Schalke steht im Viertelfinale des DFB-Pokals

Schalke 04 siegt 4:1 beim Zweitligist SV Sandhausen und zieht ins Viertelfinale des DFB-Pokals ein.

Ich habe keinen Wunschgegner. Ich sage mir immer, wenn wir den Pokal holen wollen, dann müssen wir jedes Team schlagen.

… sagte Daniel Caligiuri nach der Partie.

Das ist natürlich Kokolores. Denn gerade im Pokal ist es ja so, dass die Hälfte aller Clubs, gegen die man nicht ausgelost wird, von anderen Clubs eliminiert wird. Das macht es ja so vergleichsweise einfach, in diesem Wettbewerb weit zu kommen.

Der nächste Gegner der Blauen stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Übersetzt bedeutet das: Ich habe absolut keine Lust, mit diesem kleinen Beitrag auf den ARD „Sportschau Club“ mit Alexander Bommes zu warten. Das ist meines Erachtens so ziemlich der schlechteste Teil Fernsehen zum Thema Fußball. Ganz schwer zu ertragen, das Gegröle und die doofen Fragen Bommes‘.

Dabei geht es mir just jetzt sehr gut. Schalke hat in Sandhausen eine solide Leistung auf den Platz gebracht. Die Blauen wurden von Beginn an ihrer Favoritenrolle gerecht. Sie ließen den Ball schön durch die eigenen Reihen laufen und waren Sandhausen in allen Belangen überlegen.

Nur ein Zweitligist, natürlich. Da gilt es, nichts zu hoch aufzuhängen. Und doch ist ein souveräner Sieg eben ein Grund für Zufriedenheit, wenn man doch weiß, dass es auch unsouverän geht.

Alles gut. Ab in die nächste Runde.
Ma’kucken.
Wenn ihr hier kommentiert, wissen wir vermutlich schon gegen wen.



Update 09.02., 07:14 Uhr:

Gleich nach dem Wachwerden ereilte es mich. In München. Es wären solch schöne Lose möglich gewesen, aber die Blauen bekommen das schwerste.

Aber hey: Die beiden Spiele gegen Bayern München gehörten zu den Highlights der bisherigen Saison. In beiden hat Schalke richtig gut gespielt. Einmal knapp verloren. Ein Unentschieden. Jetzt braucht’s eben noch den kleinen Schritt mehr. Nicht schon vorher in die Buxen scheißen. Einfach mal ein‘ raushausen! Bayern München zum Beispiel.

Das Prinzip Show

 
Die andere Idee von Profisport in den USA
 

Am Sonntag fand in Houston, Texas, der Superbowl statt, das Endspiel der US-Football-Liga NFL. Mittlerweile ist dies ein Ereignis von weltweitem Interesse. Etwas, das jeder mitbekommt, ob er Football nun mag oder nicht. Wer hinschaut wird zustimmen, dass es sich um eine gigantische Show handelt. Auch die Endspiele der Fußball Weltmeisterschaft oder der europäischen Champions League sind große Shows. Und doch fühlt es sich noch anders an. Beim Fußball nimmt die Show dem Sport immer mehr von seiner Ursprünglichkeit. Beim Football gehört die Show dazu, mehr noch, das Spiel unterstützt diese. Dem Sport der großen US Profiligen, egal ob Football, Baseball, Basketball oder Hockey, liegt eine radikal andere Idee zugrunde. Eine Idee, welche ihren Ursprung vor bald 150 Jahren hatte. US Sport ist mit dem europäischen und vor allem mit dem deutschen Verständnis von Ligasport nicht zu vergleichen.
 

Fußball in Deutschland: Sich messen und konkurrieren

Als der Fußball nach Deutschland kam, traf er auf ein Land von Turnern. Turnen war körperliche Ertüchtigung zum Wohle seiner selbst. Man turnte gemeinsam. Turnen war gut. Fußball war wild. Fußball war ein Gegeneinander. Turner wollte mit Fußball nichts zu tun haben. Die unzähligen „Turn- und Sportvereine“ in Deutschland zeugen noch heute davon, dass man sich Turnen keinesfalls in der gleichen Kategorie wie Fußball und ähnlichem denken konnte.

In den 1880er Jahren entstanden in Deutschland die ersten Fußballvereine. Noch vor der Gründung des Deutschen Fußball Bundes gab es Spiele von deutschen gegen französische und englische Auswahlmannschaften. Ab 1903 gab es erste deutsche Meisterschaftsrunden. Damals wurde das Prinzip geschaffen, nachdem Fußball noch heute funktioniert. Die Sieger kommen weiter, spielen bis zum Triumph und werden für diesen belohnt. Die Verlierer bleiben zurück, steigen in untere Ligen ab, während andere, bessere Mannschaften ihren Platz einnehmen.
 

Die Cincinnati Red Stockings: Die Idee des Geldverdienens

In den USA war Baseball die erste Sportart, die sich zu organisieren begann. Schon Ende des 18. Jahrhunderts wurde Baseball gespielt, nach heutigem Wissen wurde 1845 der erste Verein gegründet, die New York Knickerbockers. Entscheidend für die Entwicklung zum heutigen System waren aber die Cincinnati Red Stockings (heute Cincinnati Reds), welche ab 1869 durch die Gegend zogen.

Durch die Gegend zogen? Genau. Den Red Stockings war nicht daran gelegen, einen Pokal in die Höhe zu stemmen. Sie waren eine Art Wanderzirkus. Sie spielten besser als alle anderen. Wohin sie auch kamen, es wurden Auswahlmannschaften zusammengestellt, um gegen sie anzutreten. Sie waren ein Ereignis. Die Leute wollten sie spielen sehen. In den ersten beiden Jahren bestritten sie über 130 Spiele und blieben dabei unbesiegt. Sie verdienten Geld damit.
 

Die US Profiligen als geschlossene Veranstaltungen

Die Idee des Geldverdienens durch Sportunterhaltung ist die Grundlage aller US Profisportligen. Dies zu wissen ist der Schlüssel, um amerikanischen Sport und dessen Unterschiede zum hiesigen System zu verstehen. Die Ligen sind große Unternehmen, die einzelnen Clubs Franchisenehmer. Die Clubs gehören Besitzern, die ihrerseits erfolgs- und damit auch gewinnorientiert handeln. Die Clubs setzen einen Commissioner ein, der die Interessen der Liga vertritt und als eine Art Schiedsrichter fungiert. Wichtige strategische Entscheidungen entscheiden aber die Clubs gemeinsam.

In diesen Ligen gibt es keinen Auf- oder Abstieg. Man versteht sich als das Premiumprodukt des entsprechenden Sports. Man nennt die Sieger „World Champions“ und die Liga „The Show“. Es kommt vor, dass Besitzer mit ihrem kompletten Club die Stadt wechseln möchten, zum Beispiel weil man seit Jahren unter einem abnehmenden Zuschauerzuspruch leidet und weil eine andere Stadt mit dem Neubau eines Stadions lockt. Dies wird von der Gemeinschaft aller Clubs erlaubt oder verhindert. Ebenso wie der Verkauf eines Clubs an einen neuen Besitzer, oder gar eine Erweiterung der Liga durch die Vergabe einer neuen Lizenz, welche dann kurzerhand zur Erfindung eines neuen Clubs führen kann.

Entscheidend ist, dass jede Liga einen mehr oder weniger konkurrenzlosen Kosmos darstellt, in dem Regeln für alle gelten, zu denen es keine Alternative gibt. Unterschreibt ein Baseball-Talent einen Vertrag bei den New York Yankees, unterschreibt er einen Vertrag der Major League Baseball. Wollen die Yankees das Talent nicht mehr, schicken sie es mit vielleicht zwei weiteren Talenten zu den Cleveland Indians, und bekommen einen gestanden Profi dafür zurück – dann spielt das Talent eben bei den Indians. Nachgefragt wird dafür nicht. Erst mit einem gewissen Star-Status haben Spieler die Chance, sich eine „No-Trade“-Klausel in den Vertrag schreiben zu lassen. Die Clubs mögen das nicht, weil es ihre Handlungsfähigkeit einschränkt. Sie bezahlen hohe Gehälter und erhalten dafür einen Gegenwert, die Leistung des Spielers oder dessen Tauschwert. Für sie ist es normal, darüber frei zu verfügen.
 

Das Bestreben nach Ausgleich

„The Show“ soll nicht langweilig werden. Alle Besitzer wollen Geld verdienen. Die US Profiligen sind der Überzeugung, dass es insgesamt weniger profitabel ist, wenn stets nur eine Handvoll Clubs die Chance hat, Champion zu werden. Deshalb erfand die NFL das Draft System, welches später von allen US Profiligen übernommen wurde.

Dabei teilen die Clubs die Rechte zur Verpflichtung von noch nicht für die Proficlubs spielenden Talenten untereinander auf. Der Clou ist, dass dabei der in der vergangenen Saison schwächste Club zuerst und der Champion zuletzt auswählen darf. Ein Talent, welches von einem Club „gedraftet“ wurde, darf nur bei diesem einen Profivertrag unterschreiben. Will er das partout nicht, spielt er nicht in der Liga.

Ein weiteres Instrument, um Ungleichheiten zwischen den Clubs auszugleichen, ist die „Salary Cap“. Eine von der Liga festgelegte Obergrenze, welche die Clubs an Ausgaben für Spielergehälter nicht überschreiten dürfen. Nun ist es so, dass einige Clubs solche exorbitanten Einnahmen aus TV-Rechten beziehen, dass sie Strafzahlungen von bis zu 40 Millionen Dollar pro Jahr hinnehmen, um eben doch den Kader ihrer Wünsche zusammenzustellen. Vollendes lässt sich der Unterschied in den Märkten zwischen Clubs aus New York oder Los Angeles gegenüber Clubs in eher ländlichen Gebieten eben nicht ausgleichen. Dennoch ist die „Salary Cap“ ein Ansatz, um dem vollkommen zügellosen Wirtschaften im Profisport zu begegnen.
 

Die US Profiligen, das bessere System?

Auch in der NFL gibt es Clubs, die sich über einen längeren Zeitraum an der Spitze halten können. Trotzdem erreichen regelmäßig Teams den Superbowl, die seit Jahren oder gar noch nie große Erfolge feiern konnten; wie zuletzt die Carolina Panthers, oder in diesem Jahr die Atlanta Falcons. Im Baseball gewann im vorletzten Jahr ein Club die Endspielserie, der zuletzt vor 30 Jahren triumphierte. In der letzten Saison siegten gar die Chicago Cubs, der seit 108 Jahren auf einen Titel warteten! Beispiele dafür, dass das System funktioniert. Dass es für Abwechslung sorgt, und dass es in den amerikanischen Ligen möglich ist, einen Club zu „rebuilden“; über den Draft einige Jahre Talente zu sammeln, so Werte zu schaffen und über geschicktes Management auch in einem „Verliererclub“ ein konkurrenzfähiges Team zusammenzustellen.

Entwicklungen, die im europäischen Fußball unmöglich erscheinen, wo sich Verhältnisse fast ausschließlich über den Geldfluss von Investoren verschieben lassen. Dennoch braucht man sich die Frage nach einem besser oder schlechter nicht stellen. Das US System ist vor allem anders, und es lässt sich unmöglich nach Europa übertragen.

Die Fußballclubs in Deutschland sehen sich nicht als Gemeinschaft. Die „Solidarität“ in Sachen TV-Vermarktung ist ein Feigenblatt. Bayern München konkurriert mit Real Madrid und Chelsea, die Zweitgrößten haben Bedenken von den Drittgrößten eingeholt zu werden. Überall ein Gegeneinander, alles in Konkurrenz, so wie Fußball in Europa groß geworden ist. Niemand kann akzeptieren, zu Gunsten eines großen Ganzen zurückzustecken. Das ist nicht unter einen Hut zu bekommen. Insbesondere auch, weil sich hier die Vorteile des abgeschotteten Systems einer US Liga nicht erreichen lassen, weil Fußballclubs in einem weltweiten Markt agieren. Ein Draft-System ist hier undenkbar. Wenn einem Fußballspieler vorgeschrieben werden soll, für welchen Club er zu spielen hat, sucht er sich eben ein anderes Land.

Es wird so bleiben, dass sich die zu großen Abstände in den Umsätzen der Fußballclubs nicht sportlich überwinden lassen. Es wird so bleiben, dass viele Fußballfans es als falsch empfinden, dass ein deutscher Milliardär seinen Dorfclub in die Bundesliga bringt. Dass zum Teil die gleichen Leute aber dennoch nachts den New England Patriots zujubeln, die einem Milliardär und Besitzer einer Unternehmensgruppe der Papier- und Verpackungsindustrie in den USA gehören. Die Bundesliga und ihre einzelnen Clubs sind längst Unternehmen im Unterhaltungsbusiness, sie verkaufen den Fußball als leicht konsumierbares Produkt. Nur darf das niemand sagen. Fans wollen das nicht hören. Sie wollen anders sein, purer, echter, ehrbarer. Fast ein bisschen so wie deutsche Turner im 19. Jahrhundert.



Foto: US Air Force

Ein Punkt für die Köpfe

Das Spiel des FC Schalke 04 bei Bayern München endet Remis, 1:1. Vor allem in der ersten Halbzeit zeigten die Blauen eine starke Leistung. Am Ende war die Partie aber doch zu offen, das Ergebnis zu zufällig, als dass ich dem Punktgewinn nun einen befreiende Wirkung in der aktuellen sportlichen Situation bemessen möchte.

Die erste Halbzeit hat großen Spaß gemacht. War man nach dem frühen Gegentreffer geneigt, mit einem „nicht schon wieder“ oder „typisch Bayern“ abzuwinken, belehrte Schalke einen diesmal eines Besseren. Gerade nach dem Ausgleich war Schalke eine Weile die Mannschaft mit den klareren Aktionen, hätte man es auch als verdient erachtet, wären die Blauen in Führung gegangen.

Schalke bekam die Balance zwischen kompakter Defensive und klarem Offensivspiel gut hin. Eine Offensive mit Müller und Lewandowski im Zentrum und Robben und Costa auf Außen ist nie auszuschalten, damit tun sich die besten Defensivmannschaften der Welt schwer. Aber Schalke hielt die Räume eng, stemmte sich dagegen und hatte in einigen Situationen das nötige Glück. Eine geschlossene Defensivleistung, aus der ich nur Benjamin Stambouli als einzelnen herausheben möchte, den ich als immer anspielbaren, ruhenden Pol im umkämpften Mittelfeld wahrnahm.

Es war ein Jammer, dass Sead Kolasinac und Leon Goretzka ihre Großchancen nicht nutzen konnten. Leon Goretzka ist zweifellos ein toller Spieler, immer noch erst 21 Jahre alt, dynamisch, mit toller Übersicht. Aber wäre er doch nur ein bisschen torgefährlicher, er wäre der aufregendste Mittelfeldspieler der Liga!

Schalke hätte dieses Spiel gewinnen können. Aber es fehlte eben auch nicht viel, und sie hätten es verloren. Nachdem das Spiel in der letzten halben Stunde verflachte kamen die Bayern am Ende doch noch zu drei ganz großen Chancen. Und überhaupt fand ich die Leistung des FC Bayerns nicht so gut, als dass ich über diesen Punktgewinn allzu laut jubeln möchte.

Unter Carlos Ancelotti ist aus Bayern München wieder eine normale Mannschaft geworden. Zweifellos das Team mit der höchsten individuellen Klasse in der Liga, und auch recht weit darüber hinaus. Aber nicht mehr mit dem Extra der stets mindestens gleichguten, meist besseren taktischen Einstellung, wie es unter Pep Guardiola der Fall war.
Bayern München spielte auch gegen die Blauen „normal“. Als Schalker musste man immer befürchten, dass Spieler wie Robben oder Costa es schaffen in 1:1 Situationen zu kommen und durch ihre Überlegenheit Großchancen kreieren. Aber Ancelotti fand gegen Weinzierl keinen Schlüssel, um Bayerns Stärken gegenüber Schalkes Schwächen durch taktische Maßnahmen zu verstärken. Tatsächlich würde ich im „Trainerduell“ eher Weinzierl als Punktsieger sehen, fand doch sein Team im Rücken der roten Angriffsmaschine immer wieder Lücken, die es für Offensivaktionen nutzen konnte.

Schalke hat sich diesen Punkt redlich verdient und er wird gut für die Köpfe sein, sowohl der Spieler als auch der Fans. Aber so, wie dieses Spiel nicht mit dem gegen Frankfurt vergleichbar war, wird es auch nicht mit dem nächsten Ligaspiel gegen Hertha BSC vergleichbar sein; und erst recht nicht mit dem Pokalspiel unter der Woche. Andere, schwierige, spannende Aufgaben für die Blauen.

Ma’kucken.

Sichtweise

Es läuft nicht rund, auf Schalke. Da wird alles diskutiert, da ist nichts zu abwegig, um nicht als Grund für den unbefriedigenden Tabellenplatz herangezogen zu werden. Ich mag es, wenn es bei den Diskussionen nach einem Spiel um Fußball geht. Doch auch in diesen komme ich ab und an nicht mehr mit, dann nämlich, wenn plötzlich aus voller Überzeugung vorgeschlagen wird, mit welcher Formation, mit welchen bestimmten Spielern gar, Schalke zu spielen hätte, damit sich der Erfolg wieder einstellt. Dazu fühle ich mich zu ahnungslos, oder ich habe zuviel Trainervertrauen, oder beides.

Ich bemühe mich durchzusteigen, wenn ich ein Fußballspiel sehe. Ich versuche auf die Leistung einzelner Spieler zu achten, ich schaue auf die Formation, auf die Spielweise, suche nach Mustern in den Abläufen. In machen meiner Texte nehme auf auf diese Erkenntnisse bezug, manchmal kommentiere ich anderes. Zu 99% beschäftige ich mich aber mit dem was war. Wenn mir in Diskussionen im Brustton der Überzeugung jemand darlegt, was wie sein sollte, bin ich immer vollkommen baff.

Eine Formation alleine sagt nicht unbedingt was über die Spielweise aus. Jede Formation kann sehr offensiv oder sehr defensiv interpretiert werden. Die Abläufe werden eingeübt. Wie jeder Proficlub beschäftigt auch Schalke 04 nicht nur den einen Trainer, der den Kopf hinhält, sondern einen Betreuerstab, halb so groß wie der Spielerkader. Leute, die sich den ganzen Tag damit beschäftigen, Spieler zu fördern und ihre aktuelle Form und Fähigkeit einzuschätzen. Der Cheftrainer wird letztlich die Entscheidung treffen, von der er glaubt, dass sie am ehesten zu drei Punkten führt; immer.

Wenn dann jemand kommt und meint, er wüsste genau, dass es fortan mit diesem Spieler nichts mehr werde, dass unbedingt der andere spiele müsse, dass die Mannschaft nur erfolgreich sein könne, wenn man in Zukunft anders angeordnet auf dem Platz stünde, dann schüttle ich stets leise den Kopf. Dabei will ich niemandem das Wissen um den Fußballsport absprechen, und es geht mir auch keinesfalls nur um Fans. Auch wenn ehemalige Nationalspieler oder Leute mit Trainerschein in TV-Studios sitzen und sich zu solchen Aussagen hinreißen lassen, frage ich mich, woher sie die Chuzpe nehmen, sich über diejenigen zu erheben, die sich professionell rund um die Uhr mit dem Thema beschäftigen. Meines Erachtens grenzt das an Hochstapelei.

Wörtlich: Jupp Heynckes

Schalke enttäuscht weiter

Schalke 04 verliert zum zweiten Mal in dieser Saison gegen Eintracht Frankfurt mit 0:1. Zum zweiten Mal erzielt Alex Meier für Frankfurt den Siegtreffer. Zum wiederholten Mal kassiert Schalke einen Gegentreffer, den der Schiedsrichter nicht hätte anerkennen dürfen. Aber vor allem zeigte Schalke 04 zum zigsten Mal in den letzten Jahren Fußball zum Abgewöhnen.

Wieder kam Schalke gegen einen ordentlich defensiv agierenden Gegner zu keinem geeigneten Offensivspiel. Wieder reichte es einem Gegner, ein Irgendwie-Tor zu erzielen und dann Fußball zu verhindern. Wieder kam Schalke dagegen nicht an, kam Schalke kaum zu Chancen. Wieder musste das Stadion 90 Minuten Verzweiflung ertragen.

Das alles gab es in dem letzten Jahren so wieder und wieder. Ich mag gar nicht mehr detailliert auf das Spiel eingehen, viel zu häufig habe ich solche Texte schon geschrieben. Das Spiel gegen Ingolstadt war ja kaum besser, auch wenn es mehr oder weniger zufällig ein glückliches Ende nahm. Auch unter André Breitenreiter, Roberto Di Matteo und Jens Keller mussten wir immer wieder solch schlechten Fußball ertragen. Nichts, was einen ins Stadion zöge, außer fragwürdige Hoffnung auf Besserung oder das Treffen von Freunden und Bekannten, die mittlerweile auch keine rechte Lust mehr haben und ihrerseits eben auch nur noch wegen ihrer Freunde und Bekannte kommen.

Noch ein bisschen mehr als das schlechte Spiel der Blauen nerven mich nur die immer gleichen Beißreflexe bei Zuschauern, Fans und Medien. Trainer Markus Weinzierl konnte die Frage nach dem fehlenden Spielerischen seiner Mannschaft sachlich beantworten. Nein, man habe nicht mit langen Bällen operieren wollen. Das sei anders besprochen worden. Aber die Mannschaft habe nicht den Mut und die Geduld gehabt, nach Rückstand und auf dem schweren Platz flach zu spielen, habe zu viel und zu schnell lange Bälle vorne reingespielt. Doch wenn der Erfolg fehlt, wird Sachlichkeit nicht mehr geschätzt. Dann werden die Plattitüden von dem die Mannschaft nicht mehr erreichenden Trainer rausgeholt. Dann wird unsachlich reagiert. Dann wird alles, was man halbwegs negativ sehen und kritisieren kann, offen oder auch nur mit Ironie und Zynismus, zusammengekehrt, durchgerührt und wieder ausgeschüttet. Dann war alles das, was früher den gleichen Tullus hervorrief, in den Augen vieler auf ganz zauberhafte Weise plötzlich doch viel besser.

Stets derselbe Mist. Auf dem Platz und drum herum.



Foto: Gerd Altmann

Danke für 10 Jahre Mitmachen!

Ich versuche es ab sofort auch mal mit ’nem Weblog zum Lieblingsthema. Nachdem ich in meinem bisherigen Internetleben allzu oft diverse Foren oder eben andere Blogs unaufgefordert mit meinen Kommentaren beglückt habe, mache ich mich nun selbst mal breit. Ma’kucken ob Fleiß und Kreativität ausreichen.

Mit diesem kurzen Statement fing alles an. Genau heute vor 10 Jahren. Das hier ist nun mein zweitausendeinhundertdreiunddreißigster „Blogeintrag“. Ihr habt das Projekt in dieser Zeit mit 37.408 Kommentare unterstütz und damit diese Webseite zu dem gemacht, was sie heute ist. Nicht riesig groß, nicht allumfassend, aber eben doch eine beständige Ecke im World Wide Web, in der man ganz gut seine Meinung zu den Dingen um den FC Schalke 04 vertreten kann, in der man sich mit Schalkern anderer Meinung austauschen kann. Auch wenn überall – auch hier ab und an – ein Niveau-Verfall im Umgang miteinander bei emotionalen Themen beklagt wird, blühen hier doch immer wieder tolle Diskussionen auf, schreiben Kommentatoren immer wieder hervorragende Texte, meinungsstark, klarer und länger als mancher Ausgangsbeitrag von mir. Dass das so funktioniert, dass hier Kommunikation entsteht, war immer und ist weiterhin mein eigentliches Ziel, zu dem alle „Mitschreiber“ und Leser ihren Teil beitragen. Wir alle sind das königsblog, mein Tun ist nur ein Teil davon. Danke für 10 Jahre Mitmachen!

So, das war der Teil mit dem Gefühl. Tatsächlich fing das Schreiben nicht gleich hier an, sondern auf der Blogplattform twoday.net, unter dem Titel „Drei Ecken, ein Elfer“. Eine einfache Einstiegsmöglichkeit, einfach losschreiben, ohne sich lange mit der Gestaltung der Seite auseinandersetzen zu müssen. Die Blogszene war übersichtlich. Auf diese Plattform gab es zu recht vielen Bundesligaclubs Blogs, in deren Kommentaren gute Diskussionen geführt wurden. Diskussionen, die ich damals schon als angenehmer als Foren-Threads empfand. Twitter spielte zu dieser Zeit noch keine Rolle. In Blogs landeten deshalb auch solch kurze und unausgegorene Gedanken, die man heute in 140 Zeichen darstellt oder bei Facebook teilt.

Im August 2008 verließ ich twoday.net und richtete mir mein eigenes, auf WordPress basierendes Blog ein, das königsblog. Der Name enthielt damals bewusst „nicht zu viel“ Schalke. Ich wollte über „König Fußball im Allgemeinen und Schalke 04 im Besonderen“ schreiben. Dies sollte ein Fußballblog mit Schalke-Präferenz werden. Letztlich wurde es aber doch ein Schalke-Blog. Weil ich selbst auch immer weiter eintauchte, in diesen Club, weil mir immer mehr die Zeit und die Lust fehlte, über den Tellerrand hinauszuschauen, weil mir der Teller dieses Clubs vollkommen reichte.

Er reicht mir bis heute. Und bis heute habe ich Spaß an Schalke 04 und an diesem Projekt. Meine Seite, die mir vor allen social network-Aktivitäten und vor allen Veröffentlichungen in Zeitungen oder auf Webportalen das Wichtigste ist, mein Ding, ohne das es alles andere nie gegeben hätte. Ich kann mir vorstellen, dass ich auch in 10 Jahren noch schreibe. Ich kann mir allerdings genauso gut vorstellen, dass es von heute auf morgen aufhört.

Das habe ich in den 10 Jahren gelernt, in denen viel passiert ist – natürlich, denn in jedem Leben passiert in einem solch langen Zeitraum viel. Immer wieder gibt es Wichtigeres. Immer wieder macht einem mal was anderes mehr Spaß. Dann aber tut es doch wieder gut, sich auf was so „einfaches“ wie die Geschehnisse eines Fußballclubs zurückziehen zu können. Dies als Vehikel zu nutzen, sich auszudrücken, ab und an sogar mal kreativ zu sein. Das ist mir viel wert, das hat mich gehalten, seit 10 Jahren. Und so geht es zunächst auch weiter. Ma’kucken, was die Zukunft so bringt.