Presse zu den Finanzen des FC Schalke 04
Jüngster Eintrag: 20.04.2010
Seit Jahren wird über die finanzielle Lage des FC Schalke 04 spekuliert. Im Frühjahr 2006 schrieben Zeitungen über eine drohende Insovenz. Damals halfen Privatdarlehen dem Club über Liquiditätsengpässe hinweg. In den beiden folgenden Spielzeiten war Schalke sportlich relativ erfolgreich und den Zeitungen schienen Artikel über das Geschehen auf dem Rasen zu genügen.
Nach Platz 8 in der Saison 08/09, nach Transferflops in Serie, nach 2 Trainerentlassungen und dem Rauswurf von Manager Müller, wurden wieder vermehrt Artikel zu den Finanzen des FC Schalke 04 veröffentlicht. Nun schreiben seit einiger Zeit nicht mehr nur Journalisten aus dem Ressort Sport über den Club. Jetzt gibt es vermehrt Texte von Journalisten zu lesen, die in der Regel über Wirtschaftsunternehmen schreiben und von denen manche für investigative Recherche ausgezeichnet wurden. Dies markiert einen neuen Abschnitt in der Berichterstattung zu den finanziellen Problemen des Clubs.
Fortan werde ich versuchen, die Neuigkeiten aus dem Wust des immer wiederholten Altbekannten herauszufiltern und auf dieser Seite chronologisch darzustellen. Möge diese Seite nicht allzu lang werden! Da aber doch davon auszugehen ist, dass es noch viele Zeitungsartikel zum Thema geben wird, und seien es auch nur welche die wiederkäuen, hoffe ich, mit dieser Darstellung für einen leichteren Blick aufs Dickicht sorgen zu können.
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Bislang aufgenommen:
30.09.2009: Financial Times Deutschland – Bergermann, Kintzinger
10.10.2009: Süddeutsche Zeitung – Leyendecker, Nitschmann
17.10.2009: Süddeutsche Zeitung – Leyendecker, Nitschmann, Ott
25.10.2009: Welt am Sonntag – Schraven
29.10.2009: Spiegel Online – Kramer
08.11.2009: Welt am Sonntag – Schraven
09.11.2009: WDR-Nachrichten
01.12.2009: Sport-Informations-Dienst
20.04.2010: DFL, schalke04.de
In der Financial Times Deutschland veröffentlichen Melanie Bergermann und Axel Kintzinger einen Artikel mit dem Titel „Drohende Zahlungsunfähigkeit – Schalke ist fast pleite“.
Mit Bezug auf vereinsnahen Kreise schreiben die Autoren, dass Peter Peters, Geschäftsführer und seit der Entmachtung von Vorstands- und Finanzchef Josef Schnusenberg Ende August auch für die Finanzen zuständig, mit dem neuen Aufgabengebiet nicht zurecht kommen würde. Laut Informationen der FTD hätte der Londoner Finanzmakler Stephen Schechter, über den millionenschwere Anleihen des FC Schalke 04 laufen, die Absetzung Peters gefordert. Er habe von Peters erfahren, dass drei von vier Sicherheitskonten, über welche die Kredite des Clubs bedient werden, kein Guthaben aufweisen würden. Insgesamt müssten auf diesen vier Konten stets 8 Millionen Euro als Sicherheit für die Gläubiger hinterlegt sein. Tatsächlich wäre aber nur das eine Konto, aus dem die Schechter-Anleihen bedient werden, entsprechend gefüllt. Schechter selbst habe immer pünktlich sein Geld erhalten. Es wird weiterhin ein „Krisengipfel“ mit Schechter, Peters und Schalke-Anwalt Theo Paeffgen erwähnt. Dieser sei von Paeffgen weder bestätigt, noch dementiert worden. Peters wird mit der Aussage „Es gab kein Treffen mit Vertretern von Schalke und Herrn Schechter“ zitiert. Als Alternative zu Peters wird von Bergermann und Kintzinger der Name Dr. Carl Albrecht Schade in den Ring geworfen. [<]
In der Süddeutschen Zeitung erscheint ein Artikel von Hans Leyendecker und Johannes Nitschmann mit dem Titel „Das geheimnisvolle Konto 0011771825 – Die finanziellen Probleme des Fußball-Bundesligisten Schalke 04 mit Anleihen und Liquiditätsengpässen“.
In einem Text ohne Konjunktive werden folgende Aussagen gemacht: Am 29. September gab es ein Treffen zwischen Clemens Tönnies, dessen Schwager, Peter Peters, Felix Magath, Anwalt Theo Paeffgen und Finanzmakler Stephen L. Schechter. Dabei stellten Paeffgen und Schechter ein Finanzmodell vor, bei dem „ziemlich fix längst verpfändete Rechte am Stadion von einem neuen Investor abgelöst werden“ sollten. Außerdem sollte dabei über einen Real Estate Investment Trust (REIT) Aktien einer „Veltins Arena REIT“ an der Börse platziert werden, wovon sich Paeffgen eine Eigenkapitalrendite von mindestens sechs Prozent versprach. Weiterhin sollten Peter Peters und Josef Schnusenberg fortan nicht mehr zeichnungsberechtigt sein. Paeffgen sollte Bevollmächtigter werden und gemeinsam mit Felix Magath „zur Vertretung Schalkes berechtigt“ sein. Am 2. Oktober wurde Theo Paeffgen vom FC Schalke 04 das Mandat gekündigt. Weitere Geschäfte zwischen Schechter und Schalke seien derzeit unwahrscheinlich. Ende August hätten auf 4 Sicherungskonten bei der WGZ-Bank in Düsseldorf 11,4 Millionen Euro sein müssen, das Guthaben betrug aber nur 3,8 Millionen Euro. Am 01. September war eine Rate fällig. Nach einem Hinweis der Bank „floss Geld“. Aus Kontoauszügen geht hervor, dass auf Anleihekonten Summen eingehen, die am selben Tag wieder abgehoben werden. Schechter meint, dies wäre ein Verstoß gegen die Anleihebedingungen. Laut einem Papier Paeffgens sei nicht klar, ob die „Spezialitäten der WGZ-Anleihe“ in den Unterlagen berücksichtigt worden seien, die zur Lizenzerteilung zur laufenden Saison an die DFL gingen. [<]
In der Süddeutschen Zeitung erscheint ein Artikel von Hans Leyendecker, Johannes Nitschmann und Klaus Ott mit dem Titel „Finanzkriese des FC Schalke 04 – “Wir liegen auf der Nase”“.
Darin wird erstmals erwähnt, dass der FC Schalke 04 in der laufenden Saison dem Nach-Lizensierungsverfahren der DFL unterzogen wird. Dabei sei Schalke einer von „rund 20 Vereinen der ersten und zweiten Liga“. Das Zitat aus der Artikel-Überschrift wird Aufsichtsratschef Clemens Tönnies zugeschrieben, der weiterhin mit der Aussage zitiert wird, der Verein stehe „vor einem harten Sarnierungsweg“. Es wird berichtet, Finanzmakler Stephen Schechter habe Schalke 04 wegen angeblicher Vertragsbrüche mit der Fälligstellung einer von ihm vermittelten Anleihe für Ende Oktober und Forderungen in Höhe von 102,8 Millionen Euro gedroht. Die Anleihe sei mit der „Prudential Trustee Company Limited“ gezeichnet und habe eine maximale Laufzeit bis zum 1. September 2025. Der Club würde bestreiten, dass es eine solche Fälligstellung geben könnte. Auf Anfrage der SZ, ob es am 2. Oktober eine Überweisung der Firma B.&C. Tönnies Holding GmbH von mehr als 4,5 Millionen Euro auf ein eigens eingerichtetes Schalke Konto bei der WWZ Bank Düsseldorf gegeben habe, hätte Peter Peters ein „krachendes Nein“ erklären lassen. Aus neuen, der SZ vorliegenden Dokumenten würde sich ergeben, dass es Überweisungen in den entsprechenden Höhen nicht am 2. sondern am 1. Oktober gegeben habe. Das Geld sei nicht direkt, sondern erst von der WGZ Bank Münster zur WGZ Bank Düsseldorf transferiert und dort der Prudential Trustee Company Limited gutgeschrieben worden. Von wem das Geld stamme ließe sich nicht beweisen. [<]
In der Welt am Sonntag veröffentlicht David Schraven einen Artikel mit dem Titel „Schalkes Schulden viel höher als bisher bekannt“.
Darin wird das Zitat eines „Insiders“ veröffentlicht, demzufolge das Konstrukt aus Tochterfirmen des FC Schalke 04 den Sinn hätte, Bargeld immer an die Stelle zu bringen, wo es gerade gebraucht wird. Dazu würden sich die verschiedenen Firmen über ein Verrechnungskonto „wie in einem Karussel“ Darlehn geben und wieder einfordern. Am Ende solle damit sichergestellt werden, dass der Verein stets ausreichende Mittel vorweisen könne, um die Lizenz problemlos zu erhalten. Weiter rechnet der Autor Schuldenbeträge zusammen, die den Tochterfirmen des FC Schalke 04 anzulasten sind. Demnach kämen zu den öffentlich diskutierten 137 Millionen Euro Schulden des Vereins noch mal „weit über 100 Millionen Euro“ Schulden dazu. Als Quelle nennt Schraven Dokumente, die „von Insidern weitergereicht wurden“.
Anmerkung: Bereits im November 2008 hatte David Schraven über Schulden von mehr als 250 Millionen Euro für Verein und Tochterfirmen geschrieben. Dabei wurde Schalke-Präsident Josef Schnusenberg als Quelle genannt. [<]
Bei Spiegel Online erscheint ein Artikel von Jörg Kramer mit dem Titel „Frisches Geld – 25,5 Millionen Euro für Schalke“.
Darin wird berichtet, dass das Gelsenkirchener Energieunternehmen „Gesellschaft für Energie und Wirtschaft (GEW)“ Kommanditanteile der Schalker Stadionbesitzgesellschaft im Volumen von bis zu 15 Millionen Euro kaufen wolle. Außerdem gäbe es eine Vereinbarung, nach welcher der Schalker Arena KG von GEW ein Darlehn von mindestens 10 Millionen Euro gewährt werden würde. Dies soll die Arena KG in die Lage versetzen, dem Verein Schalke 04 ein Darlehn von 10,5 Millionen Euro zurückzuzahlen, welches vor einigen Jahren zur Finanzierung des Stadions in umgekehrter Richtung gewährt wurde. Für die Kommanditanteile gäbe es eine Rückkaufoption. Bei anderen Verkaufsmodellen, hier wird Finanzmakler Stephen Schechter namentlich erwähnt, wäre es für Schalke schwieriger geworden, die Anteile zurückzubekommen. Die GEW ist eine hundertprozentige Tochter der Stadt Gelsenkirchen.
Anmerkung: Die Vereinbarung über die beschriebenen Geschäfte zwischen GEW und Schalke 04 wurde im Laufe des Tages vom Verein bestätigt. [<]
In der Welt am Sonntag veröffentlicht David Schraven einen Artikel mit dem Titel „Trotz GEW-Deal – Schalkes Lage weiter sehr ernst“.
Darin wird berichtet, dass die Investoren der sogenannten „Schechter-Anleihe“ das Recht hätten, das Geschäft zwischen Schalke und der städtischen Gesellschaft für Energie und Wirtschaft (GEW) zu blockieren. Die Arena gehöre als Teil des in der Konzernbilanz ausgewiesenen Vermögens der Schalke-Gruppe zu den Sicherheiten für die Anleihe. Der Verein hätte sich seinerzeit dazu verpflichtet die Arena nur zu verkaufen, wenn die Investoren ihre Zustimmung gäben. Laut Vertrag dürften die Investoren auf eine Teilrückzahlung der Anleihe bestehen, solange der Erlös aus einem Arena-Verkauf nicht in „neue Steine“ investiert werden würde. Als ein Investor wird der US-Lehrerverband TIAFF-CREF genannt. Weiter wird berichtet, dass die Schalker Tochterfirmen Ende 2008 eine bilanzielle Überschuldung von 55,9 Millionen Euro aufgewiesen hätten. Als Quelle wird die Konzernbilanz genannt, die bislang geheim gewesen wäre, nun aber der Zeitung vorläge. Bei einem Umsatz von 162,1 Millionen Euro hätten Personalkosten von 73,7 Millionen Euro zu Buche gestanden. Nun kämen noch die Kosten für das aktuelle Trainerteam dazu. Die Schulden lägen bei 235,1 Millionen Euro. Weiter wird in dem Text darauf hingewiesen, dass, sollte die GEW als Mehrheitseigner die Kontrolle der Arena übernehmen, 100 Millionen Euro Schulden aus der Konzernbilanz auf die städtischen Tochtergesellschaft übergehen könnten.
Anmerkung: Einen Beitrag mit gleichem Inhalt hat David Schraven im Blog Ruhrbarone veröffentlicht. In den zugehörigen Kommentaren antwortet er auf Fragen und Vorwürfe. In einem Beitrag bei derwesten.de bestätigte Schalkes Geschäftsführer Peter Peters indirekt die Vertragsklausel, nach der die Investoren der „Schechter-Anleihe“ den Verkauf von Stadion-Anteilen verhindern könnten. [<]
Der WDR vermeldet in seinen Radio-Nachrichtensendungen eine Meldung, die kurz darauf bei wdr.de unter dem Title „Strafermittlung gegen Schalke-Führung“ erscheint.
Darin heißt es, dass die Staatsanwaltschaft Essen seit Ende Oktober gegen Schalkes Vereins-Präsidenten Josef Schnusenberg und gegen Finanzvorstand Peter Peters ermittelt, wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung. Die Ermittlungen wurden auf Grund einer Strafanzeige einer Privatperson eingeleitet. [<]
Über den Sport-Informations-Dienst (sid) wird vermeldet, das die Staatsanwaltschaft Essen keine Ermittlungen gegen Josef Schnusenberg und Peter Peters einleitet. Es gäbe keinen ausreichenden Anfangsverdacht. [<]
Die DFL veröffentlicht eine Pressemitteilung, nach der keinem Bewerber um eine Lizenz für die Saison 2010/11 die Spielberechtigung verwehrt würde. Einzelnen Clubs hätten jedoch Bedingungen zu erfüllen.
Kurze Zeit später veröffentlicht der FC Schalke 04 auf seiner Homepage schalke04.de die Nachricht, dass der Verein der DFL regelmäßige Meldungen über die Entwicklung des Geschäftsjahres erteilen müsse. Die Lizenz sei aber bedingungslos erteilt worden. [<]





