Absolute Physis

1. März 2010, Torsten Wieland

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Es sei kein gutes Spiel gewesen, arm an Höhepunkten, so ist zu lesen und zu hören. Mag sein dass es die Torchancenzähler so sahen, und das es diejenigen so fühlten, die sich gut unterhalten lassen wollten. Für mich war dieses Spiel von der ersten bis zur letzten Minute aufregend. Eine Stunde stand mir das Entsetzen im Gesicht, weil Dortmund den Raum im Mittelfeld deutlich dominierte, etwas dass in der Regel Schalkes Stärke ist. Und dann diese „Auferstehung“, wieder mal, als man dachte es geht nichts mehr kam Schalke mit beeindruckender Kraft zurück, und Dortmund hatte nichts mehr entgegenzusetzen.

Magaths Formationsexperiment ging kräftig in die Hose. Edu neben Kuranyi in der Spitze, Sanchez und Farfan auf den Flügeln und mit der Aufgabe, bei gegnerischem Ballbesitz als Mittelfeldspieler zu agieren. Was zunächst offensiv aussah führte zu einer realen Unterbesetzung im Mittelfeld, weil sich Vicente Sanchez für Defensivgegrätsche als zu schwach auf der Brust erwies, und weil sich Farfan irgendwo im Nirgendwo aufrieb und quasi nie an der richtigen Stelle war, wenn mal ein Ball nach vorne geflattert kam.
Überhaupt war es viel Geflatter, immer wieder wurden Bälle hoch und weit nach vorne geschlagen, mal um sich aus Bedrängnis zu befreien, mal weil es den Blauen einfach nicht gelang, sich am Boden durch die gelben Reihen zu spielen. Zu viele geringelte Beine, sehr fixe Beine.

Dortmund spielte bis zirka 20 Meter vor dem Schalker Tor hervorragend. Fast überall auf dem Platz schafften sie Überzahl in Ballnähe, sie forcierten Fehler indem sie die Blauen schon in deren Hälfte attackierten. Es gab Szenen, in denen Dortmund sechs oder sieben Ballkontakte unmittelbar vor dem Schalker Strafraum ausspielen konnte, weil jeder Schalker alleine auf verlorenem Posten stand. Häufig genug – zu häufig – kamen die Gelben mit dem Ball auch vors Tor. Hätte sie einen Knipser gehabt, es hätte nach 20 Minuten schon 0:2 gestanden.

Sie hatten keinen, und so kam es zwar zu vielen brenzligen Situationen, aber doch erst mit dem Elfer in der zweiten Halbzeit zur Führung für Borussia. Rund 15 Minuten dauerte die „Trauerphase“, dann hatte jeder Schalker realisiert dass es nichts mehr zu verlieren gab und drehte auf.
Wieso das erneut so funktionierte, wiese es so häufig so weit kommen muss, ich weiß es nicht. Plötzlich glüht alles. Plötzlich ist alles so viel kraftvoller. Mit jeder gelungenen Aktion und mit jedem Pfiff des Schiedsrichters für den Gegner wird das Stadion lauter, was wiederum die eigenen Mannschaft noch weiter anstachelt. Weil es in dieser Saison schon öfter geklappt hat, glaubt man plötzlich wieder dran. Dann wird erzwungen, was zuvor nicht erspielt werden konnte.

Borussia hadert nun (wieder) mit dem Schiedsrichter. Laut der offiziellen Vereinswebseite habe Herr Gräfe in der zweiten Hälfte zugunsten der Blauen gepfiffen, die sich nur mit „Zweikämpfen am Rande des Erlaubten, viele Nickeligkeiten und kleine versteckte Fouls“ zurück ins Spiel brachten. Meines Erachtens ist das Selbstschutzgenöhle. Meines Erachtens brachte es Jürgen Klopp sehr viel besser auf den Punkt.

Jetzt ist man im nahen Osten erst mal wieder leise. Noch 10 Spieltage. 8 Punkte Vorsprung vor Platz 4, 10 vor Platz 6. Ma’kucken.

Derby Nummer Einhundertfünfunddreißig

26. Februar 2010, Torsten Wieland

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Heute Abend steigt das 135. Pflichtspiel-Derby zwischen den FC Schalke 04 und Borussia Dortmund, und ich habe mich immer noch nicht entschieden, ob ich den Zug oder das Auto nehmen soll. Sich einfach mal auf’n letzen Drücker entscheiden, wie ich mir romatischerweise vorstelle, wie es Felix Magath mit seinen Startaufstellungs- überraschungen hält, das bringt vielleicht Glück. Dabei sein werde ich auf jeden Fall.

Felix Magath ist ob des Derbys nahezu emotional ergriffen. Jedenfalls wenn man die gestrige Pressekonferenz mit anderen vergleicht, in denen Magath seine übliche mit Distanz vorgetragene Gelassenheit zur Schau stellt. Erst bei seinem ersten Dabeisein habe er den Unterschied zu anderen Derbys wirklich begriffen, sagt er. Und er sagt all die anderen Dinge, die man hören will, sagt, dass seine Mannschaft agieren und sich Tore erspielen oder erzwingen soll. Sagt, dass er höchstmöglichen Einsatz erwartet. Lediglich auf die Frage, ob er in der Vergangenheit nicht beinahe mal Trainer von Borussia geworden wäre, sagt er nichts. Selbst in die Enge gedrängt mag Felix Magath nicht notschwindeln.

Heiko Westermann und Carlos Zambrano werden vermutlich nicht spielen. Rafinha wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder seinen Platz in der Viererkette einnehmen. Neuer, Kuranyi, Farfan, Höwedes und Bordon … alles andere ist Spekulation. Fangen wir also an:

Ich tippe auf die Einwechselspieler …
Asamoah
Hao
Moritz
 



[Einwechselspieler-Raten: Ein ausschließlich der Ehre halber zu treibender Zeitvertreib, bei dem jeder mitmachen kann, der bis eine Stunde vor Anpfiff die Namen der zu erwartenden Schalker Einwechselspieler in einem Kommentar hinterlässt. Der Gebrauch von Insiderinformationen oder Bestechungsgeldern darf von Dritten nicht nachgewiesen werden können. Die Tippabgabe unter Einfluss von Dopingmitteln ist offiziell verboten, es besteht ein Stillschweigegebot. Bewusstseinserweiternde Drogen werden vom Blogger persönlich abgelehnt und bei anderen Tippern nur geduldet, solange sie sich nicht negativ auf den Kommentareintrag auswirken. Zuwiderhandlungen führen zum Ausschluss. Akteneinsicht wird grundsätzlich nicht gewährt.]

Mit Sicherheit falsch

25. Februar 2010, Torsten Wieland

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[Foto: mkorsakov]

Rolf Rüssmann ist tot

4. Oktober 2009, Torsten Wieland

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Diese Nachricht hat mich wirklich getroffen. Auch weil ich unvorbereitet war. Dass Rolf Rüssmann derart krank war, hatte ich nicht gewusst.

Ein prägnanter Kopf der Bundesliga. Für den Jungen, der ich war, die längste und bewusste Zeit ein Borusse, was aber seinem Ansehen bei mir nicht schadete. Einer den man, den ich mochte, weil er „geradeaus war“. Auch später noch, als Bundesligamanager, im DSF sitzend, in Rudi Brückners „Doppelpass“, in der gefühlten besseren Zeit.

Rolf Rüssmann war einer der ganz großen Schalker. 12 Jahre eine feste Größe in der Schalker Abwehr, Teil der Schalker Jahrhundertelf und Halter eines Schalker Rekords, der wohl in alle Ewigkeit bestand haben wird: Zwischen dem 15. Januar 1977 und dem 29. November 1980 stand er in 134 Bundesligapartien in Folge auf dem Platz. Und in den folgenden viereinhalb Jahren für Borussia Dortmund, den letzten seiner Karriere, fehlte er auch nur in sechs Spielen.

Wenn dieser Tage in den Nachrufen zu Rolf Rüssmann viel von den Eigenschaften des „ehrlichen Kämpfers“, des „bodenständigen Typen“ geschrieben wird, wenn man dabei immer leicht zuckt, weil diese vermeintlichen Floskeln in den Jahren doch arg überstrapaziert wurden, sollte man sich diesen Rekord bewusst machen um erfühlen zu können, dass das wirklich noch eine andere Zeit war. Eine, in der es diese Typen eben wirklich noch gab, denen das Tun wichtiger war als das Sein. Typen wie Rolf Rüssmann.

Schwarz-Gelb beschließt Jubelsperrzonen

28. September 2009, Torsten Wieland

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Einen Tag nach den Sieg bei der Bundestagswahl verspricht die kommende CDU/FDP-Regierung, sich um die Probleme des Volkes zu kümmern. Im Rahmen eines Sofortprogramms wurde auch die Einführung von Jubelsperrgrenzen in der Fußballbundesliga beschlossen, um „unschöne Szenen in Deutschlands beliebtester Sportart“ zu verhindern und „den sauberen Sport zu erhalten“. Demnach sollen Spieler demnächst verwarnt werden, wenn sie in einer Zone von Platzbreite und 16 bis 28 Meter Tiefe (siehe Grafik) durch „übertriebene Gesten“ auffallen.

Nach Abpfiff des Revierderbys zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 hatte Schalkes Torhüter Manuel Neuer in die Zuschauer gejubelt und damit die Gemüter erhitzt. Neuer stand dabei vor dem falschen Fanblock, was ihm nach dem Spiel auch von Borussia-Trainer Jürgen Klopp als Provokation ausgelegt wurde.

Mit solchem Gebaren soll nun Schluss sein. Durch die Einführung von Jubelsperrzonen würde gewährleistet, dass übereifrige Spieler von überhitzten Fans getrennt würden, so ein Sprecher der CDU. Der künftige Koalitionspartner FDP zeigte sich von den Plänen erfreut. Dadurch kämen die Spieler zum Jubeln automatisch vor die Haupttribünen. Endlich hätten dann auch wieder die Besitzer teuerer Karten etwas von der Jubelei, Investitionen müssten sich wieder lohnen, so Stimmen aus der FDP-Parteizentrale.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim „Aki“ Watzke (CDU) gratulierte der Kanzlerin Angela Merkel zur Wiederwahl und lobte die schnelle Reaktion auf die Szenen im Dortmunder Signal-Iduna-Park. In schwierigen Zeiten müsse Schwarz-Gelb zusammenstehen, so der Tenor am Borsigplatz. Der Präsident der Borussia, Dr. Reinhard Rauball (SPD), stand zu keinem Kommentar zur Verfügung.

Top-Stürmer Jefferson Farfán

27. September 2009, Torsten Wieland

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Zu Beginn der letzten Saison hatte Borussia Dortmund mit Mladen Petric und Alexander Frei zwei Top-Stürmer in ihren Reihen. Trainer Klopp konnte mit beiden nicht so recht und sortierte sie aus. Das heutige Derby gewann Schalke 04, weil es mit Jefferson Farfán noch einen Top-Stürmer in seinen Reihen hatte, der aus den wenigen klaren Aktionen eine zu nutzen wusste.

Jefferson Farfán zeigte auch in anderen Situationen seine individuelle Klasse, während sich alle anderen auf dem Platz befindlichen Stürmer als harmlos erwiesen. In einem ausgeglichenem Spiel erzielte Borussia ein Tor aus klarer Abseitsposition und durfte sich darüber ärgern, dass eine Bogenlampe tatsächlich nicht im Tor landete und vom Schiedsrichter auch noch korrekt erkannt wurde.

Es war nicht hochklassig, aber es war ein aufregendes Spiel! Anfangs ging Schalke tief in der gegnerischen Hälfte auf den ballführenden Mann los. Während des Spiels verlagerte sich das immer weiter nach hinten. Anfangs waren die Spielanteile ausgeglichen, mit fortlaufender Spielzeit und der Führung im Rücken wurde es immer mehr ein Konterspiel für Königsblau. Magath bot sein Bubi-Mittelfeld mit Schmitz (20), Moritz (19) und Kenia (18), selten auftrumpfend, aber stets aufopferungsvoll kämpfend und wohlorganisiert. Klopp stellte eine mit viel Willen und wenigen Mitteln agierende Dortmunder Mannschaft. Das 1:0 ging auf Grund der Dortmunder Hilflosigkeit in Ordnung, überlegen waren die Königsblauen allerdings auch nicht.

Und so könnte man es bei unscharfen Fazits belassen, wie bei dem von Heiko Westermann, der vom unbedingten Willen und einer zusammenstehenden Mannschaft sprach. Sowas befriedigt aber nicht, und so machen einige Fans der Borussia nun Schiedsrichter Wolfgang Stark zum Sündenbock. Unterstützung fanden sie dabei im Spielbericht des Aktuellen Sportstudios.

Plötzlich beging Jefferson Farfán vor seinem Tor ein Foul, und Borusse Marcel Schmelzer beschwerte sich nach dem Spiel vehement. Während des Spiels schien er freilich kein Unrecht zu verspürt zu haben, er schien sich nach seinem verlorenen Zweikampf eher zu schämen als sich zu beschweren. Plötzlich wurde Barrios’ Linientreffer als Quasi-Tor angesehen. Der Ball war zwar noch auf der Linie, wie auch Jürgen Klopp erkannte. In 9 von 10 Fällen würden solche Bälle aber als Tor gewertet werden, fügte Klopp zu, ohne dem erstaunten Zuhörer das Argument näher zu erläutern.
Zu schlechter Letzt wurde Schalke 04 zum provokanten Bösen erklärt. Weil man das Tor, dass man auf der Seite der schwarzgelben Südtribüne erzielte, auch dort bejubelte. Weil Manuel Neuer, nachdem er vor dieser Südtribüne spielte, sich dort über den Abpfiff und den Sieg freute. Und weil von Borussen nach dem Spiel eine Tätlichkeit von eben diesem Manuel Neuer beschworen wurden, die allerdings durch keine Bilder des Aktuellen Sportstudios belegt werden konnte. Heute lieferte der WDR TV-Bilder der Szene, aus denen klar wurde, dass der hinter Neuer gehende Kevin Großkreutz unabsichtlich leicht berührt wurde. Der WDR-Kommentator sprach von „Falschaussagen“ der Dortmunder Spieler.

Mehr Lärm als nötig also, aber vielleicht muss das so sein. Was bleibt sind die 3 Punkte für Schalke 04 nach einem spannungsgeladenen Spiel. Einem weiteren, das Spaß gemacht hat. Freitag kommt die Frankfurter Eintracht.

Foto: TomaszBo

Vor dem Derby, nach der Pause

26. September 2009, Torsten Wieland

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Da ist es also schon, das 134. Derby zwischen Blau und Gelb, Gut und Böse, Richtig und Falsch, Bekloppt und Bekloppt. Die Aggressionen kochen hoch, Gewaltaufrufe jenseits, der Plan eines Marschs durch Dortmund diesseits, die Androhung sich das nicht gefallen lassen zu wollen jenseits usw. usf.. Einerseits das eine von den zwei aufregendsten Spielen des Jahres. Andererseits auch ein Ereignis, zu dem man nicht einfach nur mit Vorfreude auf das Spiel fahren kann, bei dem man sich Vorzusehen und Umzuschauen hat.

Schalke ist auswärts in dieser Saison bislang sehr erfolgreich, Dortmund konnte zu Hause nur gegen den 1. FC Köln gewinnen. Schalke fühlt sich gut drauf, Dortmund redet sich nach einem Pokalspielsieg gegen Zweitligist KSC stark. Tatsächlich ist aber alles was bislang war egal. Heute spielen zwei Mannschaften gegeneinander, die beide auf Platz 5 hoffen. Und Abseits aller Emotionen und Geschichten wird auch das bloße Spiel zwischen zwei Teams „auf Augenhöhe“ hochinteressant werden.

Ein Sieg gegen Borussia würde meine Blogpausenwoche zu einem herrlichen Abschluss bringen. Nachdem ich nicht über das emotional unglaublich ergreifenden Spiel gegen Wolfsburg schrieb, und nachdem ich mich auch nicht darüber ausließ, dass mein Verein gegen den VfL Bochum die klar bessere Mannschaft war, möchte ich doch gerne einmal ein Hohelied singen. Am liebsten auf die Punkte, ein gutes Spiel und gute Stimmung. Ma’kucken.

Auch wenn ich nichts geschrieben habe, ganz inaktiv war ich nicht. Vor vier Wochen erwähnte ich das offiziell noch namenlose Podcast-Projekt einiger Fußballblogger schon mal. In der neusten „Nullnummer“ sollte es am vergangenen Montag unter anderem um Schalke 04 gehen. Ich durfte mich darin versuchen, meine Meinung anstatt schriftlich zu formulieren, in Form eines Interviews direkt auf die Ohren zu geben.
Diesen Podcast gibt es in unterschiedlichen Versionen, von einer alles umfassenden Rohdatei bis zu einzelnen Themen-Häppchen. Das alles ist bei Probek zu finden, dem Gastgeber aller bisherigen Ausgaben. Hier nun das, was ich als die Original-Version bezeichnen würde. Hörenswert von vorne bis hinten, wie ich meine. Falls jemandem trotzdem die Muße fehlt: Mein Part erstreckt sich über den Zeitraum 24′40 bis cirka 50′00, dabei geht es eigentlich um „alles“, auch um das Spiel gegen Wolfsburg und das heutige gegen Dortmund.




(84:09 Min)
mp3-Datei

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