Die Kandidaten zur Wahl zum Aufsichtsrat

… wurden bislang – also bis Montag, 0:04 Uhr, da ich das gerade hier schreibe – noch nicht bekanntgegeben.

In der vergangenen Woche fanden die Interviews des Wahlausschusses mit den Kandidaten statt. Danach sollte das Prozedere folgen, welches der Wahlausschuss in seiner veröffentlichten Geschäftsordnung niedergeschrieben hat. Zunächst durfte man hoffen, dass die zugelassenen Kandidaten Donnerstagabend oder Freitagfrüh veröffentlicht würden. Dann hieß es, dass es vor Sonntag keine Entscheidung geben würde. Am gestrigen Sonntag um 18:35 Uhr gab Wahlausschuss-Mitglied Stefan Barta bei Facebook bekannt, dass er von seinem Amt zurücktritt.

Das sind die bis hierhin bekannten Fakten. Alles Weitere sind Spekulationen.
 
 
Update, 09:45 Uhr

Auf der Webseite des Clubs wurde soeben veröffentlicht, dass der Wahlausschuss vier Kandidaten für die zwei zu besetzenden Plätze im Aufsichtsrat benannt hat. Zwei davon sind die bisherigen Amtsinhaber Clemens Tönnies und Peter Lange. Die beiden anderen sind Andreas Goßmann (55 Jahre, Sparkassendirektor a.D., Düsseldorf) und Michael Stallmann (57 Jahre, Geschäftsführer, Marl).

Trotz aller Diskussionen hatte ich erwartet, dass Clemens Tönnies zur Wahl zugelassen werden würde. Ich finde das richtig so. Nicht weil ich für Clemens Tönnies bin, sondern weil es meines Erachtens der Mitgliederversammlung obliegen muss, ihn eventuell abzuwählen. Diese Begründung gilt so auch für Peter Langes erneute Nominierung.

Häufig gestellte Frage. Klare Antwort.

Ich denke, dass sich viele Schalker gerne von einem starken Mann führen lassen. Schalke ist ein Traditionsverein. Jahrzehnte war es immer so, dass es einen „Boss“ hatte.

Man könnte die Ursprünge dessen gar in der Gründerzeit des Ruhrgebiets suchen. Bei Friedrich Grillo zum Beispiel, dem Gründer der Zeche Consolidation, zu dem seine Arbeiter aufschauten, von dem seine Arbeiter abhängig waren, der die Lebenswirklichkeit schuf, aus der später der Fußballclub Schalke 1904 hervorgegangen ist.

Ein Verein ist Leben im Kleinen. Auch hier wird gezetert und gesungen, geliebt und gehasst, gesoffen und debattiert. Auch hier wollte man „oben“ einen haben, der regelte was es zu regeln gab, der das schon machte, was getan werden musste. Hier war man weniger abhängig. Hier konnte man den einen auch vom Hof jagen, wenn die Lage zu schief war. Dann sah man zu dass es einen anderen gab, einen entschlosseneren, einen besseren, einen der mehr in die Waagschale – und die Kassen – zu werfen vermochte.

Pro forma ist Schalke 04 noch ein Verein, aber tatsächlich ist Schalke 04 heute ein Unternehmen mit einem Umsatz von 264,5 Millionen Euro. Das niederländische Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG beziffert den durchschnittlichen Unternehmenswert des Clubs auf 624 Millionen Euro. Grundlage dafür war, dass sich Schalke im Aufbau des Vereins über eine neue Satzung Strukturen in Anlehnung an große Wirtschaftsunternehmen gab. Eine Satzung, die das Handeln einem Vorstand zuschrieb, die diesen Vorstand von einem Aufsichtsrat kontrollieren ließ. Damit nicht alles an einem hängt, damit die Verantwortungen geteilt wurden. Ein schlaues System, eine gute Satzung.

Und doch verhält sich Clemens Tönnies, der Vorsitzende des nur zur Kontrolle eingesetzten Aufsichtsrats, gerne wie ein Boss früherer Tage. Und weil Schalker viele sind, und weil viele diesen Club so leben wie sie ihn Jahrzehnte lebten, fühlen sich viele Schalker wohl damit. Sie vertrauen darauf, dass er regelt was es zu regeln gilt, dass er schon machen wird, was getan werden muss. Diejenigen halten die Diskussionen um Clemens Tönnies für absurd. Für sie liegt die oben dargestellte Frage auf der Hand, und sie wird vielfach formuliert, dieser Tage: „Wer sonst als Clemens Tönnies soll unseren Verein führen?“

Es sind diejenigen, die an die Richtigkeit der Satzung und an die Notwendigkeit einer Aufteilung der Macht im Club glauben, die darauf mit „Der Vorstand“ antworten. Diejenigen, die nicht formulieren sich „zu sorgen“, denen nicht „Angst und Bange“ wird, wenn sie daran denken, dass dem Club mal kein Boss alter Schule mehr vorsteht.

Da treffen verschiedene Lebensbilder aufeinander. Deshalb ist die Debatte so hitzig. Und deshalb wird sie wohl hitzig bleiben, über die Jahreshauptversammlung hinaus, egal welche Entscheidungen fallen werden.

Man versteht einander einfach nicht.

Wörtlich: Tobias Zellner

Ich finde es schade, was da gerade abläuft. Es ist klar, dass dies alles nicht gut ist für alle Beteiligten.

Tobias Zellner ist Co-Trainer und Vertrauter von Markus Weinzierl. Gemeinsam mit dem für Gegner-Beobachtung zuständigen Wolfgang Beller und Athletik-Trainer Thomas Barth möchte er dem Chef-Trainer zum FC Schalke 04 folgen. Der FC Augsburg hat für die drei keine Verwendung mehr, da Dirk Schuster, der neue Cheftrainer des FCA, seine eigenes Team mitbringt. Nach der Posse um das Hinhalten Weinzierls hakt nun aber auch dieser in der Bundesliga sehr übliche Vorgang, da FCA-Geschäftsführer Stefan Reuter nicht einlenken mag.



Quelle: Augsburger Allgemeine

Rehbergs „Offener Brief“: Ein unerhörter Vorgang

Der Wahlausschuss ist ein Gremium und damit Teil des Vereins, in der Satzung verankert, von den Mitgliedern ordentlich gewählt. Dieser entscheidet nach pflichtgemäßem Ermessen über die Zulassung der Kandidaten zur Wahl des Aufsichtsrats. Diese Entscheidung steht nun an.

Am 01.06. hat der Wahlausschuss einen Apell veröffentlicht. Seit Wochen würde versucht, auf die Entscheidung Einfluss zu nehmen, Druck auszuüben. Mitglieder des Wahlausschusses seien persönlich bedroht worden. Diese Vorgänge würden nicht nur dem Ansehen des FC Schalke 04 schaden, sondern allen beteiligten Personen.

Anstatt dass sich der Club schützend vor das eigene Gremium stellt, erhöht Gerd Rehberg per „Offenem Brief“ den Druck weiter. Ganz offiziell, kraft seines Amtes als Ehrenpräsident, auf der Webseite des Clubs. Er stellt Vorgänge im Aufsichtsrat dar, die der Geheimhaltung unterliegen. Er fordert vom Wahlausschuss die Entscheidung die ihm gefällt. Er gießt Öl ins Feuer der eh schon hoch lodernden Diskussionen. Ein unerhörter Vorgang.

„Diese Vorgänge schaden nicht nur dem Ansehen des FC Schalke 04, sondern allen beteiligten Personen“ schrieb der Wahlausschuss in seinem Apell. Der Wahlausschuss tagt in dieser Woche. Noch ist keine Entscheidung gefallen die diskutiert werden müsste. Noch hat der Wahlausschuss nichts getan, was dem Ansehen des Clubs schadet. Gerd Rehberg mit diesem Brief und der Verein als solcher, im Umgang mit dem eigenen Gremium Wahlausschuss, leider schon.

Glückauf Pils – Der Schalke Podcast: Folge 14

Die bevorstehende Jahreshauptversammlung wirft einige dunkle Schatten voraus. Schalker gehen derzeit nicht immer korrekt miteinander um. Tönnies-Gegner und Tönnies-Befürworter bekommen sich regelmäßig inne Köppe. Mitglieder des Wahlausschusses, der über die Eignung von Kandidaten für den Aufsichtsrat zu befinden hat, wurden sogar persönlich bedroht. Anstatt dass sich der Club schützend vor das eigene Gremium stellt, erhöht der Ehrenpräsident Gerd Rehberg per „Offenem Brief“ den Druck weiter – ganz offiziell, über die Club-Webseite. Das lässt einen alles nur noch schaudern. Zeit, ein wenig Sachlichkeit einkehren zu lassen. Und wer könnte mehr für Sachlichkeit im Schalke-Kosmos stehen als wir, der Herr Pepo und ich, die Stimmen Eures Schalke-Podcasts Glückauf-Pils?!

Direkt auf der Schalker Meile trafen wir uns mit Roman Kolbe. Roman ist einer der Initiatoren von SchalkeVereint. Diese Gruppe besteht aus Mitgliedern verschiedener Fanorganisationen und trat in der Vergangenheit vor allem in Erscheinung, wenn es um das Erklären von Satzungsänderungsanträgen oder dem Vorstellen von Kandidaten für Ämter im Wahlausschuss oder Aufsichtsrat ging. In unserem Gespräch ging es um die Ziele von SchalkeVereint, warum die Gruppe entstand, was sie am Ist-Zustand beim FC Schalke 04 kritisiert und wie es ihrer Meinung nach besser laufen könnte. Dabei haben wir so ziemlich alle kritischen Themen angesprochen, die aktuell für Aufregung sorgen.
 
 
Gewinnspiel

Um nicht zu sachlich und nicht zu politisch zu werden haben wir für Euch ein Gewinnspiel eingebaut. Auf einen aufmerksamen Hörer wartet das neue Trikot in Größe L! Wie sich das gewinnen lässt erklären wir in der Folge, gleich zu Beginn. Die richtige Antwort mailst Du einfach an trikot@koenigsblog.net … und falls tatsächlich mehr als eine richtige Einsendung kommt, wird von uns gelost.
 
 
Hier geht’s zur Folge. Viel Spaß beim Hören!

Die Aufsichtsratsvorsitzenden der Bundesliga

… und deren BILD-Präsenz



Stand der bild.de-Suchtreffer: 05.06.2016, 22:12 Uhr. Google gibt die Treffer mit „Ungefähr“ an.

Personalie Weinzierl endlich offiziell


Kurz vor 19 Uhr gestern Abend war es dann endlich soweit. Schalke machte die Personalie Markus Weinzierl offiziell bekannt. Der in Straubing geborene, 41-Jährige Fußballlehrer wird damit der neunte Cheftrainer des FC Schalke 04 seit Beginn meiner Bloggertätigkeit im Jahr 2007, kurzfristige Interimslösungen nicht eingerechnet.

Tatsächlich war es allerdings bereits eine Stunde zuvor soweit. Um 17:51 Uhr meldete der offizielle Twitter-Account des FC Augsburg die Verpflichtung Dirk Schusters als neuem Cheftrainer und das Gehen Markus Weinzierls. In der dazugehörigen Meldung auf der Webseite des Clubs wurde Schalke 04 als das Ziel Weinzierls genannt. Damit wurde klar, dass das letztlich „lange Warten auf Weinzierl“ nicht etwa an einem irgendwie blockenden oder zu langsamen Schalker Aufsichtsrat lag, oder an irgendwelchen Juristen, welche zur Prüfung von Verträge länger als Gedacht gebraucht hätten. Der FC Augsburg wollte es schlicht so. Der FCA gab Markus Weinzierl die Freigabe nur unter der Bedingung, dass bereits sein Nachfolger feststeht, dass man diese Personalien von sich aus und Gleichzeitig verkünden würde.

Dass das die Schalker Seite genervt haben dürfte, liegt nah. Insbesondere Markus Weinzierl selbst hätte sich sicherlich einen vernünftigen Abschied aus Augsburg und eine zeitnahe Pressenkonferenz zu seiner Vorstellung auf Schalke gewünscht. Markus Weinzierl hatte Stefan Reuter seinen Wechselwunsch bereits im Januar mitgeteilt. Damit wurde der Trainer zur Verhandlungsmasse, und da Schalkes neuer Chefeinkäufer Christian Heidel selbst erst spät offiziell in sein Amt fand, konnte und wollte Augsburg lange so tun als wäre es möglich, dass man weiterhin auf des Trainers Dienste zur nächsten Saison pocht.

Faktisch war das ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr möglich. Und spätestens als man sich mit Schalke einig war, wäre es normal gewesen, Markus Weinzierl die Freigabe zu erteilen um ihm den ordentlichen Einstand beim neuen Club zu ermöglichen. Augsburg brauchte einen neuen Trainer, und man tat, als könne man das eigene Problem zum Problem des FC Schalke 04 und zu Markus Weinzierls Problem machen. Dadurch, und durch „drittklassige Öffentlichkeitsarbeit“ des FCA, misslang ein sauberer Wechsel des Trainers. Eben in diesem Kontext sind dessen Interviews in der Augsburger Allgemeinen und Sportbild zu sehen, in denen er sich schon vor der offiziellen Verkündung als Schalke-Trainer gab. Es wird ihm schlicht gestunken haben, als Spielball seines Ex-Clubs herhalten zu müssen.

Aber haken wir das hiermit ab.

Glückauf, Markus Weinzierl!