Deutschland weiter: Neuer rettet Löw den Job

Deutschland schlägt Algerien mit 2:1 n.V. und zieht ins Viertelfinale ein. Auf Grund der Leistungssteigerung ab der zweiten Halbzeit war der Erfolg letztlich verdient. Ohne den überragenden Manuel Neuer wäre er allerdings nicht möglich gewesen.

Oliver Kahn nannte Neuers Agieren „Harakiri“, dabei wäre es gerade eben das gewesen, die Löcher in der deutschen Abwehr ungestopft und den Gegner mit Ball alleine auf’s Tor zulaufen zu lassen. Deutschlands Mittelfeld war mit Algeriens Pressing überfordert, und der daraus entstandene Druck war für die Abwehrkette zuviel. Zu langsam laufend, zu langsam reagierend, zu schlecht auf einander abgestimmt: Die 4-Innenverteidiger-Kette ließ nahezu alles durch was kam und mache Manuel Neuers denkwürdige Halbzeit als Libero zwingend notwendig.

Erstaunlich war, dass sich Bundestrainer Löw diese ersten 45 Minuten ansah, ohne zu reagieren. Zwar gelang seiner Mannschaft in der zweiten Hälfte ein besseres Passspiel, man entkam dem Pressing besser und hatte fortan ein Übergewicht. An den grundsätzlichen Problemen der Abwehr änderte sich aber nichts. Erst die Verletzung des vollkommen überforderten Shkodran Mustafi zwang Löw zu der naheliegenden Reaktion, den besten Außenverteidiger auch als solchen einzusetzen und damit wenigstens eine Seite defensiv adäquat zu besetzten.

Deutschland hat sich ab der zweiten Halbzeit mehr und die besseren Chancen erspielt, deshalb hat man sich den Sieg verdient. Eine schlechte Leistung und sehr knapp war es trotzdem. Bei einem Ausscheiden im Achtelfinale gegen Algerien hätte Bundestrainer Löw ab heute dem Trainermarkt zur Verfügung gestanden. Dass das nicht so ist hat er der außergewöhnlichen Leistung seines Torhüters zu verdanken. Dem „Harakiri“, wie Oliver Kahn es nannte.

Klaas-Jan Huntelaar, Neymar da Silva Santos Jr.

Holland dreht das Achtelfinale gegen Mexico innerhalb von 6 Minuten, und ausgerechnet Klaas-Jan Huntelaar hatte maßgeblichen Anteil daran.

Klaas-Jan Huntelaar, der von seinem Trainer Louis van Gaal vermutlich nicht mal dann eingesetzt werden würde, wenn Robin van Persie, Leroy Fer und Dirk Kuijt von oben bis unten eingegipst werden müssten

schrieb ich noch am Freitag. Aber als es schlecht aussah für Oranje stellte Van Gaal seine Mannschaft um, beorderte Memphis Depay und Arjen Robben auf die Außen und stellte Klaas-Jan Huntelaar in die Mitte. Die Außen funktionierten sofort und waren der Schlüssel für Hollands Druck, an Huntelaar lief das Spiel anfangs noch vorbei. Am Ende standen nur 7 Ballberührungen für ihn zu Buche. Aber mit seiner Präzision bei der Kopfballvorlage zum Ausgleich, und mit seinem Selbstbewusstsein, den wichtigen Elfer in der Nachspielzeit zu verwandeln, trug er seinen Anteil am bislang erfolgreichen WM-Turnier Oranjes bei. Einen gewichtigen. Heel leuk!

Apropos Selbstbewusstsein: Neymar da Silva Santos Júnior weiß bei diesem Turnier zu überzeugen. Gerade 22 Jahre alt, jünger als Joel Matip, und trotzdem erwartet ganz Brasilien, dass er seine Mannschaft zum Weltmeister-Titel führt. Unter solch einem Druck solche Leistungen abzuliefern ist meines Erachtens überragend.
Auch in diesem denkwürdigen Spiel gegen Chile war er der Dreh- und Angelpunkt seines Teams. Es scheint als könne er tun und lassen was er will, und als seien es die Aufgaben von Hulk und Oscar, sich stets um ihn herum zu positionieren, mitzugehen. Dabei ist Neymar unglaublich schnell, versprüht Spielfreude, wirkt wie losgelassen.
Ich habe während diesem Spiel meine Daumen für Chile gedrückt. Aber Neymars Leistung, vor allem in der ersten Halbzeit, sein Selbstbewusstsein beim Elfmeterschießen, seine Schmerzen am Ende des Spiels, seine Tränen nach der Entscheidung, als deutlich wurde, welche Last von seinen Schultern fiel: Das alles hat mich beeindruckt.

Deutschland ist durch, Prince auch

Mit einem 1:0 Sieg über die USA erreicht Deutschland das Achtelfinale als Sieger der Gruppe G, letztlich souverän. Im Dauerregen begann man mit viel Druck und erspielte sich flott einige Chancen. Im Laufe des Spiels nahm das Tempo allerdings immer weiter ab. Mehr als dieses Ergebnis war nicht nötig, das merkte man. Defensiv hatte Deutschland den Gegner aber nahezu über die gesamte Spielzeit im Griff. Das ist entscheidend bei einer WM, wo es stets vor allem darum geht, nicht zu verlieren.

Auf ganzer Linie verloren hat Kevin Prince Boateng. Sicherlich hatte er große Lust, bei dieser WM auf sich aufmerksam zu machen, doch schien er nie wirklich Teil seines Teams zu sein. Die Spiele zur Qualifikation zu dieser WM sagte er regelmäßig ab, und in Brasilien fiel er nur durch Medienpräsenz, nie durch Leistung auf dem Platz auf. Gegen die USA begann Ghana ohne ihn. Gegen Deutschland war er, bis zu seiner Auswechslung in der 53. Minute, der schlechteste Spieler auf dem Platz. Am Spiel gegen Portugal nahm er nicht mehr teil, weil ihn sein Trainer aus dem Kader geschmissen hatte. In Kombination mit Klaas-Jan Huntelaar, der von seinem Trainer Louis van Gaal vermutlich nicht mal dann eingesetzt werden würde, wenn Robin van Persie, Leroy Fer und Dirk Kuijt von oben bis unten eingegipst werden müssten, bekommen es Schalkes Häuptlinge bei dieser WM mit der Demotivationskeule dauerhaft von links und rechts um die Ohren.

Für die USA – und damit auch für Jürgen Klinsmann – ist die Qualifikation fürs Achtelfinale ein großer Erfolg. Fast wie in einem dieser pathetischen amerikanischen Sport-Trailern beschrieben, lebt dieses Team tatsächlich mehr vom „Spirit“ als von der spielerischen Qualität der Akteure. Ausgerechnet Jermaine Jones aus Frankfurt-Bonames ist so gesehen der „amerikanischste“ Spieler von allen. Sein Einsatz in der ersten Halbzeit gegen Deutschland war überragend. Damit, mit ihrem soliden taktischen Grundgerüst und mit ein bisschen Glück, kann diese Mannschaft auch die nächste Runde überstehen.

Portugal ist die große Enttäuschung dieser Gruppe. Es war, als wäre die WM für diese Mannschaft nach 11 Minuten vorbei gewesen. 11 Minuten spielten sie nicht schlecht, dann gab es den Elfmeter für Deutschland und es schien, als würde Portugal fortan nicht mehr an einen möglichen Erfolg glauben. 0:4 in einem desaströsen Spiel, auch für Superstar Christiano Ronaldo persönlich, damit hat man sein Ausrutscherkonto aufgebraucht, da darf man sich kein weiteres Unentschienden mehr leisten. Portugal war schlicht schwächer als erwartet. Zu schwach.

Schalke 04 Google Kalender: Saison 2014/2015

Schalke 04 Google Kalender (iCal, iPhone, Android)

Gestern hat die DFL den Bundesliga-Spielplan für die Saison 2014/2015 veröffentlicht. Für die Termine des FC Schalke 04 biete ich seit 2011 den „Schalke 04 Google Kalender“ zum Abonnieren an. Das bleibt auch weiterhin so, der neue Bundesliga-Spielplan ist mittlerweile erfasst.

Der „Schalke 04 Google Kalender“ steht im XML, iCal und HTML-Format zur Verfügung und kann mit den meisten Online-Endgeräten (auch iPhone, iPad, Android Phones etc.) genutzt, per Feed empfangen oder in Webseiten integriert werden.

Die Termine werden stets zeitnah nach Bekanntgabe der endgültigen Anstoßzeiten aktualisiert. Die noch nicht endgültig terminierten Spiele werden mit dem vorläufigen Termin und einem Sternchen * als Kennzeichnung dargestellt. Als Ort des Termins ist das jeweilige Stadion hinterlegt. In der Terminbeschreibung sind zusätzlich alle Begegnungen des jeweiligen Spieltags aufgeführt.
Nach den Spielen werden die Termine mit den Ergebnissen versehen. Außerdem wird die Terminbeschreibung um den Link des Königsblog-Beitrags zum Spiel erweitert.

Die Integration des Kalenders in dieses Blog kann hier angesehen werden. Die Adressen für Import, Abonnement oder Integration gibt’s hier:


(Hinweis für die Nutzung in Android, Hinweise zur synchronisation auf dem iPad)



Wie es dazu kam

2010 erstand ich mein erstes Android Smartphone. Schrieb ich meine Termine vorher stets in ein Moleskine Diary, habe ich mich seitdem googleisieren lassen, weil‘s einfach so gut funktioniert. Alle Termine, Notizen, Adressen und Telefonnummern, immer synchron, auf allen Onlinerechnern dieser Welt und per Androidphone in der Tasche; das sieht zugegebenermaßen nicht so hübsch aus wie ein Moleskine, ist aber unerhört praktisch.

Zu meinen Terminen gehören selbstverständlich auch die Spiele des FC Schalke 04. Weil abonnieren einfacher als selbst schreiben ist, suchte ich nach öffentlichen Kalendern mit Schalke-Terminen. Google selbst bot einen Schalke-Kalender an, der enthielt aber nur die Bundesligaspiele und wartete mit einer etwas befremdlichen, amerikanischen Schreibweise auf. Im Netz waren außerdem einige Anbieter von „Sportsplaner“ oder „Soccer Calendar“ zu finden. Den einen, der die aktuelle Saison abbildete, kein Geld kostete und keine Registrierung voraussetzte, abonnierte ich, um später enttäuscht feststellen zu müssen, dass die Aktualisierungen vermutlich nach Verfügbarkeit eines Praktikanten in den USA, aber nicht nach Bekanntgabe der neuen Termine stattfanden.

Also rang ich mich durch, die Termine doch selbst zu notieren. Und weil Onlinearbeit nicht zigfach gemacht werden muss, und weil ich eh schon alles Mögliche zu diesem Verein veröffentliche, gab ich meinen Schalke 04 Google Kalender frei.

Wörtlich: Louis van Gaal

Mich interessiert nicht, was Chiles Trainer sagt. Du musst entsprechend deiner Stärken spielen. Es geht nur ums gewinnen. Ich wähle ein System, das mir hilft, zu gewinnen.

„Gewohnt gebieterisch, gleichzeitig aber ungewohnt pragmatisch“ empfand kicker die Erwiderung des niederländischen Bondscoach’ auf die Aussage von Chiles Trainer Jorge Sampaoli, Chile hätte Fußball spielen wollen, Oranje nicht.

Tom Bartels und der Wildenstamm

Deutschland gegen Ghana war ein mitreißendes Fußballspiel, das beide Mannschaften hätten gewinnen können, welches letztendlich gerecht 2:2 endete. Das Spiel zwang selbst ARD-Kommentator Tom Bartels am Ende zu dieser Erkenntnis. Was dieser bis dahin den wehrlosen TV-Zuschauern in die Ohren kommentierte, war allerdings an Anbiederung der deutschen Nationalmannschaft- und an Arroganz der ghanaischen Nationalmannschaft gegenüber nicht zu überbieten.

Deutschland hatte die feineren Füße, man kreierte Torchancen durch tolle Pässe, zeigte aber gerade im defensiven Mittelfeld schwächen. Ghana war körperlich überlegen und wusste das auszunutzen. Über weite Strecken funktionierte die ghanaische 5er-Abwehrkette, eben bis die feinen Füße wirkten. Zu keiner Zeit war eine Mannschaft deutlich überlegen, es war ein Spiel auf Augenhöhe.

Tom Bartels brauchte eine geschlagenen halbe Stunde, bis er überhaupt darauf kam, dass Ghana eine konkurrenzfähige Mannschaft zu dieser WM geschickt haben könnte. Zuvor sprach er, als hätte der deutschen Mannschaft eine Gruppe Eingeborener gegenüber gestanden, erstmals überhaupt mit richtigen Fußballschuhen auf einem Rasen. Wie wild und zu klein der Torwart doch sei, wusste er zu berichten. Wie sehr in Ghanas Abwehr „die nackte Angst“ regieren würde, wenn „ein deutscher Spieler angestürmt“ käme.

Noch schlimmer war seine überzogene Darstellung der deutschen Mannschaft. Schon vor dem Anpfiff sprach er von der „übermächtigen deutschen Mannschaft“. Als das Spiel lief war jeder halbwegs öffnende Pass „phantastisch“ oder „überragend“, wobei er diese Wörter jeweils herausschrie, stimmlich Höhepunkte erzeugen wollte. Wenn ein ghanaischer Stürmer eine Chance vergab, dann weil er „die Ruhe verlor“, als „der Welttorhüter ankam“. Und wenn Deutschland es nicht schaffte, Druck zu erzeugen, dann kam es ihm vor als „würde sich die Mannschaft die Kraft bewusst einteilen“ und freiwillig „nicht zu sehr auf das Tor gehen“.

Sachlich betrachtet wurde da nichts. Die TV-Berichterstattung von ARD und ZDF ist längst zu einer DFB-Reklameshow geworden. Die neben Lukas Podolski ihre Füße badende Katrin Müller-Hohenstein und Gerhard Delling, der in Interviews „dem Oliver“ (Bierhoff) lächelnd Stichwörter zu dessen ewig gleichen Sätzen präsentiert, sind unerträglich. Tom Bartels übertrug die Präsentation dieser DFB-Show auf das Spiel. Er wirkte voll integriert, als gehöre er zum Stab Jogi Löws, dem es nicht schicklich ist, deutsche Spieler zu kritisieren. Seine Besingen von Nichtigkeiten, sein Relativieren von Fehlern und seine Arroganz dem Gegner der deutschen Mannschaft gegenüber – und damit seinem Gegner – empfand ich als unerträglich und zum fremdschämen.

Weltmeister Spanien scheitert in der Vorrunde

6 Minuten Nachspielzeit. 0:2 Rückstand. Das Ausscheiden steht bevor. Nur noch 6 Minuten. 6 Minuten es zu drehen. Jetzt braucht es Tempo! Alles nach vorne, irgendwie rein. Zweimal.

Aber der Weltmeister kann das nicht. Den Ball ohne einen ausgemachten Adressaten nach vorne zu dreschen: Das ist jedem einzelnen Spieler zuwider. Fehlerfreier Ballbesitz ist das Prinzip dieser Mannschaft, das Prinzip der großen Erfolge der letzten Jahre. Und weil weit vorne alle Mitspieler gedeckt sind, und weil der Gegner Druck aufbaut, ziehen sie weiter die Stollen über den Ball und spielen dem nächsten Kollegen an; auch wenn sie sich dabei Meter um Meter zurückdrängen lassen, auch wenn dabei die letzten Sekunden verstreichen.

Sowohl der niederländische Bondscoach Louis van Gaal, als auch sein chilenischer Kollege Jorge Sampaoli hatten eine Idee, wie sie Spaniens Offensive stoppen wollten. Trotzdem hatte Spanien in beiden Duellen die individuell besseren Spieler, die taktisch besser ausgebildete- und die erfahrenere Mannschaft auf dem Platz. Spanien verlor beide Spiele, weil man körperlich unterlegen war, weil Iker Casillas kein Weltklasse-Torhüter mehr ist und weil man es nicht schaffte, sich vom eingebrannten Spielstil abzuwenden, als ein anderer notwendig wurde.

Jemandem wie mir, dem andauerndes Ballgeschiebe als System ein Greul ist, macht der Misserfolg Spaniens durchaus Freude.