Ein mieser Abend der Blauen

Drei Tage nach dem Derby liefert Schalke eine der schlechtesten Saisonleistungen ab und verliert gegen Werder Bremen glatt mit 3:0. Das hohe Ergebnis mag Werders Leistung etwas schmeicheln. Der Schlechtleistung der Blauen wird es aber zweifellos gerecht.

Ich weiß gar nicht, wovon ich am meisten enttäuscht sein soll. Davon, wie ideenlos Schalke auch noch so weit in der Saison einer tief agierenden Abwehr gegenüber steht? Davon, wie wenig Qualität nach Wechseln von der Bank ins Spiel kommt? Oder davon, wie übel ich es finde, dass Schalke nun anfängt, das so häufig ausbleibende Schiedsrichterglück mit eigenen Schwalben für sich erzwingen zu wollen? Zusammen versauen einem diese Erkenntnisse jedenfalls gehörig den Abend.

Die erste Hälfte war lethargisch. Man kam zwar tief in des Gegners Hälfte, da dieser dies zuließ, und man hatte auch ständig den Ball. Aber man bekam kein Tempo in die eigenen Aktionen. Alles wirkte langsam, lustlos. In der zweiten Hälfte war Schalke bemühter. Nun kam man vermehrt zu Abschlüssen. Aber wie viele Torschüsse man am Ende auch verzeichnete: Die Qualität der Abschlüsse war durchweg niedrig. Man schoss zwar aufs Tor, aber man kombinierte nie mal einen Spieler frei, man erspielte sich keine wirklich guten Chancen. In Kombination mit einer Verteidigung, die wackelte sobald der Gegner mit etwas Tempo aufwarten konnte, wurde daraus ein Spiel, dass man zu verlieren sich verdiente.

Schalke kann seine Ausfälle gerade nicht kompensieren. Thilo Kehrer hat zweifellos ordentlich gespielt. Trotzdem fehlten Sead Kolasinac und Nabil Bentaleb spürbar. Auch hat Schalke gerade einfach keinen wirklich fitten, guten Rechtsverteidiger. Das ist es echtes Problem.
Ein weiteres echtes Problem ist, dass Eric-Maxim Choupo-Moting noch so pomadig und Guido Burgstaller noch so unglücklich agieren können, sie müssen doch weiterspielen. Wenn man sieht, wie Evgen Konoplyanka nach seiner Einwechslung über den Platz irrt, und wie wenig spritzig Klaas-Jan Huntelaar nicht mehr tut als Kreise zu ziehen, erkennt man sofort, dass der Trainer eben doch nach Leistung aufstellt.

Und als sei das alles noch nicht peinlich genug, versuchen die Blauen nun auch noch zu bescheißen. Schon in er ersten Hälfte warf sich Leon Goretzka einmal ins Getümmel, in der Hoffnung irgendjemand könnte ihn vielleicht am Fuß berühren. Alessandro Schöpf ließ sich in der zweiten Hälfte dann nochmal besonders klassisch fallen, mit Hüftschwung und passendem Gesichtsausdruck. Wie sollen wir, die wir unter solchem Betrug eines Timo Werners gelitten und das lautstark verurteilt haben, nun damit umgehen, dass unsere Spieler es nun ebenso darauf anlegen, den Gegner zu betrügen? Mich widert das an.

Nein, an diesem Abend gab es nichts schönzureden. Diesmal war Schalke kein Opfer von Fehlentscheidungen. Diesmal war Schalke einfach schlecht und präsentierte sich rundum mies.

Am Ende rettet Zwayer die Gelben

Im zweiten Derby der Saison trennen sich Schalke 04 und der BVB erneut 1:1 unentschieden. Ein Spiel, dem es lange an der gewünschten Derbytemperatur fehlte, das dennoch nie langweilig war, das letztlich ein gerechtes Ergebnis aufwies und das doch einiges an Gesprächsstoff lieferte. Aber der Reihe nach.
 

Der BVB

… war lange das bessere Team, da beißt die Maus keinen Faden ab. Ousmane Dembelé und Pierre-Emerick Aubameyang sind Spieler eines Qualitäts-Levels, an das kein Schalker heranreicht. Wann auch immer Schalke im Mittelfeld einen Meter zu viel Platz ließ, agierte Borussia mit schnellen Vertikalpässen auf diese beiden Spieler und schaffte gefährliche Szenen. Dortmund hatte in den ersten 75 Minuten mehrfach die Gelegenheit, das Spiel zu entscheiden. Mal verhinderte dies Ralf Fährmann, einmal Benni Höwedes, mal hatten sie Pech. Trotzdem brauchten sie am Ende die Gnade des Schiedsrichters, um diese Partie nicht zu verlieren, aber dazu weiter unten. So ist Fußball manchmal.
 

Die Blauen

… wurden zur Halbzeit von vielen meiner Knappenkumpel harsch kritisiert. Zu harsch, für mein empfinden. Ja, Borussia war das bessere Team, aber das hatte ich erwartet. Schalke spielte nach vorne, kam auch seinerseits zu Gelegenheiten und man konnte dem Team den nötigen Einsatz keinesfalls absprechen.

Schalkes Spiel über die Flügel konnte sich schon alleine auf Grund der personellen Neuordnung nicht etabliert darstellen. Links agierte Thilo Kehrer mit großem Einsatz, aber ungestüm und mit defensiven Problemen. Vor ihm zauberte Eric-Maxim Choupo-Moting wie man ihn kennt, stets nur zweimal, um es ein drittes Mal zu versuchen und zu scheitern. Und doch war die linke die gute Seite der Blauen, denn die rechte funktionierte überhaupt nicht.
Coke wurde nach monatelanger Verletzungspause von Beginn an aufgestellt und hatte mit Dembelé seine liebe Not. Die Offensive konnte er kaum unterstützen und ohne ihn brachte Daniel Caligiuri auch nichts zustande. Überhaupt wurde Schalkes Spiel auch nur über links aufgebaut. Weinzierls Doppelwechsel in der 70. Minute war so mutig wie richtig. Mutig, weil er eben keine wirkliche Alternative für die Rechtsverteidigerposition hatte, aber richtig, weil man sich von Alessandro Schöpf auf Außen und Meyer im Zentrum eben doch noch mal einen Boost für die Offensive versprechen konnte.

Und den gab es dann ja auch noch. Vor allem von Leon Goretzka mit langen Schritten angetrieben verdiente sich Schalke den Ausgleich und drückte auf den Sieg. Plötzlich war sie da, die Derbytemperatur. Und dann war es egal, wer wie lange besser war, dann war das Momentum auf Schalker Seite. Und auch wenn ich letztlich das 1:1 als okay erachte, hätte Schalke dieses Spiel doch gewinnen sollen. Nur Schiedsrichter Felix Zwayer wollte das nicht so.
 

Das Handspiel

… konnte kaum deutlicher sein. Marc Bartra hatte beide Arme in der Luft und erinnerte dabei an einen Handballtorhüter. Die Hand ging zum Ball, man weiß wirklich nicht, wie klar eine Szene noch sei soll, als dass sie vom Schiedsrichter geahndet werden würde. Wurde sie aber nicht. Schon wieder nicht. Dem zweifelhaften Handelfer zugunsten der Blauen in Gladbach stehen leider bereits eine ganze Reihe Benachteiligungen gegenüber, welche Schalkes Saison nachhaltig negativ beeinflusst haben.
 

Die Stimmung

… eines Derbys kam erst auf, als Schalke zur Aufholjagd blies. Zuvor bemühte sich die Nordkurve um Unterstützung, aber es kam eben nichts zurück. Keine Gegnerschaft, welche die Duelle gegen Dortmund sonst so besonders macht. Nach den Ausschreitungen des Derbys am 26. Oktober 2013 hatte Schalke rund 500 Haus- und Geländeverbote ausgesprochen. Die großen Ultra-Gruppierungen des BVB waren am Samstag nicht zugegen.

So richtig der Ausschluss von Tullus veranstaltenden Spacken ist, so sehr merkte man bei diesem Derby, wie wenig Stimmung ohne die Ultras stattfindet. Die Unterstützung der übrigen Borussenfans für ihr Team war erbärmlich. Nach einer halben Stunde hat man sie überhaupt zum ersten Mal gehört.
 

Die Maske

Die Aufregung ist groß. Pierre-Emerick Aubameyang zog sich eben nicht nur eine Maske über den Kopf, weil er kindlich veranlagt ist und seinem Gegner keinen Respekt zollt, sondern weil er Nike-Starlet ist und dafür einen Haufen Geld kassiert. Das brachte sogar Aki Watzke auf die Palme. Nicht, weil er will, dass sich sei Stürmer weniger kindlich verhält und dem Gegner mehr Respekt zollt, sondern weil er findet, dass sein Stümer gefälligst dem Club-Sponsor Respekt zollen solle.

Aber Aki hat schlechte Karten. Am Ende sitzt der Spieler am längeren Hebel. Aubameyang ist Dortmunds wertvollster und wichtigster Spieler. Da greifen keine Disziplinarmaßnahmen, und die Geldstrafen für diesen Häckmäck zahlt eh Nike. Der Skandal ist nüchtern kalkuliert. Die aktuelle Aufregung ist Teil des Ganzen.
 

Des Erwins Rote Karte

Und dann war da noch die Szene, in dem das Maskottchen dem Schiri die Rote Karte zeigte.

Ich finde, neben Schalkes Fußballfeld sollte kein Plüschonkel rumlaufen. Solcherlei sollte ein Instrument von eventorientierten Neuclubs bleiben. Schalke 04 ist altehrwürdig, ist Tradition, ist Fußball pur – bzw. sollte das meiner Meinung nach sein. Schalkes Erwin soll auf Pfarrfesten oder am Eingang des Kinderblocks rumturnen, winken, für Fotos bereitstehen; im Innenraum hat er meines Erachtens nichts zu suchen. Aber S04 ist Teil der Liga, und wenn man sich umschaut gelangt man schnell zu der Erkenntnis, dass die Liga solchen Zirkus haben will. Dass es nun wirklich Leute gibt, welche die Aktionen einer solchen Figur als irgendwie bestrafungswürdig erachten, lässt mich letztlich vollends an der Veranstaltung Bundesliga zweifeln. Entweder es werden Faxen am Spielfeldrand gemacht, oder man konzentriert sich auf den Sport. Ein bisschen Faxen zu wollen ist albern.
 

Und nu‘?

Nun kann ich ganz gut mit dem Remis leben. Schalke hat damit wieder einen Punkt auf Platz 6 gutgemacht. Nun sind es nur noch 3 Punkte und drei Clubs, die es auf- bzw. einzuholen gilt.



Überschrift via Detlef alias Doktor_D

Auszeit

Manchmal kann eben niemand was dafür.
Manchmal ist alles scheiße, und es trägt doch niemand Schuld.

Ich habe eine unfassbar starke, aber doch sehr kranke Frau. Ich habe zwei großartige Kinder. Meine Familie verändert sich. Wir sind gerade alle sehr traurig. Ich muss sacken lassen, nachdenken, durchatmen. Ich habe gerade keine Lust auf Schalke oder Schreiben.

Ich nehme mir drei Wochen Auszeit. Nach dem Derby soll es hier weitergehen.

Ma’kucken.

Ausgerechnet …

Das Wort „ausgerechnet“ ist megaout. Wobei „megaout“ wohl auch das ist, was man damals mal mit „megaout“ bezeichnete. Wie man das nun bezeichnet weiß ich nicht, jedenfalls muss man sich schämen, wenn man das Wort „ausgerechnet“ benutzt.

Wenn ausgerechnet der eine Stürmer gegen seinen Ex-Club trifft, und wenn man das dann mit „ausgerechnet“ beschreibt, dann gibt es bald weniger zu lachen. Der Zusammenhang wird als Phrase erachtet, als Wort selbst als Füllwort. Unnütz, übrig, ein Wort zum aufblasen von Texten.

Heute spielt Schalke 04 auf dem Berger Feld die zweite seiner drei Begegnungen gegen Borussia Mönchengladbach. Nach aktueller Stimmungslage wieder das wichtigste Spiel der von allen, so wie die nächsten eben auch, wir verstehen uns. Tatsächlich waren die letzten Auftritte der Blauen nicht so, als dass ich frohgemut auf diese Aufgabe schaue. Schauen werde ich natürlich. Aber drüber schreiben kann ich diesmal leider nicht.

Ausgerechnet jetzt!

Mein Job zwingt mich heute in eine fremde Stadt, in ein Hotel. Dort werde ich dieses Spiel gemeinsam mit Kollegen sehen. Einer ist aus Gladbach, ein Anderer ist einer meiner Lieblingsborussen. Je nach Verlauf werde ich verdammt viel Spaß oder viele Sprüche zu ertragen haben. Alles so, wie es sein sollte, wenn man mit Leuten unterschiedlicher Fanlieben gemeinsam Fußball schaut. Ich freue mich drauf. Auch wenn ich Euch hier deshalb mal alleine lassen muss.

Das macht mir aber keinerlei Sorgen. Ich bin tatsächlich immer wieder sehr angetan, wie viele tolle Kommentare sich hier selbst unter kleinen Texten versammeln. Fühlt Euch frei, das Spiel zu kommentieren. Ich werde mich mit meiner Meinung später auch unten einmischen. Den nächsten Blogbeitrag gibt’s dann am Montag, nach dem Spiel gegen Augsburg. Aber das ist ja noch eine kleine Ewigkeit weit weg, wer weiß schon, wie die Welt der Blauen bis dahin aussieht? Das ist schließlich Schalke 04 …


Getz ma’ anders?

Ich begann vor 10 Jahren, im Januar 2007 mit dem Schreiben des Blogs. Seitdem hat Schalke 04 Mirko Slomka rausgeschmissen, Fred Rutten rausgeschmissen, Felix Magath als „Trainager“ seiner Aufgaben enthoben, Huub Stevens rausgeschmissen, Jens Keller rausgeschmissen, Roberto Di Matteo rausgeschmissen und André Breitenreiter nicht mehr gewollt.

Zwischenzeitlich hatte sich Ralf Rangnick krankgemeldet, und einzeln oder in Kombination hatten an der Seitenlinie Mike Büskens, Youri Mulder, Oliver Reck und Seppo Eichkorn mal was zu sagen.

Für und wider, stets aufs Neue, Ernüchterung, Hoffnung, Enttäuschung in verschiedenen Intervallen und Ausprägungen. Letztlich vergleichsweise kurzfristig immer wieder im Kreis.

Getz ma’ anders?
Mal harren? Mal vertrauen? Mal weitermachen, statt wieder anzufangen?

Ma’kucken.

Überfordert

Schalke 04 geht 4:2 in Gladbach unter. Das erste von drei Duellen gegen einen Club, den man auf Augenhöhe wähnte. Dass Schalke sich dabei so schlecht schlug, war schon bitter mit anzuschauen.

Schalkes Abwehrreihe wackelte von Beginn an. Naldo fehlt. Matija Nastasic fehlte es an Übersicht. Benni Höwedes hat eine Phase, in der ihm regelmäßig Dinge nicht gelingen und er immer wieder mal einen Schritt zu spät kommt.

Nach holpriger Anfangsphase konnte Schalke das Spiel zwar beruhigen. Im Mittelfeld hielt man gut dagegen, machte Räume eng, unterband eine Halbzeit lang das Spiel Gladbachs. Aber des Gegners Spiel zu unterbinden reicht eben nicht, wenn man gewinnen will. Schalke bekam nie ein richtiges Offensivspiel etabliert. Die Abschlüsse der Blauen kamen fast alle aus der Distanz.

Das ist zu wenig. Wenn man selbst nicht in der Lage ist, Chancen zu kreieren, braucht es Glück und eine fehlerfreie Defensivleistung. Zwei Fehler im Spielaufbau ließen Gladbach ausreichend Raum für schöne Angriffe und tolle Treffer. Nach einem Doppelschlag in vier Minuten war dieses erste Duell für Gladbach entschieden.

In diesem Spiel stimmte auf Schalker Seite gar nichts. Offensiv ideenlos und ohne Durchsetzungskraft. Defensiv wackelig, und im Spielaufbau fehlerhaft. Zur Krönung bot Franco Di Santo noch eine Schwalbe zum Schämen. Ein fürchterlicher Abend.

In der aktuellen Verfassung ist ein Weiterkommen in der Europa League, gegen eben den gleichen Gegner, unwahrscheinlich. In der Liga steht Schalke nach 23 Spieltagen nur vier Punkte vor dem Relegationsplatz. Markus Weinzierl wirkt angeschlagen, wenn er nach Niederlagen wiederholt darauf hinweist, dass seine Mannschaft Traineranweisungen nicht umgesetzt habe, wenn er öffentlich einzelne Spieler kritisiert. Man schaue nun ganz offiziell nach unten, wie den Worten des Trainers und Christian Heidels zu entnehmen war.

Das wird noch eine lange und trübselige Restsaison.

Chancenlos

Schalke 04 ist im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen Bayern München ausgeschieden. Den Endstand weiß ich noch nicht. Jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, ist gerade Halbzeit, noch steht es 3:0 für die Bayern.

Das Ding ist durch. Ich habe gerade keine Lust, die zweite Halbzeit abzuwarten und mich dann noch an den Rechner zu setzen. Ich möchte einfach gleich wegdusseln, wenn’s noch schlimmer wird. Ich bin müde. Mir fehlt es an Elan. Ich habe gerade nicht mal mehr Lust, zu moppern.