Artikel zum Schlagwort ‘Bemerktes’

Besser wegsehen!

Gestern Abend war ich konsequent und habe mir das Spiel der „B-Nationalmannschaft“ nicht angeschaut. Weniger konsequent war ich, als ich mich in die Abgründe der Transferspekulationen um den geilsten Club der Welt begeben habe. Etwas das man nicht tun sollte, was ich nie tun wollte. Man muss wegsehen, allenfalls ein schweifender Blick zur Belustigung, nie etwas ernst nehmend, und sich vor allem nie ausmalen, was wäre wenn der Eine käme, oder der Andere, wie gespielt werden könnte und welche Möglichkeiten es gäbe … Das macht einen wuschig. Das ist bekloppt. Lassen wir das!

Fußball, um an Wichtigeres zu denken

Der MSV Duisburg hat mit dem FC Schalke 04 ein Benefizspiel zu Gunsten der Hinterbliebenen der Loveparade-Opfer vereinbart. Man wolle im Rahmen der Möglichkeiten einen kleinen Teil dazu beitragen, Leid zu lindern und Mitgefühl mit den Opfern, ihren Familien und Freunden kundzutun. Das Leid zu lindern kann nicht gelingen. Aber wenn Geld zusammen kommt und wenn vor allem deren Gedacht wird, die zu uns kamen um Spaß zu haben und nicht mehr heimkehrten, dann ist das gut.

Ich bin Duisburger. Ich bin in Duisburg geboren und habe nie woanders gelebt. Ich fühle mich als Ruhrstadt-Bürger und bin am westlichen Ende dieser Großstadt zufrieden. Tatsächlich bin ich kaum 600 Meter vom Unglücks-Tunnel an der Karl-Lehr-Straße aufgewachsen und habe ihn tausendmal durchquert.
Jetzt steht diese Stadt unter Schock. Ein Vater erzählte mir von seinem fürchterlichen Tag, als er erst seine Tochter zum Gelände brachte, zu Hause vom Unglück erfuhr und seine Tochter dann stundenlang nicht erreichen konnte. Freunde berichteten, dass sie, als sie die Menschenmassen in der Nähe des Tunnels sahen, enttäuscht umgekehrt seien, ohne zu ahnen welches Glück ihnen widerfuhr. Hier kennt jeder jemanden, der vergangene Samstag dabei sein wollte, hier ist jeder irgendwie betroffen.

Ich selbst fuhr mit Frau Wieland an diesem Tag zur Kirmes nach Düsseldorf. Auf dem Weg zum Bahnhof hielt ich das Aufgebot an Rettungskräfte für übertrieben. Zelte waren aufgestellt, Feldlager, Rettungswagen aus ganz Nordrhein-Westfalen, Legionen von Sanitätern und Feuerwehrmännern warteten darauf, dass was passiert. Als wir just gegen 17 Uhr am Bahnhof ankamen war dieser gesperrt. Wir wurden umgeleitet und mir wurde bewusst, dass „geleitet“ offenbar das Programm dieser Veranstaltung war: Zäune außen und Ordner vorne, Leute die einem sagten wo man hin will. Ich war sauer über diese Bevormundung. Trotzdem kamen wir via eines vollgekotzten Zugs nach Düsseldorf. Über den Typ, der zu Fuß auf den Gleisen unterwegs war, weshalb der Zug stehen blieb, oder über die Feuerwehr, die mit Blaulicht am Loveparade-Gelände entlang fuhr, dachten wir nicht länger nach.

Nachts um 2 war Duisburg immer noch voller Menschen. Während wir nach Hause gingen packten die Sanitäter ein. Ich wollte schon fragen wie der Abend denn verlaufen sei, ließ es aber bleiben. Daheim zappte Frau Wieland noch mal durch die Programme. Sie bemerkte, dass die Loveparade auch auf ARTE ein Thema war, sah plötzlich Bilder einer Reanimation … und unser schöner Altbier-Zelt-Abend rückte ad hoc nach hinten. Gegen 2:30 Uhr am Sonntag hatten die Ereignisse auch uns vollkommen im Griff.

Was das alles mit Fußball zu tun hat? Immerhin treffen sich auf Schalke alle zwei Wochen rund 62.000 Menschen zu einer Großveranstaltung. Im Schnitt sind in der Bundesligasaison 34 mal 9 Stadien mit 42.490 Zuschauern gefüllt. Oft ist es eng. Mit Hillsborough hatte auch der Fußballsport seine Panik-Katastrophe. Dass die mittlerweile so lange her ist, dass so was bislang in Deutschland nicht passiert ist, dafür wird geplant, daran arbeitet viel Personal. Leute, die offensichtlich wissen was sie zu tun haben. Anders als die Verantwortlichen in Duisburg, deren Verhalten sich wie ein Schleier der Scham über diese Stadt legt. Wenn also demnächst im Stadion mal wieder ein Ordner im Weg steht, einfach mal Danke sagen.


Foto: Johann H. Addicks

Des Deutschen Vuvuzela

Während der kommenden WM wird die Vuvuzela allgegenwärtig sein. Wir werden hören, dass sie ein traditionelles afrikanisches Blasinstrument ist, dessen Klang dem Trompeten eines Elefanten ähnle. Abgesehen von dem Einwand, dass Musizieren eben eine Menschheitstradition ist, kann man die Formulierung nur unterstützen. Sie malt ein Bild von Afrika, ist freundlich und positiv, eben einem Fußballfest entsprechend. Die Feststellung, der Ton klingt wie das Hupen eines alten VW-Busses, träfe es aber auch.

Mir geht dieses Hupen auf die Nerven, weil ein Dauerton keinen Rhythmus hat, weil ich es nur als Lärm empfinde. Aber es ist nichts, was ich nicht ertragen könnte. Nichts was ich nicht schon ertragen hätte, als Angehöriger der Altersgruppe 30+.

Trotzdem hoffe ich, dass die Plastikhupen nach dem „Event“ mit dem anderen saisonalen Plunder auf dem Müll landen werden.


Das Übrige zum Montag

Am 07. August wird Schalke 04 in Augsburg gegen Bayern München um den DFL-Supercup spielen. Wer dann für Schalke aufläuft, muss man mal abwarten. Gleich in der ersten Zwischen-den-Spielzeiten-Woche fiel ein Himmel an Transfergerüchten dem hilflosen Schalke-Fan auf den Kopf. Trotz der Gefahr der Themendürre werde ich allerdings dabei bleiben, mich an dieser Stelle keinem Namengeschnörpel hinzugeben.

Von anderer Stelle aus wurde ich in der letzten Woche nach meiner Meinung zu den Dingen des FC Schalke 04 gefragt. Im Rasenschach-Blog gibt pro Bundesliga-Club ein Blogger per Interview sein „Fazit“ zur abgelaufenen Saison zum Besten. Meins gibt es dort nun auch zu lesen.

Am vergangenen Dienstag war ich außerdem Gast beim Internet-Fußballradio „90elf“. Dieses Interview kann gleich hier nachgehört werden:


Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

(17:27 Min)
mp3-Datei / Podcast-Feed




Und dann war da vorgestern noch unser Bloggertreffen. Für mich war es das dritte Mal, dass ich Menschen traf die ich zuvor nur schriftlich kennen gelernt hatte. Und wie die Male zuvor hat es mir erneut großen Spaß gemacht. Danke dafür, an alle Teilnehmer die das jetzt vielleicht lesen. Und weil wir drüber sprachen, und für alle die es sonst noch interessiert, an dieser Stelle der Link zum Text von Arnd Zeigler, der bei jetzt.de Stellung zu der Frage bezog, ob man deutsche Vereine auch in internationalen Wettbewerben scheiße finden darf oder ihnen ob der „nationalen Aufgabe“ die Daumen drücken muss: Klick.

Zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass der Ur-Gladbacher und Spät-Schalker Wilfried Hannes heute 53 Jahre alt wird. Vor 4 Wochen gab der „11 Freunde“ ein Interview in dem er über seine beiden Clubs, seine Karriere und sich als ehrlich arbeitenden Spieler sprach. Wenn ich so was lese kommt mir immer die Frage hoch, was denn ein nicht ehrlich arbeitender Spieler ist und ob nicht arbeitende, dafür spielende Spieler denn so schlecht … aber das wäre wohl einen eigenen Beitrag wert und gehört nicht zum Übrigen. Jedenfalls herzlichen Glückwunsch, Wilfried Hannes!

Für andere fühlen?

„Nachdem die Bochumer am 33.Spieltag 2007 ihre Niederlage gegen Stuttgart wegen uns bejubelten, fehlt mir etwas das Mitleid.“

Thomas Wings, via Twitter.

Zapfenstreich (XLVII)

Opa Pritschikowski
aus dem Ruhrrevier
kennt die blauen Knappen schon seit 1904
Niemals tat er fehlen
nur einmal war er krank
Es tat Omma quälen
wenn er schon morgens sang:

„Ob ich verroste und verkalke
Ich gehe immer noch auf Schalke
Ob ich erlahme und ergrau:
Ich liebe Königsblau!“

Szepan und Kuzorra
sind Namen die man kennt
Gekonntes kombinieren
man Schalker Kreisel nennt
Am gold’nen Hochzeitstage
wurd’ Omma fast verrückt
Als Oppa still und heimlich
zum Endspiel sich verdrückt …

„Ob ich verroste und verkalke
Ich gehe immer noch auf Schalke
Ob ich erlahme und ergrau:
Ich liebe Königsblau!“

Opa Pritschikowski
vom schönen Emscherstrand
ist in Schalker Kreisen als Maskottchen gut bekannt
Schmettert er sein’ Schlachtruf
ins Schalker Feld hinein
dann stimmen alle Schalker
in sein Liedchen ein:

„Ob ich verroste und verkalke
Ich gehe immer noch auf Schalke
ob ich erlahme und ergrau:
Ich liebe Königsblau!“

Näpfchen 1 in königsblau

„Lebenslauf“ des Christoph Metzelder bei metzelder.de, bis Dienstag …

In Haltern habe ich bis zur B-Jugend gespielt, dann kam plötzlich ein Angebot von Schalke 04. Der große S04 wollte mich verpflichten. Das ist ja sensationell, habe ich mir gedacht und direkt zugesagt. Von wegen! Meine Zeit bei den Königsblauen würde ich am liebsten sofort wieder vergessen. Pleiten, Pech und Pannen waren an der Tagesordnung. Angefangen vom nicht vorhandenen Spielerpass, bis hin zu einem Trainer, der wohl vergessen hat mir mitzuteilen, dass meine Mannschaft ins Trainingslager fährt. Alles in allem eine völlig verkorkste und verlorene Saison für mich. Schon während der Winterpause war mir klar: Ich werde den Verein wieder verlassen. Glücklicherweise hatte da schon Preußen Münster bei mir angeklopft.

„Lebenslauf“ des Christoph Metzelder bei metzelder.de, seit gestern …

In Haltern habe ich bis zur B-Jugend gespielt, dann kam plötzlich ein Angebot von Schalke 04. Der große S04 wollte mich verpflichten. Das ist ja sensationell, habe ich mir gedacht und direkt zugesagt. Nach einem kurzen Intermezzo bei den Königsblauen zog es mich dann aber wieder zurück zu Preußen Münster.

Das nenne ich mal einen ganz schlechten Anfang einer neuen Beziehung. Sowas ist nicht geschickt. Es gibt so viele Fundstücke die aus Schalker Fansicht gegen Christoph Metzelder verwendet werden könnten, da wäre diese Homepage mit den paar Bildchen und den Agentur-News locker hinten rüber gefallen. Wäre – hätte diese Änderung kein Licht darauf geworfen.

Christoph Metzelder wird nicht selbst an dieser Homepage herumgefrickelt haben. Ich hoffe nur er wird ansonsten nicht auch so beraten. Er hat sich jetzt für Schalke 04 entschieden und sollte davon ausgehen, dass jeder Fan über Interviews und T-Shirt-Aktion Bescheid weiß. Etwas verheimlichen, etwas beschönigen, beschwichtigen oder relativieren hilft nicht. Ich würde ihm einen reserviert freundlichen Umgang mit der Anhängerschaft seines neuen Arbeitgebers empfehlen. Das Einzige was wirklich hilft ist Leistung auf dem Platz.