Horst Heldts letzter Umbruch?

In Kürze wird Joel Matip verkünden, wie es für ihn nach Ablauf seines aktuellen Vertrags mit dem FC Schalke 04 weitergehen wird. Die Medien gehen davon aus, dass er sich mittlerweile für einen Clubwechsel entschieden habe.

Derzeit bildet er mit Roman Neustädter die Innenverteidigung der Blauen. Roman Neustädters Vertrag läuft ebenfalls aus. Dass der Club mit ihm über eine Verlängerung verhandeln würde war bislang nirgends zu lesen. Neustädter wird mit einem Wechsel nach Russland in Verbindung gebracht.

Benedikt Höwedes liebäugelte bereits letzten Sommer mit einem Clubwechsel. Seinen Verbleib begründete er damit, dass er zur Unzeit des Tullus‘ nach Roberto Di Matteos Entlassung den Verein nicht im Stich lassen wollte. Falls richtig ist was kolportiert wird, dass sein Vertrag eine Ausstiegsklausel zu 12 Millionen Euro beinhaltet, wird er im Sommer alle Möglichkeiten haben, seine Zukunft selbst zu entscheiden. In Zeiten der Geldflut aus England stellen 12 Millionen Euro eine alberne Summe dar, als Preis für einen so renommierten Spieler wie Benedikt Höwedes.

Wann Matija Nastasic wieder vollkommen fit sein wird ist offen, wann er wieder in Form sein wird erst recht. Kaan Ayhan soll sich in Frankfurt beweisen, im ersten Spiel schaffte er es nur auf die Bank. Und dann sind da noch Marvin Friedrich, 20 Jahre, 243 Bundesliga-Minuten, und Thilo Kehrer, 19 Jahre, der noch auf sein Debüt wartet.

Dem FC Schalke 04 droht im Sommer mehr oder weniger die komplette Innenverteidigung wegzuplatzen, ohne dass dabei auch nur annähernd die entsprechenden Einnahmen zu generieren wären. Es wäre ein nächster Umbruch, dann wohl der letzte von Horst Heldt zu verantwortende.

Beißender Reporter, bellender Manager

Gestern Abend war ich Zuschauer einer Podiumsdiskussion zum Thema „Sportjournalismus im digitalen Zeitalter“. Heutzutage flutetet die DFL und fluten die Fußballclubs den Nachrichtenmarkt mit eigenen Storys. Dies sei kein Journalismus, sondern Content Marketing, waren sich alle Diskutanten einig, auch der Mann der DFL. Sich davon abzugrenzen, Qualität zu liefern, sei die Aufgabe des Sportjournalismus. Allerdings würde die gute Arbeit des Verbandes und der Clubs wirken, bemerkte Pit Gottschalk, neuer Chefredakteur Sport der Funke Mediengruppe. Dadurch würde unter Fans ein Wir-Gefühl erzeugt. Eine kritische Berichterstattung würde nur noch von einem kleinen Teil geschätzt, der Großteil würde kritische Berichterstattung eher als Angriff auf den geliebten Club auffassen.

Eben das erlebte man gestern am Beispiel der Berichterstattung des Sky-Reporters Dirk große Schlarmann zu Clubinternen Problemen mit Trainer André Breitenreiter.

Flott stürmte er los, der Shitstorm. Ein profilierungssüchtiger Reporter sei er, was das mit Journalismus zu tun hätte, und dass stets BILD und Sky sowieso nur stören würden, und überhaupt hätte doch „Ralle“ gesagt, dass das „Schwachsinn“ sei, und Hotte, es sei „Banane“.

Entscheidend aber war, wozu Horst Heldt neben dem lauten „Wahnsinn“, „Schwachsinn“ und „Blödsinn“ eben nichts sagte. Dazu, dass Spieler und Mitarbeiter unzufrieden wären. Dazu, dass Breitenreiter nicht seine Wahl, sondern die Clemens Tönnies‘ sei. Dazu, dass er selbst lieber einen anderen Trainer verpflichtet hätte.

Letztlich haben damit beide ihren Part gut gespielt. Dirk große Schlarmann ist integrer Reporter, er denkt sich nichts aus, er berichtet was es zu berichten gibt. Horst Heldt bellte laut und konnte damit bei vielen Fans punkten. Außerdem wird er in seiner Aussage, es gäbe keine Trainerdiskussion auf Schalke, sicherlich von allen Verantwortlichen im Club unterstütz werden. Dieses Fass wird nun nicht noch mal geöffnet. Horst Heldts Zeit auf Schalke geht zuende, die nächste Trainerfrage entscheidet sein Nachfolger.
 
 
Ein PS:
Nach der Pressekonferenz mit André Breitenreiter zum Spiel gegen Darmstadt
 

Enttäuschender Jahresauftakt

Schalke 04 verliert sein erstes Pflichtspiel des Jahres 2016 mit 1:3. Werder Bremen war ein schwacher Gegner. Schalke scheiterte trotzdem.

40 Minuten war Schalke dominant. Über rechts hatten Junior Caicara und Leroy Sané keine Gegenwehr, kamen stets bis zur Grundlinie wenn sie denn wollten. Im Zentrum ließ sich Max Meyer im Spielaufbau tief fallen, Johannes Geis kippte dafür nicht mehr so häufig zwischen die Innenverteidiger wie in der Hinrunde. Man kam regelmäßig flott in die Bremer Hälfte und man konnte sich dort regelmäßig bis in den Strafraum durchsetzen. Schalke hatte Chancen für zwei Spiele. Schalke hätte zur Halbzeit mit 3:0 führen müssen. Aber Klaas-Jan Huntelaar ist leider nicht mehr der Knipser, der er in seiner einen, überragenden Saison für Schalke war. Und Schalkes Verteidigung war zu sorglos. Deshalb stand es stattdessen zur Pause 1:1.

Der Bremer Treffer vor der Halbzeit erwischte die Blauen kalt. Es war fast so, als hätten man sich davon nicht mehr erholt. Was Schalke in der zweiten Halbzeit bot war schwach. Hinten weiterhin offen, vorne durchsichtig. Überraschendes brachte nur Leroy Sané auf den Platz, aber auch er hatte keinen glücklichen Tag, auch er rettete Schalke nicht mehr.

Und dann schaut man zu, und hofft. Aber es nützt nichts. Man hofft, dass die Mannschaft dem Gegner taktisch überlegen ist. Aber das war sie nicht. Man hofft, dass die Einzelspieler besser als ihre Gegenüber sind. Doch solches durchzusetzen gelang auch nicht. Man hofft, dass die Mannschaft den Gegner in Grund und Boden rennt. Aber kämpfen können eben alle.

Was bleibt ist Ernüchterung. Werder Bremen hat wirklich nichts Besonderes auf den Platz gebracht. Dass Schalke gegen einen so spielenden Gegner daheim verliert, ausgeruht, aus einer ausdauernden Vorbereitung kommend, auch noch nach guter Anfangsphase und früher Führung, ist einfach sehr enttäuschend.



Foto: Tomek Bo

Schlecht vorbereitet in die Rückrunde

Jetzt geht’s endlich wieder los. Endlich wird es wieder Spiele geben, die zu bewerten es wert sind. Endlich beginnt wieder der Fußballrhytmus. Die Winterpause ist für mich furchtbar. Ich möchte nicht über Gerüchte schreiben. Ich will keinen Carlos Zambrano und keinen Kevin Vogt bewerten, bevor es nicht klar ist, dass er wirklich verpflichtet wird. Festzustellen bleibt aber, dass Schalke 04 einmal mehr schlecht vorbereitet in die nächste Halbserie startet.

Ähnlich wie im Sommer, als man Julian Draxler einen Tag vor Transferschluss ziehen ließ, als man keine Alternative in petto hatte. Im Laufe der Hinrunde wurde die Vermutung zur Gewissheit, dass der Kader zu dünn besetzt sei. Dass man im Winter nachlegen müsse. Die durchaus lange Vorbereitung auf diese Transferperiode war aber wenig erfolgreich, denn der Stand der Dinge in der dritten Januarwoche ist, dass der Kader weiterhin zu dünn besetzt ist. Dass der Kader keine Verletzung eines Innenverteidigers kompensieren kann, dass man nun erneut auf dem letzten Drücker nach geeigneten Spielern sucht. Einer, dem dann kein Trainingslager mit dem Kader zuteil wurde, der Zeit zur Eingewöhnung brauchen wird.

Flickwerk, das man nicht „Planung“ nennen sollte.

Das skurrile Fernsehtestspielniederlagenerlebnis

Ich gehöre zu denjenigen, die geschnittenes Brot einfrieren. Wenn ich mir morgens, gleich nach dem Aufstehen, ein paar Scheiben aus der Kühltruhe hole, sind sie zur Frühstückszeit im Büro aufgetaut. An die feinen Poren meiner Brotscheiben, an deren Kälte sich die Luftfeuchtigkeit niederschlägt und einen weißen Film hinterlässt, erinnerte mich der neue, gefeierte Boden des Stadions in Ostwestfalen, auf dem sich Schalke 04 gestern die Ehre gab, ein wenig schlecht fußballzuspielen.

Das Spiel störte den Blick auf den Rasen, das Zuhören Jörg Dahlmanns störte es nicht. Es passierte schließlich kaum was, so dass sich Dahlmann fast volle 90 Minuten austoben konnte. Er feierte schon mal den seines Erachtens designierten Manager des FC Schalke 04. Er erzählte seine Version des Bundesliga-Skandals in aller Ausführlichkeit. Er erinnerte sich an tolle Fotos von Spielerfrauen. Er kam von Hölzken auf Stöcksken, streifte alle Gerüchte, sah Elfmeter, fand Schalke fröhlich.
Er füllte die fußballleere Übertragung mit verbalen Blubberblasen. Was mich genervt hätte, hätte ich mich aufs Spiel konzentrieren wollen, fand ich ab dem Moment, da feststand, dass es keinen Fußball zum darauf konzentrieren geben würde, tatsächlich amüsant. Der Punkt der Ernsthaftigkeit musste einfach überschritten werden.

Das ward er früh. Darum war’s egal. Die Fehlpässe. Die nicht mit nach hinten laufenden Offensivspieler. Diese ganzen schwachen Schüsse Richtung Tor. Alles irgendwie albern. Sonntag geht’s los. Dann gibt’s wieder Fußball.

Vermutlich.

„Mehr wie ‘n Hobby“

Ich mag es, wenn Menschen klar und fest in ihrer Haltung sind. Wenn sie mit sich im reinen sind und wenn sie die Dinge, an die sie glauben, auch nach Jahren noch begeistern. János Kereszti hat solche Menschen gefunden. An Gott Gläubige und an Fußball Gläubige. Für die ARD hat er einen Film gemacht, der die Parallelen aufgezeigt.

Vorgestellt wird eine Schalker Familie, die zu siebt die Spiele zelebriert, und einen Werder-Fan, der in der Gemeinde des Stadions seine Behinderung vergisst. Ich mag es, wenn Menschen klar und fest in ihrer Haltung sind; ich selbst scheitere doch zu oft.
Ich bin Christ, aber doch stets zweifelnd. Ich bin Schalker, aber doch häufig arg routiniert. In der katholischen Gemeinde, in der ich vor 10 Jahren mit meiner kleinen Familie eine Heimat gefunden habe, ist mir sehr viel Gutes wiederfahren. Auf Schalke, in das ich mich vor langer Zeit verliebte, habe ich viele tolle Stunden erlebt. Und doch finde ich es schade, dass es mir nicht gelingt, mich im Glauben fallenlassen zu können. Und doch finde ich es schade, dass mir zu häufig auf Grund des vermeintlichen Wissens darum, was mich auf Schalke erwartet, die nur aus Unwissenheit entstehende Spannung abgeht.

Insofern zeigt dieser Film für mich beneidenswert glückliche Menschen zu einem bedenkenswerten Thema. Jetzt in der Mediathek anzuschauen. Ziemlich genau bis zum Spiel des FC Schalke 04 gegen Werder Bremen.
 

Was es ist

Es ist ein geiler Club
sagt der Clemens
Es ist Schalke 04
sagt der Wieland
 
Es greift keine Klausel
sagt der Horst
Sie greift wohl
schreibt die BILD
Horst hat recht
sagt Milewski
Es ist Schalke 04
sagt der Wieland
 
Es braucht Langmut
sagt der Carsten
Die Klauseln regen auf
sagt klopenner
Ich mag’s nicht mehr lesen
sagt die Lisa
Es ist Schalke 04
sagt der Wieland