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„Eberl ist im Grunde nicht mehr tragbar“

Borussia Mönchengladbach ist Schalkes nächster Gegner. Pünktlich zu diesem Spiel wurde am Niederrhein den Trainer gewechselt. Lucien Favre, der als Trainer der Hertha in Berlin zwischen Überflieger und Prügelknabe alles darstellte, soll Gladbach retten, oder, falls ihm das nicht gelingt, wieder zurück in die erste Liga führen. Mich hat interessiert, wie die Situation in Gladbach abseits der offiziellen Seite gesehen wird. Deshalb habe ich mich mit Jannik Sorgatz unterhalten, der seit Jahren in seinem Blog Entscheidend is aufm Platz über den VfL Borussia Mönchengladbach schreibt.



Jannik, Borussia hat Michael Frontzeck entlassen und Lucien Favre engagiert. Zu spät würde ich meinen, bei allem Respekt vor Michael Frontzeck. Wie siehst Du das und bist Du zufrieden mit der Wahl Favres?

Da gebe ich dir auf jeden Fall Recht. „Im Nachhinein“, hat Max Eberl gesagt, habe es sich als falsch herausgestellt, Frontzeck nicht nach dem 17. Spieltag zu entlassen. Ich habe es aber schon im Winter für die einzige Option gehalten – zumal wir im Abstiegsjahr 2007 denselben Fehler gemacht und uns erst nach dem 19. Spieltag von Jupp Heynckes getrennt haben. Die Mannschaft hat gegen Hamburg und Hoffenheim zwei absolut trostlose Auftritte hingelegt, das fünfte und sechste Pflichtspiel in Folge verloren – ohne große Böcke, ohne Pech, einfach rundum schlecht.
Jetzt hat Favre eine ziemlich aussichtslose Situation von Frontzeck übernommen. Ohne die Möglichkeit, sich im Winter die zwei bis vier Spieler zu holen, die er für seine Arbeit gebraucht hätte. Unter dem Gesichtspunkt darf man von Favre keine Wunderdinge erwarten. Entweder es klappt oder es klappt nicht. Wenn er uns rettet ist er der Held. Ich halte es zumindest wieder für weniger unwahrscheinlich als mit Frontzeck. Jeder weiß, dass die Rettung jetzt so ein Wunder wäre, dass später Gladbach-Fans sagen werden: „Weißt du noch, als …“
Favre ist zweifellos ein guter Trainer. Man muss nur bezweifeln, dass er das richtige Spielermaterial für seine Ideen hat. Schon der Kumpeltyp Frontzeck hat diese extrovertierten, einfach gestrickten Typen zuletzt anscheinend nicht mehr erreicht. Da kann man zumindest bezweifeln, dass es dem Konzepttrainer Favre gelingen wird. Ich wünsche es ihm natürlich erst Recht zu meinem eigenen Nutzen.

Wenn ich das richtig gesehen habe ist es für Favre das erste Mal, dass er eine Mannschaft in akuter Abstiegsgefahr übernimmt. Favres Vertrag gilt auch für die zweite Liga, er soll im Fall der Fälle Gladbach neu aufbauen und wieder nach oben führen. Aber ist es nicht verkehrt, jetzt schon vorauszuplanen? Gilt es nicht eher, alles daran zu setzten die Liga zu erhalten? In der zweiten Liga brechen die Einnahmen weg und es droht eine Zweitligarallye gegen potenziell starke Clubs wie Bochum, Duisburg, vielleicht Stuttgart, vielleicht Wolfsburg oder gar Werder? Ein Horrorszenario für ein Ziel Wiederaufstieg.

Erstmal bin ich der Meinung, dass es den einzig wahren Rettertrainer sowieso nicht auf dem Markt gegeben hätte, vielleicht gibt es ihn nirgendwo. Egal ob Meyer, Gross, Funkel, Neururer, Matthäus (nicht die Namen zu ernst nehmen) – jeder hätte das Potential gehabt, es zu schaffen, oder es zu versauen. Ich auch. Meine Mutter. Maskottchen Jünter.
Und für den weitaus wahrscheinlicheren Fall, dass der Zug abgefahren ist, hat man schon einmal einen Trainer für den Neuanfang geholt. Soweit ich das gehört habe, hat Favre zum Beispiel mit Yverdon unter den Voraussetzungen, die du beschreibst, den Aufstieg in die erste Schweizer Liga geschafft.

Tatsächlich? Siehste, man sollte sich zur Meinungsbildung nicht auf fussballdaten.de verlassen … aber was anderes: Wie siehst Du die Rolle von Max Eberl? Ist er ein Kadermacher oder einer, der Trainerwünsche nach Möglichkeit erfüllt?

Das Wort „Charaktertest“ hat in der Eberl’schen Liste der Unwörter auf jeden Fall einen Spitzenplatz inne. Bobadilla, Arango, Idrissou, de Camargo – die sollen den Test angeblich alle bestanden haben. Vermute schon, Eberl hat aus Versehen den Bloß-nicht-kaufen-Zettel genommen und da seine Häkchen gemacht. Er hat Dante geholt: Großartig! Bei Bailly schien man das auch lange sagen zu können, so sicher bin ich mir da nicht mehr. Es wäre gut, wenn nach dem Trainerwechsel etwas mehr Ruhe einkehren würde und sich alle wieder auf den Klassenerhalt konzentrieren. Im Grunde ist er aber nicht mehr tragbar.
Montag ist er auf seine eigene Aussage angesprochen worden, auch sein Kopf hänge am Job von Michael Frontzeck. Das wurde ihm bei der JHV 2009 halbwegs in den Mund gelegt. Jetzt kritisiert er das Umfeld, dass es Frontzeck schon damals nicht mit offenen Armen empfangen hat, von Vetternwirtschaft die Rede war. Es wäre mir andersrum lieber: Aber die Fans hatten 2009 im Sommer bereits den richtigen Riecher.
Man muss den Sportdirektor nicht entlassen, wenn der Trainer geht. Wer aber nach außen so eng miteinander verbunden war, der ist jetzt nicht zu trennen. Bin gespannt, wie sich das entwickelt. Ohne polemisch zu sein: Ich fürchte einfach, dass Eberl an seinem Stuhl klebt, weil er ahnt, dass er woanders womöglich so schnell nichts kriegt. Oder bräuchte Horst Heldt vielleicht einen HiWi?

Böse Zungen behaupten, er sei selbst ein solcher. Kann ich nicht beurteilen. Aber zurück zu Deinem Club. Gibt es noch „Schläfer“ im Kader, talentierte Spieler, die unter Frontzeck nicht zum Zug kamen und die von einem Trainerwechsel profitieren könnten?

Ich hätte schon lange mehr auf die Jungen gesetzt. Man kann keine U23 spielen lassen, aber insgesamt stehen zu viele minderbemittelte Leute in der ersten Elf. Ich denke da an Filip Daems, Tobias Levels oder Thorben Marx. Wir haben zum Beispiel mit Tony Jantschke einen 20-Jährigen, der alle Nationalmannschaften durchlaufen hat, der technisch und taktisch bestens ausgebildet ist, dem es allerhöchstens an Erfahrung mangelt. Unterm Strich hätte er als Außenverteidiger oder Sechser – vielseitig er auch noch – jeweils bessere Voraussetzungen als die genannten Kandidaten. Er war verletzt, ist aber lange wieder fit – eine Chance hat er unter Frontzeck nie bekommen.

Ich nehme an er wird sich auf Favre freuen. Gibt’s sonst noch Potential für eine neue „Fohlenelf“?

Wie ausführlich darf ich antworten? Da gäbe es noch genügend Beispiele. Marc-André ter Stegen ist das größte deutsche Torwarttalent. Gut, 18 Jahre sind wohl wirklich zu wenig. Aber spätestens nächste Saison gehört ein dann 19-Jähriger ins Tor. Was das bewirken kann, muss ich dir als Schalker ja nicht erzählen.
Mein vorerst letztes Beispiel ist Fabian Bäcker, Stürmer, auch Jugendnationalspieler. Der macht im Januar 2010 sein erstes Bundesligaspiel, schießt sofort ein Tor, spielt danach in zwölf Monaten noch ein einziges Mal in der Liga – zwölf Minuten lang. Ein einziges Mal! Auf der Bank sitzt er aber dauernd, trifft in der zweiten Mannschaft ganz ordentlich. Dafür gibt es einfach keine rationalen Gründe. Wenn die Wahrheit wäre, dass er nicht gut genug ist für die Bundesliga, dann frage ich mich: Warum ist er dann überhaupt im Kader?

Frontzeck können wir nicht mehr fragen. Vielleicht bekommst Du von Favre demnächst die Antwort. Aber wo wir doch vorhin schon kurz über Horst Heldt sprachen fällt mir ein: Was macht Rainer Bonhof eigentlich, wenn er sich nicht gerade mit Günter Netzer zofft?

Er repräsentiert. Oder so. In Sachen Frontzeck kann ich mir kaum vorstellen, dass sich Eberl, Bonhof und die Geschäftsführung alle auf einmal einig waren, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen sei. Wenn man Eberl am Samstag gehört hat, klang das so gar nicht nach Trennung. Vermutlich musste er überredet werden. Meinetwegen könnte sich Bonhof mehr einmischen. Ich bin mir nur nicht mehr sicher, was genau seine Standpunkte sind. Die kommen ja nur ans Tageslicht, wenn Günter Netzer bei Sky sitzt.

Jannik, mit Tippabgaben will ich nicht nerven. Mit neuem Trainer ist Gladbach im ersten Spiel ’ne Wundertüte. Ich hätte mir gewünscht dass Frontzeck noch eine Niederlage mitnimmt. Nun wünsche ich Favre eine gruseligen Einstieg und danach alles Gute, denn eigentlich kann ich sowohl Lucien Favre als auch Borussia ganz gut leiden.

Ich sag’ nur so viel dazu: Als Schalker hätte ich auch lieber letzte Woche gegen Gladbach gespielt. Zumal die letzten beiden Jahre schon keine schönen Angelegenheiten für euch im Borussia-Park waren. Ich erwarte nichts. Und ich erwarte alles.

Ein fast philosophischer Schluss. Und ich sachma: Ma’kucken. Danke für das Interview!



Links:
Janniks Blog
… dessen Page bei Facebook
Jannik bei Twitter




Foto: Marcel Meier

GE Schnapper-City

Fußballtor, Königsblog, Schalke 04

Robert Wulnikowski, der Pokalheld am Bieberer Berg, kam als 13-Jähriger und genoss von 1990 bis 1999 die Ausbildung beim FC Schalke 04. Christofer Heimeroth, der Pokalheld von Gladbach, kam als 18-Jähriger und war von 1999 bis 2006 Schalker. Christian Wetklo, Nummer 1 des aktuellen Tabellenführers Mainz 05, begann das Fußballspielen in Gelsenkirchen-Hassel, kam als 15-Jähriger und gehörte vier Jahre der Jugend des FC Schalke 04 an. Naja, und Manuel Neuer war schon immer Schalker und wendet Spiel für Spiel größeren Schaden von seinem und meinem Verein ab. Bemerkenswert.

René Adler war nie Schalker, ist trotzdem ein hervorragender Torwart und hat in Gelsenkirchen noch nie verloren. In der letzten Begegnung sah er schlecht aus, als er ein Luftduell gegen Vicente Sanchez (angeblich 1.70 Meter groß, was ich für übertrieben halte) verlor. Dafür war Adler auf Schalke schon zweimal der entscheidende Mann, als er hielt wie man besser nicht halten kann, und Leverkusen zu einem 1:0 und einem 2:1 verhalf.

Das morgige Spiel ist auch das Duell zwischen Manuel Neuer als Deutschlands Nr. 1 mit seinem ernsthaftesten Herausforderer.

Die Pressekonferenz zum Spiel, mit einem sehr kämpferisch wirkenden Felix Magath, kann – zur Einstimmung – hier nachgeschaut werden. Jermaine Jones ist verletzt und wird nicht dabei sein, Hao Junmin liegt mit Blindarm-Problemen im Krankenhaus und wird voraussichtlich auch nicht zur Verfügung stehen. Was unser Spielchen angeht glaube ich an die Einwechselungen von …

Edu
Matip
und Moritz.

Ich schätze diesmal gibt’s den 3er. Für Schalke und beim Tippen.



Foto: derpunk
Spark: Pommes Blau Weiss




Was ist Einwechelspieler-Raten?
Bitte die drei Spielernamen im Kommentarfeld als erstes und untereinander notieren. Das macht mir die Erfassung erheblich einfacher. Für „echte Kommentare“ unter den getippten Namen bin ich wie immer dankbar.

Glück gehabt? Wer?

Im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach streifte Schalke 04 die Rucksäcke erst nach einen 0:2 Rückstand ab. Als es für Schalke nichts mehr zu verlieren gab wurde die Begegnung ein tolles Spiel. Am Ende gewann Schalke zwar nicht alle Punkte, aber den Applaus der Zuschauer und den Glauben der Fans.

Manch einer sagt, für Gladbach sei der späte Ausgleich unglücklich gewesen, Schalke hätte noch mal Massel gehabt, nicht zu verlieren. Gladbach hätte stets Chancen gehabt, bei Kontern alles klar zu machen. Das ist eine Sichtweise, der man zustimmen kann.
Gladbach kann glücklich sein, den Ausgleich erst so spät kassiert zu haben. Schalke hat sich genug Chancen erspielt, dieses Spiel zu gewinnen. Auch dieser Sichtweise kann man zustimmen. Dieser zweiten, positiveren, schließe ich mich an.

Schalke spielte in der zweiten Halbzeit so offensiv wie seit Jahren nicht mehr. Felix Magath wechselte Jefferson Farfán für Jermaine Jones ein, ließ Farfán als Außenstürmer agieren, zog Atsuto Uchida weit ins Mittelfeld vor und spielte praktisch mit 3er Abwehrkette. Dass Borussia Mönchengladbach zu Konterchancen kommt, wurde hingenommen. Das lässt sich nicht vollkommen verhindern, wenn man derart weit aufrückt. In den letzten 20 Minuten gestaltete sich das Schalker Spiel zeitweise wie ein Powerplay beim Eishockey, mit Manuel Neuer in Nähe der Mittellinie, als anspielbarer letzter Mann.

Natürlich ist ein Unentschieden in einem Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach eigentlich zu wenig. Schalke macht es sich dieser Tage eben selbst schwer. Lukas Schmitz mag sich durch ordentliche Leistungen die Linksverteidigerposition zurückerkämpft haben, in der Mitte und vor allem rechts wackelt Schalkes Verteidigung nach wie vor. Diesmal ließ sich Benni Höwedes ein ums andere mal vorführen und verursachte äußerst ungeschickt den Strafstoß, das 0:1 für Gladbach.
Ohne Höwedes in Schutz nehmen zu wollen ist es aber ein großes Problem, dass die Außenpositionen kaum Hilfe von der Innenverteidigung bekommen, weil diese genug mit sich selbst zu tun hat. Gegen Freiburg haben Christoph Metzelder und Benni Höwedes das bislang beste Innenverteidiger-Duo dieser Saison abgegeben. Weil aber schon Mittwoch gegen Benfica diese Kombination wegen Höwedes’ Sperre nicht möglich sein wird, weil sich noch kein defensivstarker Rechtsverteidiger finden ließ und weil Benni Höwedes in der letzten Saison schon mal rechts gespielt hat, war die Aufstellung nachzuvollziehen. Es hat nicht funktioniert.

Offensiv hat Schalke dafür auch in diesem Spiel wieder einen Schritt nach vorne gemacht. Raúl ist noch nicht vollends integriert, traf dennoch erstmals, Jurado bereichert das Mittelfeld, Huntelaar verbessert das Spiel und trifft. Das durfte man erwarten. Entscheidend ist, dass auch die „alten Schalker“ Fortschritte machen. Ivan Rakitic beispielsweise, der die Technik hat, das Kurzpassspiel Jurados mitzumachen. Lukas Schmitz, der sich seine Unbefangenheit der letzten Saison bewahrt hat und weiterhin mutig seine eigenen Fähigkeiten austestet. Und Joel Matip, der trotz manchem Fehlpass immer besser darin wird, von der 6er-Position aus das Spiel anzutreiben, der gerade dabei ist dem konservativer spielenden Jermaine Jones den Rang abzulaufen.

Ohne eine stabile Defensive wird Schalke auch in Zukunft keinen Blumentopf gewinnen und die Fehler der ersten Halbzeit waren die Pfiffe zur Pause wert. Dass das Stadion in der zweiten Halbzeit die Steigerung erkannt hat, dass der Einsatz und die Offensive honoriert wurden, dass nicht nur das Ergebnis sondern das Spiel als Ganzes beurteilt und am Ende applaudiert wurde, stimmte mich froh. Et wird. Ich bin nicht der Einzige, der daran glaubt.

18. Sieg im Wundertütenspielchen

Sieg 1 von 4, um mir meinen Wunsch zu erfüllen. Schalke gewann 3:1 gegen Borussia Mönchengladbach, es war der 18. Sieg in dieser Saison. Kein Club siegte öfter.

Das ist schon ein Ding, mit diesem „das Spiel machen“. Alle Welt sagt, dass Schalke das nicht kann, selbst Felix Magath lässt kaum eine Pressekonferenz vergehen, ohne dies zu Bemerken. Aber irgendwie geht’s trotzdem.
Fraglos tat sich Schalke auch gegen Gladbach zunächst schwer. Die Defensive hat in den letzten Spielen an Sicherheit verloren. Die Gegner konnten doch einige Male durchmarschieren, auch wenn der zwischenzeitliche Ausgleich dem Fehler Manuel Neuers geschuldet war, seinem 2. Bock im 2. Spiel, den Big-Bobadilla, der Gladbacher-Stürmer mit dem Ailton-Gedächtnis-Übergewicht, zu nutzen wusste. Rakitic’ Schuss zum 1:0 kam aus dem Nichts, war unhaltbar, Jefferson Farfan drückte den Ball aus dem Getümmel nach einer Ecke über die Linie. Damit war das Spiel gewonnen.

In der zweiten Hälfte schoss Gladbach noch einmal auf Manuel Neuers Tor. Eine Halbzeit, in der Schalke gradlinig spielte, sich Chancen erarbeitete und an der mich vor allem die Einwechslung Mario Gavranovic’ freute.
Mario Gavranovic ist 20 Jahre jung und kam im Winter zu Schalke 04, nachdem er für Xamax Neuchâtel in 19 Spielen 10 Tore erzielte. Er ist eine der Magath’schen Wundertüten, wie auch ein Hao Junmin, von dem man kaum was wusste, der aber auch gegen Gladbach durch Einsatz- und Spielfreude überzeugen konnte. Ebenso Gavranovic, der spritzig war und gute Ballbehandlung bewies, der mit seinen Sturmpartnern gut harmonierte und der den Strafstoß zum 3:1 „herausholte“, als er in aussichtsreicher Position im Strafraum von den Beinen geholt wurde. Ich denke den sehen wir noch öfter.

Schalke kann also „das Spiel nicht machen“ und steht doch kurz vor Saisonschluss ziemlich gut da. In den 42 Jahre Bundesligazugehörigkeit dieses ehrwürdigen Vereins wurden nur in fünf Jahren mehr Punkte erzielt – und noch gibt es ja 9 Punkte zu gewinnen. Das Wundertütenspielchen Magaths bereitet mir diebische Freude. Mögen Spieler wie Hao, Edu, Schmitz, Sanchez oder Moritz für sich auch keine großen Stars sein – Magath bildet aus ihnen eine funktionierendes Gebilde um Eckpfeiler wie Bordon, Ranfinha oder Kuranyi. Eine Masse, aus der Mal der Eine, mal ein Anderer heraussticht, für eine entscheidende Aktion gut ist und sich danach wieder zurückzieht oder gar ausgetauscht wird. Nichts scheint fest, alles scheint stets im Wandel zu sein, ständig wird Bestehendes verworfen und es tun sich neue Perspektiven auf. Dass Schalke bei all’ diesem Gepuzzle, so unfertig, so improvisiert, derart erfolgreich ist, ist im wahrsten Sinn des Wortes wunderbar.

Die zwei Meinungen des Spieltags 23/47

„Dante, zwar ohne Absicht, aber mit klarer Bewegung zum Ball.”

So urteilte der Kommentator der ARD-Sportschau über die Situation, in der der Gladbacher Dante in der 73. Spielminute des Spiels gegen Hoffenheim den Ball mit dem Arm traf. Dem Tonfall und dem weiteren Kommentar entsprechend wollte er damit ausdrücken, dass es einen Strafstoss hätte geben sollen.

Laut Regel 12, Verbotenes Spiel und unsportliches Betragen, muss ein Handspiel absichtlich erfolgen, um als Vergehen geahndet zu werden. Die Frage, ob sich die Hand oder der Arm zum Ball bewegt oder nicht, wird in den anliegenden Ausführungen zu dieser Regel lediglich als Entscheidungshilfe für den Schiedsrichter genannt. Außerdem sei an dieser Stelle mal erwähnt, dass das Wort „natürlich“ im Regelwerk nur in Bezug auf zum Spielfeld bzw. zur Ausrüstung gehörende Gegenstände vorkommt.

Schiedsrichter Wolfgang Stark hatte das Handspiel Dantes als nicht absichtlich beurteilt, ebenso wie der Sportschau-Kommentator. Eigentlich hätten sich beide darüber einig sein sollen, dass die Aktion nicht strafwürdig war.

Erbettelter Lucky Punch

Gladbach gewann nicht unverdient, schrieb kicker online direkt nach dem Spiel. So kann man das schreiben. Sie hätte auch schreiben können dass Gladbach nicht verdient gewann. Oder dass Schalke nicht verdient verlor. Oder dass Schalke eben nicht unverdient verlor. In einer Begegnung zwischen zwei offensivschwachen Mannschaften gewann das Team, dass die eine klare Aktion durchbrachte. Und für Schalke-Fans gab es viele Gelegenheiten, sich zu ärgern.

Über Heiko Westermann zum Beispiel, der nicht nur beim 80 Meter Pass von Dante zum entscheidenden Tor auf dem falschen Fuß erwischt wurde, der auch ansonsten über den Platz schlich als sei er auf Reserve.
Über die Schalker Offensive, unabhängig von Namen. Ivan Rakitic hatte vielen Szenen, und in allen mangelte es an Präzision. Sein Backup Jan Moravek hatte nichtmal viele Szenen. Dem von Magath noch reingeworfene Lewis Holtby reichte im besten Fall die Zeit nicht. Die Stürmer, Kevin Kuranyi, Jefferson Farfan, Halil Altiontop, hatten allesamt wenige Ballkontakte. Und daraus machten sie nichts.
Über Schiedsrichter Wolfgang Stark. Der entschied sich früh für Gladbach. Stark pfiff die vielen kleinen Dinge gegen Schalke, konkret doppelt so häufig wie gegen Gladbach. Er zeigte den Blauen 5 Gelbe Karten, den Gladbachern keine, und womit sich Rafinha seine Gelbe Karte verdient haben soll, bleibt auch nach der achten Wiederholung im Dunkeln. Man könnte meinen Schalke sei wie ein Holzfällerkommando über wehrlose Borussen hinweggefegt. Allein so was war auf dem Platz nicht zu sehen. Als sich Roel Brouwers in der zweiten Halbzeit auf dem Platz behandeln ließ, dauerte dies knapp drei Minuten. Diese drei Minuten ließ Stark nachspielen. Nur diese.

Andererseits: Stark hätte auch 20 Minuten nachspielen lassen können, Schalke hätte wohl trotzdem kein Tor erzielt. Es fehlte an Ideen. Wenn es schnell gehen sollte scheiterte es an der fehlenden Genauigkeit. Und wenn es weniger schnell ging scheiterte es an Gladbach, die eben so spielten wie ansonsten Schalke, mit aggressiver und räumlich gut aufgeteilter Defensive.
Anfangs war das Spiel schnell und sehr interessant. Beide Mannschaften standen sich auf den Füßen, boten sich keine Räume. Alles war irgendwie eng und intensiv, und auch wenn mehr geflippert als kombiniert wurde war es schon eindeutig erste Liga. Später traten die beschriebenen Unzulänglichkeiten des Schalker offen zu Tage, als Gladbach merkte dass das an diesem Tage reichen würde um den Sieg zu halten. Dann lebte das Spiel von der Spannung alleine.

Am Ende machte die eine Szene in der 5. Minute den Unterschied. Das ist ärgerlich. Doch man kann sagen, dass in dieser Saison für Schalke die Münze schon häufig auf die richtige Seite fiel. Sich das Glück zu erarbeiten ist ein gute Sache, am Ende braucht es doch auch Glück, und das ist einem nicht immer holt, selbst mit einem Felix als Skipper. Ich möchte fast meinen, eine Niederlage auf genau diese Art war mal fällig. Ich hoffe nur, dass es bei der niedrigen Frequenz bleibt.

HSV-Fans die gearschtesten

Gearscht, gearschter, am gearschtesten. Wer seinen Club zu Auswärtsspielen begleiten will, freut sich über Samstagsspiele. Wer sich teure Bundesligatickets nebst Fahrkosten leistet, muss freitags noch arbeiten. Und Sonntagabend durch die Republik zu cruisen ist auch nur bedingt entspannend, wenn montags früh der Wecker klingelt.

Letzte Woche haben sich Fans der Borussia aus Mönchengladbach in einem offenen Brief an die DFL gewandt. Darin beschweren sie sich über eine ungerechte Verteilung in der Spielansetzung. Und in der Tat: Bis zum 10. Spieltag, bis zu dem für alle Vereine also 5 Auswärtsspiele auf dem Plan stehen, muss die Borussia viermal sonntags durch das Land reisen, während vier andere Clubs überhaupt nicht betroffen sind. Noch schlimmer trifft es nur die Fans des HSV.

Die Hamburger werden tatsächlich bis Ende Oktober überhaupt kein Auswärtsspiel an einem Samstag bestreiten. Alle fünf Spiele waren oder sind für sonntags angesetzt. Und die Gegner sind keinesfalls um die Ecke. Schon nach Gelsenkirchen sinds 350 km, nach Frankfurt knappe 500 km, und zum ersten Saisonspiel gings direkt mal nach Freiburg, wozu rund 750 km zurückgelegt werden mussten. Und weil man ja doch wieder nach Hause will, werden Hamburger Allesfahrer bis Ende Oktober die sonntägliche Ruhe unserer Republik mit ergoogleten 4.232 Autokilometern gestört haben.

[via @haeby]