Artikel zum Schlagwort ‘Bayer Leverkusen’

Ach, Jupp

Ach, Schalke. Da habe ich besser als je zuvor gearbeitet [...] Wenn sie auf Schalke gewartet hätten, wären sie vielleicht heute schon Deutscher Meister.

Diese bemerkenswerten Worte ließ Jupp Heynckens im „Großen BamS-Interview“ fallen. Als Antwort auf die Behauptung, dass er „in Deutschland verkannt“ worden sei und „in Frankfurt und vor allem in Schalke als gescheitert galt“.

Ich kann nicht für Schalke sprechen, noch weniger für Frankfurt, möchte aber meinen, dass Heynckes hier wie dort noch immer als gescheitert gilt. Und meines Erachtens ist Don Jupp auch keineswegs in Deutschland verkannt worden. Meiner Meinung nach verkennt ihn gerade Bayer 04 Leverkusen.

Aber Ma’kucken.

Arminia und die Chance zur Farbe

Der Ex-Bremer Diego war immer auch für die Klatsch-Spalten gut. Auf die vermeintliche Suggestivfrage, wie er das finden würde, antwortete Klaus Allofs überraschend: Man hätte sich vor einer Weile zusammengesetzt und überlegt, wie Werder Bremen aussehen solle. Und dabei habe man festgestellt, dass Werder auch in die Klatsch-Spalten müsse.

Wasser auf die Mühlen, die ich seit ewigen Zeiten drehe. Attraktiver Fußball und Erfolge hin oder her, es braucht mehr. Es braucht Spektakel, es braucht bescheuerte Fans, es braucht Lieblinge und Fieslinge, Schlagzeilen, Skandale, Tränen und Liebe, das ganze emotionale Arsenal. Deshalb werden, unabhängig vom Tabellenplatz, Eintracht Frankfurt, der 1. FC Köln und Schalke 04 immer mehr Sex-Appeal versprühen als Wolfsburg, Hoffenheim oder Leverkusen. Mehr als Bielefeld sowieso.

Arminia Bielefeld hat nun die Chance, zumindest schon mal in die Klatschspalten zu kommen! Presseberichten zu Folge haben sich Günter Eichberg, Rudi Assauer und Uli Stein bereit erklärt, dem Verein mit zurückgetretenem Vorstand zu helfen.
Eine leicht jähzornige Torwartlegende, ein Sonnenkönig und Good Ol’ Rudi, der Herr der Schlagzeilen und aktuell nur noch mit der Bildzeitung im Bett liegend; allesamt in verantwortungsvollen Positionen … da wird die Arminia mal spannend, da beginnt man sich für sie zu interessieren, da ist sie auch mal bei RTL Punkt 12 ein Thema!

Die Arminia sollte zuschlagen. Schlimmer als in der Bildzeitung ein Thema zu sein ist es, in der Bildzeitung kein Thema zu sein. Allofs weiß das. Klinsmann mittlerweile auch. Arminia könnte es erfahren.

Rauball redet in Rätseln

Wenn dann ein Trainer unverhofft abspringt, ist es in meinen Augen nicht nur ein Affront gegenüber dem Verein, sondern auch gegenüber den Fans und den Sponsoren – auch, wenn es eine vertraglich vereinbarte Ausstiegsklausel geben sollte. Bis auf wenige Ausnahme-Fälle bin ich dafür, von Ausstiegs-Klauseln so wenig Gebrauch wie möglich zu machen. Der Verzicht auf Ausstiegs-Klauseln dient dem Produkt Bundesliga.

Wie jeder deutsche Fußball-Funktionär hat nun auch Dr. Reinhard Rauball seine Meinung zum vierfachen Armin veröffentlicht. Dabei hält er die Arbeitsteilung zwischen DFB und DFL strikt ein: DFB-Mann Sammer ist für die Moral zuständig, Rauball kümmert sich für die Liga ums Geschäft bzw. ums „Produkt“. Und wo große Männer mahnen ist es tatsächlich an der Zeit zu reagieren, den Blick zu schärfen, der Sensibilisierung des Themas beizutragen.

Also:
Luhukay wurde von Gladbach nach 7 Spielen vor die Tür gesetzt. Tatsächlich recht unverhofft, wenn man bedenkt, dass sie mit ihm zuvor ab und wieder aufgestiegen sind. Meistertrainer Veh war dem VfB Stuttgart nach dem 14. Spieltag nicht mehr gut genug. Schalke gönnte Fed Rutten 268 Tage, so viele wie einst Frank Neubarth. Bayern München beendete seine Zukunft, nach der Niederlage gegen Schalke, am 29. Spieltag nicht minder unehrenhaft. Und Arminia Bielefeld schoss mit der Entlassung Frontzecks vor dem letzten Spiel den Vogel ab. Alle Trainer hatten offensichtlich wenig Spaß am Ende des Beschäftigungsverhältnisses. Was die Sponsoren dazu sagten ist nicht überliefert.

In Frankfurt und in Cottbus einigte man sich mit Funkel und mit Prasnikar auf eine Trennung; Entlassungen mit gewahrter Form. Die Trennung von Martin Jol und dem HSV war offiziell ebenfalls „einvernehmlich“. Gefallen hat das dem HSV sicherlich nicht, nachdem aber Trainer und Verein offensichtlich uneins über die sportliche Weiterentwicklung waren und zudem Jol der teuerste Trainer der Vereinsgeschichte gewesen ist, wurde in Hamburg auch nicht viel gejammert.

Bruno Labbadia hat angeblich in Leverkusen die Mannschaft entzweit. So war es jedenfalls zu lesen, dies soll der Grund gewesen sein, wieso diese talentierte Mannschaft mit dem Hang zum schön anzuschauenden Offensivfußball am Saisonende sogar hinter Schalke 04 zurückbleiben musste. Bayer hätte ihn möglicherweise sowieso rausgeschmissen, auch wenn der HSV ihn nicht hätte haben wollen.

Ja, vielleicht kann man sagen, dass Hans Meyer Borussia Mönchengladbach „im Stich gelassen“ hat. Dass diese Möglichkeit bestehen würde pfiffen allerdings bereits Mitte der Rückrunde sogar die Tauben des Ruhrgebiets von den Dächern, völlig überraschend war das nicht. Christoph Daum und Felix Magath haben keine Verträge gebrochen, sie hatten vertragliche Vereinbarungen, nach denen sie Wechseln durften. Gerne darf jeder, auch Herr Rauball, solche Vereinbarungen kritisieren, man kann sich aber auch mal die Frage stellen, wieso die Clubs den Trainern diese Klauseln zugestanden haben.

Wenn der 1. FC Köln als Zweitligist einen deutschen Meister als Trainer haben möchte, wenn die graue Betriebssportgruppe des Volkswagenkonzerns einen zweifachen Double-Gewinner zum starken Mann ernennen will, dann braucht es schon schlagende Argumente. Geld zieht immer. Was auch zieht ist die Aussicht, es sich nach einer Weile noch mal anders überlegen zu können. Nichts anderes haben Daum und Magath getan. Daum ist wieder König von Istanbul und Magath beginnt eine neue Herausforderung bei einem der schillerndsten Clubs der Republik.

Magaths Wechsel tut dem Produkt Bundesliga in Gelsenkirchen plus Einzugsgebiet enorm gut. Welche „Ausnahmefälle“ meint Herr Rauball eigentlich?

„Musste auch ma’ wieder sein“

… sagte ein Schalker zum anderen nach dem Spiel, in der 302 Richtung Hauptbahnhof. Derart konsequent sehe ich es nicht, aber grundsätzlich stimme ich mit dem Mann überein. An eine Siegesserie bis Saisonende habe ich nie geglaubt, denn außer der Stimmung hat sich seit dem Trainerwechsel kaum was geändert.

Schalkes Defensive ist ein Bollwerk. Meist standhaft, aber auch schwerfällig. Leverkusens leichtfüßige Offensive passt dazu wie ein Schlüssel ins Schloss. Jermaine Jones fehlte an allen Ecken und Enden. Pander, Krstajic und der im defensiven Mittelfeld völlig überforderte Benni Höwedes konnten gar nicht so schnell schauen, wie Augusto, Helmes oder Kießling an ihnen vorbei geflogen sind.
Gleichzeitig funktionierte in der Offensive alles ein bisschen und nichts richtig – auch das begleitet Schalke seit nun fast zwei Spielzeiten. Mal sind Ecken gefährlich, mal funktioniert ein direktes Spiel über Altintop im Mittelfeld und ab und zu schlägt Rakitic einen brauchbaren Pass. Nichts davon passiert aber mit der nötigen Regelmäßigkeit, als dass man es eine Schalker Stärke nennen könnte.

Wenn ein Schalker Mittelfeldspieler den Ball in die gegnerische Hälfte treibt, wenn er das Spiel vor sich hat, sich die Schalker Stürmer und die gegnerischen Verteidiger in Position bringen, wenn also „ein Spielzug ansteht“, dann kann man als Schalke-Fan getrost ein frisches Bier holen gehen.

Tatsächlich aber gab es gestern trotzdem genug Chancen, schoss alleine Kevin Kuranyi häufig genug aufs Tor. Die einen werden sagen, dass René Adler, der einst als Torwart auf eben diesen 7,32 Metern Linie geboren wurde, eine tollen Tag hatte. Die anderen werden sagen, dass Kuranyi nicht in der Lage war, Adler keine Chance zu lassen. Und vielen ist es, wie dem Schalker in der 302 und mir, mittlerweile ziemlich egal. Weil eine erfolgreiche Aufholjagd nicht zu dieser Saison passt, und weil es auf Schalke mehr Aufbruch braucht als in Aufbruchstimmung steckt.

Kunst ist, was gefällt

Schlechte Leistungen? Blutleere Vorstellungen? Fußball ohne Tempo, ohne Inspiration, ohne Plan? Stürmer ohne Durchschlagskraft? Ja, Schalke kucken ist derzeit kein Spaß. Ganz Fußballdeutschland weiß das mittlerweile.

Bemerkenswert wenig scheint sich Fußballdeutschland darum zu scheren, dass die Werkself aus Leverkusen – die mit dem Näschen für Talente, dem Weltscouting, der innovativen Idee in der Trainerfrage, dem Konzeptfußball, dem deutschen Zukunftsstürmer und -Torwart Nummer 1 – nach 25 Bundesligaspielen gerade ein Pünktchen mehr auf dem Konto hat.
Und die beliebten Offensivfeuerwerker von der Weser, mit den Zauberfüßen im Mittelfeld und dem Reimport aus der Premier League im Sturm, haben gar noch 5 Punkte weniger.




[Film gefunden via FuViBlo]

Der Dicke aus dem Chemieörtchen

Ich musste sehen was gut für uns war. Gutes Scouting, die richtigen Verpflichtungen von jungen und auch älteren Spielern. Das ist wie in einem Restaurant, Du kannst die besten Köche da haben, wenn dann keine vernünftige Ware kommt, keine Topklasse eingekauft wird, dann kannst Du nichts bewegen.

Im Stadion direkt neben Rainer Calmund zu sitzen kann kein Spaß sein. Rudi Völler nahm das immer hin, auch wenn es nicht schön aussah. Vielleicht hat man im eigenen Stadion aber auch die Sitze um Calli herum etwas luftiger zusammengeschraubt, ich weiß es nicht.

Noch schlimmer muss man sich wohl eine gemeinsame Fahrt mit ihm in einem Paternoster vorstellen. Und weil er bei seiner (vermutlich) bislang letzten Fahrt auch keine wirklich interessanten Sachen erzählt hat, bleibt es zu diesem Podcast hier mal bei einem schnöden Link (mp3).

Rainer Calmund ist gerade 60 Jahre alt geworden und hat ein Buch, seine Autobiografie heraus gebracht. Dafür ist er nun auf Promotion-Tour, was in den vergangenen Tagen gleich 3 Podcasts in den Catcher spülte. Am gehaltvollsten, wenn man sich die Stücke als Fußball- und nicht als Promi-Fan anhört, ist dabei ein Interview, dass er Björn Lindert im Rahmen des Deutschlandradio-Sportgesprächs gab.

Hören:

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mp3-Datei / Podcast-Feed

In Teilen noch unterhaltsamer ist sein Interview in der Sendung Eins zu Eins, auf Bayern 2. Hierbei empfehle ich das Überspringen der ersten Hälfte, also ein Einstieg bei ungefähr Minute 21, es sei denn man liest ansonsten auch die Bunte ganz gerne.

Hören:

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mp3-Datei / Podcast-Feed

Es gibt Leute, die nehmen Reißaus, wenn Calmund mit dem Reden beginnt. Denen ist er oft zu intim und zu betont Volksnah, mit seinem verschlucktem t hinter dem k und der Kamera, die ihn scheinbar in allen Lebenslage begleitet. Ich finde ihn durchaus unterhaltsam, solange er über Fußball spricht.

’Kusen Not Ready?!

’Kusen ist not ready, sagte Toppmoller vor dem Spiel gegen Schalke, nachdem es moved to the top of the pile am Wochenende davor. Labbadias Team sei not mature enough yet. Aber nicht nur von ’Kusen, auch von ’Heim you cannot expect to win the title, meint der former coach of Bayer 04.

Vermutlich hat er, sich nicht aus dem Fenster lehnend, eher Bayern Munich auf dem Schirm, das after a five game winnig streak gradually clawed their way back to within a point of the league leaders, bevor sie an diesem Wochenende 2 important points verloren at ’Bach.

Sei’s drum. Ich finde ’Kusen durchaus ready und auch ’Heim ist really strong (even Auswärts, höhö). I expect jedenfalls no title from my favorite club die Königsblauen anymore. Everything else warte ich mal ab.