André Breitenreiter

Auf Schalke Trainer zu sein ist nicht der angenehmste Job, den man haben kann. Ich sage aber nicht, dass er das nicht hinbekommen würde. Man darf ihn nicht unterschätzen. Er kam aus der vierten Liga nach Paderborn und man hat ja gesehen, was er aus dem Verein gemacht hat. Nicht nur, dass er den Aufstieg geschafft hat, er hat auch diverse andere Sachen voran gebracht. Das Trainingszentrum war jahrelang ein Diskussionsthema und wird jetzt endlich gebaut. Und er ist tatsächlich ein sehr, sehr guter Trainer, der nicht umsonst heiß umworben wird.

So sprach Stephan Simann, SC Paderborn-Blogger, vor einer Woche im Rasenfunk Royal über André Breitenreiter, als thematisiert wurde, dass Breitenreiter als Di Matteo-Nachfolger im Gespräch sei. Seit heute ist André Breitenreiter offiziell Roberto Di Matteos Nachfolger und neuer Trainer des FC Schalke 04. Ich finde das gut.

André Breitenreiter ist ein geerdeter Typ und passt meines Erachtens gut zu diesem Club. Jedenfalls zu dem FC Schalke wie ich ihn sehe. Ich mag, dass es in seiner Karriere bislang stets nach oben ging. Ich mag, dass Schalke einen Trainer verpflichtet hat, der über eine gewisse Erfahrung verfügt, für den Schalke aber trotzdem der nächste große Schritt ist.

Wer in André Breitenreiter nur einen Bundesliga-Absteiger sieht ist ignorant. Tatsächlich ist sein bisheriger Trainerweg eine Erfolgsstory. Den Regionalligisten TSV Havelse rettete er zunächst vor dem Abstieg, führte ihn bis auf Platz 2, qualifizierte sich über den Gewinn des Niedersachsenpokals für den DFB-Pokal und warf in der ersten Runde den 1. FC Nürnberg raus. Damit machte er auf sich aufmerksam und Paderborn holte ihn in die zweite Liga. Den SCP machte er von einem durchschnittlichen Zweitligisten zum Aufsteiger. Und in einer Erstligasaison, vor der man den Club schon mit Tasmania Berlin vergleichen wollte, in der Paderborn als Mannschaft galt, die so früh absteigt wie Bayern Meister wird, holte Breitenreiter mit einer kaum verstärkten Truppe immerhin 7 Siege und 31 Punkte. Tatsächlich stieg Paderborn erst am letzten Spieltag auch rechnerisch ab. Das war mehr als jeder erwartet hatte.

André Breitenreiter beherrscht die freie Rede. Auf Pressenkonferenzen und in Interviews ist er klar und direkt. Mit den medialen Anforderungen auf Schalke wird er keine Probleme haben. Seine Spieler in Paderborn machte er zu einem verschworenen Haufen. Ob ihm das auch mit seinen neuen Spielern gelingt, ob er die Präsenz bieten kann, nach der dieser Club nach den wenig präsenten Trainern Roberto Di Matteo und Jens Keller so sehr dürstet, ob er letztlich erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten. Aber die Garantie hätte man auch bei keinem anderen der kolportierten Kandidaten für diesen Job gehabt. Womit ich noch kurz zu Marc Wilmots kommen möchte.

Ich glaube, dass nur die allerwenigsten derjenigen, die gerne Marc Wilmots als neuen S04-Trainer gehabt hätten, dessen Leistungen als Trainer einschätzen können. Davon sieht man hier schlicht zu wenig. Ich glaube, dass die Hoffnungen bezüglich Marc Wilmots eher dahin gingen, dass er eine starke Persönlichkeit ist und dass man ihm zugetraut hätte, die Führung des Clubs zu übernehmen, die sportliche Ausrichtung zu bestimmen. Eben das ist aber der Job Horst Heldts.
Man mag von Horst Heldt halten was man will und ich persönlich könnte mir sehr gut eine andere Struktur vorstellen. Aber solange der Club einen operativen Vorstand Sport beschäftigt bleibt ein Trainer ein Trainer, und nicht mehr. Schalke ist in einer schwierigen Phase, hat die Fans gegen sich aufgebracht, spielt schlechten Fußball und muss zu sich zurückfinden. Ein Gegeneinander im operativen Bereich ist definitiv etwas, was dieser Club gerade überhaupt nicht braucht.

Herzlich Willkommen und Glückauf, André Breitenreiter.

Tanzbär der Medien

Die neue Saison wirft ihre Schatten voraus. Im DFB-Pokal muss Schalke in Duisburg antreten, beim MSV. Ein schönes Los, man könnte sich auf Fußball freuen, wenn einen der eigene Club denn ließe. Lässt er aber nicht, denn die Zeit seit Ende der letzten Saison ist eine Verlängerung des schlechten Gefühls.

Kein Fußballclub in Deutschland wird von den Medien derart am Nasenring durch die Arena der öffentlichen Meinung gezogen, wie der FC Schalke 04. Der Club hat sich bislang zu keinem der kolportierten Trainerkandidaten offiziell geäußert. Trotzdem wissen die Zeitungen Dinge zu berichten, welche öffentliche Bestätigungen finden: Marc Wilmots bestätigte die Anfrage des Clubs und damit die Veröffentlichung der Bild. Weinzierl-Berater Roman Grill bestätigte des FCA-Trainers Absage an Schalke und damit die Zeitungsmeldungen von gestern.

Im Fall Weinzierl konnte auf Schalke eigentlich niemand ein Interesse daran haben, eine entsprechende Meldung zu lancieren. Von wo aus welche Infos an welche Journalisten gehen, ich weiß es nicht. Sicher ist aber, dass die öffentliche Debatte dem Club schadet, und dass der Club offensichtlich nicht in der Lage ist, dem etwas entgegenzusetzten.

Im dargestellten Handeln wirkt Schalke willkürlich und unfähig. Nicht nur, dass sich die Mannschaft in der abgelaufenen Saison nicht als solche präsentierte und gruseligen Fußball bot, nicht nur, dass der Club mehr und mehr die eigenen Fans gegen sich aufgebracht hat, nicht nur, dass man ohne Trainer dasteht und ohne einen solchen die Planungen für die kommende Saison nicht angehen kann: Man gibt in den Medien auch noch das Bild eines Dorfvereins ab, über den ganz Deutschland entweder lacht oder beschämt den Kopf schüttelt. Das Bild des FC Schalke 04 im Sommer 2015 könnte schlechter nicht sein.

Es ist zum heulen, dass ein so großer und eigentlich großartiger Club derart vorgeführt wird.

Gerüchte um Weinzierl

Die Bild brachte vor zwei Wochen die Meldung, Schalke wolle Marc Wilmots und habe auch bereits mit ihm verhandelt. Dies wurde später von Wilmots selbst bestätigt. Die WAZ berichtete gestern, dass auch Sascha Lewandowski ein Kandidat für Schalke sei und gute Karten habe. Die RuhrNachrichten wussten heute früh keinen neuen Namen zu nennen, sie schrieben aber, es gäbe neben Wilmots und Lewandowski noch einen anderen Kandidaten. Heute Abend kam Spiegel Online dann mit dem entsprechenden Namen raus: Markus Weinzierl.

Der Trainer des FC Augsburg sei von Beginn an Schalkes Wunschtrainer gewesen. Es habe bereits Ende Mai Gespräche gegeben. Schalke habe ihm einen Vierjahresvertrag angeboten. Weinzierl habe die Möglichkeit zu einem Wechsel, er habe sich ausbedungen, dass der FC Augsburg bei einem für ihn interessanten Angebot verhandlungsbereit sein müsse, als er seinen Vertag erst vor kurzem verlängert hatte. Gegenüber Schalke habe er sich Bedenkzeit erbeten.

Keine halbe Stunde nach der Veröffentlichung bei Spiegel Online titelte Bild: „Weinzierl will zu Schalke“. Er habe eine Ausstiegsklausel und könne Wilmots „tatsächlich noch ausstechen“. Noch ein Stündchen später kam auch Sport1 um die Ecke und schrieb, nach ihren Informationen böte S04 einen Dreijahresvertrag, und Weinzierls Entscheidung würde noch in dieser Woche fallen. Auch Sport1 schrieb von einer Ausstiegsklausel. Ungefähr zeitgleich brachte auch die „Augsburger Allgemeine“ die Geschichte. Hier kam Klaus Hofmann, der Präsident des FC Augsburg, in einer Stellungnahme zu Wort und zeigte sich überrascht. Er habe keine Informationen, dass Weinzierl den Club verlassen wolle. Weiter hieß es in dem Text, dass Weinzierl nach Informationen der Redaktion keine Ausstiegsklausel habe.

Was ich davon halte?
Ich zähle nach, welche Medien sich noch nicht hervorgewagt haben.

Auf die Ohren: Rasenfunk Royal


Deprimierend war der Saisonabschluss der Blauen, das Gefühl zum Abschluss der Saison. Also war derart meine Beschreibung dessen. Wie hätte ich fröhlich klingen sollen, nach diesem Mist?!

Letztlich war ich selbst aber nicht wirklich deprimiert sondern schlicht sachlich, als einer von 18 Gästen des Rasenfunk Royal, der seine Meinung zur Saison kundtun durfte. Im Slot der Plätze 5-7 steckte ich zudem mit großartigen „Mitgästen“, nämlich Kristell Gnahm, deren Glücklichsein als Fan des FC Augsburg aus jedem Satz wabberte, und mir Stefan Vogel, der zwar Borusse ist, dessen nüchterner Blick auf den Tullus um der Gelben Trainergott letztlich eine Wohltat im Ohr darstellte.

Den Rasenfunk Royal gibts in drei Teilen. Insgesamt ist das natürlich viel zu hören, aber ihr habt ja Brückentag und Wochenende …
Also los:

Zum FC Bayern München: Yalcin Imre (ab 07:28) | Zum VfL Wolfsburg: Lars Vollmering (ab 49:44) | Zu Borussia Mönchengladbach: Peter Ahrens (ab 1:24:54) | Zu Bayer 04 Leverkusen: Eric Brühl (ab 1:44:02) | Zum FC Augsburg: Kristell Gnahm (ab 02:01:48) | Zum FC Schalke 04: Meine Wenigkeit (ab 02:24:24) | Zu Borussia Dortmund: Stefan Vogel (3:07:32)

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(03:44:08)
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Zur TSG Hoffenheim: Malte Kaja (ab 00:31) | Zu Eintracht Frankfurt: Marvin Mendel (ab 33:41) | Zu Werder Bremen: Sebastian (ab 1:25:48) | Zu Mainz 05: Mara Braun (01:57:25) | Zum 1. FC Köln: Ralf Friedrich (ab 2:27:40)

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(02:58:39)
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Zu Hannover 96: Klaas Reese (ab 01:58) | Zum VfB Stuttgart: Andreas Zweigle (ab 40:37) | Zu Hertha BSC: Uwe Bremer (ab 1:10:53) | Zum Hamburger SV: Florian Neumann (ab 1:41:21) | Zum SC Freiburg: Sven Metzger (ab 2:27:57) | Zum SC Paderborn: Stephan Simann (ab 3:00:20)

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(03:55:01)
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Die Relegation: Dramatik als Qualität

Die Relegationsspiele zwischen dem Hamburger SV und dem Karlsruher SC boten viel schwachen Fußball, aber letztlich eben doch viel Dramatik. Davor, währenddessen und danach: Immer wieder höre oder lese ich, dass man die Relegation unbedingt abschaffen müsse, weil sie nicht fair sei. Ich kann das nicht verstehen. Fairness im Profiwettbewerb ist eine Illusion und der gestrige Showdown war ein Highlight, wenn nicht das Highlight der Saison! Davon lebt die Liga.

Die Bundesliga hat einen Meister für den die Schale nicht mehr als ein Trostpreis ist, für den die Bundesliga nur noch Trainingsbetrieb darstellt. Einen Kampf um den Titel gibt es nicht mehr, an ihrer Spitze ist die Liga gähnend langweilig. Der Pokalwettbewerb hat Charme, aber der diesjährige, vom Weltkonzern gepimpte Titelträger ist so sympathisch wie ein Furunkel am Hintern, und die Feier dieses Titelgewinns war kaum mehr als ein Betriebsausflug. Nichts, was dem Fußballfan irgendwelche Emotionen hätte bescheren können. Natürlich ist da für Vereinsfans noch der Kampf um die Plätze, aber dabei geht es eben nur um Zukunft. Emotionen müssen aber im Hier und Jetzt gelebt werden.

Im gestrigen Relegationsspiel konzentrierte sich eine Saison auf kaum mehr als eine Stunde. Etablierte Großkotze kurz vor dem Fall. Emporkömmlinge mit mehr Herz denn Plan. Ein Plot der sich zu der Geschichte „historischer Ligawechsel“ aufbaute, der dann durch eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters umgestoßen wurde; der dann auf ein Elfmeterschießen als dramatischste Variante zulief, aber auch von dieser Schiene gerissen wurde, durch die Entscheidung, kurz vor Schluss.

Das ist Bundesliga. An eine im April feststehende Meisterschaft mit 15 Punkten Vorsprung kann sich in zwei Jahren niemand mehr erinnern. Das gestrige Spiel wird ewig in Erinnerung bleiben. Bei HSV- und KSC-Fans, und bei allen diesen Freaks, für die der Fußball nicht nur aus Taktiktafeln besteht, für die Qualität nicht erst im Viertelfinale der Champions League beginnt, die eben auch Leidenschaft und Dramatik als Qualität erachten.

Die 10-Jahres-Tabelle der Bundesliga

Die 10-Jahres-Tabelle der Bundesliga



Für den FC Schalke 04 stehen in dieser Zeit zu Buche:

2005/2006: UEFA-Cup Halbfinalist, UEFA-Cup Qualifikation | 2006/2007: Vizemeister, Champions League Qualifikation | 2007/2008: Champions League Viertelfinale, Qualifikation zur Champions League-Qualifikationsrunde | 2009/2010: Vizemeister, Champions League Qualifikation | 2010/2011: Champions League-Halbfinalist, DFB-Pokalsieger | 2011/2012: Europa League Viertelfinale, Champions League Qualifikation | 2012/2013: Champions League Achtelfinale, Qualifikation zur Champions League-Qualifikationsrunde | 2013/2014: Champions League Achtelfinale, Champions League Qualifikation | 2014/2015: Champions League Achtelfinale, Europa League Qualifikation



Hier geht’s zu den Versionen 2014, 2013, 2012, 2011

Wörtlich: Marc Wilmots

Ja, Schalke hat mich kontaktiert. Ich habe dem Verein mitgeteilt, dass ich mich auf unsere kommenden zwei Spiele konzentriere, vor dem 12. Juni will ich über nichts anderes diskutieren. Was danach passiert, werden wir sehen.

Belgiens Bondscoach Marc Wilmots bereitet seien „Roten Teufel“ gerade in einem Trainingslager auf ein Testspiel gegen Frankreich (7. Juni) und ein EM-Qualifikationsspiel gegen Wales (12. Juni) vor. Bei der Pressekonferenz nach dem ersten Trainingstag wurde er mit Fragen zu Schalke 04 konfrontiert.

Einen ausführlichen Text dazu gibt’s bei De Standaard (niederländisch). Für derwesten.de hat Francios Duchateau die Aussagen Wilmots‘ zusammengefasst.