Schalke 04: Die Drama-Queen der Bundesliga

Schalke 04 hat sein letztes Saisonspiel in Sinsheim mit 4:1 gewonnen. Ein Spiel gegen eine TSG, für die es um nichts mehr ging. Gleichwohl ein wichtiger Sieg, erspart man sich so doch bis zu zwei Qualifikationsrunden zur Teilnahme an der Europa League. Ohne dies wird die Saisonvorbereitung 2016/2017 einfacher. Wichtig für den Trainer, wer auch immer dies dann sein mag.

Kurz vor dem Anpfiff in Hoffenheim wurde offiziell, dass André Breitenreiter in der kommenden Saison nicht mehr Trainer des FC Schalke 04 sein würde. Er selbst gab das bekannt, den Medien, in der Kabine auch seiner Mannschaft. Auch Christian Heidel nahm dazu später in einem Interview Stellung.

Demnach habe er André Breitenreiter angerufen, um mit ihm ein persönliches Gespräch zu vereinbaren. Im Lauf dieses Telefonats wurde dann aber klar worum es ging. Der Trainer wollte schnell Klarheit, eben kein „Geeiere“, wie er zuletzt selbst sagte. Dem Manager war wichtig, dass er von Beginn an ehrlich war, er wollte den Trainer nicht hinhalten. So kam es zu der Freistellung am Telefon. Eine Freistellung für nach dem Spiel, vor dem Spiel. Irgendwie typisch Schalke, Schalke 04, die Drama-Queen eben. Aber letztlich sprachen sowohl André Breitenreiter, als auch Christian Heidel in ihren Interviews ohne Verbitterung über den anderen.

Entsprechend war dieses Spiel in Hoffenheim also das letzte für sowohl André Breitenreiter, als auch für Horst Heldt. Und als sie nach dem Spiel gemeinsam in die Schalker Kurve gingen, als die Fans „Blau und Weiß, ein Leben lang“ intonierten, als bei Horst Heldt die Dämme brachen, da titschte das wohl jeden an, auch mich.

Keine Frage: Horst Heldt wurde zum Schalker und er hat seine Verdienste, er wird auf immer Teil der Geschichte des FC Schalke 04 bleiben. Es gilt, ihn zu achten, wie es überhaupt jeden Schalker zu achten gilt. Trotzdem ist es mehr als schräg, in welch gutem Licht Horst Heldt plötzlich dasteht. Wie sich das Verhalten eines Großteils der Fans wandelte, von Zeter und Mordio, das man ihm nach der letzten Saison entgegenschrie, zur aktuellen Innigkeit – obwohl er doch großen Anteil daran hatte, dass diese Saison kaum einen Deut besser verlief als die letzte. Wo doch gerade er keinen Draxler-Ersatz beschaffen konnte und den Forderungen des Trainers nach einem erfahrenden Defensivspieler nicht nachkam. Das ist schon mehr als erstaunlich. Meines Erachtens war und ist es in beide Richtungen zu dick aufgetragen. Damals wie heute. Schalke 04, die Drama-Queen eben.

Wie dem auch sei: Horst Heldt ist nicht mehr verantwortlich. Die Zukunft gehört Christian Heidel, der am gestrigen Sonntag seinen ersten Tag mit Verantwortung für Schalke 04 hatte und gleich tätig wurde.

Nach wenigen Stunden wurde die Verpflichtung von Ronaldo Aparecido Rodrigues, genannt Naldo, bekanntgegeben. Wenn man so will: Gleich der zentrale Defensivspieler mit Erfahrung, den André Breitenreiter nicht bekam.

Naldo ist bereits 33 Jahre alt. Er ist noch immer ein guter Spieler. Dieser Transfer wird Schalke nicht auf Champions League-Level hieven. Aber Naldo ist ein Führungspieler und ein Teamplayer. Einer, von dem junge Spieler profitieren können. Auf Grund einer Klausel im Vertrag konnte Christian Heidel ihn ablösefrei bekommen. Wirkt auf mich wie ein schlauer Deal.

Noch nicht offiziell, sondern nur nach Meldung der Süddeuschen Zeitung, hat Schalke außerdem Robert Leipertz vom FC Heidenheim zurückgeholt. Robert Leipertz war vor zwei Jahren aus Schalkes Regionalligamannschaft nach Heidenheim gewechselt. Schalke hatte sich eine Rückholoption gesichert, welche nun gezogen worden sein soll. Der nun 23-Jährige Spieler hatte für Heidenheim in der letzten Saison hauptsächlich als Rechtsaußen gespielt. In 33 Spielen kam er auf 10 Treffer und bereitete 10 weitere Tore vor. Für einen Außenbahnspieler durchaus starke Zahlen.

Inwieweit Schalke mit Leipertz als Kaderspieler plant, ob es neben Naldo noch andere Veränderungen für die Innenverteidigung geben wird, wer überhaupt nächster Schalke-Trainer wird … das alles bleibt abzuwarten. Mittwoch wird es eine Pressekonferenz mit Christian Heidel auf Schalke geben. Vielleicht sitzt dann ja ein neuer Trainer daneben.

Happy Weekend (8)

Gegen Hoffenheim. Das war vor fünf Jahren das Schlimmste überhaupt. Der Retortenclub auf der feuchten Wiese im Irgendwo, von den Millionen des Milliardärs in eine Höhe gepimpt, in die es dieser Club unter Marktbedingungen und unter Wahrung der Idee der 50+1-Regel nie geschafft hätte. Mittlerweile hat man sich ein wenig an die TSG gewöhnt, findet sie meist langweilig und nur noch halb so schlimm, da es Schlimmeres gibt. Nämlich den Retortenclub in Leipzig, von den Millionen eines Milliardärs in eine Höhe gepimpt, in die er es unter Marktbedingungen und unter Wahrung der Idee der 50+1-Regel nie geschafft hätte, und der zudem nicht mal mehr Fußballclub, sondern ein Marketingkonzern-Franchiseunternehmen ist.

Ich finde es schade, dass Clubs wie der VfB Stuttgart, wie Werder Bremen oder Eintracht Frankfurt der Liga verloren zu gehen drohen. Clubs, deren Abschneiden Millionen von Fußballfans berühren. Aber ich bin auch des Nöhlens müde.

Herr Hopp darf auf die 50+1-Idee pfeifen, das gab ihm die Liga schriftlich. Die Getränkefirma darf einen Club kaufen, sein Logo ändern und ihn in ein Kunstwort in Anlehnung an das Verkaufsprodukt umbenennen. Das hat die Liga so zugelassen. Was machbar ist, wird gemacht. Nicht das Tun ist falsch, sondern das System, welches das Tun ermöglicht.

Der nächste Investor wird kommen. Einer, der die bisherigen Schlupflöcher nutzt, oder einer, welcher der Liga mit einem Prozess vor einem ordentlichen Gericht droht. Vielleicht wird es wieder einen Kompromiss geben, ein Zugeständnis, um das Problem kleinzuhalten. Aber es wird der Punkt kommen, an dem sich das Wahren des Scheins für die Liga nicht mehr lohnt.

Es ist unromantisch und es wiederspricht meiner Wunschvorstellung, aber letztlich ist es weltfremd, sich gegen die Möglichkeit des Finanzzuflusses durch Investoren zu sträuben. Und vor allem ist es falsch, dass Ausnahmen zu unterschiedlichen Regelungen für die verschiedenen Clubs führen. Während in England Investoren ihr Geld in traditionsreiche Clubs stecken, deren Fans die Clubtradition feiern, egal wer gerade zahlt, sorgt die 50+1 Regel in Deutschland für Kunstprodukte. Das ist nicht gut für die Liga.

Und diese Feststellung ist meines Erachtens auch unabhängig davon, ob man will oder nicht, dass der eigene Club ein Verein bleibt. Oder ob man die Jugendarbeit in Hoffenheim achtet oder nicht. Oder ob man Leipzig Profifußball gönnt oder nicht.
 
 
Gegen die TSG, auf’m Platz

Die Ausgangslage ist klar. Schalke, Mainz 05 und Hertha BSC haben allesamt 49 Punkte. Einer dieser Clubs muss Siebter bleiben und sich über zwei Runden in vier Spielen für die Europa League Qualifizieren. Mainz und Hertha spielen gegeneinander. Eben deshalb hat es Schalke selbst in der Hand, mit einem Sieg gegen Hoffenheim auf jeden Fall diesen siebten Platz zu verhindern.

Leon Goretzka ist gelbgesperrt. Für ihn könnte Marco Höger in seinem letzten Spiel als Blauer in den Kader rücken. Dass er von Beginn an auf dem Platz steht ist unwahrscheinlich. Vermutlich wird Johannes Geis wieder in die Startelf rücken. Halbwegs spannend ist außerdem die Frage, ob Roman Neustädter für den genesenen Kapitän Benedikt Höwedes auf die Bank muss. Diese Partie könnte Roman Neustädters letztes Spiel für Schalke 04 sein. Sein Vertrag läuft in 48 Tagen aus. So cool wie Roman muss man erstmal sein; einer, der sehr offensichtlich gerne auf Schalke bleiben würde, der ob der Wirrungen und trotz kurzfristig endenden Vertrags noch nicht das Weite gesucht hat, sondern der Dinge harrt, um eventuell noch am richtigen Ort zu sein und zu bleiben.
 
 
Daten und Drumherum

Die TSG hat den Klassenerhalt bereits am letzten Spieltag gesichert. Nach dem Spiel soll es „um das Stadion herum“ 1000 Liter Freibier geben. Falls die mitreisenden Schalker nicht abgesperrt abtransportiert werden, sollten sie diese Menge locker schaffen.

Vor dem Spiel wird man im Stadion die scheidenden Protagonisten ehren – ebenso wie man es auf Schalke letzte Woche auch tat. Auch Huub Stevens sollte nochmal gebührend verabschiedet werden. Dieser ließ sich allerdings entschuldigen und wird nicht da sein, weil just am Samstag seine Tochter heiraten wird.

Schalke konnte gegen die TSG bislang noch kein Auswärtsspiel gewinnen. In sieben Versuchen kam man zu vier Unentschieden, dreimal verlor man.

Schiedsrichter der Partie wird Dr. Felix Brych aus München sein. Die letzten fünf Partien unter seiner Leitung konnten die Blauen allesamt nicht gewinnen.

Das Wetter in Sinsheim soll am Samstag überwiegend sonnig sein. Google geht derzeit von 16° C aus, es wird kein Niederschlag erwartet.

Morgen hat Gustavo Varela Geburtstag, er wird 38. Einer meiner Lieblingsspieler in dem Kader, der 2007, als ich mir dem Bloggen begann, fast Meister geworden wäre. Bis heute bin ich davon überzeugt, dass es geklappt hätte, hätten er und Peter Lövenkrands sich nicht verletzt. Am Sonntag haben außerdem noch Karl Barufka, Helmut Malinowski und Christian Mikolajczak Geburtstag.
 
 
Mehr Schalke

Schalkes U19 hat sich mit einem Sieg in Münster den Einzug ins Finale um den Westfalenpokal gesichert. Gegner wird dabei der VfL Bochum sein, gegen den man im letzten Ligaspiel am vergangenen Wochenende überraschend hoch mit 1:4 verlor. Ein Termin für das Finale steht noch nicht fest.

Schalkes U17 hat sich mit einem Sieg gegen Eintracht Dortmund ebenfalls den Einzug ins Finale um den Westfalenpokal gesichert. Das Finale findet am 25. Mai statt. Gegner wird dabei Borussia Dortmund sein.

Schalkes Regionalliga-Team wird am Samstag um 14 Uhr im Jahnstadion zu Bottrop auf den SC Verl treffen.

Übrigens gab es gestern in den Publikationen der WAZ ein Interview mit Oliver Ruhnert, Direktor der Schalker Nachwuchsabteilung. Sehr klar, sehr lesenswert, das Gegenteil von oberflächlich, so wie eigentlich immer alles, was es von Oliver Ruhnert zu lesen oder zu hören gibt. Hier entlang: Klick
 
 
Und sonst?

Und dann war da noch die Schalker Pressekonferenz, gestern. Eine bemerkenswerte Ausgabe, mit unbedingter Empfehlung. Sowohl André Breitenreiter, als auch Horst Heldt wirkten, als seien sie über die Zwänge ihres Jobs hinweg.

André Breitenreiter zeigte sich recht verbittert. Unzählige Male erwähnte er das Wort „Eigenmotivation“, an der es in seinem Kader mangeln würde, zu der er nur „Hilfestellung“ hätte geben können. Irgendwie schicksalsergeben. Irgendwie so, als wolle er das nochmal klarstellen, dass das, was schieflief, an Charakter- oder eben Eigenmotivations-Schwächen der Spieler lag. Dass man da nichts machen kann. Und als er schon mal dabei war, offen zu sprechen, bekamen natürlich auch die Journalisten wieder einige Seitenhiebe. Für diese Form der Kontinuität hat er in seiner Zeit auf Schalke jedenfalls gesorgt.

Auf Horst Heldt hingegen wirkte sich das „über die Zwänge hinweg“-Sein sehr positiv aus. Er sprach tolle Sätze. Sätze, die jeder Fan unterschreiben kann. Sätze, in denen er als Schalker und für jedermann sympathisch rüberkam. Er wirkte freundlich und doch bestimmt. Zumindest jetzt, bei seinem letzten Auftritt, wirkte er geradeaus.
 

 
 
So. Schönet Wochenende, bis Montach.

Heidel übernimmt nach Saisonende

Wie Schalke 04 gerade bekanntgab, wird Horst Heldt sein Amt nach dem letzten Bundesligaspiel am Samstag niederlegen. Sein Nachfolger Christian Heidel übernimmt den Job einen Tag später, an Pfingstsonntag.

Eine erste Pressekonferenz mit Christian Heidel als Vorstand ist für kommenden Mittwoch, den 18.05., um 13:30 Uhr geplant.

Das Ende der Breitenreiter-Saison

Im letzten Heimspiel der Saison fängt sich Schalke gegen den FC Augsburg kurz vor dem Abpfiff den 1:1 Ausgleichstreffer. Damit sicherte sich Augsburg den Klassenerhalt und Schalke verspielte die letzte Chance auf Platz vier. „Schade, aber eben auch nicht verdient“ kann als Merksatz für dieses Spiel, aber auch für die ganze Saison 2015/2016 gelten. Eine Saison, die nun ad acta gelegt werden kann. Eine Saison, deren Besonderheit eben darin bestand, dass André Breitenreiter Trainer war. Mehr leider nicht.

Nein, dieses Spiel riss einen nicht von den Sitzen. Schalke hatte den Ball, aber konnte sich nur wenige richtig gute Chancen erspielen. Wie so häufig eben. Aufregend war es nur am Ende, als Schalke zunächst selbst den Ball über die Linie duselte, nur um sich mit dem zweiten Augsburger Schuss aufs Tor den Sieg doch wieder nehmen zu lassen. Und während es mein Sohn neben mir schaffte, nur im Augenblick zu leben und richtig sauer über den verpassten Sieg zu sein, saß ich da und fragte mich, warum die Fans vor einem Jahr Zeter und Mordio schrien, diesmal aber freundlich applaudierten. Diese Saison war wie eine als hübsches Geschenk verpackte Schachtel, die sich nach dem Öffnen als leer erwies.

Breitenreiter konnte keinen Spielstil etablieren

Nach Roberto Di Matteo war André Breitenreiter ein Typ, der sich passend zum Club anfühlte. Er zeigte sich ehrgeizig, sagte die richtigen Dinge und ließ die Mannschaft offensiv spielen. Schalke gewann 3:0 in Bremen und zeigte gegen Mainz ein tolles Heimspiel. Dazwischen verlor man klar in Wolfsburg und kam trotz überlegenem Spiel gegen Darmstadt nicht über ein 1:1 hinaus. Schnell war klar: Schalke ist weiterhin fehlerhaft. Aber niemand hatte erwartet, dass sofort alles gut würde. Solange es doch nur in die richtige Richtung liefe, solange man hoffen konnte, dass sich die Mannschaft verbessert, und solange man Spaß mit einen offensiven Spielstil haben konnte, war alles okay.

Doch alles das verlor sich im Laufe der Saison. André Breitenreiter ärgerte sich über zu einfach zugelassene Gegentreffer, suchte nach „mehr Balance“, doch er fand sie bis heute nicht. Da spielte Schalke in Frankfurt vollkommen offensivbefreit, um sechs Tage später in Köln zu stürmen als gäbe es kein Morgen. Bis heute kann man nicht sagen, für welchen Spielstil der FC Schalke 04 unter André Breitenreiter steht.

Heldt und Breitenreiter als schlechtes Team

Auch abseits des Platzes war die gute Stimmung nicht von Dauer. Kaum vorstellbar, dass ein Manager und ein neuer Trainer schlechter harmonieren könnten als Horst Heldt und André Breitenreiter. André Breitenreiter erklärte mehrfach öffentlich, wie wichtig Julian Draxler für sein Spiel sei, dass er ihn unbedingt behalten wollte. André Breitenreiter erklärte öffentlich, dass der Kader unbedingt noch einen erfahrenen Defensivspieler brauche. Horst Heldt verkaufte Julian Draxler zum letztmöglichen Zeitpunkt, ohne einen Ersatz parat zu haben. Statt einen erfahrenen Defensivspieler zu verpflichten wurde Pierre-Emil Höjbjerg ausgeliehen, so jung und unerfahren wie der restliche Schalker Kader. Außer Höjberg verpflichtete Schalke zu dieser Saison Junior Caicara, Sascha Riether, Johannes Geis, Alessandro Schöpf, Franco Di Santo und Younes Belhanda. Riether war verletzt. Die fünf anderen saßen gegen Augsburg zu Beginn nur auf der Bank. Keine Verpflichtung wurde bislang zu einer festen Stütze der Mannschaft. Und während André Breitenreiter im Laufe der Saison die Qualität des Kaders infrage stellte, bemerkte Horst Heldt nach dem Spiel gegen Augsburg, dass man das Potenzial gehabt hätte, um die Plätze drei und vier mitzuspielen zu können.

Keine Steigerung zur vergangenen Saison

Was bleibt ist eine Saison, in der Schalke in 33 Spieltagen 49 Punkte zusammentragen konnte – einen mehr als in der als so katastrophal empfundenen letzten Spielzeit. André Breitenreiter war dabei so wenig in der Lage, der Mannschaft eine geeignete Spielweise beizubringen, wie Roberto Di Matteo zuvor. André Breitenreiter hatte letztlich aber den „Er hat’s zumindest versucht“-Bonus und er war dabei vielen Schalkern sympathisch, während man mit Roberto Di Matteo nie so recht warm wurde und sein Fußball vor allem als destruktiv erachtet wurde.

In einer Woche geht es gegen Hoffenheim nun noch darum, ob man als Siebter zwei Qualifikationsrunden zur Europa League spielen oder sich diese mit einer besseren Platzierung noch ersparen kann. Gefühlt ist die Saison aber schon vorbei. 2009 spielte Schalke am letzten Spieltag ebenfalls gegen Hoffenheim. Auch damals ging es für die Blauen um nichts mehr. Damals war zu diesem Zeitpunkt bereits klar, dass Felix Magath als nächster Hoffnungsträger verpflichtet worden war. Und auch wenn es letztlich nicht gut ausging: Seit ich regelmäßig über die Blauen schreibe war die erste Saison unter Felix Magath die Spielzeit, mit der ich den meisten Spaß hatte.

Der nächste Hoffnungsträger heißt Christian Heidel, und welcher Trainer auch immer.



Foto: Thomas Rodenbücher

Happy Weekend (7)

Auch in der letzten Saison hatte der FC Schalke 04 am 33. Spieltag sein letztes Heimspiel. Als Gegner war des SC Paderborn zu Gast, mit seinem Cheftrainer André Breitenreiter. Schalke gewann glücklich mit 1:0, und nach einer als furchtbar empfundenen Saison gab es Tumulte, wurden Spieler und Funktionäre beschimpft. Als auf Schalke 78 Tage später die neue Saison eröffnet wurde, war André Breitenreiter Cheftrainer der Blauen.

Nun ist wieder der 33. Spieltag, wieder hat Schalke sein letztes Heimspiel, der FC Augsburg ist zu Gast. Ob die Blauen diese Saison besser abschließen als die letzte ist vollkommen offen.

Derzeit haben sie drei Punkte mehr auf dem Konto als vor einem Jahr. Die Stimmung ist besser, keine Frage. Das mag auch daran liegen, dass man heute noch auf Platz 4 schielen kann, während man vor einem Jahr diesbezüglich weit abgeschlagen dastand. Doch selbst wenn Schalke morgen verlieren und keine Chance mehr auf eine Champions League Qualifikation haben sollte, wird es keinen solchen Tullus wie in der vergangen Saison geben. Mir scheint, als hätten sich die Leute daran gewöhnt, dass Schalke eben nicht mehr so gut ist wie vor einigen Jahren.

Mir scheint außerdem, dass sich mehr und mehr Resignation breit gemacht hat. Denn auch wenn die Stimmung nicht so schlecht ist wie vor einem Jahr, gut ist sie keinesfalls. „Immer dieselbe Scheiße“ ist zum geflügelten Wort geworden, auf Schalke. Nach Herbert und Kerstin in der letzten Saison werden nun auch Hans und sein Kumpel ihre Dauerkarten abgeben. Herbert und Kerstin saßen neben mir, Hans und sein Kumpel sitzen morgen zum letzten Mal vor mir. Sie saßen da seit die Arena eröffnet wurde. Nun haben sie endgültig keine Lust mehr.

Die Medien sind sich in erstaunlicher Übereinstimmung sicher, dass Schalkes zukünftiger Manager Christian Heidel nicht mit André Breitenreiter weitermachen möchte. Als Nachfolger wurde bislang häufig Augsburgs Cheftrainer Markus Weinzierl genannt. Die Eröffnung der Saison 2016/2017 findet auf Schalke heute in 100 Tagen statt. Ma’abwarten.
 
 
Gegen Augsburg, auf’m Platz

Auf’m Platz werden vor dem Spiel Joel Matip, Marco Höger, Michael Gspurning und Horst Heldt verabschiedet. Ich gehe von tosendem Applaus für Joel Matip und warmem Applaus für Marco Höger und Michael Gspuning aus. Wie sich das Stadion bei der Verarbschiedung Horst Heldts verhalten wird, vermag ich nicht einzuschätzen.

Horst Heldt hat sich, bei allen meines Erachtens sehr berechtigten Kritiken, stets loyal verhalten. Ich würde mir sehr wünschen, dass diese Verabschiedung ordentlich verläuft, dass er seinen Applaus bekommt, dass diese Verabschiedung ohne fiese Zwischentöne vonstattengeht. Da er sich aber nunmal nicht selbst Tschöö sagen kann, und da solch eine Verabschiedung in der Regel durch einen „Vorgesetzten“ durchgeführt wird, und da dies entsprechend Clemens Tönnies sein müsste, droht eine bizarre Situation. Eine Situation, in der Tönnies „warme Worte“ finden muss, obwohl er mit Horst Heldt letztlich nicht zufrieden war und ihn deshalb nicht behalten wollte. Journalisten werden genau hinhören und seine Worte notieren. Die Fans, die sich in der Vergangenheit bereits deutlich gegen Clemens Tönnies positioniert haben, werden ebenfalls genau hinhören und seine Worte in Zukunft gegen ihn zu nutzen versuchen. Durchaus denkbar, dass die Verabschiedung Horst Heldts durch Pfiffe gegen Clemens Tönnies unschön verlaufen könnte.
 
 
Daten und Drumherum

Der FC Augsburg spielt nun schon im fünften Jahr in der Bundesliga. Bislang konnte Schalke alle vier Heimspiele gegen die Fuggerstädter gewinnen. Im Moment ist Augsburg aber recht gut in Form. Von den letzten vier Spielen konnte man drei gewinnen, dabei die Auswärtsspiele in Wolfsburg (2:0) und Bremen (2:1). In seinen letzten vier Auswärtsspielen hat Augsburg stets jeweils zwei Treffer erzielt.

Augsburg hatte sich in der letzten Saison für die Europa League qualifiziert und kam zu Beginn dieser Saison mit der Dreifachbelastung aus Liga, Pokal und Europapokal nicht recht klar. Nach 12 Spieltagen lag man mit nur sechs Punkten auf dem letzten Tabellenplatz, schon fünf Punkte hinter Hannover auf Rang 15. Seitdem spielt Augsburg aber eine gute Saison. In einer imaginären Tabelle ab dem 13. Spieltag bis heute läge der FC Augsburg auf Platz 4. Nur Bayern München, Borussia Dortmund und Leverkusen haben seitdem mehr Punkte eingefahren.

Im Spiel gegen Hannover 96 hatte kein Schalker eine Gelbe Karte gesehen. Entsprechend ist für das jetzige Spiel kein Schalker gesperrt und es bleibt dabei, dass insgesamt 6 Schalker mit je vier Gelben Karten von einer Sperre bedroht sind: Aogo, Geis, Goretzka, Meyer, Neustädter und Sanè.

Schiedsrichter der Partie wird Christian Dingert aus Thallichtenberg sein. Dingert leitete bislang sieben Spieles des FC Schalke, zuletzt das 1:3 gegen Werder Bremen am ersten Rückrundenspieltag. Für Augsburg ist Dingert sowas wie der Standard-Schiri. Dies wird bereits das 24. FCA-Spiel sein, das der 35-Jährige leitet. Mit keinem anderen Club hatte Dingert so häufig zu tun.

Für Samstag sind für Gelsenkirchen 26° C und Sonnenschein angesagt. Durch das offene Dach wird also blauer Himmel und vielleicht die eine oder andere weiße Wolke zu sehen sein. Schön!

Heute und morgen haben tatsächlich keine Schalker Spieler oder Trainer Geburtstag. Am Sonntag wird Aníbal Matellán 39 Jahre alt, nach Dios Di Ospeo und vor Franco Di Santo der dritte Argentinier im Schalke-Trikot. Ebenfalls am Sonntag feiert Schalkes Jahrhundert-Elf-Torhüter Norbert Nigbur Geburtstag. Er wird 68 Jahre alt.
 
 
Das Gerücht des Wochenendes

Das Gerücht des Wochenendes ist zweifellos, dass Julian Draxler zu Schalke zurückkehren soll. Dies berichtet heute die Hamburger Morgenpost. Demnach wäre Wolfsburg eh nicht Draxlers Wunschclub gewesen, sondern Juventus. Nun würde der VfL Wolfsburg plötzlich sparen und ihn von der Gehaltsliste haben wollen. Schalke würde die zuletzt bekommenen 36 Millionen Ablöse aber nicht zahlen. Im Gespräch seien 25 Millionen.
 
 
Mehr Schalke

Schalkes Regionalligateam spielt am Samstag um 18 Uhr am Flinger Broich gegen Fortuna Düsseldorf. Schalke steht auf Platz 8 und kann nicht mehr in Abstiegsgefahr geraten.

In der Weststaffel der Junioren-Bundesliga steht Borussia Dortmund als Staffelmeister fest. Vor dem letzten Spieltag liegt Norbert Elgerts U19 mit 5 Punkten Rückstand auf Platz 2. Dieser letzte Spieltag führt die Blauen nach Bochum, zum VfL, der mit acht Punkten Rückstand auf die Schalker Rang drei belegt. Das Spiel findet am Samstag um 13 Uhr an der Hiltroper Straße statt.

Auch bei der B-Jugend liegt Borussia Dortmund vor Schalke. Zwei Spieltage vor Saisonende haben die Gelben vier Punkte Vorsprung. In dieser Woche ging es aber zunächst um den Verbands-Pokal. Im Halbfinale schlugen die Blauen vorgestern Eintracht Dortmund mit 6:0. Das Finale findet am 25. Mai statt. Gegner: Borussia Dortmund. An diesem Wochenende hat das Team von Frank Fahrenhorst spielfrei.
 
 
Und sonst? Wat zu gewinnen!

Wie ich letzte Woche schon mal thematisierte, ist die Europameisterschaft nicht mehr allzu weit entfernt. Und auch die Spiele als solche sind nicht zu weit entfernt, in Lille ist man in weniger als vier Stunden, aus Gelsenkirchen mit dem Auto.

Ich bin ein großer Gewinnspielfan. Zur WM 2006 habe ich bei einem Preisausschreiben ein Ticket für das Spiel Schweden gegen England in Köln gewonnen. Seitdem mache ich bei allen Gewinnspielen mit, bei denen ich den Preis auch nur im Entferntesten gerne gewinnen wollen würde. Es gilt, dem Glück die Chance zu geben.

Hyundai ist offizieller Sponsor der UEFA Euro 2016 und hat einen virtuellen Fan Park eingerichtet. Neben einem Fanorakel und einem Tippspiel gibt es dort auch die Möglichkeit, an einem Gewinnspiel teilzunehmen und mit ein bisschen Glück live bei einem der Spiele dabei zu sein. Ein sicherlich unvergessliches Erlebnis, das einen die Faszination Fußball gewahr werden lässt. Eben die Faszination, die auch dem kleinen Helden des folgenden Filmchens der Antrieb ist, und die irgendwann einmal uns allen Antrieb war …
 

 
 
So. Schönet Wochenende, bis Montach.



Disclaimer: Der Hinweis auf das Gewinnspiel ist gesponsert von Hyundai

Glückauf Pils – Der Schalke Podcast: Folge 12

Am Tag des Derbys haben Herr Pepo und ich an einer Mythos-Tour durch den Stadtteil Schalke teilgenommen. Ursprünglich hatten wir gedacht, man könne das irgendwie hörbar, miterlebbar machen. Das hat nicht funktioniert, Schalke ist zu laut und wir hätten die Gruppe gestört. Aber das Thema hatte uns angetitischt, und so sind wir später wieder hin, nach Schalke, ins Quartiersbüro der Schalker Meile, und haben mit Olivier Kruschinkski die 12. Folge unseres Schalke Podcasts Glückauf Pils aufgenommen.

Olivier aka Oli4 gehört zum Vorstand des Supportersclub. Er hat das Projekt „Schalker Meile“ mit angeschoben, das sich zur Aufgabe gemacht hat, den Stadtteil, die Keimzelle des FC Schalke 04, wieder zu beleben, erlebbar zu machen. Oli4 veranstaltet die besagten Touren und er hat mit angeschoben, dass es mit „GE Söff“ und „GE Bräu“ wieder ein Bier mit GE im Namen gibt. Er hatte also einiges zu erzählen, und für uns gab es einiges darzustellen, was wir auf der Tour gesehen und erlebt hatten.

Es wurde eine unserer Ansicht nach sehr gelungene Episode – Pepo hält sie gar für die bislang beste. Natürlich besprechen wir zu Beginn die aktuelle sportliche Lage, bevor es dann mit Oli4 in den eher zeitlosen Teil geht. Ganz so, wie es eben unsere Masche ist. Viel Spaß beim Hören, hier entlang bitte.

Zum Abonnieren ist „Glückauf Pils“ in den gängigen Katalogen der verschiedenen Podcatcher zu finden. Die Webseite mit den entsprechenden Feeds gibt’s da: glückauf-pils.de. Dort könnt ihr auch ein Feedback hinterlassen; oder hier, oder bei Twitter unter dem Hashtag #glckfpls, wie wer auch immer mag.

Schalke siegt und wahrt die Chance

Schalke gewinnt 3:1 in Hannover und wahrt damit seine letzte Chance auf Platz 4. In einem für diese Saison recht typischen Schalke-Spiel entschied die diesmal großartige Chancenauswertung zu Gunsten der Blauen.

  • Mit Ball in der Offensive spielt Schalke gefällig.
  • Trotz gefälligem Spiel kommt Schalke nur zu wenigen Großchancen.
  • Spielt der Gegner schnell, ist Schalkes Abwehr wackelig.
  • Gegentore ziehen das Team derart runter, dass in den folgenden Minuten überhaupt nichts funktioniert.

Vier Aussagen, mit denen man das Spiel in Hannover umschreiben kann. Vier Aussagen, mit denen man die meisten Spiele des FC Schalke in dieser Rückrunde umschreiben kann.

Insgesamt war es ein Spiel, das neutralen Zuschauern Spaß gemacht haben dürfte. Fair und flott, beide Teams im Vorwärtsgang. Über weite Strecken zeigte Hannover eine gradlinigere Spielanlage. Hannover lief mehr, lief schneller, schoss häufiger aufs Tor, hatte entsprechend mehr und die besseren Chancen … aber Schalke machte drei schöne Tore, und das reichte.

Auch die Treffer von Eric Maxim Choupo-Moting und Klaas-Jan Huntelaar waren prima herausgespielt. Aber das dritte Tor – Matips Treffer, auch wenn Alessandro Schöpf den Ball über die Linie schob – war das Highlight des Spiels. Weil der eine Innenverteidiger Roman Neustädter die Übersicht behielt und weil der andere Innenverteidiger Joel Matip mit dem Ball tanzte, wie es kein Stürmer schöner hätte tun können. In seinem drittletzten Auftritt für die Blauen tanzte ein bisschen Wehmut mit.

Hannover 96 ist bereits abgestiegen. Kämpften sie noch um den Ligaverbleibt, sie hätten einem fast leidtun müssen. So aber nicken wir ab, sagen Hannover Tschüss und freuen uns über die gewahrte Chance auf Platz 4.

Dass ein Team, das nicht mal beim Tabellenletzten überzeugend und klar verdient gewinnen kann, zwei Spieltage vor Saisonschluss noch Chancen auf eine Champions League-Teilnahme hat, lässt so machen Fan zweifeln. Tatsächlich war es seit einer kleinen Ewigkeit nicht mehr so einfach, sich für die „Königsklasse“ zu qualifizieren. Seit Einführung der 3-Punkte-Regelung kam der Viertplazierte nach 32 Spieltagen im Schnitt auf 55 Punkte. Heute steht da Borussia Mönchengladbach, mit nur 49 Zählern. Dass ein Club mit 49 Punkten so spät in der Saison so hoch platziert war, ist 18 Jahre her.

Man kann das Niveau dieser Mannschaften kritisieren – und eben auch das der eigenen Mannschaft. Eine Diskussion darum, ob man oder wer wann eine Champions League-Qualifikation „verdient“ habe, halte ich aber für Quatsch. Wenn man am Ende auf Platz 4 steht, haben die Clubs auf den Rängen 5 bis sonst wo die Qualifikation eben nachweisbar weniger verdient.



Foto: Tomek Bo