Arminia und die Chance zur Farbe

Der Ex-Bremer Diego war immer auch für die Klatsch-Spalten gut. Auf die vermeintliche Suggestivfrage, wie er das finden würde, antwortete Klaus Allofs überraschend: Man hätte sich vor einer Weile zusammengesetzt und überlegt, wie Werder Bremen aussehen solle. Und dabei habe man festgestellt, dass Werder auch in die Klatsch-Spalten müsse.

Wasser auf die Mühlen, die ich seit ewigen Zeiten drehe. Attraktiver Fußball und Erfolge hin oder her, es braucht mehr. Es braucht Spektakel, es braucht bescheuerte Fans, es braucht Lieblinge und Fieslinge, Schlagzeilen, Skandale, Tränen und Liebe, das ganze emotionale Arsenal. Deshalb werden, unabhängig vom Tabellenplatz, Eintracht Frankfurt, der 1. FC Köln und Schalke 04 immer mehr Sex-Appeal versprühen als Wolfsburg, Hoffenheim oder Leverkusen. Mehr als Bielefeld sowieso.

Arminia Bielefeld hat nun die Chance, zumindest schon mal in die Klatschspalten zu kommen! Presseberichten zu Folge haben sich Günter Eichberg, Rudi Assauer und Uli Stein bereit erklärt, dem Verein mit zurückgetretenem Vorstand zu helfen.
Eine leicht jähzornige Torwartlegende, ein Sonnenkönig und Good Ol’ Rudi, der Herr der Schlagzeilen und aktuell nur noch mit der Bildzeitung im Bett liegend; allesamt in verantwortungsvollen Positionen … da wird die Arminia mal spannend, da beginnt man sich für sie zu interessieren, da ist sie auch mal bei RTL Punkt 12 ein Thema!

Die Arminia sollte zuschlagen. Schlimmer als in der Bildzeitung ein Thema zu sein ist es, in der Bildzeitung kein Thema zu sein. Allofs weiß das. Klinsmann mittlerweile auch. Arminia könnte es erfahren.

Ein Sieg für die Ruhe

6. April 2009, Torsten Wieland

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Vielleicht. Jedenfalls war Ruhe das, was sich Mike Büskens vor dem Spiel wünschte, was er mit einem Sieg in Bielefeld erreichen wollte. Ob dem Sieg die Ruhe folgt, wird man sehen. Zunächst mal gibt es nun ein paar positive Geschichten in den Medien zu hören und zu lesen, obwohl in dem Spiel an sich gar nicht soviel anders war als zuvor.

Ein Mehr an Spielanteilen bei Problemen gute Chancen herauszuspielen sind nichts neues. Die doch noch zustande gekommenen Chancen zu vergeben, Pfostenschüsse, auch Freitag wie immer. Auch in Bielefeld hatte der Gegner kurz vor Schluss wieder eine gute Möglichkeit noch auszugleichen, als Sadik seinen Kopfball aus sechs Metern glücklicherweise über die Latte setzte.
Und doch ist man froh für jeden Hoffnungsschimmer. Also gab es zu bemerken, dass Christian Pander überhaupt wieder spielen durfte, nachdem Fred Rutten mit Blick auf die Defensive zuletzt Kobiashvili den Vorzug gab. Und man konnte sehen, dass Schalke nach der Führung zur Halbzeit mit dem Ziel, ein zweites Tor zu erzielen aus der Kabine kam.

Es fühlte sich nach einer kämpferischeren Einstellung, es fühlte sich nach „mehr Betrieb Richtung Tor“ an. Nur ein Gefühl, vielleicht. Aber in dieser Phase, zwischen enttäuschendem Saisonverlauf und neuen Zielen ist das Erzeugen von positiven Gefühlen, von einer wieder etwas optimistischeren Stimmung, sehr wichtig. Ebenso wie Ruhe.

Bliebe noch der Nebenschauplatz, der Fanblock.
Ich war nicht vor Ort, habe nur die Kameraperspektive der Dinge. Nachdem was ich mitbekommen habe gab es die Stimmung, den Pyro-Wurf, die Sprechblasen- und sonstige den Vorstand und Aufsichtsrat kritisierende Transparente, „Tönnies raus“-Rufe, seinen Besuch in der Kurve und seinen Abgang von dort, beschimpft und bespuckt.

Die Unterstützung der Mannschaft war großartig, das war auch im TV deutlich mitzubekommen. Das der Feuerwerks-Werfer von den Fans (unter „Meinungskundgebungen“) aus dem Block geworfen wurde, las ich in Foren und finde ich gut. Die Sprechblasen-Plakate fand ich kreativ und angemessen, wie Vorstand und Aufsichtsrat unseren Club darstellen ist unterirdisch und gehört kritisiert.
Das Tönnies in die Kurve ging mag man als anbiedernd oder mutig empfinden, einen Mann des eigenen Clubs zu bespucken, ob Frittenverkäufer, Spieler oder Aufsichtsratschef, finde ich in jedem Fall hochnotpeinlich! Und die ewigen Raus-Rufe zum jeweiligen Arsch der Woche kotzen mich ebenfalls an.

Ma’kucken, wie’s weitergeht. Es bleibt spannend.



[Bilder vom den Sprechblasen-Transparenten der UGE: 1, 2, 3, 4, 5, 6 ... 110 Bilder aus Bielefeld, auch von Clemens Tönnies’ Ausflug in den Fan-Block, gibt es (wie immer) bei Auswärtssieg, dem (stets empfehlenswerten) Blog von Matthias Berghöfer]

Bielefelds Nachlass

3. April 2009, Torsten Wieland

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Bielefeld … Bielefeld … etwas über Bielefeld … hmm.
Gut, natürlich aber da reden wir nicht mehr drüber.
Fahrstuhlmannschaft? Wikipedia führt unter diesem Stichwort die Arminia mit ihren insgesamt 15 Auf- und Abstiegen als Erstes auf. Aber originell ist das nicht, weiß doch jeder. Außerdem halten sie sich jetzt ja. In diesem Jahr bestimmt auch.
Spieler? Das Stefan Kuntz da mal gespielt hat hatte ich irgendwie vergessen. Ewald Lienen verbinde ich mit Arminia Bielefeld, und besonders Wolfgang Kneib, den bärtigen Riesen.

Ansonsten stößt mir Bielefeld immer nur dann auf, wenn Philipp Köster und Jens Kirschneck von „11 Freunde“ über ihren Club reden. Das irgendjemand natürlich auch die Arminia lieb haben muss, ist mir völlig klar. Das die Keimzelle des Magazins „11 Freunde“ aber das Arminia-Fanzine „Um 15:30 Uhr war die Welt noch in Ordnung“ gewesen ist, war mir nicht bewusst.

Das und noch viel mehr hat das großartige Schalker Fanzine „Schalke Unser“ in Erfahrung gebracht, als sie für die letzte Ausgabe eben die beiden Herren Köster und Kirschneck interviewten. Dieses Interview gibt es hier nachzulesen. Äußerst lesenswert, wie auch das „Schalke Unser“ stets kaufenswert ist.

Typisch Schalke

26. Oktober 2008, Torsten Wieland

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Es ist typisch Schalke, eine beträchtlichen Teil des Spiels mit „geduldigem Spiel“ zu vergeuden, und sich am Ende darüber zu ärgern, dass Bielefeld 5 Minuten durch Zeitspiel klaut.
Es ist typisch Schalke, dass nach Spielen gegen solch defensive Gegner in der Sportschau eine Satz wie „Schalke hatte Probleme mit dem Spielaufbau“ zu hören ist.
Und es ist typisch Schalke, dass die Zuschauer einen brauchen, auf den sie ihren Frust abladen können.

Kevin Kuranyi ist nun zum Helden erklärt worden, also brauchte es einen Anderen. Da kam Orlando Engelaar gerade recht. Durch seine Größe wirkt selbst die gelungenste Aktion wenig elegant. Er soll eine recht hohe Ablösesumme gekostet haben, und am Geld erhitzen sich die Gemüter ja gerne. Und ihm werden ungerechte Vorteile anderen Spielern gegenüber nachgesagt, weil er gemeinsam mit dem längst nicht mehr sonderlich beliebten Trainer aus Enschede kam.
Er machte Fehler in der Defensive, und insbesondere der in Hamburg, der zum 0:1 führte, gab das Startsignal. Gestern wurde er schon auf dem Weg zu seiner Einwechslung ausgepfiffen, bevor er überhaupt einen Fuß auf dem Platz hatte.

Dabei bräuchte es noch ein paar Engelaars mehr, um Abwehrbollwerke wie das der Arminia im gestrigen Spiel zu knacken. Einige Reihen hinter mir meckerte ein Herr, der wohl kein Blog schreibt und deshalb seine Meinung von seiner Treppe aus unter das Volk bringt, dass dieser Engelaar keinen Zweikampf annehmen wurde, „der spielt doch immer sofort wieder ab!“.

Eben so sollte es sein. Leider wird im Schalker Spiel der Ball zu oft getragen. Jermaine Jones ist ein Paradebeispiel. Im Vorwärtsgang gibt er sehr häufig den Lucio.

Ab und an ging es gestern aber trotzdem schnell. Wenn Schalke direkt spielte bekam Bielefeld sofort große Probleme. Doch zu häufig gelingen Kombinationen nicht, weil entweder ein Zuspiel nicht klappt oder doch wieder einer meint, selbst losmarschieren zu müssen. Es ist kein Zufall, dass nahezu jeder Schalker Chance, die nicht aus Standards oder Querschlägern entstand sondern selbst erspielt wurde, ein einfacher Doppelpass vorausging – die kleinste Form des Kurzpassspiels.

Vielleicht ist Schalke einfach noch nicht so weit. Vielleicht wollen sie ja, aber schaffen es nicht, über 90 Minuten Richtung gegnerisches Tor zu kombinieren. Vielleicht verfallen sie deshalb in jedem Spiel in diese „geduldigen Phasen“, in denen sie den Ball von rechts nach links und zurück spielen, vergeblich auf das Geschenk einer Lücke hoffend.

Gestern wurde viel versucht, gestern hat sich Schalke einen Sieg verdient. Das es nur ein Punkt wurde lag am guten Bielefelder Torwart Dennis Eilhoff und auch zu einem guten Teil an bloßem Pech. Hätte Schalke 2:0 gewonnen, hätte ich das Spiel insgesamt wohl als Fortschritt empfunden. So ärgere ich mich über das Ergebnis, bin nicht zufrieden und kann jeden Frust über zu große Sorglosigkeit verstehen. Verteufeln will ich die Leistung aber nicht.

[Foto: Jacoplane]

Gedanken zur Saison 2008/09

Infokasten kurtspaeterMorgen gehts endlich wieder los. Bundesliga. Ein Blick auf die Liga vor dem Start.

Wie gut, daß die Bayern Meister wurden, das Öffentlich-Rechtliche hat seine Mannschaft des Herzens und der Einschaltquoten gleich wieder Live im Programm.
Ist aber zugegebenermaßen auch eine schöne Geschichte. Klinsmann, der wohl cleverste Verkäufer seiner Arbeit, die trotzdem niemand wirklich kennt, in seinem ersten Spiel als Trainer der Bundesligamannschaft, an der er als Spieler gescheitert ist.
Das ist wohl die global spannende Frage dieser Saison: Schafft Klinsmann es, die Bayern wirklich zu verändern oder verändert er sie nicht, weil es sich um eine medial aufbereitete Veränderung handelt und die Herren Hoeneß, Rummenigge und Co. das Heft nur scheinbar aus der Hand geben? Und schafft er es im Wahn aller möglichen Nebenschauplätze (z.B. Buddhas, Leistungszentren, Pressekonferenzen/Fotos nach seiner Fasson, gefühlte 100 Trainer, eine Besonderheit die nur durch Lautstärke besonders wird) den sportlichen Erfolg in München zu halten.
Das Mannschaftspotenzial ist dabei unbestritten, Klinsmann selber wird zumindest offiziell immer über jeder Kritik stehen und dank seiner Cleverness hat er sich die Fans des FC Bayern direkt ins Boot geholt mit einem zu Tränen rührenden offenen Brief, der viel Plattitüden enthält, aber das Fanherz trifft/treffen kann.

Weiter geht es mit Trainern. Da sind noch drei andere neu.
Fredericus Jacobus Rutten ist die ganz große Unbekannte beim Lieblingsclub des Schreibers. Hat, nicht unclever, zwei teure Neuzugänge seines Vertrauens um sich gescharrt, leider aber das Problem, das erste wichtige Ziel mit dem schwersten Gegner wo möglich war zu erreichen. Beim Rückspiel in Madrid ist das Weiterkommen fast elementar für die Saison des Fc Schalke 04. Stimmungsmäßig jedenfalls.
Jürgen Klopp ist in Dortmund noch mehr Messias als Jürgen Klinsmann in München. Bei seiner ersten Trainerstation außerhalb von Mainz legt man ihm einen Klub zu Füßen, der in den letzten Jahren Trainer auf Trainer verbrannte, der in den letzten Jahren die konstanteste Inkonstanz der Liga darstellte. Nun aber soll es Klopp richten, einer der Trainer, der eine Aussendarstellung besitzt, die einem wunden Verein fast noch wichtiger sein muss als sein sportliches und taktisches Können. Dieses wird oftmals unterschätzt, ähnlich wie bei Volker Finke, der leider nie den Absprung schaffte. Man vergißt, daß Mainz ohne Klopp niemals Bundesligist geworden wäre und das Mainz mit Klopp taktisch sehr starken Fußball spielte. Dies muss er in Dortmund zügig hinbekommen, sonst wird er innerhalb eines halben Jahres endgültig zum Gute-Laune-August der Nation und enden wie sein Vorgänger. Wovon ich ausgehe, schließlich bin ich Fan von Schalke 04.
Der vierte und letzte im Bunde ist Martin Jol. Und mit Verlaub und obwohl die Berichterstattung überstrahlt wird durch seine drei Kollegen, der hat die beschissenste aller Aufgaben übernommen. Was allein mit dem Verkauf Rafael van der Vaarts zu erklären ist.
Aus einem Kandidaten für die UEFA-Pokal-Plätze ist eine graue Maus geworden. Die Abwehr ist stark, der Sturm ist berechenbar und technisch wie taktisch schlecht. Diese Tatsache dürfte einen Holländer, der schönen Fußball spielen lassen will, tränenreich in eine andere Liga flüchten lassen. Wenn ihm Didi Beiersdorfer nicht mit einer Entlassung zuvorkommt.

Man muss nicht gespannt sein, wenn man den Fußball von 1899 oder sagen wir aus Traditionsgründen (es sei an dieser Stelle auf die Traditionself verwiesen, die wohl einzige der Liga, in der man keinen Menschen kennt) doch lieber TSG Hoffenheim im letzten Jahr verfolgt hat. Das ist schnörkellos nach vorne und macht Spass. Das wird auch in diesem Jahr nicht anders sein. Und weil dem so ist wird diese Mannschaft eine gute Rolle spielen in dieser Liga. Richtung einstelliger Tabellenplatz.
Man sollte im Übrigen nicht glauben, daß dieser Verein wenig Zuspruch erfährt. Ich habe einen Kumpel in der alten Heimat, der wird “Hoffi” gerufen. Und ist Fan von Werder Bremen, aber allgemein immer für einen guten Fanartikel zu haben. Nun stellte sich heraus, das das Maskottchen der TSG Hoffenheim, ein Hirsch, “Hoffi” heißt. Natürlich haben wir sofort versucht, dieses Vieh zu besorgen, um dem Siegener “Hoffi” mit dem Hirschen eine Freude zu bereiten.
Die erstaunliche Antwort der Shop-Beauftragten:

Hallo Herr Kurtspaeter,
leider ist unser Maskottchen Hoffi derzeit nicht verfügbar. Dies wird wohl noch bis Ende des Jahres dauern.

Was bleibt sonst noch? Wolfsburg wird immer stärker und schickt sich an, die unbeliebteste Mannschaft der Liga zu werden, die Aufsteiger aus dem Rheinland sind wieder dort wo sie hingehören und mit dem Eff Ceh wirds auch bestimmt einiges Skuriles zu belächeln geben. Und seien es nur die Aussagen der Herren im Präsidium oder auf der Trainerbank.
Ich glaube, daß der Kampf um die internationalen Plätze extrem umkämpft sein wird, mit Wolfsburg, Leverkusen, Bremen, München, Schalke, Stuttgart, Hamburg fallen mir spontan sieben Mannschaften ein, die dieses Ziel haben und es fehlen noch Dortmund, Hannover oder Berlin, die zumindest dran schnuppern wollen. Wohlgemerkt, es geht nur um die Eigeneinschätzung der Vereine.
Untenrum sehe ich Bielefeld, Cottbus und Karlsruhe außer Konkurrenz. Alle anderen Mannschaften sind klar stärker einzuschätzen. Trotzdem bleibt einem dieser Teams der Gang in die Relegation, eine der Regelungen, die wohl niemals zu hundert Prozent Glückseligkeit hervorrufen. Da steht Kommerz gegen Saisonleistung.

Und sollte uns irgendwann langweilig werden mit der Bundesliga, dann empfehle ich statt einem Gang ins Stadion oder vor die Fernsehgeräte einen Besuch der Festung Westring, wo der alternde kurtspaeter die Liga-Mannschaft von UT Kiel in der neu geschaffenen Kreisliga (das ist jetzt 7.Liga) als Kapitän auf den holprigen Rasen führen wird. Vorallem da der körperlich arg strapazierte kurtspaeter erstmals seit Jahren (es müssten 9 sein) eine Vorbereitung wirklich (fast) komplett durchzog und nach Mitspielerinformationen mitunter als Strich in der Landschaft durchgeht. Gegenüber vor der Vorbereitung natürlich nur.
Aber ehrlich gesagt glaube ich nicht, daß uns langweilig wird. Mit der Bundesliga. Schön, daß es wieder losgeht.