Viel fehlte, nicht nur die Fehlenden

Schalke verliert mit 4:1 in Gladbach und war damit noch gut bedient. Die Schwächen Jens Kellers Mannschaft wurden vom Gegner bestens herausgearbeitet, in der zweiten Halbzeit fiel Schalke förmlich auseinander. Vorne fehlte die Präzision, hinten fehlte es an kompaktem Stellungsspiel. Zwischendurch fehlte es an Glauben und überall fehlte die gegenseitige Unterstützung. Viel fehlte den Blauen im Borussiapark, nicht nur die Fehlenden. Eine Vorstellung die sich nicht alleine durch verletzungsbedingte Ausfälle erklären lässt.

Das Umschalten von Ballbesitz auf Defensive funktionierte in keiner Phase des Spiels. Mit Ball konnte man zu Spielbeginn noch Druck ausüben und kam zu immerhin einer guten Torchance. Sobald aber der Ball verloren wurde agierte Schalke chaotisch. Beide Außenbahnen konnten defensiv nicht bestehen. Zwischen defensive Mittelfeld und Innenverteidigung gab es keinen Zusammenhalt. Spieler wie Prince und Sam beteiligten sich nicht an defensiven Aufgaben. So war Schalke ein dankbares Opfer für eine Gladbacher Mannschaft, die eben gerade im Umschaltspiel ihre große Stärke hat.

Natürlich ging Schalke geschwächt in dieses Spiel. Christian Clemens wurde zwar in der Vorbereitung auf der Position des Rechtverteidigers geschult, trotzdem war er eine Notlösung. Christian Fuchs versprach als gelernter Verteidiger eigentlich ein Plus an Defensive, und mit Tranquillo Barnetta stand ein nomineller offensiver Außenbahnspieler parat, trotzdem hätte man sich einen fitten Julian Draxler von Beginn an gewünscht. Kaan Ayhan ist unerfahren, auch wenn er bereits ein Derby in Dortmund bestanden hat. Aber mit allen Beschwerden über fehlendes Personal lässt sich nicht erklären, weshalb die anwesenden Spieler so schlecht agierten. Die Abwehrkette rückte kaum auf und ließ riesige Räume hinter dem Mittelfeld. Die defensiven Mittelfeldspieler Neustädter und Höger schwammen wie im offenen Meer umher, wirkten träge, hoffnungslos. Prince verlor 15 seiner 18 Zweikämpfe, gerade der Spieler, von dem man Präsenz, Ballbehauptungen und Durchsetzungskraft erwartet.

Dieses Spiel war ein Laufenlassen. Zwar wusste man um die Konterstärke der Borussen, trotzdem versuchte man es mit Ballbesitzspiel im Angriffsdrittel. Man wusste um die unzureichend besetzten Außenbahnen, trotzdem unterstützten die Offensivspieler die Defensive nicht. Man ahnte, dass man, wie schon gegen die Bayern, vor allem Kampfkraft in die Waagschale zu werfen hat, aber man wirkte schon nach dem 1:0 müde und richtiggehend enttäuscht, von dem, was alles nicht funktionierte.

Wenn Schalke so spielt, wird man immer Probleme haben. Mit jedem Personal und gegen jeden Gegner.

7

Wie Libuda, Abramczik und Raul (’tschuldigung Max Meyer, in ein paar Jahren vielleicht).
Mal 3 sind’s 21. Nach Transferschluss und Länderspielpause, nach Saisonstartpleiten wegen ungünstiger Vorbereitungsbedingungen geht es nun richtig los. Keine Zeit mehr für Ausreden. Schalke 04 bestreitet in den nächsten 21 Tagen 7 Pflichtspiele.

In Gladbach und in London gegen Chelsea. Gegen Schaafs Eintracht und in Bremen. Gegen Borussia Dortmund und NK Maribor. Zuletzt in Sinsheim, gegen Markus Gisdols TSG. Danach zeigt die Bundesligatabelle den Stand nach 7 Spieltagen an. Dann ist ein Drittel der CL-Gruppenphase gespielt, die Grundlage vor den beiden direkten Duellen mit Sporting Lissabon, dem vermeintlichen Hauptkonkurrenten um Platz 2 in Gruppe G.

Dann wird Zeit sein, um durchzuatmen, um vielleicht einen ersten Blick aufs Ganze zu wagen. Zu erahnen, wohin die Reise gehen könnte. Ich freue mich, dass es endlich „richtig“ los geht. Ich hoffe das bleibt so, während dieser 21 Tage … ma’kucken.

Blau und Weiß sind auch anderer Leute Farben

Blau und Weiß sind unsere Farben,
hoch die Kickers überall.
Die sich Tradition erwarben,
denn sie bleiben stets am Ball.

Heia heia Kickers vor,
heia Kickers noch ein Tor.

Wenn wir auch nicht immer siegen,
unsere Fans sind unsere Kraft.
Denn die Kickers klein zu kriegen,
das hat keiner noch geschafft.

Heia …

Wenn die Kickers auf dem Rasen,
hier daheim und anderswo.
Wie ein Mann zum Angriff blasen,
dann, ihr Leute, klingt das so:

Heia …

Siege kann man nicht befehlen,
aber spielen kann man gut.
Und ein Ruf aus tausend Kehlen
macht der Kickers-Mannschaft Mut.

Heia …



Die Musik zum Kickers-Song komponierte Erwin Lehn, den Text schrieb Joachim Fuchsberger. Fuchsberger war Stadionsprecher während der Eröffnungs- und der Abschlussfeier der Olympischen Spiele in Müchen 1972. Er war ein Star der Fernsehunterhaltung meiner Kindertage. Ich mochte „Auf Los geht’s los“, ich mochte die „Edgar Wallace“-Filme mit ihm als Kommissar und den Lehrer Justus aus „Das fliegende Klassenzimmer“ mochte nicht nur ich, den mögen auch meine Kinder.

Joachim „Blacky“ Fuchsberger ist heute im Alter von 87 Jahren verstorben.

Schalkes Stoßstürmer Huntelaar

Schalke 04 will mit Klaas-Jan Huntelaar verlängern. Vorher sollte man klären, ob man auch im Spiel den Ball zu ihm bringen will. Das sah zuletzt nicht immer so aus.

Klaas-Jan Huntelaar macht Tore. Dazu braucht er den Ball. Klaas-Jan Huntelaar betreibt stets großen Aufwand, damit es am Ende so aussieht, als würde er „immer richtig stehen“. Tatsächlich steht er nicht richtig, sondern er „läuft richtig“, und sehr viel. Regelmäßig gehört er zu den Schalkern, die nach dem Spiel in der Statistik die meisten Laufkilometer aufzuweisen haben.

Klaas-Jan Huntelaar ist Stoßstürmer, und nur das. Er ist keine hängende Spitze, nichts was mancher falsche Neun nennen will und auch kein Konterstürmer. Er ist kein Alleinunterhalter, niemand der sich den Ball selbst holt und er glänzt auch nicht durch Vorlagen. Stellt man Klaas-Jan Huntelaar auf, muss das Spiel auf ihn ausgerichtet werden. Es ist immer gut, wenn auch andere Tore erzielen können. Um Huntelaar herum bekommen andere auch mehr Platz, den der Gegner weiß um des Niederländers Abschlussstärke und achtet stets besonders auf ihn. Aber zuletzt gab es immer wieder Spiele, in denen Schalkes Spiel offensichtlich nicht auf den Stoßstürmer ausgelegt war. Immer dann spielte Schalke quasi mit einem Mann weniger, denn dann sind die Qualitäten des Klaas-Jan Huntelaar nichts wert.

Den Vertrag mit Klaas-Jan Huntelaar zu verlängern ist eine gute Sache, wenn man ihm auf dem Platz die Chance gibt, Tore zu erzielen. Will man anders als mit reinem Stoßstürmer spielen, ist Klaas-Jan Huntelaar keine geeignete Wahl.

Heldts Ohr an Klopps Werbung

 
Werbung, dazu hier noch unbezahlt und mit dem Trainer des falschen Clubs als Protagonisten. Nicht aus Spaß, oder gar zur Selbstkasteiung mit Blick auf Protagonisten im eigenen Club, sondern weil Horst Heldt selbst die Aussage des Spots für relevant erklärte.

Das ist zwar ein Werbeslogan, aber er beinhaltet unheimlich viel Wahrheit. Der Inhalt ist deshalb auch absolut treffend für uns.

… wird Schalkes Manager in kicker zitiert.

Gut für Schalke, dass Jürgen Klopp so viel Werbung macht.

Da bin ich zu Haus

Am Samstag war ich auf Schalke, beim PUR-Konzert. Ich war erstaunt, wie sehr ich mich mit dem Ort verbunden gefühlt habe. Schon immer war ich zufrieden mit Schalkes Arena. Doch inmitten derart vieler Fremder, glückliche Gäste, fühlte ich mich dort besonders zu Hause. Ich fühlte fast sowas wie Stolz, auf unser Stadion.

Nein, meine Musik ist PUR nicht. PUR ist die Musik meiner Frau. Ich liebe sie, besonders dann, wenn sie glücklich ist. Deshalb ist es auch für mich schön, sie zu einem PUR-Konzert zu begleiten. Ihre Band in meinem Stadion, passender geht’s kaum.

Bei Schalke-Spielen kosten 0,5l Bier seit dieser Saison 3,90 Euro. Bei PUR waren es sogar 4,20 Euro für nur 0,4l. Mich zu betrinken war nicht nur deshalb keine Alternative. Ich wollte durchaus mitbekommen, was passiert. Und es passierte viel. Einmal-Konzert-Besucher unterscheiden sich sehr von Fußballfans. Sie drehten Runden im Stadion, auf der Suche nach dem passenden Snack-Angebot. Sie stellten sich trotz mehrerer Kassen in einer Reihe an. Nach dem Konzert standen sie nahezu alle am Knappenkarten-Schalter, um ihr Restgeld zurückzubekommen. Bei PUR-Konzerten sind die Gäste überwiegend weiblich. Trotzdem bildeten sie vor allen Toiletten Schlangen, egal welches Piktogramm die sanitäre Anlange welchem Geschlecht zuordnen wollte. Entsprechend waren auch die Herren in den Toiletten auf eine gewisse Sauberkeit bedacht; bedachter als sonst, jedenfalls.

Wie viele andere saß auch meine Frau vor dem Konzert noch auf einer Treppe in der Sonne. Ich holte uns was zu essen und legte dabei sehr bewusst meine Knappenkarte mit der Meistermannschaft von 1958 zwischen all‘ die PUR-Sonderversionen. Ich sprach fragend dreinschauende Menschen an und erklärte ihnen das Kartensystem und die Trennung von Speisen und Getränken an den Kiosken. Ich war einer wie alle und fühlte doch Gefühle eines Gastgebers. Ich freute mich, wenn andere mit dem Stadion zufrieden waren. Vor allem freute mich aber, wie gut das Stadion als Ort der guten Stimmung funktionierte!
Nein, PUR ist nicht meine Band, aber sie brachten das Stadion zum Wackeln. Die Bühne zentral, unter dem Videowürfel eine weitere dreidimensionale Videoinstallation und viel Pyrotechnik, die ansonsten zu einem Jahrhundert an Stadionverboten gereicht und jedem Ultra feuchte Träume bereitete hätte: Davon ging es aus und es flutete die Ränge. Ich saß nahezu an der gleichen Stelle wie immer und verbrachte den Abend hauptsächlich damit, staunend das Rund zu beobachten. Die Lichtreflexionen an der Stadiondecke. Die Ränge voll glücklicher Menschen. Die sich rhythmisch wiegende Masse, egal wie hoch ich auch schaute.

Es ist schon ein wirklich sehr gelungenes Stadion, unser Stadion.



Erstes Spiel, erste Niederlage, als Titelträger

Weltmeister 1954:
Im ersten Spiel als Titelträger, nach 84 Tagen, am 26. September 1954, eine 0:2 Niederlage gegen Belgien, im Heyselstadion zu Brüssel. Übrigens die bis heute letzten Niederlage gegen Belgien.

Europameister 1972:
Erstes Spiel nach 150 Tagen, am 15. November 1972, ein 5:1 Sieg gegen die Schweiz, im Düsseldorfer Rheinstadion.
Erste Niederlage im 2. Spiel als Titelträger, nach 241 Tagen, am 14. Februar 1973, ein 2:3 gegen Argentinien, im Münchener Olympiastadion. Übrigens die erste Niederlage gegen Argentinien überhaupt.

Weltmeister 1974:
Erstes Spiel nach 59 Tagen, am 04. September 1974, ein 2:1 Sieg gegen die Schweiz, im St. Jakob-Stadion in Basel.
Erste Niederlage im 4. Spiel als Titelträger, nach 248 Tagen, am 12. März 1975, ein 0:2 gegen England, im Wembley-Stadion zu London. Übrigens das 400. Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft.

Europameister 1980:
Erstes Spiel nach 80 Tagen, am 10. September 1980, ein 3:2 gegen die Schweiz, im St. Jakob-Stadion in Basel.
Erste Niederlage im 5. Spiel als Titelträger, nach 193 Tagen, am Neujahrstag 1981, ein 1:2 gegen Argentinien, im Estadio Centenario in Montevideo (Uruguay). Übrigens die erste Niederlage nach 23 niederlagenlosen Länderspielen.

Weltmeister 1990:
Erstes Spiel nach 59 Tagen, am 29. August 1990, ein 1:1 gegen Portugal, im Estádio da Luz in Lissabon.
Erste Niederlage im 7. Spiel als Titelträger, nach 332 Tagen, am 05. Juni 1991, ein 0:2 gegen Wales, im National Stadion zu Cardiff. Übrigens die erste Niederlage gegen Wales überhaupt.

Europameister 1996:
Erstes Spiel nach 66 Tagen, am 04. September 1996, ein 2:0 gegen Polen, im Gornik-Stadion in Zabrze.
Erste Niederlage im 16. Spiel als Titelträger, nach 633 Tagen, am 25. März 1998, ein 1:2 gegen Brasilien, im Gottlieb-Daimler-Stadion in Stuttgart.

Weltmeister 2014:
Im ersten Spiel als Titelträger, nach 52 Tagen, am 03. September 2014, eine 2:4 Niederlage gegen Argentinien, in der ESPRIT arena in Düsseldorf. Übrigens die kurzfristigste und höchste erste Niederlage einer deutschen Nationalmannschaft als Titelträger überhaupt.



Eine Liste aller Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft gibt es hier.