Ein Fehler und der Kniff des Clemens T.

Bemerkungen zur S04 Mitgliederversammlung 2017

Die Mitgliederversammlung 2017 des FC Schalke 04 ist in den Büchern. Letztlich gab es weniger Aufregung als erwartet. Der neue Trainer redete selbst und frei und sympathisch, er kam gut an. Dem Vorstand Sport nahm man seine Erklärung zur Trainerentscheidung ab. Bemerkenswert war, wie die wichtigste Entscheidung entschärft- und dass die wichtige Wahlausschuss-Wahl von den Mitgliedern aus Versehen erschwert wurde.
 
 
Der Kniff des Clemens T.

Das heißeste Thema im Vorfeld war der Antrag auf Satzungsänderung, welche den Wahlausschuss verändern sollte. Wer sich halbwegs für dieses Thema interessierte konnte schnell mitbekommen, dass der Antrag in der Mitgliedschaft auf viel Widerstand traf. Dies blieb auch den Antragstellern nicht verborgen. Doch statt eine Niederlage einzugestehen und den Antrag vorbehaltlos zurückzuziehen, wendete der Aufsichtsrat um Clemens Tönnies einen Kniff an.

Clemens Tönnies erklärte, dass man die Stimmung gegen diesen Antrag wahrgenommen hätte, und schlug vor, abstimmen zu lassen, ob dieser Änderungsantrag überhaupt behandelt werden solle. Dabei stellte er der Abstimmung die Alternative gegenüber, den Antrag unter Beteiligung der Kritiker zu überarbeiten und im kommenden Jahr wieder vorzulegen.

Das Plenum wollte den Antrag verhindern und nahm die Alternative mit großer Mehrheit an. Clemens Tönnies gelang es damit, zunächst nicht als Verlierer dazustehen, und sich außerdem von der Mitgliederversammlung das Einbringen eines weiteren Versuchs im nächsten Jahr legitimieren zu lassen. Ein starker Politiker-Move, in einer Situation, in der eine krachende Niederlage bevorstand.
 
 
Der Fehler der verschobenen Tagesordnung

Ein wichtiger Teil der Mitgliederversammlung war die Wahl des Wahlausschusses. Diese fand leider erst zu einem solch späten Zeitpunkt statt, dass die Versammlung bereits arg ungeduldig war und die Vorstellung der Kandidaten sicher auch ganz gecancelt hätte, wäre dies von jemandem vorgeschlagen worden. Statt der regulären drei Minuten blieben jedem Kandidaten letztlich nur 1:30 Minunten, um sich zu erklären. Das Publikum war unaufmerksam und unruhig, das Ganze war der Wichtigkeit nicht würdig.

Schuld daran war ich selbst, als einer von 55%, die einem Antrag auf Änderung der Tagesordnung zustimmten. Der Antragsteller Giuseppe Renna beantragte, den Punkt „Aussprache“ gleich hinter die Berichte der Vorstände und vor die Abstimmungen zu verlegen. Die Idee war, sich Auszusprechen, bevor die wichtigen Entscheidungen gefällt würden. Mir schien das plausibel und gut.

Giuseppe Renna selbst hatte auch einen Wortbeitrag in dieser Aussprache und forderte die Clubfunktionäre auf, den Satzungsänderungsantrag zum Wahlausschuss zurückzuziehen. Was (auch) ich nicht bedacht hatte war, dass in diesen Aussprachen aber wahnsinnig viele Redner eben nichts redeten, was einen vor einer Abstimmung weiterbringt. Stattdessen mussten sich der neue Trainer, der Sportvorstand und auch die Versammlung von schalkebemützten Fans erklären lassen, wie man künftig doch besser spielen könne, dass die Ecken schlecht kämen oder dass man doch Kontinuität bräuchte. Pro forma demokratisch, denn schließlich darf jeder sagen was er will. Tatsächlich aber ganz viel Mumpitz, der den wichtigeren Tagesordnungspunkten den Zeitkorridor in der Phase des Tages nahm, da das Plenum noch zu Aufmerksamkeit fähig gewesen wäre.

Trainervorstellung auf Schalke

 

 

 

 

 

Einfach ablehnen

Der große Aufreger der diesjährigen Mitgliederversammlung ist der Antrag auf Satzungsänderung, welche den Wahlausschuss „reformieren“ soll. Ich habe eine Weile überlegt, wie ich in den Text zu diesem Thema einsteigen soll. Aber letztlich geht es nicht besser als das von den Ultras GE produzierte Filmchen zu teilen, welches den Sachverhalt herausragend nüchtern und anschaulich darstellt.

Dass die Funktionäre des Clubs der Mitgliederversammlung einen solchen Antrag vorlegen, halte ich für beschämend. Dass für diesen Antrag per Club-Newsletter geworben wurde, halte ich für dreist. Mit diesem Antrag geben Christian Heidel, Alexander Jobst, Peter Peters, Dr. Jens Buchta, Ulrich Köllmann, Peter Lange, Dr. Armin Langhorst, Dirk Metz, Clemens Tönnies, Heiner Tümmers, Prof. Klaus Bernsmann, Hans-Joachim Dohm, Volker Stuckmann, Dr. Herbert Tegenthoff, Dieter Basdorf, Eberhard Bergjohann, Manfred Kreuz, Dr. Peter Paziorek, Gerhard Rehberg, Josef Schnusenberg, Dr. Ingo Westen, Klaus-Peter Wömpner, Till Beckmann, Bayram Dogan, Thorsten Kramer, Pascal Krusch, Verena Manca, Marcel Neuer, Simone Rochel, Hans-Christian Wichlacz und sogar Klaus Fischer und Olaf Thon zu Protokoll, dass sie dem Urteil der Mitglieder nicht trauen, und dass ihnen der Kernsatz der Satzung ein steter Dorn im Auge ist:

Die Mitgliederversammlung ist das oberste Beschlussorgan des Vereins.
(§ 6 Mitgliederversammlung, 1. Satz)

Die Funktionäre des Clubs wollen sich weiter abschotten. Dass sie von vielen Mitgliedern kritisch hinterfragt werden ist ihnen lästig. Sie wollen „durchregieren“. Und nachdem auf der letzten Mitgliederversammlung Clemens Tönnies seine Wahl gegen laute Kritiker recht souverän gewinnen konnte, hat man auf Funktionärsebene offensichtlich etwas zu lange gefeiert und sich lachend gedacht: „Versuchen können wir’s ja mal.“ Anders lässt sich dieser Vorgang wohl nicht erklären.

Schalker sind viele, und sicherlich gibt es einige Mitglieder, denen die Vereinspolitik nicht wichtig ist, die sich aus anderen Gründen für eine Mitgliedschaft entschieden haben. Wer sich aber als Mitglied im Sinn der Satzung versteht, wem sein Wahlrecht was wert ist und wer auch nur halbwegs bei Trost ist, wird diesen Antrag ablehnen. Die Mitbestimmung der Mitglieder hemmt diesen Club nicht, sie schützt ihn. Sie sorgt dafür, dass die oben genannten Funktionäre nicht tun und lassen können was sie wollen, dass sie werben müssen, dass sie den Verein nicht einfach nach Laune umkrempeln können. Gescheiterte Funktionäre verschwinden ohne Tschöö zu sagen, aber der Verein bleibt.

Wir müssen uns um unseren Verein keine Sorgen machen. Wir müssen den Antrag einfach nur ablehnen.

Vorstellung der Aufsichtsratskandidaten

Am kommenden Sonntag findet die Mitgliederversammlung des FC Schalke 04 statt. Wie üblich sind dabei wieder zwei Aufsichtsräte zu wählen. Erstmals kann die Vorstellung der vier Kandidaten live im Netz verfolgt werden.

Die Veranstaltung findet heute ab 19:04 Uhr im Stadion, im Raum Tibulsky statt. Um vor Ort dabei zu sein ist eine Anmeldung erforderlich. Bei Schalke TV wird man den Abend live verfolgen können. Später gibt es das ganze via YouTube nachzuschauen.

Das Video werde ich auch hier einstellen. Gerne können wir uns dann in den Kommentaren über die Kandidaten austauschen.
 
 
Update 20.06.2017

Ich hatte verstanden, dass die Vorstellung später via YouTube verbreitet werden würde. Hatte ich mir das nur eingebildet, oder hat man die Entscheidung geändert? Jedenfalls lässt sich die Vorstellung nicht bei YouTube, sondern bei Schalke TV nachschauen, nach entsprechender Anmeldung.

04 Jahreszeiten

Trainerwechselbiere

Trainerwechselbier: Herzlich Willkommen und Glückauf, Domenico Tedesco! #S04

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Trainerwechselbier: Herzlich Willkommen und Glückauf, Markus Weinzierl! #S04

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Trainerwechselbier: Herzlich Willkommen und Glückauf, André Breitenreiter! #S04

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Messias Tedesco? Erst mal nur „der Nächste“

Eine lange Saison steckt in den Schuhen. Der Endspurt. Gewonnen, verloren, unentschieden. Gewonnen, verloren, gewonnen. Noch ein Spiel gegen einen gleichwertigen Gegner. Ein Punkt reicht, um das Saisonziel doch noch zu erreichen! Auf Sieg spielen, an sich glauben! Um dann doch zu verlieren.

Klingt nach Schalke. Ähnlich widerfuhr es den Blauen immer dann, wenn man doch noch auf einen Europa League-Platz hätte kommen können. Die oben beschriebene Abfolge ereilte aber Erzgebirge Aue. Am letzten Spieltag verlor Aue in Düsseldorf mit 0:1.

Dass Aue auf „Sieg spielen“ würde, wie von Tedesco angekündigt, davon war kaum etwas zu sehen. Zwar kombinierten die Veilchen teilweise ansehnlich, aber kaum bis ins letzte Drittel.

… schrieb der kicker später. Dass Aue dennoch feiern durfte und nicht in die Relegation musste lag daran, dass Bielefeld und 1860 München ihre letzten Spiele ebenfalls nicht gewannen. Als Retter Aues durfte sich Domenico Tedesco selbstverständlich dennoch feiern lassen. Von 11 Spielen unter seiner Leitung verlor Aue nur drei, gewann sechs. Aber als ein Proficlub wie Schalke 04 …

verpflichtet man ja nun wirklich keinen Trainer, der für ein paar Wochen bei Aue wohl gute Arbeitet leistete, sondern in erster Linie den von vielen als überragend empfundenen Jugendtrainer, der auch in Aue überraschend großen Erfolg hatte.

… wie Kommentator sternburg gestern so treffend schrieb.

Bevor Domenico Tedesco im März Aue übernahm war er U19-Trainer in Hoffenheim. Dieses Amt hatte er erst zu Saisonbeginn übernommen. In der Saison zuvor gewann Hoffenheim die Staffel Süd/Südwest. In den 20 Partien unter Domenico Tedesco kam Hoffenheim auf 10 Siege, 2 Unentschieden und 8 Niederlagen. Bei seinem Abschied belegte die TSG Platz 4 und hatte bei einem Torverhältnis von 38:35 die zweitmeisten Gegentreffer kassiert.

Bevor er nach Hoffenheim kam war Domenico Tedesco Cheftrainer der U17 des VfB Stuttgart. In der Saison 2013/2014 führte er das Team auf Platz 2. In der Saison 2014/2015 gewann sein Team die Staffel. In den zwei Spielzeiten vor Domenico Tedesco belegte die U17 des VfB Stuttgart ebenfalls Platz 2 und 1. In den zwei Spielzeiten nach Domenico Tedesco belegte die U17 des VfB Stuttgart Platz 1 und 2.
 
 
Stopp!

Der Wieland, der ewige Mopperkopp! Will der den neuen Trainer schon vor dem ersten Testspiel schlechtmachen? Was will er uns damit sagen? Dass sich Heidel vertan hat?

Nein. Ich möchte nur darstellen, dass Schalkes neuer Trainer kein Messias ist, und dass seine Erfolge mit Jugendteams keineswegs so spektakulär waren, wie man glauben könnte, wenn man nun die vielen Jubeltexte liest, die gerade über ihn verfasst werden. Experten nennen Domenico Tedesco eines der größten Trainertalente. Aber das wurde zuvor eben auch schon über viele gesagt. Gerade zwischen den Spielzeiten wird viel gelobt. Wer wissen will, was ich meine, suche mal nach Texte über Markus Weinzierl, als dieser zum Trainer des Jahres ernannt wurde.

Ich freue mich auf Domenico Tedesco. Er wirkt sympathisch und enthusiastisch. Man sagt, er wisse was er tue. Er hat noch nirgendwo enttäuscht. Sein junges Alter empfinde ich nicht als problematisch. Ich sehe keinen Grund zur Sorge, ich wüsste nicht, warum ich diesem Trainerwechsel nicht optimistisch begegnen sollte. Noch sehe ich aber auch keinen Grund, heute optimistischer zu sein, als ich es bei den Trainerwechseln zu Roberto Di Matteo, André Breitenreiter oder Markus Weinzierl war.

Ma’kucken.



Foto: Tomek Bo