum Stuttgarter Ausgleichstreffer, eben nicht zufällig, sondern verdient.