Artikel zum Schlagwort ‘Borussia Dortmund’

Einfallslos und überfordert

Mag sein, dass diejenigen Recht haben, die sagen, Schalke 04 verlor gegen Borussia Dortmund wegen fehlendem Einsatz. Die Crux an der Sache ist, dass seit einiger Zeit ein an die Grenze gehender Einsatz eben nicht nur die Voraussetzung für irgendwas, sonder das einzige Mittel Schalkes im Kampf gegen Borussia Dortmund ist. In den letzten vier Begegnungen, das Supercup-Spiel eingeschlossen, stellte der BVB die deutlich bessere Mannschaft. Ich denke nicht, dass das daran liegt, dass die Blauen nicht genug rennen.

Fußball ist ein recht zufälliges Spiel, in dem auch noch bei größter Überlegenheit die Kleinigkeiten entscheiden, in dem man mit dem richtigen Massel zur richtigen Zeit ein Spiel auf den Kopf stellen kann. Das macht es so spannend, deshalb ist Fußball der beliebteste Sport von allen. Trotz aller Überlegenheit am Samstag brauchte Borussia Dortmund zwei Standardsituationen für die Tore. Trotz Unterlegenheit hatte Schalke um die 50. Minute zwei Szenen, in denen erst Alexander Baumjohann, dann Lewis Holtby für den Ausgleich hätten sorgen können.

Schalke hat eine ganze Reihe sehr guter Einzelspieler und braucht dahingehend in der Liga kaum Vergleiche zu scheuen, auch den mit Borussia Dortmund nicht. Der BVB agiert allerdings als mannschaftliches Gesamtkostrukt eine Klasse besser und vor allem viel flexibler.

Samstag sezierte Dortmunds Defensive die Schalker Offensive in ihre Einzelteile. Baumjohann und Draxler wurden auf ihren Flügeln isoliert, Raúl fand in der Mitte keinen Raum, Huntelaar hing ohne jegliche Unterstützung völlig in der Luft. Lewis Holtby kam nicht dazu, vorne zu helfen, weil der Druck Dortmunds auf Schalkes Rückraumspieler jederzeit sehr groß war. Jeder ballführende Schalker wurde bereits dreißig Meter vor dem eigenen Tor massiv angegangen. Nicht von einem „störenden Stürmer“, wie wir es von unserer Mannschaft kennen, sondern gezielt und geplant, von zumeist mindestens drei Beteiligten. Da Passspiel unter Bedrängnis nicht die Stärke der Schalker Defensivzentrale darstellt und da die Defensive nie weit genug aufrücken konnte, um den Angriff zu unterstützen, nahm das Schicksal seinen Lauf, wie in den letzten Spielen gegen Borussia eben auch.

Das alles war von der ersten Minute an so, und es änderte sich während der 90 Minuten nicht, weil Schalke nichts einfiel, weil auch zur Halbzeit nichts verändert wurde. Zunächst wechselte Huub Stevens nicht. Zwar versuchten die Blauen nun weiter aufzurücken und den Gegner etwas früher zu attackieren, aber das durchzuhalten gelang nur 10 Minuten. In der 54. Minute folgte der systemneutrale Wechsel von Pukki für Draxler. Die anderen Einwechslungen erfolgten rund zehn Minuten vor Schluss, als das Spiel längst gelaufen war. Diese Wechsel erweckten eher den Eindruck, dass Ciprian Marica und José Manuel Jurado noch etwas Spielpraxis erhalten sollten, als dass damit noch mal etwas bewirkt werden könnte. Schalke spielt seit Wochen im Große und Ganzen stets das gleiche Offensivsystem, und wenn es nicht funktioniert, funktioniert es eben nicht. Dann lag es am Ende eben an zu wenig Kampf.

Nach dem 14. Spieltag liegt Schalke nur drei Punkte hinter den Champions League-Rängen und 4 Punkte vor Platz 7. Das ist weiterhin prima. In der kommenden Woche gegen Augsburg stehen die Chancen ganz gut, dass wieder der Vorteil einer deutlich besser besetzten Mannschaft zum Erfolg ausreicht.

Bitter, bitter … aber nicht nur!

Natürlich hätte ich nach einem Sieg anders begonnen, mit dem königsblauen Auto, bei dem ca. 300 BVB-Schals aus jeder Öffnung hingen, und dass 175 km vor Dortmund das erste Lebenszeichen vom Derby war. Mein Gedanke war nur, dass hier die Insassen ihr eigenes Auto nicht verstehen und wie bedröppelt sie zurückfahren würden … Der erste Schalker, den ich sah, hatte sein Auto ca. 140 km vor dem Ziel ungesichert auf dem Standstreifen abgestellt und pieselte fröhlich in aller Öffentlichkeit in die Landschaft, während ich noch die 6 km bis zur nächsten Raststätte durchgehalten habe. Danach habe ich gegrübelt, ob mir für einen echten Schalkefan vielleicht noch eine gewisse Unbekümmertheit fehlt …

Da ich mich durch die Gefühle nach einer Niederlage durchschlagen muss, fällt mir erst mal das Verkehrschaos um die hässliche gelbe Arena ein. Die Polizei hatte offiziell und schriftlich das auswärtige Publikum aufgefordert, sein Navi auf „Rheinlanddamm“ einzustellen, um es dann auszuschalten und sich ganz vertrauensvoll in die winkenden Hände der Freunde und Helfer zu begeben. Nur leider gab es diese nicht, und um mich herum blickten mich Kölner, Frankfurter, Karlsruher, Hamburger Gesichter durch die Autoscheiben an, so ratlos wie mein eigenes, wie es denn nun weiter ginge. Jeder suchte sich auf’s Geratewohl einen Weg, und erst nach gefühlten 30 km landeten wir auf bröckeligem Gelände, wo wir – unfreundlich! – zur Zahlung von 6 Euro aufgefordert wurden. Wie sahneleicht, gratis, freudespendend und geordnet ging es dagegen in Gelsenkirchen zu!!

Da der Parkplatz riesig und gänzlich unmarkiert war, versuchte ich mir, Häuser, Bäume und Wegessteine zu merken, um in der Dunkelheit nach dem Spiel, mit der Pupillenlampe in der Hand, mein Auto vielleicht irgendwann wiederzufinden; was später auch erst nach längerem Suchen gelang. Dann stieß ich im wilden Niemandsland auf eine grimmige Reiterstaffel, die mir den angestrebten Weg versperrte. Da ich selber jahrelang geritten bin, sah ich die Pferde mit Vergnügen, aber eine Annäherung war nicht erwünscht.

Erst nach all diesen Hindernissen sah ich endlich Fußballfans, jedoch nur gelbe, gelbe, gelbe, wohin das Auge reichte. Mein Schal steckte zusammengefaltet in der Innentasche meiner Outdoorjacke. Am Drehkreuz wieder eine gewisse Unfreundlichkeit, aber ich blieb unverdrossen. Wer zuletzt lacht … und dann ENDLICH SCHALKER. Sie standen in kleinen Gruppen im Eingangsbereich, und ich machte mich erstmal auf, meinen Block zu suchen. Neben mir keuchte ein netter, älterer Herr atemlos die Stufen hoch. Ich übersah seinen hässlichen, schwarzgelben Schal, als er mich freundlich ansprach. Es war ein Thüringer Fußballfreund, auf der Suche nach seiner Borussia. Naja. Als er unsere Freundschaft durch ein Foto festigen wollte, zog ich den Schal raus, er erschrak, knipst dann aber trotzdem tapfer. Er fragte, was ich tippe, ich sagte “Auswärtssieg!”, was ihn erneut zusammenzucken lies.

Das erste Mal ahnte ich Böses, als ich auf meinem Ticket die Zahl 43 für meine Sitzplatzreihe bewusst las. GENAU in dieser Reihe hatte Matthias Berghöfer 2007 gesessen, beim 2:0 der Dortmunder gegen Schalke, was man in seinem Buch auf S.163 nachlesen kann. Alle Versuche, einen Tauschpartner für diesen vermaledeiten Sitzplatz zu finden, schlugen fehl, und so nahm das Schicksal seinen Lauf.

Dabei beeindruckte mich am Anfang die Lautstärke der Schalker Fans, neben deren Block ich saß. Sie erhoben mehrfach ihre Stimmen zu einem gewaltigen Gesang und schwangen dabei drohend ihre Fäuste. Kurz dachte ich an Krieg und Flucht. So muss es sein, wenn die wilden Horden einfallen, um alles zu zerstören, was sich ihnen in den Weg stellt. Das hässliche Metalldach über mir verstärkte diesen infernalischen Sound. Ich hätte mich nicht gewundert, wenn alle Dortmunder vor Angst aus der Arena geflohen wären. Aber leider blieben sie.

Und dann kamen die königsblauen Spieler. Keine Überraschung in der Aufstellung, die Spieler, die gegen Hannover gefightet hatten, die gegen Nürnberg vier Tore geschossen hatten, die eigentlich – gut eingestellt und angstfrei – die Dortmunder vom Platz hätten fegen können/wollen/sollen, sie behandelten das Spielgerät rätselhaft unbeholfen, stolperten darüber, über die eigenen Füße und die der Gegner, was gleich mal in der zweiten(?) Minute zu einem Freistoß führte, der haarscharf am Tor vorbei fegte. Die erste Halbzeit verbrachte die gesamte Nordtribüne – ich dabei – in ständigem Aufspringen, um den Ball um das zu unseren Füßen in der Tiefe befindliche Tor flitzen zu sehen. Wenn er nicht drin war, stöhnten wir wenigen Schalker vor Erleichterung auf, während die Dortmunder, die hier in zehnfacher Überzahl saßen, ihren Augen nicht trauten, was für Chancen ihre Mannschaft hatte. Stinkefinger wurden vom Schalkeblock aus gezeigt, als die Gelben „Ratlos 04“ skandierten und danach zurück stinkefingern.

In der Pause gab es einen geradezu unglaublichen Toilettenmangel zu beklagen, so dass das Spiel schon lief, als ich die hässliche Arena wieder betrat, in der gerade die Schalker stürmten. Ich sah mit Befriedigung, dass meine Sitznachbarn nachdenklich wurden und schmetterte ihnen entgegen, dass es jetzt erst ein richtig gutes Spiel würde. Dann kam Santanas Tor, und die Schalker beeindruckten Dortmunds Stinkefingerzeiger mit ihrem Liebeslied an ihren Verein: „Der Mythos vom Schalker Markt“.

Was ich auch sah: Eine Frau, die einen Schalke- und einen BVB-Schal zu einem Schal zusammengerollt hatte und beide um den Hals trug. Gegenseitigen Respekt zwischen den Fans beider Vereine, viel mehr als ich mir das vorher vorgestellt habe. Die vielen Szenen kann ich gar nicht alle schildern. Auch Humor. Und neben mir auf der linken Seite, zwei Männer, verschwägert erzählten sie mir, sie gehen zu jedem Derby zusammen, der eine BVB-, der andere Schalkefan. Wir haben viel gelacht. Auch wenn dem Schalkeschwager und mir nach dem Spiel erstmal die Ohren hingen …

Gestern war die Mannschaft nicht gut eingestellt, oder was auch immer der Grund war für das schlechte Spiel. Die Blauen verteilten sich über den ganzen Platz mit riesigen Abständen zwischen den einzelnen Spielern, sie pressten nicht früh, sie ließen die Dortmunder kommen, standen viel zu tief, bei Angriffen blieben defensives Mittelfeld und Abwehrreihe stehen, als ginge sie das Ganze nichts an. Nach vorne kamen hohe Bälle, die in ihrer mangelnden Präzision oft ins Nirwana gingen. Es war zum Schaudern.

Den tiefsten Eindruck hat aber heute nicht das Spiel hinterlassen, sondern das Verhältnis, das viele Menschen beider Vereine zueinander haben: Respektvoll, feindselig und voller Humor. Als ich bei der schlecht organisierten Abfahrt eine halbe Stunde in meinem Auto saß, ohne dass ich es auch nur drei Meter hätte weiterbewegen können, fuhr ich die Scheiben runter und beschallte den Parkplatz mit dem Steigerlied und anderen Schalkeliedern, die ich seit Wochen im CD-Player habe, während die Fans beider Vereine an mir vorbeizogen … ich war glücklich, auf der richtigen Seite zu sein! … und wie friedlich um mich herum alles ablief, und sinne doch auf Rache im nächsten Jahr!

Matchplan to enjoy dat Derby

Fußball ist nicht immer Ding, Dang, Dong. Fußball ist manchmal auch nur ‘n ordentlicher Dong, und zack, ist the Cat in the Sack. ENJOOOOOY!


Testspiel im Showgewand

Supercup: Schalke 04 – Borussia Dortmund, Großkreutz gegen Fährmann

Irgendwas ist nicht im Lot, wenn nach einem 0:0 direkt ein Elfmeterschießen folgt, sich das Stadion vor dem Spiel aber zur Nationalhymne erhebt. Das Brimborium und auch die Behandlung des Spiels durch den FC Schalke 04 sorgten für Missstimmung bei einigen Fans, auch bei mir. Dieses Testspiel zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund war als solches dennoch interessant.

Entweder es ist ein Heimspiel des FC Schalke 04, ähnlich derer in europäischen Pokalwettbewerben. Dann sollte der eigene Stadionsprecher seinen Job wie immer ausfüllen können. Dann sollten die Parkplätze wie stets umsonst sein, und nicht erst nach Fanprotesten. Dann sollten Schalker mit Dauerkarten in Block S1 ihren Platz nicht für Fremde räumen müssen.
Oder es ist Veranstaltung der Liga. Dann sollten die Tickets auch von der Liga vertrieben werden. Dann sollte es nicht so sein, dass Schalker Dauerkarteninhaber für dieses Testspiel Preise von bis zu 40 Euro von ihrem Konto abgehalten bekommen, ob sie es wollen oder nicht.

So musste man böllernde, zündelnde, sich übel aufführende Fans in schwarzgelb fies nah erdulden. Ein Ärgernis, für das ich lieber nicht gezahlt hätte. Andererseits bin ich mir nicht sicher, ob mich die ZDF-Übertragung des Spiels ähnlich „reich“ an Erkenntnissen hätte werden lassen können. Es gab schon viel zu sehen.

Bestätigendes. Borussia funktioniert als Mannschaft hervorragend, dabei scheint es egal zu sein, welche Protagonisten die Rollen spielen. Natürlich sind Spieler wie Hummels oder Götze auch individuell herausragend. Andere aber auch nicht. Trotzdem lässt Klopps Spielweise die Mannschaft zu mehr als die Summe ihrer Spieler werden. Die Mannschaft ist unglaublich schnell in ihrer Auffassungsgabe und lebt die Offensive „total“. Als Schalke bei einer Ecke in der zweiten Hälfte den Ball verlor, konterten fünf Borussen gegen zwei Schalker über die gesamte Platzlänge Fährmanns Tor entgegen. Nicht weil die Gelben schneller laufen können, sondern weil fünf von ihnen die Situation in einem begriffen und umgesetzt hatten, während Schalke noch erfasste.

Rangnicks Schalke braucht noch Zeit. Ob und wenn, wie gut es mal funktioniert, ist noch nicht zu sagen. Wie es aussehen könnte, war gegen Borussia zu sehen. Schalke war sehr offensiv aufgestellt. In der Abwehrkette agierten Kyriakos Papadopulos und Benedikt Höwedes innen, Marco Höger und Christian Fuchs auf den Außenpositionen. Davor spielte mit Joel Matip nur ein Sechser. Lewis Holtby und Raúl spielten im offensiven Mittelfeld hinter Klaas-Jan Huntelaar, auf den Flanken agierten Draxler und Baumjohann.

Gerade in der Zentrale hatte Schalke bei gegnerischem Ballbesitz häufig Schwierigkeiten. In den ersten 20 Minuten gelang es noch ganz gut, Borussia tief in deren Hälfte zu attackieren. Danach nahm Dortmund schneller Tempo auf, kam flott hinter die „erste Abwehrreihe“ Schalkes und traf dann auf einen häufig alleingelassenen Joel Matip oder auf einen defensiv überforderten Raúl. In der zweiten Hälfte war es eher Holtby, der sich in Drucksituationen neben Matip zurückfallen lies. Das sah etwas besser aus.
Auffällig war, dass Ralf Rangnick für spezielle Aufgaben nach Schnelligkeit aussucht. Bei Eckbällen für den Gegner war es nicht Huntelaar, der an der Mittellinie auf eine Konterchance lauerte, sondern Alexander Baumjohann. Bei eigenen Eckbällen gab Lewis Holtby schon mal den defensiven Abfangjäger im Rückraum, wenn er nicht an der Ausführung der Ecke selbst beteiligt war.

Gegen Borussia fand Huntelaar nicht statt. Bis zu ihm kam der Ball meistens nicht durch. Raúl machte auf der hängenden Position auch keinen allzu guten Eindruck. In der 69. Minute kam Jan Moravek für Klaas-Jan Huntelaar. Raúl ging in die Spitze und Moravek und Holtby agierten im offensiven Mittelfeld. Diese Formation sah beweglicher, irgendwie runder aus.

Alexander Baumjohann machte vor allem in der zweiten Halbzeit einen guten Eindruck. Er bekleidete die Farfán-Position, die ich bewusst so nenne. Trotzdem war die Leistung von Baumjohann so, dass ich wieder diesen Drang verspürte, ihm die Daumen zu drücken. Er hat das Talent, vielleicht weckt Rangnick in ihm die dauerhafte Leistungsfähigkeit.

Schalke spielte kaum einen langen Pass und schlug auch unter Druck wenige Bälle weg. Flach und Schnell war als Stil zu erkennen, aber viel ging daneben. Das wäre schon der richtige Gradmesser gewesen, sagte Ralf Rangnick nach dem Spiel, dem kann man nur beipflichten. Borussia beherrscht ein sehr ähnliches Spiel tatsächlich meisterlich und war über weite Strecken die bessere Mannschaft. Ralf Rangnick wird seiner Mannschaft den Weg zu gutem Fußball zeigen, wenn er genug Zeit dazu bekommt.

Schalke hat den Supercup gewonnen. Nur ein Testspiel, aber Ralf Fährmann hat gut gehalten und wurde als Held gefeiert. Die Zeitungsberichte über ihn werden sich nun zunächst deutlich positiver als zuletzt lesen lassen. Abgesehen von Erkenntnissen bezüglich des Spielerischen gewinnt man den Triumph gegen die Anderen und gute Laune. Ein Sieg, auf den man sich nichts einbilden braucht, der nichts schafft, durch den nichts erreicht ist. Aber ein Spiel, dass die Vorfreude steigert und ein Stück der Ungewissheit nimmt.

Und dass am Ende gerade Großmaul Großkreutz derjenige welcher war, rundet die Sache auf angenehme Weise ab.

Mein fehlendes Wort zu Borussia Dortmund

Nein, ich will keine freudige Anteilnahme bekunden, deshalb kann ich nicht gratulieren. Ein Glückwunsch liegt mir selbstredend noch viel ferner. Es lässt sich partout nicht auf ein griffiges Wort reduzieren, und ein aus zwei Wörtern bestehendes „Hut ab!“ wäre zu lapidar. Es läuft auf die sperrige Formulierung „Ich zolle Anerkennung“ hinaus. Es geht um Borussia Dortmund.

Seit drei Jahren wurde in Dortmund überragend viel richtig gemacht. Jürgen Klopp wirkte von Beginn an authentisch. Für ihn war Dortmund ein Aufstieg, man hatte sofort das Gefühl, dass es für ihn eine Herausforderung war, das Beste aus diesem Club zu machen. Zumindest gefühlt mit offenem Ende. Das Gegenteil von einem zeitlich begrenzten Projekt mit überhöhten Zielvorgaben.
Es wurde eine Mannschaft zusammengestellt in der die Leistungsträger so jung sind, dass sie noch gar nicht im Zenit ihrer Leistungsfähigkeit stehen können. Und doch funktionierten sie eine komplette Saison wie eine unter Hochdruck stehende Maschine und besiegten die Liga.

Nur gegen zwei der 17 anderen Bundesligaclubs hat Dortmund in dieser Saison nicht gewonnen; gegen einen davor wird noch mal gespielt. In 32 Bundesligaspielen hat Dortmund 19 Gegentore zugelassen. Der Club mit den zweitwenigsten Toren kassierte doppelt so viele. Aber auch Abseits der Zahlen war die Leistung beeindruckend. Die große Mehrheit der Spiele hat Borussia sehr dominant, aus eigener Kraft völlig verdient gewonnen. Bei einer Reihe der nicht gewonnenen Spiele war Dortmund auch noch die bessere Mannschaft. Verdienter kann eine Mannschaft kaum Meister werden.

Mal abgesehen von irgendwelchen Scharmützeln, von Populismus oder Peinlichkeiten, sondern bezogen auf Planung und Durchführung in allen Betätigungsfeldern die mit dem Spielbetrieb zu tun haben, hat Borussia Dortmund mit diesen drei Jahren eine Referenz für alle Bundesligaclubs außer Bayern München geschaffen.

Letzter!

Nach vier Bundesligaspieltagen ist Schalke 04 völlig verdient Tabellenletzter. Gegen Borussia Dortmund war Schalke in allen Belangen unterlegen und hat sich in 90 Minuten keine klare Torchance erspielt … das 1:3 war reingelogen und schmähliche Ergebniskorrektur. Schalke war so schlecht, viel schlechter geht gar nicht mehr.

Da hat Schalke vorne einen Knipser wie Huntelaar und ist nicht in der Lage, den Ball zu ihm zu bringen. Da hat Schalke einen spielstarken Stürmer wie Raúl und lässt ihn sich die Bälle selbst knapp vor dem eigenen 16er holen. Da ist nichts geplant. Da gibt es kein Konzept. Da weiß keiner, wie er zu funktionieren hat. Jedenfalls sieht es so aus.

Da ist Jefferson Farfan der beste Schalker und spielt weit rechts, fernab jeden Geschehens, für sich alleine, auf dem Flügel herum. Das hilft der Mannschaft überhaupt nicht. Farfan ist nicht integriert. Da hat Schalke ein Loch hinter den Spitzen und hat dafür einen 13-Million-Mann eingekauft, der nun nicht zum Einsatz kommt. Als sei die Defensive besser, wenn vorne nichts funktioniert.

Aber halt. Verrisse sind einfach und deshalb langweilig. Schalke war grottenschlecht, Dortmund war gut. Mehr braucht es nicht der klaren Worte. Zu mehr kann ich mich nicht aufraffen, zu mehr habe ich keine Lust. Sorry.

Felix Magath sagt:
Jetzt geht es nur noch darum, erstmals zu punkten. Nach vier Spielen ohne ein Unentschieden hat man keine anderen Ziele mehr.



Foto: Dude Crush

Über Favoriten, brennende Bäume und den Trainer

Derby-Wochenende. Dortmund geht als Favorit ins Spiel, schreibt Klaus Wille sehr deutlich und wohl richtig, in einem ansonsten wenig bemerkenswerten, weil dieser Tage sehr zeitgemäßen Kommentar bei derwesten.de. Dortmund geht als Favorit ins Spiel weil Dortmund die letzten Spiele gewonnen und Schalke die letzten Spiele verloren hat, weil Schalke gerade keinen guten Fußball spielt und weil Dortmund den Druck seiner Fans, die mittlerweile den ersten Sieg auf Schalke seit 2005 erwarten, nicht spüren muss. Die kommen ja nicht.

Für Schalke wird das Spiel der nächste Akt in Sachen Mannschaftsfindung. Als Nebenprodukt sollten aber tunlichst ein paar Punkte dabei rausspringen, einfach weil man ansonsten das Saisonziel „oben mitspielen“ für einen längeren, in jedem Fall zu langen Zeitraum vergessen kann. Falls man auch das Derby verlöre, brenne auf Schalke der Baum, habe ich in den letzten Tagen unzählige Male gelesen. Was das heißt, weis ich nicht.

Es gäbe sicher Pfiffe. Vielleicht würden auch ein paar Fans, deren Hirn nur Speicherplatz für 140 Tage hat, die Entlassung Magaths fordern. Schalke wäre am Montag in den Medien Thema Nummer 1. Mittwoch folgt so oder so das nächste Spiel.
Ebenfalls bei derwesten.de fragte Frank Lamers vor ein paar Tagen, ob sich Schalke überhaupt leisten könnte, Felix Magath zu entlassen. Frank Lamers vermutet nein und findet das schlecht. Seiner Meinung nach müssen bei Misserfolg „die Automatismen brutal greifen können“. Ich hingegen halte das nicht nur der Wortwahl wegen für dumm, sondern wäre im speziellen Fall Magath froh, wenn dem Verein die Hände gebunden wären.

Wenn Spiele verloren werden gibt es immer was zu kritisieren und das muss auch erlaubt sein. Man kann sich immer auch eine andere Vereinspolitik wünschen. Aber Schalke hat sich nun mal für das „Projekt Magath“ entschieden, und wenn man einen guten Trainer hat, ist das „brutale Eingreifen“ wegen temporärer Misserfolge genau der Fehler, der so vielen Bundesligaclubs stets wieder um ein bis zwei Jahre zurücksetzt. Schalke hat einen guten Trainer, den besten deutschen, wie Luis Van Gaal einst bescheiden bemerkte. Und einen holländischen will ich vorerst nicht mehr.

Ich sehe Jurado in der Startaufstellung. Deshalb tippe ich als Einwechselspieler auf …

Deac
Hao
Kluge

Asamoah geht ja leider nicht.



Was ist Einwechelspieler-Raten?
Nochmal der kurze, technische Hinweis:
Bitte die drei Spielernamen im Kommentarfeld als erstes und untereinander notieren. Das macht mir die Erfassung erheblich einfacher. Für „echte Kommentare“ unter den getippten Namen bin ich wie immer dankbar.




Foto: Benny Lin