Schalkes bester Kader

Testspielergebnisse sollte man nicht allzu ernst nehmen. Fast wie bestellt haben sich gestern mit Borussia Dortmund und Wolfsburg auch zwei der Clubs ihre Enttäuschungen abgeholt, die regelmäßig von Schalkes Vorbereitungskritikern als in der Entwicklung davoneilende Gegner im Kampf um die vorderen Bundesligaplätze dargestellt werden. Natürlich steht Bayern München über allen. Natürlich wird in Dortmund seit Jahren viel richtig gemacht. Natürlich haben Leverkusen und Wolfsburg als Weltkonzern-Abteilungen ungleiche Möglichkeiten. Trotzdem muss man auf Schalke die Grubenlampe nicht in die Ecke stellen. Schalke hat für die kommende Saison einen sehr starken Kader.

Ralf Fährmann hat in der letzten Rückrunde gezeigt, dass er einer der besten Torhüter der Liga ist. Joel Matip und Benedikt Höwedes gehören in der Bundeliga sicherlich zu den besten Innenverteidigerpaaren überhaupt. Prince in der Mitte des Platzes und Klaas-Jan Huntelaar im Angriff vervollständigen eine Mittelachse erprobter Stars, das Grundgerüst dieser Mannschaft. Ebenfalls zu den festen Größen gehören die Positionsspezialisten Jefferson Farfán, Atsuto Uchida und Roman Neustädter. Nahezu alle anderen Spieler sind sehr flexibel einsetzbar und ergänzen sich dabei gut. Das macht die eigentliche Stärke der Zusammenstellung dieses Kaders aus und es kommt nicht von ungefähr, dass ausgerechnet die wenig flexiblen Felipe Santana und Christian Fuchs noch als potenzielle Abgänge gehandelt werden.

Dem defensiven Bereich wurde in der jüngeren Vergangenheit mit Dennis Aogo, Jan Kirchhoff und Kaan Ayhan viel Qualität zugefügt. Kirchhoff kann in der Zentrale sowohl in der Innenverteidigung als auch im defensiven Mittelfeld agieren. Kaan Ayhan hat beim Derby in Dortmund seine Feuertaufe als Innenverteidiger bestanden und gilt weiterhin als möglicher Rechtsverteidiger. Dennis Aogo hat sowohl als Linksverteidiger, als auch im defensiven Mittelfeld überzeugen können. Ob nun er oder Sead Kolasinac den Linksverteidiger-Posten gewinnt, ist offen; eine Konkurrenz, die Schalke gut tut.
Marco Höger kann als Rechtsverteidiger eingesetzt werden und kann in Schalkes Doppelsechs sowohl den offensiveren, als auch den defensiven Part spielen. Leon Goretzka hat ein überragendes Spielverständnis und hat das Zeug zum großen Star in der Zentrale, ist aber auch hinter der Spitze oder auf dem Flügel einsetzbar.

Schalkes Offensive wurden nun von Horst Heldt durch die Zugänge von Maxim Choupo-Moting und vor allem Sidney Sam gepusht.

Julian Draxlers Leistungen sind eine Frage der Form, sein Talent ermöglicht es, dass er überall im Angriffsdrittel ein entscheidender Spieler ist. Ähnlich flexibel ist Max Meyer, der auch dann zu genügend Spielzeit kommen wird, wenn Prince wieder vermehrt auf der 10er-Position spielt; und sei es als spielstarker zweiter Stürmer. Als zweiter Stürmer kann auch Choupo-Moting agieren – oder als erster in Abwesenheit Huntelaars – oder und vor allem auf dem linken Flügel. Sidney Sam bringt nochmal Tempo in die Offensive und kann hinter den Stürmern agieren oder nach Außen ausweichen. Christian Clemens wird seine Chance als Farfán-Ersatz erhalten und durfte sich in der Vorbereitung auch als Rechtsverteidiger üben. Inwieweit Tranquillo Barnetta und Chinedu Obasi Schalke noch helfen können, bleibt abzuwarten. Mit Donis Avdijaj, Leroy Sané, Marcel Sobottka, Pascal Itter und Marvin Friedrich steht für alle Mannschaftsteile schon die nächste Generation bestmöglich ausgebildeter Jungendspieler bereit.

Natürlich kann eine Unzahl an Verletzungen stets alle Planungen über den Haufen werfen. Mit einem „Zuviel an Verletzungen“ hat Schalke zu Kämpfen, da liegt es im Argen. Aber das kann bei der Zusammenstellung und der Bewertung des Kaders keine Rolle spielen, so plant man nicht. Durch die Neuzugänge in der letzten und in dieser Saison, und durch den Zufluss an tollen Talenten aus der eigenen Jugend, hat Schalke nun einen Kader, der in ganzer Tiefe viel Qualität aufweist. Ein Kader, in dem sich die Flexibilität der einzelnen Spieler so ergänzt, dass alle Positionen mehrfach besetzt werden können, und dabei trotzdem auf gutem Niveau bleiben.
Bei allem Respekt vor den Helden der Vergangenheit: Ich denke seit der Neuzeit, seit es für die regelmäßige Teilnahme an internationalen Wettbewerben eben 25 statt 15 gute Spieler braucht, ist dies der beste Kader, den Schalke 04 je hatte.

Keep Calm …

Wörtlich: Julian Draxler

Im Urlaub war das ein großes Thema für mich, nach jedem Training von einer neuen Muskelverletzung zu lesen. Jeder Einzelne muss überprüfen, ob er professionell genug lebt, genug schläft und sich richtig ernährt.

Schalke ist eben ein so geiler Club, da wollen nicht nur viele hin, wie der Chef einst bemerkte, da schläft auch vor Aufregung kaum noch jemand richtig.

Der Blick der Anderen auf Schalke 04

Dieses Blog besteht aus wenigen Berichten oder Hinweisen und viel Meinung. Meine Meinung, die naturgemäß mal so und mal so ist. Mir fällt es durchaus leicht zu meckern. Es gibt doch einiges, was mir nicht gefällt, an meinem Club, dem FC Schalke 04, wenngleich er mir doch grundsätzlich wichtig ist. Sehr wichtig.

Gestern kam mir ein Text zu meinem Club unter, der mir ob seiner rundum positiven – gar jubelnden Darstellung fast befremdlich vorkam. Dass es den englischen Fans, denen ich am vergangenen Wochenende begegnete, auf Schalke gefiel, schrieb ich schon. Neil Cameron, Journalist beim Evening Chronicle, einer Tageszeitung Newcastles, brachte seine Begeisterung nach einem Besuch des Schalke-Tages zu Papier.

Versuche Dir einen Fußball-Club vorzustellen, der jedes Jahr an einem Tag seine Fans dazu einlädt, Spieler und Trainer zu treffen.
Keine Absperrungen. Keine PR-Leute im Weg. Hallo sagen, Hände schütteln, vielleicht ein oder zwei Autogramm bekommen und die Fragen stellen, welche schon länger im Kopf schwirrten.
Der Sportdirektor ist auch da. Auch die Co-Trainer und einige Helden vergangener Tage. Oh, und erwähnte ich, dass es Bier gibt? Und einen Gratis-Helikopterflug über das Stadion. Und eine Hüpfburg in Form eines Fußballplatzes. Was könnte man mehr wollen?

Aber nicht nur dieses Fest, auch die hier erfahrenen Umstände sind für ihn aus seiner Sicht sensationell.

Dies ist ein Fußball-Club von Fans für Fans. Ein Fanvertreter hat einen ständigen Sitz im Aufsichtsrat, welcher ein Vetorecht bei allen Transfers über einer Größenordnung von 300.000 Euro hat. Felix Magath hatte versucht das zu ändern. Danach war er nicht mehr lange Manager.
Dauerkarten haben vernünftige Preise. Im Umkreis von 50 Meilen gibt es kostenlosen Transport zu Heimspielen.

Seinen Text schließt Neil Cameron quasi mit einer Liebeserklärung.

Ich kam aus Deutschland mit einem neuen Lieblings-Club zurück. Ihre Öffentlichkeitsarbeit wirkte auf mich, dabei bin ich eigentlich fast unheilbar zynisch bezüglich allem, was Fußball-Clubs anstellen.
Soviele junge Menschen zu sehen, Jungen und Mädchen, allesamt in Blau gekleidet, die einen wunderschönen Tag haben, schafft es, dass Du Teil des Ganzen sein möchtest.

Die Überschrift seines Textes lautet übrigens:
„Newcastle United should take note of Schalke 04, a club that is perfectly run“

Bei aller berechtigten Kritik, an Dingen die nicht so gut laufen, taugt dieser Text eines von der anderen Seite Blickenden vielleicht als guter Anlass, mal inne zu halten und sich darüber zu freuen, was man hat.

Amen.

Star des Schalke-Cups: Der Bierträger

Der Schalke-Tag zog viele Fans an, wie in jedem Jahr. Das Interesse am gleichzeitigen Freundschaftsturnier namens „Schalke-Cup“ war hingegen mau. Gerade am Samstag waren blockweise kaum Fans zu finden, und das nicht nur beim Spiel der fremden Mannschaften, sondern auch beim Kick der Blauen gegen West Ham United. Spaß hatten vor allem die mitgereisten englischen Fans.

Tags zuvor hätten sich Fans von Newcastle und West Ham in Düsseldorf geprügelt, las ich. Die auf Schalke waren dann andere. Dort begegneten sich die Fanlager der Premier League-Clubs schon zwei Stunden vor dem ersten Spiel ohne Aggressivität, dafür lautstark, fröhlich und, wie von unsereins erwartet, rothäutig in praller Sonne.

Ihnen gefiel Schalkes Stadion, sie kauften sich Schals, sie mochten Veltins und sie liebten die Idee des Papp-Bierträgers: Kaum ein englischer Bierträger-Träger, der sich nicht tragend fotografieren ließ. In den englischen Profiligen dürfen Speisen und Getränke nicht mit auf die Ränge genommen werden, man muss sie an den Kiosken bzw. in den Außenbereichen verzehren. Ein vom Veranstalter angebotenes Hilfsmittel, das ermöglicht, gar fördert, dass gleich 6 Becher auf einmal mit auf die Ränge genommen werden können, muss ihnen als verrückte deutsche Idee vorgekommen sein.

Kurios oder nicht: Papadopoulos nach Leverkusen

Kyriakos Papadopoulos wird bis Saisonende an Leverkusen ausgeliehen. Leverkusen zahlt dafür 1 Million Euro an Schalke. Sein Vertrag bei Schalke läuft noch bis 2016. Eine Kaufoption hat Bayer nicht. So ist es jedenfalls zu lesen.

Kurios. Seine eher seltenen Einsätze, selbst in der Vorbereitung, begründete Trainer Jens Keller damit, dass sein Knie „immer wieder Reaktionen“ zeigen würde. Übernimmt Bayer Leverkusen einen Gehalt-Star (auf Schalke soll Papadopoulos rund 3 Millionen pro Jahr verdient haben) trotz fragwürdiger Fitness? Warum gibt Schalke einen derart talentierten 22-Jährigen an einen direkten Konkurrenten um die Champions League-Plätze ab, wenn er doch diesem ausreichend gesund erscheint?

Vielleicht doch nicht so kurios. Kyriakos Papadopoulos fehlte seit anderthalb Jahren, Schalke hat sich längst ohne ihn eingerichtet. Mit Benni Höwedes und Joel Matip hat Schalke nach Liga-Maßstäben ein Top-Innenverteidigerpaar, mit Felipe Santana und Jan Kirchhoff stehen Alternativen bereit, die in fast allen Bundesligaclubs Stammspieler wären. Ein topfitter Papadopoulos könnte Schalke helfen. Die dosierten Einsatzzeiten, um ihn wieder an ein Top-Niveau heranzuführen, kann sich Schalke aber kaum leisten. Ein 3 Millionen Gehalt für einen Rekonvaleszenten will sich Schalke sicher nicht leisten.

Nach anderthalb Jahren ohne Spielpraxis ist Kyriakos Papadopoulos‘ Marktwert im Keller, daher kann Schalke derzeit an keinem Verkauf interessiert sein. Das kann sich in der kommenden Saison nur verbessern, Papadopoulos wird die Chance bekommen, sich zu zeigen. Vielleicht auf Champions League-Niveau und dann damit auch auf der ganz großen Bühne. Vielleicht ist es dann im kommenden Sommer an Schalke, Geld mit einem Transfer zu verdienen; oder es bleibt wie es jetzt ist.

Die Leihe an einen Konkurrenten mag kurios anmuten. Nach kurzer Besinnung scheint sie mir für Schalke 04 aber ein ganz gutes Geschäft zu sein.

Pause

Die WM ist vorbei. Wer nun wie geht ist mir egal, ich erwarte nichts mehr, weder Moral noch Humba. Zuletzt war mir alles vor und nach An- und Abpfiff eh zuviel. Demnächst ist alles wieder Schalke, aber auch das hat noch ein bisschen Zeit. Deshalb ist auch hier im Blog nun erst mal Pause. Weiter geht’s am 04. August, dem Montag nach dem Schalke-Cup.

Viel Dank fürs Lesen, Teilen, Mitdenken, Kommentieren und Diskutieren. Ohne dem gäbe es das Königsblog nicht, Ihr seid der wichtigste Teil des Ganzen. Nun also ein paar Mal ausschlafen, und dann geht’s in die nächste Saison. Glückauf.