Schalke 04 besiegt Bayer Leverkusen mit 1:0. Mag es auch kein Spiel gewesen sein, bei dem sich neutrale Zuschauer an Raffinesse oder Kunst erfreuen konnten, so war es für Fans doch ein packendes, ein enges und intensives Spiel, in dem ständig was passierte und das nie langweilig wurde. Was die Defensivarbeit angeht war dies zweifellos Schalkes beste Saisonleistung. Der entscheidende Mann dabei war Jermaine Jones.
Schalke war von Beginn an sehr wach und konzentriert. Zwar griff man den Gegner in vielen Phasen erst ab der Mittellinie an, was mir persönlich nicht gefällt, aber in der eigenen Hälfte konnte man doch bemerkenswert viele Bälle erobern und lies Leverkusen kaum Möglichkeiten, Andre Schürrle einzusetzen. Joel Matip antizipierte hervorragend, lief und stand sehr häufig sehr richtig. Kyriakos Papadopoulos war der Mann fürs Grobe, neben Matip ebenfalls sehr zuverlässig. Beide hatten in Jermaine Jones die Kombination ihrer selbst vor sich.
Jones spielte überragend. Die frühe Gelbe Karte in der 8. Minute schien ihn eher zu disziplinieren als zu behindern, das ungestüme Einsteigen in der 81. Minute bildete da die Ausnahme. Er trieb die Gegner bei deren Ballbesitz vor sich her, dorthin wo er sie haben wollte, dahin wo es eng war, wo Schalke Bälle erobern konnte. Jones war immer irgendwie da, war unglaublich präsent.
Diese überraschend stabile Defensive machte es Lars Unnerstall in seinem Bundesliga Startdebüt leicht. Das war für unsereins auch deswegen beruhigend, weil sich Lars Unnerstall, bei aller Sympathie, das Vertrauen in seine Fähigkeiten erst noch erarbeiten muss. Noch weiß man nicht so recht, woran man bei ihm ist, auch nach diesem Spiel noch nicht. Die (vier) Schüsse auf sein Tor waren nicht allzu schwierig. Die Gelassenheit, die er an den Tag legte, war aber sehr angenehm.
Jones konnte auch deshalb dieser Jones sein, weil Lewis Holtby seinen Job gut machte. Holtby leitete die Gegenstöße ein, löste sich nach Ballgewinn und stürmte nach vorne, war stets anspielbar und verteilte die Bälle. Schalke versuchte immer, sein Offensivspiel durchzubringen. Am Ende fehlte es häufig an Präzision oder es war ein Leverkusener Bein dazwischen. Außer eben bei diesem einen Mal.
Leverkusen hat sich dumm angestellt, als Jefferson Farfán dem Treffer des Tages entgegenstürmte. Natürlich hätten sie ihn festhalten müssen, Kadlec und Bender waren dran, die Rote Karte hätten sie riskieren müssen. Vielleicht trauten sie ihm den Abschluss nicht zu. Vielleicht waren sie nach dem 80 Meter Sprint selbst derart fertig, dass es ihnen außerhalb des Möglichen war, daran zu glauben, dass Farfán noch die Kraft für einen solchen Schuss aufbringen könnte. Er konnte. Mit dem schnellsten Mann geradewegs nach vorne und Tor; so wie man es selbst früher auf dem Computer hundert Mal fabrizierte – und der Gegner spielte im Amateurmodus.
Hätte der Schiedsrichter Farfáns Balleroberung abpfeifen müssen? Hätte Jones vom Platz gestellt werden müssen? Damit darf argumentieren wer will. Das ganze Spiel war so, wie die Zweikämpfe zwischen Jermaine Jones und Michael Ballack. Es war giftig und es ging nicht um Fairness, sondern um das Ausreizen der vom Schiedsrichter gesetzten Grenze des Erlaubten. Am Ende gab es aber zumindest von Ballack im Sky-Interview kein böses Wort zu hören. Man kann Ballack mögen oder es lassen, fest steht, der Mann versteht das Spiel im Ganzen.





Vielleicht steht in Leverkusen ja schon Timo Hildebrand im Schalker Tor, auszuschließen ist bei diesem Verein meines Erachtens gar nichts. Aber egal wer, wichtig ist, dass er die Knicker hält, die auf ihn zufliegen, und natürlich dreht sich darum die heutige X Frage … aus gegebenem Anlass, sozusagen …



