Artikel zum Schlagwort ‘Bayer Leverkusen’

Glas halbvoll/halbleer-Spiel in Leverkusen

Schalke holt einen Punkt in Leverkusen, spielt 1:1. Reicht das? Ist das zu wenig? War das verdient? War es glücklich? Eins dieser Spiele, die sich jeder zurechtbiegen kann, nach denen es kein richtig und kein falsch gibt. Meines Erachtens geht das Ergebnis in Ordnung; ärgerlich war’s trotzdem.

Sascha Riether sorgte mit seinem Eigentor für Leverkusens glücklichen AusgleichKeine Frage: Leverkusen hatte eine Handvoll bester Chancen. Mehrmals flog der Ball die Schalker Torlinie entlang oder schlitterte knapp am Pfosten vorbei. Aber was soll’s: Fakt ist, dass Leverkusen nicht in der Lage war, den Knicker über Schalkes Torlinie zu bugsieren! Ärgerlich, dass Sascha Riether für Leverkusen günstig im Weg stand.

Nach den Begegnungen gegen Dortmund und München war Schalke diesmal kein Außenseiter. Dies war eine Partie auf Augenhöhe. Gerade im ersten Teil der ersten Halbzeit und gleich nach der Pause agierte Schalke sehr erwachsen, mit guter Raumaufteilung und nach Ballgewinn stets nach vorne spielend. Aber Leverkusen spielt schon seit letzter Saison unter diesem Trainer, hat sein druckvolles Spiel eingeübt und wusste es durchzusetzen, jeweils in den zweiten Hälften beider Halbzeiten.

Schalke ist daran gescheitert, die Führung über die Zeit zu bringen. Andererseits war es ein ordentlicher Auftritt und man hat einen Punkt aus dem Stadion eines Konkurrenten um die internationalen Plätze entführt. Dass es keine drei Punkte wurden war durch das Eigentor derart unglücklich, dass ich nicht zu harsch urteilen mag.

Nach der guten Punkteausbeute zu Beginn der Saison und der schlechten gegen die starken Clubs im November muss Schalke nun in die Spur finden. Schalke liegt gerade zwei Punkte hinter Platz 4, bis Weihnachten sind noch drei Ligaspiele zu spielen. Diese drei Spiele gegen Hannover, Augsburg und Hoffenheim werden dazu herhalten müssen, das Ergebnis aus Leverkusen einzuordnen. Ma’kucken.



Foto: Tomek Bo

Gruppe Zwo & die Spielstärke-Tests

Bayern München und Borussia Dortmund stehen über dem Rest der Liga, sowohl was die theoretische Kaderqualität, als auch was das Spiel auf dem Rasen angeht. In einer sich aus einem gewissen Selbstverständnis ergebenden Gruppe 2 spielen Bayer Leverkusen, Borussia Mönchengladbach, der VfL Wolfsburg und Schalke 04 seit Jahren um die internationalen Plätze. Dies möchten sie auch in dieser Saison wieder tun. Gemeinsam haben sie allerdings, dass sie gegen sehr defensiv auftretende Gegner keine guten Ergebnisse erzielen.

Schalkes Spiel am 2. Spieltag nannte ich den „Darmstadt-Test“. Ich hätte es auch den „Spielstärke-Test“ nennen können: Eine Partie gegen einen Gegner, dessen erstes Ziel ein 0:0 ist, der natürlich versucht Fehler auszunutzen, dessen oberste Priorität aber im Verhindern des Spiels der Anderen liegt. Neben Darmstadt 98 treten auch der FC Ingolstadt und der 1. FC Köln mit diesen Zielsetzungen an. Köln hat dabei das Umschaltspiel nach Ballgewinn am weitesten entwickelt, Darmstadt 98 am wenigsten weit.

Der Erfolg dieser Spielweise ist der Misserfolg derjenigen, die dagegen anspielen. Dass Darmstadt 98 nach 12 Spieltagen bereits 14 Punkte gesammelt hat ist ein Schlag ins Gesicht der Clubs, deren Kaderqualität um ein vielfaches höher liegt und die es eigentlich besser können müssten. Gegen solche Gegner braucht es Tempo und Präzision. Es braucht ein variables Ballbesitzspiel, die Fähigkeit, den Gegner „auseinanderzuspielen“ und die knappen Räume zu nutzen. Vergleicht man die Ergebnisse der Clubs aus Leverkusen, Gladbach, Wolfsburg und Schalke gegen die besagten defensive Gegner zeigt sich, dass sie allesamt immer wieder an diesen „Spielstärke-Tests“ scheitern.



Hat tip für die Idee an Rjonathan

Hätte, hätte …

… Fahrradkette. Schalke verliert 0:1 gegen Bayer Leverkusen und an Boden im Kampf um die Champions League-Plätze! Nach Abpfiff regierte der Konjuktiv. Aber der hilft eben nur bedingt weiter.

Schalke hätte einen indirekten Freistoß bekommen müssen, als Ömer Toprak die Prince-Hereingabe für seinen Torwart zurechtlegte und dieser zugriff. Schalke hätte einen Strafstoß bekommen müssen, als Roberto Hilbert den Ball im Strafraum mit der Hand abwehrte. Ein Witz, dass ein Schiedsrichter durchgehen lässt, dass sich ein Spieler wie ein Torwart in den Schuss stellt. Auch ich bin Fan, ich war der erste der pfiff. Und doch sind solche Klagen spätestens nach Spielschluss schädlich. Denn sie lenken von den eigenen Verfehlungen ab, sie schieben anderen die Schuld zu, in diesem Fall dem Schiedsrichter. Dieser war schlecht, ja, ohne Frage. Aber Schalke war eben auch schlechter als Leverkusen. Leverkusen gewann dieses Spiel nicht durch Schiedsrichter Gagelmann, sondern verdient. Das ist das eigentlich Ärgerliche.

Leverkusen ging 4 Tage zuvor in der Champions League gegen Atletico Madrid in die Verlängerung und ins Elfmeterschießen, und doch wirkte Leverkusens Mannschaft spritziger und kampfbereiter als Schalke. Schalke gab nicht auf, kämpfte bis zum Schluss, und doch war Leverkusen klarer in seinen Aktionen, technisch besser, abgezockter. Es lag nicht an der Taktik, Schalke kam ja in die geeigneten Situationen. Es lag an der Ausführung. Schalke war in den entscheidenden Momenten nicht gut genug.

Acht Spieltage vor Saisonende liegt Schalke 6 Punkte und 10 Tore hinter einem zur Champions League-Teilnahme berechtigenden Tabellenplatz zurück. Und auch daran ist kein Schiedsrichter, keine Weltverschwörung, nicht der Papst oder irgendwelche Globuli schuld. Schalke war eben nicht nur gegen Leverkusen nicht die bessere Mannschaft, man war auch gegen Hertha BSC, Werder Bremen und Eintracht Frankfurt nicht die bessere Mannschaft! In der derzeitigen Form gehört Schalke keinesfalls zu den vier besten Mannschaften der Bundesliga. Nach nunmehr 26 Spieltagen ist es nicht besonders enttäuschend, sondern sehr nachvollziehbar, dass Schalke nur auf dem 5. Tabellenplatz zu finden ist. Darüber darf eben auch kein Sieg im Bernabeu Stadion, gegen ein nicht verteidigendes Real Madrid hinwegtäuschen, nach dem Schalke eben auch aus dem Champions League-Wettbewerb ausschied.

Nach der anstehenden Länderspielpause wird hoffentlich wieder Ralf Fährmann für den überforderten Timon Wellenreuther im Tor stehen. Jefferson Farfán wird wieder eine Alternative für die Startformation sein, vielleicht kehrt sogar Julian Draxler zurück. Aber von den verbleibenden 8 Ligaspielen finden 5 auswärts statt, und bislang war Schalke auswärts dramatisch schlecht: Lediglich 3 von 12 Auswärtsspielen konnten die Blauen gewinnen.

Ob Schalkes Konkurrenten im Kampf um die Champions League-Plätze, ob Leverkusen oder Gladbach noch die nötigen Punkte liegen lassen? Ich weiß es nicht. Aber selbst wenn sie es täten wäre eine Siegesserie der Blauen notwendig, um die Tabelle entsprechend zu verändern. Nichts spricht dafür, dass Schalke das zu leisten im Stande ist.

Ich hoffe gerne und ich drücke die Daumen. Allein mir fehlt der Glaube. Die Leistungen bisher, sie waren nicht so.



Und so sieht man es von der anderen Seite, übrigens:
11 Sätze zum Spiel: „Auch auf Schalke steht die Bundesliga-Null – Kurs Königsklasse!“

Schalke ist jetzt anders nicht komplett

Schalke 04 verliert in Leverkusen 1:0. Für alle Schalke-Fans ein enttäuschendes Spiel, weil die Blauen nur defensiv und somit eben eindimensional auftraten – auch noch nach dem Rückstand.

Bis zur Halbzeit ging es mir mit diesem Spiel eigentlich noch recht gut. Schalkes Abwehr funktionierte, Leverkusen kam lediglich nach einem Fehlpass Draxlers zu einem gefährlichen Abschluss. Ein Abschluss mehr, als Schalke zu verbuchen hatte, trotzdem gab es einige Situationen, die, besser ausgespielt, zu Chancen hätten werden können. Man sah wie es hätte gehen könnte.

Letztlich war es ein unnötiges Foul von Kaan Ayhan, das zu dem entscheidenden Freistoß zum 1:0 für Bayer führte. Aber das Ergebnis darauf zu reduzieren wird dem Spielverlauf nicht gerecht. Leverkusen war im Kleinen besser und im großen Ganzen kompletter.

Dass Schalke mit dem extremen Pressing Leverkusens Schwierigkeiten haben würde, war seit Saisonbeginn klar. Schalke tut sich mit dem Spielaufbau aus der Abwehr seit langem schwer, erst recht wenn Joel Matip nicht auf dem Platz steht. Leverkusen setzte jeden ballführenden Schalker sofort unter Druck. Diesem Druck hielt der jeweilige Schalker selten stand und die Unterstützung war nicht gut organisiert. Es fehlte an Präzision und die Offensivspieler waren häufig allein auf weiter Flur.

Dass Schalkes Spiel nicht komplett sei, dass Schalke nur 50% gut könne, formulierte ich bereits nach dem letzten Spiel unter Jens Keller. Daran konnte sich in 18 Tagen seit dem Trainerwechsel nichts Grundlegendes ändern. Roberto Di Matteo hat bislang lediglich die Prioritäten verschoben. Jens Keller bemühte sich stets um das Offensivspiel und bekam nie die Probleme in den Griff, die seine Mannschaft beim Umschalten in die Defensive nach Ballverlusten hatte. Roberto Di Matteo konnte das sofort verbessern. Ob er darauf aufbauend auch ein gutes Offensivspiel entwickeln kann, ob Schalke also demnächst wieder „komplett spielen wird“, bleibt abzuwarten. Leverkusen war Schalke in der Entwicklung zu gutem Fußball jedenfalls um einiges voraus.

Kurios oder nicht: Papadopoulos nach Leverkusen

Kyriakos Papadopoulos wird bis Saisonende an Leverkusen ausgeliehen. Leverkusen zahlt dafür 1 Million Euro an Schalke. Sein Vertrag bei Schalke läuft noch bis 2016. Eine Kaufoption hat Bayer nicht. So ist es jedenfalls zu lesen.

Kurios. Seine eher seltenen Einsätze, selbst in der Vorbereitung, begründete Trainer Jens Keller damit, dass sein Knie „immer wieder Reaktionen“ zeigen würde. Übernimmt Bayer Leverkusen einen Gehalt-Star (auf Schalke soll Papadopoulos rund 3 Millionen pro Jahr verdient haben) trotz fragwürdiger Fitness? Warum gibt Schalke einen derart talentierten 22-Jährigen an einen direkten Konkurrenten um die Champions League-Plätze ab, wenn er doch diesem ausreichend gesund erscheint?

Vielleicht doch nicht so kurios. Kyriakos Papadopoulos fehlte seit anderthalb Jahren, Schalke hat sich längst ohne ihn eingerichtet. Mit Benni Höwedes und Joel Matip hat Schalke nach Liga-Maßstäben ein Top-Innenverteidigerpaar, mit Felipe Santana und Jan Kirchhoff stehen Alternativen bereit, die in fast allen Bundesligaclubs Stammspieler wären. Ein topfitter Papadopoulos könnte Schalke helfen. Die dosierten Einsatzzeiten, um ihn wieder an ein Top-Niveau heranzuführen, kann sich Schalke aber kaum leisten. Ein 3 Millionen Gehalt für einen Rekonvaleszenten will sich Schalke sicher nicht leisten.

Nach anderthalb Jahren ohne Spielpraxis ist Kyriakos Papadopoulos‘ Marktwert im Keller, daher kann Schalke derzeit an keinem Verkauf interessiert sein. Das kann sich in der kommenden Saison nur verbessern, Papadopoulos wird die Chance bekommen, sich zu zeigen. Vielleicht auf Champions League-Niveau und dann damit auch auf der ganz großen Bühne. Vielleicht ist es dann im kommenden Sommer an Schalke, Geld mit einem Transfer zu verdienen; oder es bleibt wie es jetzt ist.

Die Leihe an einen Konkurrenten mag kurios anmuten. Nach kurzer Besinnung scheint sie mir für Schalke 04 aber ein ganz gutes Geschäft zu sein.

Bedenken aus Erfahrung

Am Ende einer Saison läuft Schalke „auf der letzten Rille“, wird es immer nochmal spannend, verliert man in Stuttgart. Ohne Drama ist Schalke nicht denkbar. Obwohl der FC Schalke 04 der Neuzeit ein überaus erfolgreicher Bundesligaclub ist, käme man doch nie auf die Idee, ihn als „souverän“ zu bezeichnen. Das sind keine Vorurteile, sondern Erfahrungswerte. In der Schlussphase der Saison fällt Schalkes Punkteschnitt deutlich ab.

Für mich beginnt die „Neuzeit“ mit der Saison 2000/2001. Eben mit dem bis heute nachhallenden, tragischen Ende einer insgesamt großartigen Saison. Mit dem Abschied aus dem Parkstadion und den Bezug der Arena. Seit dieser Saison und bis heute haben 8 Clubs stets in der ersten Liga gespielt: Bayern München, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen, Werder Bremen, der VfB Stuttgart, der Hamburger SV, der VfL Wolfsburg und Schalke 04. In diesem Zeitraum war Schalke nach Punkten, hinter Bayern München und Borussia Dortmund, der drittbeste Club. Betrachtet man allerdings ausschließlich die letzten 4 Spieltage der einzelnen Spielzeiten, holte lediglich der Hamburger SV noch weniger Punkte als Schalke 04.

Mit Beginn der Saison 2000/2001 und bis heute haben die genannten Clubs jeweils 473 Bundesligaspiele bestritten. Schalkes Schnitt liegt bei 1,71 Punkten pro Spiel. Nur auf die jeweils letzten 4 Spieltage der einzelnen Spielzeiten bezogen fällt der Schalker Punkteschnitt auf 1,40. Das ist die größte Verschlechterung aller 8 Dauerbundesligisten in dieser Zeit.

Der Punkteschnitt des HSV an den letzten 4 Spieltagen liegt bei 1,21 Punkten. Allerdings kommen die Hamburger auch insgesamt nur auf einen Wert von 1,42. Die Werte aller sechs anderen genannten Clubs steigen an den letzten 4 Spieltagen, zu lasten der nicht dauerhaft in der ersten Liga verbliebenen Clubs; und eben zu Lasten des HSV und Schalkes. Fast wie zu erwarten steigert sich der Schnitt Bayern Münchens am deutlichsten, vom ehedem besten Gesamtschnitt (2,13) auf einen noch besseren Schnitt in der Saisonschlussphase (2,36).

In der Balkengrafik oben sind Schalkes erreichte Punkte an den jeweils letzten 4 Spieltagen seit 2001 dargestellt. Tröstlich ist, dass es natürlich stets nur um das Erreichen eines bestimmten Zieles geht, und dass dazu kaum die volle Punktzahl aus diesen Spielen benötigt wird. Wie gesagt, der FC Schalke 04 der Neuzeit ist ein erfolgreicher Club, fast immer international vertreten. Der Unterschied des Punkteschnitts der Schlussphase im Vergleich zur Gesamtsaison ist dennoch bemerkenswert und durchaus ein Argument, vielleicht ein Grund, für die allerorts anzufindenden, knusseligen Schalker Dauerpessimisten; auch wenn mir das nicht gefällt.

Eine Frage der Verhältnisse

Bayer Leverkusen verlor sein Hinspiel im Champions League-Achtelfinale gegen Paris St. Germain mit 0:4. Jetzt hagelt es, mal nur Kritik, mal Hohn und Spott. Dabei spiegelt das Ergebnis lediglich die finanziellen Kräfteverhältnisse zwischen diesen beiden Fußballclubs wieder. Eigentlich ist dieses Ergebnis völlig normal, eigentlich ist ähnliches auch für das Spiel des FC Schalke 04 gegen Real Madrid zu erwarten. Dass man das tatsächlich nicht erwartet, dass man ein derartiges Ergebnis als zu heftig empfindet, ist die eigentliche Leistung der deutschen Clubs in der Champions League.

Bayer 04 ist Teil eines Weltkonzernz und der FC Schalke 04 gehört durch hohe Einnahmen aus Werbung, TV und sportlichen Erfolgen zu den umsatzstärksten Fußballclubs der Welt. „Big Spender“ sind beide trotzdem nicht, anders als ihre Champions League-Gegner. Für Stars wie Thiago Silva oder Zlatan Ibrahimovic, für Christiano Ronaldo oder Gareth Bale, pumpen die katarischen Besitzer St. Germains und Real Madrid mehr Geld in ihre Mannschaften, als in Leverkusen und Gelsenkirchen über ein Jahrzehnt investiert wird. Bei diesen Größenordnungen kann aus Deutschland nur der FC Bayern München mithalten; temporär, bis die letzten unter der 50+1 Regel zu verkaufenden Anteile veräußert und das Geld ausgegeben wurde.

Im Fußball ist man nie per se chancenlos. Ich hoffe und traue es Schalke 04 zu, dass man auf dem Platz gegen Real Madrid gegenhalten und gute Spiele liefern kann, dass man nicht hoffnungslos untergeht. Sollte das Jens Kellers Gruppe aus Jugend und einzelnen 10-Millionen-Kickern dennoch passieren, wäre überbordende Kritik so falsch wie jetzt im Fall Leverkusens. Die Verhältnisse sind eben so.