Schalke schon wieder ein Gegner

Schalke verliert sein Auswärtsspiel in Hoffenheim mit 0:2. Trotzdem war es ein gutes Spiel der Blauen.

Englische Wochen sind kurz, und nach der Niederlage gegen den FC Bayern las ich eine Überschrift, die mir bis heute nicht aus dem Kopf gegangen ist: „Schalke ist kein Gegner mehr“ Im Text wurde die Überlegenheit der Münchener in diesem Spiel dargestellt. Mit keinem Wort wurde auf die Entwicklung der Clubs in den letzten Jahren eingegangen, es ging nur um dieses eine Spiel. Und doch war es dieses „mehr“ in der Überschrift, das mir im Kopf blieb.

Meine erste Reaktion war Unverständnis. Ich stellte mir die Frage, in welchem Land der Autor dieser Zeile die letzten Jahre wohl verbracht haben mag. Schließlich war es jedem ausdauernden Beobachter offensichtlich, dass Schalke 04 seine Spielstärke in den Jahren von 2012 bis heute kontinuierlich herunterwirtschaftete. Dass Schalke unter den Trainern Stevens, Keller, Di Matteo, Breitenreiter und Weinzierl zu einem sportlichen Stillstand kam, während sich die halbe Liga an den Blauen vorbei weiterentwickelte.

Doch gestern, am Sonntag, war ich mit meinen Kindern zu Stadiontour und Museumsbesuch auf Schalke. Wenn man sich als neuer Bürger der Stadt im Rathaus anmeldet, erhält man dazu einen Gutschein; wie zu noch manch anderen Einrichtungen und Attraktionen der Stadt, auf dass man sie, und damit die neue Heimat, kennenlernt. Dabei wird einem der Erfolg dieses Clubs bewusst. Seine Größe. Seine Bedeutung. Das ganze Drumherum, das 5-Sterne-Stadion, die Organisation, die Medienpräsenz, das Selbstverständnis deutet auf einen Champions League-Club hin. Und es wird einem klar, dass das in den Köpfen steckt. In den Köpfen vieler Fans. In den Köpfen der Co-Trainer, die dem TV ihre Taktik erklären und Formulierungen wie „gegen einen Gegner wie Schalke 04“ gebrauchen. In den Köpfen der Journalisten, die solche Überschriften wie oben beschrieben kreieren.

Tatsächlich ist Schalke aber nicht nur gegen Bayern München, sondern auch in einem Spiel gegen die TSG Hoffenheim klarer Außenseiter. Schalke ist zweifellos der geilere Club, hat mehr Fans, vielleicht das größere Budget, interessiert mehr und hat vielleicht auch noch den einen oder anderen spannenderen Namen im Kader. Dennoch ist Hoffenheim unter Julian Nagelsmann sportlich enteilt, erfuhr dieser Club eine fußballerische Modernisierung, die auf Schalke eben seit 2012 fehlt.

Ausgerechnet während der 0:2 Niederlage am Samstag konnte man als Schalker allerdings Hoffnung schöpfen, dass die Blauen unter Domenico Tedesco auf den richtigen Weg geraten sein könnten. Nach einem schwachen Start funktionierten die Justierungen. Noch in der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit war das Spiel ausgeglichen. Nach der Pause war Schalke das bessere Team.
Man hatte sich als Fan schon daran gewöhnt, dass Schalke, zurückliegend, vom Gegner mit Ball im Mittelfeld kaltgestellt wurde. Dass Schalke den Ball viel um des Gegners Abwehr herum laufen ließ, aber kaum zu Torschüssen kam. Gegen Hoffenheim sah man, dass dem Team eine Spielidee mitgegeben wurde. Man sah eine flexible Offensive, die den Druck aufrecht erhielt, die zu Abschlüssen fand. Am Ende hätte Schalke einen Punkt verdient gehabt. Mindestens.

Dafür könne man sich nichts kaufen, tönt da der Eine, brotlose Kunst, hört man vom Nächsten. Schalker sind eben viele. Mir persönlich war dieses Spiel aber eben doch viel wert. Schalke hat mir gezeigt, dass man gegen Hoffenheim bestehen kann. „Schalke schon wieder ein Gegner“ fiel mir als Überschrift dazu ein. Und so schnell hätte ich das gar nicht erwartet.



26 Kommentare zu “Schalke schon wieder ein Gegner”

  1. Marcel04 sagt:

    Vielen Dank Thorsten,

    ein erfrischend positiver Kommentar in Zeiten (tw. bewusst und gewollt) negativer Berichterstattung durch gewisse Medien.

  2. Detlef sagt:

    Großartiger Text. Sowohl das Spiel, wie auch das „drumherum“ hervorragend beschrieben.
    Journalisten leben nur noch im Hier und Jetzt, zumindest kann man bei vielen aus den Texten herauslesen. Vielleicht sind es aber auch Vorgaben um Klicks, bzw Auflage zu generieren.

    Zum Spiel:
    Bei Verkündung der Aufstellung hatte ich einige Fragezeichen auf er Stirn, warum dieser, oder jener Spieler fehlt, bzw auf der Bank sitzt, oder wie sich das taktisch darstellt, was Tedesco zu Beginn aufbietet.
    Max Meyer in der defensiven Zentrale, darauf bin ich ehrlich gesagt nicht gekommen.
    Hat ja ganz gut geklappt, wenn man von der Entstehung des 1:0 absieht und da meine ich nicht nur Max Meyer, da war kurz Unordnung in der Defensive.
    Leider war das dann auch die wohl spielentscheidende Szene.

    Trotzdem habe ich eine gute Leistung gesehen, klingt blöd bei einer Niederlage, ist aber so. Gerne so weitermachen, dann belohnt man sich auch wieder. Vorzugsweise am kommenden Freitag gegen Leverkusen.

  3. bloodflash sagt:

    Das erste Tor war, abgesehen von Stamboulis missglückter Abwehr, ein Abstimmnungsproblem zwischen McKennie und Meyer, wobei es eher McKennie war der nur mittrabte, statt auf den späteren Torschützen zu gehen.

    Das 2. Tor war ein bischen Slapstick und erinnerte an das eine oder andere Gegentor der letzten Saison.

    Ansonsten sah vieles am Schalker Spiel sehr vielversprechend aus – Mittelfeldpressing, Läufe und Zuordnung um den gegenerischen 16er herum. Die Abwehr scheint mir im Aufbau aber etwas zu behäbig zu sein und Meyer hat sich am Anfang viel zu oft nach hinten orientiert, aber OK auf seiner neuen Position.

    Die Spiele der bisherigen Saison zeigen auf jeden Fall nach oben und vor allen Dingen: Siegeswillen!

  4. CarstenS04 sagt:

    insgessamt war ich mit unseren Blauen schon zufrieden…. ich bin davon ueberzeugt das die Idee und das schon zu erkennende System zuendet und die Mannschaft sich dann auch belohnt.

    Glueck auf…

  5. Voice sagt:

    Außer die Zusammenfassung konnte ich nichts vom Spiel sehen. Aber die Kommentare und auch die Berichte im Kicker usw. machen Mut. Ich hoffe, die Einschätzungen sind korrekt. Freitag ist dann trotzdem schon wieder ein wenig Druck im Kessel. Als ich die Aufstellung sah war ich auch zunächst sprachlos, aber mittlerweile weiß ich, dass nicht alle fit waren. Vielleicht hätte es mit Goretzka, Bentaleb, Ozcipka und Burgstaller auch noch ein bisschen besser ausgesehen.

  6. Simon sagt:

    Wieder einmal sehe ich das eigentlich ziemlich ähnlich wie Torsten.

    Man könnte noch hinzufügen, dass wir nach den ersten 6 Spieltagen immerhin auch schon gegen drei der Top4-Vereine der letztjährigen Abschlusstabelle gespielt und dabei immerhin schonmal einen Sieg geholt haben, während die Niederlage vom Samstag recht unglücklich war.

    Wichtig ist es nun folglich, dass die Mannschaft gegen ehere mittelmäßige und – auf dem Papier – schwache Gegner zuverlässig punktet. Diese Qualität war es ja auch, die Schalke lange Jahre zum Stammgast in den Top4 gemacht hat.

    Bei aller Freude über die – in meinen Augen zu erkennende – Weiterentwicklung, muss ich aber sagen, dass es schön wäre, wenn gegen Leverkusen nun auch mal wieder drei Punkte dazu kämen; allein weil dies vor der Länderspielpause doch schon ein ruhigeres Gefühl geben würde.

  7. schalkoholiker sagt:

    @Torsten
    Du erwähnst die Größe des Clubs, seine Bedeutung. Hier geht es eben nicht nur um 90 Minuten Kicken. Ich frage mich seit Jahren, ob es genau das ist, was dem ein oder anderen Spieler in unserem Umfeld auch mal (ungewollt) zusätzliches Gewicht auf die Schultern legt.

    Andere Clubs haben uns fußballerisch in den letzten Jahren überholt. Auch richtig. Und mir fehlt jedes Verständnis dafür, wenn jemand denkt, dass wir durch das reine Verkünden eines Umbruchs schon wieder auf der Überholspur seien. Wir sind auf dem richtigen Weg, das ist erkennbar und brauchen ein wenig Geduld.

  8. der grafschafter sagt:

    naja,wir hinken punktemässig schon wieder hinterher. und,die anderen mannschaften müssen viel mehr spiele abliefern als wir. da müßten wir doch fitter sein.
    3xgewonnen,3x verloren das ist niemandsland im mittelfeld.
    wir brauchen begeisternden offensivfussball und siege.
    und evlt.einen keeper, der mal einen ball trifft.
    ansonsten, weitermachen. glückauf!

  9. Torsten sagt:

    wir hinken punktemässig schon wieder hinterher

    Hinter wem her?

    Bei aller Freude über die – in meinen Augen zu erkennende – Weiterentwicklung, muss ich aber sagen, dass es schön wäre, wenn gegen Leverkusen nun auch mal wieder drei Punkte dazu kämen

    Naja, mit dieser Einstellung gehe auch ich selbstveständlich in jedes Spiel. Ist nicht so, dass ich nur darauf hoffe, dass eine Spielidee zu erkennen ist. Ich schreie bei Treffern unserer Mannschaft durchaus laut auf ;-)

  10. Flo Kno sagt:

    @der grafschafter:
    nach 6 Spielen auf die Tabelle zu schielen und etwas ueber die Punkteausbeute zu sagen ist schon statistisch recht schwierig: Gewinnst du in Hoffenheim stehst du mit 12 Punkten da, verlierst du in Bremen stehst du mit 6 Punkten da. Beides waere durchaus moeglich gewesen, summiert sich dann aber schnell zu einem Unterschied von 100% in der Punteausbeute, bei eigentlich gleichem Leistungsniveau.

    Ich bin ja auch Statistik-Freund und finde diese Seite ganz interessant, die mit dem Expected Goals Modell eine statistisch ‚erwartete Tabellenposition‘ berechnet, unabhaengig von den tatsaechlichen Ergebnissen:
    https://understat.com/league/Bundesliga/2017

    Der Witz daran ist, dass diese Projektion ueber eine Saison hinweg sehr gut in der Lage ist die tatsaechliche Leistungsfaehigkeit einer Mannschaft einzustufen. ‚Expected Goals‘ sind dabei deutlich aussagekraeftiger als die klassischen Statistiken wie Tordifferenz, Zweikampfquote usf.

    Im Zweifel verlasse ich mich daher lieber auf sowas als auf die Launen eines Sportjournalisten oder subjektive Eindruecke nach einem Spiel, bei dem Halt auch mal Kleinigkeiten ueber Sieg oder Niederlage entscheiden koennen.

    Mein persoenliches Zwischenfazit werde ich Ende Oktober ziehen, bis dahin stehen noch 5 Spiele gegen Mannschaften der mittleren Tabellenregion an. Wenn danach, sagen wir, 3 verdient herausgespielte Siege stehen, dann kann man natuerlich anfangen ueber die Meisterschaft reden ;-D.

  11. leoluca sagt:

    Ein schöner, zuversichtlicher Kommentar von Torsten, der ohne jede Beschönigung auskommt. Klasse.

  12. Ney sagt:

    Die Tönnies-Zahl nach dem 6. Spieltag: 1,5 .

    Erforderlich ist: 1,82.

    Anmerkung:
    „Unser Anspruch ist, Champions League zu spielen. Nicht nur meiner, sondern der der Fans, der Mitglieder“, so Clemens Tönnies im Interview mit der Funke-Mediengruppe im Juni 2017.
    Mit 62 Punkten (1,82 im Durchschnitt pro Spiel) wurde in den letzten 15 Jahren immer mindestens Platz 4 erreicht. Häufig reichten weniger Punkte.

  13. der grafschafter sagt:

    @thorsten: hinter wem?
    z.b.hinter doofmund,hoffenheim,`96, augsburg, leipzig.
    m.e.haben wir mindestens 3 punkte zu wenig, und das obwohl wir nur
    liga und pokal als wettbewerb spielen.da muss mehr kommen, warum sonst tritt man an?

  14. hoffedocS04 sagt:

    @der grafschafter

    Wenn Du es so nimmst, hat mein Schalke genau 9 Punkte zu wenig, und meine TSG hat genau 4 Punkte zu wenig, und die „Doofmunder“ – was uns dann natürlich freut(!) –
    haben 2 Punkte zu wenig;-))

    Genau genommen haben ALLE ein paar Punkte zu wenig….°°°..

  15. Mane 04 sagt:

    haben wir nicht alle irgendwann irgendetwas zu wenig? sollten wir darüber nachdenken? ich glaube nein ;)

  16. liduda67 sagt:

    Um ein „enges“ Spiel positiv zu beenden, muss man ein oder mehrere Tore
    schießen. Dies ist gegen München nicht gelungen und gegen Hoffenheim auch
    nicht. Bei den Spielanteilen und Werten muss man so ein Spiel wie das am Samstag als Sieger beenden. Wer allerdings in Zukunft die notwendigen Tore erzielen soll, erschließt sich mir gerade nicht.

  17. King CR7 sagt:

    Die Tendenz zeigt leider (wieder) nach unten, genau wie die Formkurve einzelner Schalker…

  18. Steffen sagt:

    Naja, so schwarz muss man den Fussball in diesen Zeiten nich sehen – erstmal abwarten. Ma‘kucken.

  19. Grieche sagt:

    Was mir an Tedesco gefällt, ist, dass er nur 100 Prozent fitte und gesunde Spieler einzusetzen scheint. Falls jemand noch nicht ganz genesen ist, spielt er nicht, selbst wenn es Höwedes, Embolo, Bentaleb oder Goretzka ist. Ist mir viel sympathischer als Pep „Wenn der Arzt drei Wochen sagt, will ich den Spieler in zwei Wochen“ Guardiola.

  20. soso sagt:

    @Grieche

    Ich glaube Höwedes wird von Tedesco auch gesund nicht mehr eingesetzt…

  21. Flo Kno sagt:

    apropos Höwededs: Er ist schon wieder verletzt in Turin. Ich hoffe er kommt nochmal richtig in Tritt und hat nicht seine letzten heilen Sehnen in der Rückrunde dem 10. Platz geopfert.

  22. Grieche sagt:

    Nochmal zur Erinnerung ein paar Tedesco-Zitate zu Höwedes:
    „Wir waren der Meinung, dass er aus dem Grund, weil er verspätet ins Training kam, noch nicht den Fitness-Zustand hatte. Deswegen war Berlin kein Thema, deswegen war das erste Spiel kein Thema.“
    und: „Benedikt hätte auch bei uns eine tragende Rolle gespielt, weil er herausragende Qualitäten besitzt.“
    „Er hätte vielleicht die Geduld haben sollen.“

  23. Bluenotes sagt:

    Sehr richtige Analyse! Auch ich hatte nach 0 Punkten und 0-5 Toren das Gefühl, dass wir zum ersten Male seit fünf Jahren taktisch dazugelernt haben. Ruhe bewahren, da kann sich was entwickeln.

  24. Flo Kno sagt:

    Sowas liest man doch gern:
    https://www.transfermarkt.de/leverkusen-bot-tedesco-mehr-geld-als-schalke-ndash-auch-bosz-war-kandidat/view/news/289081

    Hoffen wir mal, dass Tedesco die Entscheidung auch nach dem Freitagabendspiel weiter nicht bereut :)

  25. BlueNote sagt:

    @Freitagabend: Westderby, Flutlicht, ein unbequemer Gegner, der auch noch nicht richtig in Form zu sein scheint, aber unberechenbar ist. Hoffentlich kann die Truppe liefern.
    OT: In der gesamten Hinrunde wird Schalke nur ein einziges Mal ein Heimspiel am Samstag um 15:30 Uhr ausrichten. (Gegen VW am 28.10.) Das hatte ich mir beileibe anders vorgestellt in dieser europafreien Saison. Die Zerfaserung der Spieltage macht wirklich keinen Spaß mehr. Eigentlich wollte ich mangels Sky-Abo diese Saison mal wieder häufiger ins Stadion. Freitagsabends durch den Berufs- und Wochenendverkehr ist keine Option, sonntags unternehme ich lieber andere Dinge. Tja…
    P.S.: Der Beitrag von „bluenotes“ ist übrigens nicht von mir.

  26. leoluca sagt:

    Christian Heidel zum explodierenden Transfermarkt, der Schalke vor Riesenprobleme stellt:

    „Ein Klaas-Jan Huntelaar kam 2010 (für rund 14 Mio. Euro Ablöse vom AC Mailand) zu Schalke. Heute würde er mindestens 50 Millionen Euro kosten und wäre für Schalke nicht im Ansatz darstellbar. – „Fakt ist auch: Transfers in Größenordnungen von 20, 30 Millionen Euro sind ohne Einnahmen aus Verkäufen sehr schwer zu realisieren. Als ich 2016 zu Schalke kam, waren mit Ausnahme der Verpflichtung von Breel Embolo Transfers im Grunde erst nach dem Verkauf von Leroy Sané möglich.“

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