Artikel zum Schlagwort ‘Darmstadt 98’

Wie geht’s Markus Weinzierl?

Man weiß es nicht. Vermutlich fühlt er den Zauber, der, wie man sagt, jedem Neuen innewohnt.

Es heißt, er flöge nach Marbella. Dorthin, wo Christian Heidel, Schalkes neuer starker Mann, Urlaub macht. Es heißt, nur Urlaub mache dort niemand, sie planten dort die neue Saison. Was sich gut anhört, angenehm. Was keinerlei Probleme mit sich bringen sollte. Schließlich hatte, wie wir mittlerweile wissen, Christian Heidel jahrelang kein Fußballmanager-Büro, führte die Geschäfte des FSV Mainz 05 in seinem Autohaus. Autohaus, Ferienhaus, einerlei.

Es heißt, der Trainer bekäme die Freigabe für den Wechsel vom FC Augsburg erst, wenn Augsburg selbst einen neuen Trainerverpflichtung sicher habe. Es heißt, Augsburg wolle Dirk Schuster von Darmstadt 98. Es heißt, Dirk Schuster bekäme die Freigabe von Darmstadt 98 erst, wenn Darmstadt 98 eine adäquate Ablösesumme ausgehandelt und selbst eine neue Trainerverpflichtung sicher habe. Es heißt, Darmstadt 98 suche gerade nach einem Ersatz für Dirk Schuster. Wer weiß, vielleicht bekommt dieser Ersatz die Freigabe erst, wenn sein vorheriger Club selbst eine neue Trainerverpflichtung sicher hat. Und so weiter, und so fort. Es ist die Zeit, da der Schwanz mal die Chance hat, mit dem Hund zu wedeln.

In den letzten Wochen hieß es nahezu jeden Tag in irgendeiner Zeitung, vermutlich heute würde die Verpflichtung Markus Weinzierls endlich bekanntgegeben. Nie war es soweit. Wird es heute soweit sein? Aber wann gäbe es dann die fällige Vorstellung, die Pressekonferenz, wo die Herren doch im Ferienhaus planen? Wird es also noch Wochen dauern? Wie wichtig ist das eigentlich? Wird Markus Weinzierl auf der Pressekonferenz was anderes sagen als André Breitenreiter vor einem Jahr? Und welches Bier muss ich mir dazu kaufen?

Das alles weiß ich noch nicht. Ich denke, Markus Weinzierl geht’s dennoch gut.

Erfolg auf ganzer Linie

Schalke 04 gewinnt 2:0 am Böllenfalltor in Darmstadt. Ein fieses Spiel bei fiesem Wetter, an dessen Ende aber ein verdienter Sieg stand und Trainer André Breitenreiter bei vielen Fans punkten konnte.

Schalke war beim Umschalten in die Defensive nach Ballverlusten sehr konzentriert. Über 90 Minuten ließ man keine gefährliche Kontersituation der Gastgeber zu. Das war entscheidend, das war der Schlüssel zu Sieg. Allerdings ist wohl hohe Fankunst notwendig, um sich über „Konzentration“ zu freuen, mir gelang dies nicht so recht. Braucht man Spielzüge und ab und an eine Torchance, um Fußball schön zu finden, hatte man es schwer. Seien wir ehrlich, vor allem in der ersten Hälfte war dieses Fußballspiel ganz harte Kost. Zum Glück schubste der Treffer rechtzeitig vor der Pause die Laune etwas nach oben. Mit dem zweiten Treffer, acht Minuten nach der Pause, war das Spiel dann entschieden; dank der eingangs beschriebenen, anhaltenden Konzentration.

Max Meyer der entscheidende Mann

Leroy Sanés Diagonalläufe waren einmal mehr beeindruckend und hatten auch in diesem Spiel wieder Erfolg. Ich würde aber Max Meyer als entscheidenden Spieler des Spiels nennen wollen. Weil er das erste Tor in einer Situation erzielte, in der meine Finger schon durch die restlichen Haare fuhren und mir ein „Nicht schon wieder!“ auf den Lippen lag, da es aussah, als würde abermals eine Großchance nicht verwertet, er das Ding aber eben doch noch reindrehte. Weil Leroy Sané zwar richtig lief, Max Meyers Pass vor dem zweiten Tor aber eben auch perfekt gespielt war. Und – und eigentlich vor allem – weil er auch noch richtig foulte. Weil er die Situation erfasste, weil er auf dem Weg nach hinten war, in der 60. Minute, als Darmstadt dieses eine Mal Schalkes Mittelfeld rasch überspielte, und weil Meyers Trikotziehen das richtige Mittel war, die vielleicht eine Großchance der Lilien zu verhindern.

Nein, es war kein gutes Spiel. Schalkes Offensivspiel war bemüht aber fehlerhaft. Eric Maxim Choupo-Moting hatte einen schlechten Tag erwischt, der Ball war am Samstag nicht sein Freund. An Klaas-Jan Huntelaar lief das Spiel vollkommen vorbei, er hatte die mit Abstand wenigsten Ballberührungen aller Spieler auf dem Feld … und Ralf Fährmann hatte in dieser Begegnung wirklich nicht viel zu tun. Aber Schalke hatte den Gegner im Griff und deshalb letztlich verdient gewonnen.

Breitenreiters Sky-Boykott

Im Nachklapp zu diesem Spiel boykottierte André Breitenreiter den TV-Sender Sky, stand zum obligatorischen Interview nicht zur Verfügung. Am vergangenen Montag hatte zunächst Sky berichtet, dass Mitarbeiter des Clubs auf zwischenmenschlicher Ebene Probleme mit dem Trainer hätten und ihn einige Spieler auch fachlich kritisieren würden. Später berichtete die Rheinische Post von einem „leitenden Mitarbeiter“, der Breitenreiter „divenhaftes Verhalten“ vorwarf. Philipp Selldorf formulierte in der Süddeutschen mit spitzer Feder, des Trainers Karrierestreben stehe „nach durchaus verbreiteter Ansicht nicht im Einklang mit seinem angewandten Fachwissen“.

Der Club reagierte nachvollziehbar, nutzte seine clubeigene Medienpower und zielte in mannigfaltigen Beiträgen zum Thema stets darauf ab, den Überbringer der Nachricht als unglaubwürdig darzustellen. Breitenreiters Verweigerung zur Zusammenarbeit mit dem TV-Sender Sky darf in diesem Zusammenhang auch als versuchte Disziplinarmaßnahme verstanden werden. Dies wird letztlich nicht helfen, sollte es den Unmut unter den Mitarbeitern tatsächlich geben. Aber bei einem Verein, in dem bei nahezu jeder zweiten Mitgliederversammlung von irgendjemandem der Antrag gestellt wird, die als grundsätzlich böse und unfair erachtete Presse des Saales zu verweisen, war dem Trainer der laute Jubel vieler Fans gewiss.

Bei Twitter und Facebook erfuhr Breitenreiters Boykott zu einem überragenden Anteil Unterstützung. Dort war alles zu lesen, von einem einfachen „richtig so“ über die Forderung, Sky den Zutritt aufs Clubgelände grundsätzlich zu verbieten, bis zu Parolen, wie wir sie aus Geschrei zu unterschiedlichen politischen Standpunkten im Zusammenhang mit der Presse kennen. Auch auf diesem Feld, dem wohl noch gröberen gegenüber dem am Böllenfalltor, hatte Schalke an diesem Wochenende gewonnen.



Fotos: Tomek Bo

Gruppe Zwo & die Spielstärke-Tests

Bayern München und Borussia Dortmund stehen über dem Rest der Liga, sowohl was die theoretische Kaderqualität, als auch was das Spiel auf dem Rasen angeht. In einer sich aus einem gewissen Selbstverständnis ergebenden Gruppe 2 spielen Bayer Leverkusen, Borussia Mönchengladbach, der VfL Wolfsburg und Schalke 04 seit Jahren um die internationalen Plätze. Dies möchten sie auch in dieser Saison wieder tun. Gemeinsam haben sie allerdings, dass sie gegen sehr defensiv auftretende Gegner keine guten Ergebnisse erzielen.

Schalkes Spiel am 2. Spieltag nannte ich den „Darmstadt-Test“. Ich hätte es auch den „Spielstärke-Test“ nennen können: Eine Partie gegen einen Gegner, dessen erstes Ziel ein 0:0 ist, der natürlich versucht Fehler auszunutzen, dessen oberste Priorität aber im Verhindern des Spiels der Anderen liegt. Neben Darmstadt 98 treten auch der FC Ingolstadt und der 1. FC Köln mit diesen Zielsetzungen an. Köln hat dabei das Umschaltspiel nach Ballgewinn am weitesten entwickelt, Darmstadt 98 am wenigsten weit.

Der Erfolg dieser Spielweise ist der Misserfolg derjenigen, die dagegen anspielen. Dass Darmstadt 98 nach 12 Spieltagen bereits 14 Punkte gesammelt hat ist ein Schlag ins Gesicht der Clubs, deren Kaderqualität um ein vielfaches höher liegt und die es eigentlich besser können müssten. Gegen solche Gegner braucht es Tempo und Präzision. Es braucht ein variables Ballbesitzspiel, die Fähigkeit, den Gegner „auseinanderzuspielen“ und die knappen Räume zu nutzen. Vergleicht man die Ergebnisse der Clubs aus Leverkusen, Gladbach, Wolfsburg und Schalke gegen die besagten defensive Gegner zeigt sich, dass sie allesamt immer wieder an diesen „Spielstärke-Tests“ scheitern.



Hat tip für die Idee an Rjonathan

Sign o’ the Times

Das Spiel gegen Darmstadt war typisch Schalke, sagte Ossi. Gegen einen sehr defensiven Gegner Probleme zu haben, das Spiel zu machen, sei nichts Neues. Das Spiel gegen Wolfsburg war die Fortführung, meinte er. Auch da habe Schalke nicht gut gespielt. Vielleicht sei die Europa League eben nicht der Ausrutscher, vielleicht müssen wir uns daran gewöhnen, sagte Pepo. Gestern Abend haben Pepo, Ossi und ich die 3. Folge des Glückauf Pils-Podcasts aufgenommen, die jetzt hier nachzuhören ist.

Die Bewertung der einzelnen Spiele sehe ich anders, aber Pepo hat vermutlich recht. Auch für mich fühlt es sich so an, als sei Schalke 04 gerade in die 2. Kategorie der Bundesligaclubs abgerutscht. Der FC Bayern ist so weit weg wie nie zuvor, Wolfsburg und Leverkusen modeln ihre Kader nach Belieben um, Dortmunds ehedem starke Mannschaft erhält durch den Trainerwechsel neue Impulse. Schalke hingegen fährt den Jugendkurs. Prince Boateng, Christian Fuchs, Tranquillo Barnetta, Jefferson Farfan und eben auch Julian Draxler, der mit 21 Jahren schon viereinhalb Bundesligaspielzeiten Erfahrung hatte, sind weg, stehen Trainer Breitenreiter nicht mehr zur Verfügung. Der Top-Einkauf Johannes Geis ist 21 Jahre jung. Schalke setzt auf die Zukunft und spart sich die Investitionen in die Gegenwart.

Das darf man sympathisch finden. Schalke hat immer noch zig Millionen Euro Verbindlichkeiten. Viele Fans fordern seit Jahren einen „Neuanfang“. Diese Saison fühlt sich nun so an. Aber dann muss man eben auch seine Ansprüche justieren.

Schalke 04 startet mit einem recht kleinen und vor allem unerfahrenen Kader in die Saison. Das Problem ist nicht, dass Trainer André Breitenreiter bestimmte Positionen nicht besetzen kann. Das Problem ist, dass Breitenreiter allzu junge Spieler auch dann einsetzen muss, wenn sie nicht in Form sind, wenn er sie eigentlich schützen sollte.

Gegen Darmstadt 98 hätte Schalke gewinnen müssen, natürlich; am Ende war es eben Pech. Gegen Wolfsburg war Schalke allerdings mehr als klarer Außenseiter. Aus der Erfahrung der letzten Jahre sind Schalke-Fans hohe Ansprüche gewohnt – aber das wird von den jüngsten Entwicklungen über den Haufen geworfen.

Man muss sich schlicht entscheiden. Entweder man hält Schalkes Kader für heruntergewirtschaftet, oder man findet es richtig, dass die Blauen darauf hoffen, dass da eine neue Mannschaft aus vielen talentierten, jungen Spielern zusammenwächst. In beiden Fällen gilt es allerdings, im Hier und Heute keine allzu beeindruckenden Ergebnisse zu erwarten.

Der Darmstadt-Test: (Noch) Nicht bestanden

Schalke kommt im Heimspiel gegen Darmstadt 98 nicht über ein 1:1 hinaus. Am Ende hatte Schalke einfach Pech – oder Darmstadt einen Happen zu viel Glück, wie man’s auch nehmen will.

In der Saison 2006/2007 musste Schalke 04 am 30. Spieltag zuhause gegen Energie Cottbus antreten. Cottbus versuchte, möglichst wenig Fußball zu spielen, war von Beginn an ausschließlich darauf aus, keinen Gegentreffer zu kassieren. An dieses Spiel erinnerte ich mich am Samstag, beim Duell gegen Darmstadt. 2007 war Schalke Tabellenführer und hatte eine erfahrene Mannschaft. Gegen Cottbus tat sich diese trotzdem sehr schwer und es brauchte letztlich ein Cottbuser Eigentor, um das Bollwerk zu brechen. Ich nannte das Spiel damals den „Sander Test“, nach Energie Cottbus‘ Trainer Petrik Sander.

Die aktuelle Mannschaft des FC Schalke 04 hat nun einen sehr ähnlichen Test nicht bestanden. Darmstadt hatte kein Offensivspiel geplant. Quasi ohne Chance, mit einem Glücksschuss, gingen die Lilien in Führung. Durch einen kapitalen Ballverlust Julian Draxlers in letzter Reihe kam Darmstadt beinahe zum zweiten Treffer. Ansonsten ging es den Gästen um die Verhinderung von Fußball. Und Schalke ließ sich seinen Fußball ausreichend lange verhindern.

Zwar immer engagiert, aber doch recht ideenlos war das, was die Blauen in der ersten Halbzeit ausprobierten. Die Ideen bekam die Mannschaft dann in der Pause aufgezeigt. In der zweiten Hälfte brachte man die geeignete Spielweise auf den Platz, mit viel Direktspiel bei geeignetem Tempo im Mittelfeld. Trotzdem fehlte es am Ende zu oft an irgendwas: An der Präzision beim letzten Pass, am abgestimmten Laufweg zwischen neuen Mitspielern, oder am Quäntchen Massel; als der Ball an die Latte knallte, als er zu plötzlich auf Huntelaars Fuß schlug oder nicht ausreichend abgefälscht über Choupo-Motings Bürstenfrisur wischte.

Beim Abpfiff war ich enttäuscht, weil es mit dem Sieg nicht geklappt hat. Ich mochte aber niemandem einen Vorwurf machen. Schalkes Mannschaft hat nicht viel falsch gemacht. Der Trainer hat zur Halbzeit die richtigen Veränderungen vorgenommen. Zwar gelang es nicht, noch während der ersten Hälfte das eigene Spiel anzupassen, und auch die Einwechselungen, vor allem die Max Meyers, brachten keinen entscheidenden Vorteil mehr. Aber Schalke steht unter André Breitenreiter eben noch ganz am Anfang, und die Hoffnung auf den letzten Punch auf die Schultern eines 19-Jährigen zu legen, bei dem es in letzter Zeit eh nicht so gut lief, wäre wohl vermessen gewesen.

Auch Darmstadt mochte ich keinen Vorwurf machen. Dass sich die Spieler in der zweiten Hälfte bei den leichtesten Berührungen wie vom Schlag getroffen auf den Boden schmissen war zwar albern. Und dass aus einem ehemaligen Top-Talent wie Sandro Wagner ein leicht übergewichtig wirkender Kicker geworden ist, der nur noch für 10 Minuten auf den Platz geschickt wird um ein bisschen zu provozieren und den einen oder anderen Freistoß rauszuholen, war ein bisschen zum fremdschämen. Aber darüber darf man sich meines Erachtens nicht beschweren. Das ist Teil des Spiels und nun mal nicht verboten. Teil des Tests eben, gegen einen solchen Gegner, für ein Team, das noch wachsen muss.

Energie Cottbus trat übrigens 2007 auf Schalke auch in orangefarbenen Trikots an. Und der Nicht-so-richtig-Fußball-Fußball brachte Cottbus damals sogar den Klassenerhalt, weil ausreichend viele Gegner den Test nicht bestanden hatten. Mittlerweile spielt Energie aber wieder in der 3. Liga. Doch das nur nebenbei.



Bilder: Håkan Svensson Xauxa, Bonsaiheld

8833 Tage

Die Saison 2015/2016 läuft und morgen wird endlich auch das erste Heimspiel des FC Schalke 04 angepfiffen. Gegner ist der SV Darmstadt 98. Die Lilien zu Gast in Gelsenkirchen – das gab es schon sehr lange nicht mehr. 8833 Tage, um genau zu sein. Die damalige Begegnung war das letzte Zweitligaspiel des FC Schalke 04.

Schalke ist gerade in seine 25. Erstligasaison in Folge gestartet. In dieser Zeit war Rang 14 die schlechteste Platzierung (1994, 2011). In 15 der 24 Jahre wurde man mindestens Siebter. 16 Mal qualifizierte sich Schalke für internationale Wettbewerbe, in den letzten 13 Spielzeiten war Schalke international lediglich einmal nicht zu sehen (2009/2010). Und 04 Mal wurde man auch noch Vizemeister.

Am 16.06.1991 feierte ein volles Parkstadion den Aufstieg zum zweiten Mal. Die erste Feier fand zwei Wochen zuvor statt, beim Heimspiel gegen Fortuna Köln, als die Rückkehr in die 1. Liga bereits feststand. Schalke hatte Peter Neururers Rettung und seine Entlassung hinter sich, eine Zeit zu deren Anekdoten der werte Pedda eine TV-Serie bekommen sollte. Für den Aufstieg holte Günter Eichberg aber Aleksandar Ristic; und sein helles Sakko und die getönte Brille heraus.

24 Jahre. Ein Blick zurück auf das gleiche Schalke unter anderen Gesellschaftsnormen …
 

 
Achso, und: Wer von Euch war das damals, beim Interview hinter dem Präsidenten?

Höwedes sorgt für Schalkes Achtelfinaleinzug

Am Ende steht ein 3:1. Schalke 04 kämpft sich gegen Darmstadt 98 ins Pokal-Achtelfinale. Benni Höwedes war der Held, der Sieg letztendlich verdient, trotzdem war die Leistung das Gegenteil von souverän.

Schalkes Anfangsphase war stark. Bevor sich Darmstadt sortiert hatte ging Schalke hohes Tempo und kam zu Chancen. Nach rund 20 Minuten verebbte das Tempo allerdings, Darmstadt fand zur Ordnung und Schalke tat sich zunehmend schwerer.

Gefühlte 264 Mal wurde der Ball zwischen Joel Matip und Benni Höwedes hin und her gespielt. Zwischenzeitlich missriet ein Pass und ein forsch nach vorne rennender Darmstädter musste gefoult werden. Der einzige gelungene Spielzug nach der 20. Minute führte zum Foul an Farfán und dem entsprechenden Elfer. Blöd nur, dass man eine Minute später den Ausgleich kassierte, weil Darmstadt Standardsituationen in der Regel sehr gut, und Schalke Standardsituationen in der Regel sehr schlecht beherrscht.

Es sei ein echter Drittligakampf, sagte Beckmann zu Scholl in der Halbzeitpause. Er wollte damit Darmstadts Aggressivität loben. Tatsächlich kritisierte er damit auch Schalke 04 überaus passend, denn Schalke lies sich auf einen eben solchen ein, statt seine fußballerische Überlegenheit auszuspielen.

Max Meyer machte ein ordentliches Spiel, und doch wurde er zu wenig einbezogen. Kontrollierte Spielzüge Richtung Darmstädter Tor waren Mangelware, auch in der zweiten Hälfte stockte Schalkes Spiel mehr als es lief. Haarsträubende Fehler, wie der in den Boden tretende Timo Hildebrand, setzten noch Schlaglichter auf das eh nicht gute Gesamtbild. Zum Glück konnte Darmstadt auch nicht recht, hoffte auf hohe Bälle, am liebsten aus Freistößen oder Ecken. Benni Höwedes war es letztlich, der Schalke den Sieg bescherte. Nicht nur durch seinen tollen Kopfball zum 2:1, vor allem durch große Präsenz im Abwehrzentrum, als der Ball doch noch quer durch Timo Hildebrands Strafraum flog.

Schalke hatte viel Ballbesitz und war bemüht, Darmstadt hoffte nur auf Standards. Ein fraglos verdienter Sieg, allerdings auf ganz schwachem fußballerischen Niveau. Jaja, der Pokal hat seine eigenen Gesetze, ich weiß. Ich frage mich trotzdem, weshalb eine auf jeder Position besser besetzte Mannschaft, unterstützt durch ein Trainerteam inklusive dem „Mastermind“ des letztjährigen Triple-Siegers, nicht mal kacknüchtern einen Drittligisten beherrschen und Spielzüge aus sich heraus generieren kann, die zu einem langweiligen 3:0-Erfolg führen. Auch gegen Darmstadt 98 brauchte Schalke Helden.

Danke, Benni.



Bildvorlage: Michael Kranewitter