Aufschrei

Schalke verliert in Freiburg mit 0:2 und gibt erneut ein erschreckendes Bild ab. Um Schalke wird es laut. Daran lässt sich nichts ändern, so ist das eben auf Schalke. Richtig finde ich es trotzdem nicht.

20 Minuten spielte Schalke guten Fußball. Mit dem ersten Gegentor wuchs bei Freiburg das Selbstbewusstsein und bei Schalke die Angst vor Fehlern spürbar. In der zweiten Hälfte enttäuschten die Blauen dann auf ganzer Linie und kamen mit 0:2 eigentlich noch glimpflich davon.

32 Tage nachdem Schalke den Trainer wechselte und Roberto Di Matteo den schönsten Job der Welt antrat, wird nun das Grollen zum ersten Aufschrei. Kneipen toben, Straßenbahnen motzen, Foren explodieren und Facebook ist Facebook. Der letzte Trainer war immer der Beste, in der Öffentlichkeit sollten alle mal still sein, niemand reiße sich sonst was auf und überhaupt stinke alles stets vom Kopf, nicht nur ’n Fisch.

Mir ist das generell zu laut, diesmal aber auch zu früh. Meines Erachtens hat Schalke einen guten Kader. Meines Erachtens war der Trainerwechsel richtig. Meines Erachtens ist nun nichts schlechter als je zuvor, sondern gerade eben wieder genauso schlecht wie schon häufiger. Spieler geben sich nun nicht anders als zu der Zeit, da sie gerade auf Platz 4 der Tabelle standen. Verantwortliche sagen die gleichen Dinge in die Mikrofone und wissen dabei, dass es nicht gut ankommen wird.
Nichts kann gut ankommen im Misserfolg, alles ist immer verkehrt, wenn es auf dem Platz nicht läuft. Umgekehrt ist aber auch das Geschehen auf dem Platz der Grund für so manche Empörung, die sich in schlechten Phasen an Vernachlässigenswertem entzündet. Was wiederum ein beruhigender Gedanke ist, denn wenn es ruhig wird, sobald es auf dem Rasen läuft, kann das Drumherum so furchtbar falsch auch nicht sein.

Roberto Di Matteo? Abwarten.



Foto: Tomek Bo

Schalke International & Günter Eichberg

Mit gleich zwei bemerkenswerten Neuvorstellungen zum Thema Schalke 04 kam jüngst die „Neue Buchschmiede“ auf den Büchermarkt.

Schalke International ist ein 1.093 Gramm schwerer Bildband, Nachschlagewerk und Geschichtsbuch in einem. Auf 208 Seiten erinnert Autor Stefan Barta an jede einzelne Europapokalsaison der Blauen. Dabei wird die Zeit aber eben nicht nur textlich ins jetzt zurückgeholt. Vor allem die vielen Bilder von Zeitungsausschnitten zum Geschehen, von Spielplakaten oder Eintrittskarten, oder von Fans vor oder im Stadion, in Erwartung auf das beschriebene Ereignis, lassen das Gefühl für die damaligen Situationen aufkommen.

Das Buch Günter Eichberg trägt den Untertitel „Schalkes vergessener Retter?“ und lässt diese Frage tatsächlich offen. Sehr kurzweilig wird der Weg des Mannes aus Gütersloh erzählt, der von 1989 bis 1993 einer der interessantesten Präsidenten des FC Schalke 04 war. In vielen Zitaten kommt Günter Eichberg selbst zu Wort. Autorin Katharina Strohmeyer beschreibt Umstände und bleibt stets respektvoll, dennoch ist sie dabei nicht unkritisch. Ein Buch, das man gelesen haben sollte.

Einwechselspieler-Raten

Je ein Exemplar von beiden Neuerscheinungen habe ich für die Leser dieses Blogs. Ein schöner Anlass, um mal wieder eine Runde Einwechselspieler-Raten zu spielen.

Wie der Name schon sagt geht es beim „Einwechselspieler-Raten“ (ESR) darum, die drei Spieler vorauszusagen, die Schalkes Cheftrainer Roberto Di Matteo im Laufe des Spiels in Freiburg einwechseln wird. Langjährige Leser werden sich vielleicht an eine Extra (X)-Frage erinnern, die lassen wir in dieser Runde aber weg.

Wer mitmachen will hinterlässt bis spätestens Samstag, 13:30 Uhr einen Kommentar mit drei Spielernamen. Die Reihenfolge spielt keine Rolle. Schreibt die Namen bitte untereinander. Klingt ganz leicht, oder? Also einfach mitmachen.

Unter den Tipper mit den meisten Treffern werden die Sieger der Bücher ausgelost. Die Auswertung folgt bis spätestens Montag unter diesem Beitrag. Die Gewinner werden hier veröffentlicht und außerdem per Mail benachrichtigt.




UPDATE:
Die Auswertung!

Vielleicht liegt es an uns. Zur letzten ESR-Sonderrunde zeigte Schalke auch eine indiskutable Leistung.

Roberto Di Matteo wechselte Prince ein, was nur einer von 59 Tipper voraussagte. Die Einwechslungen von Obasi und Barnetta wurden 9 bzw. 14 Mal getippt. Die von Euch mit Abstand meistgenannten Tipps waren Sidney Sam mit 40 Nennungen und Max Meyer mit 35. Im Schnitt kam jeder Tipper auf 0,4 Treffer. Ziemlich schalkig, wenn man mir die Bemerkung erlaubt ;-)

Jedenfalls ergab das ganze für unsere Buchpreise ein eindeutiges Ergebnis, denn (nur) genau zwei Tipper kamen auf je 2 Treffer. Die Buchzuordnung wurde gelost. matz gewinnt „Schalke International“ und Pilzeintopf darf sich über „Günter Eichberg“ freuen. Herzlichen Glückwunsch!

Verdiente Niederlage in Lissabon

Schalke 04 verliert in Lissabon mit 4:2. Ein Ergebnis, das nicht tragisch ist, bliebe nicht der Zweifel, dass Schalke auch guten Fußball spielen kann.

Noch hat es Schalke selbst in der Hand. In den Spielen daheim gegen Chelsea und in Maribor können die Blauen den Einzug in die nächste Champions League-Runde klarmachen. Blöd ist, dass Schalke einmal mehr den Beweis schuldig blieb, dass sie trotz Augenmerk auf eine stabile Defensive auch ein vernünftiges Angriffsspiel aufziehen können. Am Ende blieb gegen Lissabon nichts von einem wie auch immer gearteten Matchplan übrig: Trotz defensiver Ausrichtung fing man sich 4 Gegentore, während man selbst eigentlich kaum zu Chancen kam.

Vor allem das Mittelfeld konnte nicht standhalten. Weder bei Ballbesitz, noch im Spielaufbau konnte das Duo Aogo/Höger überzeugen. Dies war der Schwachpunkt, und ohne Mittelfeld funktioniert kein Fußballspiel. Schalke brachte den Ball nicht konstant genug zu den Offensivspielern, und wenn, dann rückte man nicht weit genug auf um diese zu unterstützen. So war jedes Offensivspiel zum Scheitern verurteilt. Stets hoffte man lediglich auf die eine geniale Aktion, die allerdings nicht folgte.

Am Ende verlor Schalke auch in dieser Höhe verdient. Bis Samstag, zum Spiel gegen des SC Freiburg, sollte Schalke eine Idee haben, wie man den Ball zu Klaas-Jan Huntelaar bringt.

Heimatfunkeln

Und dann geht das Licht aus. Nur zwei Reihen Neonröhren bilden eine Art Naht, sind damit der Umriss des Raums. Auch der Videowürfel ist kurz dunkel. Alleine mit 60.000.

Schlägel und Eisen, in schwarz/weiß. Die Trompete leitet die Musik ein und es beginnt zu funkeln! Die LED-Werbebanden leuchten nun nur noch Blau und Weiß. Auf den Rängen erstrahlen kleine Lichter, immer mehr, tausende. Das Steigerlied. Nicht zu laut. Fast andächtig.

Ich mag das sehr.

Seit dieser Saison wird das Vereinslied beim Einlaufen der Mannschaften gespielt. Gleichzeitig erfuhr das Steigerlied eine Aufwertung. Das mit dem Funkeln funktioniert nur bei Abendspielen, aber ausgespielt wird es nun grundsätzlich, bevor es mit dem Fußball richtig losgeht. Ein letztes Besinnen, ein zur Ruhe kommen.
Das Steigerlied war mir im Stadion schon immer wichtig. Kein Schalke-Lied, eine Hymne für die Region, der ich mich verbunden fühle. Zwar bin ich auch gerne einfach Duisburger. Aber diese Gegend hat viel zu bieten von dem ich viel gerne nutze, und dann ist für mich auch Essen, Bochum oder Gelsenkirchen „Heimat“. Ich mag die Leute hier, von Wesel links oben bis Hagen rechts unten. Welche Farben ihre Schals haben ist mir dabei vollkommen egal.

Gruselsieg an Halloween

Schalke gewinnt sein Heimspiel gegen den FC Augsburg mit 1:0 und verkürzt den Abstand zu Platz 4 auf drei Punkte. Das ist prima und rechtfertigt Jubel. Das Spiel als solches war für die Zuschauenden aber trotzdem Saures denn Süßes, am Abend vor Allerheiligen.

Will man erklären, warum der Sieg verdient gewesen ist, muss man schon auf sowas profanes wie „viel Kampfgeist“ oder „man habe toll füreinander gearbeitet“ abheben. Oder auf die Einzelleistung von Atsuto Uchida, der gleich nach seiner Vertragsverlängerung bis 2018 ein überragendes Spiel machte, sein vielleicht bestes als Schalker bisher. Eigentlich reicht sowas für einen Bundesligasieg nicht. Diesmal schon. Dem großen Kürbis sei Dank.

Eigentlich stellte Augsburg die reifer agierende Mannschaft. Gegen ihr Pressing bis zum Schalker Strafraum wussten die Blauen nichts auszurichten und wirkten ähnlich hilflos im Spielaufbau wie gegen Leverkusen. Augsburg wusste im Mittelfeld häufig Überzahl in Ballnähe zu schaffen und profitierte von der fehlenden Präzision im Schalker Spiel.

Anfangs schaffte es Schalke noch, im Angriff die ganze Platzbreite zu nutzen und Max Meyer als Zehner gut einzubinden. Zu klaren Aktionen kam es dennoch nicht, irgendwas ging zuvor stets schief. Im Laufe des Spiels ging immer mehr, irgendwann fast alles schief und phasenweise flipperte der Ball im Mittelfeld so unkontrolliert umher wie man es auf Plätzen der Kreisliga vermutet, eines Bundesligaspiels unwürdig.

Zum Glück spielte auch Augsburg die sich bietenden Gelegenheiten nicht gut genug aus. Und wenn sie es doch taten, stand dieser kleine Japaner im Weg. Nicht nur rechts hinten, auch im Mittelfeld, auch in der Innenverteidigung. Fast gespenstisch, denn derart überall präsent kannte man ihn bislang nicht. Vielleicht ja tatsächlich gespenstisch. Schließlich war Halloween.

Der Zeigefinger des „kicker“

… ist wenig gerade.

In einem Text über „Avdijajs Absturz“ bemerkt Thiemo Müller, dass auch der FC Schalke 04 eine Mitschuld an der zuletzt eher enttäuschenden Entwicklung des königsblauen Talents habe. Die bestätigte 49 Millionen Euro-Ausstiegsklausel hätte den Jungen in Boulevardzeitungen zum „49-Millionen-Bubi“ werden lassen, hätte ihn als „wertvoller als Julian Draxler“ markiert und einen Hype geschürt, der letztlich zur Last geworden sei.

Man kann durchaus der Meinung sein, dass Thiemo Müller damit Recht hat. Dass aber nur einen Zentimeter unter Müllers Text ein Video zu Donis Avdijaj mit dem Titel „Der Unfall des 49-Millionen-Mannes“ angepriesen wird zeigt, dass auch bei kicker genommen wird was kommt, um irgendwie Content zu produzieren, dass man sich jeglichen moralischen Unterton sparen und auf die Abgrenzung zu „dem Boulevard“ getrost verzichten kann.


Zu Gast im 19Uhr4-Hangcast

In der Regel einmal wöchentlich tauscht sich eine wechselnde Besetzung über das Geschehen auf Schalke aus, nimmt sich dabei auf, sendet es zunächst live ins Internet und stellt es später auf einer eigenen Webseits zum Nachsehen oder auch nur Nachhören zur Verfügung. „19Uhr4, der Schalke Hangcast“ nennt sich das Ganze. Gestern durfte ich erstmals als Gast dabei sein.

Dabei ging es – wen wundert’s – vor allem um die Niederlage in Leverkusen. Wer hier in meinem Blog Texte und Kommentare mitliest hat von mir wohl nichts Überraschendes zu hören bekommen. Aber gerade Tobi, neben Max der andere zur regelmäßigen Besetzung gehörende Mann im gestrigen Trio, ließ sich nicht von meiner Nüchternheit einfangen, war einfach zu enttäuscht vom Schalker Spiel.
 
 

 
Lieber nur hören statt mit Gesichtern?

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Weitere Links:

Die Webseite zum Hangcast ist unter 19uhr4.de zu finden.
Die Audioversionen der 19Uhr4-Reihe lassen sich als Podcast-Feed abonnieren, hier.
Tobi ist bei Twitter, hier.
Max ist natürlich auch bei Twitter, hier.
Der von mir zu Beginn erwähnte, formidable Leverkusen-Podcast „Neverkusen“ ist hier zu finden.
Und das von mir dabei getrunkene „Beer Of The World“ war übrigens ein Laguna IPA von BrauKunstKeller, während sich Tobi und Max clubsponsorengerecht an Veltins hielten.