Lahmer Kick gen Achtelfinale

Schalke 04 erreicht mit einem 1:1 gegen PAOK Saloniki das Achtelfinale der Europa League. Das ist gut. Das war aber so erhofft, erwartet worden.

Wer, wie ich, keine Lust auf die politischen Begleiterscheinungen dieser Partie hatte, wer weder wem was zeigen mochte, wer nicht nach Rache gierte, nach Genugtuung, wer dieses Fußballspiel auch nicht als Gelegenheit zum Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit erachtete, für den war es einfach nur ein lahmer Kick. Mochten Manager Heidel und Trainer Weinzierl vor dem Spiel auch noch so oft davon sprechen, dass man sich ordentlich anstrengen wolle. Die Spieler wollten gerne mit weniger Anstrengung in die nächste Runde einziehen.

Kurz vor Schalkes Führung hätte es durchaus Strafstoß für PAOK geben können. Benni Höwedes stellte sich ungeschickt an, ließ das Bein stehen, der Gegner fiel etwas zu theatralisch. Wie es weitergegangen wäre, wären die Griechen so früh in Führung gegangen; man weiß es nicht. So aber erzielten beide Teams ihr Tor, das Spiel beruhigte sich und plätscherte dem Ende entgegen.

Aufgeregt hat mich eigentlich nur Max Meyer, einmal mehr. Sicher hatten auch andere keinen tollen Tag. Aber Max Meyer ist ein so unglaublich talentierter Spieler, dass ich stets geneigt bin, bei ihm höhere Maßstäbe anzusetzen. Er hat so wahnsinnig viel Potenzial. Da tut es doppelt weh, zu sehen mit wie wenig Selbstvertrauen er agiert!
Mittlerweile ist es „typisch Meyer“, den Ball zu stoppen, eine Halbdrehung zu vollziehen und nach hinten zu spielen. Selbst in Kontersituationen, nachdem von Fährmann aus drei schnelle Pässe in die Tiefe folgten, macht er seinen kleinen Kreisel und bricht den Vorstoß ab. Er, der eigentlich alles kann, der es sich aber offensichtlich häufig selbst nicht zutraut, ist dann eine Bremse in Schalkes Offensivspiel. Gegen PAOK auch. Ein Jammer.

Schwer zu bewertender Kick in Köln

 

 
Schalke spielt in Köln 1:1. Oben mein Tweet zur Halbzeit, darunter mein Tweet nach Abpfiff. Und viel mehr habe ich dazu eigentlich gar nicht mehr zu sagen.

Mein Tweet zur Halbzeit hatte vor allem bei einigen Kölner Twitterern für Unmut gesorgt. Sie fanden ihr Team offensichtlich ganz passabel, oder Schalke so schlecht wie ihrs. Meines Erachtens war Schalke in der ersten Hälfte die deutlich reifere Mannschaft. Es fehlte letztlich an Konsequenz im Umschalten nach Ballgewinn, aber selbst so hatte man noch zwei sehr hochkarätige Chancen um den Spielstand zu erhöhen. So aber fing man sich durch den einzigen richtigen Kölner Angriff das Gegentor. Unglücklich.

Im insgesamt besseren Spiel der zweiten Hälfte hatte Schalke auch mehr und die besseren Chancen. Ja, auch Köln hatte nun seine Gelegenheiten. Schalke war nicht dominant und die Blauen haben schon bessere Leistungen abgeliefert. Trotzdem wäre aus meiner Sicht ein 2:1 für Schalke das richtige Ergebnis zu diesem Spielverlauf gewesen.

Nicht richtig toll, aber sicher auch nicht schlecht. Immerhin ein Punkt in Köln, aber eben auch nur einer. Nicht unzufrieden, aber auch nicht zufrieden. Irgendwie unbefriedigend, nicht so richtig zu bewerten, dieses komische Spiel.

Nüchterner Auswärtssieg

Schalke lässt bei PAOK den Dampf aus dem Kessel und fertigt das Heimteam mit 3:0 ab.

In der Nacht zuvor hatten sich Schalker in Thessaloniki übel benommen. Vor dem Spiel wurden Schalker schikaniert. Während des Spiels wurden Schalker per Banner und in großen Lettern als Nazis verunglimpft. Aber auf dem Platz ist jede Hitze nach 20 Minuten verpufft.

Nur Anfangs konnte PAOK Druck auf das Tor von Ralf Fährmann erzeugen. Danach war es ein ausgeglichenes Spiel auf niedrigem Niveau, in dem Schalke meist den Ball hatte, wenig damit anzufangen wusste, aber seine Chancen nutzte. Eigentlich ein eher schwaches Spiel der Blauen. Vielen Fehlpässe. Wenig strukturiertes Offensivspiel. Aber für PAOK reichte es dreimal. Und wenn man nicht so gut spielt, und dennoch 3:0 gewinnt, ist man in der Europa League ganz ordentlich unterwegs.

No to racism – Außer ’nem Bisschen


Nein zu Rassismus. Die UEFA fährt eine große Kampagne zu diesem Thema. Videos in Werbeblöcken, Bandenwerbung, Banner. Sucht man bei Google nach entsprechenden Keywords, plöppen gleich mehrere aussagekräftige UEFA-Seiten auf:

Parallel dazu veröffentlichte Ultras GE vor drei Tagen eine Stellungnahme zum anstehenden Europa League-Spiel gegen PAOK Saloniki, in welcher von einem Aussondern nach Nationalität die Rede ist.

Am 06. Februar 2017 gab es ein durch unsere Fanabteilung einberufenes Treffen, zu welchem Vertreter der bekannten Fanorganisationen (Supporters Club, Fan-Ini, SFCV, Schalker Fanprojekt und Ultras GE) geladen waren. Hier wurden unter Anwesenheit unserer Sicherheitsbeauftragten und dem Pressesprecher unseres Vereins, die wichtigsten Informationen zum anstehenden Auswärtsspiel in Saloniki mitgeteilt. Neben organisatorischen Punkten, wie dem vorgegebenen Treffpunkt und dem Transport zum Stadion, wurde aber auch eine Vorgabe der Verantwortlichen aus Saloniki übermittelt: Fans mit mazedonischer Staatsangehörigkeit sollen keinen Zugang zum Stadion erhalten, um unseren FC Schalke 04 wie bei etlichen anderen internationalen Auswärtsspielen zu unterstützen. Des Weiteren sind jegliche Fanutensilien mit Bezug zum Verein Vardar Skopje oder zu Mazedonien strikt verboten. Durch mehrfache Ausweis- und Kartenkontrollen soll dieses Verbot durchgesetzt werden.

Ein handfester Skandal. Eine Vorverurteilung nach trumpscher Manier, eine Sortierung von Menschen nach Klassen, entsprechend ihrer Herkunft.

Aber es gibt keinen Aufschrei. Schalke 04 protestiert nicht öffentlich. Keine Zeitung, kein TV-Sender thematisiert das.

Bemerkenswert.



Hattip: Astrid Erlebach

Schalke im Kurzpassmodus: Plötzlich richtig gut

Schalke 04 schlägt Hertha BSC 2:0 und zeigt, dass es Fußball spielen kann. In der Tabelle ist Hertha den Blauen um einiges voraus. Trotzdem war Schalke über die ganze Spielzeit die bessere Mannschaft, ein sehr verdienter Sieg. Das fühlte sich gut an.

Hertha agierte sehr passiv. Zu einigen sehr guten Torchancen kamen sie trotzdem. Solch ein Spiel kann dann auch dumm laufen. Tat es diesmal aber nicht. Diesmal lief es so, wie es die Verteilung auf dem Platz hergab. Und da ließ Schalke keine Zweifel aufkommen.

Leon Goretzka war wohl der Spieler des Spiels. Auch Nabil Bentaleb zeigte im Zentrum eine starke Leistung. Und doch war diesmal Anderes wichtiger. Schalke hatte nicht nur einen oder zwei Topspieler, welche ein Spiel entscheiden können. Schalke hatte eine ganze Reihe sehr ballsicherer Spieler auf dem Platz. Auch unter Druck spielten die Blauen die Kugel schnell von Mann zu Mann. Schalkes Niveau war insgesamt höher als das Herthas.

Dabei fielen die Winterneuzugänge durchweg positiv auf. Guido Burgstaller ist wahnsinnig viel gelaufen und kam immer wieder zu Abschlüssen. Daniel Caligiuri brachte Spielwitz und Tempo auf den Platz. Holger Badstuber agierte mit großartiger Übersicht und führte seine Nebenleute, indem er sie immer wieder anwies, aufzurücken, die Lücke zum defensiven Mittelfeld zu schließen. Hinzu kam noch Benjamin Stambouli, der immer anspielbar war.

Das war mehr Qualität, als Schalke vor der Winterpause auf dem Platz zu bringen vermochte. Das ermöglichte ein flottes Kurzpasspiel, dem zuzuschauen viel Spaß machte, weil das Tempo geeignet und der der Zug zum Tor gegeben war. Das machte Hoffnung für die nächsten Spiele.

† Herbert Preckel

Ein Kerl wie ein Baum! Erst 66 Jahre alt. Letzte Woche Freitag fiel er um. Einfach so. Herbert Preckel war der Papa meiner Freundin Kerstin. Im Stadion saß ich jahrelang neben ihm. Nun nie mehr. Nicht zu fassen!

Mit einer neuen Frau bekommt man neue Bekannte geschenkt, aus denen bestenfalls Freunde werden. Als ich die heutige Frau Wieland kennenlernte, eine Tochter Gelsenkirchens, bekam ich Freundin Kerstin dazu. Es dauerte nicht lange, da saß ich erstmals bei den Preckels in der Küche. Frau Wieland kannte Kerstin seit Kindheitstagen und war immer gerne dort. Ab dem ersten Augenblick wusste ich warum. Bei den Preckels, bei Herbert und seiner Frau Gilla, fühlte ich mich sofort willkommen. Ein Haus voller Leben.

Zu ihnen hatte man kein Eltern-Verhältnis. Es war wie bei älteren Freunden. Dort war immer was los. Drei Töchter. Drei Schwiegersöhne. Neun Enkelkinder. Die Geschwister und Nichten gleich nebenan. Man war nie alleine.
In der Hütte in ihrem Garten feierten wir Silvester. Es hüpften stets Kinder herum, irgendwann auch mal meine. Irgendwie wurde immer gekocht, gebacken oder gegrillt. Die Preckel-Welt war für mich der Inbegriff von Familie, in welche auch Freunde für die Zeit ihres Dortseins aufgenommen wurden. Und während Gilla für das Herzliche zuständig war, sorgte Herbert für Witz und Tun.

Für Herbert schien nie etwas zu schwierig zu sein. Konnte er etwas nicht selbst erledigen, kannte er einen, der einen kannte. Und wenn man mit Herbert auf Schalke fuhr, kannte er sogar Leute, deren Einfahrt er zuparken durfte, um in angemessener Entfernung zum Stadion seinen Wagen abzustellen.

Dort, in der Arena, in Block S5, in der vorletzten Reihe von oben, saßen wir lange nebeneinander. Herbert war einer dieser Schalker, die im Ton der Ironie davon sprachen, dass Schalke den nächsten Gegner schon putzen würde, und denen vor dem Spiel die Ironie zugunsten von Optimismus flöten ging. Ich mochte seine Art sehr, das alles nicht zu ernst zu nehmen, und doch leidenschaftlich bei der Sache zu sein.

Nach Roberto Di Matteo und vor André Breitenreiter gaben Herbert und Kerstin ihre Dauerkarten weiter. Seitdem habe ich sie sehr vermisst. Bis zuletzt hoffte ich, sie würden es sich nochmal anders überlegen. War das Spiel mal doof, fühlte ich mich zumindest zwischen ihnen wohl. Nun wird es nie mehr sein können, wie es mir am liebsten war.

Schalke, das sind vor allem Menschen.
Mit Herbert ging ein Stück meiner schönsten Schalke-Zeit.
 

Schalke steht im Viertelfinale des DFB-Pokals

Schalke 04 siegt 4:1 beim Zweitligist SV Sandhausen und zieht ins Viertelfinale des DFB-Pokals ein.

Ich habe keinen Wunschgegner. Ich sage mir immer, wenn wir den Pokal holen wollen, dann müssen wir jedes Team schlagen.

… sagte Daniel Caligiuri nach der Partie.

Das ist natürlich Kokolores. Denn gerade im Pokal ist es ja so, dass die Hälfte aller Clubs, gegen die man nicht ausgelost wird, von anderen Clubs eliminiert wird. Das macht es ja so vergleichsweise einfach, in diesem Wettbewerb weit zu kommen.

Der nächste Gegner der Blauen stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Übersetzt bedeutet das: Ich habe absolut keine Lust, mit diesem kleinen Beitrag auf den ARD „Sportschau Club“ mit Alexander Bommes zu warten. Das ist meines Erachtens so ziemlich der schlechteste Teil Fernsehen zum Thema Fußball. Ganz schwer zu ertragen, das Gegröle und die doofen Fragen Bommes‘.

Dabei geht es mir just jetzt sehr gut. Schalke hat in Sandhausen eine solide Leistung auf den Platz gebracht. Die Blauen wurden von Beginn an ihrer Favoritenrolle gerecht. Sie ließen den Ball schön durch die eigenen Reihen laufen und waren Sandhausen in allen Belangen überlegen.

Nur ein Zweitligist, natürlich. Da gilt es, nichts zu hoch aufzuhängen. Und doch ist ein souveräner Sieg eben ein Grund für Zufriedenheit, wenn man doch weiß, dass es auch unsouverän geht.

Alles gut. Ab in die nächste Runde.
Ma’kucken.
Wenn ihr hier kommentiert, wissen wir vermutlich schon gegen wen.



Update 09.02., 07:14 Uhr:

Gleich nach dem Wachwerden ereilte es mich. In München. Es wären solch schöne Lose möglich gewesen, aber die Blauen bekommen das schwerste.

Aber hey: Die beiden Spiele gegen Bayern München gehörten zu den Highlights der bisherigen Saison. In beiden hat Schalke richtig gut gespielt. Einmal knapp verloren. Ein Unentschieden. Jetzt braucht’s eben noch den kleinen Schritt mehr. Nicht schon vorher in die Buxen scheißen. Einfach mal ein‘ raushausen! Bayern München zum Beispiel.