Artikel zum Schlagwort ‘Borussia Dortmund’

Faszinierend emotionslos

Der Weltraum, unendliche Weiten, wir schreiben das Jahr 2015. Dies sind die Abenteuer des FC Schalke 04, der mit seiner 12 Mann starken Besatzung 90 Minuten lang unterwegs war um neue Welten zu erforschen, neue Taktiken und einen neuen Tabellenstand. Viele Lichtjahre von Konkurrenzfähigkeit entfernt drang diese Schalker Mannschaft in Galaxien vor, die seit Anbeginn des Königsblogs noch nie zuvor eine Gruppe Blauer gesehen hat.

Mr. Spock starb am Freitag, und doch ist die Art des Vulkaniers, Gefühle zu unterdrücken, lebendig wie nie. Und so schaute man aufs Derby wie auf einen Unfall. Man war angewidert und konnte den Blick doch nicht abwenden.

So wenig emotional wie Mr. Spock, nur mit weniger Selbsterhaltungstrieb, stand Schalkes Trainer Roberto Di Matteo am Spielfeldrand, als seine Mannschaft auf die Katastrophe zusteuerte. So wie er coachte agierte auch sein Team: Nüchtern analysierend, dass man wohl keine Chance habe, dass es deshalb nahezu albern wäre, seine Kräfte für sowas wie Gegenwehr zu vergeuden.

Schalke agierte in diesem Derby wie eine Amateurmannschaft im Pokalwettbewerb gegen den großen, übermächtigen Gegner. Voller Ehrfurcht, ohne jegliches Selbstbewusstsein, niemals auf Augenhöhe. Es war eben nicht nur so, dass das taktisch neu angeordnete Mittelfeld nicht funktionierte. Die wie ehedem angeordnete Abwehrkette funktionierte auch nicht. Es war auch nicht nur so, dass die Taktik nicht funktionierte. Das Zweikampfverhalten funktionierte auch nicht.

Ein Debakel. Eine Nicht-Leistung, die auf dem königsblauen Planeten einst hätte dazu führen können, den Trainer und den Manager ad hoc zu entlassen. Stattdessen geht der Club zur Tagesordnung über. Emotionsarmut in mal hilfreich, mal furchtbar.

Faszinierend.

Ma‘fühlen: Derby

Gestern gabs hier viel Inhalt, vor allem in den Kommentaren. Danke dafür!

Aber jetzt ist Derby, und Derby ist vor allem Gefühl.

Nach dem Spiel wird wieder diskutiert werden, aber vor und während einem Derby ist man sich einig wie sonst nie. Bedingungslos, da weiß man wo man steht, da zählt nur der Erfolg. Das macht es aus.

Manch einer mag meinen, so sollte es immer sein. Aber das geht eben nicht. Fußball ist immer, ein Dauerlauf, der kann nicht im ständigen Spurt durchgezogen werden. Die Derbys sind die Spurts im Fanleben, kurz und intensiv. Und eben nicht wie immer, sondern immer wieder besonders.

Mögen die Blauen siegen und uns eine nächste nette Erinnerung an diese Saison bescheren.

Glückauf!

Rote Bananen, gelbe Äppel, blaue Birnen und der Manni

Bayern München hat sein Stadion abbezahlt, habe nun noch mehr Geld für den laufenden Betrieb übrig, hieß es vor einigen Tagen. Borussia Dortmund ist schuldenfrei, es gäbe nichts mehr zu tilgen, man zahle keine Zinsen mehr, heißt es nun. Die einen sind die Nummer 1 in allem, die anderen waren zuletzt lange auch sportlich-, sind nun zumindest wirtschaftlich die Nummer 2. Und weil die Bundesliga ein Wettbewerb ist, rufen solche Meldungen Vergleiche auf den Plan.

Die Schuldenfreiheit des BVB sei für die königsblauen Nachbarn „ein schmerzlicher Nadelstich“, schrieb Manni Breuckmann in RevierSport. Zwar sei auf Schalke Vernunft eingekehrt, man müsse nachts nicht mehr schweißgebadet aufwachen, behauptete er dabei. Die Zwang zum sportlichen Erfolg, um die Verbindlichkeiten zu bedienen, sei aber belastend. Dortmund könne sich Misserfolg leisten, Schalke nicht, so Breuckmann.

Dabei thematisierte er nicht, dass weder Bayern München sein Stadion, noch Borussia Dortmund seine Schulden aus den direkten Erträgen sportlicher Erfolge abbezahlt haben. Beide haben aus ihren Fußballclubs Firmen gemacht, um Anteile dieser Firmen zu verkaufen. Sie haben dadurch große Einnahmen erzielt und diese in das Abzahlen des Stadions bzw. der Verbindlichkeiten investiert. Das ist nicht schlecht, schon gar nicht böse, daran ist nichts anrüchig. Es ist nur eben anders. Anders als es auf Schalke gegenwärtig durchzusetzen ist.
Ob sich das Handeln der Firmen aus München und Dortmund in irgendeiner wie weit auch immer entfernten Zukunft als Fehler erweise wird, bleibt abzuwarten. Möglicherweise verpasst auch Schalke 04 eine entscheidende Entwicklung im Wettbewerb Profifußball, ich weiß es nicht. Wer aber mit der Schuldenfreiheit des BVB auf Schalke zeigt und meint, die Blauen hätten Nachholbedarf, sollte ehrlich genug sein, auch den unpopulären Teil der Lösung zu erwähnen. Oder sich einfach weiter lieber mit den romantischen Themen beschäftigen.

Der Matchplanzwerg und die drei Riesen

In der Umsetzung eines erkennbaren Spielsystems und in der Entwicklung von erfolgreichen Matchplänen wurde Jens Keller von den Schalker Fans bisher kaum mehr als die Fähigkeiten eines ambitionierten Jugendtrainers attestiert. Der Trainer Jens Keller ist in ihren Augen ein Spielsystem- und Matchplanzwerg. Deshalb blickten viele Schalker bereits mit großem Bangen auf die Gegner zum Saisonstart. Denn mit José, Josep und Jürgen warteten drei Trainerriesen auf die Knappen und Jens, ihrem zwergenhaften Anführer. Es war sogar so, dass ein paar Schalker insgeheim auf Niederlagen von Jens gegen diese drei Riesen hofften, weil es das Aus für den Trainerzwerg auf Schalke bedeutet hätte. Doch es kam ganz anders.

Der katalanische Riese Josep, der aus dem Bayernland anreiste, musste mit seinen Bauern zwei sicher geglaubte Punkte auf dem Berger Feld zurücklassen und sieglos wieder abziehen. Der Inselriese José war also gewarnt, verschätzte sich im Kampf nahe der Themse aber, und der Zwerg entführte auch einen Punkt aus dessen Reich ins Knappenland. Da hörte man Mitte dieser Woche plötzlich mächtig lautes und gar ungewohntes Grummeln und Jammern vom nördlichen Rand des Sauerlandes. Dem Lüdenscheider Riesen Jürgen waren Teile seiner „Pressing Maschine“ – wie dieser manchmal cool seine Mannschaft nennt – kaputt gegangen. Er zeterte und jammerte laut über die viel zu starke Belastung durch Nationalmannschaftseinsätze und den überhaupt viel zu vollen Spielplan. Als Jens mit seinen Knappen vor sieben Tagen dann auch noch eine kuriose zweite Hälfte gegen die Frankfurter „Adlerträger“ hinlegte, und anschließend die Bremer „Fischköppe“ mit drei Toren wegputzte, schwante dem Lüdenscheider Riesen scheinbar nichts Gutes für das anstehende Derby bei den Knappen. Und so kam es auch.

Der Zwerg Jens überraschte den Riesen mit einer ungewöhnlich rasanten Spielweise. Direkt vom Anpfiff des Spiels an waren die Lüdenscheider heftigen Angriffen in der blauweißen Donnerhalle ausgesetzt. In allen bisherigen Spielen der noch jungen Saison hatten Jens‘ Knappen die Gegner in der ersten Hälfte des Spiels stets durch gemächliches und schier endloses Passspiel zu zermürben versucht. Das war in diesem Spiel völlig anders. Der Zwerg Jens hatte seine Knappen angewiesen, den Ball zielstrebig und schnell vor das Tor zu spielen. Die Kämpen des Lüdenscheider Riesen hatten damit überhaupt nicht gerechnet und wirkten teilweise konfus in ihren Bemühungen, sich gegen die atemlos und variabel vorgetragenen Attacken der Knappen zu verteidigen. Häufig stand die beste Waffe der Lüdenscheider, ihre viel gepriesene „Pressing Maschine“, nutzlos auf der Wiese. Das eine oder andere Mal wurde sie von den Verteidigern der Knappen mit langen Bällen geschickt überspielt. Dazu war die Außenverteidigung der Lüdenscheider selbst heftigen Dauerangriffen an ihren Flanken ausgesetzt, durch die lauf-, spiel- und kampstarken Schalker Flügelspieler.

Es schien, als hätten die Lüdenscheider von ihrem Großtrainer keinen Plan für diese Situation mit auf den Weg bekommen. Die Knappen des Jens‘ nutzen die Desorientierung der Lüdenscheider zu zwei wuchtigen Treffern, direkt aus der Kampfzone vor deren Tor. Die Männer des Riesen hatten in der langen Restspielzeit nur noch die Kraft für ein einziges Tor. Die meisten ihrer Angriffe blieben bereits im Mittelfeld hängen, an der gut organisierten und leidenschaftlich verteidigenden Schalker Defensivformation. Nach 90 Minuten mussten die Lüdenscheider deshalb den Ort des 145. Derbys geschlagen verlassen. „Ein Scheißabend“ meinte der Riese nur noch, bevor er sich verzog, während viele Fans der Knappen minutenlang ihr Lieblingslied zum BVB sangen, und andere „Derbysieg!“ skandierten. So schön wurde lange nicht gefeiert.

Innerhalb von drei Wochen hat der Zwerg Jens gegen die Riesen José und Josep gepunktet und anschließend den Riesen Jürgen verdient besiegt. Dieser Sieg war ganz wichtig für die Rangliste und gut für das Selbstbewusstsein. Vielleicht darf man das auch als kleines „Gesellenstück“ des Schalker Trainerlehrlings bezeichnen. So betrachtet müsste er sich nun schon bald Gedanken dazu machen, wie sein Meisterstück aussehen könnte. Und wer weiß, vielleicht überrascht er uns dann auch noch einmal damit, dass er das eigene Spiel mit Hilfe einer Dreierkette aus Höwedes, Neustädter und Matip oder mit einem anderen raffinierten und wirkungsmächtigen taktischen Kniff aufzieht.

Bedenken aus Erfahrung

Am Ende einer Saison läuft Schalke „auf der letzten Rille“, wird es immer nochmal spannend, verliert man in Stuttgart. Ohne Drama ist Schalke nicht denkbar. Obwohl der FC Schalke 04 der Neuzeit ein überaus erfolgreicher Bundesligaclub ist, käme man doch nie auf die Idee, ihn als „souverän“ zu bezeichnen. Das sind keine Vorurteile, sondern Erfahrungswerte. In der Schlussphase der Saison fällt Schalkes Punkteschnitt deutlich ab.

Für mich beginnt die „Neuzeit“ mit der Saison 2000/2001. Eben mit dem bis heute nachhallenden, tragischen Ende einer insgesamt großartigen Saison. Mit dem Abschied aus dem Parkstadion und den Bezug der Arena. Seit dieser Saison und bis heute haben 8 Clubs stets in der ersten Liga gespielt: Bayern München, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen, Werder Bremen, der VfB Stuttgart, der Hamburger SV, der VfL Wolfsburg und Schalke 04. In diesem Zeitraum war Schalke nach Punkten, hinter Bayern München und Borussia Dortmund, der drittbeste Club. Betrachtet man allerdings ausschließlich die letzten 4 Spieltage der einzelnen Spielzeiten, holte lediglich der Hamburger SV noch weniger Punkte als Schalke 04.

Mit Beginn der Saison 2000/2001 und bis heute haben die genannten Clubs jeweils 473 Bundesligaspiele bestritten. Schalkes Schnitt liegt bei 1,71 Punkten pro Spiel. Nur auf die jeweils letzten 4 Spieltage der einzelnen Spielzeiten bezogen fällt der Schalker Punkteschnitt auf 1,40. Das ist die größte Verschlechterung aller 8 Dauerbundesligisten in dieser Zeit.

Der Punkteschnitt des HSV an den letzten 4 Spieltagen liegt bei 1,21 Punkten. Allerdings kommen die Hamburger auch insgesamt nur auf einen Wert von 1,42. Die Werte aller sechs anderen genannten Clubs steigen an den letzten 4 Spieltagen, zu lasten der nicht dauerhaft in der ersten Liga verbliebenen Clubs; und eben zu Lasten des HSV und Schalkes. Fast wie zu erwarten steigert sich der Schnitt Bayern Münchens am deutlichsten, vom ehedem besten Gesamtschnitt (2,13) auf einen noch besseren Schnitt in der Saisonschlussphase (2,36).

In der Balkengrafik oben sind Schalkes erreichte Punkte an den jeweils letzten 4 Spieltagen seit 2001 dargestellt. Tröstlich ist, dass es natürlich stets nur um das Erreichen eines bestimmten Zieles geht, und dass dazu kaum die volle Punktzahl aus diesen Spielen benötigt wird. Wie gesagt, der FC Schalke 04 der Neuzeit ist ein erfolgreicher Club, fast immer international vertreten. Der Unterschied des Punkteschnitts der Schlussphase im Vergleich zur Gesamtsaison ist dennoch bemerkenswert und durchaus ein Argument, vielleicht ein Grund, für die allerorts anzufindenden, knusseligen Schalker Dauerpessimisten; auch wenn mir das nicht gefällt.

Torloses Derby: Glücklicher Punktgewinn

Das Rückrunden-Derby der Saison 2013/2014 endete torlos, 0:0. Nach starkem Beginn der Blauen blieb am Ende ein schmeichelhafter Punkterfolg. Ralf Fährmann war einmal mehr bester Spieler seines Teams.

Etwas mehr als 20 Minuten wusste Schalke zu überzeugen, zeigte sich der BVB von der Gangart der Blauen überrascht. Dass Schalke so aggressiv und weit in des Gegners Hälfte attackieren würde, damit hatte Jürgen Klopp offensichtlich nicht gerechnet. Dass Schalke nicht nur kontert, sondern nach Ballgewinnen mit der ganzen Mannschaft aufrücken könnte, schien ebenfalls in der Dortmunder Vorbereitung nicht bedacht worden zu sein.
Schalke schaffte auf den Flügeln Überzahl, bildete Dreiecke, ließ den Ball dort zirkulieren. Mal spielte man sich frei, mal flankte man nach innen. Schnell fand man nach Ballverlusten in die defensive Ordnung zurück. Schalkes Spiel wirkte überlegen, ohne dass es zu klaren Torchancen gekommen wäre.

Eine der großen Stärken der Borussia ist es aber, Schwächen im laufenden Spiel zu erkennen und abzustellen. Ab Mitte der ersten Halbzeit wurden Dortmunds Außenverteidiger besser unterstützt und Schalkes Spielidee wurde ineffektiv. Gleichzeitig kamen immer mehr Dortmunder Angriffe über die Seite Sead Kolasinac‘, der in dieser Phase defensiv recht hölzern agierte und offensichtlich als Schwachstelle ausgemacht wurde. Dortmund übernahm das Spiel und gab es nicht mehr aus der Hand.

In der zweiten Halbzeit zog Dortmund das Tempo nochmal an, während Schalke plötzlich müde wirkte. Der Einsatzwille stimmte zweifellos, aber man hatte der Dynamik der Borussia kaum noch was entgegenzusetzen. Eine Spielidee war auf Schalke Seite nun nicht mehr zu erkennen. Während in der Zentrale Prince und Meyer stets sofort von Gegnern umringt waren, kam es auf den Flügeln häufig zu 1:1 Situationen. Dabei sahen Julian Draxlers Aktionen auf der linken Seite oft noch recht vielversprechend aus, ohne dass sie letztlich Durchschlagskraft entwickeln konnten. Leon Goretzka auf der rechten Seite verlor den Ball in der Regel sofort.

Am Ende war Schalke nur noch ein Lucky Punch per Standardsituation zuzutrauen, ansonsten war das Spiel eine Abwehrschlacht. Diese war aller Ehren wert, wenn man bedenkt mit welchen Spielern Schalkes Abwehr gegen welche Spieler in Dortmunds Offensive antrat, wie groß der Unterschied an Erfahrung und erprobter Klasse bei diesem Duell war. Sehr häufig bekam Schalke noch ein Bein in die Dortmunder Spielzüge, und wenn nicht rettete Ralf Fährmann. Seine Dominanz, seine Ausstrahlung steigerte sich seit Beginn der Rückrunde von Spiel zu Spiel. Er ist der Schlüsselspieler für die bislang so erfolgreiche Bundesliga-Rückrundenbilanz des FC Schalke 04, und letztlich war er es, der die Null und damit den Punkt für Schalke in Dortmund festhielt.

Klassenunterschied

Schalke 04 verliert das Derby mit 1:3. Wie erwartet, könnte man sagen, denn trotz Pfeifen im Walde hatten die allermeisten mir bekannten Schalker nicht wirklich an einen Sieg geglaubt. Wie erwartet hatte Schalke dann auch gespielt.

Horst Heldt bereut seinen Spruch längst. Fast auf Augenhöhe sah er unseren Club im Vergleich zu Borussia Dortmund vor der Saison. Damals war Schalkeland zufrieden mit des Managers Arbeit. Auch die allermeisten Journalisten feierten Horst Heldt für eine gelungene Transferphase, in der es gelang, viel Talent nach Gelsenkirchen zu holen. Spätestens nach der zweiten Saisonniederlage wurde das „fast“ vergessen und der Manager bekam die „Augenhöhe“ um die Ohren gehauen. So geht das bis heute. Ich hoffe, Horst Heldt lernt daraus.

Heute erscheint der Vergleich aber auch zu albern. Am Samstag bekamen wir eine Mannschaft in Gelb zu sehen, die wusste wie sie an den Ball kam, die wusste, was sie danach mit ihm anfangen sollte, die die Stärken und Schwächen des Gegners kannte und entsprechend agierte. Die Mannschaft in Blau offenbarte Schwächen im Spielaufbau, brachte sich mit individuellen Fehlern selbst unter Druck und hatte in der Offensive Probleme, seinen Stoßstürmer freizuspielen. In der Summe ergab das einen Klassenunterschied, eben den Unterschied zwischen einem guten Champions League-Team und einer Mannschaft des gehobenen Bundesliga-Mittelfelds.

Jens Kellers Aufstellung war mutig, ging aber leider kräftig in die Hose. Über 90 Minuten lag es sicherlich nicht an Dennis Aogo oder Sead Kolasinac, dass Schalke die schlechtere Mannschaft war. Doch vor dem 0:1 sorgten eben genau diese beiden mit ihren Fehlern für Dortmunds Vorteil. Christian Fuchs auf der linken Seite war nicht schwächer als zuletzt Christian Clemens auf rechts. Allerdings darf man infrage stellen, ob es für Julian Draxler gut war, auf der „falschen“ Seite eingesetzt zu werden. Der Junge hat gerade eine schwierige Phase. Als „Star“ erfährt er von jedem Gegner besondere Beachtung, gegen die es ihm zu selten gelingt, sich durchzusetzen. Der Seitenwechsel machte es ihm sicherlich nicht leichter.

Meines Erachtens lag es nicht an zuwenig Einsatz. Meines Erachtens haben die Blauen nicht zuwenig gekämpft. Schalke hätte das Momentum kriegen können, wenn Prince den Elfer versenkt hätte. Wer weiß wie es dann gelaufen wäre, Fußball ist immer auch ein bisschen Glückssache. Doch grundsätzlich war der Unterschied zwischen den Mannschaften deutlich, und Schalkes Schwächen waren in diesem Spiel nicht besonders, sondern üblich. Nicht nur gegen hoch stehende Dortmunder, auch gegen tief stehende Gegner hat Schalkes Ball Schwierigkeiten, den Weg von den Innenverteidigern in den Sturm zu finden.
Nach dem Spiel gegen Borussia ist das Geschrei lauter, weil es eben gegen den Erzrivalen ging. Aber eigentlich ist das ein Witz. Schlimmer ist, dass Schalke auch gegen Mannschaften wie Augsburg oder Braunschweig, und nicht mal gegen einen Drittligisten wie Darmstadt 98 ein gradliniges Aufbauspiel zustande bekommt, selbst wenn Schalkes teuer erkaufte, individuelle Klasse in solchen Spielen dazu führen mag, dass man trotzdem gewinnt.

Auf Schalke diskutiert man nun, ob die Mannschaft zu schwach ist oder ob es am Trainer liegt. Ich halte die Qualität des Kaders für gut genug, um besseren Fußball spielen zu lassen. Meines Erachtens behielt Jens Keller den Job am Ende der letzten Saison nur, weil Horst Heldt keinen besseren Trainer verpflichten konnte. In keinem einzigen Aspekt des Fußballspiels konnte sich Schalke unter Jens Keller verbessern. Aber die Qualität des Fußballs spielt keine Rolle, nur Ergebnisse zählen. Folgerichtig wird Schalke 04 solange Treue zum Trainer heucheln, wie man in Sichtweite zu Platz 4 zu bleiben vermag. Und das Dilemma bleibt: Auch heute ist es Horst Heldt nicht zuzutrauen, einen besseren Trainer aus dem Hut zu zaubern. In der Tat eine üble Situation. Zur Überbrückung werden bis auf Weiteres den Fans die Probleme des Schalker Aufbauspiels in die Schuhe geschoben. Peinlich. Als würde Schalke auswärts besser spielen.