Heldts Zeugnis der Ohnmacht

Schalke verliert in Köln 0:2 und zeigt sich dabei nicht bundesligatauglich. Nach dem Spiel stellt sich Manager Horst Heldt vor die Mikrofone und lässt ordentlich Dampf ab. Das mochte im ersten Moment sympathisch wirken. Letztlich beweisen die Aussagen des Managers aber vor allem, wie ohnmächtig er der Situation gegenüber steht. Mehr noch, dass er mit seinem Latein am Ende ist.

Wir werden in den nächsten 14 Tagen schauen, wer noch mitzieht. Unabhängig von der Vertragslaufzeit: Wenn uns einer nicht mehr passt, dann spielt er nicht mehr für Schalke. Das ist die Verantwortung des Trainer und mir, trotzdem lassen wir uns das nicht mehr bieten, was da heute abgelaufen ist. Das ist ja nicht das erste Mal. Wir werden genau beobachten, wie der Einzelne sich präsentiert, im Training zuhört und ob er konzentriert arbeitet. Und wenn einer nicht zu hört und nicht konzentriert arbeitet, dann wird er das nächste Training halt auch nicht mehr erleben.

… so Horst Heldt gegenüber Sky. Vielleicht sucht sich Horst Heldt nun ein oder zwei Bauernopfer. Dann muss der Prince eben bis zum Sommertransfer auf die Tribüne, oder mit Spielern wie Höger oder Barnetta wird nicht mehr über eine Vertragsverlängerung gesprochen. Dass es Spieler mit einem Wert für Schalke trifft, Leute wie Goretzka oder Choupo-Moting, ist unmöglich, auch wenn sie aktuell ebenso unterirdisch spielen wie der Rest der Truppe. Das kann sich Horst Heldt schlicht nicht leisten.

Letztlich ist es einfach plump, den Spielern ein nicht Wollen zu unterstellen. Wir hören und lesen das nun seit Jahren immer wieder. Ab und an sitzt auch noch der Aufsichtsratsvorsitzende in Talkrunden und bestätigt, dass aussortiert werde wer nicht mitziehe. Wenn dann einer der Angesprochenen im nächsten Spiel gen Tor schießt und der Ball, mal hier, mal dort abprallend, den Weg ins Tor findet, heißt es bestätigend, dass dieser eben könne, wenn er denn wollte. Diese Stammtischparolen schreien zum Himmel.

In anderen Clubs entscheidet man sich für einen Trainer, überlegt, welchen Fußball man spielen will, und stellt sich nach und nach seine Mannschaft zusammen. Auf Schalke beschäftigt man in rasender Abfolge Trainer, die unterschiedlicher kaum sein könnten, die für grundlegend unterschiedlichen Spielweisen stehen. Zum aktuellen Kader gehören Spieler, die unter den Einflüssen von 6 verschiedenen Trainern verpflichtet wurden. Auch wenn es für die verschiedensten Verpflichtungen einzeln betrachtet gute Argumente gegeben hat, ist der Kader am Ende doch ein Wildwuchs, der zu keinem der „ausprobierten Trainer“ wirklich passte.

Gerüchten zufolge scheiterte eine Verpflichtung Thomas Tuchels für Schalke 04 an dessen Forderung, maßgeblich über Spielerverpflichtungen entscheiden zu wollen. Schalke verpasste in den letzten Jahren nicht nur die geeignete Trainerverpflichtung. Schalke verpasste auch den konzeptionellen Wechsel, weg von einem „Managerclub“, hin zum Club eines starken und entscheidenden Trainers, wie er in allen anderen, erfolgreichen Bundesligaclubs vollzogen wurde.

Nur da, wo das Konzept und die Mittel fehlen, muss gepoltert werden, dass die Stammtische wackeln.



Zitat via Hassan Talib Haji

Wat so im Gespräch is’

Am Sonntag spielt Schalke also in Köln beim FC, dem Club, der in 15 Heimspielen acht Mal Unentschieden spielte. Klaas-Jan Huntelaar ist gelbgesperrt und ob Jefferson Farfán fit genug sein wird, um wieder von Beginn an zu spielen, ist noch unklar. Das Training des Peruaners wurde in dieser Woche reduziert, noch als Folge seiner langen Verletzung.

Aber während Schalke auch in Köln um die Europa League-Teilnahme kämpft, welche dem Club in der Gruppenphase rund 10 Millionen Euro garantieren würde, ist der zukünftige Kader der Blauen ein mindestens ebenso großes Thema wie das aktuelle Spiel.

Benni Höwedes‘ Vertrag beinhaltet eine Ausstiegsklausel, das ist bekannt. Der Stichtag zum ziehen dieser Option läge Anfang Juni, schreibt Manfred Hendriock. Für diesen Sommer läge die festgeschriebene Ablöse bei rund 18 Millionen Euro. Im Sommer 2016, bei nur noch einem Jahr Vertragsrestlaufzeit, könne Höwedes die Blauen für rund 13 Millionen Euro verlassen.

Stand heute schlagen am Saisonende Felipe Santana und Kyriakos Papadopoulos wieder auf Schalke auf. Beide sind nur bis Saisonende verliehen. Ihre derzeitigen Clubs Olympiakos Piräus und Leverkusen haben keine vertraglich festgelegten Kaufoptionen und haben auch noch keine Angebote abgegeben. Dagegen hätte der MSV Duisburg gerne Stürmer Felix Platte für die kommende (für den MSV dann möglicherweise Zweitliga-) Saison ausgeliehen, weiß Andreas Ernst zu berichten. Dies hätte Horst Heldt allerdings abgelehnt. Platte würde nicht abgegeben sondern soll ab Sommer fest zum Schalker Profikader gehören.

Weitere interessante Meldungen zum Schalker Nachwuchs liefert kicker. Demnach findet der im März bereits von Gazzetta dello Sport als fix gemeldete Wechsel Thilo Kehrers (18) zu Inter Mailand doch nicht statt. Schalke habe eine Option gezogen, die den Vertrag des Spielers bis 2016 verlängert. Gleiches gilt für Maurice Multhaup (18), dem ebenfalls Angebote anderer Vereine vorliegen. Bislang bemühte sich Schalke vergeblich, diese beiden Talente langfristig zu binden.

Parallel wärmt Bild aktuell mit Freiburgs Oliver Sorg, Düsseldorfs Charlison Benschop und Stuttgarts Martin Harnik drei Namen auf, die schon länger als mögliche Zugänge durch die einschlägigen Foren wabbern. Neu hingegen ist die Meldung, dass Schalke über eine Verpflichtung Jordy Clasies (23) von Feyenoord Rotterdam nachdenke. Er sei ein „Plan B“, falls Sami Khedira doch nicht … dieses Thema eben …

Keine Spekulation sondern ohne Wenn und Aber auf uns zukommende Zukunft ist, dass Gerald Asamoah in 15 Tagen für die Regionalliga-Mannschaft der Blauen sein letztes Karriere-Pflichtspiel absolvieren wird. Und weil er vielleicht nicht der beste aller Zeiten, aber eben auch Lichtjahre davon entfernt ist nur irgendein Schalker zu sein, weil solch Clubverbundenheit, wie er sie zu den Blauen lebt, heutzutage ein seltenes Gut ist, macht Schalke alles richtig und feiert sich und ihn selbst (was wir ja bekanntlich am liebsten tun). Am 14. November, in der Arena, mit allem Pipapo.
Ehrlich gesagt, darauf freue ich mich mehr als auf das Spiel gegen Köln.

Alles schön auf Schalke – Nur der Fußball stört

Kurz vor Schluss gewinnt Schalke sein Heimspiel gegen den VfB Stuttgart doch noch mit 3:2. Jubel brandet auf, danke, bitte, Abpfiff. Zuvor saß ich mal wieder lange Zeit auf meinem Platz, schaute ins sonnige, so schön anzuschauende blau-weiße Rund und fragte mich, wie Schalke 04 es schafft, mit solch langweiligem Gekicke das Stadion immer und immer wieder voll zu bekommen. Letztlich kam ich drauf. Wir gehen nicht wegen, sondern trotz des Fußballs auf Schalke!

Wir gehen ins Stadion, weil die immer gleiche Abfolge des Drumherum einem fast religiösen Ritus folgt. Wir gehen, weil wir dort Freunde treffen. Um zu quatschen, um zu trinken. Ich gehe immer wieder gerne zusammen mit meinem Sohn, weil Schalke „unser Ding“ ist. Vor mir sitzt einer, der geht auch deshalb, weil er dort rauchen kann; daheim glaubt die Frau, er rauche das seit Jahren nicht mehr – wenigstens tut sie so.

Wir feiern gerne, und wenn Schalke mal wieder schlecht spielt, feiern wir uns eben selbst, oder schöne Erinnerungen. Es ist eher selten, dass wirklich das ganze Stadion gemeinsam die Mannschaft anfeuert. Wird aber der „Mythos“ besungen, oder der Weg zum UEFA-Cup-Sieg, da singen alle mit! Gegen Stuttgart griff sogar das Lied von den „unter Brücken schlafenden, asozialen Schalkern“ auf die anderen Tribünen über. Das beginnt mit „Wir sind Schalker“, und darum geht’s vor allem. Wir besingen, feiern und mögen was wir sind, nicht was wir sehen.

Denn gesehen haben wir mal wieder über weite Strecken des Spiels kaum was. Träger Spielaufbau, Pässe ins nichts, schlecht aufeinander abgestimmte Mannschaftsteile. Man hätte nicht erwarten können, dass Schalke Glanzfußball zeige, man hätte eine „unglaubliche Moral aufgebracht“, gab Benedikt Höwedes später zu Protokoll. Liest man sowas, ohne eine Ahnung um die Situation, könnte man glauben, da spräche ein Spieler eines unterklassigen Clubs nach einem Pokalfight gegen einen Bundesligisten. Aber so dramatisch wars nicht. Schalke zeigte sich auf Augenhöhe mit dem aktuellen Tabellenletzten – und tatsächlich hatte schon zuvor auch kaum jemand an mehr geglaubt.

Immer mehr Schalker stört dieser Fußball. Meine beste Freundin, im Stadion neben mir und seit Arena-Eröffnung auf diesem Platz sitzend, wird ihre Dauerkarte am Saisonende abgeben. Eine von vielen, man hört es immer wieder. Andere werden kommen und hoffentlich auch keinen guten Fußball erwarten. Echte Schalker sind sie, wenn sie es halten wie wir, die bleiben: Das Geschehen auf dem Platz, mit der guten Hoffnung auf einige Highlights, vor sich hin plätschern lassen, und derweil sich selbst am richtigen Ort genügen. Mit einem fröhlichen Glückauf auf den Lippen.



Foto: Ute Lochner, vfbegeisterung.de

Pause – Der Liebe wegen

Start spreading the news, I am leaving tomorrow … Den nächsten Text dieses Blogs gibt’s erst am 04. Mai, nach dem Spiel gegen den VfB Stuttgart. Statt Schalke 04, den VfL Wolfsburg und Mainz 05 schaue ich mir bis dahin die Mets, die Marlins, die Red Sox und die Blue Jays an. Und ein bisschen drum herum.

Bei allem ständig wiederkehrendem Tullus bin ich doch gerne Schalker. Jedes Spiel der Blauen titscht mich an, mir wird es nie genug. Aber mein eigentlicher Lieblingssport ist Baseball.

Vor nunmehr 25 Jahren verliebte ich mich in dieses Spiel. Mit 4 Freunden gründete ich die Baseball-Abteilung der Duisburg Dockers. 12 Jahre stand ich zumeist als 1st Baseman auf dem Platz, eine Weile war ich zusätzlich als Umpire unterwegs. Exakte heute vor 18 Jahren betrat ich erstmals ein Baseballstadion in den USA, Dodgers Stadium at Chavez Ravine, Los Angeles, Kalifornien.

Vor 25 Jahren musste man in Deutschland noch zum Freak mutieren, wenn man die US-Profiliga verfolgen wollte. Per Abo bekamen wir einmal pro Woche die VHS-Aufzeichnung eines rund eine Woche alten Spiels zugeschickt. Mehrmals wöchentlich kaufte ich mir am Bahnhof die „USA Today“, nur wegen der 2 Seiten mit Baseball-Statistiken. Playoff-Spiele verfolgten wir des Nachts im Radio, über irgendwelche US-Mittelwellen-Millitärsender – und natürlich knarzte es stets in den wichtigen Momenten. Heute habe ich es leicht, heute habe ich ein MLB.TV-Season-Ticket und kann übers Internet alle Spiele aller Clubs live verfolgen.

Sonntag werde ich nach 16 Jahren erstmals wieder in einem US-Stadion sitzen. Mit Frau Wieland in New York City, bei einem Spiel der Mets, dem Nachfolgeclub der einst nach Kalifornien umgezogenen Brooklyn Dodgers und New York Giants. Wenn wir schon mal da sind schauen wir uns auch die Stadt an – Frau Wieland meinte das müsse so sein … Danach geht’s die Küste entlang, Connecticut, Rhode Island, Cape Cod / Massachusetts, um letztlich auch noch Boston erleben zu dürfen. Den 1912 eröffneten Fenway Park, die Red Sox

Wir sind dann mal weg. Right through the very heart of it.
Bis die Tage.



Foto: eviltomthai

Schalke Schuld-Bescheinigung

Der FC Schalke hat 04 Mal in Folge nicht gewonnen und macht demnach alles grundsätzlich falsch, dessen ist sich der blaue Kosmos einig. Aber Schalker sind viele und in Nuancen unterscheiden sich die Beschuldigungen doch noch. Da verliert man sich schnell in Details, das ist nicht gut.

Um jedem Schalker eine möglichst klare Klage zu ermöglichen, entwarf der werte RJonathan – langjähriger Kommentator dieses Blogs – das folgende Formular. Analysierend, schonungslos und alle 8 Monate, spätestens aber 12 Wochen nach jedem Trainerwechsel zu gebrauchen.


Am Erwarteten gescheitert

Schalke 04 kommt im Heimspiel gegen des SC Freiburg nicht über ein 0:0 hinaus. Mittlerweile sind die Blauen seit drei Spielen ohne Torerfolg und seit 4 Spielen ohne Sieg. Dabei war nichts überraschend, weder der Gegner noch das Scheitern.

Freiburg ist eine Mannschaft, die im 4-4-2 sehr strukturiert spielt, viele Spieler hinter den Ball stellt und wenig Raum lässt. Da müssen wir gut, geschickt und geduldig sein, um Räume zu schaffen und die Spieler zwischen die Linien zu bekommen, um Chancen herauszuspielen.

… skizzierte Roberto Di Matteo den SC Freiburg vor dem Spiel. Genau so stellte sich die Aufgabe später dar. Schalke war nicht gut und geschickt genug. Räume zu schaffen gelang nicht, die Anspiele zwischen die Linien konnten kaum mal verwertet werden. Allenfalls Geduld war zu erkennen, vor allem in der ersten Halbzeit, leider.

Schalke war darauf aus, zu Abschlüssen zu kommen, aber wirklich gefährliche Situationen waren Mangelware. Der Fernschuss von Max Meyer, der Kopfball von Eric Maxim Choupo-Moting, beide Chancen in der 63. Minute, die von Freiburg-Keeper Roman Bürki großartig pariert wurden – mehr Mühe haben die Blauen ihm aber auch nicht gemacht. Erschreckend wenig, wenn man bedenkt, wie laut der ganze S04-Kosmos die Wichtigkeit dieses Spiel hervorhob. Auch erschreckend erwartet, denn wenn man sich vor dem Spiel umhörte glaubte tatsächlich kaum jemand daran, dass plötzlich Schalker Spielwitz explodiert. Und dass Schalke auch körperlich keinerlei Vorteile auf den Platz bringen konnte, obwohl man sich vorbereitete während Freiburg unter der Woche im DFB-Pokal ranmusste, ist leider ebenfalls bemerkenswert.

Schalke hätte einen Elfer bekommen müssen und Freiburg hat seinen zum Glück vergeben. Das waren die sportlichen Aufreger. Der Rest war enttäuschende Trostlosigkeit. Schalke ist zurück in der alten Spielformation, im alten Trott, im schon so häufig zu langsamen Tempo. Nun auch noch erfolglos. Ein Jammer.

Eine Frage des Geldes

Schalke 04 droht eine europapokallose Saison. Mir droht eine unvermutete Geldschwemme. Gut, für den Tönnies-1000er wird’s nicht reichen, aber die Hälfe kann es schon werden. Zumindest im Vergleich mit guten Zeiten.

2010/2011 war eine furchtbare und tolle Saison zugleich. Es gab Tullus mit Magath und am Ende zog Manuel Neuer von dannen. Man strandete in der Liga auf Platz 14 und machte sich zwischendurch tatsächlich Sorgen, aber Rangnick kam zurück und schuf Hoffnung. Man kam in der Champions League bis ins Halbfinale und man gewann den DFB-Pokal!

Abzüglich des Champions League-Endspiels bedeutete diese Saison für die Blauen die maximale Anzahl möglicher Pflichtspiele; und für die Fans entsprechend die maximalen Ausgaben für das Erlebnis „FC Schalke 04“.

Als fröhlicher Inhaber einer „Schalke Total“-Dauerkarte lasse ich mir die Eintrittspreise der diversen Europapokalauftritte gleich automatisch abbuchen. In meinem Block liegt der Tageskartenpreis knapp über 40 Euro. Bezüglich des Getränkekonsums sind wir Schalker traditionell stark. Aber ich liege da selbstverständlich an der unteren Grenze, schließlich liest meine Frau mit, rechnen wir also mit 10 Euro Kioskkosten pro Spiel. Der Familie wegen verzichte ich grundsätzlich auf Auswärtsfahrten. Sämtliche Auswärtsbegegnungen der Blauen verfolge ich stattdessen in der Schalke-Kneipe meines Vertrauens, was mich jedes Mal rund 15 Euro kostet.

Büßt Schalke bis Saisonende noch 3 Punkte ein, rutscht Schalke damit auf einen Nicht-Europapokal-Platz, und scheidet Schalke auch nächste Saison wieder gegen einen angsteinflößenden Drittlistigen in der ersten Pokalrunde aus, beschert dies dem Club zwar Mindereinnahmen, aber auch eine entspannte Saison, mit lediglich 35 Pflichtspielen. Unsereinem würde dieses Szenario – verglichen mit der Saison 2011 – eine Ersparnis von rund 500 Euro bescheren.

Was ich damit mache, weiß ich noch nicht, vielleicht was mit der Frau.
Andererseits wären es aber auch 128 Veltins auf Schalke …