Artikel zum Schlagwort ‘Arminia Bielefeld’

Gedanken zur Saison 2008/09

Infokasten kurtspaeterMorgen gehts endlich wieder los. Bundesliga. Ein Blick auf die Liga vor dem Start.

Wie gut, daß die Bayern Meister wurden, das Öffentlich-Rechtliche hat seine Mannschaft des Herzens und der Einschaltquoten gleich wieder Live im Programm.
Ist aber zugegebenermaßen auch eine schöne Geschichte. Klinsmann, der wohl cleverste Verkäufer seiner Arbeit, die trotzdem niemand wirklich kennt, in seinem ersten Spiel als Trainer der Bundesligamannschaft, an der er als Spieler gescheitert ist.
Das ist wohl die global spannende Frage dieser Saison: Schafft Klinsmann es, die Bayern wirklich zu verändern oder verändert er sie nicht, weil es sich um eine medial aufbereitete Veränderung handelt und die Herren Hoeneß, Rummenigge und Co. das Heft nur scheinbar aus der Hand geben? Und schafft er es im Wahn aller möglichen Nebenschauplätze (z.B. Buddhas, Leistungszentren, Pressekonferenzen/Fotos nach seiner Fasson, gefühlte 100 Trainer, eine Besonderheit die nur durch Lautstärke besonders wird) den sportlichen Erfolg in München zu halten.
Das Mannschaftspotenzial ist dabei unbestritten, Klinsmann selber wird zumindest offiziell immer über jeder Kritik stehen und dank seiner Cleverness hat er sich die Fans des FC Bayern direkt ins Boot geholt mit einem zu Tränen rührenden offenen Brief, der viel Plattitüden enthält, aber das Fanherz trifft/treffen kann.

Weiter geht es mit Trainern. Da sind noch drei andere neu.
Fredericus Jacobus Rutten ist die ganz große Unbekannte beim Lieblingsclub des Schreibers. Hat, nicht unclever, zwei teure Neuzugänge seines Vertrauens um sich gescharrt, leider aber das Problem, das erste wichtige Ziel mit dem schwersten Gegner wo möglich war zu erreichen. Beim Rückspiel in Madrid ist das Weiterkommen fast elementar für die Saison des Fc Schalke 04. Stimmungsmäßig jedenfalls.
Jürgen Klopp ist in Dortmund noch mehr Messias als Jürgen Klinsmann in München. Bei seiner ersten Trainerstation außerhalb von Mainz legt man ihm einen Klub zu Füßen, der in den letzten Jahren Trainer auf Trainer verbrannte, der in den letzten Jahren die konstanteste Inkonstanz der Liga darstellte. Nun aber soll es Klopp richten, einer der Trainer, der eine Aussendarstellung besitzt, die einem wunden Verein fast noch wichtiger sein muss als sein sportliches und taktisches Können. Dieses wird oftmals unterschätzt, ähnlich wie bei Volker Finke, der leider nie den Absprung schaffte. Man vergißt, daß Mainz ohne Klopp niemals Bundesligist geworden wäre und das Mainz mit Klopp taktisch sehr starken Fußball spielte. Dies muss er in Dortmund zügig hinbekommen, sonst wird er innerhalb eines halben Jahres endgültig zum Gute-Laune-August der Nation und enden wie sein Vorgänger. Wovon ich ausgehe, schließlich bin ich Fan von Schalke 04.
Der vierte und letzte im Bunde ist Martin Jol. Und mit Verlaub und obwohl die Berichterstattung überstrahlt wird durch seine drei Kollegen, der hat die beschissenste aller Aufgaben übernommen. Was allein mit dem Verkauf Rafael van der Vaarts zu erklären ist.
Aus einem Kandidaten für die UEFA-Pokal-Plätze ist eine graue Maus geworden. Die Abwehr ist stark, der Sturm ist berechenbar und technisch wie taktisch schlecht. Diese Tatsache dürfte einen Holländer, der schönen Fußball spielen lassen will, tränenreich in eine andere Liga flüchten lassen. Wenn ihm Didi Beiersdorfer nicht mit einer Entlassung zuvorkommt.

Man muss nicht gespannt sein, wenn man den Fußball von 1899 oder sagen wir aus Traditionsgründen (es sei an dieser Stelle auf die Traditionself verwiesen, die wohl einzige der Liga, in der man keinen Menschen kennt) doch lieber TSG Hoffenheim im letzten Jahr verfolgt hat. Das ist schnörkellos nach vorne und macht Spass. Das wird auch in diesem Jahr nicht anders sein. Und weil dem so ist wird diese Mannschaft eine gute Rolle spielen in dieser Liga. Richtung einstelliger Tabellenplatz.
Man sollte im Übrigen nicht glauben, daß dieser Verein wenig Zuspruch erfährt. Ich habe einen Kumpel in der alten Heimat, der wird „Hoffi“ gerufen. Und ist Fan von Werder Bremen, aber allgemein immer für einen guten Fanartikel zu haben. Nun stellte sich heraus, das das Maskottchen der TSG Hoffenheim, ein Hirsch, „Hoffi“ heißt. Natürlich haben wir sofort versucht, dieses Vieh zu besorgen, um dem Siegener „Hoffi“ mit dem Hirschen eine Freude zu bereiten.
Die erstaunliche Antwort der Shop-Beauftragten:

Hallo Herr Kurtspaeter,
leider ist unser Maskottchen Hoffi derzeit nicht verfügbar. Dies wird wohl noch bis Ende des Jahres dauern.

Was bleibt sonst noch? Wolfsburg wird immer stärker und schickt sich an, die unbeliebteste Mannschaft der Liga zu werden, die Aufsteiger aus dem Rheinland sind wieder dort wo sie hingehören und mit dem Eff Ceh wirds auch bestimmt einiges Skuriles zu belächeln geben. Und seien es nur die Aussagen der Herren im Präsidium oder auf der Trainerbank.
Ich glaube, daß der Kampf um die internationalen Plätze extrem umkämpft sein wird, mit Wolfsburg, Leverkusen, Bremen, München, Schalke, Stuttgart, Hamburg fallen mir spontan sieben Mannschaften ein, die dieses Ziel haben und es fehlen noch Dortmund, Hannover oder Berlin, die zumindest dran schnuppern wollen. Wohlgemerkt, es geht nur um die Eigeneinschätzung der Vereine.
Untenrum sehe ich Bielefeld, Cottbus und Karlsruhe außer Konkurrenz. Alle anderen Mannschaften sind klar stärker einzuschätzen. Trotzdem bleibt einem dieser Teams der Gang in die Relegation, eine der Regelungen, die wohl niemals zu hundert Prozent Glückseligkeit hervorrufen. Da steht Kommerz gegen Saisonleistung.

Und sollte uns irgendwann langweilig werden mit der Bundesliga, dann empfehle ich statt einem Gang ins Stadion oder vor die Fernsehgeräte einen Besuch der Festung Westring, wo der alternde kurtspaeter die Liga-Mannschaft von UT Kiel in der neu geschaffenen Kreisliga (das ist jetzt 7.Liga) als Kapitän auf den holprigen Rasen führen wird. Vorallem da der körperlich arg strapazierte kurtspaeter erstmals seit Jahren (es müssten 9 sein) eine Vorbereitung wirklich (fast) komplett durchzog und nach Mitspielerinformationen mitunter als Strich in der Landschaft durchgeht. Gegenüber vor der Vorbereitung natürlich nur.
Aber ehrlich gesagt glaube ich nicht, daß uns langweilig wird. Mit der Bundesliga. Schön, daß es wieder losgeht.

Vor 1904 Tagen

Großes Talent: Jahrgang 1981. Machte in Wolfsburg auf sich aufmerksam, war dort mit 21 Jahren bereits in der zweiten Saison Stammspieler. Dann wechselte er zu Bayern München. Dort hatte er noch 13 Einsätze in zwei Jahren. Heute ist er Ersatzspieler bei Arminia Bielefeld.

Großes Talent: Jahrgang 1981. Schaffte den Doppelsprung, wechselte aus der zweiten in die erste Liga, zum 1. FC Köln, avancierte dort zum Star, und während Köln abstieg wechselte er hoch, nach Leverkusen. 21 Jahre alt, setzte er sich auch dort durch, gehörte gegen Ende der Saison zum Stammpersonal. Dann aber hörte es auf, spielte er weniger, wurde nurnoch eingewechselt, bis er den Club Richtung Mainz verließ. Heute ist er Stammspieler bei Hannover 96. Beachtlich, aber nicht das, was man sich einst von ihm versprach.

Großes Talent: Jahrgang 1981. Stürmte als 21-Jähriger mit 1860 München wie ein Orkan in die Liga. 32 Einsätze, 13 Tore, 7 Vorlagen. Auch in der Folgesaison war der Schnitt mit 9 Toren in 28 Einsätzen noch gut. Als er, gerade 23 Jahre alt geworden, sein erstes Spiel für den Hamburger SV bestritt, hatte er 66% all seiner Bundesligatore bereits erzielt … Wechsel nach Stuttgart, Wechsel nach Hannover; Hannover 96 stellte ihn heute zum Saisonende frei.

Alle drei gaben auf Mallorca, unter Bundestrainer Rudi Völler ihr Nationalmannschafts-Debüt, schauten hoffnungsvoll in die Zukunft. Ihnen wurden große Karrieren geweissagt. Dabei war dieses Spiel bereits so was wie ihr Karrierehöhepunkt. Eine 1:3 Freundschaftsspiel-Niederlage gegen Spanien, in Palma de Mallorca, am 12.02.2003.
Heute vor 1904 Tagen.

Trainerkunst ist …

… einen Sinn darin zu sehen, bei einem Rückstand der eigenen Mannschaft die letzte Spielminute mit einem Spielerwechsel zu vergeuden. Augenthaler hat’s drauf, Frontzeck auch.

Augenthalers Einwechselspieler kam nicht mehr an den Ball. Frontzecks auch nicht.

[Quellen: kicker.de, dpainfocom via bundesliga.de]

China braucht Energie

Chinesen sind viele, ständig lächelnd und schnell begeistert. So sieht das auch die DFL. Und Asien sei wichtig, sagt Herr Daubitzer, schließlich stünde man im Verdrängungswettbewerb um die internationalen TV-Märkte mit den Spaniern und Italienern.

Das Problem des Herrn Daubitzer ist, dass die großen Bundesligaclubs zwar immer dann gerne durch die Welt reisen, wenn sie für geeignete Startgelder zu Freundschaftsspielen eingeladen werden, sie aber wegen des engen Terminkalenders dringend eine Pause brauchen, wenn es um eine Werbetour zu Gunsten des zentral vermarkteten DFL-Fernsehrechte geht.

Also geht die DFL gezielt vor, sagt Herr Daubitzer. Da werden Jugendtrainings live übertragen – bei so vielen Asiaten wird das schon irgendjemand schauen. Und es werden Teams mit Bezug hingeschickt. Cottbus und Bielefeld hatten beispielsweise Zeit.

Cottbus hat schließlich einen Chinesen im Kader. Und den Piplica, den bunte Vogel, den mögen die Asiaten auch bestimmt!
Und Bielefeld? Die spielen dann eben gegen den FC Wuhan. Mit Wuhan hat Bielefeld eine Städtepartnerschaft, sagte die DFL dem Herrn sid. Das freut die Chinesen, wenn Freunde kommen!
Auch wenn das mit der Städtepartnerschaft in Bielefeld niemand zu wissen scheint.
Aber immerhin spielt Bielefeld ja auch in Blau.

Update:
Ich habe nochmal nachgehakt. Hätte ich zugegebenermaßen direkt machen können. Aber immerhin.
Herr Bertels vom Presseamt der Stadt Bielefeld hat meine Vermutung binnen Stunden bestätigt, trotz des zwischen den Jahren Seins:

„Es gibt keine offizielle Verbindung zwischen den beiden Städten. Es war ja auch kein Rathaus-Team in China, sondern unsere Profis von Arminia.“

Eben. Arminia Bielefeld hat in 2005 einen Vertrag über eine Kooperation mit dem FC Wuhan abgeschlossen und erste Kontakte zu zwei Erstligisten aus Peking hergestellt. Eine Städtepartnerschaft ist aber etwas völlig anderes.

Besondere Vorkommnisse: Keine

(Zum Spiel FC Schalke 04 – Arminia Bielefeld)

Bielfeld ist nicht Valencia und Rakitic darf noch keine Elfer schiessen. Das dürften auch schon alle Erkenntnisse aus dem gestrigen Spiel gewesen sein.

Schalke war überlegen, von Beginn an bis zum Schluss. Bielefeld schoss in der 12. Minute einmal übers Tor und erreichte in der 90. Minute eine Ecke; das war’s. Schalke erspielte sich viele Chancen, machte bis zum Ende Druck. Gemessen an den vielen Chancen waren es eigentlich zu wenig Tore. Aber das Spiel endete 3:0, da kann man sich das Meckern für passendere Momente aufheben.

Es war ein Pflichtsieg, wenn das Saisonziel nicht allzu unrealistisch hoch gesetzt wurde. Dienstag geht’s zum MSV, Freitag kommt Hertha BSC auf Schalke. Im Oktober könnte Schalke in der beabsichtigen Tabellenregion zu finden sein. Ich bin da ganz optimistisch.

Möchtegernzweiter gegen Bayernjäger

(Das immer schwerste Spiel: Armina Bielefeld)

Schalke hat den Anspruch, Jäger der Bayern sein. Aktuell ist das Arminia Bielefeld. Darauf angesprochen antwortet Ernst Middendorp:

„Ihr seid ja alle krank. Da muss man schon ein bisschen mad im Kopf sein, wenn man auf diese Diskussion einsteigt.“

… um danach in langen, sehr langen Sätzen über stärken und schwächen von Schalke 04 zu referieren. Alles was er sagt hat Hand und Fuß. Ab und an braucht es aber eine Pausetaste, um sich dessen klar zu werden.

Slomka ist anders. Verständlicher, aber auch eine Spur langweiliger, weniger direkt. Auch bei ihm lohnt es sich hinzuhören. Obwohl er nicht auf die Spielerkritik an die Fans, auf die schlechte Stimmung beim ernüchternden Spiel gegen Valenica angesprochen wurde, schiebt er das Thema seiner Antwort unter.

„Wir werden eine Mannschaft präsentieren, die erfolgreich spielen wird, die auch wieder den nötigen Lärm erzeugt, um Druck auf die Bielefelder auszuüben.“

Hoffentlich behält er recht. Nun ist es entgültig an der Zeit, zu siegen. In München einen Punkt zu holen ist ok, zu Hause gegen Bielefeld ist das zu wenig, auch wenn Bielefeld gut gestartet ist.

Bielefeld will ein bisschen wie Valencia spielen. Ich denke nicht, dass es das drauf hat.
Valencia hat auf Schalke gewonnen, weil fast jeder einzelne Spieler seinem Gegenüber in Sachen Ballbehandlung überlegen war. Wurde Schalke bei Ballbesitz unter Druck gesetzt, folgte noch ein ordentlicher Pass, beim zweiten holperte der Knicker, beim dritten war er weg. Als Schalke zurücklag und Valencia unter Druck setzen wollte, ließen die Spanier den Ball nach Lust und Laune in den eigenen Reihen zirkulieren.

Gegen Bielefeld werden die Unterschiede in der individuellen Klasse nicht mehr ganz so groß sein.

[Quellen: Schalke-Podcast (direkt, feed), Arminia-Podcast (direkt, feed)]

Ernst Middendorp liest „11 Freunde“

Andreas Neuendorf in seinem Offenen Brief an die neue Fußballergeneration, in der aktuellen Ausgabe der „11 Freunde“, vor neun Tagen veröffentlicht:

„Ein Trainer hat mir nach der Mannschaftsbesprechung mal gesagt, ich wäre der Erste, der ins Spiel käme, wenn er wechselte. Als ich auf der Ersatzbank Platz nahm, hörte ich plötzlich von meinem Nebenmann, dass er ihm genau dasselbe erzählt hat. Unser Gespräch bekam zufällig ein dritter Spieler mit. Ihm hatte der Coach auch mitgeteilt, dass er 12. Mann wäre.“

Ernst Middendorp in einem Interview bei Welt.de, vorgestern:

„Es gibt Trainer, die sagen vor Beginn eines Spieles zu jedem Ersatzspieler: „Wenn ich einwechsle, dann bist du meine erste Option.“ Dann sitzen die fünf nebeneinander auf der Bank und stellen fest, dass er zu allen das Gleiche gesagt hat. Das ist doch fürchterlich.“