Artikel zum Schlagwort ‘Borussia M’gladbach’

Taktik, Stark, Unnerstall

So habe ichs meinem Sohn beigebracht. Für ihn war das Spiel zu spät. Ich versprach, einen Zettel zu schreiben, damit er heute Früh direkt Bescheid wüsste.

Schalke verliert in Gladbach mit 1:3 und mich hat das Spiel von vorne bis hinten angekotzt. Die taktische Unterlegenheit in der ersten Halbzeit, der Schiedsrichter, die Gegentore. Schalke hatte sich einen Sieg keinesfalls verdient, aber wie die Niederlage zustande kam war dennoch zum schreien.

Ich kann nicht genau sagen, was die Stärken und Schwächen von Gladbach sind, dazu kenne ich sie nicht gut genug. Aber das sie Stärken haben ist klar.

… sagte Huub Stevens auf der Pressekonferenz vor dem Spiel, und genau so sah die erste Halbzeit auch aus. Offensichtlich völlig überrascht davon, dass Gladbach ein adäquates Pressing bereits 30 Meter vor dem Schalker Tor ausübte, kam eine Halbzeit lang kein Schalker Spielaufbau zustande. Unter Druck pöhlten Jones, Matip und Papadopoulos den Ball ein ums andere Mal nach vorne, und in der Regel landete er dabei beim Gegner. Das an individuellen Schwächen dieser Spieler festzumachen wäre meines Erachtens zu simpel. Es fehlte an einem Rezept, wie diese Nachteile auszugleichen sind, und eine ewige Halbzeit lang änderte sich daran auch nichts.
Schalke ließ keine Chancen zu, aber das eine Tor fiel eben dennoch, nach einem für Gladbach glücklichen Querschläger. Wenn so etwas passiert und man keine Reaktion zeigt, weil man nicht in der Lage ist die eigene Offensive ins Spiel zu bringen, gibt es nichts zu beschönigen. Es war ein bis dahin einseitiges Spiel und eine verdiente Führung für Gladbach.

Nach der Halbzeit drückte Schiedsrichter Wolfgang Stark dem Spiel seinen Stempel auf. Natürlich: Klaas-Jan Huntelaar zeigte erst eine Vogel und klatschte dann noch höhnisch Beifall. Regelrechtlich gesehen kann das getrennt geahndet werden und Stark handelte korrekt. Aber mit Verlaub, dieses Handeln war an dem, was Spieltag für Spieltag in der Bundeliga praktiziert wird, meilenweit vorbei und völlig überzogen.
Der ganzen Situation lag ein einzelner Aufreger zu Grunde. Huntelaar war zuvor nicht negativ aufgefallen, gefühlt war er 45 Minuten nicht mal in Ballnähe. Ein souveräner Schiedsrichter wäre hingelaufen, hätte sich vor seinen Assistenten gestellt, sich den Spieler geholt, die Situation beruhigt, den Spieler zurechtgewiesen und ihm die Gelbe Karte gezeigt; fertig. Herr Stark war eine halbe Platzlänge weit entfernt, lies sich vermutlich via Headset informieren und entschied während des Spurts in die Ecke, dass er nun ganz konsequent handeln müsse. Damit beeinflusste er den weiteren Verlauf des Spiels entscheidend.

Den Rest gab mir dann Lars Unnerstall. Natürlich hätte diese 1:1 Situation „Matip:Reus“ gar nicht entstehen dürfen, meinetwegen hätte Matip auch 50 cm weiter links stehen müssen, um die kurze Ecke abzudecken. Aber Reus war wirklich weit weg. Und der Schuss war wirklich sehr langsam … Man konnte förmlich sehen, wie Lars Unnerstall mit dem Schicksal haderte, statt sich zu bewegen. Ein junger Torwart, in der Liga zuvor fast fehlerfrei, man muss nun nicht den Stab über ihm brechen. Aber diese Situation in diesem KO-Spiel war dann eben doch ein Schlag in die Magengrube im falschesten aller Momente.

Das war’s im Prinzip. Schalke gab noch mal alles und kämpfte, ja. Gladbach hatte plötzlich den Faden verloren. Man kann noch über das dritte Tor Gladbachs diskutieren, oder über Jones Platzverweis, aber das war alles „obenauf“. Es waren doofe Situationen die das Spiel entschieden und Schalke schaffte es über 90 Minuten kaum, sich echte Torchancen zu erspielen. Das ist es, was bleibt.

Und der Pokalwettbewerb ohne Schalke 04.

Bevor der Vorhang fällt

Heute in Gladbach also. Eine wahrlich schwere Aufgabe. Die letzte Heimniederlage des VfL Borussia datiert vom 18. März. Ohne daran was zu ändern kann es für Schalke heute nicht gut ausgehen, so die simple Botschaft des Pokalmodus’.

Andererseits hätte ein leichteres Los auch nicht zum letzten Kapitel des Jahres gepasst. Zwischen tollen Champions League-Abenden, realen Abstiegsplatzbedrohungen, dem Pokal-Triumph und Trainerwelchseln ging es stetig auf und ab, schalkig eben, der Club des großen Theaters.
Jetzt geht es um einen guten Abgang. Ein versauter Schluss macht nicht alles schlecht, aber im Theater wie im Fußball ist der letzte Eindruck das, worüber später zuerst gesprochen wird. Es geht um die Länge des Schlussapplauses. Möge uns unser Ensemble noch einen lautes Ende ermöglichen. Leise ist es danach ja lange genug.

Parallelwelten

Man meint ja eigentlich, man könnte einschätzen, was so passiert, in der Welt, um einen herum. Aber es ist doch immer nur der eigene Blick. Wenn man sich nicht bewusst macht, dass Andere anders blicken, bleibt vieles um einen herum im Dunkel und führt das häufig zu Verständnislosigkeit.

In den Stadien der Bundesliga treffen sie alle aufeinander, denn für Fußball interessieren sich Menschen aller Art, und die Blicke auf diesen Sport und dieses Spiel sind unzählbar vielfältig. Immer mehr an Drumherum bietet immer mehr Möglichkeiten zum Konsum, immer mehr Formen an Medien unterteilen die Aufmerksamkeiten, denn kaum einer kann noch alles wahrnehmen. Immer mehr Menschen haben auch im Stadion ein Smartphone in der Hand, sie werden auch Feeds, Suchmaschinen, das Netz als Ganzes nutzen, vielleicht Blogs lesen, vielleicht dieses. Aber noch viel mehr Menschen haben kein Smartphone und lesen keine Blogs.

Deshalb ist es nicht doppelt gemoppelt, wenn Internet-Autoren das Medium wechseln, um ihre Texte in anderer Form zu präsentieren. Sie überführen sie damit in andere Welten.

Jannik Sorgatz hat die Rettung seines VfL Borussia Mönchengladbach nach der letzten Saison zu Papier gebracht. Jannik schrieb bis vor kurzem das Blog „Entscheidend is auf’m Platz“ und war auch schon als Interviewpartner im Königsblog zu Gast. Er hat das Talent, Geschichten zu erzählen, seine Texte zu den Spielen seines Vereins waren schon immer mehr als nur Berichterstattung oder Kommentar, eher Erlebnisberichte. In „Soweit die Raute trägt“ erzählt er die Saison nach, in der Gladbach eigentlich schon abgestiegen war, bis Favre kam.

Trainer Baade schreibt schon immer und meistens ist das gleichnamige Blog seine Bühne. Nun steigt er auf eine ganz reale und präsentiert neben seinen erfahrungsgemäß gut komponierten Wortwerken eben auch sich selbst, indem er liest. „Drama Queens in kurzen Hosen“ heißt sein Programm, eine Lesung in 2 Halbzeiten, die morgen Abend im Djäzz zu Duisburg zu erleben sein wird.

Im Oktober 2010 gefiel Matthias Berghöfer sein Schalke nicht mehr. Das Gefühl für das Besondere an diesem Verein drohte abhanden zu kommen. Um dem entgegenzuwirken begann er, Geschichten zu sammeln. In Internet-Foren und Social Networks warb er für seine Idee und bekam Texte von Schalkern, die von besonderen Erlebnissen, von Gefühlen oder von der Beziehung zu diesem Verein erzählen. Aus denen hervorgeht, was diese Gemeinschaft Schalke bedeutet, dass Schalke mehr ist als nur Fußballschauen. 1904 Geschichten will er sammeln. Ein erstes Buch ist mit 39 Geschichten unter den Titel „Mit Schalke is wie wennze fliechs“ erschienen.
 

Nicht überraschend, nicht mehr enttäuschend, schlecht

Schalke 04 offenbart sich im Auswärtsspiel beim Tabellenletzten Borussia Mönchengladbach. Die Blauen zeigten eine Leistung wie sie schlechter nicht hätte sein können und liessen sich vom zuvor hoffnungslosen Tabellenletzten an die Wand spielen. Schalke ist nicht gut mit Ausreißern, sondern unkonstant schlecht. Zum Glück wenigstens unkonstant.

Von 23 Spielen hat Schalke zehn verloren. Da ist man nicht mehr überrascht. Nicht mal wenn die Mannschaft bei einem Gegner antritt, dessen Heimbilanz mit drei Unentschieden in 11 Spielen kaum schlechter hätte sein können. Für das „noch schlechter“ ist dann eben Schalke zuständig.
Ich halte Lucien Favre für einen guten Trainer. Zaubern kann er nicht. Borussia Mönchengladbach spielte einfach, schnell und zielstrebig nach vorne, war im Mittelfeld solide und hinten unsicher. Solide reichte, um Schalkes Spiel ausreichend zu stören, um dafür zu sorgen, dass sich Magaths Mannschaft – abgesehen von dem geschenkten Ball zur plötzlichen Führung – keine wirklich zwingende Torchance erspielen konnte.

Vielleicht hätte nicht Peer Kluge sondern Klaas Jan Huntelaar von Dantes Fehler in der 2. Minute profitieren sollen. Vielleicht wäre es besser gewesen, der seit Wochen neben der Spur stehende Holländer hätte auch diesen Ball vertändelt. Vielleicht fühlte sich die Mannschaft nach der schnellen Führung sicher und wollte es locker angehen lassen. Nicht dass sie Grund dazu gehabt hätte, die letzte grottenschlechte Leistung lag gerade 16 Tage zurück. Aber anders ist so was kaum zu erklären.

Schalkes Abwehrreihe war einmal mehr mit simpelsten Steilpässen völlig überfordert. Jefferson Farfán sah sich rechts meist alleine zwei bis drei Gegnern gegenüber. Manuel Jurado schaffte das Kunststück, mehr Bälle zu verlieren als er eigentlich überhaupt am Fuß hatte, auch wenn ich das nicht nachweisen kann. Raúl kämpfte wieder den „Raúl alleine gegen Alle“-Kampf, nur eben mit schlechtem Ausgang. Und Huntelaar irrlichterte.
Peer Kluge schoss das Tor und war danach häufig weit vorne zu finden. Peer Kluge musste in der Halbzeit ausgewechselt werden und fehlte fortan überall. Peer Kluge ist seit Wochen der beste Schalker Spieler und belebte gegen Freiburg auch die Offensive. Wenn nun auch noch die Hoffnungen auf ein gutes Offensivspiel baden gehen, wenn Peer Kluge ausgewechselt wird, dann sagt das einiges über Peer Kluge, aber wirklich alles über diese Schalker Mannschaft aus.

Schalke hat nur 6 Punkte mehr als Kaiserslautern auf Platz 16. Zum Glück liegen noch 5 Clubs als beruhigender Puffer dazwischen. Schalkes Bundesligasaison will zu Ende gespielt werden, ist aber gelaufen. Schalke wird im Mittelmaß enden, sehr verdient.

„Eberl ist im Grunde nicht mehr tragbar“

Borussia Mönchengladbach ist Schalkes nächster Gegner. Pünktlich zu diesem Spiel wurde am Niederrhein den Trainer gewechselt. Lucien Favre, der als Trainer der Hertha in Berlin zwischen Überflieger und Prügelknabe alles darstellte, soll Gladbach retten, oder, falls ihm das nicht gelingt, wieder zurück in die erste Liga führen. Mich hat interessiert, wie die Situation in Gladbach abseits der offiziellen Seite gesehen wird. Deshalb habe ich mich mit Jannik Sorgatz unterhalten, der seit Jahren in seinem Blog Entscheidend is aufm Platz über den VfL Borussia Mönchengladbach schreibt.



Jannik, Borussia hat Michael Frontzeck entlassen und Lucien Favre engagiert. Zu spät würde ich meinen, bei allem Respekt vor Michael Frontzeck. Wie siehst Du das und bist Du zufrieden mit der Wahl Favres?

Da gebe ich dir auf jeden Fall Recht. „Im Nachhinein“, hat Max Eberl gesagt, habe es sich als falsch herausgestellt, Frontzeck nicht nach dem 17. Spieltag zu entlassen. Ich habe es aber schon im Winter für die einzige Option gehalten – zumal wir im Abstiegsjahr 2007 denselben Fehler gemacht und uns erst nach dem 19. Spieltag von Jupp Heynckes getrennt haben. Die Mannschaft hat gegen Hamburg und Hoffenheim zwei absolut trostlose Auftritte hingelegt, das fünfte und sechste Pflichtspiel in Folge verloren – ohne große Böcke, ohne Pech, einfach rundum schlecht.
Jetzt hat Favre eine ziemlich aussichtslose Situation von Frontzeck übernommen. Ohne die Möglichkeit, sich im Winter die zwei bis vier Spieler zu holen, die er für seine Arbeit gebraucht hätte. Unter dem Gesichtspunkt darf man von Favre keine Wunderdinge erwarten. Entweder es klappt oder es klappt nicht. Wenn er uns rettet ist er der Held. Ich halte es zumindest wieder für weniger unwahrscheinlich als mit Frontzeck. Jeder weiß, dass die Rettung jetzt so ein Wunder wäre, dass später Gladbach-Fans sagen werden: „Weißt du noch, als …“
Favre ist zweifellos ein guter Trainer. Man muss nur bezweifeln, dass er das richtige Spielermaterial für seine Ideen hat. Schon der Kumpeltyp Frontzeck hat diese extrovertierten, einfach gestrickten Typen zuletzt anscheinend nicht mehr erreicht. Da kann man zumindest bezweifeln, dass es dem Konzepttrainer Favre gelingen wird. Ich wünsche es ihm natürlich erst Recht zu meinem eigenen Nutzen.

Wenn ich das richtig gesehen habe ist es für Favre das erste Mal, dass er eine Mannschaft in akuter Abstiegsgefahr übernimmt. Favres Vertrag gilt auch für die zweite Liga, er soll im Fall der Fälle Gladbach neu aufbauen und wieder nach oben führen. Aber ist es nicht verkehrt, jetzt schon vorauszuplanen? Gilt es nicht eher, alles daran zu setzten die Liga zu erhalten? In der zweiten Liga brechen die Einnahmen weg und es droht eine Zweitligarallye gegen potenziell starke Clubs wie Bochum, Duisburg, vielleicht Stuttgart, vielleicht Wolfsburg oder gar Werder? Ein Horrorszenario für ein Ziel Wiederaufstieg.

Erstmal bin ich der Meinung, dass es den einzig wahren Rettertrainer sowieso nicht auf dem Markt gegeben hätte, vielleicht gibt es ihn nirgendwo. Egal ob Meyer, Gross, Funkel, Neururer, Matthäus (nicht die Namen zu ernst nehmen) – jeder hätte das Potential gehabt, es zu schaffen, oder es zu versauen. Ich auch. Meine Mutter. Maskottchen Jünter.
Und für den weitaus wahrscheinlicheren Fall, dass der Zug abgefahren ist, hat man schon einmal einen Trainer für den Neuanfang geholt. Soweit ich das gehört habe, hat Favre zum Beispiel mit Yverdon unter den Voraussetzungen, die du beschreibst, den Aufstieg in die erste Schweizer Liga geschafft.

Tatsächlich? Siehste, man sollte sich zur Meinungsbildung nicht auf fussballdaten.de verlassen … aber was anderes: Wie siehst Du die Rolle von Max Eberl? Ist er ein Kadermacher oder einer, der Trainerwünsche nach Möglichkeit erfüllt?

Das Wort „Charaktertest“ hat in der Eberl’schen Liste der Unwörter auf jeden Fall einen Spitzenplatz inne. Bobadilla, Arango, Idrissou, de Camargo – die sollen den Test angeblich alle bestanden haben. Vermute schon, Eberl hat aus Versehen den Bloß-nicht-kaufen-Zettel genommen und da seine Häkchen gemacht. Er hat Dante geholt: Großartig! Bei Bailly schien man das auch lange sagen zu können, so sicher bin ich mir da nicht mehr. Es wäre gut, wenn nach dem Trainerwechsel etwas mehr Ruhe einkehren würde und sich alle wieder auf den Klassenerhalt konzentrieren. Im Grunde ist er aber nicht mehr tragbar.
Montag ist er auf seine eigene Aussage angesprochen worden, auch sein Kopf hänge am Job von Michael Frontzeck. Das wurde ihm bei der JHV 2009 halbwegs in den Mund gelegt. Jetzt kritisiert er das Umfeld, dass es Frontzeck schon damals nicht mit offenen Armen empfangen hat, von Vetternwirtschaft die Rede war. Es wäre mir andersrum lieber: Aber die Fans hatten 2009 im Sommer bereits den richtigen Riecher.
Man muss den Sportdirektor nicht entlassen, wenn der Trainer geht. Wer aber nach außen so eng miteinander verbunden war, der ist jetzt nicht zu trennen. Bin gespannt, wie sich das entwickelt. Ohne polemisch zu sein: Ich fürchte einfach, dass Eberl an seinem Stuhl klebt, weil er ahnt, dass er woanders womöglich so schnell nichts kriegt. Oder bräuchte Horst Heldt vielleicht einen HiWi?

Böse Zungen behaupten, er sei selbst ein solcher. Kann ich nicht beurteilen. Aber zurück zu Deinem Club. Gibt es noch „Schläfer“ im Kader, talentierte Spieler, die unter Frontzeck nicht zum Zug kamen und die von einem Trainerwechsel profitieren könnten?

Ich hätte schon lange mehr auf die Jungen gesetzt. Man kann keine U23 spielen lassen, aber insgesamt stehen zu viele minderbemittelte Leute in der ersten Elf. Ich denke da an Filip Daems, Tobias Levels oder Thorben Marx. Wir haben zum Beispiel mit Tony Jantschke einen 20-Jährigen, der alle Nationalmannschaften durchlaufen hat, der technisch und taktisch bestens ausgebildet ist, dem es allerhöchstens an Erfahrung mangelt. Unterm Strich hätte er als Außenverteidiger oder Sechser – vielseitig er auch noch – jeweils bessere Voraussetzungen als die genannten Kandidaten. Er war verletzt, ist aber lange wieder fit – eine Chance hat er unter Frontzeck nie bekommen.

Ich nehme an er wird sich auf Favre freuen. Gibt’s sonst noch Potential für eine neue „Fohlenelf“?

Wie ausführlich darf ich antworten? Da gäbe es noch genügend Beispiele. Marc-André ter Stegen ist das größte deutsche Torwarttalent. Gut, 18 Jahre sind wohl wirklich zu wenig. Aber spätestens nächste Saison gehört ein dann 19-Jähriger ins Tor. Was das bewirken kann, muss ich dir als Schalker ja nicht erzählen.
Mein vorerst letztes Beispiel ist Fabian Bäcker, Stürmer, auch Jugendnationalspieler. Der macht im Januar 2010 sein erstes Bundesligaspiel, schießt sofort ein Tor, spielt danach in zwölf Monaten noch ein einziges Mal in der Liga – zwölf Minuten lang. Ein einziges Mal! Auf der Bank sitzt er aber dauernd, trifft in der zweiten Mannschaft ganz ordentlich. Dafür gibt es einfach keine rationalen Gründe. Wenn die Wahrheit wäre, dass er nicht gut genug ist für die Bundesliga, dann frage ich mich: Warum ist er dann überhaupt im Kader?

Frontzeck können wir nicht mehr fragen. Vielleicht bekommst Du von Favre demnächst die Antwort. Aber wo wir doch vorhin schon kurz über Horst Heldt sprachen fällt mir ein: Was macht Rainer Bonhof eigentlich, wenn er sich nicht gerade mit Günter Netzer zofft?

Er repräsentiert. Oder so. In Sachen Frontzeck kann ich mir kaum vorstellen, dass sich Eberl, Bonhof und die Geschäftsführung alle auf einmal einig waren, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen sei. Wenn man Eberl am Samstag gehört hat, klang das so gar nicht nach Trennung. Vermutlich musste er überredet werden. Meinetwegen könnte sich Bonhof mehr einmischen. Ich bin mir nur nicht mehr sicher, was genau seine Standpunkte sind. Die kommen ja nur ans Tageslicht, wenn Günter Netzer bei Sky sitzt.

Jannik, mit Tippabgaben will ich nicht nerven. Mit neuem Trainer ist Gladbach im ersten Spiel ’ne Wundertüte. Ich hätte mir gewünscht dass Frontzeck noch eine Niederlage mitnimmt. Nun wünsche ich Favre eine gruseligen Einstieg und danach alles Gute, denn eigentlich kann ich sowohl Lucien Favre als auch Borussia ganz gut leiden.

Ich sag’ nur so viel dazu: Als Schalker hätte ich auch lieber letzte Woche gegen Gladbach gespielt. Zumal die letzten beiden Jahre schon keine schönen Angelegenheiten für euch im Borussia-Park waren. Ich erwarte nichts. Und ich erwarte alles.

Ein fast philosophischer Schluss. Und ich sachma: Ma’kucken. Danke für das Interview!



Links:
Janniks Blog
… dessen Page bei Facebook
Jannik bei Twitter




Foto: Marcel Meier

GE Schnapper-City

Fußballtor, Königsblog, Schalke 04

Robert Wulnikowski, der Pokalheld am Bieberer Berg, kam als 13-Jähriger und genoss von 1990 bis 1999 die Ausbildung beim FC Schalke 04. Christofer Heimeroth, der Pokalheld von Gladbach, kam als 18-Jähriger und war von 1999 bis 2006 Schalker. Christian Wetklo, Nummer 1 des aktuellen Tabellenführers Mainz 05, begann das Fußballspielen in Gelsenkirchen-Hassel, kam als 15-Jähriger und gehörte vier Jahre der Jugend des FC Schalke 04 an. Naja, und Manuel Neuer war schon immer Schalker und wendet Spiel für Spiel größeren Schaden von seinem und meinem Verein ab. Bemerkenswert.

René Adler war nie Schalker, ist trotzdem ein hervorragender Torwart und hat in Gelsenkirchen noch nie verloren. In der letzten Begegnung sah er schlecht aus, als er ein Luftduell gegen Vicente Sanchez (angeblich 1.70 Meter groß, was ich für übertrieben halte) verlor. Dafür war Adler auf Schalke schon zweimal der entscheidende Mann, als er hielt wie man besser nicht halten kann, und Leverkusen zu einem 1:0 und einem 2:1 verhalf.

Das morgige Spiel ist auch das Duell zwischen Manuel Neuer als Deutschlands Nr. 1 mit seinem ernsthaftesten Herausforderer.

Die Pressekonferenz zum Spiel, mit einem sehr kämpferisch wirkenden Felix Magath, kann – zur Einstimmung – hier nachgeschaut werden. Jermaine Jones ist verletzt und wird nicht dabei sein, Hao Junmin liegt mit Blindarm-Problemen im Krankenhaus und wird voraussichtlich auch nicht zur Verfügung stehen. Was unser Spielchen angeht glaube ich an die Einwechselungen von …

Edu
Matip
und Moritz.

Ich schätze diesmal gibt’s den 3er. Für Schalke und beim Tippen.



Foto: derpunk
Spark: Pommes Blau Weiss




Was ist Einwechelspieler-Raten?
Bitte die drei Spielernamen im Kommentarfeld als erstes und untereinander notieren. Das macht mir die Erfassung erheblich einfacher. Für „echte Kommentare“ unter den getippten Namen bin ich wie immer dankbar.

Glück gehabt? Wer?

Im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach streifte Schalke 04 die Rucksäcke erst nach einen 0:2 Rückstand ab. Als es für Schalke nichts mehr zu verlieren gab wurde die Begegnung ein tolles Spiel. Am Ende gewann Schalke zwar nicht alle Punkte, aber den Applaus der Zuschauer und den Glauben der Fans.

Manch einer sagt, für Gladbach sei der späte Ausgleich unglücklich gewesen, Schalke hätte noch mal Massel gehabt, nicht zu verlieren. Gladbach hätte stets Chancen gehabt, bei Kontern alles klar zu machen. Das ist eine Sichtweise, der man zustimmen kann.
Gladbach kann glücklich sein, den Ausgleich erst so spät kassiert zu haben. Schalke hat sich genug Chancen erspielt, dieses Spiel zu gewinnen. Auch dieser Sichtweise kann man zustimmen. Dieser zweiten, positiveren, schließe ich mich an.

Schalke spielte in der zweiten Halbzeit so offensiv wie seit Jahren nicht mehr. Felix Magath wechselte Jefferson Farfán für Jermaine Jones ein, ließ Farfán als Außenstürmer agieren, zog Atsuto Uchida weit ins Mittelfeld vor und spielte praktisch mit 3er Abwehrkette. Dass Borussia Mönchengladbach zu Konterchancen kommt, wurde hingenommen. Das lässt sich nicht vollkommen verhindern, wenn man derart weit aufrückt. In den letzten 20 Minuten gestaltete sich das Schalker Spiel zeitweise wie ein Powerplay beim Eishockey, mit Manuel Neuer in Nähe der Mittellinie, als anspielbarer letzter Mann.

Natürlich ist ein Unentschieden in einem Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach eigentlich zu wenig. Schalke macht es sich dieser Tage eben selbst schwer. Lukas Schmitz mag sich durch ordentliche Leistungen die Linksverteidigerposition zurückerkämpft haben, in der Mitte und vor allem rechts wackelt Schalkes Verteidigung nach wie vor. Diesmal ließ sich Benni Höwedes ein ums andere mal vorführen und verursachte äußerst ungeschickt den Strafstoß, das 0:1 für Gladbach.
Ohne Höwedes in Schutz nehmen zu wollen ist es aber ein großes Problem, dass die Außenpositionen kaum Hilfe von der Innenverteidigung bekommen, weil diese genug mit sich selbst zu tun hat. Gegen Freiburg haben Christoph Metzelder und Benni Höwedes das bislang beste Innenverteidiger-Duo dieser Saison abgegeben. Weil aber schon Mittwoch gegen Benfica diese Kombination wegen Höwedes’ Sperre nicht möglich sein wird, weil sich noch kein defensivstarker Rechtsverteidiger finden ließ und weil Benni Höwedes in der letzten Saison schon mal rechts gespielt hat, war die Aufstellung nachzuvollziehen. Es hat nicht funktioniert.

Offensiv hat Schalke dafür auch in diesem Spiel wieder einen Schritt nach vorne gemacht. Raúl ist noch nicht vollends integriert, traf dennoch erstmals, Jurado bereichert das Mittelfeld, Huntelaar verbessert das Spiel und trifft. Das durfte man erwarten. Entscheidend ist, dass auch die „alten Schalker“ Fortschritte machen. Ivan Rakitic beispielsweise, der die Technik hat, das Kurzpassspiel Jurados mitzumachen. Lukas Schmitz, der sich seine Unbefangenheit der letzten Saison bewahrt hat und weiterhin mutig seine eigenen Fähigkeiten austestet. Und Joel Matip, der trotz manchem Fehlpass immer besser darin wird, von der 6er-Position aus das Spiel anzutreiben, der gerade dabei ist dem konservativer spielenden Jermaine Jones den Rang abzulaufen.

Ohne eine stabile Defensive wird Schalke auch in Zukunft keinen Blumentopf gewinnen und die Fehler der ersten Halbzeit waren die Pfiffe zur Pause wert. Dass das Stadion in der zweiten Halbzeit die Steigerung erkannt hat, dass der Einsatz und die Offensive honoriert wurden, dass nicht nur das Ergebnis sondern das Spiel als Ganzes beurteilt und am Ende applaudiert wurde, stimmte mich froh. Et wird. Ich bin nicht der Einzige, der daran glaubt.