Handwerk gegen Uhrwerk

10. Dezember 2009, kurtspaeter

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Letzte Woche Sonntag, nach dem denkwürdigen Spiel (war das Fußball?) zwischen Schalke 04 und Hertha BSC Berlin, erreichte mich eine SMS: „Du hast doch eine gewisse Affinität zur Green Machine. Willst Du nicht einen Vorbericht schreiben?“. Da sagt man natürlich nicht nein.
Gerade wo ich den Hausherrn erst vor drei Wochen aus dem Badenova-Stadion mit meiner überschäumenden Begeisterung über das Offensivspektakel der Werderaner genervt hatte. Während der alte und der junge Herr Wieland unpräzises geboten bekamen. Und während ich so schreibe, entwickelt sich fast eine Ode an die Elf von der Weser, ist es eine Lobeshymne auf den Verein geworden. Etwas untypisch für einen Schalke-Blog und -Fan, aber in meinen Augen völlig verdient.

Die Bremer sind offensivstark, es entsteht Ballzirkulation auf erhöhtem technischen Niveau, man hat spielintelligente Akteure auf nahezu jeder Position, man ist immer versucht das Spiel zu beherrschen und den Ball vom eigenen Tor wegzuhalten. Das ist keine Mannschaft, die bedingungslos über den Kampf kommen muss oder die Pille einfach wegholzt. Sondern Bremen versteht es, den Gegner auszuspielen. In der Bundesliga an den richtig guten Tagen sogar jeden Gegner.

Werder Bremen ist ein Verein, der es schafft, seine Mannschaft über all die Jahre auf hohem (Bundesliga-) Niveau umzubauen und zu entwickeln. Dabei gibt es zwar immer wieder Rückschläge (Carlos Alberto, Marco Reich, diverse Links- und Rechtsverteidiger wie Jelle van Damme oder Marko Tosic), aber im Kern bleibt ein auch glückliches, aber vor allem intelligentes Händchen bei Spielerverpflichtungen, die den Stil des SV Werder Bremen am Leben erhalten können. Man denkt an einen reaktionsstarken Torhüter wie Rost, an Spieleröffnungen von Ismael oder Krstajic, an die technisch guten Dampfmacher wie Ernst oder Frings, an großartige Spielmacher wie Micoud oder Diego, an erfolgreiche Torjäger wie Ailton oder Klasnic.
Dann schaut man sich die Elf von heute an und entdeckt den reaktionsstarken Torhüter Wiese, die spielenden Innenverteidiger Mertesacker und Naldo, man sieht Frings so langsam wieder in Form kommen, mit dem jungen Bargfrede an seiner Seite, man sieht den herausragenden Spielmacher Özil (mein Herz blutet) und schließlich den erfolgreichen Torjäger Pizarro. Das ist eine Achse, nach der erfolgreiche Mannschaften gebaut werden. Torwart, Innenverteidigung, zentrales Mittelfeld, Torjäger.

In einem Verein, der seit Jahren für Ruhe, Vernunft und Übersicht steht, der schon immer als sparsam gilt und der sich immer als sehr sympathisch darstellt. Durch Unaufgeregtheit, durch Sachlichkeit, durch Bescheidenheit und mit wenig Futter für den Boulevard. Mit einer beispiellosen Kontinuität bei den handelnden Personen. Das Duo Lemke / Rehhagel in den 80er und frühen 90er Jahren wurde nach einer kleinen Durststrecke ersetzt durch das Duo Allofs / Schaaf. Nicht ganz zufällig zwei ehemalige Spieler, die die erfolgreiche Zeit von Lemke und Rehhagel aktiv miterlebten. Und im Hintergrund mit Klaus-Dieter Fischer und Manfred Müller zwei Vorstandsmitglieder, die beide Ären miterlebten und prägten.

Und trotzdem fährt Schalke 04 nicht chancenlos über die A1 Richtung Norden. Denn die Schalker verfügen in dieser Spielzeit über Beisserqualitäten. Man erinnere sich beispielsweise an das Spiel Hoffenheim – Schalke, Anfang der Saison. Als Pliatsikas eine Halbzeit lang hinter Carlos Eduardo herstapfte, bis dieser überhaupt keine Lust mehr auf Fußball hatte. So wird es Mesut Özil ergehen. Oder Aaron Hunt. Oder Marko Marin. Diese quirligen, spielfreudigen Leute werden auf die Socken bekommen, werden Schwierigkeiten bekommen, ihr Kombinationsspiel aufzuziehen. Weil immer ein Schalker Jungspund da sein wird und sie bekämpft. Wenn Schalke 04 in dieser Saison eines gelernt hat, dann zu wissen, wo die Qualität des eigenen Spiels liegt und danach zu handeln. Felix Magath wird seinen Spielern einimpfen: Geben wir Bremen Platz zum kombinieren, so wie es der SC Freiburg tat, dann gehen wir im Weserstadion unter. Und da sich Magath mit seinen ganzen jungen Emporkömmlingen ein Reich schafft, das ihm, dem Entdecker und Förderer, an den Lippen hängt, folgen sie ohne mit der Wimper zu zucken.


kurtspaeter schrieb früher im eigenen Blog über den FC Schalke 04. Seit er sein Blog zumachte gibt er hier in unregelmäßigen Abständen seine Meinungen und Gedanken zum Besten.


Foto: Michael Pries

Kein Handschlag oder kein Handschlag

7. April 2009, kurtspaeter

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Infokasten kurtspaeterEs gibt Spieler und Trainer, die sind interessant genug, um eine Geschichte zu stricken. Und es gibt Spieler und Trainer, die sind nicht interessant genug, um eine Geschichte zu stricken. Sowohl als Einzelpersonen als auch in ihrer Beziehung zueinander. Teilweise sind sie sogar Einzeln interessant, ihre Beziehung aber nicht spannend genug. So funktionieren eben die Medien.

Die Geschichte dazu: Am 5.März 2008 besiegte Schalke 04 Manuel Neuer im CL-Achtelfinale den FC Porto. Welcher Schalker erinnert sich nicht begeistert an diesen, für jeden Torhüter der Welt wohl einmaligen Abend. Die Schlagzeilen bestimmten die Tage danach aber zwei andere. Mirko Slomka und Kevin Kuranyi. Von Affront war die Rede, als charakterlos wurde Kuranyi bezeichnet. Tagelang kam der Blätterwald nicht zur Ruhe. Ein weiterer Tropfen auf den eh schon stark gehöhlten Stein in der Slomka-Demontage und eine weitere Möglichkeit, Kevin Kuranyi so dumm und unerzogen wie es geht dastehen zu lassen.

Am 3. April 2009 besiegt Schalke 04 am 26.Spieltag der Bundesliga Arminia Bielefeld. Die Krise ist vorerst gestoppt. Mit neuem Trainerteam, einem echten und damit unantastbaren Schalkerlegendentrupp. Einem Eurofighterduo und dem Torhüter, der vom Pannen-Olli zum Herzchenmeister wurde. Und denen pinkelt man mitnichten so schnell an die Karre. Von wegen Autoritätsverlust oder so. Außerdem geht es um den letzten verbliebenen Uru im Kader. Sanchez heißt der und in Deutschland kennt den außer auf Schalke wahrscheinlich keine Sau. Also kein Grund, dass gleiche „Vergehen“ auch nur annähernd so verurteilend, so aufrührerisch und so niederträchtig anzusehen wie ein Jahr zuvor. Und schon gar nicht so laut.
Die Welt bringt es auf den Punkt:

… im letzten Moment hat der kochende Schalker Sanchez bei seiner Auswechslung in Bielefeld nur den Handschlag verweigert, statt seinen drei Trainern eine zu kleben – was aber auch wieder irgendwie passte: An diesem Spieltag war nichts mehr normal, nicht einmal das Chaos auf Schalke.

Sanchez hat NUR NUR NUR NUR NUR den Handschlag verweigert. Der Flaschenwurf (ja,auch das hat er gemacht) wird gleich weggelassen.

Bevor jemand glaubt, dass ich jetzt fordern würde den Skandal herbeizuschreiben sei gesagt, mich interessiert es nicht die Bohne, ob Sanchez seine Eier krault, Büskens, Mulder, Reck, dem vierten Offiziellen oder dem Stadionsprecher die Hand gibt oder nicht. Mir persönlich hat die Geschichte nur wieder klargemacht, dass Geschichten zwar ausgelöst werden können, die Größe der Geschichte aber gesteuert wird.

kurtspaeter auf großer Fahrt: Über Gelsenkirchen nach Sinsheim und zurück

9. März 2009, kurtspaeter

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Infokasten kurtspaeterEndlich mal wieder ein reines Fußballwochenende. 2 Ligaspiele, das geliebte Schalke mit in der Verlosung, dazu ein neues Stadion mit der Rhein-Neckar/Dietmar-Hopp/Dorf-Arena am Concorde-Museum in Sinsheim.
Der Reihe nach.
Freitag Mittag Abfahrt im hohen Norden. Der schwarze Twingo und sein Fahrer haben die Option auf langsames Fahren und Zeit lassen. Schließlich sind noch 7 1/2 Stunden bis zum Anpfiff. Wie sich herausstellt, werde ich die Zeit fast komplett benötigen. Stau vorm Elbtunnel, der mich fast eine Stunde kostet, nun gut, damit muss man an einem Freitag Nachmittag immer rechnen. Aber wer ist in Niedersachsen Verkehrsminister oder für die Planung von Autobahnbaustellen zuständig? Mangels Kenntnis schimpfe ich von Hamburg bis nach Bremen einfach auf Christian Wulf. Die A1 ist quasi eine komplette Baustelle. Über knapp 80 Kilometer wird fast jede Brücke erneuert und man darf sich somit mit maximal 60-80 km/h eng an eng Richtung Bremen quälen. Eine dergestaltige Fehlplanung, die Auto fahren zum Übel verkommen lässt. Hinter Osnabrück rappeln noch vier Autos ineinander, so daß ich auch hier unplanmäßigen Aufenthalt habe.
Irgendwann, so gegen 19 Uhr, bin ich dann an der Arena und stehe kurz darauf in der Nordkurve.

Über das Spiel an sich ist genug geschrieben worden, Schalke kann einfach im Moment nicht besser. Die Stimmung wurde ebenfalls angesprochen, ich bin da aber zwiegespalten.
Sicher waren die Anfeuerungsrufe spärlich gesät, sicherlich wurde gepfiffen, eine Tatsache, über die man zwei Meinungen haben kann. Aber das die Ultras ihren unerträglichen und nicht synchron zu den Rasengeschehnissen vorgetragenen Sing-Sang nicht über 90 Minuten abgehalten haben, das empfinde ich als durchweg positiv. Von mir aus könnte das immer so sein. Aber das ist eine andere Diskussion.
Und wenn man sich das Gewürge (Freitag war die zweite Halbzeit unsäglich, die erste zugegeben ganz okay) auf dem Rasen betrachtet, dann muss man sich fragen, hätte man an einem „normalen“ Tag dieses Spiel mit Begeisterung verfolgt, hätte man die Mannschaft nach vorne gepeitscht oder wäre nicht passiert, was auf Schalke (leider) häufiger passiert? Die Zuschauer wären unruhig und ungehalten geworden und hätten irgendwann nach dem 43. Fehlpass angefangen zu pfeifen. Und man kann nun nicht wirklich sagen, dass das Signal, welches man mit der Auswechselung Rakitic’ und der Hereinnahme eines (potenziell) vierten Innenverteidigers sendete, zu positiven Gedanken Anlass gibt.

Die Übernachtung in Siegen wird gegen 7 Uhr durch den Wecker beendet.
Wir fahren nach Sinsheim, ein neues Stadion, reicher Mäzen, da muss man sich standesgemäß kleiden, ergo Hemd und Krawatte raus und das Sakko übergeworfen. Der Kleinbulli kommt um 8:25, drin der Mann aus Cape Town und die beiden Organisatoren der Fahrt von den „Geräucherten Makrelen“. Nachdem sich der Spott über mein Outfit gelegt hat, den einen erst mal ein bisschen angemacht, schließlich ist die alljährliche Fahrt normalerweise zum Werder-Auswärtsspiel in München. Das fiel in dieser Saison auch noch auf den Beginn der Oktoberfests, aber der gute Mann musste ja unbedingt an dem Tag heiraten. Welch eine Fehlplanung. Sei’s drum, der Rest der Truppe (diesmal international, ist doch neben dem Herrn aus Cape Town noch ein Herr aus Pittsburgh – Green Bay Packers-Fan und von Fußball überhaupt keine Ahnung – angereist) wird eingesammelt. Am Ende sind wir 4 Bremer, 1 Gladbacher, 1 Schalker, 1 Unbekannter und 2 Desinteressierte. Geht ja auch hauptsächlich um das gemeinsame Erlebnis der Fahrt. Das die Lüdenscheider in Stuttgart spielen war mir vorher nicht bewusst (wen interessiert auch deren Spielplan), hat aber zur Folge, das man sich mehr als lieb mit der Fangruppe auseinandersetzen muss, schließlich haben wir denselben Weg. Über die A45, die A5 und die A656 sowie diverse Autobahnraststätten erreichen wir Heidelberg. Hier wird der Bulli in einer Tiefgarage zwischengeparkt. Wir treffen uns mit einem Ortskundigen, der mir bereits Samstag von den Kontoauszügen und der eventuellen Bestechung durch den THW Kiel/Uwe Schwenker/Noka Serdarusic erzählt. Was ein Blödsinn meinen wir beide noch, da hat man schon die beste Handballmannschaft der Welt und besticht Schiedsrichter? Kaum vorstellbar, aber offenbar ist mehr dran und das Beispiel Juventus Turin zeigt, das auch die Großen nicht frei von Dummheiten/Verbechen sind.

In Heidelberg ist man auf Fußballfans, und sehen sie noch so seriös aus, offenbar nicht eingerichtet, denn die erste Gaststätte verweigert die Aufnahme, so dass wir schließlich in einer Pizzeria in der Altstadt das Mittagessen einnehmen. Vom Bahnhof Heidelberg-Altstadt fahren wir schließlich Richtung Sinsheim. Das ist Wallachei hier. Kleine Kuhkäffer, eine ganz süße Landschaft, hier soll Profifußball stattfinden? Vom Bahnhof Sinsheim (ich dachte noch, der ist aber klein, dazu später mehr) gehen wir durch ein Industriegebiet (das ist landschaftlich und architektonisch wenig reizvoll), vorbei am Concorde-Museum durch eine Unterführung. Rechts oben türmt sich ein kleines, schmuckes Stadion auf, umgeben von Äckern. Der Einlass geht zügig, kurz wird mir nahegelegt, meinen seriösen und eben in einem Anfall geistiger Umnachtung erstandenen „Das ganze Dorf ist da“-Schal ins Sakko zu stecken, schließlich sitze ich in der Bremen-Kurve. Der Mann aus Südafrikas muss sein Brötchen vor dem Stadion vertilgen, Wurfgeschoss. Kurz die Gastronomie abgecheckt, Bitburger alkoholfrei ist das einzige Getränk mit Schaumkrone, ich kann mich also ganz auf’s Spiel konzentrieren und muss hier nicht häufiger anstehen. Wird aber auch Zeit, es ist inzwischen 15:23 Uhr und ich gehe Richtung meines Sitzplatzes. Eingang Nordost, Block G1, Platz 7. Der Stadionsprecher leitet währenddessen über zur Begrüßung zum Spiel 1899 Hoffenheim – TSV Bayer Leverkusen. Hat der wirklich so gesagt und erst in der Pause ist ihm aufgefallen, was er da für einen Müll von sich gab. Die Plätze sind sonnenüberflutet, das Stadion auch von innen schick, man sitzt nah dran, einzig der Gitterzaun als Blockabgrenzung stört. Der ist wirklich ein großes Ärgernis. Sitzt man am Zaun, sieht man das Tor und die rechte Eckfahne nicht. Minuspunkt. Das Spiel ist ganz nett anzuschauen aber nicht der erwartet bzw. erhoffte große Knaller wie das Hinspiel. Soll von mir auch alles dazu gewesen sein.

Nach dem Spiel der nächste dicke Minuspunkt. So idyllisch das Stadion neben den Äckern liegt, so ätzend ist die Tatsache, das sich nun 20.000 Menschen auf dem vermeintlich einzigen Weg zum Bahnhof schlängeln. Das dauert. Und als wir uns schon Gedanken machten, wie wir jemals auf den Bahnsteig kommen sollen, erzählt uns ein Mensch aus der Gegend, das man hier sowieso nur mit dem Zug Richtung Heilbronn fahren kann. Richtung Heidelberg ist noch mal 20 Minuten in die andere Richtung laufen. Zum größeren Bahnhof Sinsheim. Hätte man ruhig mal ausschildern können. Für die, die nicht so oft in dieser Gegend sind. Die Rückfahrt verläuft ohne größere Vorkommnisse, die Borussen an den Burger King’s dieser Welt haben schlechtere Launen als auf der Hinfahrt, einer vergisst seinen Schal, ich bin so freundlich und stoppe den Bus, gebe mich als freundlicher Schalker zu erkennen, aber die wollen das Ding nicht haben. Dann eben nicht, was macht man also mit einem falschfarbigen Schal, den nun wirklich keiner braucht und keiner will? Genau …
Mitternacht sind wir wieder in Siegen, am nächsten Morgen geht’s wieder in den Norden, ich rege mich erneut über Herrn Wulf oder seinen Verkehrsminister auf und schaue mir zum Abschluss des Wochenendes noch die Partie UT Kiel – TSV Russee (3:4) an. Endlich ein paar Tore, nur zuviel für den falschen Klub.

Rot ist nicht immer gleich Rot

25. Januar 2009, kurtspaeter

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Infokasten kurtspaeterWenn sich zwei Bundesligaspieler gegenseitig einen auf die Mütze geben, dann kann man nicht von „schön“ oder „weiter so“ oder „gut gemacht“ sprechen, wenn sich zwei Profis während eines Ligaspiels gegenseitig verdreschen, dann werden sie gesperrt. Aber kann man zwei Bundesligaspieler, die sich bei einem Testspiel irgendwo in den Weiten der spanischen Provinz Murcia einen vor den Kopp knallen, für zwei Bundesligaspiele sperren? Offensichtlich.

Wir reden hier über ein Testspiel, ein Testspiel in Spanien, ein Testspiel, in dem insgesamt 40 Spieler eingesetzt wurden, ein Testspiel, geleitet von einem spanischen Zweitligareferee auf einem Trainingsplatz.
Woher nimmt man das Recht, daraufhin Spieler für zwei Pflichtspiele zu sperren? Und dabei noch inkonsequent zu sein. Warum sperrt man Ivica Olic für die Bundesliga und nicht für das anstehende DFB-Pokalspiel gegen 1860 München am Dienstag?
Selbst wenn es das DFB-Recht geben sollte, bei schweren Vergehen einzuschreiten, was gilt dann als schweres Vergehen? Eine Schlägerei? Eine Tätlichkeit? Anspucken? Beleidigung des Schiedsrichters? Des Gegenspielers? Ein Beinbruch des Gegners nach umhauen von hinten? Offensichtlich ist ein „Fuck you“ oder was auch immer der Herr Frings irgendwo an der türkischen Riviera von sich gab, nicht schlimm genug.

Es kann doch nicht sein, das Recht ausgelegt wird, wie es kicker-Redakteur Michael Ebert in seinem Kommentar vom 19. Januar angibt:

Die Kirmesprügelei von Carlos Eduardo und Ivica Olic im Testspiel Hoffenheim gegen Hamburg wird wohl eine Bundesligasperre nach sich ziehen. Der Bremer Torsten Frings wird indes wegen einer Schiedsrichterbeleidigung in der Partie gegen Galatasaray Istanbul ohne eine wettbewerbsübergreifende Strafe davonkommen. Ungerecht? Nein, konsequent.
Auch wenn der Schiedsrichter angibt, von Frings mit „Fuck you“ tituliert worden zu sein (was der Spieler bestreitet), ist eine solche Verbalattacke sicher unrühmlich, aber keine besonders gravierende Verfehlung, die eine Bundesligasperre nach sich ziehen sollte. Anders die Keilerei zwischen Carlos Eduardo und Olic …

(Am Rande, die Meldung der roten Karte beginnt der Kicker mit den Worten: „Die Motivation stimmte beim Testspiel offenbar“ …)

Meines Erachtens ist dieses Vorgehen eine einzige Farce. Ich kann einsehen, dass Sperren unterschiedliches Strafmaß besitzen. Ich kann aber nicht einsehen, dass Sperren mal für den, mal für den Bereich ausgesprochen werden. Entweder sperrt man alle Rotsünder nur für Freundschaftsspiele oder alle auch oder nur für Pflichtspiele. Und dann für alle Pflichtspiele.

(Am Rande, Torsten Frings, das ist der, der gerade für drei Freundschaftsspiele gesperrt wurde, trat nach seiner roten Karte sowohl im Testspiel gegen Besiktas Istanbul, als auch gegen Lech Posen für Werder Bremen an. Rote Karten als Farce …)

Die DFL und ihr Premium-Produkt

14. Januar 2009, kurtspaeter

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Infokasten kurtspaeter2009 ist Wahljahr. Bundestagswahl. Am 27.09.2009 wird zur Urne gebeten. Bis dahin wird Anne Will in ihrer Profilierungsshow für Egomanen den ein oder anderen Ballon voll heißer Luft (wahrscheinlich werden es Millionen sein) aufsteigen lassen. Und das zur besten Sendezeit um 21:45 Uhr am Sonntagabend.

Nach dem 27.09.2009 wird Anne Will, wie das heutzutage so üblich ist, wochenlang leere Worthülsen der vielen, vielen Wahlsieger an den Verbraucher weiterleiten. Um sich ab Herbst mit anderen wichtigen Themen der Politik und Wirtschaft zu beschäftigen. Sowie mit weiteren Egomanen, die im Bundestagswahlkampf ausnahmsweise keine Rolle spielten, aber Bildschirmpräsenz einfordern.
Man kann sich streiten, ob die Sendungen „Anne Will“, früher „Sabine Christiansen“ oder unter der Woche „Frank Plasberg“ „Hart aber fair“ das intellektuelle Niveau von „Hans Meiser“ oder „Oliver Geissen“ überschreiten, unstrittig sollte aber die Tendenz sein.
Die ARD bucht seit Jahren den Sendeplatz nach „Polizeiruf“ oder „Tatort“ mit einem Polittalk.
Weil der Bundesbürger das Recht haben sollte, bei den Öffentlich-Rechtlichen über seine „Leitung“ informiert zu werden, während Sendungen wie Erich Böhmes „Talk im Turm“ für Privatfernsehzuschauer schon lange als inhaltlich zu wertvoll eingestuft wurde.

Ende 2008 kommt eine Organisation namens DFL vorbei und vergibt die frei-empfangbaren Bundesligarechte, dieses Premium-Produkt, für den Sonntagabend an die ARD.
Diese wiederum behauptet seit Jahren mit riesigem Getöse, dass die Bundesliga am Samstag und das Premium-Produkt „Bundesliga-Fußball“ zum Allgemeingut des Deutschen gehört und das man dieses Premium-Produkt keinesfalls in der Versenkung des Pay-TV verschwinden lassen darf. Also denkt sich die DFL, da haben wir einen zuverlässigen Partner gefunden, der Sonntags sogar ohne die lästigen Werbeunterbrechungen des „Super-Mega-Sonntags“ im Titten-raus-Kanal DSF sendet, die nehmen wir für unser Premium-Produkt.

Aber die ARD ist nicht doof, Bundestagswahl ist (zu Recht) höheres Gut als die popelige Premium-Bundesliga und sofort will der Öffentlich-Rechtliche-Mogul die Bundesliga am Sonntag in der Versenkung der Tagesthemen-Kurzberichterstattung gegen 23:00 Uhr verschwinden lassen.
Alternativ dürfen auch die dritten Programme zugreifen.
Man sollte aber nicht vergessen, in Sachsen/Thüringen/Brandenburg (RBB/MDR) ist 2009, in Schleswig-Holstein (NDR) und Nordrhein-Westfalen (WDR) 2010 Landtagswahl.
Ob da die Dritten das Premium-Produkt senden wollen?

Ich nenne sowas DFL-Eigentor. Die ARD hat schon ganz andere Sportrechte komplett in der Versenkung verschwinden lassen, weil andere „Inhalte“ wichtiger waren. Wenn bis zum Beginn der neuen Saison nichts gravierendes passiert, könnte der Verbraucher, mal wieder, der Gelackmeierte sein. Neben dem Freitag- und dem Samstagabend-Spiel, würden mit den zwei Sonntagsspielen insgesamt vier Begegnungen in der Anonymität der, maximal, Nachrichten verschwinden. Genau das also, was die DFL von ihrem Premium-Produkt nicht erwartet hatte. Hochmut kommt eben vor dem Fall …

P.S.: Ganz davon abgesehen, dass der wahre Verlierer die Verbraucher sind, also wir. Aber das zählt schon lange nicht mehr.

Vorbildhaft für Schalke?

5. Dezember 2008, kurtspaeter

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Infokasten kurtspaeterLassen wir all die Probleme hinter uns, betrachten wir auch nicht, dass schalketypisch der Manager entlassen ist, bevor er entlassen ist und die große deutsche Boulevardzeitung einen Namen nach dem anderen in den Ring wirft. Gestern Assauer, heute Allofs und Bierhoff, morgen womöglich Dieter Hoeneß. Denn der hört wohl bald auf beim nächsten Schalke Gegner, der Berliner Hertha.

Wenn ich über die Hertha nachdenke, dann denke ich an Überraschung. Vielleicht auch ein bisschen an Wundertüte. Denn ich muss mich revidieren, die Entwicklung der Hertha in dieser Saison, beginnend mit einem radikalen Umbruch vor anderthalb Jahren, diese Entwicklung hätte ich dem Verein nicht zugetraut. Zuerst wurde ein Trainer verpflichtet, dem der Ruf vorauseilte, er könne eine Mannschaft aufbauen. Langfristig.

Nur wieviel Zeit benötigt er und wieviel ist man bereit zu geben?
Zunächst hat er die Mannschaft fast komplett umgekrempelt und sich Spieler verpflichten lassen, die seinen Vorstellungen entsprachen. Teilweise in Deutschland völlig unbekannte, junge Spieler wie Rafael, Lustenberger, Cicero, von Bergen oder Kacar. Als Sahnepunkte erfahrene Leute wie Voronin oder Drobny. Dazu Stein aus Rostock oder Nicu aus Wehen, also nicht auf dem großen Radar großer Vereine erprobt. Von der wirklichen Stammelf voriger Jahre ist nur Friedrich unumstritten geblieben, Simunic hat sich nach Schwierigkeiten gefangen und Pantelic ist immer auf dem Absprung und ich bin mir sicher, spätestens in der Sommerpause wird er den Verein verlassen. Und von der ehemaligen Schwemme an Hertha-Jugendspielern (ich denke vorallem an die Boatengs oder Dejagah) ist nur der Kieler Patrick Ebert und Sofian Chahed übriggeblieben.

Und plötzlich steht die Hertha auf Platz 3, fast am Ende der Hinrunde. Zwar ist ihr Fußball nicht unbedingt der ansehnlichste der Liga, aber der Erfolg stellt sich bereits ein. Mit defensivem, vor allem aber mit organisiertem Fußball, mit Spielern, die bereit sind ihm zu folgen und (Ausnahme Pantelic und anfangs Simunic) die sich in den Dienst der Sache stellen. Die Schwächen in der Offensive in der noch zuviel an Pantelic hängt, wird der Trainer, der alles ißt, mit Sicherheit auch noch ausmerzen. Wenn man ihm die Zeit gibt, wovon nach dieser Hinrunde mehr denn je auszugehen ist und die er immer eingefordert hat.

Um den Bogen zu Schalke herzustellen, so schwer es fällt, dieser Weg der Neuentwicklung mit einem klaren System ist der Weg, den auch Schalke gehen sollte. Trotz aller Widrigkeiten, die Favre und der Verein in der letzten und am Anfang dieser Saison zu überstehen hatten, arbeitet man immer noch am Konzept, dass der Trainer im Juni 2007 mitbrachte und wegen dem man ihn verpflichtete. Das allein ist vorbildhaft für das Schalke im Dezember 08.

Die Bankrotterklärung des FC Schalke 04 und was daraus gemacht werden muss

28. November 2008, kurtspaeter

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Infokasten kurtspaeterEine Beschreibung des gestrigen Abends abgeben?
Gegen 20:50 Uhr habe ich mit einem Fan und regelmäßigen Besucher der Spiele des SV Werder Bremen geredet. Bzw. wir haben beide geredet und uns gegenseitig nicht zugehört.
Gesprochen über die Probleme, die zwei der drei dominierenden Mannschaften der letzten 10 Jahre mit sich rumschleppen. Schlussendlich, dass habe ich noch mitbekommen von seiner Aussage, wir sind uns einig, es muss ein Umbruch erfolgen. Spätestens, allerspätestens die 90 Minuten zuvor, haben diese Tatsache unausweichlich gemacht. Wahrscheinlicher sogar die gesamten letzten anderthalb Jahre. Eine Kurve in Richtung null, die bereits Mirko Slomka zum Verhängnis wurde, obwohl er die meisten Spieler wenigstens gewann, und deren Verlauf immer weiter nach unten zeigt, hat gestern ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Biederer, langweiliger, uninspirierter, langsamer und schlechter kann Schalke fast nicht mehr werden.

Bei Schalke sieht der Bestand und die Folge daraus in etwa so aus:
Bis zur Winterpause wurden noch 7 Punkte gefordert, wenn es schlecht läuft, und wer glaubt an etwas anderes, dann holt man noch 0-3 Punkte. Stuttgart nach dem Trainerwechsel, die erstaunlich auswärtsstarke Hertha und Hoffenheim dürften in der Verfassung im November 2008 fast unüberwindbare Hürden sein.
Dann wird auch dem letzten Schalker klar sein, dass ein Jahr ohne Europapokal folgen wird.
Und bereits in der Winterpause sollte man beginnen, die Mannschaft für die nächsten Jahre zu planen. Nicht für 2009, sondern perspektivisch für Jahre verjüngen, die Truppe billiger machen, den Kader ausdünnen. Dieses wiederum bedeutet zunächst sich Gedanken über die Philosophie des Vereins zu machen.
Der Trainer heißt Fred Rutten, er steht offensichtlich für ein 4-3-3 System mit dem Grundsatz, das die Defensive wichtiger ist als alles andere. Ist ja völlig in Ordnung, nur sollte man dann überlegen, welche Spieler passen in dieses System. Und dann die passenden Akteure dazu verpflichten. Will man ein 4-4-2, dann muss man dementsprechend auf dieses System orientiert handeln. Ist doch eigentlich nicht besonders schwierig.

Fakt ist momentan, von 3-4 offensiven Akteuren pro Spiel kann man nicht noch zwei auf der falschen Position einsetzen. Damit meine ich die unzureichende Fähigkeit der Außenstürmer (Halil, Farfan, teilweise spielte sogar Rakitic dort), die definitiv keine sind. Also muss man Außenstürmer verpflichten. Spieler, die fähig sind, sich im eine gegen eins durchzusetzen und Flanken von der Grundlinie bringen können. Marko Marin wäre so jemand. Von einem zentralen Mittelstürmer, der auch am Spiel teilnehmen kann ganz zu schweigen.
Dann hat Schalke seit dem Moment, als Lincoln nach Istanbul wechselte (was ich überhaupt nicht kritisiere) keinen Spieler mehr, der über den überraschenden Moment kommt, der mit einer Einzelaktion ein Spiel entscheiden kann oder zumindest seine Kollegen in torgefährliche Situationen bringt. Özil ist nicht mehr da, ob Kenia die Fähigkeit hat weiß ich nicht, Rakitic hat sie nicht, also schlage ich jemanden wie Baumjohann vor, der nicht teuer sein dürfte und genau diese Fähigkeiten bewiesen hat. Da fällt mir ein, wo war Schalke bei Hajnal oder Misimovic?
Desweiteren muss die Innenverteidigung für die nächsten Jahre präpariert werden. Dafür hat man die entscheidenden Spieler bereits in eigenen Reihen, nur muss man ab Januar auch auf Höwedes/Westermann setzen, sonst könnte erstgenannter den Verein verlassen. Schade, das jemand wie Tim Hoogland nicht mehr da ist, er wäre als dritter Verteidiger oder rechts in einer solchen Stuation viel wert. Denn Marcelo Bordons Zenit ist überschritten, nicht einmal sein defensiver Zweikampf, viel mehr sein katastrophaler Spielaufbau und die zunehmende Hüftsteifigkeit geben Anlass, auch über den Kapitän nachzudenken.

Um wirklich einen radikalen Neuaufbau zu starten muss man, wie oben gesagt, den Kader ausdünnen. Zu diesem Ausverkauf gehören logischerweise die ganzen Hilfloskäufe aus der letzten Winterpause, Ze Roberto, Streit und Sanchez, dazu gehören aber auch Lövenkrands, Varela, der Lümmel, Kobiashvili und dazu gehören sicherlich auch jetzige Stamm- oder Bankspieler, die sich überlegen müssen, den Verein zu verlassen oder sich ruhig und als Alternative im Hintergrund zu halten. Das sind Asamoah, Krstajic, Rakitic, Altintop, Kuranyi und Bordon.
Ferner muss überlegt werden, ob man als Linksverteidiger immer die Hälfte der Spiele auf Pander warten will. Ein Versäumnis im Übrigen, das nicht neu ist, dank Westermanns letzter Saison ein wenig in den Hintergrund rückte, aber auf die Arbeit von Andreas Müller erneut kein positives Licht wirft.

Wo wir beim Manager sind. Die Müller raus-Rufe des gestrigen Tages sind nicht verfrüht und nicht überraschend. Seine Transferbilanz ist miserabel, seine Außendarstellung in Sachen Trainerverpflichtung, Konzept, Lob und Kritik ist eine einzige Katastrophe. Höhepunkt gestern, siehe dazu meinen Kommentar.
Mit Rutten hat er nun den dritten Trainer (nach Rangnick und Slomka) zu verantworten. Die Ankündigung und Philosophie Ruttens steht im kompletten Gegensatz zu der Art und Weise wie Schalke sich präsentiert. Defensiv, offensiv hilflos, teilnahmslos an der Niederlage. Und ganz ehrlich, die falsche Erwartungshaltung bei allen geweckt zu haben, dies werfe ich Müller persönlich vor. Daher ist auch hier dringend zu überlegen, ob Andreas Müller als Manager respektive sportlicher Leiter haltbar ist. Ich tendiere zu letzter Chance.

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