Artikel zum Schlagwort ‘Borussia Dortmund’

Über Favoriten, brennende Bäume und den Trainer

Derby-Wochenende. Dortmund geht als Favorit ins Spiel, schreibt Klaus Wille sehr deutlich und wohl richtig, in einem ansonsten wenig bemerkenswerten, weil dieser Tage sehr zeitgemäßen Kommentar bei derwesten.de. Dortmund geht als Favorit ins Spiel weil Dortmund die letzten Spiele gewonnen und Schalke die letzten Spiele verloren hat, weil Schalke gerade keinen guten Fußball spielt und weil Dortmund den Druck seiner Fans, die mittlerweile den ersten Sieg auf Schalke seit 2005 erwarten, nicht spüren muss. Die kommen ja nicht.

Für Schalke wird das Spiel der nächste Akt in Sachen Mannschaftsfindung. Als Nebenprodukt sollten aber tunlichst ein paar Punkte dabei rausspringen, einfach weil man ansonsten das Saisonziel „oben mitspielen“ für einen längeren, in jedem Fall zu langen Zeitraum vergessen kann. Falls man auch das Derby verlöre, brenne auf Schalke der Baum, habe ich in den letzten Tagen unzählige Male gelesen. Was das heißt, weis ich nicht.

Es gäbe sicher Pfiffe. Vielleicht würden auch ein paar Fans, deren Hirn nur Speicherplatz für 140 Tage hat, die Entlassung Magaths fordern. Schalke wäre am Montag in den Medien Thema Nummer 1. Mittwoch folgt so oder so das nächste Spiel.
Ebenfalls bei derwesten.de fragte Frank Lamers vor ein paar Tagen, ob sich Schalke überhaupt leisten könnte, Felix Magath zu entlassen. Frank Lamers vermutet nein und findet das schlecht. Seiner Meinung nach müssen bei Misserfolg „die Automatismen brutal greifen können“. Ich hingegen halte das nicht nur der Wortwahl wegen für dumm, sondern wäre im speziellen Fall Magath froh, wenn dem Verein die Hände gebunden wären.

Wenn Spiele verloren werden gibt es immer was zu kritisieren und das muss auch erlaubt sein. Man kann sich immer auch eine andere Vereinspolitik wünschen. Aber Schalke hat sich nun mal für das „Projekt Magath“ entschieden, und wenn man einen guten Trainer hat, ist das „brutale Eingreifen“ wegen temporärer Misserfolge genau der Fehler, der so vielen Bundesligaclubs stets wieder um ein bis zwei Jahre zurücksetzt. Schalke hat einen guten Trainer, den besten deutschen, wie Luis Van Gaal einst bescheiden bemerkte. Und einen holländischen will ich vorerst nicht mehr.

Ich sehe Jurado in der Startaufstellung. Deshalb tippe ich als Einwechselspieler auf …

Deac
Hao
Kluge

Asamoah geht ja leider nicht.



Was ist Einwechelspieler-Raten?
Nochmal der kurze, technische Hinweis:
Bitte die drei Spielernamen im Kommentarfeld als erstes und untereinander notieren. Das macht mir die Erfassung erheblich einfacher. Für „echte Kommentare“ unter den getippten Namen bin ich wie immer dankbar.




Foto: Benny Lin

Zeckenboykott

Seit ewigen Zeiten gibt es vor jedem Derby Diskussionen um die Behandlung der Auswärtsfans. Stets ging es um die Art der Anreise, um Banner oder Fahnen, um Kontrollen. Wenn die, dann wir auch, wenn wir nicht, die auch nicht. Diskussionen, die ab und an albern anmuteten. Blöd nur, dass sich in der Folge meistens auf den Kopf gehauen wurde.

Diesmal wird alles anders, denn die eine Seite der Diskutanten bleibt zu Hause. Ein gelungener, ehrlich gesagt, ein neidisch machender Coup! Ich wünschte, die Fanclubs meines Vereins hätte diese Idee gehabt. Mal auf Ärger über zerfledderte Wände verzichten, mal nicht pöbeln und bepöbelt werden. Stattdessen das Geld in ein Fanfest investieren, unter sich aber im großen Rahmen der Dinge harren die da kommen. Ein wenig albern ist lediglich der von den Organisatoren aufs Schild geschriebene Vorsatz, für alle Fans, gegen zu hohe Preise und „ausdrücklich nicht gegen Gelsenkirchen“ zu handeln. Da kann man in Punkto Direktangriff von Cheftrainer Klopp noch lernen, der die regelmäßigen Eintrittspreis-steigerungen bei Borussia nicht als beklagt erachtet und die Aktion als solche gutheißt:

„Ich finde es gut, dass unsere Leute nicht hingehen, um Klaas-Jan Huntelaar zu finanzieren!“

Ich hoffe die Aktion gelingt. Gerne würde ich das kommende Derby mal ganz ohne Schwarz-Gelbe im Stadion erleben. Mal sehen wie das ist. Mal spüren, ob diese Begegnung auch dann noch dieses besondere Gefühl hat, wenn da nur die Mannschaft auf dem Platz ist. Auch für mich wäre die Anreise dann deutlich entspannter, und, ehrlich gesagt, bei den aktuellen Defensivproblemen meiner Blauen ist ein sehr stiller Gegner wohl der angenehmste.

Absolute Physis

Es sei kein gutes Spiel gewesen, arm an Höhepunkten, so ist zu lesen und zu hören. Mag sein dass es die Torchancenzähler so sahen, und das es diejenigen so fühlten, die sich gut unterhalten lassen wollten. Für mich war dieses Spiel von der ersten bis zur letzten Minute aufregend. Eine Stunde stand mir das Entsetzen im Gesicht, weil Dortmund den Raum im Mittelfeld deutlich dominierte, etwas dass in der Regel Schalkes Stärke ist. Und dann diese „Auferstehung“, wieder mal, als man dachte es geht nichts mehr kam Schalke mit beeindruckender Kraft zurück, und Dortmund hatte nichts mehr entgegenzusetzen.

Magaths Formationsexperiment ging kräftig in die Hose. Edu neben Kuranyi in der Spitze, Sanchez und Farfan auf den Flügeln und mit der Aufgabe, bei gegnerischem Ballbesitz als Mittelfeldspieler zu agieren. Was zunächst offensiv aussah führte zu einer realen Unterbesetzung im Mittelfeld, weil sich Vicente Sanchez für Defensivgegrätsche als zu schwach auf der Brust erwies, und weil sich Farfan irgendwo im Nirgendwo aufrieb und quasi nie an der richtigen Stelle war, wenn mal ein Ball nach vorne geflattert kam.
Überhaupt war es viel Geflatter, immer wieder wurden Bälle hoch und weit nach vorne geschlagen, mal um sich aus Bedrängnis zu befreien, mal weil es den Blauen einfach nicht gelang, sich am Boden durch die gelben Reihen zu spielen. Zu viele geringelte Beine, sehr fixe Beine.

Dortmund spielte bis zirka 20 Meter vor dem Schalker Tor hervorragend. Fast überall auf dem Platz schafften sie Überzahl in Ballnähe, sie forcierten Fehler indem sie die Blauen schon in deren Hälfte attackierten. Es gab Szenen, in denen Dortmund sechs oder sieben Ballkontakte unmittelbar vor dem Schalker Strafraum ausspielen konnte, weil jeder Schalker alleine auf verlorenem Posten stand. Häufig genug – zu häufig – kamen die Gelben mit dem Ball auch vors Tor. Hätte sie einen Knipser gehabt, es hätte nach 20 Minuten schon 0:2 gestanden.

Sie hatten keinen, und so kam es zwar zu vielen brenzligen Situationen, aber doch erst mit dem Elfer in der zweiten Halbzeit zur Führung für Borussia. Rund 15 Minuten dauerte die „Trauerphase“, dann hatte jeder Schalker realisiert dass es nichts mehr zu verlieren gab und drehte auf.
Wieso das erneut so funktionierte, wiese es so häufig so weit kommen muss, ich weiß es nicht. Plötzlich glüht alles. Plötzlich ist alles so viel kraftvoller. Mit jeder gelungenen Aktion und mit jedem Pfiff des Schiedsrichters für den Gegner wird das Stadion lauter, was wiederum die eigenen Mannschaft noch weiter anstachelt. Weil es in dieser Saison schon öfter geklappt hat, glaubt man plötzlich wieder dran. Dann wird erzwungen, was zuvor nicht erspielt werden konnte.

Borussia hadert nun (wieder) mit dem Schiedsrichter. Laut der offiziellen Vereinswebseite habe Herr Gräfe in der zweiten Hälfte zugunsten der Blauen gepfiffen, die sich nur mit „Zweikämpfen am Rande des Erlaubten, viele Nickeligkeiten und kleine versteckte Fouls“ zurück ins Spiel brachten. Meines Erachtens ist das Selbstschutzgenöhle. Meines Erachtens brachte es Jürgen Klopp sehr viel besser auf den Punkt.

Jetzt ist man im nahen Osten erst mal wieder leise. Noch 10 Spieltage. 8 Punkte Vorsprung vor Platz 4, 10 vor Platz 6. Ma’kucken.

Derby Nummer Einhundertfünfunddreißig

Heute Abend steigt das 135. Pflichtspiel-Derby zwischen den FC Schalke 04 und Borussia Dortmund, und ich habe mich immer noch nicht entschieden, ob ich den Zug oder das Auto nehmen soll. Sich einfach mal auf’n letzen Drücker entscheiden, wie ich mir romatischerweise vorstelle, wie es Felix Magath mit seinen Startaufstellungs- überraschungen hält, das bringt vielleicht Glück. Dabei sein werde ich auf jeden Fall.

Felix Magath ist ob des Derbys nahezu emotional ergriffen. Jedenfalls wenn man die gestrige Pressekonferenz mit anderen vergleicht, in denen Magath seine übliche mit Distanz vorgetragene Gelassenheit zur Schau stellt. Erst bei seinem ersten Dabeisein habe er den Unterschied zu anderen Derbys wirklich begriffen, sagt er. Und er sagt all die anderen Dinge, die man hören will, sagt, dass seine Mannschaft agieren und sich Tore erspielen oder erzwingen soll. Sagt, dass er höchstmöglichen Einsatz erwartet. Lediglich auf die Frage, ob er in der Vergangenheit nicht beinahe mal Trainer von Borussia geworden wäre, sagt er nichts. Selbst in die Enge gedrängt mag Felix Magath nicht notschwindeln.

Heiko Westermann und Carlos Zambrano werden vermutlich nicht spielen. Rafinha wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder seinen Platz in der Viererkette einnehmen. Neuer, Kuranyi, Farfan, Höwedes und Bordon … alles andere ist Spekulation. Fangen wir also an:

Ich tippe auf die Einwechselspieler …
Asamoah
Hao
Moritz
 



[Einwechselspieler-Raten: Ein ausschließlich der Ehre halber zu treibender Zeitvertreib, bei dem jeder mitmachen kann, der bis eine Stunde vor Anpfiff die Namen der zu erwartenden Schalker Einwechselspieler in einem Kommentar hinterlässt. Der Gebrauch von Insiderinformationen oder Bestechungsgeldern darf von Dritten nicht nachgewiesen werden können. Die Tippabgabe unter Einfluss von Dopingmitteln ist offiziell verboten, es besteht ein Stillschweigegebot. Bewusstseinserweiternde Drogen werden vom Blogger persönlich abgelehnt und bei anderen Tippern nur geduldet, solange sie sich nicht negativ auf den Kommentareintrag auswirken. Zuwiderhandlungen führen zum Ausschluss. Akteneinsicht wird grundsätzlich nicht gewährt.]

Mit Sicherheit falsch



[Foto: mkorsakov]

Rolf Rüssmann ist tot

Diese Nachricht hat mich wirklich getroffen. Auch weil ich unvorbereitet war. Dass Rolf Rüssmann derart krank war, hatte ich nicht gewusst.

Ein prägnanter Kopf der Bundesliga. Für den Jungen, der ich war, die längste und bewusste Zeit ein Borusse, was aber seinem Ansehen bei mir nicht schadete. Einer den man, den ich mochte, weil er „geradeaus war“. Auch später noch, als Bundesligamanager, im DSF sitzend, in Rudi Brückners „Doppelpass“, in der gefühlten besseren Zeit.

Rolf Rüssmann war einer der ganz großen Schalker. 12 Jahre eine feste Größe in der Schalker Abwehr, Teil der Schalker Jahrhundertelf und Halter eines Schalker Rekords, der wohl in alle Ewigkeit bestand haben wird: Zwischen dem 15. Januar 1977 und dem 29. November 1980 stand er in 134 Bundesligapartien in Folge auf dem Platz. Und in den folgenden viereinhalb Jahren für Borussia Dortmund, den letzten seiner Karriere, fehlte er auch nur in sechs Spielen.

Wenn dieser Tage in den Nachrufen zu Rolf Rüssmann viel von den Eigenschaften des „ehrlichen Kämpfers“, des „bodenständigen Typen“ geschrieben wird, wenn man dabei immer leicht zuckt, weil diese vermeintlichen Floskeln in den Jahren doch arg überstrapaziert wurden, sollte man sich diesen Rekord bewusst machen um erfühlen zu können, dass das wirklich noch eine andere Zeit war. Eine, in der es diese Typen eben wirklich noch gab, denen das Tun wichtiger war als das Sein. Typen wie Rolf Rüssmann.

Schwarz-Gelb beschließt Jubelsperrzonen

Einen Tag nach den Sieg bei der Bundestagswahl verspricht die kommende CDU/FDP-Regierung, sich um die Probleme des Volkes zu kümmern. Im Rahmen eines Sofortprogramms wurde auch die Einführung von Jubelsperrgrenzen in der Fußballbundesliga beschlossen, um „unschöne Szenen in Deutschlands beliebtester Sportart“ zu verhindern und „den sauberen Sport zu erhalten“. Demnach sollen Spieler demnächst verwarnt werden, wenn sie in einer Zone von Platzbreite und 16 bis 28 Meter Tiefe (siehe Grafik) durch „übertriebene Gesten“ auffallen.

Nach Abpfiff des Revierderbys zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 hatte Schalkes Torhüter Manuel Neuer in die Zuschauer gejubelt und damit die Gemüter erhitzt. Neuer stand dabei vor dem falschen Fanblock, was ihm nach dem Spiel auch von Borussia-Trainer Jürgen Klopp als Provokation ausgelegt wurde.

Mit solchem Gebaren soll nun Schluss sein. Durch die Einführung von Jubelsperrzonen würde gewährleistet, dass übereifrige Spieler von überhitzten Fans getrennt würden, so ein Sprecher der CDU. Der künftige Koalitionspartner FDP zeigte sich von den Plänen erfreut. Dadurch kämen die Spieler zum Jubeln automatisch vor die Haupttribünen. Endlich hätten dann auch wieder die Besitzer teuerer Karten etwas von der Jubelei, Investitionen müssten sich wieder lohnen, so Stimmen aus der FDP-Parteizentrale.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim „Aki“ Watzke (CDU) gratulierte der Kanzlerin Angela Merkel zur Wiederwahl und lobte die schnelle Reaktion auf die Szenen im Dortmunder Signal-Iduna-Park. In schwierigen Zeiten müsse Schwarz-Gelb zusammenstehen, so der Tenor am Borsigplatz. Der Präsident der Borussia, Dr. Reinhard Rauball (SPD), stand zu keinem Kommentar zur Verfügung.