Artikel zum Schlagwort ‘1. FC Nürnberg’

Die Trainer seit Schaaf

Otto Rehhagel ist neuer Trainer bei Hertha BSC. Sein letzter Bundesligajob liegt schon einen Weile zurück, von 1996 bis 2001 trainierte er den 1. FC Kaiserslautern. In diese Zeit fiel es, dass in „seinem Club“, dem SV Werder Bremen, nach vier Jahren des Orientierungslosigkeit, Thomas Schaaf den Trainerposten übernahm.

Am 11.05.1999 saß Schaaf erstmals als Cheftrainer auf der Bremer Bank. Er gewann 1:0, gegen Schalke 04, gegen Huub Stevens. Außer Huub Stevens sah Schalkes Trainerbank seitdem 11 andere Verantwortliche. Seit Schaaf in Bremen das Sagen hat, warteten 30 andere Bundesligaclubs mit insgesamt 192 Trainern auf.

Für Hertha ist Otto Rehhagel nun der 13. Verantwortliche in 13 Jahren Erstligazugehörigkeit seit Schaaf. Der HSV kam in 14 Spielzeiten auch auf 13 Trainer seit Schaaf. Leverkusen mag weniger als „heißes Pflaster“ gelten, trotzdem waren es auch da 10 Trainer in 14 Jahren seit Schaaf. In Gladbach waren es 11 Trainer in 11 Jahren erste Liga seit Schaaf, und Köln kommt sogar in nur 9 Erstligajahren auf 12 verschiedene Gesichter auf der Trainerbank, seit Schaaf.

Thomas Schaaf wird Otto Rehhagels Amtszeit in Bremen überdauern. Bis dahin wird die Liste noch länger werden, aber auch bis heute ist sie schon imposant. Alle Erstligatrainer, seit Thomas Schaaf:







Foto: Bejamin Radzun

Viel Drumherum und ein bisschen 4:0

Fanfreundschaft: Schalke und der FCN

Zur Halbzeit führt Schalke bereits mit 2:0. Der Bekannt vor mir dreht sich um: „Mal ehrlich, gut spielen tun sie beide nicht.“ Eigentlich hätte ich zustimmen können. Aber bei 2:0 wollte ich nicht meckern. „Entspannt“, sagte ich.

Nach dem 1:0 in der 13. Minute war die Spannung raus. Vorher spielte Nürnberg ordentlich nach vorne und war gleichwertig. Danach hatte Schalke das Spiel im Griff und musste am Ende nichtmal besonders gut spielen, um verdient mit 4:0 zu gewinnen. Ein übleres Fazit kann es für die Clubberer eigentlich nicht geben.

Dieses Spiel wird nicht im Gedächtnis bleiben. Wohl aber das Drumherum.

Schalkes Nordkurve kleidete sich vor Spielbeginn in einer schönen, die alte Fanfreundschaft feiernden Choreografie. Später gab es noch ein Spruchband mit der Forderung „Max-Morlock-Stadion: Jetzt!“. Sympathisch. Trotzdem fühlte es sich irgendwie unerwidert an. Für den normalen Südkurvenfan stellte es sich jedenfalls so dar, dass Nürnberg Ultras ihren Singsang unaufgeregt über 90 Minuten zu Ende hüpften, wie jeder andere Gegner auch.

Ebenfalls in Erinnerung bleiben wird mir die Meldung, nach der einem Nürnberger Fan noch Samstagabend ein Arm amputiert werden musste. Ich kann nicht beurteilen, was vorgefallen ist. Als Ergebnis blieb jedenfalls Unfassbares. Jemand warf aus durch Fußballrivalität entstandener Aggression jemand anderen vor einen Zug. In den Medien ist es nur eine Meldung am Rande.

Babak Rafati beging den Versuch, sich umzubringen. Am Spieltag, vor der Begegnung Köln gegen Mainz, welche vor sechs Jahren auch die Begegnung seines ersten Erstligaeinsatzes war. Auch hierbei kann ich, können wir bislang nicht beurteilen, was vorgefallen ist, was den Mann dazu gebracht hat, keinen Ausweg mehr sehen zu können. Vielleicht hatte es nichts mit Fußball zu tun, vielleicht ist das von Schlaumeiermündern allerorts geforderte Nichtssagen tatsächlich genau richtig. Andererseits ist es nicht falsch, die Drucksituation der Schiedsrichter zu thematisieren, selbst wenn der Fall Rafati damit nichts zu tun haben sollte. Ein bemerkenswerter Text zu diesem Thema, der die Situation von Schiedsrichter Markus Wingenbach im Spiel SC Freiburg gegen Hertha BSC schildert, entstand aus Aussagen Christian Lells.

Als gute Geschichte, das will ich nicht unterschlagen, bleibt noch die Eröffnung der „Schalker Meile“. Das, was da ist, zu benennen, um es in Zukunft auch als Einheit zu denken und in dieser gewissen Form voran zu bringen, ist eine gute Idee.

Ich hoffe, dass es nach dem nächsten Spiel hier wieder hauptsächlich um Fußball geht. Dann würde ich mich auch nach einem eher unspektakulär erspielten 4:0 Sieg der Königsblauen darauf beschränken wollen. Ma’kucken.

Ein Interview und ESR plus X

Heute gibt es hier mal nicht so viel zu lesen. Auswärts dafür umso mehr. Alexander Endl bat mich für Clubfans United um ein Interview. Dabei ging es schlichtweg um alles: Um Fanfreundschaften und Facebook, um Trainer und Tradition, um meine Sicht aufs Web der Fußballfans und auf mein Blog, um Stimmung, Mammon, Kommunikation, Schubladen, Taktik, Magath, immer Schalke und ein kleines Bisschen um den Club.

„Wie eine Pause in dem ganzen lauten Palaver“



Hier geht’s nun direkt weiter mit ESR plus X

Zuletzt gab sich Huub Stevens als langweiliger Einwechseltrainer, nutzte die Wechsel fast nur, um am Ende des Spiels Zeit zu gewinnen, nicht um was auf dem Platz zu ändern. Durch die Verletzungen von Farfán und Höwedes wird unser Spielchen aber doch wieder interessant. Schließlich kann nur eingewechselt werden, wer nicht in der Startformation steht. Und wer von Beginn an spielt, darüber wird seit Mittwoch ausführlich diskutiert …

Wer auch immer dort spielt, Schalkes Rechtsverteidigerposition wird spannend werden. In der X Frage vergleichen wir ihn mit den anderen Außenverteidigern auf dem Feld.

X Frage
Welcher der zu Spielbeginn auf dem Platz stehenden Außenverteidiger erreicht den besten Prozentsatz an gewonnenen Zweikämpfen?

A: Schalkes Linksverteidiger
B: Nürnbergs Linksverteidiger
C: Schalkes Rechtsverteidiger
D: Nürnbergs Rechtsverteidiger

Mein Tipp lautet …

Höger
Jurado
Pukki
X A

… und wer zusätzlich noch was handfestes Gewinnen will, der hat bei Blog und Weiß dazu die Chance … nochmal …



Was ist Einwechelspieler-Raten und was ist eine X Frage?
Als amtliches Endergebnis gelten die in der Spiel-Matrix bei bundesliga.de veröffentlichten Prozentsätze. Tippabgabe bis Samstag, 14:30 Uhr. Bitte die drei Spielernamen und die Antwort auf die X Frage im Kommentarfeld als erstes und untereinander notieren. Mache dabei bitte die X Antwort mit einem vorangestellten „X“ kenntlich. Für „echte Kommentare“ unter den Tipps bin ich wie immer dankbar. | Foto: YanivG

Magaths Panikreaktion: Schalke verliert die Linie

Nach einer üblen Fehlpassorgie seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit gerät Felix Magath in Panik. Er wähnt sich und sein Team plötzlich im akuten Abstiegskampf, will nicht mehr auf besseren Fußball hoffen sondern setzt auf Kampfkraft. Er wechselt den vermeintlichen Fußballschöngeist Jurado aus, lässt stattdessen das gelbbelasteten Schlachtross Jermain Jones auf dem Platz und stellt ihm mit Peer Kluge eine weitere große Lunge zur Seite. Der Rest ist schnell zusammengefasst: Jones fliegt vom Platz. Magath wechselt mit Farfán auch den Einäugigen unter Blinden aus. Schalke spielt kein Fußball und verliert auch in Nürnberg.

Ja, schon die erste Halbzeit war gruselig. Jurado wollte nur spielen und war stets aufs Neue überrascht, wenn der Schiedsrichter bundesligaharte Zweikämpfe der Nürnberger nicht als Foul wertete. Raúl bekam vorne keine Bälle lies sich sehr häufig zurückfallen und wurde, ähnlich wie Jurado, im engen Mittelfeld zerrieben. Schalke verstand es nicht, den ganzen Platz zu nutzen, Nürnberg laufen zu lassen. Schalke war nicht geduldig, verlor mit fortschreitender Zeit immer mehr Sicherheit und damit auch immer mehr Bälle.

10 Minuten vor der Pause wollte Jermaine Jones ein Zeichen setzen. Auf die ihm angeborene Art senste er Mehmet Ekici um. Ohne Not, mitten auf dem Platz, von hinten. Dass er dafür nicht mit Rot vom Platz flog wird sich Schiedsrichter Marco Fritz von seinem Obmann sicher noch vorhalten lassen müssen. Ich war mir sicher, dass wir Jones in der zweiten Halbzeit nicht mehr sehen würden. Ich hätte Geld darauf gesetzt, dass Magath mit Rakitic das spielerische Element auf der linken Seite verstärkt, dass er Jurado unterstützt. Pustekuchen.

Magath nahm Jurado raus, später auch Raúl und Farfán. Er warf die in den letzten Spielen gültige „Jetzt-spielen-wir-Fußball-und-Rollen-das-Feld-von-hinten-auf“-Methode in die Noris. Mit der Besinnung auf ein spielerisches Übergewicht im Mittelfeld gewann Schalke in Freiburg und gegen Lissabon, gegen Gladbach holte man nach üblen Abwehrfehlern immerhin noch ein 2:2. Trotzdem war in Nürnberg der Glaube Magaths an seine Mannschaft und an einen Sieg gegen den FCN schon nach 45 schlechten Minuten dahin.

Nach 52 Minuten ging Jones mit Gelb/Rot vom Platz. Ob Schäfer nun schwer oder weniger schwer getroffen wurde, ob Jermaine Jones im Rutschen das Bein noch zurückzog oder nicht: unerheblich. Wer mit den Füßen voran in einen mit den Händen zum Ball gehenden Torwart hineinrutscht, muss immer mit einer Gelben Karte rechnen. Wer dies gelbbelastet tut, handelt schlicht dämlich.

Ja, Schalke hat in der zweiten Halbzeit mehr gekämpft, ist mehr gerannt. Die Passquote wurde augenscheinlich aber nicht besser. Und der Fußballgott zeigt Schalke 04 ob dieses taktischen Schwanzeinziehens den ausgestreckten Mittelfinger, indem er ausgerechnet Andreas Wolf das Siegtor für Nürnberg erzielen lies, der beim Stand von 0:0 nach einer Schalke-Ecken im 16er mit dem Arm zum Ball ging. Einen Strafstoß für Schalke gab es freilich nicht.

Vielleicht waren die Auswechslungen von Jurado, Raúl und Farfán von Felix Magath als erzieherische Maßnahmen gedacht. Vielleicht wollte er sich das Trallala der ersten Halbzeit so nicht bieten lassen. Ich finde so was albern, aber heute hoffe ich darauf, dass es so war. Das schlimmste wäre, wenn er nun den Abstiegskampf ausrufen würde, wenn fortan wieder das Grätschen über das Passen gestellt werden würde.
Magath hätte Geduld haben sollen. Ja, Schalke spielte schlecht, aber hinten brannte gegen ebenfalls schlecht spielende Nürnberger trotzdem nichts an. Mit Jurado und Raúl hat man stets die Chance auf die eine entscheidende Aktion, auf Aktionen überhaupt, die, auch wenn sie nicht erfolgreich sind, zu weiteren motivieren. So kommt man in ein Spiel, wie eben gegen Gladbach, wo es auch lange dauerte. Einwechselungen von Rakitic und Kluge haben, soweit ich mich erinnern kann, dass Offensivspiel des FC Schalke 04 noch nie entscheidend nach vorne gebracht. Schalke verlor in Nürnberg, weil es die Linie verlor.



Foto: 96dpi

Schalke in Nürnberg

Das Benfica-Spiel war Schalkes erstes zu Null-Spiel in dieser Saison, und Kyriakos Papadopoulos wusste zu überzeugen, wenn ich richtig gelesen habe. Sollte Schalke morgen verlieren, wird es also daran gelegen haben, dass entweder Papadopoulos wieder raus musste oder das („ausgerechnet“) Benni Höwedes nicht wieder rein durfte. Sportberichterstattung ist häufig sehr einfach.

Aber an eine Niederlage wollen wir erstmal nicht denken. Beschäftigen wir uns mit dem Club aus Nürnberg. Und wenn wir das tun, ist es lustig, auf einen tollen Beitrag bei Clubfans United hinzuweisen, der sich mit Schalke und der mittlerweile fehlenden Beziehung zwischen den Welten beschäftigt, und der gleichzeitig aufwirft, dass man sich generell immer öfter nur mit sich beschäftigt. Ich erkenne das als richtig und nehme es gleichzeitig als Kritik.

Auch ich schaffe es immer wieder, in Texten zu Spielen den Gegner nur am Rande zu erwähnen, ihm kaum Beachtung zu schenken, mich ausschließlich auf die Darbietung des FC Schalke 04 zu beschränken. Eben ohne diese in Relation zu setzen. Dabei ist es platt wie wahr, dass eine Mannschaft nur so gut spielt, wie der Gegner es zulässt, und dass eine Mannschaft – noch mal platt – ihr Spiel erst durchsetzen muss. Was ihr nie über 90 Minuten gelingt, worüber aber kaum einer schreibt. Auch die meisten Herren in meiner Blogroll nicht.

Nicht weil ich mich jetzt nur noch auf den Gegner stürze, sondern weil es mir gefällt, weil man ja noch Zeit rumkriegen muss und weil Felix Magath noch nichts zu Nürnberg gesagt hat, möchte ich auf die Pressekonferenz der FCN mit Cheftrainer Dieter Hecking verweisen: hier und hier.
Hecking ist nüchtern wie ein Bleistift, und während Felix Magath in den Pressenkonferenzen selten mehr als einen Satz zum Gegner sagen soll, wird Hecking sehr viel aufgeschlossener befragt. Daraufhin gibt er in aller Ruhe seine Einschätzungen zu fast allen Clubs der Liga zum Besten. Auf Dauer wäre er mir vielleicht zu langweilig, grundsätzlich aber ein sehr angenehmer Typ, der Herr Hecking.

Angenehm oder nicht, bezüglich Felix Magath streiten sich darüber die Schalker. Morgen wird er jedenfalls die richtigen Wechsel vornehmen, als da wären …

Kluge
Rakitic
Sarpei

Nach dem ersten zu Null-Spiel folgt gegen Nürnberg auch der erste ESR-3er, ihr werdet sehen.



Was ist Einwechelspieler-Raten?
Bitte die drei Spielernamen im Kommentarfeld als erstes und untereinander notieren. Das macht mir die Erfassung erheblich einfacher. Für „echte Kommentare“ unter den getippten Namen bin ich wie immer dankbar.
Bis Samstag, 14:30 Uhr kann noch über die zukünftige Darstellung der ESR-Tabelle abgestimmt werden.




Foto: palimphread

Ausgehalten

Da saß ich dann und hatte wenig Spaß. Zwar hatte ich ein Dach über dem Kopf, kalt war es trotzdem. Und das Spiel schaffte es nicht, mich zu erwärmen. Wäre man zwischendurch eingenickt, man hätte nichts verpasst. Eingenickt bin ich nicht, ich habe trotzdem nichts gesehen was ich nun schönschreiben könnte. Eher gibt es einiges zu meckern. Nur das Ergebnis war zufriedenstellend.

Da freute man sich, dass Alexander Baumjohann verpflichtet wurde, da war man froh, dass Lewis Holtby gegen Ende der Hinrunde fahrt aufnehmen konnte, und dann musste man heute doch wieder Ivan Rakitic ertragen. Ja, er ist auch erst 21. Aber wir haben ihn nun schon so oft gesehen, schon über 60 mal – und es wird eben nicht besser. Man muss geduldig sein. Ich warte geduldig. Auf Alexander Baumjohann, Lewis Holtby, Levan Kenia.

Mal nur gut stehen und glücklich gewinnen gab es schon mal. Schalke stand heute nicht gut. Marcelo Bordon hatte einen schwarzen Tag wie selten. Heiko Westermann hatte einen schwarzen Tag wie allzu oft. Nach 30 Minuten hielt Felix Magath das Duo nicht mehr aus, verschob Westermann nach außen und ließ Benny Höwedes in der Innenverteidigung spielen, der dort deutlich besser zu agieren vermochte. Peer Kluge musste früh verletzt raus, Joel Matip kam spät rein und zeigte doch, wieso er in der Hinrunde seit seinem Debüt stets spielte.

Ja, man muss geduldig sein mit dieser Mannschaft, sie soll sich entwickeln, ich will auch nicht zu arg schimpfen. Aber wenn man sitzt und friert, wenn’s so usselig ist dass nicht mal mehr das Bier schmeckt, wenn einen nichts zu erfreuen vermag, dann bekommt man trübe Gedanken. Da hilft nur noch ein Abwärtsvergleich.

Für Nürnberg war der Spielverlauf natürlich nahezu tragisch. Sie hielten Schalke weitestgehend vom eigenen Tor weg. Sie kamen zu ein paar guten Chancen. Und verloren trotzdem, weil mal Manuel Neuer zu gut war und weil es mal einfach an Glück fehlte. Womit wir beim einzigen Trost des Tages aus Schalker Sicht sind: Wenn schon kacke spielen, dann ist kacke spielen und gewinnen entschieden besser als kacke spielen und verlieren.

„Hecking bedient die Volksseele“

Sonntag geht’s endlich wieder los. Zeit, sich mit dem Gegner, mit dem Club aus Nürnberg zu beschäftigen. Ein neuer Trainer, Gerüchte um Makaay, zwei neue Spieler und der Abgang eines „Häuptlings“: Sieht man von Magaths Entscheidungsfreudigkeit ab ist in Nürnberg noch am meisten passiert. Wie das alles einzuschätzen ist habe ich Alexander Endl gefragt. Alexander macht irgendwie alles und ist irgendwie überall. Ich kenne ihn von Clubfans United, dem besten Blog zum Club.



Es hat sich ja einiges getan, beim Club in der Winterpause. Mit Breno und Ottl wurden zwei Spieler vom FC Bayern ausgeliehen, die man in der Startelf erwarten darf. Dafür ging mit Kluge allerdings auch ein Leistungsträger. Vor allem aber gibt’s mit Dieter Hecking einen neuen Trainer. Was hältst Du von den Verpflichtungen, wie siehst Du Hecking? Was hat er Oenning mehr voraus als nur Erfahrung? Woran machst Du Deine Hoffnungen fest?

Wie sagte das Mario Basler in seiner Hauspostille gerade erst so schön: „bevor die zwei Zivildienstleistenden vom FC Bayern deinen Karren aus dem Dreck ziehen, demonstriert der Schumi für einen auto-freien Sonntag“. Ganz so krass sehe ich das nicht, schließlich traue ich das Schumi zu, aber ich müsste lügen wenn ich behaupte, dass ich diesen Tausch – Ottl gegen Kluge – so er nicht zwingend finanziell notwendig war, wirklich verstehe. Kluge war sicher kein Überflieger, aber einer der wenigen echten Stützen. Dass er gehen wollte verstehe ich sogar, aber dann nicht für die kolportierte niedrige Ablöse – und als Ersatz eine Leihgabe. Und Breno muss sich ja auch erst mal beweisen, was ihm bei den Bayern offenbar bislang nicht gelang. Zudem kann ich mir nur schwer vorstellen, dass Leihspieler, vor allem Kurzarbeiter mit nur einem halben Jahr Laufzeit, die nötigen 110% anbieten können, die man braucht um rauszukommen. Warum auch? Klappt’s nicht, war halt die Mannschaft zu schlecht und man geht wieder heim ins Nest. Zudem – aber ich will’s auch nicht zu oft noch mal wiederholen – hat sich Ottl mit seiner Aussage vor Saisonbeginn, als der Club schon mal bei ihm anfragte, dass Nürnberg nicht sein Anspruch sei, keinen einfachen Start verschafft …

Hecking sah ich anfangs sehr kritisch, seine Vita, als er meiner Kenntnis nach schon zwei seiner Vereinen selbst verließ um woanders anzuheuern, gefiel mir nicht sonderlich – auch überzeugte mich die Entwicklung in Hannover nicht wirklich. Aber sein Einstand und die ersten Eindrücke waren doch positiv. Was er sagt, klingt gut. Er trifft im Ton eine gute Mischung aus Realismus und Optimismus. Er bedient dabei auch die, die einfach Worte wie „Gras brennen“ und „Kampf bis umfallen“ brauchen, vermittelt aber auch denen, die die Stereotypen nicht mehr hören können, mit vernünftigen Konzepten.

Um ihn mit Oenning zu vergleichen – bzw. was Hecking anders macht oder machen muss – müsste man ausholen. Oenning hatte die richtige Idee, doch die scheiterte am Ende an den Ergebnissen und vielleicht auch an der Mannschaft. Vielleicht geht das Bader/Oenning-Konzept auch gar nicht in einer Zeit, die schnell Erfolge will und vor allem Rückschläge nicht verzeiht. Man wollte ja kein Jugendkonzept nur um der Jugend willen, er hatte die Idee der Schaffung einer strukturellen Änderung im Verein, die unter anderem auf einen guten Unterbau mit eigenen Talenten setzt. Dazu muss man aber auch der Jugend vermitteln, dass der Club eine gute Adresse ist und dies geht am besten, wenn junge Talente in der Bundesliga am Platz stehen. – Hecking will das fortsetzen und das stimmt mich positiv.
Vielleicht hat er einfach ein glücklicheres Händchen oder kann aus seiner längeren Erfahrung die richtigen Schlüsse ziehen. Die Umstellung auf zwei 6er zur Stabilisierung der Defensive klingt Erfolg versprechend. Bringt aber auch nichts, wenn man vorne nicht trifft, ein chronisches Club-Problem seit mindestens 2007.
Was Hecking jetzt schon Oenning voraus hat? Er bedient die Volksseele. Denke, das hat Oenning unterschätzt. Seine ruhige, sachliche Art gefiel mir gut, aber viele Fans wurden fast wahnsinnig darüber, warum man nach einer Klatsche noch sachlich die positiven Seiten referiert. So baute sich im Misserfolg eine Stimmung bei einem Teil der Fans gegen ihn auf – und ich denke auch in der Mannschaft.

Was Hoffnung macht? Dass die anderen auch nur mit Wasser kochen und ich weiter mindestens 8 Mannschaften sehe, die am Ende bedroht sind. Bei einer so geringen Punktausbeute in der zweiten Tabellenhälfte – bis Platz 12 hat man ja noch keine 20 Punkte! – können 2-3 Siege das Bild schnell verändern.

Es wurde ja auch über eine Verpflichtung Roy Makaays spekuliert. Meines Erachtens wäre das für Nürnberg ein riesen Ding gewesen, erstaunlicherweise habe ich in Blogs und Foren von Club-Fans sehr viel Kritik an diesem Vorhaben gelesen. Wenn nicht ein Knipser wie Makaay, wer könnte dem Club sonst helfen? Wenn Du das Sagen und 5 Millionen übrig hättest, wie würdest Du die Mannschaft verstärken?

Ich war zugegeben ein Freund der Idee – aber heulte jetzt auch nicht ins Kissen als es sich als Ente entpuppte. Makaay hätte in jeden Fall mal einen Respektsbonus beschert und einen Schub gegeben. Aber wir hatten das ja schon probiert auf die Art mit einem Koller vor dem letzten Abstieg … Schlägt Makaay nämlich nicht gleich ein, hat man erst Recht ein Problem und noch mehr Unzufriedene im Kader. Und eine Garantie für Makaay gibt es eben nicht – er war sicher mal herausragend, aber das zeigte er auch zuletzt in Rotterdam nicht.

Wenn ich mal Manager mit 5 Millionen spielen dürfte und mal ganz davon abgesehen, dass man einen Spieler dann auch noch bekommen müsste, dann würde ich in der Tat auch noch nach einem 6er Ausschau halten, der dann aber verpflichtet werden müsste. Auch die Idee einen Innenverteidiger zu holen fand ich nicht schlecht, aber eine solide Verpflichtung statt Jungstar-Ausleihe (Breno) wäre mir lieber gewesen. Die Skibbe-Idee, einen Lincoln nach Frankfurt zu holen, also einen wirklich exponierten kreativen Künstler, fand ich gut, wäre aber ein ganz anderer Weg gewesen.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass 5 Millionen zwar viel Geld sind, im Fußball aber nichts Gravierendes ändern können. Die Mannschaft muss insgesamt und strukturell auf ein höheres Level geführt werden, also packt man das Geld am besten in die Nachwuchsarbeit und versucht jetzt erst mal mit dem vorhandenen Material auszukommen. Man hat doch viel Talent im Kader, wie Gündogan, Diekmeier, Bunjaku oder Frantz, und es braucht eben Arbeit und Geduld um das zu entwickeln und ein Team zu formen.

In einen Interview sagte Dieter Hecking, die Mannschaft hätte viele Kontertore kassiert nachdem sie zu weit aufgerückt war. Er sprach davon, die Defensive stärken zu wollen, von einem System mit Doppel-6. Ob er sich wohl in die Liga festmauern will? „Nurnoch“ reagieren statt zu agieren? Wie glaubst Du wird der Club auf Schalke auftreten?

Hecking sagte aber auch, dass defensiv stehen keine Spiele gewinnt und man vor allem schneller Umschalten muss nach Balleroberung. Ich teile die Ansicht, dass wir vor allem mal erstmal defensiv stabiler werden müssen und konzentrierter spielen. Nach dem Versuch am Anfang der Saison die Bundesliga im Sturm zu erobern, hat der Gegner bspw. auf der Diekmeier-Seite einfach die Lücke erkannt und ausgenutzt. Diese Balance zwischen Offensivdrang und Defensiv-Absicherung wurde nicht gefunden und wenn man dann mal 2 Buden kassiert hat und paar Niederlagen im Gepäck, verlor die Mannschaft vollends Konzept und Glauben. Apropos Glauben: Fußball ist eben auch sehr Kopfsache und Hecking sagte zu Recht, dass man selbst und der Gegner wieder das Gefühl bekommen muss, dem Club reicht ein Tor zum Sieg. Die Auswirkungen wären wichtig, denn das verunsichert auch den Gegner. So hatte bspw. Dutt mit Freiburg trotz größter Personalsorgen einfach mal stürmisch begonnen – frei nach dem Motto: Falls wir ins Messer laufen und einen kriegen, was soll’s, es geht bestimmt noch was. Nach dem Tor stellten sich die Freiburger dann hinten rein und dachten sich: Bevor die ein Tor machen, schießen wir eher das zweite. Das muss bei uns insgesamt anderes werden.

Auf Schalke wird der Club defensiv beginnen und genau das versuchen umzusetzen, was Hecking vorgab. Also eher weniger Ballbesitz, sondern nach Balleroberung mit wenigen Pässen schnell über die Außen nach vorne. Und bei Ballbesitz Schalke abwarten und die Räume zustellen, aufrücken lassen und dann auskontern. Witzigerweise hat Magath uns irgendwie genau so den Saisonstart versaut.

Von wegen Magath, zum Schluss noch zu meinem Club. Wie siehst Du derzeit Schalke 04? Und wie erlebst Du die Fanfreundschaft, erlebst Du sie überhaupt?

Vorweg: Chapeau! Ich ziehe meinen Hut vor Magath. Was der zur Zeit anfasst klappt einfach – und es ist kein Zufall, sondern Arbeit mit Konzept. Aber ein Teil seines Konzepts ist auch die Mannschaft nach seinem Willen komplett umzustellen. Dass er das parallel zum aktuellen Erfolg wagt und angeht, ist riskant und das macht man nur, wenn man vor Selbstbewusstsein strotzt. Ob es gut geht, wird man erst am Ende der Saison wissen.

Aber ich muss auch schon kritisch sagen, dass Schalke durch den Sponsoren-Einfluss ganz viel Charme verloren hat. Die Wahrnehmung als russischer Werbeträger ist ein hoher Preis für den Erfolg. Zudem – ohne davon Ahnung zu haben – reiben wir uns schon in Nürnberg die Augen, warum ein angeblich derart hochverschuldeter Verein dem Club die Spieler wegholen kann. Diese Finanzakrobatik ist bei uns in Nürnberg trotz easy-credit-Stadion noch nicht angekommen.

Die Fanfreundschaft ist davon weitgehend unberührt, denn da geht es nur um die Menschen, die Fans. Hier sah ich bis vor 2 Jahren noch das Ende kommen, einfach weil solche Fanfreundschaften irgendwie nicht mehr in die Zeit passen und sich verlieren. Aber der Zufall wollte es, dass ich das letzte Spiel der Abstiegssaison, als wir einen Sieg gegen Schalke brauchten um nicht abzusteigen, in meinem Nürnberg im Schalker Gästeblock erlebte. Die ganze Atmosphäre dort, der gegenseitige Respekt, die fast familiäre Liebe zum Fußball und seinen Verein verbindet doch ungemein. Sicher ein Kontrastprogramm zum modernen Erfolgs-Fan oder mit schwarzer Kapuzenjacke vor Megafon, eher wie ein großes Zeltlager unter Freunden und Bekannten. Da wusste ich, dass die Fanfreundschaft Schalke und FCN noch lange nicht am Ende ist – zumindest bei den ganz normalen Fans.

Vielen Dank für den Einblick! Ich denke auch, dass die Fanfreundschaft weiterhin bestand haben wird. Ungeachtet alberner Stimmungsmache in Fan-Foren hat dieses Heimspiel doch einen eigenen, friedlicheren und offenen Charakter. Das einzige Heimspiel, in dem man auch im Unterrang der Arena die ganze Runde laufen kann, weil nichts abgesperrt werden muss.
Ich wünsche Dir und dem Club also alles Gute, bin aber egoistisch genug als dass ich hoffe, dass der sportliche Aufschwung Nürnbergs erst am 19. Spieltag beginnt.
Glück auf.




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