Schalke im Kola-Rausch zum Derbypunkt

Im ersten Derby der Saison 2016/2017 trennen sich Schalke 04 und Borussia Dortmund torlos, 0:0. Meines Erachtens ein gerechtes Ergebnis, nachdem in der ersten Halbzeit die Blauen, und in der zweiten Hälfte die Gelben das bessere Team waren.

Ein Spiel, dass neutralen Zuschauer wenig gab, das den meisten Fans ob der Spannung und Intensität aber gefiel. Ich war zufrieden nach dem Abpfiff und ich war auch zufrieden mit meiner Überschrift, als sie mir einfiel. Den halben Text hatte ich bereits im Kopf, dennoch gibt es jetzt hier einen Cut.

Meine kleine Familie umfasst zwei Kinder und eine ziemlich kranke Frau. Das ist alles nicht neu und ich habe mich damit eingerichtet. Mein Dasein als Schalker und als Schreiber dieses Blogs ist meine Parallelwelt, mein Hobby, meine Lieblingsablenkung. Doch ab und an gerät mein Alltag schon mal aus der Balance und überfordert mich. Meistens fällt das nicht auf, denn wenn ein geplanter Dienstagtext nicht erscheint weiß niemand was er vermisst. Diesmal war es mir aber nicht möglich, mich zum Text zum Derby zu konzentrieren, weshalb es mir ein Bedürfnis war, dies zu erklären.

Ich setze diese Woche aus. Danach folgt die Länderspielpause. Am 11. Spieltag treten die Blauen in Wolfsburg an. Am Montag danach, am 21. November, geht’s auch in diesem Blog weiter.

Glückauf.

DFB-Pokal: Schalke zieht ins Achtelfinale ein

Schalke 04 gewinnt beim Club in Nürnberg 3:2 und zieht ins Achtelfinale des DFB-Pokals ein. Der nächste verdiente Sieg, auch wenn am Ende die Souveränität fehlte, die man nach der ersten Hälfte erwartet hatte.

Alles war Schalke, an diesem Abend. Im Guten wie im Schlechten. Aus eigener Kraft hätte Nürnberg niemals zurück ins Spiel gefunden. Also erledigten das Baba und Caicara für den Club, ungeschickt und ungestüm. Selbstgemacht eine Schlussphase, die nicht wirklich heiß, aber doch warm, und damit eben nicht so cool war, wie Schalker es sich gewünscht hätten.

Dabei hätte Schalke in der zweiten Hälfte für sich selbst auch locker zwei Treffer erzielen können. Und dabei hätte Schalke auch schon zur Halbzeit 5:0 führen können. Aber sich zur Pause zu beschweren, darauf kam man nicht, weil das Spiel der Blauen bis dahin tatsächlich Spaß gemacht hatte.

Schalke ließ Ball und Gegner laufen. Eckstöße kamen bei Mitspielern an, ordentliche Kombinationen führten zu Torchancen. Zweifellos gegen einen Gegner, der nicht auf der entsprechenden Höhe war. Dennoch ein Spiel wie aus einem Guß, was man so lange nicht gesehen hatte; auch nicht gegen unterklassige Gegner.

Letztlich ist die Bewertung vielleicht eine Frage der eigenen Einstellung. Schalke hat ein Spiel mal wieder nicht hochklassig zu Ende gebracht, mögen die einen bemängeln. Die anderen freuen sich über den fünften Sieg im sechsten Pflichtspiel, über die erkennbar gesteigerte Ballsicherheit, über gelungene Spielzüge und darüber, dass das Rotieren Weinzierls produktive Konkurrenzsituationen schafft.

Ich zähle mich zur zweiten Gruppe.

Wörtlich: Jens Keller

Jens Keller ist nun Trainer in der zweiten Liga, bei Union Berlin. Anlässlich deren heutigem Pokalspiel in Dortmund gab er der RevierSport ein Interview.

Ich glaube, was man hier auch reinbringen muss, ist, dass man auch mal kritisch mit der Mannschaft ist. Sonst denken die Spieler, sie sind in einem Schlaraffenland. Ein Profisportler muss für bestimmte Dinge auch schon mal „bestraft“ werden. Das heißt nicht, dass man uns niedermachen muss. Aber die Mannschaft sollte schon spüren, dass sie Leistung bringen muss.

… antwortete er auf eine Frage zur Fankultur bei Union; ob er denn erst damit hätte klarkommen müssen, dass beispielsweise bei Niederlagen nicht gepfiffen werden würde.

Gleich drauf deckt der Interviewer das Doppel in seinem Frage-Memory auf. Auf Schalke sei das mit den Pfiffen wohl anders gewesen. Dazu Jens Keller …

Keine Frage. Schalke hat auch ein tolles Publikum, und wenn es gut läuft, unterstützen sie die Mannschaft bis aufs Letzte. Aber es fallen doch schneller kritische Worte. Und aus meiner Sicht werden auch teilweise Dinge ungerecht bewertet.

Und wie so oft in den letzten Jahren lässt mich Jens Keller auch nach solch einem kurzen Hochschwappen in der Suppe der Nachrichten- und Internet-Fetzen zum FC Schalke 04 ratlos zurück. Wie so oft steht für mich über dem, was er so sagt, die Frage: „Wat willer eigentlich?“

Verdienter Sieg gegen Mainz sorgt für Zuversicht

Schalke bleibt auch im fünften Spiel in Folge ungeschlagen, besiegt Mainz 05 verdient mit 3:0. Ein Sieg Markus Weinzierls, dessen veränderte Formation funktionierte und dafür sorgte, dass Mainz nie wirklich ins Spiel kam.

In Krasnodar agierte Max Meyer hinter dem Stoßstürmer. Gegen Mainz 05 stand Leon Goretzka wieder zur Verfügung. Ihn auf die Bank zu setzen war keine Option, dafür ist er beim Bällegewinnen zu wichtig. Mit Ball ist aber Max Meyer ein Gewinn für diese Mannschaft. Also änderte Markus Weinzierl das System.

Leon Goretzka bilde die Spitze einer Mittelfeld-Triangel mit Nabil Bentaleb und Johannes Geis. Die Außenbahnen wurden von Sead Kolasinac und Alessandro Schöpf beackert, die unter Druck zu Außenverteidigern an den Flanken einer 3er-Abwehrkette mit Benni Höwedes, Naldo und Matija Nastasic wurden, mit Ball aber als Flügelstürmer bis zur gegnerischen Grundlinie agierten. Vor Goretzka agierte Max Meyer neben Franco Di Santo, wobei sich Meyer flexibel auch mal zurückfallen ließ oder auf Außen auswich.

Der Schlüssel zum Erfolg war die starke Laufarbeit von Kolasinac und Schöpf. Man hatte nie den Eindruck, dass auf den Flügeln ein Mann fehlen würde. Beiden gelang es, im Zusammenspiel mit Bentaleb und Geis Druck zu erzeugen, wenn der Gegner über die Außen kommen wollte, ohne dass dieser in den freien Raum hinter sie hätte spielen können. Im Zentrum hatte Schalke mit Goretzka, Bentaleb und Geis in der Regel alles im Griff. Und im Spiel nach vorne profitierten sowohl Max Meyer, als auch Franco di Santo von der Nähe des anderen, von der einen, nahen Anspielstation mehr, im Vergleich zu den Systemen mit einem Stoßstürmer.

Am achten Spieltag war dies war das erste Ligaspiel, das Schalke über 90 Minuten im Griff hatte. Meines Erachtens hätte Schalke in der ersten Hälfte mehr aus seinen Feldvorteilen machen müssen, als dass ich das Offensivspiel gut hätte nennen wollen. Aber mit dem frühen Treffer in der zweiten Halbzeit war das Ding dann flott durch und jegliche Diskussion darum obsolet.

Innerhalb des Systems gelang es diesmal auch Franco Di Santo, auf sich aufmerksam zu machen. Zwei Treffer bereitete er vor, vor allem aber lief er viel, zeigte vorbildlichen Einsatz. Im Vergleich zu Klaas-Jan Huntelaar ist Franco di Santo der „emboloigere“ Spieler. Plötzlich und unerwartet scheint es so, als könne der bislang als Fehleinkauf angesehene Stürmer vielleicht doch noch eine Rolle für sich im neuen Team des S04 finden.

Vor der so wichtigen Woche mit dem Pokalspiel in Nürnberg und dem Derby in Dortmund sorgt Schalke auf dem Platz für Zuversicht.

Schalke siegt in Krasnodar

Schalke 04 gewinnt in Krasnodar 1:0 und hält sich in der Gruppenphase der Europa League auch im dritten Spiel schadlos. In der ersten Hälfte war Schalke die klar bessere Mannschaft. In Halbzeit zwei konnte Krasnodar die Initiative übernehmen. Am Ende hatte Schalke ein bisschen Glück.

Die Anfangsphase machte großen Spaß. Schalke presste hoch und suchte nach Ballgewinnen mit Tempo den Weg zum Tor. Schalke agierte, wie man es als Fan sehen will, und belohnte sich nach 11 Minuten mit dem 1:0.

Nach einer knappen halben Stunde agierte Schalke tiefer. Man ließ Krasnodar agieren, kontrollierte aber das Spiel. Bis Mitte der zweiten Halbzeit war Schalke stets Herr der Lage. Erst dann konnte Krasnodar mehr Druck auf Schalkes Tor ausüben. Zu Torchancen kam Krasnodar erst in der Schlussphase.

Als Fan vor dem TV hätte ich mir gewünscht, dass Schalke nach dem Treffer so weiterspielt hätte wie zuvor. Ich hatte den Eindruck, dass Krasnodars Defensive mit den agil agierenden Schalkern überfordert war, dass Schalke so weitere Treffer hätte erzielen können, dass es so möglich gewesen wäre, das Spiel früh zu entscheiden. Aber ich weiß wenig über den FK Krasnodar. Ich habe ihre Spiele nicht beobachtet, ich konnte sie nicht einschätzen.

Schalkes Trainerteam entschied, dass es besser sei Krasnodar tiefer stehend gegenüberzutreten, und letztlich war diese Marschroute erfolgreich. Schalke zeigte sich ballsicher und aufmerksam. Evgen Konoplyanka war der auffälligste Spieler auf dem Platz, Benjamin Stambouli war weniger auffällig Schalkes wichtigster Spieler, der Anker im Mittelfeld, am Ende hielt Ralf Fährmann den Sieg fest. Ein Sieg, der mit Spielern eingefahren wurde, die zuletzt häufiger auf der Bank saßen, und mit der Formation einer variablen 3er/5er-Abwehrkette, anders als zuletzt. Ein Sieg, der auch und gerade deshalb für Zuversicht sorgen kann.

Max Meyers nächste Chance

Beim olympischen Fußballturnier im Sommer war Max Meyer ein Star in einer tollen Mannschaft, die am Ende die Silbermedaille gewann. In der bisherigen Saison des FC Schalke 04 kam er nicht über den Status eines Ergänzungsspielers hinaus. In der vergangenen Woche gab er sich gegenüber der Sport Bild unzufrieden. Heute, beim Europa League Spiel der Blauen in Krasnodar, wird er seine nächste Chance bekommen.

Er habe nicht damit gerechnet, dass er auf der Bank sitzen würde, wurde Max Meyer im Heftchen des Springer Verlags zitiert. Natürlich sei er mit seiner Situation unzufrieden. Es ist nicht das erste Mal, dass das von der Agentur ROGON beratene Talent in einer schwachen Phase der Presse Unmutsäußerungen in die Texte diktiert. Es ist anzunehmen, dass solche Aktionen weder bei der Presseabteilung des FC Schalke 04, noch bei Trainer Markus Weinzierl besonders gut ankommen.

Die Beispiele Sead Kolasinac und Johannes Geis zeigten, dass gute Leistungen auf dem Platz der erfolgreichere Weg sind, um sich für mehr Einsätze aufzudrängen. Als Baba vom FC Chelsea für die Linksverteidiger-Position ausgeliehen wurde, glaubten manche Fans darin schon das Ende von Kolasinac‘ Zeit auf Schalke zu erkennen. Doch sein Einsatz auf dem Feld wusste zu überzeugen und brachte ihn immerhin schon in vier der zehn Pflichtspiele in die Startelf. Auch für Johannes Geis schien die Situation im Kader nicht gut zu sein, nachdem er gegen Ende der letzten Saison nicht überzeugte und Schalke mit Bentaleb und Stambouli gleich zwei neue Spieler fürs defensive Mittelfeld verpflichtete. Nun setzt Markus Weinzierl aber doch auf immer wieder auf ihn, und seine langen Pässe sind eine wichtige Variante im Spiel der Blauen.

Von Max Meyer bekam man in dieser Saison lediglich 30 gute Minuten zu sehen. Als er im Europa League Spiel in Nizza eingewechselt wurde, belebte er Schalkes Spiel. Seine übrigen Auftritte waren pomadig. Ihm sagt man Kreativität nach, seine Pässe sollen Mitspieler in Abschlusssituationen bringen. Das gab es aber nicht zu sehen. Zudem war Leon Goretzka im offensiven Mittelfeld bei gegnerischem Ballbesitz der laufstärkere und aggressivere Spieler.

Leon Goretzka wird beim heutigen Spiel in Krasnodar fehlen, ebenso wie Nabil Bentaleb. Nicht weil sie geschont werden würden, eher im Gegenteil. Krasnodar hat bislang zweimal gewonnen, ebenso wie Schalke. Man werde das Spiel mit 100% angehen und dafür brauche man zu 100% fitte Spieler, sagte Markus Weinzierl in der Pressekonferenz zum Spiel. Goretzka und Bentaleb waren nach dem Spiel in Augsburg beide angeschlagen. Ziemlich sicher wird Max Meyer heute also die nächste Chance bekommen, sein Können zu zeigen.

Max Meyer ist 21 Jahre jung. Ein großes Talent. In dem Alter muss er das Spiel eines Bundesligaclubs nicht alleine tragen. Wenn ihm allerdings die Wertschätzung fehlt, wenn er sich nicht genug geachtet fühlt, muss er seinen Wert eben auch ab und an unter Beweis stellen. Das Liefern steht vor dem Jubel. Der Jubel über eine olympische Silbermedaille mit einer U21-Mannschaft ist für den Männerbereich der Bundesliga ohne Bedeutung.



Foto: Tomek Bo

Zur Trainerdiskussion hier & in den Social Networks

Der VfL Wolfsburg hat sich vorgestern von Trainer Dieter Hecking getrennt. 2015 wurde Hecking noch zum Trainer des Jahres gewählt. Aktuell hat Wolfsburg zwei Punkte mehr als Schalke 04.

Schalker sind viele, es gibt immer alle Meinungen, und spätestens gestern ist das ewig wiederkehrende Kapitel „Trainerdiskussion“ auch in diesem Blog angekommen, in den Kommentaren unter dem letzten Beitrag.

Mit Blick auf die nur vier Punkte aus sieben Bundesligaspielen und auf das wahrlich nicht gut anzuschauende Spiel in Augsburg halte ich das für sehr normal. Falsch finde ich lediglich die immer wieder aufkommenden Vergleiche mit früheren Trainern. Man müsse die Arbeit Breitenreiters nun anders bewerten, las ich, oder dass Jens Keller und André Breitenreiter nach zehn solcher Pflichtspiele längst in der Luft zerrissen worden wären.
Das ist meines Erachtens unlauter. Zum einen, weil im Nachhinein jede schlechte Phase immer erträglicher in Erinnerung bleibt als sie sich akut anfühlte, und weil hierbei die akute Erfolglosigkeit Weinzierls mit offensichtlich verblassenden Erinnerungen verglichen wird. Zum anderen, weil es schlicht unfair ist, Trainer, die zumindest eine Saison Zeit für ihren Eindruck hatten, Markus Weinzierl gegenüberzustellen, der bislang nur für 10 Pflichtspiele verantwortlich war. Letztlich sind solche Vergleiche nur eine Kritik am aktuellen Trainer, kaschiert mit einem Feigenblatt angeblicher Objektivität oder Fairness gegenüber den früheren Verantwortlichen.

Ich selbst bin weit davon entfernt, Markus Weinzierl als irgendwie schwach, schlecht oder falsch zu erachten. Schalke fehlen sechs Punkte. Spiele wie die gegen Bayern München, Nizza und Borussia Mönchengladbach haben aber gezeigt, dass nichts grundsätzlich verkehrt läuft. Wie viele andere Schalker bin ich der immer gleichen Beißreflexe gegen den Trainer nach solch kurzen Misserfolgsphasen müde. Mut macht mir aktuell das Wirken des Clubs, der sich anders darstellt als zuvor in ähnlichen Situationen.

Aus dem Aufsichtsrat gibt es keine Statements zu lesen. Der Vorstand Sport/Kommunikation ist präsent und äußert nichts, was den Trainer irgendwie angreifbarer machen würde. Der Trainer selbst bleibt auf Pressekonferenzen nüchtern und sachlich. Das alles trägt dazu bei, dass bislang in den Medien keine krachenden Schlagzeilen gegen Schalkes Trainer zu lesen waren. Dass jeder Bundesliga-Trainer unter Erfolgsdruck steht ist vollkommen klar, dazu braucht es keine Schlagzeilen. Dass Schalke es aktuell so gut hinbekommt, sich nach Außen „cool“ zu zeigen, trägt dazu bei, dass sich Trainer und Mannschaft in relativer Ruhe auf die weiteren Aufgaben vorbereiten können.

Auch deshalb sind Thesen nach dem Muster „der Andere hätte/wäre in dieser Situation dies oder das …“ Mumpitz. Auf Schalke agiert ein Trainer nie alleine, sondern im Tandem mit dem zuständigen Vorstand, der „die Situation“ maßgeblich mitgestaltet. Christian Heidel zeigt den zuvor erhofften breiten Rücken. Er wird einen Trainer dann entlassen, wenn er den Eindruck hat, dass dieser in Zukunft die Mannschaft nicht voranbringen kann, nicht weil in der Vergangenheit Punkte liegen blieben.

Eben das schreibe ich übrigens auch Klaus Allofs in Wolfsburg zu. Dessen Entscheidung zu einem Trainerwechsel basiert sicher nicht nur auf der Wahrheit der fehlenden Punkte der aktuellen Saison. Nach 2015 hat sich die Mannschaft des VfL unter Dieter Hecking über eine komplette Saison zurückentwickelt und Allofs nun zu einem Neuanfang veranlasst. Schalkes Saison ist nach einem kompletten Neuanfang immer noch sehr jung.

Ma’abwarten.



Foto: Tomek Bo