Artikel zum Schlagwort ‘Borussia Dortmund’

Am Ende rettet Zwayer die Gelben

Im zweiten Derby der Saison trennen sich Schalke 04 und der BVB erneut 1:1 unentschieden. Ein Spiel, dem es lange an der gewünschten Derbytemperatur fehlte, das dennoch nie langweilig war, das letztlich ein gerechtes Ergebnis aufwies und das doch einiges an Gesprächsstoff lieferte. Aber der Reihe nach.
 

Der BVB

… war lange das bessere Team, da beißt die Maus keinen Faden ab. Ousmane Dembelé und Pierre-Emerick Aubameyang sind Spieler eines Qualitäts-Levels, an das kein Schalker heranreicht. Wann auch immer Schalke im Mittelfeld einen Meter zu viel Platz ließ, agierte Borussia mit schnellen Vertikalpässen auf diese beiden Spieler und schaffte gefährliche Szenen. Dortmund hatte in den ersten 75 Minuten mehrfach die Gelegenheit, das Spiel zu entscheiden. Mal verhinderte dies Ralf Fährmann, einmal Benni Höwedes, mal hatten sie Pech. Trotzdem brauchten sie am Ende die Gnade des Schiedsrichters, um diese Partie nicht zu verlieren, aber dazu weiter unten. So ist Fußball manchmal.
 

Die Blauen

… wurden zur Halbzeit von vielen meiner Knappenkumpel harsch kritisiert. Zu harsch, für mein empfinden. Ja, Borussia war das bessere Team, aber das hatte ich erwartet. Schalke spielte nach vorne, kam auch seinerseits zu Gelegenheiten und man konnte dem Team den nötigen Einsatz keinesfalls absprechen.

Schalkes Spiel über die Flügel konnte sich schon alleine auf Grund der personellen Neuordnung nicht etabliert darstellen. Links agierte Thilo Kehrer mit großem Einsatz, aber ungestüm und mit defensiven Problemen. Vor ihm zauberte Eric-Maxim Choupo-Moting wie man ihn kennt, stets nur zweimal, um es ein drittes Mal zu versuchen und zu scheitern. Und doch war die linke die gute Seite der Blauen, denn die rechte funktionierte überhaupt nicht.
Coke wurde nach monatelanger Verletzungspause von Beginn an aufgestellt und hatte mit Dembelé seine liebe Not. Die Offensive konnte er kaum unterstützen und ohne ihn brachte Daniel Caligiuri auch nichts zustande. Überhaupt wurde Schalkes Spiel auch nur über links aufgebaut. Weinzierls Doppelwechsel in der 70. Minute war so mutig wie richtig. Mutig, weil er eben keine wirkliche Alternative für die Rechtsverteidigerposition hatte, aber richtig, weil man sich von Alessandro Schöpf auf Außen und Meyer im Zentrum eben doch noch mal einen Boost für die Offensive versprechen konnte.

Und den gab es dann ja auch noch. Vor allem von Leon Goretzka mit langen Schritten angetrieben verdiente sich Schalke den Ausgleich und drückte auf den Sieg. Plötzlich war sie da, die Derbytemperatur. Und dann war es egal, wer wie lange besser war, dann war das Momentum auf Schalker Seite. Und auch wenn ich letztlich das 1:1 als okay erachte, hätte Schalke dieses Spiel doch gewinnen sollen. Nur Schiedsrichter Felix Zwayer wollte das nicht so.
 

Das Handspiel

… konnte kaum deutlicher sein. Marc Bartra hatte beide Arme in der Luft und erinnerte dabei an einen Handballtorhüter. Die Hand ging zum Ball, man weiß wirklich nicht, wie klar eine Szene noch sei soll, als dass sie vom Schiedsrichter geahndet werden würde. Wurde sie aber nicht. Schon wieder nicht. Dem zweifelhaften Handelfer zugunsten der Blauen in Gladbach stehen leider bereits eine ganze Reihe Benachteiligungen gegenüber, welche Schalkes Saison nachhaltig negativ beeinflusst haben.
 

Die Stimmung

… eines Derbys kam erst auf, als Schalke zur Aufholjagd blies. Zuvor bemühte sich die Nordkurve um Unterstützung, aber es kam eben nichts zurück. Keine Gegnerschaft, welche die Duelle gegen Dortmund sonst so besonders macht. Nach den Ausschreitungen des Derbys am 26. Oktober 2013 hatte Schalke rund 500 Haus- und Geländeverbote ausgesprochen. Die großen Ultra-Gruppierungen des BVB waren am Samstag nicht zugegen.

So richtig der Ausschluss von Tullus veranstaltenden Spacken ist, so sehr merkte man bei diesem Derby, wie wenig Stimmung ohne die Ultras stattfindet. Die Unterstützung der übrigen Borussenfans für ihr Team war erbärmlich. Nach einer halben Stunde hat man sie überhaupt zum ersten Mal gehört.
 

Die Maske

Die Aufregung ist groß. Pierre-Emerick Aubameyang zog sich eben nicht nur eine Maske über den Kopf, weil er kindlich veranlagt ist und seinem Gegner keinen Respekt zollt, sondern weil er Nike-Starlet ist und dafür einen Haufen Geld kassiert. Das brachte sogar Aki Watzke auf die Palme. Nicht, weil er will, dass sich sei Stürmer weniger kindlich verhält und dem Gegner mehr Respekt zollt, sondern weil er findet, dass sein Stümer gefälligst dem Club-Sponsor Respekt zollen solle.

Aber Aki hat schlechte Karten. Am Ende sitzt der Spieler am längeren Hebel. Aubameyang ist Dortmunds wertvollster und wichtigster Spieler. Da greifen keine Disziplinarmaßnahmen, und die Geldstrafen für diesen Häckmäck zahlt eh Nike. Der Skandal ist nüchtern kalkuliert. Die aktuelle Aufregung ist Teil des Ganzen.
 

Des Erwins Rote Karte

Und dann war da noch die Szene, in dem das Maskottchen dem Schiri die Rote Karte zeigte.

Ich finde, neben Schalkes Fußballfeld sollte kein Plüschonkel rumlaufen. Solcherlei sollte ein Instrument von eventorientierten Neuclubs bleiben. Schalke 04 ist altehrwürdig, ist Tradition, ist Fußball pur – bzw. sollte das meiner Meinung nach sein. Schalkes Erwin soll auf Pfarrfesten oder am Eingang des Kinderblocks rumturnen, winken, für Fotos bereitstehen; im Innenraum hat er meines Erachtens nichts zu suchen. Aber S04 ist Teil der Liga, und wenn man sich umschaut gelangt man schnell zu der Erkenntnis, dass die Liga solchen Zirkus haben will. Dass es nun wirklich Leute gibt, welche die Aktionen einer solchen Figur als irgendwie bestrafungswürdig erachten, lässt mich letztlich vollends an der Veranstaltung Bundesliga zweifeln. Entweder es werden Faxen am Spielfeldrand gemacht, oder man konzentriert sich auf den Sport. Ein bisschen Faxen zu wollen ist albern.
 

Und nu‘?

Nun kann ich ganz gut mit dem Remis leben. Schalke hat damit wieder einen Punkt auf Platz 6 gutgemacht. Nun sind es nur noch 3 Punkte und drei Clubs, die es auf- bzw. einzuholen gilt.



Überschrift via Detlef alias Doktor_D

Schalke im Kola-Rausch zum Derbypunkt

Im ersten Derby der Saison 2016/2017 trennen sich Schalke 04 und Borussia Dortmund torlos, 0:0. Meines Erachtens ein gerechtes Ergebnis, nachdem in der ersten Halbzeit die Blauen, und in der zweiten Hälfte die Gelben das bessere Team waren.

Ein Spiel, dass neutralen Zuschauer wenig gab, das den meisten Fans ob der Spannung und Intensität aber gefiel. Ich war zufrieden nach dem Abpfiff und ich war auch zufrieden mit meiner Überschrift, als sie mir einfiel. Den halben Text hatte ich bereits im Kopf, dennoch gibt es jetzt hier einen Cut.

Meine kleine Familie umfasst zwei Kinder und eine ziemlich kranke Frau. Das ist alles nicht neu und ich habe mich damit eingerichtet. Mein Dasein als Schalker und als Schreiber dieses Blogs ist meine Parallelwelt, mein Hobby, meine Lieblingsablenkung. Doch ab und an gerät mein Alltag schon mal aus der Balance und überfordert mich. Meistens fällt das nicht auf, denn wenn ein geplanter Dienstagtext nicht erscheint weiß niemand was er vermisst. Diesmal war es mir aber nicht möglich, mich zum Text zum Derby zu konzentrieren, weshalb es mir ein Bedürfnis war, dies zu erklären.

Ich setze diese Woche aus. Danach folgt die Länderspielpause. Am 11. Spieltag treten die Blauen in Wolfsburg an. Am Montag danach, am 21. November, geht’s auch in diesem Blog weiter.

Glückauf.

Gerechtes Remis im B-Team-Derby

Schalke 04 und Borussia Dortmund trennen sich 2:2. In der ersten Hälfte war es ein schlechtes, in der zweiten aber ein spannendes Derby, das beide Teams hätten gewinnen können.

Kurios: Da Schalke ohne die verletzten Benedikt Höwedes, Matija Nastasic und Leon Goretzka antreten musste, und da Trainer André Breitenreiter ohne Max Meyer, Dennis Aogo und Eric-Maxim Choupo-Moting starten wollte, ließ auch Borussen-Trainer Thomas Tuchel zunächst seine besten Spieler auf der Bank. Dies blieb nicht ohne Folgen. In der ersten Halbzeit war das Niveau der Partie unterirdisch.

„Scheiß Spiel, nä? Alles Taktik!“ sagte der zwei Plätze neben mir sitzende Opa in der 17. Minute zu dem neben mir sitzenden Enkel. Dabei spie er das Wort „Taktik“ aus als wäre es der Abschaum unter den Wörtern.
Wie er schauten auch alle anderen auf wenig Fußball. André Breitenreiter ließ seine Mannschaft mit einer 5er-Abwehrkette antreten. Die aufrückenden Außenverteidiger hatte Dortmund flott isoliert, auch die Anspielstationen im Mittelfeld wurden gut zugestellt. Mit dem Pressing des Gegners kamen die Blauen überhaupt nicht zurecht, für mehr als „hinten dicht“ reichte das Konzept nicht. Eine Halbzeit, die sehr an Schalkes Ex-Trainer Roberto Di Matteo erinnerte. Eine Halbzeit, in der auch Borussia Dortmund nichts aus seiner optischen Überlegenheit machen konnte. Ganz schlechter Fußball.

In der zweiten Hälfte wurde es unterhaltsamer. Dortmund wechselte Mkhitaryan, später auch Aubameyang und Gündogan ein. Breitenreiter wartete – natürlich, wie immer – bis zur 60. Minuten, brachte dann Max Meyer, löste endlich die destruktiv interpretierte 5er-Kette auf und gönnte seiner Mannschaft ein Offensivspiel. Ärgerlich, wie leicht man dem Gegner das Toreschießen machte, vor allem Dortmunds zweiter Treffer hätte so nie fallen dürfen. Aber toll, dass Schalke sich auch nach zwei Rückständen nicht aufgab, wie eben noch in Ingolstadt. Schalke kämpfte, gegen einen eigentlich überlegenen Gegner, und erreichte ein verdientes Remis, mit dem ich zuvor nicht gerechnet hätte.

Leroy Sané schoss ein Tor selbst und spielte den Pass vor der Situation, in der Klaas-Jan Huntelaar gefoult wurde und den Strafstoß zum zweiten Ausgleich bekam. Er ein überragender Kicker. Trotzdem würde ich Klaas-Jan Huntelaar als meinen „Spieler des Spiels“ nennen wollen.

Der Niederländer war in der ersten Halbzeit dramatisch unzufrieden. Schalkes Offensivspiel fand nicht statt, und als Caicara dann doch einmal durchbracht schoss er selbst, anstatt den besser postierten Stürmer anzuspielen. Huntelaar hatte Problemen mit der Bewachung durch die Dortmunder Innenverteidigung. Er wurde unfair, schlug um sich. Er ließ die Befürchtung zu, dass, würde der Schiedsrichter einmal besser hinschauen, Schalke das Spiel mit einem Mann weniger zu Ende bringen müsse.

Nach wie vor bin ich unglücklich mit der Art, wie Klaas-Jan Huntelaar nicht in das Schalker Spiel integriert ist. Vielleicht ist seine beste Zeit vorbei, vielleicht sollte man sich im Sommer von ihm trennen. Aber wenn man ihn aufstellt muss man dafür sorgen, dass seine Mitspieler ihn im Strafraum anspielen. Ohne dies lässt man ihn auf dem Platz verhungern. Doch in der zweiten Hälfte legte er los. Man merkte, dass er nun den Ball wollte. Er lehnte sich auf, er führte er sein Team an. Es war auch seine Körpersprache, sein Willen, der dazu beitrug, dass Schalke zweimal nach Rückstand zurückkam.

Der Titel dieses Textes und der zweite Absatz sind natürlich nicht ganz ernst gemeint. Dass Borussia Dortmund freiwillig ohne seine besten Spieler antreten kann und Schalke immer noch nicht zu einem überlegenen Spiel kommt, ist schon bezeichnend. Aber dass der Dortmunder Trainer auf diese Spieler verzichtet kann man Schalke nicht anlasten.
Ich fand es schade, dass Schalke nicht spätestens ab Mitte der ersten Hälfte mutiger nach vorne spielte. Man hatte das Gefühl, dass Dortmund in dieser Formation nicht besser konnte, dass sich Schalke aber auch nicht mehr traute. Erst als man zurücklag, als man „nichts mehr zu verlieren“ hatte, als man seinen Mut zusammennahm, kam man auch ins Spiel. Dabei gab es von Beginn an eigentlich nichts zu verlieren. Mit mehr Mut wäre gegen diese Dortmunder mehr zu gewinnen gewesen. Aber nunja …

Am Ende war es ein Punkt für die Blauen, mit dem ich zuvor nicht gerechnet hatte, dazu nach zweimaligem Rückstand. Es hätte schlimmer kommen können.



Foto: Tomek Bo

Der Blaue Mythos von der Gelben Geduld

Das Drumherum der Bundesliga ist hektisch, auf Schalke sowieso. Immer wieder wird Geduld gefordert. Gerade vor dem Derby wird Schalke da häufig mit Borussia Dortmund verglichen. Dabei wird Schalkes Hektik der angeblichen Geduld Borussia Dortmunds gegenüber gestellt.
André Breitenreiter erwähnte in der heutigen Ausgabe des kicker, Dortmund habe seinerzeit mit Jürgen Klopp „Ruhe bewahrt, sich zwei, drei Jahre Zeit gegeben“, was er sich auch auf Schalke wünsche, denn es brauche Geduld „um eine hungrige Mannschaft zu formen, die konstant Topleistungen abruft und in einigen Jahren um Titel mitspielt“. Ein Tag zuvor ließ man Felix Magath in Sportbild zu Wort kommen. In einem Artikel, in dem Schalkes Ex-„Trainager“ den Club umfassend kritisiert, lobt er Dortmunds „Stabilität“, durch die Klopp nie infrage gestellt worden sei. Selbst Ralf Fährmann nannte vor kurzem Borussia Dortmunds Zeit unter Jürgen Klopp als Beispiel für ein geduldiges Umfeld. Unter Fans gibt es den Vergleich der Blauen mit Borussia Dortmund seit Jahren zu hören. Eine Darstellung die zum Mythos avanciert. Ein Vergleich der gewaltig hinkt.

Nein, Fußballfans träumen nicht immer und ständig von der Meisterschaft, nicht mal auf Schalke. Zufriedenheit steht immer im Zusammenhang mit Erwartungen, und diese werden durch die Umstände, in denen sich ein Club bewegt, und durch die zuletzt erreichten Ergebnisse bestimmt. Grundsätzlich kann man sagen, dass sich Fans, ausgehend von den Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit, eine Verbesserung wünschen.

Bevor Borussia Dortmund in Jürgen Klopp den für diesen Club perfekten Trainer fand, hatte man diverse andere Trainer recht ungeduldig verschlissen. Von 2002 bis 2007 ging es Jahr für Jahr sportlich ein Stückchen bergab. Die finanziellen Probleme warfen einen Schatten auf den Club, 2005 stand man kurz vor dem Konkurs. Als Jürgen Klopp die Mannschaft im Sommer 2008 übernahm, hatte sich der BVB vier Jahre hintereinander nicht für einen europäischen Wettbewerb qualifiziert und die vorherige Saison mit ungeduldigem Umfeld und doll’scher Wutrede auf Platz 13 abgeschlossen.

In der ersten Saison unter Klopp erreichte der BVB Platz 6, die beste Platzierung seit fünf Jahren. In der zweiten Saison qualifizierte man sich nach fünf Jahren erstmals wieder für den Europacup. In den folgenden vier Jahren wurde man zweimal Deutscher Meister, zweimal Vizemeister, gewann einmal den DFB-Pokal, erreichte das Champions League-Finale und ist seitdem der einzige ernstzunehmende Konkurrenz des FC Bayern in deutschen Fußball. Als im siebten Jahr plötzlich nichts mehr funktionierte, als Borussia zur Winterpause auf einem Abstiegsplatz stand, überschlugen sich die Zeitungen mit schlauen Artikeln die erklären wollten, warum Jürgen Klopp nicht mehr der geeignete Trainer sei. In der Folge gab er seinen Rücktritt zum Saisonende bekannt.

Letztlich war Jürgen Klopp sieben Jahre Trainer von Borussia Dortmund – nicht, weil das Umfeld so geduldig war, sondern weil er so lange ständig Erfolg hatte!

Auch auf Schalke bereiteten die Finanzen in der jüngeren Vergangenheit Sorgen. Trotzdem schafften es die Blauen, weiterhin stets um die Europapokalplätze mitzuspielen. Schalke erlebt gerade die erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte seit Gründung der Bundesliga. In den elf Spielzeiten seit 2004/2005 kam Schalke achtmal unter die ersten vier. Unter Fred Rutten wurde man 2009 Achter und die vergangene Saison unter Jens Keller und Roberto Di Matteo wurde als Katastrophe angesehen – trotzdem qualifizierte sich Schalke mit Di Matteos sechstem Rang immer noch für die Europa League. Lediglich in der Saison 2010/2011 waren die Blauen von den Europacup-Plätzen weit entfernt und beendeten die Spielzeit auf Platz 14. Dafür gewann man in dieser Saison den DFB-Pokal und erreichte das Halbfinale der Champions League.

Die Erwartungshaltung auf Schalke ist somit letztlich der eigenen erfolgreichen Arbeit geschuldet. Das mag für André Breitenreiter, der bei der Forderung nach Geduld für sich und sein Tun wirbt, großen Druck bedeuten. Und ja, Zufriedenheit ist nicht ausschließlich ergebnisabhängig, begeistert die Spielweise, stimmt das Gefühl, gibt es auch nach nicht gewonnenen Spielen Applaus. Aber Apelle an Geduld reichen nicht, will man erklären, wieso beispielsweise ein sechster Tabellenplatz okay sein soll, wenn ein solcher unter einem anderen Trainer als furchtbar erachtet wurde. Geduld gibt es im Profifußball nur, solange Hoffnung auf ein besseres Weiteres besteht.

Auf Schalke wie in Dortmund, wie überall.



Foto: Thomas Rodenbücher

Die Highlights der Anderen

Am gestrigen Dienstag trieb mich mein Tun nach Dortmund. Gegen 20 Uhr stand ich im Verkaufsraum einer Tankstelle. Nach dem Erledigen der zu erledigenden Dinge wünschte mir die Kassiererin noch einen schönen Abend. Danke, erwiderte ich, „und Ihnen einen schönen Feierabend, wenn es denn so weit ist.“ Oh, das dauere noch, und gleich spiele ja Borussia, das wäre ja erst mal das Wichtigste. Für mich nicht, ich wäre nicht von hier und hielte zu den Anderen. „Oh, zu den Bösen?“ fragte sie, mit schelmischem Zug um den Mund. Ich lächelte, antwortete nicht mehr, aber kniff ihr ein Äugsken, wie mein Opa einst zu sagen pflegte.

Egal wo und für wen, ich mag es, wenn der Fußball für Leute so wichtig ist, dass er in ihren Alltag dringt, auch anderen gegenüber, die damit zunächst nichts zu tun haben. Ich war ein wenig neidisch, auf das Highlight eines DFB-Pokal-Viertelfinalspiels.

Auf Schalke ist es derweil ruhig. Es ist die Zeit nach den Storys um Julian Draxler und vor den Storys um Christian Heidel. Beide Themen sind so langweilig wie vorhersehbar. In dieser Woche soll es eine Entscheidung geben, ob Joel Matip den Club am Saisonende verlässt oder nicht, sagte Horst Heldt. Dass dies längst entschieden sei, meldete vor Wochen die „SportBild“ und befürchten viele Fans. Wann die Entscheidung verkündet wird, bleibt abzuwarten.

Also harren wir der Dinge. Das nächste Spiel ist immerhin schon Freitag.
Nein, der anderen Clubs DFB-Pokalspiele schaue ich mir nicht an.

Schon schade

Schalke verliert das Derby mit 3:2. Letztlich ein verdienter Sieg für Borussia Dortmund, obwohl Schalke seine Außenseiterrolle gut ausgefüllt hat. Im Kleinen waren es Schalker Fehler in profanen Situationen, im Großen stellte Dortmund aus nachvollziehbaren Gründen eben die dominante Mannschaft.

Ein neutraler Zuschauer wird den Sieg für Dortmund als verdient erachten, weil die Gelben das Spiel bestimmt haben. Dortmund agierte eigentlich über 90 Minuten, Schalke verteidigte und wartete auf Lücken.

Ich bin nicht neutral. Ich habe jeden Zweikampf mitgefühlt, habe mich über Schüsse ins Aus gefreut wenn’s eng war. Ich war angespannt, wenn Leroy Sané steil ging. Es war ärgerlich, dass Schalke die Borussen-Offensive so lange ordentlich im Griff hatte und dann solch „alberne“ Tore kassierte wie die ersten beiden, nach einer Flanke, nach einer Ecke. Es war toll wie Ralf Fährmann hielt, als Schalke die Offensive der Gelben nicht mehr so gut im Griff hatte. Es fühlte sich gut an, dass Schalke bei seinen Gegenstößen stets Gefahr ausstrahlte. Es war positiv überraschend, dass Klaas-Jan Huntelaar plötzlich wieder so abgezockt traf.

Derbyniederlagen sind ätzend. Ich konnte letztlich meinen Frieden mit diesem Spiel machen, weil die Blauen nie aufgaben, weil sie meines Erachtens ein gutes Spiel gegen einen für diese Mannschaft zu starken Gegner geboten haben. Die Voraussetzungen sind eben mittlerweile längst nicht mehr gleich, nicht mal mehr ähnlich.

André Breitenreiter bemerkte es richtig, relativierte die Einschätzung aus Gründen der Folklore und hatte doch recht. Der BVB ist Schalke hunderte Millionen Investoren-Gelder voraus. Für Aubameyang und Mkhitaryan hat Borussia dem Vernehmen nach über 40 Millionen Euro an Ablöse bezahlt, für Sokratis, Ginter und Ersatzstürmer Ramos nochmal 30 Millionen.
Dortmund kann sich fertige Qualität leisten, während Schalke vielfach auf Talente und deren Entwicklung setzt und setzen muss. Eine Entwicklung, die nicht weit genug vorangeschritten ist, um gegen Dortmund ebenbürtig antreten zu können. Um diese Nachteile auszugleichen muss man weitestgehend fehlerfrei agieren und ein bisschen Glück haben.

Das kann gelingen. Ganz so glatt lief es gestern aber eben doch nicht.



Foto: Tomek Bo

Faszinierend emotionslos

Der Weltraum, unendliche Weiten, wir schreiben das Jahr 2015. Dies sind die Abenteuer des FC Schalke 04, der mit seiner 12 Mann starken Besatzung 90 Minuten lang unterwegs war um neue Welten zu erforschen, neue Taktiken und einen neuen Tabellenstand. Viele Lichtjahre von Konkurrenzfähigkeit entfernt drang diese Schalker Mannschaft in Galaxien vor, die seit Anbeginn des Königsblogs noch nie zuvor eine Gruppe Blauer gesehen hat.

Mr. Spock starb am Freitag, und doch ist die Art des Vulkaniers, Gefühle zu unterdrücken, lebendig wie nie. Und so schaute man aufs Derby wie auf einen Unfall. Man war angewidert und konnte den Blick doch nicht abwenden.

So wenig emotional wie Mr. Spock, nur mit weniger Selbsterhaltungstrieb, stand Schalkes Trainer Roberto Di Matteo am Spielfeldrand, als seine Mannschaft auf die Katastrophe zusteuerte. So wie er coachte agierte auch sein Team: Nüchtern analysierend, dass man wohl keine Chance habe, dass es deshalb nahezu albern wäre, seine Kräfte für sowas wie Gegenwehr zu vergeuden.

Schalke agierte in diesem Derby wie eine Amateurmannschaft im Pokalwettbewerb gegen den großen, übermächtigen Gegner. Voller Ehrfurcht, ohne jegliches Selbstbewusstsein, niemals auf Augenhöhe. Es war eben nicht nur so, dass das taktisch neu angeordnete Mittelfeld nicht funktionierte. Die wie ehedem angeordnete Abwehrkette funktionierte auch nicht. Es war auch nicht nur so, dass die Taktik nicht funktionierte. Das Zweikampfverhalten funktionierte auch nicht.

Ein Debakel. Eine Nicht-Leistung, die auf dem königsblauen Planeten einst hätte dazu führen können, den Trainer und den Manager ad hoc zu entlassen. Stattdessen geht der Club zur Tagesordnung über. Emotionsarmut in mal hilfreich, mal furchtbar.

Faszinierend.