Da kann man kaum noch sauer sein. Eher ist es einem peinlich. Schalke 04 präsentiert sich in Madrid als unterklassiger Gegner.
Da hofft man auf eine gut organisierte Defensive, und muss sehen wie die halbe Mannschaft dem Gegner zu viel Platz lässt. Da hofft man auf Zug zum Tor, und erlebt mutloses Quergeschiebe. Da hofft man auf gefährliche Standards, und die Eckbälle fliegen in einem Meter Höhe dem Gegner auf die Knie.
Schalke hatte einfach keine Antwort, mit der ersten guten Chance für Madrid stellten die Blauen das Fußballspielen weitestgehend ein. Ab da hatte ich ein schlechtes Gefühl, wenn der Ball Richtung Mathias Schober lief. Und Mathias Schober wohl auch.
Kobiashvili lief häufig durch den viel zu freien Raum und auch Christian Pander war völlig überfordert. Bordon wurde zur Hyperaktivität genötigt, versuchte überall zu sein, entsprechend fehlte er hier wenn er dort war, konnte er alleine nicht dicht halten, ohne Unterstützung.
Als ich oben aber peinlich schrieb, meinte ich mehr noch das Spiel nach vorne, als das mangelhafte Defensivverhalten. Vorne ging gar nichts.
Zwar durfte Schalke den Ball in der gegnerischen Hälfte führen, aber sie wussten mit ihm nichts anzufangen, waren spielerisch und technisch nicht in der Lage, den Gegner auszuspielen und Chancen zu generieren. Rakitic und Kuranyi wirkten richtiggehend lethargisch. Wenn der blasse Kuranyi bei einer Ecke in Großaufnahme gezeigt wurde, mit leerem Blick eine mögliche Chance erwartend, bekam ich Angst er würde jeden Moment mit Kreislaufproblemen umkippen! Ihn, dem man ansonsten zumindest Einsatz und Aggressivität nie absprechen kann, so zu sehen, machte mich tatsächlich sprachlos.
Jedenfalls hatte Atlético Madrid mehr Respekt vor Schalke 04, als Schalker Spieler an Selbstvertrauen im Gepäck hatten. Anders kann nicht erklärt werden, dass sich die Spanier nach der 2:0 Führung derart zurückzogen. Und Schalke konnte den geschenkten Raum trotzdem nicht nutzen.
Ja, Schalke kam zu Chancen. Es flogen hohe Bälle in den Madrider Strafraum, und der Knicker flipperte an Freund und Feind vorbei, jeweils knapp daneben. Als diese Phase begann durchfuhr mich tatsächlich der Gedanke, dass das Schalker Tor, wenn es denn fiele, bitte bitte möglichst spät fallen soll, weil ich mir sicher war, dass Atlético, würden es nur wieder normal spielen, jederzeit weitere Großchancen generieren könnte.
Das Schalker Tor fiel nicht, weil das Schalker Spiel zu sehr auf Zufall aufgebaut war. Weil Schalke einfach schlecht war. Weil eine gute von insgesamt 4 Halbzeiten nicht ausreicht. Da war kein Pech dabei, keine entscheidende Schiedsrichter-Fehlleistung. Schalke hatte es in der Hand, und Schalke hat’s versaut.
Jetzt fällt mir gerade wieder ein, am Samstag geht’s gegen Bochum.