Es lebe hoch, das Web 0.4!

Am 04.04. vor 04 Jahren erlebte das Web 0.4 seinen Gründungstag! Dieses Datum wurde mir jedenfalls von einem Mitautoren zugetragen. Wie überhaupt solche Daten zugetragen und derart schön sein müssen, passend.

Ob das so vollkommen richtig ist, daran kann man zweifeln, wenn man vergeblich nach einem Text vom 04.04.2010 sucht, andererseits aber ältere Einträge findet. Zu pingelig sollte man da aber nicht sein. Schließlich weiß auch kein Mensch, wann genau einst der FC Schalke 04 als Westfalia Schalke gegründet wurde, der 04. Mai als Geburtstag wurde schließlich nur gut erfunden.

Was ich hingegen noch ziemlich genau weiß ist, dass das Web 0.4 ursprünglich kein Blog, sondern eine Community, ähnlich einem Forum sein sollte. skAndy, der Gründer des Ganzen, lud mich damals ein, dort mitzudiskutieren. Dem kam ich letztendlich nicht nach, weil ich selbst gerade deshalb in die Blog-Szene gefunden habe, weil ich von der Form der Foren die Nase voll hatte. Umso erfreuter war ich, als das Web 0.4 dann doch als Blog erschien.

Heute ist das Web 0.4 auch als Blog längt „Community“, mit verschiedenen Autoren und einer Vielzahl regelmäßiger Kommentatoren, mir Fanshirts und Schals. Und es ist alles das, was mein Königsblog nicht ist: Emotional, witzig und musikalisch. Zum gleichen Thema und doch anders, weshalb es für mich auch nach 04 Jahren noch wichtig und interessant ist. Gäbe es das nicht, skAndy müsste es erfinden.

Herzlichen Glückwunsch, alles Gute, und immer schön dranbleiben, Web 0.4!

Saisonendspurtstartschuss

Nur noch 6 Spiele. Schalke 04 kann sich aus eigener Kraft zum dritten Mal in Folge für die Teilnahme an der Champions League qualifizieren. Wenn es weiter so läuft wie bisher wäre für Jens Kellers Team sogar noch ein Clubrekord möglich.

Aus den bisherigen 11 Bundesligaspielen dieser Rückrunde holte Schalke 26 Punkte und steht nun mit 54 Zählern auf Rang 3. Der Rückrunden-Schnitt von 2,36 Punkten pro Spiel ist grandios. Auf eine komplette Saison berechnet wäre man mit einem solchen Schnitt in den 18 Jahren seit Einführung der 3-Punkte-Wertung 16 Mal Meister geworden.

Nun geht es aber nicht um die ganze Saison, sondern nur noch um 6 Spiele. Hält Schalke diesen Schnitt, und holt aus den verbleibenden Begegnungen noch 14 Punkte, käme man am Ende auf 68 Zähler: Mehr hat keine andere Schalker Mannschaft seit Einführung der 3 Punkte-Wertung erreicht! Rechnet man die Punkte aus den Jahren vor der Einführung der 3 Punkte-Wertung um, war sogar nur die legendäre Mannschaft von 1972 erfolgreicher.

Solch eine Betrachtung kann einen durchaus zum Ohrenschlackern veranlassen. Auch abseits der Zahlen ist diese Rückrunde ja gut. Sieht man mal von der meines Erachtens allzu devoten Einstellung im Spiel gegen Bayern München ab, und lässt man die Champions League-Begegnungen gegen das übermächtige Real Madrid außen vor, hat Schalke kein einziges Rückrundenspiel wirklich schlecht gespielt.
Diese Wendung zum Guten kam plötzlich und war nicht abzusehen. Die Vorsaison war, trotz Platz 4 auf den letzten Drücker, mit 55 Punkten und sehr schwankenden Leistungen doch recht mau. Auch in der Hinrunde der laufenden Saison bot die Mannschaft noch regelmäßig schwere Kost, selbst noch am letzten Spieltag vor der Winterpause, beim 0:0 in Nürnberg.

Aber man gab Jermaine Jones ab und wertete mit Prince das defensive Mittelfeld auf. Ralf Fährmann wurde zu einem Top-Torwart und Klaas-Jan Huntelaar traf wieder. Um diese drei Pfeiler – Fährmann, Prince und Huntelaar – rankt sich die junge Mannschaft und wächst in rasender Geschwindigkeit. Die individuellen Fehler in der Defensive wurden dramatisch reduziert, Schalkes Spiel wird zusehends besser und statt die Vielzahl verletzter Spieler zu beklagen wird der eigene Nachwuchs gefeiert. Toll!

Nur noch 6 Spiele. Ich freue mich auf jedes einzelne. Das hätte ich Weihnachten nicht für möglich gehalten.

Schalke macht den nächsten Schritt

Obwohl unser Trainer Jens Keller vor dem Spiel nicht weniger als elf Ausfälle verkraften und seine Mannschaft dementsprechend umbauen musste, konnte Schalke 04 mit einer jugendlichen Mannschaft gegen „die alte Dame“ Hertha BSC mit 2:0 den nächsten Heimsieg einfahren.

Vor dem Spiel suchte ich im Regelwerk des DFL schon mal danach, wie viele Spieler noch ausfallen müssten, damit Schalke eine Spielverlegung beantragen kann. Kaan Ayhan, seines Zeichens Nachwuchsspieler mit der Erfahrung zweier Bundesligastartelfeinsätze, konnte aber eben doch auflaufen. Das Verrückte daran ist wohl eher, dass Schalke-Fans in ganz Deutschland ein erleichternder Seufzer über die Lippen ging, als man davon erfuhr. So rückte lediglich Chinedu Obasi in die Startelf und Leon Goretzka konnte zum ersten Mal in einem funktionierenden Team auf seiner Paradeposition im zentralen Mittelfeld spielen.

Die ersten Minuten zeigten direkt, an welche Leistung die „Schalker Rasselbande“ (© Jens Keller) anknüpfen wollte und auch anknüpfte. Wie zuvor im Revierderby presste man aggressiv nach vorne und drückte den Gegner weit in dessen Hälfte. Im Unterschied zum Derby konnte der Gegner allerdings kein Mittel dagegen finden und wurde im Pressing mehr oder weniger erdrückt. Schalke schob dazu weit vorne bereits auf die Gegenspieler. Obasi und Draxler zum Beispiel verfolgten die Außenverteidiger Berlins bis weit in deren Hälfte, auch Hoogland und Kolasinac kannten keine Grenze bei der sie stoppten und deckten ihre Gegenspieler eng. Der entscheidende Punkt war jedoch die Laufbereitschaft aller Beteiligten. Nach jedem Hertha-Pass verschob sich unser Team mit intensiven Läufen um den Ballführenden um seine direkten Anspielstationen unter Druck zu setzen. Insbesondere die offensiven Spieler waren sich nicht zu schade, den Herthanern hinterherzugehen und aus einer weiteren Richtung Druck zu machen. Weil Goretzka und Neustädter zudem eine traumwandlerische Sicherheit bei der Besetzung von kritischen Räumen zeigten, konnten viele Zweikämpfe scheinbar einfach gewonnen und zahlreiche Fehlpässe erzwungen werden.

Leider schien es zunächst so zu sein, als sei man vor lauter Einübung des Pressings noch nicht dazu gekommen, was man mit einer Balleroberung in der gegnerischen Hälfte so anfängt. Man fühlte sich ein wenig an die Anfangsphase der Saison erinnert, wenn man sah wie hilflos das Zusammenspiel vorgetragen wurde. Da wurden Bälle zu lange gehalten, sich zielsicher an die Seitenlinie kombiniert oder der Klassiker „Einer hat den Ball, alle rennen weg“ aufgeführt. Es schien fast so, als spiele die Hälfte der Mannschaft im Kopf einen Konter aus und die andere einen normalen Spielaufbau. Besonders Huntelaar und Meyer schienen den Ball lieber erst noch zwei bis drei Sekunden am Fuß behalten zu wollen bevor sie ihn wieder abgaben. Die Hertha nutzte diese Zeit dagegen um ihre zwei Viererketten wieder aufzubauen. Stand der Gegner erstmal sicher, fiel unserer Mannschaft auch recht wenig ein. Positionswechsel, um den Gegner mal aus der Ordnung zu bringen, wie wir sie gegen Braunschweig noch einige Male gesehen haben, gab es keine.

Aus den zahlreichen Balleroberungen konnte man also in der ersten Halbzeit keinen Profit schlagen, zum Glück gelang dies beim Spiel von hinten heraus in der 16. Minute. Zu dem Zeitpunkt hatte sich Kaan Ayhan bereits einen dicken Bock geleistet als er, Joel Matip und Ralf Fährmann das Spiel von hinten aufbauen wollten. Im Gegensatz zu Timo Hildebrand nach seinem Chelsea-Fauxpas behielten die nun Beteiligten jedoch die Nerven und nutzten fortan eben nicht die „sichere“ Variante des Nach-vorne-Bolzens. Ayhan spielte den Ball sauber zu Ralf Fährmann zurück, dieser umspielte Ramos mit einem Pass auf Matip (ermöglicht dadurch, dass Joel diesen Ball auch haben wollte und sich entsprechend freilief). Zu diesem Standpunkt formierte sich Schalke in der Offensive sehr weit gestreckt und schuf so im Zentrum weite Räume. Die Außenverteidiger agierten enorm hoch und breit, die offensiven Spieler drückten die gegnerische Abwehr weit nach hinten. Die Folge war ein fast schon verwaistes Zentrum in das Joel Matip ungehindert bis zur Mittellinie vorstoßen konnte. Nachdem er deutlich sichtbar mehrere Varianten evaluierte entschied er sich für die öffnende Seitenverlagerung auf Chinedu Obasi. Der nutzte die Unkonzentriertheit der Herthaner dann eiskalt aus und markiert das 1:0.

Leider ließ neben der Intensität des Pressing auch das Aufbauspiel zunehmend nach. Mehr und mehr ließ man die Bälle einfach von Ayhan oder Fährmann nach vorne schlagen und positionierte sich nicht mehr für das Aufbauspiel. Das Spiel verflachte dadurch immer mehr, zusätzlich wurden sehr viele Fouls gespielt, was den Spielfluss vollends zum erliegen brachte. Nachvollziehbar war für mich dabei, dass man diese Form des Pressings nicht über 90 Minuten würde durchhalten können. Weniger nachvollziehbar war, wieso man darauf verzichtete geordnet aufzubauen. Mit Ayhan und Matip standen zwei sehr sichere Passspieler auf dem Feld und auch unser Mittelfeld war offensichtlich in guter Verfassung. Dies gilt umso mehr, da sich die Hertha gut eingestellt zeigte was lange Bälle anging, und es dann schaffte, den Ball auch selbst über mehrere Stationen zu kontrollieren. Folgerichtig hatte Schalke nach dem Tor keinen gefährlichen Abschluss mehr in Halbzeit Eins.

Die Gäste hingegen entschieden sich, wenn sie die Zeit dazu hatten, meist für lange Bälle auf ihre Stürmer. Nachdem Ramos gegen Matip keinen Stich machte (und auch nicht mehr machen sollte) visierten die Berliner zunehmend das Pärchen Ayhan-Wagner an. Dadurch konnte Berlin wenigstens ab und an gefährliche Szenen kreieren, teilweise auch, weil Kolasinac in Strafraumnähe die Bissigkeit, die er beim Pressing an der Mittellinie noch eindrucksvoll unter Beweis stellte, komplett abging, und gar zu passiv zuschaute wie geflankt bzw. geschossen wurde.

Zum Glück schien Jens Keller in der 15-minütigen Halbzeitpause noch eine Sonderlektion „Umschaltspiel nach Ballgewinn“ eingeschoben zu haben. Krankte das Spiel davor noch an zu wenig Direktheit, zeigte man sich danach sehr viel zielstrebiger. Balleroberungen wurden dementsprechend wie Konter gespielt: Ball erobern, Ball behaupten und weiterleiten, Steilpass, Abschluss. So war es bereits nach nicht einmal einer Minute zu sehen: Wieder zog man das Pressing auf, in der Intensität wie zu Beginn des Spiels. Auch wenn Kaan Ayhan den Ball letztendlich erobert, indem er den Gegner bis in die eigene Hälfte verfolgt, hatte doch Leon Goretzka großen Anteil daran, der sich in den Sekunden davor geschickt bewegte, Räume verknappte. Dadurch zwang er die Hertha in die enge Situation, welche die Balleroberung ermöglichte. Danach war er direkt anspielbar und leitet den Ball vertikal auf Chiedu Obasi weiter (und spielt z.B. nicht den überflüssigen Seitenwechsel ganz links raus). Obasi zeigt gutes Timing beim Steilpass, und Huntelaar weiß eben wie man Tore schießt.

Nach dem Treffer spielte Berlin etwas offensiver, was den Schalker Kontern mehr Raum und Zeit gab. Aus taktischer Sicht wurden die Konter richtig gespielt: Das Spiel wurde beschleunigt, Querpässe vermieden und der riskante Steilpass gesucht, um trotz Unterzahl in gefährliche Situationen kommen zu können. Leider versuchten es Max Meyer und Julian Draxler einige Male gar zu offensichtlich, die Gasse zwischen Innen- und Außenverteidiger zu finden.

Individuell schien Obasi neue Batterien eingesetzt bekommen zu haben. Waren seine Dribblings in Hälfte Eins oft noch pomadig anzusehen, zeigte er in Hälfte Zwei wieso wir uns freuen können ihn im Kader zu haben, und wieso er von seinen Fähigkeiten eher auf die Rechtsaußen-Position gehört als Leon Goretzka.

Der Hertha dagegen gelang aus dem Spiel heraus kaum etwas. Bis circa zur 70. Minute gingen die Gäste im Pressing unter, dann ließen die Kräft bei den Königsblauen merklich nach. Das einzige Kapital, was Hertha daraus schlagen konnte, war jedoch der Versuch Standards schon aber der Mittelinie zu „ziehen“. Ohne Vertrauen in den eigenen Spielaufbau wurden lange Bälle in den Strafraum geschlagen, immer auf den „Lucky Punch“ hoffend, der dieses Spiel nochmal hätte spannend werden lassen können. Ironischerweise gelang dies sogar noch. Ich weiß immer noch nicht, was der Schiedsrichter abgepfiffen hat, als er Herthas Treffer in der 81. Minuten die Anerkennung verweigerte. So aber blieb es beim 2:0.

Auch wenn Hertha danach noch einen Abschluss von Ramos verzeichnen konnten, waren die spielerischen Offensivbemühungen der Berliner ähnlich harmlos wie die der Braunschweiger. Obwohl Schalke sichtlich erschöpft war und um jeden Meter kämpfen musste, hatte man doch irgendwie das Gefühl, das Spiel klinge in den letzten Minuten so langsam aus. Martin Max als Co-Kommentator war hörbar aufgeregt als sein Filius eingewechselt wurde, und die Mannschaft musste nach dem Abpfiff erstmal mehrere Minuten verschnaufen, bevor man sich zur Nordkurve schleppen konnte.

Eine ganz hervorragende Leistung zeigte für mich Leon Goretzka. Zum ersten Mal konnte ich nachvollziehen, warum um ihn ein solches Tohuwabohu veranstaltet wurde. Im zentralen Mittelfeld verband er ein kluges Stellungsspiel mit aggressiver Zweikampfführung. Obwohl er so erstmals mit Roman Neustädter zusammenspielte, profitierten beide voneinander, dominierten das Zentrum und präsentierten sich in der Abstimmung so stark, als spielten sie seit der U16 zusammen. Nach vorne zeigte er ein gutes Auge für den zu bespielenden Raum und ein paar starke Dribblings. Besonders an den Dribblings stach heraus, wieso er ein zentraler und kein Flügelspieler ist. In Jefferson Farfans Lieblingssituation namens „Wir wissen beide, dass ich gleich ein Dribbling starte“ kommt Leon nicht am Gegenspieler vorbei. Hat er dagegen im Mittelfeld die Option, auch den Pass zu spielen, kann er die die Gegner durch sein Vorbeiziehen überraschen.
Joel Matip spielte Ramos schlicht an die Wand! Gefühlsmäßig waren die einzigen verlorenen Zweikämpfe jene, die der Schiedsrichter unverständlicherweise als Foul abpfiff. Aber da solche Leistungen eher Regel als Ausnahme bei ihm sind, überrascht das ja niemanden mehr.

Alles in allem spielte Schalke ein starkes Pressing, so stark wie ich es bei unserer Mannschaft selten bis nie gesehen habe. Bereits gegen Braunschweig und Dortmund konnte man sich dahingehend verbessert und gut zeigen, ich würde dieses Spiel gegen Hertha allerdings als die definitive Etablierung ansehen. Dabei ist es klar, dass ein solches Pressing nicht über 90 Minuten aufrecht erhalten werden kann. Letztendlich zeigte man in beiden Hälften ein Drittel hochintensives, ein Drittel mittelstarkes und ein Drittel wenig Pressing. Wie man mit den vielen eroberten Bällen denn nun umgehen soll wusste man dagegen (zu) lange nicht. Erst nach der Halbzeit schienen alle Spieler der gleichen Marschroute zu folgen. Dadurch verlor das Spiel zwischendurch immer mal den Faden, und es tat sich längere Zeit nichts in den Strafräumen. Vergleicht man diese Leistung mit dem, was wir in der Hinrunde ansehen (des Öfteren auch ‚ertragen‘) mussten, ist der spielerische und mannschaftstaktische Fortschritt sehr deutlich zu erkennen, und ein großes Lob geht an dieser Stelle an das Trainerteam um Jens Keller. Letztendlich macht Schalke also sowohl auf der taktischen Ebene als auch im Kampf um die Champions League Plätze genau einen, wenn auch großen, Schritt nach vorne. Deshalb bin ich auch guter Dinge, dass bis zum Saisonende die nötige Menge an weiteren Schritten auch noch stattfindet.



PS: Wenn man sich anschaut, welche Spieler von Schalke für die neue Saison als interessant erachtet wurden oder werden (Sam, Firminho, Hahn), fällt auf, dass dies genau solche Hochtempospieler sind, welche in vielen Szenen des Spiels gegen Hertha BSC ihre Stärken hätten ausspielen können …

Torloses Derby: Glücklicher Punktgewinn

Das Rückrunden-Derby der Saison 2013/2014 endete torlos, 0:0. Nach starkem Beginn der Blauen blieb am Ende ein schmeichelhafter Punkterfolg. Ralf Fährmann war einmal mehr bester Spieler seines Teams.

Etwas mehr als 20 Minuten wusste Schalke zu überzeugen, zeigte sich der BVB von der Gangart der Blauen überrascht. Dass Schalke so aggressiv und weit in des Gegners Hälfte attackieren würde, damit hatte Jürgen Klopp offensichtlich nicht gerechnet. Dass Schalke nicht nur kontert, sondern nach Ballgewinnen mit der ganzen Mannschaft aufrücken könnte, schien ebenfalls in der Dortmunder Vorbereitung nicht bedacht worden zu sein.
Schalke schaffte auf den Flügeln Überzahl, bildete Dreiecke, ließ den Ball dort zirkulieren. Mal spielte man sich frei, mal flankte man nach innen. Schnell fand man nach Ballverlusten in die defensive Ordnung zurück. Schalkes Spiel wirkte überlegen, ohne dass es zu klaren Torchancen gekommen wäre.

Eine der großen Stärken der Borussia ist es aber, Schwächen im laufenden Spiel zu erkennen und abzustellen. Ab Mitte der ersten Halbzeit wurden Dortmunds Außenverteidiger besser unterstützt und Schalkes Spielidee wurde ineffektiv. Gleichzeitig kamen immer mehr Dortmunder Angriffe über die Seite Sead Kolasinac‘, der in dieser Phase defensiv recht hölzern agierte und offensichtlich als Schwachstelle ausgemacht wurde. Dortmund übernahm das Spiel und gab es nicht mehr aus der Hand.

In der zweiten Halbzeit zog Dortmund das Tempo nochmal an, während Schalke plötzlich müde wirkte. Der Einsatzwille stimmte zweifellos, aber man hatte der Dynamik der Borussia kaum noch was entgegenzusetzen. Eine Spielidee war auf Schalke Seite nun nicht mehr zu erkennen. Während in der Zentrale Prince und Meyer stets sofort von Gegnern umringt waren, kam es auf den Flügeln häufig zu 1:1 Situationen. Dabei sahen Julian Draxlers Aktionen auf der linken Seite oft noch recht vielversprechend aus, ohne dass sie letztlich Durchschlagskraft entwickeln konnten. Leon Goretzka auf der rechten Seite verlor den Ball in der Regel sofort.

Am Ende war Schalke nur noch ein Lucky Punch per Standardsituation zuzutrauen, ansonsten war das Spiel eine Abwehrschlacht. Diese war aller Ehren wert, wenn man bedenkt mit welchen Spielern Schalkes Abwehr gegen welche Spieler in Dortmunds Offensive antrat, wie groß der Unterschied an Erfahrung und erprobter Klasse bei diesem Duell war. Sehr häufig bekam Schalke noch ein Bein in die Dortmunder Spielzüge, und wenn nicht rettete Ralf Fährmann. Seine Dominanz, seine Ausstrahlung steigerte sich seit Beginn der Rückrunde von Spiel zu Spiel. Er ist der Schlüsselspieler für die bislang so erfolgreiche Bundesliga-Rückrundenbilanz des FC Schalke 04, und letztlich war er es, der die Null und damit den Punkt für Schalke in Dortmund festhielt.

Maximal verdienter Zittersieg

Schalke war die klar bessere Mannschaft, am Ende freute man sich aber doch noch über Befreiungsschläge. Schalke erspielte sich viele erstklassige Torchancen, die Treffer waren aber dennoch irgendwie knusselig. Braunschweig war hoffnungslos unterlegen, hätte um Fingerbreite aber doch noch einen Punkt gewonnen. Das 3:1 des FC Schalke 04 gegen Eintracht Braunschweig war beinahe ein kurioses Spiel. Am Ende blieb es zum Glück doch nur ein Sieg.

„Verdient“. Für eine solche Bewertung hat jeder seine eigenen Maßstäbe. Ich persönlich bewerte dies nach den erspielten bzw. zugelassenen Torchancen. Ich gehe davon aus, dass in vielen Fällen der Zufall aka das Glück dazu beiträgt, ob der Ball letztlich wirklich über die Linie geht oder nicht, ob der Stürmer ihn auf den richtigen Quadratzentimeter bekommt, ob das Bein im richtigen oder zu späten Bruchteil einer Sekunde in die Flugbahn rutscht. Aber die Chance als solche muss zunächst erspielt – oder verhindert – werden. Das ist die eigentliche Arbeit auf dem Platz, dafür braucht es das geeignete Konzept, das Können und den Einsatz. Nach Spielen wie gegen Wolfsburg oder Leverkusen konnte man deshalb meines Erachtens über das „verdient“ diskutieren. Nach dem Spiel gegen Braunschweig waren sich aber alle Beobachter einig.

Erst kontrollierte Schalke das Geschehen, später erspielte man sich reihenweise Chancen. Die Abwehr hatte kaum etwas zu tun, Braunschweig traute sich nichts zu, spielte selten klar nach vorne. Und doch war es nicht die spielerische Überlegenheit, die zum Erfolg führte. Ein Schuss von weit weg, den Braunschweigs Keeper hätte halten müssen, und ein Freistoß an die Mauer brachten Schalke mit 2:0 in Führung.
Wie auch immer, es fühlte sich sicher an, für mich jedenfalls, eigentlich schon zur Halbzeit. Doch dann kam trotzdem noch ein Warnschuss, den Ralf Fährmann über die Latte lenkte. Dann stand es plötzlich doch nur noch 2:1. Dann war es auf einmal spannend, und niemand wusste so recht warum.

In der entscheidenden Szene der Endphase dieser Begegnung kamen für Schalke dann noch Glück und die Klasse Ralf Fährmanns zusammen. Als Mirko Boland in der 83. Minute quer in Schalkes Strafraum passte geriet der Ball wenige Zentimeter zu nah an Omar Elabdellaouis Standbein. Dieser bekam daher sein Schussbein nicht mehr rechtzeitig in die beste Position und konnte den Ball nicht kontrolliert zur offenen, rechten Torseite platzieren, weshalb sein Schuss recht zentral, aber immer noch direkt und damit sehr plötzlich aufs Schalker Tor kam. Ralf Fährmann wiederum, der bei der Hereingabe schon zu Boden ging und dem durch Sead Kolasinac der Blick verstellt war, brachte mit einem überragenden Reflex die Hand an den Ball und rettete damit den Schalker Sieg.

Nach nunmehr 26 Spieltagen hat Schalke 50 Punkte auf dem Konto, exakt so viele wie auch in der Saison 2011/2012 zum gleichen Zeitpunkt. Vor zwei Jahren stand Schalke damit auf Platz 4. Dank der andauernden Ergebniskrise Leverkusens hat man nun damit einen fast schon komfortabel zu nennenden 6 Punkte-Vorsprung auf den ersten nicht direkt für die Champions League qualifizierenden Platz. Diesen zu verteidigen wird noch harte Arbeit, vor allem weil Jens Keller durch die lange Verletztenliste kaum noch Möglichkeiten hat, durch Spielerwechsel auf bestimmte Gegner oder Spielsituationen zu reagieren. Aktuell ermöglicht dieser Vorsprung aber einen gelassenen Blick aufs Derby am Dienstag. Man kann Platz 2 erobern aber Platz 3 nicht verlieren. Schön.

Schalke.V.ereint

In demokratisch geprägter Politik geht es um verschiedene Meinungen, um das Werben darum und um das Erlangen einer Mehrheitsentscheidung. In demokratisch geprägter Vereinspolitik ist das nicht anders. Der FC Schalke 04 ist ein solcher Verein, laut Satzung ist die Mitgliederversammlung das oberste Beschlussorgan. Der aktuelle Vorstand und Aufsichtsrat hat zu den Themen für die am 04. Mai stattfindenden Jahreshauptversammlung bereits ausführlich für seine Meinung werben können. In einer Magazinausgabe des Schalker Kreisels wurde jedem Mitglied, unter der neutralen Darstellung aller Anträge, die Meinung der Clubführung in Farbe präsentiert. Andere Meinungen haben es sehr viel schwerer, sich Gehör zu verschaffen. Um diese Situation zu verbessern gibt es jetzt eine Initiative nebst entsprechender Webseite: „Schalke.V.ereint“

Dahinter steht keine einzelne Organisation. Die Macher sind Mitglieder verschiedener unabhängiger Fanorganisationen und unorganisierte Fans. Bei den Inhalten gehe es laut eigener Aussage darum, die einzelnen Anträge zur Jahreshauptversammlung zu analysieren. Dabei sollen die Motive der Antragsteller herausgearbeitet und hinterfragt, sowie die Pros & Kontras aus Sicht der Initiative „Schalke.V.ereint“ dargestellt werden. Man möchte ein Gegengewicht zur Darstellung im Schalker Kreisel bieten und damit den Mitglieder des FC Schalke 04 bei den zu treffenden Entscheidungen ein Urteil ermöglichen, das nicht nur einseitig, durch die Interessen von Vorstand, Aufsichtsrat und Schalker Fan-Club Verband, vorgeprägt ist.

Ich persönlich wünsche mir, dass sich möglichst viele Mitglieder bereits im Vorfeld der Jahreshauptversammlung Gedanken zu den verschiedenen Themen und Anträgen machen. Obwohl ich keiner „Seite“ ein pauschales Dafür erteilen will, kann ich eine geeignete Darstellung einer „anderen Meinung“ nur gutheißen. Ich hoffe es gelingt.

Schalkes Nachwuchs darf sich mit Barca messen

Schalkes U19 wird im Halbfinale der „UEFA Youth League“, der Jugend-Champions League, auf den FC Barcelona treffen. Die Katalanen setzten sich gegen Arsenal durch, Schalke besiegte zuvor Chelsea. Dass die Mannschaft von Norbert Elgert zu diesem Kreis gehört, ist ein beachtlicher sportlicher Erfolg. Es ist auch ein Indiz für die gute Arbeit, die auf Schalke im Jugendbereich geleistet wird. Etwas, dass jedem Fan ein gutes Gefühl bescheren muss.

Sead Kolasinac, Max Meyer und Kaan Ayhan sind die bislang letzten Spieler aus der eigenen Jugend, die in Schalkes Bundesligamannschaft gestoßen sind. Alle drei konnten schon zeigen, dass sie dort hingehören. Derweil bereitet Meister Elgert die nächste Lore Grubengold vor. Stürmer Donis Avdijaj, Mittelfeldspieler Pascal Itter und Verteidiger Marvin Friedrich werden sich als die Nächsten beweisen dürfen. Ein Ende ist nicht abzusehen.

Dazu braucht es selbstverständlich mehr als nur den herausragenden Jugendtrainer Norbert Elgert. Eine ordentliche Jugendarbeit leistete Schalke schon immer. Seit Horst Heldt auf Schalke das Sagen hat wurde daraus aber mehr. Gleich bei seinem ersten Auftritt als Sportchef bei einer Jahreshauptversammlung kündigte er an, sich um die Scouting- und Jugendabteilung kümmern zu wollen. In beiden Bereichen gab es danach personelle Veränderungen und es wurden Verantwortlichkeiten umorganisiert. Heute ist das, was nun „Knappenschmiede“ genannt wird, eine Vorzeigeabteilung mit direktem Anschluss an den Profikader.

Mit diesem Konzept der höchstmöglichen Durchlässigkeit von der Jugend zum Profikader schafft Schalke mehr Identität als mit einem ominösen „Leitbild“, gegen welches schon so häufig im Kleinen wie im Großen verstoßen wurde. Außerdem schafft Schalke damit Werte. Egal ob man „nur“ das Geld für Zugänge aus der Fremde spart oder ob man gelegentlich ganz große Talente für Millionen an noch größere Clubs verkauft: Für den FC Schalke 04 als einem Club mit nach wie vor hohem Schuldenstand, der seine Einnahmen aus Werbung und Ticketverkäufen nicht mehr signifikant steigern kann, ist dieses Produzieren von Fußballqualität auch ein Weg zu einer finanziell besseren Zukunft.

Schalkes Halbfinale gegen Barcelona wird im Rahmen eines Endrundenturniers im schweizer Nyon ausgetragen. Beide Halbfinale finden am 11. April statt, das Endspiel folgt drei Tage später. Rückspiele oder ein Spiel um Platz 3 gibt es nicht.



Lesetipp: Interview mit Horst Heldt zum gleichen Thema