Schalke schenkt die Auszeit

Heute Abend spielt Schalke in Hamburg. Manch einer mag das Team begleiten und fährt in diese tolle Stadt. Ich werde mich gemeinsam mit meinem Sohn vor den Bildschirm setzten. Spätestens eine halbe Stunde vor Anpfiff werden wir ein paar Chips parat haben und die Aufstellung diskutieren.

An Abenden wie dem gestrigen aktualisiere ich meine Twitter-Timeline so häufig wie sonst nie. Zwischen viel Unnützem liefert Twitter Nachrichten schneller und individueller als andere Medien. Getrieben vom menschlichen Drang, wissen zu wollen was passiert ist, gibt man sich selbst, gab ich mir jedenfalls, den Unglück-Overflow. Und auch heute begleiten uns die Nachrichten aus Berlin durch den Tag.

Doch welch schlechte Gedanken die Mitfahrenden vielleicht begleiten, wenn sie durch diese zweite deutsche Weltstadt schlendern, und welch schlechte Gedanke ich bei laufendem Radio im Büro heute noch haben möge: Das Spiel der Blauen heute Abend liefert uns ein Stück liebgewonnene Routine, in die wir uns zurückziehen können. Terrain, auf dem wir uns auskennen, nichts falsch machen können. Eine Auszeit vom Alltag, die immer dann besonders schön ist, wenn sich der Alltag übel darstellt.

Schwache Schalker lassen auch gegen Freiburg Punkte liegen

Schalke 04 kommt gegen des SC Freiburg nicht über ein 1:1 hinaus. Beim letzten Heimspiel des Jahres boten die Blauen eine ganz schwache Vorstellung. In dieser Verfassung droht auch in Hamburg eine Niederlage.

Die von Schiedsrichter Manuel Gräfe gewährten 5 Minuten Nachspielzeit erschienen mir als überraschend viel. Doch noch etwas Zeit, vielleicht doch noch eine Chance – das schienen auch die Blauen zu denken und holten die Brechstange raus. Jetzt gab es doch noch Druck, noch drei Eckbälle, nun flog der Ball von links nach rechts und zurück durch den Freiburger Strafraum. Als es dann nicht reichte, als Gräfe die Partie abpfiff, hatte sicher nicht nur ich den „Hätten sie mal eher damit angefangen“-Gedanken.

Ja, es ist die Fansicht der Dinge. Natürlich darf man den SC Freiburg nicht unterschätzen. Natürlich sind die Argumente nicht von der Hand zu weisen, die nun angeführt werden um dieses Spiel zu erklären: Zwei fehlende Innenverteidiger, die verletzten Stürmer, mit Fabian Reese und Thilo Kehrer zwei unerfahrene Spieler auf dem Platz. Und trotzdem war es schon bitter, wie wenig Fußball Schalke in diesem Spiel auf den Platz bekommen hat.

Die echten Torchancen konnte man an einer Hand abzählen. Für die Schüsse, die Schalke wirklich auf des Gegners Tor brachte, reichten zwei(!) Finger. Mich wunderte, dass Evgen Konoplyanka so tief agierte. Ich hätte ihn im Sturm erwartet, wie in den Europa League-Heimspielen gegen Krasnodar und Nizza. Gemeinsam mit Max Meyer gelang es ihm nicht, vor der Abwehr ein geeignetes Kombinationsspiel aufzuziehen. Dafür fehlte er vor dem Tor als Anspielstation, wo der junge Fabian Reese alleine gegen eine Vielfachdeckung nicht ankam. Für mich wirkte gerade Konoplyanka in diesem Spiel mit seiner Position überfordert.

Auf den Außenbahnen, konnten Sead Kolasinac und Alessandro Schöpf in diesem Spiel keine Akzente setzen, die während der „Soundso-oft-nicht-verloren“-Serie so offensivstark waren und dieses Team immer wieder antrieben. Im Mittelfeld strahlte Nabil Bentaleb längst nicht die Torgefahr aus, die ihn während der besagten Serie so auszeichnete. Thilo Kehrer machte fast ein ganz tolles Spiel, war aber eben doch für das Gegentor verantwortlich. Selbst Ralf Fährmann segelte zwischendurch an einer Freiburger Flanke vorbei. Wohin man auch schaute, so richtig funktioniert hat auf Schalker Seite eigentlich überhaupt nichts.

Dies einfach abzuhaken und mit den Ausfällen von vielen Stürmern zu erklären, von denen in der Regel eh immer nur einer auf dem Platz stand, bedeutet Resignation. Dann kann man sich die Tour nach Hamburg sparen. Trainer Markus Weinzierl muss sich was einfallen lassen. Sogar gegen den HSV muss man sich einen Sieg verdienen, dafür muss bei Schalke nicht nur vieles, sondern alles besser laufen als es gegen Freiburg der Fall war.

Mike Büskens im Blauen Salon

 
Gleich hören? Hier entlang
 

 
Jetzt hören: Hier entlang



Foto: Elmar Redemann

Schalke nochmal gegen PAOK

Gestern wurden in Nyon die Partien der Europa League Zwischenrunde ausgelost. Schalke 04 wird gegen PAOK Saloniki antreten. Meines Erachtens ein furchtbares Los.

Was vor drei Jahren in Gelsenkirchen gegen POAK Saloniki im Stadion geschah, und wie diese Ereignisse (nicht) aufgearbeitet wurden, wird zu Recht bis heute als schreiende Ungerechtigkeit empfunden. Das alles kocht nun wieder hoch. In der Vorberichterstattung zu den Spielen im Februar werden die Rückblicke auf diese Ereignisse das Sportliche überlagern. Als „Jetzt erst recht“-Aktion werden viele Schalker Fahnen mit der Mazedonischen Sonne ins Stadion mitbringen, das Symbol, um das sich damals der Streit entfachte. Im Gästeblock werden sich gewaltbereite Griechen davon provoziert fühlen. Ein großes Aufgebot an Polizei wird Präsenz zeigen und aus der Erfahrung mit ihrem damaligen Verhalten als feindlich beäugt werden.

Alles Mist, der mit Fußball nichts zu tun hat. Alles Dinge, die mir die Lust auf diese Spiele und den Stadionbesuch verderben.

Niederlage nach „Unlucky Punch“

Schalke verliert 0:1 gegen Leverkusen. Wie schon gegen Leipzig hieß es erneut: Schock am Anfang, keine Punkte und Diskussionen nach Abpfiff. Eine frustrierende Niederlage, war Schalke doch über fast die gesamte Spielzeit die eindeutig bessere und gefährlichere Mannschaft. Allein: Man war nicht in der Lage eine der zahlreichen guten Konterchancen in ein Tor umzumünzen.

Trotz Unterzahl ab der vierten Minute hatte Schalke das Spiel bis in die Schlussphase durchgängig fest im Griff. Dank einer erstaunlich sicheren Defensiv-Ordnung rund um die provisorische Innenverteidigung mit Thilo Kehrer, Johannes Geis und Sead Kolasinac – und dank pfeilschnellem und trickreichem Umschaltspiel von der gesamten Offensive. Immer wieder gelangen erstaunliche Kabinettstückchen und dynamische Tempoläufe. Ein großer Spaß für den Zuschauer. Jedoch war bei den meisten Kontern spätestens an der Strafraumkante Schluss. Der berühmte letzte Pass wollte mal wieder nicht gelingen.

In dieser Konstellation war es klar, dass das Spiel am Ende zum Kraftakt werden würde. Schalke investierte mehr als der Gegner und dementsprechend schlichen sich gegen Ende der Partie zunehmend Ungenauigkeiten und Nachlässigkeiten ein. Folgerichtig kassierte man dann trotz aller Überlegenheit eben doch noch den „Unlucky Punch“.

Nach dem Spiel regte sich Christian Heidel bei Sky über den Pfiff auf, der zum Freistoß und in der Folge zum Gegentor führte. Ob zu Recht oder nicht, darüber gibt es sicherlich unterschiedliche Meinungen. Aber anstatt schon wieder mit dem Schiedsrichter zu hadern, sollte man sich vielleicht mit einem anderen Thema auseinandersetzen: Wie schon gegen Leipzig verlor man das Spiel nicht durch eine Fehlentscheidung sondern durch einen indirekten Freistoß.

Schalke verliert auch in Salzburg

Nach der Niederlage in Leipzig verliert Schalke 04 in Salzburg auch gegen die andere Fußballfiliale eines österreichischen Getränkeherstellers. Ein Spiel, das von den beiden Teams überraschend engagiert geführt wurde, wenn man bedenkt, dass es für beide Clubs um nichts mehr ging.

Schalke war das Ergebnis nicht egal. Die Mannschaft hängte sich in der zweiten Halbzeit rein, warf alles nach vorne, wollte den Ausgleich. Deshalb war das Spiel nicht langweilig, obwohl die Konstellation zuvor Langeweile vermuten ließ. Das war, neben der Einwechslung Atsuto Uchidas fürs Gefühl, das Positive an diesem Abend.

Guten Fußball spielte Schalke gestern nicht. Das Anrennen in der zweiten Hälfte war recht wild. Die Qualität der Chancen war nicht allzu hoch, viele Abschlüsse hatte man aus der Distanz, was nun mal vergleichsweise selten zum Erfolg führt.
In der ersten Hälfte agierte Schalke viel zu lässig, zeitweise fast arrogant. Zwischendurch schien es, als sei man vom Pressing Salzburgs genervt. Immer wieder wurde man unter Druck gesetzt und war wiederholt nicht in der Lage, sich dem zu entziehen.

Salzburg hat sich diesen Sieg verdient. Über 90 Minuten haben sie mehr dafür getan als Schalke. Aus Schalker Sicht gilt es, in der Bewertung die Balance zu finden. Zwar war das Ergebnis unwichtig und Trainer Weinzierl setzte eine „B-Elf“ ein. Andererseits standen mit Reese, Kehrer und Avdijaj nur drei unerfahrene Spieler für die Blauen auf dem Platz, alle anderen waren gestandene Profis, Spieler mit dem Anspruch, in Schalkes Stammformation auflaufen zu können.

Zwei Niederlagen in Folge, drei Spiele hintereinander, in denen Schalke in Rückstand geriet. Gegen Leverkusen muss Schalke wieder die Kurve in die richtige Richtung finden.

Adventstreffen mit Mike Büskens

Die Einladung hatte ich an dieser Stelle bereits veröffentlicht. Jetzt ist auch klar, wer der Stargast ist: Mike „Buyo“ Büskens wird dabei sein, wenn wir am kommenden Freitag um 19:04 Uhr im Anno 1904 in Gelsenkirchen unseren Adventsabend verbringen werden.

Sei dabei!

Ein Programmpunkt wird ein Livepodcast sein, den Herr Pepo und ich mit Mike Büskens aufnehmen werden. Aber mehr noch geht es um das Zusammensein, um das Reden miteinander zwischen denen, die sich sonst nur schreiben. Mittlerweile schreibe ich seit 10 Jahren in diesem Blog und seinem Vorgänger. Schon lange hatte ich den Wunsch, die Leser, Dich mal zu treffen, so ganz in echt. Dass das nun gemeinsam mit den Lesern des Web04, den Hörern unseres Schalke Podcasts und Mike Büskens stattfinden kann, finde ich großartig!

Weil diese nächste Podcastfolge natürlich gleich wieder recht speziell wird, und weil unsere letzte Podcastfolge schon länger als geplant zurückliegt, hatten Pepo und ich die spontane Idee, ‘nen Kurzen zwischenzuschieben.
Pepo zog von Düsseldorf in die Hauptstadt, ich bleibe im Revier. Unser Podcast muss sich deshalb verändern. Wie wir uns das vorstellen ist ein Thema dieser 18. Folge. Das Adventstreffen ist natürlich ein weiteres. Aber ansonsten geht es selbstverständlich um das Spiel der Blauen in Leipzig. Weiß Gott nicht nur um den Betrug Werners, auch um die Emotionen generell und darum, dass einer das Projekt dort aus professioneller Sicht durchaus beachtlich findet. Vor der Entrüstung sollte das Hören stehen.

30 Minuten Blauer Salon mir viel Inhalt. Nächster Stop: Live in GE mit Mike Büskens und hoffentlich auch Dir.



Foto: xtranews